Freitag, 1. Februar 2008

Opernball

Wenn Weihnachten und Ostern auf einen Tag fallen - in Wien tritt das Unmögliche ein, am Donnerstag vor Faschingsende, beim Wiener Opernball. Vier Stunden Übertragung im ORF (und im Bayerischen Fernsehen und in 3SAT), war das früher auch schon so? Ich gestehe, dass ich es nicht weiß und dass es mich auch nicht gereizt hätte. Aber heute würde ich sagen: Diese Fernsehübertragung sollte ein Pflichtprogramm für jeden sein, der sich mit dem Gedanken trägt, in die österreichische Bundeshauptstadt oder vielleicht überhaupt in dieses Land zu übersiedeln. Pflichtprogramm für die Politiker, die Selbstinszenierung eines Landes in Schönheit und Wohlklang. Angeblich sollen zwei Millionen Zuseher die Fernsehübertragungen anschauen, Wochen vorher und sicher noch Tage danach ist der Opernball das große Thema in Zeitungen und Fernsehen: Wer mit wem auf wessen Kosten in welcher Loge saß oder auch nicht, dieser Fauxpas und jenes verrutschte Ballkleid... Selbst die "Qualitätszeitungen" berichten ausführlich und präsentieren im Internet umfangreiche Bildergalerien...

Die erwarteten (und angekündigten) gewaltsamen Proteste gegen das Fest der Schönen und Reichen blieben übrigens aus. Für die 700 bewaffneten Ordnungshüter, die die Wiener Polizei aufgeboten hatte, war es ein ruhiger Abend.