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Dienstag, 31. August 2010
Vergebliches Bemühen
Ich versuche mich zu erinnern, gehe meinen Tag durch: Da war doch irgendwo ein Splitter eines eigenen Gedankens. Aber er will mir einfach nicht mehr einfallen.
Donnerstag, 19. August 2010
Geschenkidee
Eine gute Idee für ein Geschenk zur Konfirmation oder zum 16. oder 18. Geburtstag: Ein ungeheuer umfangreiches Adressbuch, das ein Leben lang reicht und genügend Platz bietet für die Hunderte oder Tausende Kontakte, die ein Mensch so in seinem Leben ansammelt - die meisten nur auf Zeit. Trüge man in einem solchen Buch nicht nur alle Daten (und Änderungen) treulich ein, sondern könnte man sich auch entschließen, bei gelegentlicher Durchsicht des Buches die Namen all derjenigen zu streichen, mit denen man nichts mehr zu tun hat oder haben will - oder die inzwischen gestorben sind -, dann wäre ein solches Buch ein wahrer Lebensbegleiter und würde eben auch abspiegeln, wie mit der Zeit die Zahl der Toten und übrigen Gestrichenen immer mehr zunimmt.
Mittwoch, 18. August 2010
Traurige Nachrichten aus Gelnhausen
| Gustav Honzen bei der Verabschiedung einer Sekretärin im Juni |
Durch eine meiner ehmaligen Schülerinnen erfahre ich heute vom Tod unseres Gelnhäuser Schulleiters. Seit einem Jahr war seine Krankheit bekannt, werst kürzlich wurde er aus dem aktiven Dienst verabschiedet- Gelnhausen - 17.08.2010 23:23 Uhr Gustav Honzen ist tot |
Gelnhausen (küm/re). Gestern morgen ist der ehemalige Schulleiter der beruflichen Schulen, Gustav Honzen, nach schwerer Krankheit gestorben. Erst Anfang Juli war er aus dem Schuldienst verabschiedet worden. Der bekannte und beliebte Pädagoge wurde nur 64 Jahre alt. Besonders tragisch: Bereits am Samstag starb Gustav Honzens Bruder Friedrich Wilhelm im Alter von 61 Jahre, ebenfalls nach langer, schwerer Krankheit. Zum Lehrerberuf kam Honzen auf dem zweiten Bildungsweg. Nach der Schulzeit an der Volks- und der Kreisrealschule machte er eine Ausbildung zum Industriekaufmann. Gleichzeitig wurde er Landwirt. Er verpflichtete sich für vier Jahre bei der Bundeswehr. Dort lernte er die pädagogische Arbeit kennen und lieben. Er drückte noch einmal die Schulbank, um sein Abitur am Abendgymnasium abzulegen. Es folgte ein Studium der Wirtschaftspädagogik an der Goethe-Universität in Frankfurt. Sein Referendariat absolvierte er an den beruflichen Schulen in Gelnhausen, denen er bis zu seiner Pensionierung am 1. Juli treu blieb. http://www.gnz.de/index.php?id=8&backPID=8&tt_news=16130 Ein feiner Mensch, ein menschlicher Schulleiter, ein guter Pädagoge. Im gemeinsamen Nachruf von Schulleitung, Personalrat, Elternbeirat und Schülervertretung auf der Schulhomepage heißt es sehr richtig: |
"Mit Gustav Honzen verlieren die Kolleginnen und Kollegen, die Schülerinnen und Schüler und die ganze Schulgemeinde einen zuverlässigen Begleiter und Ratgeber. Er verstand es, den ihm anvertrauten Menschen in allen Situationen beizustehen, sie zu motivieren und ihnen Wertschätzung entgegen zu bringen.
Vielen Generationen von Schülerinnen und Schülern ist Gustav Honzen ein beliebter Lehrer und einfühlsamer Pädagoge gewesen, der sie vorbildlich auf dem Weg ins Berufsleben begleitet hat. Die Schülerinnen und Schüler bildeten für ihn stets den Mittelpunkt seines Wirkens. Seine Türe stand immer offen."
Donnerstag, 12. August 2010
Guter Gedanke
In meinem Regal finde ich Bücher, die ich vor über dreißig Jahren aus dem Ramschkasten vor einer Buchhandlung oder einem Antiquariat gekauft, aber bis heute nicht gelesen habe. Eine beruhigende Entdeckung. Es gibt zur Not noch immer etwas zu lesen.
Mittwoch, 11. August 2010
Nicht nur "Göttingen"
BARBARA
Die Einsamkeit
(La Solitude)
Ich sah sie vor der Türe stehen,als ich nach Haus' kam, gestern Nacht.
Froh war ich gar nicht, sie zu sehen.
"Nun fand sie mich", hab' ich gedacht.
Sie schleicht herbei auf leisen Sohlen.
Sie wittert, wenn ein Glück zerbrach,
und nun, der Teufel soll sie holen,
nun kam sie zu mir, sie schlich mir nach!
Nur sie, mit ihren hohlen Wangen,
den großen Augen, schwarz umringt,
sie ist es, die ins Herz das Bangen
und uns die vielen Tränen bringt.
Sie schenkt uns jene leeren Nächte,
wo alles seinen Sinn verliert.
Ich glaub', daß sie es fertigbrächte,
daß man sogar im Sommer friert.
Dein Kleid ist ein Trauerkleid!
Das Haar hängt wild dir ins Gesicht -
hoffnungslos! Fast tust du mir leid.
Ein schöner Anblick bist du nicht!
Komm, sei so gut, geh' fort von hier
Halt andern deine Fratze hin.
Ich brauch kein Unglück, glaub es mir.
Nein, geh dorthin, wo ich nicht bin.
Es gibt so viel noch, was ich möchte,
den Sonnenschein, den Frühlingswind
und Herz an Herz verbrachte Nächte,
die für den Schlaf zu schade sind.
Zwar wird einst meine Stunde schlagen,
doch vorher muß noch viel gescheh'n:
ich will noch oft "Je t'aime" sagen,
und oft vor Liebe noch vergeh'n.
Doch sie sprach: "Öffne mir die Türe,
und tut es dir auch noch so weh...
Ich kam zu dir, weil ich es spüre:
Die Zeit der Liebe ist passé
Verblaßt der Reigen der Gesichter,
verstummt ist nun der Phrasenchor
der feinen Herrn, der falschen Dichter,
der Traum ist aus, mach dir nichts vor!"
Sie wird mir jeden Tag vergiften,
den Schlaf mir rauben jede Nacht.
Sie klammert sich um meine Hüften,
sie hält zu meinen Füßen Wacht!
Wohin ich geh', wird sie dabei sein.
Sie schafft, daß ich mich nie mehr freu'.
Ich weiß: jetzt werd' ich nie mehr frei sein.
Sie ist wieder da, und sie ist treu:
die Einsamkeit,
die Einsamkeit!
Quelle: http://www.mcgee.de/paroles/solitall.html
Die französische Chansonsängerin Barbara hat einige Titel auch in deutscher Fassung aufgenommen. Früher kannte ich immer nur das Lied über "Göttingen" (und als ich dort studierte, musste ich mitunter daran denken), aber es gibt noch einige andere wie dieses hier. Die Kraft des französischen Textes bleibt in einer guten deutschen Übersetzung durchaus spürbar.
Sonntag, 18. Juli 2010
KLEINE SONNTAGSPREDIGT
Jeden Sonntag hat man Kummer
und beträchtlichen Verdruß,
weil man an die Montagsnummer
seiner Zeitung denken muss.
Denn am Sonntag sind bestimmt
zwanzig Morde losgewesen!
Wer sich Zeit zum Lesen nimmt,
muß das montags alles lesen.
Eifersucht und Niedertracht
schweigen fast die ganze Woche.
Aber Sonntag früh bis nacht
machen sie direkt Epoche.
Sonst hat niemand Zeit dazu,
sich mit sowas zu befassen.
Aber sonntags hat man Ruh,
und man kann sich gehen lassen.
Endlich hat man einmal Zeit,
geht spazieren, steht herum,
sucht mit seiner Gattin Streit
und bringt sie und alle um.
Gibt es wirklich nichts Gescheitres,
als sich, gleich gemeinen Mördern,
mit den Seinen ohne weitres
in das Garnichts zu befördern?
Ach, die meisten Menschen sind
nicht geeignet, nichts zu machen!
Langeweile macht sie blind.
Dann passieren solche Sachen.
Lebten sie im Paradiese,
ohne Pflicht und Ziel und Not,
wär die erste Folge diese:
Alle schlügen alle tot.
Homo homini lupus, eine alte Erkenntnis. Manchmal frage ich mich, ob dies nicht auch das biblische Bild vom Menschen ist: Gleich nach dem Hinauswurf aus dem Garten Eden wird schließlich vom ersten Mord, von einem Brudermord erzählt.
Mittwoch, 14. Juli 2010
Unterschied
"Klingt der Begriff 'Midlife-Crisis' nicht ein bisschen altmodisch? Nennt man das heutzutage nicht 'Burnout'?" (Urs Jenny in einer Filmbesprechung im Spiegel) Der Unterschied ist, dass Burnout häufig in den Krankenstand führt - wenn nicht gar zur Frühpension.
Dienstag, 13. Juli 2010
Urlaubsgedanken
Urlaub zu Hause ist für einen Pfarrer eigentlich eine Unmöglichkeit, andererseits die wunderbare Chance, die diversen Schreibtische in Ordnung zu bringen. Außerdem habe ich, weil ich ja nun doch einmal noch da in Wien bin, ein, zwei oder drei sozusagen dienstliche Termine pro Tag, aber keine Schule und keine Sonntagspredigten. Ich entdecke, dass das ein gutes Maß ist, ein gutes Maß wäre auch für die Arbeit unterm Jahr. Der Pfarreralltag jenseits von Sommer und Urlaub sieht freilich anders aus und fühlt sich ganz anders an, wenn die Schule und alle regelmäßigen Gemeindetermine wieder beginnen. Aber das ist erst im September und noch lange hin.
Schneller Seitenblick im Vorübergehen
Ein Hitzeopfer? Oder einer, der seinen Rausch ausschläft? In Wien ist die zweite Möglichkeit aller Erfahrung nach die wahrscheinlichere.
Vor der Lutherkirche
An der Vorderfront unserer Kirche in der Martinstraße stehen einige schöne alte Straßenlaternen. Leider sind sie meistens nicht mehr funktionsfähig. Bei der Planung der Außenrenovierung wurden diese Laternen leider vergessen, vielleicht geht sich das aber noch als kleine Ergänzungsmaßnahme aus.
Freitag, 9. Juli 2010
Das Verschwinden des Christentums
"Kommt man als Priester ins Klassenzimmer und sagt zu den siebenjährigen Kindern freundlich lächelnd 'Grüß Gott', kann man damit rechnen, daß – wie geschehen – der Gruß zurückkommt: 'Fick dich ins Knie, Du Arsch!'.
Die zur Rede gestellten Eltern verbünden sich dann mit der Klassenlehrerin, die den siebenjährigen Flegeln bescheinigt, die bravsten Kinder der Welt zu sein.
Der betreffende Bursche sei eben schon ein 'kleiner gestandener Mann'.
Folglich muß der Fehler bei Hochwürden liegen.
Dahinter steckt System – nämlich das seit 1968 einsetzende Großexperiment der Verdummung und Verrohung der Völker – nicht nur – des deutschen Sprachgebietes."
So beschreibt ein katholischer Religionslehrer seine Arbeit in Deutschland auf kreuz.net Weiterhin ist da zu lesen:
"Meine Aufgabe besteht darin, sogenannten Erstkommunion-Kindern, die sich im angeblichen Unterricht gegenseitig fast totschlagen und beschimpfen, 'Unterricht' zu erteilen, der nur zum allerkleinsten Teil Deckung durch praktizierende katholische Eltern erfährt.
Am Ende dieser Tragödie steht die sakramentale Zwangsbeglückung namens 'Erstkommunion'.
Manche der Achtjährigen weigern sich ausdrücklich, die Heilige Messe zu besuchen.
Fragt man sie, warum sie überhaupt die Erstkommunion wünschen, dann geht es ihnen um teure Rolex-Uhren (sic!) oder sonstige irdische Kostbarkeiten."
Schon vor zwanzig Jahren waren die Geschenke in meinen nordhessischen Gemeinden die wichtigste Motivation für die Konfirmation. Ich erinnere mich, wie mir ein Konfirmand vorrechnete, was er bei den zu erwartenden Geldgeschenken (er kalkulierte, wahrscheinlich ganz realistisch, mit einer vierstelligen Summe) für einen "Stundenlohn" pro Konfirmandenstunde habe.
"Wenn man aber nach der Heiligen Schrift oder nach einem Gebet- oder Gesangbuch fragt, bekommt man oftmals keine Antwort.
Solche Dinge besitzen in der Regel nicht einmal mehr die Eltern, die ihrerseits meist schon Opfer der liberalen antiautoritären Erziehung sind.
Die Kirche wird das in dieser Form nicht mehr lange praktizieren können."
Natürlich ein zugespitzter, drastischer Bericht, aber sehr ehrlich. Und es geht evangelischen Religionslehrern und -lehrerinnen in der Schule sowie Pfarrern und Pfarrerinnen im Konfirmandenunterricht kaum besser, in Deutschland wie in Österreich.
Die zur Rede gestellten Eltern verbünden sich dann mit der Klassenlehrerin, die den siebenjährigen Flegeln bescheinigt, die bravsten Kinder der Welt zu sein.
Der betreffende Bursche sei eben schon ein 'kleiner gestandener Mann'.
Folglich muß der Fehler bei Hochwürden liegen.
Dahinter steckt System – nämlich das seit 1968 einsetzende Großexperiment der Verdummung und Verrohung der Völker – nicht nur – des deutschen Sprachgebietes."
So beschreibt ein katholischer Religionslehrer seine Arbeit in Deutschland auf kreuz.net Weiterhin ist da zu lesen:
"Meine Aufgabe besteht darin, sogenannten Erstkommunion-Kindern, die sich im angeblichen Unterricht gegenseitig fast totschlagen und beschimpfen, 'Unterricht' zu erteilen, der nur zum allerkleinsten Teil Deckung durch praktizierende katholische Eltern erfährt.
Am Ende dieser Tragödie steht die sakramentale Zwangsbeglückung namens 'Erstkommunion'.
Manche der Achtjährigen weigern sich ausdrücklich, die Heilige Messe zu besuchen.
Fragt man sie, warum sie überhaupt die Erstkommunion wünschen, dann geht es ihnen um teure Rolex-Uhren (sic!) oder sonstige irdische Kostbarkeiten."
Schon vor zwanzig Jahren waren die Geschenke in meinen nordhessischen Gemeinden die wichtigste Motivation für die Konfirmation. Ich erinnere mich, wie mir ein Konfirmand vorrechnete, was er bei den zu erwartenden Geldgeschenken (er kalkulierte, wahrscheinlich ganz realistisch, mit einer vierstelligen Summe) für einen "Stundenlohn" pro Konfirmandenstunde habe.
"Wenn man aber nach der Heiligen Schrift oder nach einem Gebet- oder Gesangbuch fragt, bekommt man oftmals keine Antwort.
Solche Dinge besitzen in der Regel nicht einmal mehr die Eltern, die ihrerseits meist schon Opfer der liberalen antiautoritären Erziehung sind.
Die Kirche wird das in dieser Form nicht mehr lange praktizieren können."
Natürlich ein zugespitzter, drastischer Bericht, aber sehr ehrlich. Und es geht evangelischen Religionslehrern und -lehrerinnen in der Schule sowie Pfarrern und Pfarrerinnen im Konfirmandenunterricht kaum besser, in Deutschland wie in Österreich.
Beim Aufräumen wiedergefunden...
Diesen Prospekt finde ich jetzt wieder, als ich während meines Urlaubs das Arbeitszimmer in Ordnung bringe und viel räume (und wegwerfe). Das Motiv mit dem ostdeutschen Ampelmännchen ist einfach gut. Leider konnte ich nicht hinfahren. Ach ja: Österreich ist natürlich auch ein Missionsgebiet, vielleicht noch in viel höherem Maße als Deutschland ist dieses Land säkularisiert. Wenigstens in Wien kommt mir das so vor. In den Bundesländern spielt der traditionelle Katholizismus natürlich noch immer eine größere Rolle; in Wien aber ist Religion eine Privatangelegenheit, über die man am liebsten nicht spricht.
Urlaubsblässe
"Du schaust blass aus." - "Sicher, ich habe Urlaub."
Ferien daheim, da erwacht der Grottenolm in mir. Und draußen ist es eh viel zu heiß, wenigstens untertags.
Ferien daheim, da erwacht der Grottenolm in mir. Und draußen ist es eh viel zu heiß, wenigstens untertags.
Donnerstag, 8. Juli 2010
Patriotismus und Antipatriotismus in Zeiten von Fußballgroßereignissen
Fußballweltmeisterschaften sind Ereignisse, bei denen mit dem Nationalgefühl Erstaunliches passiert. Wird z. B. in Deutschland oft ein Mangel an Patriotismus beklagt, bricht dieser alle vier Jahre (oder alle zwei Jahre, für Europameisterschaften gilt ja Ähnliches) aus wie ein Virus. Das Phänomen ist nicht auf bestimmte Staaten beschränkt, in Deutschland ist es aber besonders bemerkenswert. Während zwischen Fußballgroßereignissen wohl niemand darauf käme, eine deutsche Fahne aufzuziehen oder aus dem Fenster hängen zu lassen, ist dann auf einmal alles schwarz-rot-gold. Im Falle von Erfolgen gibt es viel zu jubeln (und zu trinken). Bei Niederlagen oder Ausscheiden bricht dann der Katzenjammer aus, in manchen Staaten (wie Frankreich) kann ein solcher sportlicher Misserfolg sogar politische Wellen schlagen.
Ein solcher Ausbruch von fußballinduziertem Nationalismus bietet aber auch die Möglichkeit, sich zu distanzieren, die eigene Immunität gegen diese Art von Wahnsinn zu demonstrieren - oder gar den verborgenen Groll oder Hass auf das eigene Land an die Öffentlichkeit zu tragen, so wie in diesen (sicher tief aus dem Bauch des Verfassers kommenden) Versen, die als Kommentar zu einem Artikel in der ZEIT publiziert wurden:
"Durch Deutschland weht ein kalter Wind
Menschen hasten tränenblind
weil sie so verzweifelt sind
in der Stadt herum
Sogar den Bäumen häng'n die Blätter
schlaff herunter wie Lametta
Alle Vöglein singen Moll
Fussball-Deutschland beklagt sich
immer wieder und man fragt sich
wie es weiter gehen soll
Freudentaumel zieht durchs Land
von Garmisch bis zur Waterkant
Alle singen Hand in Hand
Deutschland hat verloren
Links und Rechts und zick und zack
Das "unverkrampfte" Patriotenpack
kriegt endlich wieder aufn Sack
Deutschland hat verloren
lalalalalalalalalala
Deutschland hat verloren
lalalalalalalalalala
Deutschland hat verloren
Ein leichter Gegner eigentlich
machte die Stars heut lächerlich
Mutti Merkel ärgert sich
Deutschland hat verloren
Jogi sitzt alleine da
wie ein alter Fußballstar
Doch kein Meister trallala
Deutschland hat verloren
lalalalalalalalalalala
Deutschland hat verloren
lalalalalalalalalalala
Deutschland hat verloren
Wie Amateure wie Amateure - Ich mach die Säge
Deutschland hat verloren
Wie Amateure wie Amateure - Gott ist das herrlich
Deutschland hat verloren
Wie Amateure wie Amateure - Ich habe fertig
Deutschland hat verloren"
Von Nutzer "aeferiihkaefe", Rechtschreibung leicht gebessert von mir.
Der Verfasser weiß sich mit seinen Gefühlen der Schadenfreude nicht allein (vgl. die 3. Strophe). Aber das ist statistisch vermutlich schwer zu erheben. Denn wer würde sich in einer Umfrage schon als Antipatriot outen?
Die meisten "Patrioten auf Zeit" werden sich die Tränen bald aus den Augen wischen und zur Tagesordnung übergehen. Schade eigentlich, dass es noch dieses Spiel um den 3. Platz gibt, für die deutsche Mannschaft eine weitere Gelegenheit zum Verlieren, im Falle eines Sieges im "kleinen Finale" aber winkt eben nur Anerkennung - und kein Pokal. Und auf den Fanmeilen wird die Freude auch bei einem Sieg über Uruguay verhaltener ausfallen. Ein Anlass zum Trinken ist es, so oder so. Aber den braucht man in Deutschland ja im Grunde nicht - so wenig wie in Österreich übrigens...
Ein solcher Ausbruch von fußballinduziertem Nationalismus bietet aber auch die Möglichkeit, sich zu distanzieren, die eigene Immunität gegen diese Art von Wahnsinn zu demonstrieren - oder gar den verborgenen Groll oder Hass auf das eigene Land an die Öffentlichkeit zu tragen, so wie in diesen (sicher tief aus dem Bauch des Verfassers kommenden) Versen, die als Kommentar zu einem Artikel in der ZEIT publiziert wurden:
"Durch Deutschland weht ein kalter Wind
Menschen hasten tränenblind
weil sie so verzweifelt sind
in der Stadt herum
Sogar den Bäumen häng'n die Blätter
schlaff herunter wie Lametta
Alle Vöglein singen Moll
Fussball-Deutschland beklagt sich
immer wieder und man fragt sich
wie es weiter gehen soll
Freudentaumel zieht durchs Land
von Garmisch bis zur Waterkant
Alle singen Hand in Hand
Deutschland hat verloren
Links und Rechts und zick und zack
Das "unverkrampfte" Patriotenpack
kriegt endlich wieder aufn Sack
Deutschland hat verloren
lalalalalalalalalala
Deutschland hat verloren
lalalalalalalalalala
Deutschland hat verloren
Ein leichter Gegner eigentlich
machte die Stars heut lächerlich
Mutti Merkel ärgert sich
Deutschland hat verloren
Jogi sitzt alleine da
wie ein alter Fußballstar
Doch kein Meister trallala
Deutschland hat verloren
lalalalalalalalalalala
Deutschland hat verloren
lalalalalalalalalalala
Deutschland hat verloren
Wie Amateure wie Amateure - Ich mach die Säge
Deutschland hat verloren
Wie Amateure wie Amateure - Gott ist das herrlich
Deutschland hat verloren
Wie Amateure wie Amateure - Ich habe fertig
Deutschland hat verloren"
Von Nutzer "aeferiihkaefe", Rechtschreibung leicht gebessert von mir.
Der Verfasser weiß sich mit seinen Gefühlen der Schadenfreude nicht allein (vgl. die 3. Strophe). Aber das ist statistisch vermutlich schwer zu erheben. Denn wer würde sich in einer Umfrage schon als Antipatriot outen?
Die meisten "Patrioten auf Zeit" werden sich die Tränen bald aus den Augen wischen und zur Tagesordnung übergehen. Schade eigentlich, dass es noch dieses Spiel um den 3. Platz gibt, für die deutsche Mannschaft eine weitere Gelegenheit zum Verlieren, im Falle eines Sieges im "kleinen Finale" aber winkt eben nur Anerkennung - und kein Pokal. Und auf den Fanmeilen wird die Freude auch bei einem Sieg über Uruguay verhaltener ausfallen. Ein Anlass zum Trinken ist es, so oder so. Aber den braucht man in Deutschland ja im Grunde nicht - so wenig wie in Österreich übrigens...
Dienstag, 6. Juli 2010
Sommer
Und nun ist Sommer. Seit heute habe ich Urlaub. Die Kirche ist außen fertig, die Renovierung noch lange nicht bezahlt. Trotzdem werden wir uns nun der Innenrenovierung zuwenden. Aber jetzt ist erst einmal Sommer, und das ist in Wien in allen gesellschaftlichen und gemeindlichen Belangen eine Zeit der großen Ruhe...
Sonntag, 6. Juni 2010
Lutherkirche von der Schumanngasse aus gesehen...

... also näherungsweise von Norden. Beim Bau der Lutherkirche hat man alle Prinzipien des Kirchenbaus über den Haufen geworfen, den Altar nach Westen gesetzt - und den Turm nach Osten, damit er zur Stadt Wien hinübergrüßte - als sichtbares Zeichen der wiedererstandenen, erstarkenden evangelischen Kirche.
Der Bau ist ungewöhnlich prachtvoll geraten. Der Effekt ist, dass heute jeder vorbeifahrende Autolenker oder jeder Passant, der das kleine Schild neben dem Eingang und den Schaukasten ignoriert, denkt, es handle sich um eine römisch-katholische Kirche. Evangelische Kirchen sehen normalerweise in Wien eben anders aus.
Heil aus Hannover?
Wenn ich gefragt werde, woher ich stamme, gerate ich in Verlegenheit: "Geboren in Essen, dann mit 10 Jahren nach Stuttgart verpflanzt, dort Gymnasium und Zivildienst, dann Studium in Marburg und Göttingen, schließlich verschiedene Orte in Nord-, Mittel- und Südosthessen." - "Aber Ihre Sprache, woher kommt die?" - "Meine Mutter stammt aus der Nähe von Hannover, und da soll man das beste Deutsch sprechen."
Diese Auskunft gebe ich regelmäßig. Hannover gilt in Deutschland als Inbegriff der Provinz, trotz Hannovermesse und EXPO 2000. In diesen Tagen ergibt sich eine neue Perspektive: Nachdem die Hannoveranerin Lena Meyer-Landrut den Eurovision Song Contest gewonnen hat, soll nun auch noch der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff das höchste deutsche Staatsamt übernehmen. Da spreche ich doch über die Herkunft meiner Mutter gleich mit mehr Gewicht. Und vielleicht sagt meinen österreichischen Gesprächspartnern der Name "Hannover" in Zukunft mehr.
Ach ja: Die zurückgetretene EKD-Ratsvorsitzende Margot Kässmann war Bischöfin der hannoverschen Landeskirche. Und ihre verhängnisvolle Trunkenheitsfahrt ereignete sich in der Stadt Hannover. Von dort ging heuer wirklich schon viel aus, was Schlagzeilen machte.
Der Name dieser Stadt wird in Österreich übrigens fast wie in England ausgesprochen, mit einem sehr sanften "v" wie in in "Hoover". Dann klingt es auch gleich viel geheimnis- und verheißungsvoller als bei der in Deutschland üblichen Aussprache, die das "v" fast wie ein "f" artikuliert.
Rätselhafte Inschrift

Ist das ein Ausdruck von Liebe? Oder eine ganz subtile Art der damnatio memoriae?
Dienstag, 25. Mai 2010
Neuigkeiten
"Wärest du nicht hinausgegangen und hättest dir von den Neuigkeiten den Kopf verwirren lassen, so wäre dein Herz nicht so schnell um seine Ruhe gekommen. Seitdem du jeden Tag Neues hören willst, schleicht sich fast immer mit den Neuigkeiten neuer Unfriede in dein Herz."
Thomas von Kempen, Nachfolge Christi I, 20, 8
Wie wahr, wie weise! Ach, damals lebte es sich doch noch einfacher, durch unsere Medien sind die verderblichen, unruhestiftenden Neuigkeiten ja nicht nur draußen auf dem Markt im leibhaften Geschwätz und Getratsche, sondern immer schon drinnen bei uns...
Samstag, 22. Mai 2010
Sonne?
Gestern schien für kurze Zeit die Sonne. Ich sah es aus dem Fenster - und hielt es für Blendwerk des Teufels.

