Sonntag, 26. Oktober 2008

Schönheit an der U6

Kalenderzufall

Natürlich ist es ein zufälliges Zusammentreffen, aber, seit die Sommerzeit erst am letzten Oktobersonntag endet, doch kein ganz selten eintreffendes Ereignis hier in Österreich: Am Nationalfeiertag werden die Uhren eine Stunde zurückgestellt. Honi qui mal y pense.

Pfarre Breitenfeld

Der Preis der Freiheit

aJ: Rüdiger Safranski, drei Jahre lang schrieben Sie an Ihrem Buch über das Böse. Was ist Schlußfolgerung dieser äußeren und inneren Reise?

Safranski: Das Böse ist der Preis der Freiheit, das ist die einfache Botschaft. Ohne die Versuchung zum Bösen wäre Freiheit nicht denkbar. Freiheit riskiert das Böse. Wir sprechen immer von der Risikogesellschaft, doch jeder ist für sich selbst ein Risikofall. Große Sicherheiten gibt es nicht. Wir sehen, wie sogar das authentische Verlangen nach Freiheit und der Wunsch, in der Wahrheit zu stehen, terroristisch werden kann. Das geschieht in der Geschichte des Einzelnen ebenso wie im Großpolitischen. Ich bewege mich durch die wundersame Landschaft des Menschen, um diese Bereiche der conditio humana auszuloten.

Aus einem Interview mit dem advaitajournal (Volume 10)

Blick

Das neue Skandalon des Kreuzes

Selbst Kirchenleitungen, die geistliche Lehre verbreiten wollen, geraten in den Sog der Umwelt. Deshalb ist eine Reformation nach Auffassung des Lübecker Altbischofs Ulrich Wilckens heute nötiger als im 16. Jahrhundert. Man brauche Christen, die diese Aufgabe mit Zuversicht angehen, sagte er bei einer Tagung der Paul-Schütz-Gesellschaft am 25. Oktober in Bensheim bei Darmstadt. Der 80-jährige Theologe und Bibelübersetzer möchte im kommenden Jahr eine Vortragsreihe zu theologischen Grundfragen halten. Er wies jetzt darauf hin, dass auch in Theologie und Kirche weitgehend in Frage gestellt werde, dass der Tod Jesu am Kreuz als Sühne für die Sünden der Menschen nötig sei. Viele empfänden Abscheu vor der Vorstellung eines Gottes, der zur Versöhnung den Tod seines Sohnes brauche. Diese Auffassung sei nicht nur in der evangelischen, sondern auch in der katholischen Theologie anzutreffen, so Wilckens.

Empörung über Botschaft vom Kreuz
Schon in der frühen Christenheit, zur Zeit des Apostels Paulus, habe der Sühnetod Jesu Christi Empörung hervorgerufen. Die Griechen hätten die Botschaft vom Kreuz als „größten Unsinn“ und die Juden als „Skandal“ bzw. Gotteslästerung angesehen. Wie damals sei es auch heute höchste Zeit, die elementaren Lehren des Christentums zu verkünden, sagte Wilckens. Er zeigte auf, wie die Liebe, Barmherzigkeit, Güte und Treue Gottes zu den Menschen die Botschaft des Alten wie des Neuen Testaments durchdringt. Das Verlangen, die durch die Auflehnung des Menschen gegen Gott, die Sünde, gestörte Lebensgemeinschaft wiederherzustellen, stehe ebenso hinter alttestamentlichen Opferritualen wie dem Kreuzestod Jesu Christi. Dieser müsse im engsten Zusammenhang mit der Auferstehung in das neue Leben gesehen werden.

Von der „Wahrheit Gottes“ reden

Wilckens betonte, dass der historische Jesus und Gottes Sohn eins seien. Gott gebe sich als letztes Zeichen seiner Liebe zu den Menschen selbst in den Tod. Der Altbischof plädierte dafür, den Mut aufzubringen, von „der Wahrheit Gottes“ zu reden und sich nicht auf den Austausch verschiedener theologischer Meinungen zu beschränken. In den Kirchen sei eine tief greifende Erneuerung nötig.

idea.de

Wie wahr. Ich erinnere mich eines Seminars in meinem Studium, in dem es um den Begriff "Erlösung" ging, und die fast einhellige Meinung der Studierenden war, dass sie eigentlich gar nicht genau wüssten, wovon sie erlöst werden sollten. Und wenn Theologiestudenten im Angesicht eines Kruzifixes im Gemeindesaal fragen, ob man sich den Anblick dieses "nackerten Leichnams" denn wirklich unbedingt antun müsse, dann kann man Wilckens doch nur zustimmen. Tatsächlich breitet sich - gerade unter manchen neuen Frommen charismatischer Prägung - anscheinend eine Frömmigkeit aus, die auch ganz gut ohne Sünde, Kreuz und Sühne auskommt. Die Gedanken daran stören das unbeschwerte Gotteslob, "ziehen so runter". Das Paradigma von Schuld und Vergebung, das für das christliche Abendland sehr prägend gewesen ist, wird ersetzt durch die Muster von persönlichen Entwicklungswegen - wie in den östlichen Religionen. Wo der Mensch ganz und gar für sich verantwortlich ist (mit allen Konsequenzen bis hin zu weiteren Leben), bedarf es keiner Erlösung, die von außen käme. Und wem die christliche Sühnetheologie zu geheimnisvoll und kompliziert ist, der findet im Islam ein wesentlich einfacheres Modell von Erlösung durch Gehorsam.