Dienstag, 30. Dezember 2008
Religion
Manager stehen offen dazu, dass sie sich zu spirituell-religiösen Seminarien ins Kloster zurückziehen. Die Politiker greifen in ihren Reden immer öfters zu religiöser Metaphorik. Reisen an religiöse Kultorte sind ausgebucht, Bücher über die Beschreitung des Jakobswegs werden zu Bestsellern. Heute kann ein Jugendlicher ohne Scham sagen, dass er zum Weltjugendtag in Köln pilgert. Die religiösen Gefühle werden wie selbstverständlich zu Tischgesprächen - was in den Benimmbüchern des 20. Jahrhunderts noch als verpönt galt, weil das Thema einer gepflegten Tischunterhaltung zuwiderlaufe. Heute sind Gespräche über Spiritualität, Religiosität oder Religion salonfähig geworden.
Die verschwundene Scham, sich zur Religion zu bekennen, weiß selbstverständlich auch die Tourismusbranche für sich zu nutzen. Schon seit Ende der 90er-Jahre verzeichnen die Wallfahrtsorte neuen Zuspruch. Strittig ist allerdings, ob sich in der Wiederentdeckung dieser alten Tradition auch eine neue Hinwendung zur Religion spiegelt ...
Religionen werden, anders als in der Vergangenheit, heute nicht primär dadurch interessant, dass sie Wissen über die Zukunft vermitteln können, sondern dadurch, dass sie auf die Unvorhersehbarkeit der Zukunft verweisen und die damit verbundene Kontingenz bearbeiten. Kontingenz bezeichnet einerseits das gemeinsame Auftreten zweier Ereignisse, anderseits aber auch einen Status der Ungewissheit und Offenheit möglicher künftiger Entwicklungen. Auch davon leben die Religionen: Die rationale, von Unwägsamkeiten geprägte moderne Welt erzeugt erst recht das Bedürfnis nach Gegenwelten, nach Wiederverzauberung, weil man sich in diesen Zauberwelten besser verständigen kann.
Hinzu kommt eine Orientierungslosigkeit in unserer Wissensgesellschaft. Sie führt zur Suche nach einem neuen Lebenssinn, oft eben in einer transzendenten Sicht und Hoffnung, so irrational diese manchmal auch zu sein scheint. Dem entspricht es, dass theologisches Wissen für diese Religiosität weitgehend irrelevant ist, auch wenn das den Theologen zuwiderläuft, die von der Wiederkehr der Religion zu profitieren hofften. Die neue Religiosität kommt ohne theologisches Grundwissen und ohne die christliche Heilsbotschaft aus, schulische Bestrebungen, den Religionsunterricht abzuschaffen, verstärken diesen Eindruck. Die ungezählten neuen Bücher in den Buchhandlungsregalen sagen zwar viel aus über Esoterik und Religiosität, aber sehr wenig beispielsweise über die Bedeutung des Christentums auf die westliche Entwicklung inklusive Demokratie und Markt. Glauben und Wissen, Theologie und Frömmigkeit, waren eben schon immer zwei verschiedene Dinge. Kurzum: Vermutlich kehrt nicht das Christentum wieder und schon gar nicht ein Kirchenglaube, sondern eine esoterisch angehauchte und popkulturell angetragene Religiosität.
Das Unbehagen über die eigene Gegenwart führt seit Menschengedenken dazu, dass man sich auf die Religion besinnt, und auch heute scheint sich diese Erkenntnis zu bewahrheiten, wenngleich die Rückbesinnung mehrheitlich auf eine eher diffuse, in ihren Konturen kaum genau beschreibbare Religiosität erfolgt. Wichtig erscheint dabei vorrangig das Wahrnehmen und Ausleben eines religiösen Grundgefühls, unwesentlich die konkreten Gehalte und deren innere Stimmigkeit. Im Lehrschreiben "Fides et ratio" hat Papst Johannes Paul II. allerdings daran erinnert, dass ein Christentum, das nicht mehr eine an der Tradition geschulte Urteilskraft besitzt, an Urteilskraft verliert. Dennoch wird das Religiöse weniger in überlieferten Gesetzen der Weltreligionen gesucht als in einer selbst gebastelten Religiosität. In dieser Struktur mag für die Konfessionen eine Bedrohung liegen, gerade für das Christentum könnte dies aber auch als Chance begriffen werden im Hinblick auf eine neue Bedeutung für die Menschen.
Unbestritten wird die Menschheit in Zukunft mit mehr Krisen und Disruptivem zu kämpfen haben. Ohne Religion im Sinne von Lebensbewältigungspraxis wird das Leben mühsam. Gerade in einer technologisch perfektionierten Welt, die alles und jedes in den Griff bekommen will, den Zeitpunkt der Geburt genauso wie den des Todes, nimmt das Verlangen nach einer nicht kontrollierbaren Ebene zu. Wenn Anfang und Ende des Lebens manipuliert werden können, erzeugt das Unbehagen, geraten die Grundfeste unserer alltäglichen Lebensüberzeugung ins Wanken. Diese Art von Unbehagen führt dazu, dass man glaubt, es gebe eine Welt, die einem das Leben erträglicher macht, eine Welt, die stärker ist als die reelle Welt, weil sie genau dort auftritt, wo wir keine Verfügbarkeit über die Dinge mehr haben. Schließlich hat der moderne Wille, das Unverfügbare verfügbar zu machen, nur den Raum des Unverfügbaren ausgeweitet (Gross). Als Reaktion darauf rückt die existenzielle Bedeutung wieder stärker in den Vordergrund, das Bedürfnis nach dem existenziellen Hunger (Bosshart), der sich abkehrt von der Übersättigung und sich auf das Natürliche, Einfache zurückbesinnt. Zu viel Convenience und Komfort macht unglücklich.
Die interaktive Medienwelt bleibt nicht ohne Folgen auf die Religiosität. Man stellt nicht nur mit einer großen Selbstverständlichkeit die eigenen Sexualpraktiken ins Internet, um so seinen Partner zu finden, sondern exhibitioniert sich auch im Religiösen. Im Kampf um Aufmerksamkeit akzeptiert man alles, was einem neue Erlebnisse und neue Bekanntschaften vermitteln kann. Für die älteren Generationen war der digitale Exhibitionismus noch undenkbar. Sie ist aufgewachsen mit einem strikten Regulativ des Verbotenen und des Erlaubten. Was auch beruhigend war, wurde dadurch das Öffentliche und das Private klar abgegrenzt und war nicht infrage zu stellen. Diese Grenzziehung ist verschwunden. Wenn ein heutiger Schüler einen Aufsatz zum Thema "Auf frischer Tat ertappt" schreiben muss, fällt ihm nichts dazu ein. Weil fast alles erlaubt ist. In der exhibitionistischen Gesellschaft wird der private Raum mehr und mehr zugunsten des Open Space zurückgedrängt.
Offen über Religion zu reden war früher dem Pfarrer und den Religionsintellektuellen vorbehalten. Jetzt reden alle darüber, unabhängig der sozialen Schicht, mit teilweise synkretistischen Folgen, das heißt, man vermischt religiöse Philosophien zu einem neuen Weltbild. Religiosität ist Lebenshilfe, sie ist nützlich, weil sie entlastet und Hoffnung schenkt. Tut sie das nicht mehr, legt man sie wieder ab. Die heutige Religiosität ist konsumistisch geprägt, mit einer geringen Halbwertszeit verbunden, und sie erlaubt die Wahlfreiheit, eine Religion auszuprobieren, bis man sie nicht mehr will. Das hat viel mit Selbstdarstellung zu tun, mit einer Zugehörigkeit, die sich nicht über Konfessionalität definiert. Früher war man Protestant, Katholik oder Jude. Mit dem Aufkommen der globalisierten Konsumwelt wurde eine Art Entlokalisierung möglich: Man muss sich nicht mehr irgendwelchen lokalen Verbänden verpflichtet fühlen, sondern hat die Möglichkeit, ungestraft selbst zu wählen.
Authentizität zeigt sich in der inneren Stärke, zu den eigenen Gefühlen und Empfindungen zu stehen und dementsprechend zu handeln. Keine einfache Aufgabe, schon gar nicht, wenn es um die religiöse Authentizität geht. Authentizität setzt eine gefestigte Individualität voraus, Authentizität muss man sich also erarbeiten. Diese Arbeit ist dem Individuum, bestenfalls einer kleineren Gruppe vorbehalten, nicht aber der großen Masse. Deren Form der Authentizität äußert sich in der Konformität. Die große Masse wird sich an der Simulation orientieren.
Religiöser Pluralismus ist eine gesellschaftliche Tatsache geworden. ... Volkskirchen geraten in Bedrängnis. Für eine wachsende Zahl ungebundener, religiös-suchender Menschen erscheinen sie als Religionen unter Hunderten auf dem Markt. In diesem religiösen Wettbewerb in einer globalisierten Welt, in der sich der Einzelne immer flexibler und national ungebundener verhält, haben die traditionellen Religionen allerdings den unschätzbaren Vorteil, dass sie stark verankerte Wurzeln bieten: Man besinnt sich auf die Halt gebenden Rituale der Taufe oder der Heirat. Wo auch immer man sich auf der Welt befindet - die Identität der Kirche bleibt überall die gleiche. Bei der Religion spielt nicht nur das Bewusstsein eine Rolle, sondern auch die Handlungsfunktion. Unter dem Aspekt der Religion werden bestimmte Handlungsformen vollzogen.
Das überdimensionierte Kreuz, das sich Popsängerin Madonna um den Hals hängt, Jesus mit Dornenkrone auf dem Slip - religiöse Motive als Modeaccessoires wurden lange Zeit als Provokation empfunden. Mittlerweile haben sie Kultcharakter und werden von den Jugendlichen dementsprechend imitiert. Man kupfert von religiösen Ritualen ab, ohne sie mit Inhalten in Verbindung zu bringen. Es geht um Gags, um Überspielungen, um Gruppenzugehörigkeit. Heute trägt man demonstrativ eine Rosenkranzkette um die Hand gebunden, wenn möglich von Dolce & Gabbana.
Die Wahl Ratzingers zum Papst ist der Versuch, am Alten festzuhalten. Aber die künftige Religionswelt wird anders aussehen und wird die gelebte Religion stärker berücksichtigen müssen. Nicht neu übersetzt will die Bibel werden, sondern neu ausgelegt. Das Phänomen der Entzauberung durch Pluralisierung könnte zu einer neuen Form der Aufklärung in der Form führen, als man Religion neu strukturiert, ihr neue Bereiche zuweist, was vielleicht auch zu einem Überdenken der Rolle von Kirche und Staat führen kann.
Man könnte sich finden in der Einsicht, dass man Probleme hat, dass es Unverfügbares gibt, Dinge, mit denen man nicht zurande kommt. Wenn diese Religionsvertreter dann einsähen, dass diese Grundbefindlichkeit, dieses Fundament von den Weltreligionen in ihrer Substanz unterschiedlich bearbeitet werden müsste, könnte eine empathische Religion entstehen, oder, um George W. Bush im positiven Sinn zu erwähnen, ein "passionate conservatism", der mitfühlt, mitdenkt, mit leidet im Bewusstsein, dass die anderen genau die gleichen Probleme haben.
Die Verlässlichkeit der traditionellen religiösen Institutionen, die sich neben all ihren Schwächen doch auch Verdienste erworben haben beispielsweise durch ihren Einfluss auf den kulturellen und gesellschaftlichen Fortschritt, dürfen nicht unterschätzt werden. Auf das, was die traditionellen Religionen an Kultur gestiftet haben und stiften, kann auch die moderne Gesellschaft nicht verzichten.
"Religion ist Heimat". Gekürzte Dokumentation einer Diskussion zum Thema "Welche Zukunft hat der Glaube?" in der WELT
Jahrzehntelang sind nun praktisch-theologische Arbeiten erschienen über die Religiosität in Fußballstadien oder Kunstmuseen, über Religion in der Werbung und in allen möglichen Bereichen des Alltags; seit langem beobachten die Kirchen mit großem Interesse die Renaissance der Religiosität - aber für die wenigsten religiös Suchenden unserer Tage bieten die traditionellen Religionen und Konfessionen die passenden Antworten. Suchen ist eine Haltung des modernen Menschen, Ausdruck des Unterwegsseins, der Offenheit - Finden und sich dazu zu bekennen, das wäre eine Einschränkung des offenen Kosmos der Möglichkeiten. Noch ist die Zeit nicht reif dafür, dass auch solche Selbstbeschränkung wieder angesehen wäre.
Sonntag, 28. Dezember 2008
Volle Gottesdienste
Samstag, 27. Dezember 2008
Grenzverwischungen
Mein chauvinistisches Ohr
Über die moralische Verwahrlosung des öffentlichen Raums
Die Grenze zwischen Privatheit und Öffentlichkeit ist unscharf geworden in einer Zeit, die ungeniert nach Selbstverwirklichung drängt. Wo dem Einzelnen unter dem Eindruck des Beobachtetwerdens einst die Kontrolle der persönlichen Gefühle auferlegt war, droht sich dies heute ins Gegenteil zu verkehren. Die Strasse gerät zur Bühne des eigenen Selbst – die Freiheit, die sich einer herausnimmt, wird zur Unfreiheit der anderen.
Von Dubravka Ugrešić
Er marschiert auf mich zu wie ein Soldat in voller Kriegsausrüstung, schreitet entschlossen auf einer imaginären Geraden, auf dem Rücken ein Rucksack, die Ohren mit einem iPod verstopft. Seine Sonnenbrille macht jeden Blickkontakt unmöglich. Den Körper benutzt er als unsichtbaren Pflug, alles wie Schnee vor sich wegräumend. Ich trete unterwürfig zur Seite. Immer mehr Leute benutzen im öffentlichen Raum ihren Körper als Schneepflug. Und immer bin ich diejenige, die zur Seite weicht.
Während ich an der Kasse eines Lebensmittelgeschäfts Schlange stehe, bohrt sich wie ein plötzlicher Schmerz der Ruf eines Muezzins in mein Ohr. Ich drehe mich um und erblicke eine zierliche junge Frau in einem langen Jeansrock, hellblaue, paillettenbesetzte Flip-Flops an den Füssen, auf dem Kopf ein Tuch. Sie nimmt ihr Mobiltelefon aus der Handtasche und drückt darauf herum. Vielleicht mahnt das Handy sie, dass es Zeit ist fürs Gebet, denke ich versöhnlich. Auch mein Ohr ist inzwischen versöhnt. Dann aber wird es von einem neuen Geräusch durchbohrt: Eine junge Chinesin in der Schlange kreischt etwas Unverständliches in ihr Handy. Wie sich die durchdringenden Stimmen junger Chinesinnen und junger Marokkaner doch ähneln, denke ich. Verschämt wische ich diesen Gedanken beiseite. Ich schwöre, das war nicht ich, das war mein Ohr, gebildet in einer Gegend, in der das hohe C nie besonders geschätzt wurde. Ein chauvinistisches Ohr!
EINE FRAGE DES FREIRAUMS
Auf den Strassen begegne ich immer öfter singenden Radfahrern. Sie treten in die Pedale und trällern vor sich hin. Das ist etwas Neues, dieses Zurschaustellen von Gelassenheit, diese öffentliche Eroberung des persönlichen Freiraums. Mein Ohr ist gereizt, an so etwas nicht gewöhnt, intolerant. Mein Ohr ist ein widerlicher control freak .
Während ich in einer Gaststätte mit Seeblick auf meinen Kaffee warte, bleibt mein Blick an einem jungen Paar am Nebentisch hängen. Die junge Frau mit langem blondem Haar hat ihre Füsse lässig auf den Tisch gelegt, direkt neben eine Suppenterrine. Der junge Mann massiert mit einer Hand zärtlich ihre Zehen, mit der anderen löffelt er seine Suppe aus. Die Frau kichert ausgelassen und versucht, mit den Zehen seine Suppenterrine umzukippen. Der Anblick der nackten Füsse auf der Tischplatte erregt in mir leichten Ekel. Mein Auge ist menschenfeindlich. Die Szene am Nebentisch lässt sich nicht mit einer unsichtbaren Fernbedienung ausschalten – wie ich es in Gedanken wünsche –, deshalb stehe ich auf und verlasse geschlagen den Ort.
Die Aufzüge in den U-Bahn-Stationen, die zu den Zügen führen, hauptsächlich von Müttern mit Kinderwagen, älteren Menschen und Menschen mit Fahrrädern benötigt, sind immer vollgespuckt und vollgepisst. Männer benutzen sie als öffentliche Toiletten und Spucknäpfe. Während ich zu den Zügen fahre, muss ich die Nase mit der Hand oder mit dem Schal bedecken. Der Gestank ist unerträglich. Schuld daran ist allein meine Nase. Meine verdammte Nase ist elitär.
Aus dem Blickfeld
Sobald sie in der Strassenbahn einen Sitzplatz ergattern, holen die jungen Frauen ihre Schminktäschchen hervor und machen sich für den Tag zurecht. Alles ist da: der Eyeliner, die Mascara, die kleine Nagelfeile, der Nagellack, die Pinzette. Warum schminken sich junge Frauen ausgerechnet in der Strassenbahn? Wenn sie das schon im öffentlichen Raum erledigen müssen, warum nicht in einer öffentlichen Toilette oder auf einer Parkbank?!
Während ich am Strassenrand stehe, wirft ein Radfahrer leere Pizzaschachteln in eine nichtexistierende Mülltonne. Eine Schachtel verpasst meinen Kopf nur um wenige Zentimeter. He! – schreie ich, aber es kommt zu keinem Kontakt. Der Typ radelt schnell aus meinem Blickfeld.
In meiner Nachbarschaft befindet sich ein Gotteshaus. Es ist offensichtlich zu klein, daher knien die Gläubigen bei gutem Wetter draussen, die Köpfe gen Osten, die Hintern gen Westen. Während der Gebetszeit gibt es kein Durchkommen auf dem Weg, der für alle vorgesehen ist, für die Gläubigen wie für die Ungläubigen. Neben dem Tempel steht ein Verkehrsschild, auf dem ein durchgekreuzter Hund zu sehen ist. Mein Freund hat einen Hund. Er wurde schon mehrmals von selbsternannten Glaubenspolizisten ermahnt, der Durchgang am Gotteshaus sei für Hunde verboten. Drumherum liegt viel Dreck, die Kinder der Gläubigen hinterlassen dort Abfälle, Limo-Dosen, Kekspackungen. Die Abfälle stören Gott offenbar nicht, nur die Hunde.
In den Strassen- und U-Bahnen sind die Sitze meistens von männlichen Jugendlichen okkupiert. Ältere Menschen stehen demütig. Der öffentliche Raum ist Schauplatz des latenten Sadomasochismus. Die Stärkeren setzen ihr Recht durch, die Schwächeren ducken sich. Vor meinem Lebensmittelgeschäft steht seit Monaten ein unsympathischer Dreissigjähriger und spielt auf seiner Gitarre. Der Typ ist total unmusikalisch, offenbar kann er überhaupt nicht Gitarre spielen, mit einem Wort, er klimpert. Er will dadurch nur auf sich aufmerksam machen und einen dazu bringen, eine Münze in seinen Hut zu werfen.
Manche Bewohner von Hochhäusern vertreiben sich die Zeit damit, Essbares aus dem Fenster zu werfen. Sie füttern die Vögel. Im Flug beschmutzen die Vögel, hauptsächlich Tauben und Möwen, die Fensterscheiben. Was sie nicht auffressen, bleibt für die Ratten. Nachts durchstreifen die Ratten frei den öffentlichen Raum. Die Tierschützer triumphieren.
Ich besteige ein Taxi. Der Fahrer, ein Muslim, verrichtet während der Fahrt sein Gebet. Mit einem Büchlein in der Hand murmelt er es herunter. Gelegentlich unterbricht er das Gebet, wenn er bremsen oder die Ampel beachten muss. Seine monotone Leier stört mein gottloses Ohr, aber ich ertrage mit Fassung die Situation, in die ich geraten bin. Beim Verlassen des Taxis reiche ich ihm einen grossen Schein, denn ich habe kein Kleingeld. «Wie viel Trinkgeld bekomme ich?», fragt der Fahrer. Seine Stimme klingt jetzt auffällig anders. Das demütige religiöse Brabbeln von vorhin galt Gott, dieser drohende Ton mir. Den Geldschein hält er schon in der Hand, ein Verhandeln ist also nicht mehr möglich, denn er könnte Gas geben und mit dem ganzen Geld abhauen. Ich entscheide mich für ein grosszügiges Trinkgeld, um den Rest zu retten.
Unerwiderte Liebe
Der öffentliche Raum mit seinen geschriebenen und ungeschriebenen Gesetzen ist heute dazu da, die persönliche Freiheit zur Schau zu stellen. Altmodische Benimmregeln gelten nicht mehr, Schilder mit der Aufschrift «Spucken verboten», die früher wegen ihres absurden Inhalts die Leute zum Lachen brachten, sind längst verschwunden. Heute spucken viele auf den Boden, markieren den Raum mit ihrer Spucke, mit ihrem Urin, mit ihren Leibern, mit ihren Stimmen. Niemand will mehr unbemerkt bleiben. Jeder kämpft um seine Rechte und pfeift auf die der anderen.
Mir fällt auf, dass ich immer seltener aus dem Haus gehe. An der Wohnungstür habe ich drei Schlösser anbringen lassen, die Vorhänge an den Fenstern ziehe ich zu, meine Wohnung verwandelt sich langsam in einen Guerilla-Unterschlupf. Auch fällt mir auf, dass ich meinen Nächsten nicht mehr liebe. Die Nächstenliebe erfordert übermenschliche Anstrengung. Sie ist eine unerwiderte Liebe, und ich bin nur ein gewöhnliches und schwaches Exemplar der Spezies Mensch. Für das Ressort Nächstenliebe ist doch Gott zuständig, denke ich, er hat den Menschen nach seinem Ebenbild geschaffen, soll er ihn auch lieben. (…)
Neue Zürcher Zeitung 27.12.2008
Überlegung
Edwin Conklin
Absturz einer Berufsgruppe
(...)
Unbeliebter sind (...) nur noch Prostituierte und Menschen mit Vorstrafen.
Wenn Jesus heute lebte...
Freitag, 26. Dezember 2008
Linz - Kulturhauptstadt Europas 2009
Die Frage nach dem Vorher
"Ob nun ein intergalaktischer Crash oder gar Parallelwelten, was vor dem Universum stand, weiß niemand so recht"
Was tat Gott, bevor er Himmel und Erde schuf? Er machte die Hölle für diejenigen, die solche Fragen stellen. Schrieb Augustinus. Die Physiker schreckt das nicht. Die offizielle Version lautet zwar: Es gibt kein »vor dem Urknall«, denn auch die Zeit ist erst mit dem Big Bang entstanden. Wenn Kosmologen unter sich sind, spekulieren sie aber munter über die Zeit vor dem Urknall.
Das Urknallmodell, so viel ist richtig, steht auf einem soliden Fundament. Astronomen beobachten, dass sich die Galaxien rasend schnell voneinander entfernen. Daraus schließen sie, dass alle Materie einst in einem unheimlich dichten Punkt konzentriert war. Um die allererste Sekunde zu beschreiben, braucht man aber eine Theorie, die Relativitäts- und Quantentheorie vereint: die Weltformel (...). Sie könnte auch einen Hinweis darauf geben, was vor dem Urknall war. Der beste Kandidat, die Stringtheorie, ist zwar noch lange nicht fertig, trotzdem haben die Kosmologen sie schon einmal auf den Beginn des Universums angewendet. Die Ergebnisse:
1. Das zyklische Universum (Big Bounce)
Kurz vor dem Urknall driftete unsere Welt durch ein höherdimensionales Universum – laut Stringtheorie hat das Universum bis zu elf Dimensionen. Eine zweite Welt driftete ebenfalls durch diesen Hyperraum. Beide Welten begannen sich anzuziehen und – Whammmm!!! – stießen kurzzeitig zusammen. Das ist der Big Bounce (großer Rückprall). Dann dehnte sich unser Weltall wieder aus. Nach einigen Trillionen Jahren wird die Materie extrem verdünnt sein, der nächste Zusammenstoß mit der Parallelwelt steht bevor, und alles beginnt von vorne. »Eine Kollision hat ein Davor und ein Danach«, sagt Paul Steinhardt von der Princeton University, einer der Urheber des Modells. »So kommen wir von der Idee weg, dass der Urknall der Anfang sein musste.«
2. Das Multiversum
Vor einigen Jahren dämmerte den Stringtheoretikern, dass ihre Theorie nicht nur eine, sondern unendlich viele Lösungen hat. Vielleicht, so spekulieren einige prominente Physiker, beschreibt ja jede dieser Lösungen ein real existierendes Universum in einem gigantischen Multiversum. Unser Universum wäre nur eines von vielen, neue Universen entstünden wie Bläschen in einem Schaumbad. Die Antwort auf die Frage, was vor dem Urknall war, würde dann lauten: andere Universen anderswo.
Bislang sind beide Szenarien nicht mehr als kühne Spekulationen. Um sie zu erhärten, müsste erstens die Stringtheorie weiter fortgeschritten sein. Zweitens braucht es empirische Belege. In einem zyklischen Universum hätte zum Beispiel die schwache Mikrowellenstrahlung – das Echo des Urknalls – andere Eigenschaften als im herkömmlichen Big-Bang-Universum. Moderne Satellitenteleskope könnten den Unterschied in den nächsten Jahren vielleicht nachweisen.
Die Idee vom Multiversum scheint dagegen prinzipiell nicht überprüfbar zu sein, deshalb ist der Widerstand groß. Der Nobelpreisträger David Gross nennt das Multiversum eine »gefährliche Idee«, Paul Steinhardt fürchtet: »Die Wissenschaft käme zu einem deprimierenden Ende.«
Womöglich haben die Kosmologen die Grenze des Wissens erreicht. Die Frage nach der Zeit vor dem Urknall bliebe für immer unbeantwortet. Immerhin: Wenn Augustinus recht behielte, kämen sie dann in den Himmel.
www.zeit.de/zeit-wissen
Donnerstag, 25. Dezember 2008
Transparenz - Gute Werbeidee
Für das neueste Kluge-Köpfe-Bild der F.A.Z. macht sich Mohamed ElBaradei, Generaldirektor der internationalen Atomenergieorganisation (IAEO), selbst so transparent, wie es sein Amt von den Atomkraft nutzenden Staaten verlangt. Das spektakuläre Kampagnenmotiv, realisiert von dem englischen Fotografen Nick Veasey, zeigt den Friedensnobelpreisträger komplett durchleuchtet. Das Motiv wird „Aufmerksamkeit für unsere Arbeit und die Gefahren dieser Welt bringen“, so ElBaradei im Interview am Rande des Foto-Shootings.Xmas
Xmas ist vor allem in der Werbesprache gängig, die den Menschen englische Wörter als modisches Outfit verkaufen möchte. Da gibt es jetzt in der Weihnachtszeit haarsträubende Angebote. Erträglich ist noch ein Soul- und Gospel-Chor namens „Xmas Project“. Doch für einen „Schlagermove“ mit 38 „Musik-Trucks“, der am Samstag vor Weihnachten in Hamburg stattfand, gibt es keine mildernden Umstände: Dort wird mit „Xmas-Kugeln“ Weihnachten gefeiert. Einen Tag zuvor konnte man sich für einen guten Zweck an einer „Xmas-Aktion“ beteiligen. Und „Bild“ lud zur „Xmas-Party“ in den „Fun-Parc“ Trittau, für die „heiße Xmas-Go-Gos“ versprochen wurden.
X für den ersten Buchstaben des Namens Christus
Angesichts des Xmas-Tsunamis ist der Verein Deutsche Sprache nicht untätig geblieben und hat eine Flutwarnung herausgegeben: Xmas sei das „überflüssigste Wort des Jahres 2008“. Überflüssig ist es in der Tat. Aber man wird es nicht durch Anprangern eliminieren. Und zu behaupten, „dass bei diesem Anglizismus sogar das Wort ,Christ' durch das schnöde Kürzel X ersetzt wird“, führt in die Irre: X ist natürlich keineswegs ein schnödes Kürzel.
Der Buchstabe ist zwar eine sprachliche Vielzweckwaffe und bedeutet etwa das römische Zahlzeichen 10, die Unbekannte in einer mathematischen Gleichung, die Längeneinheit für Röntgenstrahlen (“X-rays“), einen Chromosomentyp, eine unbestimmte Menge (“x-mal“) oder gar Zufälligkeit (“x-beliebig“). Doch im Wort Xmas steht X für den ersten Buchstaben des Namens Christus - im griechischen Alphabet.
Seit frühchristlicher Zeit finden sich als Abkürzung für den griechischen Namen XPIΣTOΣ, der später im Lateinischen zu Christus wurde, die Anfangsbuchstaben X (Chi) und P (Rho). Diese beiden Buchstaben wurden zu einem Christusmonogramm (oder Christogramm) kombiniert - neben Kreuz und Fisch dem wichtigsten christlichen Symbol, das schon der römische Kaiser Konstantin im vierten Jahrhundert auf seinen Feldzeichen verwendete.
Dieses Wort ist allemal christlicher als unser trautes Weihnachten
Bis in die Neuzeit wurde der erste Buchstabe X abkürzend für Christus benutzt. Dieser Brauch hielt sich, allmählich seltener werdend, in England bis heute. Und immer häufiger wurde auch die mit „Christ“ gebildete Kurzform Xmas. Der erste Beleg für Xmas stammt aus dem Jahr 1551. Auch Autoren wie der romantische Dichter Coleridge nutzten die Abkürzung. So schreibt er am 31. Dezember 1801 an seinen Kollegen Southey: „On Xmas Day I breakfasted with Davy.“
Xmas ist also im deutschen Wortschatz überflüssig - aber sein Gebrauch verstößt nicht gegen christliche Sitten. Dieses Wort ist allemal christlicher als unser trautes Weihnachten, das ursprünglich die heidnischen „heiligen Nächte“ (mittelhochdeutsch „wihen nahten“) bezeichnet, in denen unsere germanischen Vorfahren den Mittwinter feierten - feuchtfröhlich wie ihre Nachkommen heute.
Theo Stemmler: Xmas ist nicht nur ein schnödes Kürzel, faz.net
Mittwoch, 24. Dezember 2008
Sehnsuchtsvoller Traum
irgendwo vor der Stadt,
dort, wo die Schlote und Mauern
nicht mehr dicht vor den Fenstern lauern
und man den weiten Himmel
über den hungrigen Augen hat.
Und ein Haus in den Wiesen –
hätt es auch nur einen einzigen Raum –
aber Blumen stünden
auf unserem Tisch, – aus den Gründen
käme abends der Wind und
spielte im Apfelbaum.
Manchmal müsstest du kommen,
wenn die Arbeit zu Ende ist.
Kein Wort, kein Lärm darf dich kränken –
in meinem stillen Verschenken
solltest du spüren und wissen,
dass du zuhause bist.
Erika Danneberg (1922 - 2007)
Was man so an Heiligabend tut
Montag, 22. Dezember 2008
Neue Unterrichtsfächer
Für jedes Hobby und Interesse haben die Deutschen bekanntlich einen Verein, einen Verband oder, man geht ja mit der Zeit, eine "Wissensfabrik" (think tank). Sie alle buhlen um Aufmerksamkeit, und dass diese leicht zu gewinnen ist, wenn man nur das Reizthema Schule anspricht, haben auch schon viele herausgefunden. So vergeht kaum eine Woche ohne Forderungen nach irgendeinem neuen Schulfach: Die Bankwirtschaft verlangt mehr ökonomische Bildung (dabei verstehen die Banker ihr Geschäft ja selbst kaum), Umweltorganisationen fordern Naturkunde, Köche und Diätberater sähen gerne Kochen und Ernährung als eigenständiges Fach.
Zwar klagen Schüler und Lehrer schon jetzt über die Fülle des Stoffs in den Lehrplänen, aber das hindert die Lobbyisten nicht, neue Wunschzettel zu schreiben. Verbraucherschützer wünschen sich mehr - man rät es schon - Verbraucherschutzthemen in der Schule; der Bundesverband Darstellendes Spiel fordert das Schulfach Theater, Regisseure hätten gern mehr Unterricht in Film und Filmtheorie; die Architekten die Architektur. Die FDP kann sich eine "Datenschutz-Stunde" vorstellen; der Deutsche Wetterdienst schlägt eine bessere Klimaerziehung vor. Die Brandenburger Feuerwehr dringt auf Brandschutzunterricht. Der Bestseller-Arzt-Autor Dietrich Grönemeyer wirbt für ein Schulfach Gesundheit (und hätte bestimmt nichts dagegen, wenn seine Bücher Schullektüre würden). Ein Hamburger Zeitforscher erkennt bei Jugendlichen einen Mangel an "Zeitkultur". Die Deutsche Gesellschaft für Zeitpolitik kann sich einen Zeit-Unterricht in der Schule vorstellen. Vielleicht können die Zeitforscher den Kindern und erstaunten Lehrern auch beibringen, wie man es schafft, hundert Themen und Fächer in nur einer Schulwoche unterzubringen?
Die Schule sei nicht der "Erfüllungsgehilfe für Spontaninteressen", sagt der Vorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung, Ludwig Eckinger. Natürlich gehörten alle wichtigen Themen in die Schule - "aber nicht als Einzelfächer zum Abhaken". Eckinger empfiehlt fächerübergreifenden Unterricht und einen engen Kontakt der Schule mit anderen Institutionen, mit Vereinen und Betrieben. Man werde jedoch nie alle Erwartungen, die an die Schule herangetragen werden, auf einmal erfüllen können.
Die Vielfalt der Gesellschaft und ihrer Themen in die Schule zu holen, ist seit jeher das Credo guter Pädagogik. Es lässt sich aber kaum durch vorgeschriebene neue Fächer verwirklichen. So lange jeder fünfte Neuntklässler Deutschland im Rechnen und Lesen nicht oder nur knapp über das Niveau der Grundschule hinauskommt, sind unzureichende Kenntnisse über das Wetter oder die Filmkunst vielleicht auch nicht das drängendste Problem. Allerdings: Das Einüben mathematischer Kompetenzen und die Leseförderung lassen sich durchaus einbetten in einen inhaltlich anregenden Unterricht, in dem es vordergründig um ganz anderes geht. Zum Beispiel ums Wetter.
Manchmal werden Ideen für ungewöhnliche Fächer an den Schulen selbst geboren. In der Willy-Hellpach-Schule in Heidelberg hat Direktor Ernst-Fritz Schubert das Fach "Glück" eingeführt. Was esoterisch klingt, folgt einer durchdachten pädagogischen Konzeption. Das neue Fach ist eine Mischung aus Sinnsuche und Selbsterfahrungskurs, aus Philosophie, Kunst, Tanz, Gymnastik und Theater. Die Schüler sollen sich zum Beispiel selbst einen Brief schreiben, in dem sie ihre Ziele notieren. Es wird gemeinsam gekocht, die Kinder suchen nach gesunden Lebensmitteln, sie recherchieren deren Herkunft und ermitteln die Transportzeiten. Das Fach Glück nimmt viele Wünsche auf, die immer wieder an die Schulen herangetragen werden. Direktor Schubert hat gleich ein Buch darüber geschrieben - das "Schulfach Glück" (Herder Verlag, 2008) lässt sich ganz gut verkaufen. Auch Pädagogen können zu Lobbyisten in eigener Sache werden.
Gefunden auf jetzt.de
Nikolo
Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich in diesem Jahr den Nikolausg gespielt, den Nikolo, wie er hier heißt. An der Brille, an der tiefen Stimme sollten die Kinder mich erkannt haben, denke ich. Aber Kinder sind eben anders. Selbst wenn sie es wissen oder spüren, dass hier jemand den Nikolaus nur spielt, stört sie das nicht. Sie sind ganz in der Situation, wollen sich verzaubern lassen, sie wollen glauben. Und sie differenzieren nicht wie Erwachsene: Entweder es ist der wirkliche Nikolaus oder es ist eben nur Theater, nein: Sie sind ganz dabei.
Wie sagt Jesus? Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder...
Weiterhin billige Räusche
Die "Leipziger Volkszeitung" hatte aus dem Entwurf zitiert: Preisanhebungen infolge von Steuererhöhungen könnten einen "unmittelbaren und relevanten Effekt auf die Senkung des Alkoholkonsums ausüben".
Dazu ließ die Drogenbeauftragte wissen: "Es soll lediglich wissenschaftlich untersucht werden, welchen Einfluss der Preis von Alkohol auf das Konsumverhalten hat - darüber hinaus werden keine steuerpolitische Maßnahmen erwogen." Außerdem stellte Bätzing klar, dass es sich um ein nicht abgestimmtes Papier handele. Der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder, hatte zuvor gesagt: "Die von Frau Bätzing vorgeschlagenen Steuererhöhungspläne lehnen wir ab. Mit Steuerpolitik kann man keine Vorbeugepolitik für Jugendliche machen. Sie weichen dann nur auf noch billigeren Fusel aus." (...)
ftd.de
Das ist zwar richtig, aber ein wenig Geld würde der Staatskasse sicher auch nicht schaden.
Und immer noch Blau
Schwierigkeit mit dem Glück
Dieser Wahrnehmung entspricht auf der anderen Seite die Schwierigkeit vom Glück etwas mitzuteilen. Selbst bei Dante ist das Inferno viel plastischer als das Paradies. Wenn es einem gut geht, was soll man schon sagen? Da fehlen uns am Ende sogar die Vokabeln.
Ineinander
Sonntag, 21. Dezember 2008
Wechselseitige Ehrfurcht und Verschaltung des Universums
Fragen, die Eltern oft ratlos machen, weil sie bei der Erklärung der schwierigen Themen verunsichert sind. Schließlich geht es um keine Wissensfragen, sondern um jene des Glaubens. Und diese sind Herzensangelegenheit, können persönliche Einstellungen und Überzeugungen prägen.
Etwa der Glaube ans Christkind. Den soll man kleinen Kindern bewahren. Es gibt keinen stichhaltigen Grund, ihn wegzunehmen. "Zwangsrealismus ist im Kinderzimmer nicht gefragt. Das ist Sache von Erwachsenen, weil für sie die Wahrhaftigkeit den höchsten Kulturwert darstellt", sagt KURIER-Family-Coach Martina Leibovici-Mühlberger, die die Bewahrung von Kindheit für einen ebenso hohen Kulturwert hält. "Solange ein Kind das Christkind nicht hinterfragt oder bezweifelt, ist es gut. Es kommt ohnehin früh genug dahinter, wie es wirklich ist. Es ist für die Kleinen etwas sehr Schönes, Warmes und Fantasievolles. In dieser Figur steckt Beschütztheit und Geborgenheit."
Der tiefere Sinn
Weihnachten sei eine gute Zeit, um die Geschichte, die dahintersteht, zu thematisieren, so die Psychotherapeutin. "Den Kindern zu erzählen, welche Bedeutung eine Krippe hat und wer das Christkind ist. Diese Selbstverständlichkeit unserer Kultur geht immer mehr verloren – viele Kinder sehen eine Krippe ebenso wie die Bastelwerkstatt von Micky Mouse oder das Märchen von Frau Holle. Sie können nicht differenzieren, wenn man ihnen den Unterschied nicht erklärt." Leibovici-Mühlberger rät, im Sinne der Kinder einen respektvollen Umgang mit der Weihnachtsgeschichte zu pflegen. "Durch sie können ethische Werte vermittelt werden und den Anstoß geben, sich mit dem Thema Glauben auseinanderzusetzen."
Der bessere Umgang
Religiöse Fragen der Kinder können entscheidend für die Entwicklung ihrer Weltanschauung sein. Deshalb sollten sie nicht ausgeklammert oder umgangen, sondern einfach und ehrlich beantwortet werden. Auf keinen Fall sollten in Verbindung damit Ängste geschürt oder Teufel und Todsünden an die Wand gemalt werden. "Der wesentliche Punkt ist, das moralische Bewusstsein im Einzelnen zu stärken. Das brauchen wir. Ich muss die Instanz in mir selber tragen. Strafandrohungen sind nicht zeitgemäß und funktionieren auch nicht mehr."
Religion sei eine Werteerziehung, aber unmodern geworden. "Dabei sind die zehn Gebote absolut nicht veraltet. In ihnen sind alle sozialen Verhaltensregeln festgeschrieben. Alles, was für ein positives Zusammenleben wichtig ist, ist in ihnen verpackt", sagt Leibovici-Mühlberger. Durch die immer häufiger werdende Abkehr von Glauben und Religionsunterricht fehle es an ethisch-moralischer Erziehung. "Es gibt zwar Ansätze von Ethikunterricht, aber nur in Schulversuchen. Eine wirkliche Zuständigkeit haben wir nicht. Das ist ein großes Defizit für Kinder."
Selbstverständlich sollten Glaubensfragen immer altersadäquat beantwortet werden. Während man den Kleinen den lieben Gott als weisen Mann mit langem Bart, der irgendwo da oben sitzt und alles gütig regelt, näherbringen kann, ist dieses Bild bei Zehnjährigen nicht gefragt. "Kinder in diesem Alter wissen über den Urknall, Galaxien und das Weltall Bescheid, da brauchen Eltern neue Argumente, müssen die Weichenstellung für ein moderneres Gottesprinzip finden", meint Leibovici-Mühlberger. "Man könnte von einem Phänomen wechselseitiger Ehrfurcht und der Verschaltung des Universums sprechen." Der Gottesbegriff gebe Kindern Sicherheit und Geborgenheit und eine "Ansprechstelle". Gleichgültig, ob es Wünsche ans Universum oder Gebete sind, "Kinder haben damit eine Zufluchtsmöglichkeit, können Stress abbauen und wieder zu sich finden."
Ingrid Edelbacher: Mit Kindern über Gott treden, Kurier vom 21.12.2008
Samstag, 20. Dezember 2008
Der Meister
Aus der Ankündigung eines besonderen Abends im Staatstheater Wiesbaden im "Kulturkurier"
Es kommt immer darauf an... - Drive-In an der Mitleidstheke
Die Spendengala ist beides: Saturday night fever und sakrales Ritual. Wir schaffen Plätze an der Sonne, haben wahlweise »ein Herz für Kinder«, für Afrika und ganz besonders für Kinder in Afrika. Wir wollen dabei auch gut unterhalten werden von Stars, die mit unserer Hilfe und einem Spendenkonto ein wenig »Licht ins Dunkel« bringen, um selbst in umso hellerem Licht zu stehen. Ein guter Beleuchter kann jedes Fernsehstudio in eine Kathedrale voller Heiliger verwandeln.
Ist das so schlimm, so verwerflich? Ein bisschen Selbstbeweihräucherung für ein bisschen Frieden, für etwas mehr Nothilfe? Wer spendet, stimuliert Wohlfühlreize im Gehirn. Das haben amerikanische Forscher herausgefunden. Das Problem ist, dass unsere Karitas darüber hinaus nicht mehr viel stimuliert. Wir spenden inzwischen genauso, wie wir konsumieren.
Wir befriedigen ein Bedürfnis. Angefixt und aufgewühlt durch Bilder, die Wellen der Gänsehaut produzieren und wieder verebben lassen. DBM heißt dieses Syndrom: Drive-by-Mitleid. DBM beschreibt einen Zustand, in dem ich sofort etwas gegen das Elend tun, aber nicht wirklich etwas darüber wissen möchte. Ein Zustand, in dem die Elendigen nichts anderes sind als hilflose Opfer. Am besten kindlich und weiblich. Dieses Syndrom beschreibt auch einen Zustand, in dem Leiden überhaupt erst zu solchem wird, wenn es auf eine Fernsehkamera stößt.
Und das ist kein zufälliger Prozess. Eine Naturkatastrophe bekommt mehr Sendezeit als ein Bürgerkrieg – vorausgesetzt, es sind wie beim Tsunami 2004 weiße Touristen betroffen. Die Bilder hungernder Kinder treiben mehr Spenden ein als Bilder von Protestmärschen für das Recht auf Nahrung. Warum? Weil wir Hunger lieber als ein Problem der Natur sehen statt als Problem der Politik. Opfer machen Quote. Menschen, die um Rechte kämpfen, schrecken ab.
Aus einem Kommentar in der ZEIT
Regentag
Ende der Odyssee
Es ist so eine Scheiße mit dieser Krankheit!
SPIEGEL: Sie schienen fast euphorisch, als Sie im September nach Operation und Chemotherapie in der "Kirche der Angst" bei der Ruhrtriennale in Duisburg selber auftraten. Wie schwer hat Sie die schlechte Nachricht jetzt getroffen?
Schlingensief: Es ist so eine Scheiße mit dieser Krankheit! Meine Freundin Aino und ich waren in den Wochen zuvor durch die Gegend gelaufen, wir haben mit neuer Kraft gearbeitet und dachten: Zwei, drei Jahre können wir das Leben wieder genießen. Wenn nicht sogar mehr. Und jetzt? Wir weigern uns, jeden Tag so zu genießen, als wäre es der letzte, nach diesem blöden Satz, den einem manche Ärzte sagen. Essen war für mich früher ein Fest, jetzt habe ich keinen Appetit mehr. Nicht mal auf Rotwein habe ich Lust. Nur die Kornschnäpse, die ich kürzlich in der Kantine des Maxim Gorki Theaters mit dem Intendanten Armin Petras getrunken habe, haben mir geschmeckt.
SPIEGEL: Ist es ein Trost für Sie, dass Sie nach 25 Jahren des heftigen Streits in diesem Jahr plötzlich von Publikum und Kritik gefeiert werden wie nie zuvor?
Schlingensief: Man sieht vieles wie hinter einer Panzerglasscheibe und wundert sich. Das Tolle an der "Kirche der Angst" war, dass ich ohne Zweifel auf meine Arbeit gucken konnte. Diese Arbeit war ganz pur, traurig, aber auch absurd und lustig. Vor einem Jahr, kurz bevor mein Krebs entdeckt wurde, fuhren wir nach Nepal. Wir haben dort einen Film gedreht und ein Kinderkrankenhaus besucht, und ich schrieb ins Gästebuch: "Auf dass die kreisenden Gedanken endlich einen Grund finden." Dieser Satz ist mir drei Tage später beim Betrachten des ersten Röntgenbilds in die Knochen gefahren, und tatsächlich habe ich das Gefühl: In der "Kirche der Angst" haben die Gedanken einen Grund gefunden, den jeder begreift: sterben müssen, aber leben wollen, das ist das Thema.
(…)
SPIEGEL: Sie haben neulich darauf hingewiesen, dass der Krebs in Ihrer Lunge vermutlich zu wachsen begann, als Sie in Bayreuth den "Parsifal" inszenierten. Glauben Sie ganz im Ernst, da gibt es Zusammenhänge?
Schlingensief: Jeder Krebskranke fragt sich so was. Der eine grübelt, ob er zu viele Zigaretten geraucht oder zu viel Rotwein getrunken hat, ich frage mich zum Beispiel, ob ich mich in der Kunst zu sehr dem Tod verbunden gefühlt habe. Die Ergriffenheit, mit der ich 2004 den "Parsifal", dieses Wagner-Abschiedswerk, inszeniert habe, und dass ich meine damalige Freundin aufgab und ein paar meiner dunklen Seiten auslebte, das hat meinem Lebenswillen widersprochen und einen Ekel erzeugt, der nicht zum Aushalten war. Ich glaube, dass jeder Mensch von Geburt an eine Stabilität besitzt, die man durch solche Akte des Selbsthasses ins Wanken bringt.
SPIEGEL: Gelingt es Ihnen denn jetzt, sich mehr zu mögen?
Schlingensief: Nicht nur mich, auch die anderen, ich habe mir zum Beispiel vorgenommen: mehr loben! Ich freue mich über die Wärme, die ich von so vielen Freunden, aber auch von Künstlern zu spüren bekomme, von Margit Carstensen oder René Pollesch, von Matthias Lilienthal oder Peter Zadek, der mir ein riesiges lustiges Buch mit Pornozeichnungen ins Krankenhaus geschickt hat. Aber es ist Quatsch zu sagen, dass man als Krebskranker die Welt ganz anders sieht. Man bildet sich das ein, man ist schwach, und die Umgebung reagiert anders auf einen. Trotzdem bin ich jetzt so weit zu sagen: Das Normalste ist das Schönste. Ich freue mich darüber, mit meiner Freundin einfach dazuliegen und meinetwegen auf eine graue Hochhauswand zu blicken, ohne dunkle Wolke, ohne die Frage: Wie lange liegen wir überhaupt noch hier? Ich habe eine Lunge weg, ich kann nicht mehr rennen, ich bin außer Atem, meine Füße sind wie aus Eisen, aber mir geht's echt gut, ich werde besser versorgt als jedes Kind in Nepal, das in meiner Lage keine Chance hätte, ich habe echt wunderschöne Momente und ganz viel Freude.
SPIEGEL: Jetzt machen Sie wieder gute Stimmung.
Schlingensief: Sagen wir so, ich versuche es. Tief drin heule ich wahrscheinlich. Grundsätzlich gilt: Jeder Krebskranke darf für sich einen Weg finden. Wenn einer immer die gleiche Schallplatte spielen will bis zum Schluss, ist es okay. Wenn er Qigong oder Yoga machen will, auch. Schlimm ist nur, dass man bei all diesen Therapien und Ratschlägen nicht durchblickt. Dauernd denkt man, hättest du doch bloß dieses oder jenes auch noch gemacht. Wichtig wäre, dass man den Krebskranken rausholt aus seiner Verzweiflung, aus dieser Vertrauenskrise. Die Krankenhäuser sollten einem Helfer vermitteln, die mit einem die Angst besprechen und dir die Mechanismen der Angstbekämpfung erklären. Stattdessen liest man sich fest in diesen Foren im Internet, von denen man sofort noch schlimmer krank wird. Zum Glück habe ich einen Arzt, der mich als Menschen sieht, der spricht offen und zart mit mir und nicht so amerikanisch nach dem Motto: "Ich kläre Sie jetzt mal beinhart auf. Sie sind am Ende!"
(…)
Aus einem SPIEGEL-Interview mit dem krebskranken Christoph Schlingensief
Weihnachten, innerlich, äußerlich...
Freitag, 19. Dezember 2008
Werbung für christliche Zeitschriften
teensmag - trends glaube action tiefgang
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Echt jung, echt angesagt, echt Jesus. Für Sportfans und Bastelfreaks, für Musikcracks, Nachdenkliche und Thementaucher. teensmag sagt, dass Glaube Spaß macht und gar nicht gaga ist. Die Zeitschrift, die mit Gott und Freunden zusammenbringt. Weil teensmag Teens mag.
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dran - Das Magazin zum Selberglauben
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Leidenschaft leben. Kritisch fragen. Mit Jesus abgehen. Stolpern. Gottes Flüstern hören. Geistliche Themen und aktuelle Ereignisse durchdenken. Fair leben. Kurz: dran ist für das Leben mit Jesus zwischen Hotel Mama und Karrierestart, zwischen Schreibtisch, Streit und Shoppingtrip. Tiefgehend und künstlerisch, laut und leise – dran ist so wie wir. Regelmäßig. Neunmal im Jahr. Denn: Wer selberglaubt, bleibt selber dran.
Zeitschriftenwerbungen im Newsletter von jesus.de
Gibt es wirklich Menschen, die auf solche Art von Werbung anspringen? Ich kann nur staunen.
Weihnachtsspam
(Aus einer dieser unerwünschten E-mail-Nachrichten, die es trotz allem durch die SPAM-Filter geschafft haben.)
Gleich eine Viertelmillion? Noch heute? Klingt ziemlich anstrengend. "Seid umschlungen, Millionen!", das meinte Schiller doch wohl metaphorisch, oder?
Mittwoch, 17. Dezember 2008
Lieber Web als Sex
Bei Frauen liegt die Bereitschaft zur webinduzierten Enthaltsamkeit mit 46 Prozent sogar noch viel höher. Fast zwei Drittel (65 Prozent) der Befragten gestanden ein, ohne Internet-Zugang nicht mehr leben zu können. Was das alles vor dem Hintergrund, dass wir 2009 das Darwin-Jahr begehen, aus evolutionsbiologischer Sicht für uns bedeutet, mag man gar nicht bis ans einsame Ende durchdenken.
Der Himmel über Wien...
Dienstag, 16. Dezember 2008
Katholisch notfalls auch ohne Standesamt...
Eine kirchliche Trauung bleibt nach kirchlichem Recht jedoch ohne Rechtsfolgen im staatlichen Rechtsbereich. Daher ist der katholischen Kirche daran gelegen, dass auch eine zivilrechtliche Ehe geschlossen wird. In etlichen deutschen Bistümern werden derzeit Regelungen erlassen.
Im Bistum Aachen setzte Bischof Heinrich Mussinghoff eine Ordnung in Kraft mit Wirkung vom 1. Januar 2009, die die Vorgehensweise bei kirchlichen Trauungen ohne zivile Eheschließung regelt. Ihr zufolge soll eine kirchliche Trauung ohne vorhergehende Zivileheschließung nur im Ausnahmefall erfolgen, wenn eine standesamtliche Eheschließung für die Brautleute unzumutbar ist. (...)
Bei der Vorbereitung einer kirchlichen Trauung ohne vorhergehende standesamtliche Eheschließung sollen die Brautleute eine Einverständniserklärung abgeben. Sie erbitten die kirchliche Trauung im Bewusstsein, dass diese keine rechtlichen Wirkungen im staatlichen Bereich entfaltet. Die Brautleute müssen versprechen, alle Pflichten zu übernehmen und gewissenhaft zu erfüllen, die sie mit der kirchlichen Trauung übernehmen; dazu gehört insbesondere auch die materielle Fürsorge der Ehepartner füreinander und für aus der Ehe hervorgehende Kinder. Ferner müssen die Brautleute die Gründe angeben, warum sie eine standesamtliche Eheschließung nicht wollen. Die Erklärung der Brautleute ist von den Brautleuten vor dem zuständigen Pfarrer oder seinem Beauftragten zu unterschreiben. Nach der kirchlichen Trauung soll dann die vorgeschriebene Eintragung in die Kirchenbücher erfolgen.
Die Evangelische Kirche Deutschland (EKD) teilte in einer Mitteilung auf Ihrer Homepage mit, dass sie keine kirchlichen Hochzeiten mit dem Segen Gottes ohne staatlichen Trauschein durchführen werde. Dieses ließe das evangelische Kirchenrecht nicht zu. Der Vizepräsident der Evangelisch-reformierten Kirche, Johann Weusmann, erklärte bereits im Juli dieses Jahres, die Evangelisch-reformierte Kirche halte an der Anknüpfung der kirchlichen Trauung an die Zivilehe fest, da das bürgerliche Recht wesentliche Kriterien des evangelischen Eheverständnisses zur Grundlage habe. Das Kirchenrecht bedürfe erst dann einer Änderung, wenn auch die Zivilehe nicht mehr auf den Grundlagen Freiwilligkeit, Verbindlichkeit, Verlässlichkeit und Dauer beruhen würde.
jesus.de
Dieser Fall tritt vermutlich vor allem bei Pensionisten auf: Bei ihnen könnte eine standesamtliche Trauung zur Kürzung von Pensionen und damit zur Minderung des Einkommens führen.
Montag, 15. Dezember 2008
Auf dem Nachtspaziergang
Kleiner Kuturkampf vor dem Kapitol
500 Demonstranten hatten sich laut der Zeitung "The Christian Post" am vergangenen Sonntag vor dem Kapitol in Washington, dem Sitz des Kongresses der USA, versammelt. Grund des Protests: Neben dem traditionellen, acht Meter hohen Weihnachtsbaum und einer Krippenszene hat die atheistische "Freedom from Religion Foundation" in diesem Jahr ein Schild aufgestellt. Es trägt die Aufschrift "Bei der diesjährigen Wintersonnenwende dürfen wir die Vernunft walten lassen. Es gibt keine Götter, keine Teufel, keine Engel, keinen Himmel und keine Hölle. Es gibt nur unsere natürliche Welt. Religion ist nichts als ein Mythos und Aberglaube, der die Herzen verhärtet und den Geist versklavt."Die Protestierenden sangen Weihnachtslieder, ein Pastor betete. "Jesus ist der Grund für dieses Fest" und "Wir sagen Frohe Weihnacht" hatten Demonstranten auf Schilder geschrieben. Steve Wilson, Organisator des Protests, hält die Atheisten-Botschaft für eine Beleidigung aller Religionen: "Wenn es soweit geht, dass mein Glaube auf öffentlichem Grund beleidigt wird, muss eine Grenze gezogen werden", sagte er der Agentur "Associated Press".
Gefunden auf jesus.ch
Gerecht ist das ganze Wirtschaftssystem nicht
Sie sprechen in Diskussionen immer wieder davon, dass der Staat kapituliert. Heißt das, die Demokratie hat versagt?
Nicht die letzten Reserven hinblättern
Nehmen wir die USA als Beispiel: Barack Obama ist endlich einmal ein Hoffnungsträger. Aber: Würde jemand in dieser Situation eine private Erbschaft antreten müssen, er würde sie ablehnen. Die Chancen, dass er bei diesem Horror, den die Bush-Ära angerichtet hat, noch das Ruder herumreißen kann, sind sehr gering. Ich kann nur hoffen, dass er überlebt.
Ist es richtig, dass ein Staat der Autobranche Milliarden aus Steuergeldern zur Verfügung stellt?
Ausbluten - das klingt schon sehr dramatisch.
Kurz vor dem Zusammenbruch der deutschen Wirtschaft erklärte unsere Regierung, der Staat steht für alle Ersparnisse gerade. Doch dieses Recht kann nie eingeklagt werden. Wenn alles weiter abrutscht, wird dieseRegierung ihr Versprechen nicht halten können. Sie wird zurücktreten müssen und eine Notregierung wird an ihre Stelle treten. Ich hoffe nicht, dass es soweit kommt, aber ich befürchte es.
Sonntag, 14. Dezember 2008
Was bleibt, ist Brauchtum
Religiöse Bedeutung wird unwichtiger. IMAS hat im November und Dezember Interviews mit 1.235 repräsentativ für die Bevölkerung ab 16 Jahren ausgewählten Personen durchgeführt. Dabei erklärten nur mehr 36 Prozent, Weihnachten in erster Linie als religiöses Fest zu empfinden. Zum Vergleich: 1987 waren es noch 50 Prozent. 52 Prozent sehen eher ein Brauchtum, vor 21 Jahren waren es 43 Prozent. 45 Prozent sind der Ansicht, dass der Heilige Abend an Glanz verloren hat. Nur sechs Prozent finden ihn heute schöner als in der Kindheit, 36 Prozent genauso wie damals.
Schnee macht Stimmung. 70 Prozent der Österreicher finden Schneeflocken und eine weiße Decke wichtig für die Weihnachtsstimmung. Das stellte sich bei einer Umfrage des Linzer Instituts market unter 1.000 repräsentativ für die Bevölkerung ab 16 Jahren ausgewählten Personen heraus. 56 Prozent setzen auf Backen oder Basteln mit den Kindern, 50 Prozent auf die Dekoration von Wohnung bzw. Haus. Auf den Plätzen folgen der Duft von Weihnachtsgebäck und der Nachwuchs beim Öffnen des Adventkalenders (jeweils 47 Prozent) sowie das Aussuchen des Christbaums (46 Prozent). Die Firmenfeier und das Planen der Weihnachtsreise sorgen nur bei sieben Prozent für Stimmung.
Kleine Zeitung 14.12.2008



