Sonntag, 31. Mai 2009

Ein Schild ist nicht genug

Möglich wäre es...

Ich glaube an Christus, und ich glaube, dass 800 Millionen Christen auf der ganzen Welt die Erde verändern könnten. Ich möchte nicht darüber nachdenken, wie es wäre mit dieser Welt, wenn es Jesus nicht gegeben hätte.

Heinrich Böll

Inzwischen ist die Zahl der Christen sogar weiter gestiegen...

Dramatischer Himmel über dem 18. Bezirk


Fohlentaufe

Ein evangelischer Pfarrer soll im mittelbadischen Oberderdingen ein Fohlen getauft haben. Das berichtete die Tageszeitung „Badische Neueste Nachrichten“.

Dem Blatt zufolge gehörten zu der von Ruhestandpfarrer Walter Ludwig (Knittlingen bei Pforzheim) geleiteten Zeremonie mit Wasser auch die Ernennung von Paten, ein Segensspruch und das Ausstellen einer Taufurkunde. Außerdem hätten die etwa 80 Teilnehmer gemeinsam das Vaterunser gebetet. Sie seien nach der Feier übereingekommen, die schöne Idee beim nächsten Pferdenachwuchs zu wiederholen. Ob es dazu kommt, ist allerdings fraglich. Sowohl Kollegen des Pfarrers als auch die Kirchenleitung sehen das Vorhaben sehr kritisch. (...)

Idea.de

Ein Fenster

 
 
 

Sekundärtugenden

Wie haben wir gelacht, höhnisch gelacht, damals, vor 30, 35 Jahren über die sogenannten Sekundärtugenden: Pünktlichkeit, Höflichkeit, Ordnung, Sauberkeit... Und heute, im sechsten Lebensjahrzehnt, entdecke ich, dass mir all das immer wichtiger wird. Vielleicht sind es eben Tugenden, die man erst in der zweiten Lebenshälfte zu schätzen lernt.

Schlanke Schönheit

Trends beim Trauern

40, 50 Jahre hat der Trend gedauert, das Sterben aus dem Leben zu verdrängen. Dieser Trend dreht sich um. Mit dazu tragen Hospizgruppen, Bestatter, Kirchen bei. Die Menschen reagierten dankbar auf Angebote, so Bestatterin Ursula Koch.

"Es wird nicht mehr hinter verschlossenen Türen und Mauern gestorben", beschreibt Koch die Veränderungen. Zunehmend beschäftigten sich Menschen mit dem Sterben, Angebote reichen von der Begleitung in die Friedhofshalle bis dahin, von den zuhause gestorbenen Angehöringen noch einige Stunden zuhause Abschied zu nehmen. "Viele berichten, wie schön das war."

Und noch einen Trend gibt es: Trauerfeiern ohne geistlichen Beistand. Dies werde sehr bewusst gewünscht, hat Koch beobachtet, die dann die Trauerreden - seit der Übernahme des Bestattungsinstituts Merkt vor einem Jahr schon 30 an der Zahl - übernimmt. Gründe lägen oft in Enttäuschung, etwa, wenn einst die Kirche einen anderskonfessionellen Partner nicht anerkannt habe. "Das tragen die Leute oft ihr ganzes Leben mit sich herum." Das Sterben "ins Leben zurück zu holen", ist unermüdliches Anliegen Kochs. Sie bietet dazu nicht nur ehrenamtlich Trauerbegleitung an, sondern hat jüngst auch einen ganzen Besuchstag zum Thema "Was passiert, wenn ich gestorben bin?" organisiert. Knapp 30 Interessierte trafen sich, um hinter die Kulissen dieses Ablaufes zu blicken. Jeder habe eine andere Vorstellung darüber, wie er sich sein Begräbnis vorstellt.

Wie sich die Gewohnheiten um die Bestattung in den letzten Jahrzehnten geändert haben, erläutert Hans-Jürgen Jäger, der Tuttlinger Friedhofsverwalter: "Das Verhältnis von Erdbestattungen und Feuerbestattung mit Bestattung einer Asche-Urne ist fast 30 Prozent zu 70 Prozent." Bei der Feuerbestattung braucht es neben einem Sarg auch eine Urne. Auf dem Spaichinger Friedhof sind nur Bio-Urnen erlaubt. Sie verwesen mit. Entweder kommt die Urne in die Urnenwand ins Kolumbarium oder sie wird in einem Erdgrab bestattet. "Kostengünstiger ist das Grab", sagt Hans-Jürgen Jäger. Aber dieses müsse gepflegt werden. Die Friedhofsverwaltung begutachte die Gräber regelmäßig und schreibe die Besitzer bei mangelnder Pflege auch an. "Ein Grab zu pflegen hilft über den Verlust eines Angehörigen hinweg", betont Ursula Koch. "Der Friedhof ist ein Ort für Lebende", kommentiert Hans-Jürgen Jäger.

Trauernde sind sehr sensibel

Es käme schon vor, dass sich die Trauernden an der Urnenwand nicht darüber einig werden könnten, wer nun eine Schale aufstellen könne. Trauernde seien so sensibel und interpretierten das "Wegschieben" der Blumen aus der Nähe ihres angehörigen als persönlichen Angriff. Der oft geäußerte Wunsch, den Hinterbliebenen keine Arbeit zu machen, hätte zum Angebot der Wiesengräber geführt. Der traditionelle Ablauf der Beerdigung mit Aussegnung, Verabschiedung und Sargniederlegung wird bei der Feuerbestattung unterbrochen. Ursula Koch bezeichnet dieses fehlende Teilstück als einen Filmriss. Nur im Ausnahmefall seien Angehörige dabei im Krematorium. (…)


Bestatterin Ursula Koch berichtet von Trends beim Trauern, Schwäbische Zeitung, 30. Mai 2009

Variationes crucis

 
 
 Ein kleines geschmiedetes Standkreuz, ein Geschenk aus der Gemeinde. 

Nur ein Wort

Wenn Sie nur ein einziges Wort zur Verfügung hätten, um auszusagen, was der Inbegriff des Christentums sei, welches würden Sie wählen?
  • Liebe
  • Glaube
  • Frieden
  • Kreuz
Und das alles ist wahr, aber es ist gut, dass wir nicht auf ein Wort beschränkt sind...

Nur noch Erinnerung



Der Turm unserer Kirche im Gerüst

Erdäpfelwahlkampf

In der westlichen Welt hat sich der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad durch Holocaust-Leugnungen und Unnachgiebigkeit im Atomstreit unbeliebt gemacht. Doch wer dieser Tage, in der heißen Phase des Präsidentschaftswahlkampfes, auf iranische Web-Seiten schaut, der lernt, dass Ahmadinedschads Hauptproblem in der Heimat "Potatogate" heißt: Den Berichten zufolge haben sich in mehreren Dörfer aufgebrachte Menschenmengen versammelt, die "Tod den Kartoffeln" schrien - in Anlehnung an den iranischen Schlachtruf "Tod den Amerikanern". Was war geschehen?

Offenbar hatte die Regierung kostenlos Kartoffeln verteilen lassen, um die Beliebtheit Ahmadinedschads im Vorfeld der Wahl zu steigern. "Werbe-Kartoffeln!", empört sich der Ex-Vizepräsident Mohammed Ali Abtahi in seinem Blog. "Die Leute vom Land sind klug, solche Aktionen empfinden sie als Beleidigung." Ein Autor mit dem Pseudonym Mmoeeini bemerkt bissig, Ahmadinedschad habe ja versprochen, den Ölreichtum an das Volk weiterzugeben - und löse die Zusage nun in Kartoffeln ein. Und der Polit-Blogger Abbas Abdi kritisiert, die Leute könnten so viele Kartoffeln gar nicht lange genug lagern: "Warum haben sie nicht lieber Zwiebeln verteilt?" (...)


Aus Gabriela M. Keller: "Tod den Kartoffeln"!, auf welt.de

In der Auslage

Samstag, 30. Mai 2009

Es leben die Friedhofsgärtner!

"Los geht`s!“ – so lautet die Botschaft der Gartenbau-Landesverbände des „Bundes deutscher Friedhofsgärtner“ (BdF) an die Bundesgeschäftsstelle in Bonn. Teilweise euphorisch wurden von den Verbandsmitgliedern bundesweit die Vorschläge der Bonner Kommunikationsagentur SCHWIND. zur Profilierung von Berufsstand und friedhofsgärtnerischen Produkten aufgenommen. Ziel der im Oktober startenden und mit einem 7-stelligen Budget ausgestatteten Kampagne „Es lebe der Friedhof!“ soll es sein, Menschen zu gewinnen, die den Gedanken an die letzten Dinge zumeist lieber so weit wie möglich aufschieben möchten. SCHWIND. und der BdF wollen die Friedhofsgärtner mit deren Stärken positionieren: Individualität, Kreativität und Zuverlässigkeit.

„Friedhofsgärtner können mehr – wir wissen das und bald werden auch unsere potentiellen Kunden an dieser Botschaft nicht mehr vorbeikommen“, so erfolgssicher kommentiert Lüder Nobbmann, Vorsitzender des Bundes deutscher Friedhofsgärtner, den eindeutigen Vertrauensbeweis der Verbandsmitglieder. Diese Image-Kampagne komme zum richtigen Zeitpunkt, so Nobbmann: „Ich freue mich, dass die Friedhofsgärtner Deutschlands mehrheitlich erkannt haben, dass diese innovative Imagekampagne heute wichtiger denn je ist, um in der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden!“

Für Agenturinhaber André Schwind war die Konzeption der Kampagne eine echte Herausforderung: „Kaum ein anderes Thema ist in unserer Gesellschaft mit einem solchen Tabu belegt wie der Tod. Die Kampagne will vor diesem Hintergrund deshalb ganz bewusst polarisieren und darauf aufbauend Aufmerksamkeit generieren.“

Die Kampagne wird in einem umfassenden Media-Mix auf allen Ebenen bespielt: lokal, regional und bundesweit. Auf der Lokalebene wird es Anzeigen in Tageszeitungen und Anzeigenblättern sowie die Außenwerbung auf Großflächen geben. Anzeigen erscheinen weiterhin deutschlandweit in großen Publikumszeitschriften. Im ZDF wird der TV-Spot zur Kampagne ausgestrahlt. Die Website 
www.es-lebe-der-friedhof.de dient dazu begleitend als Informationsportal für Interessenten, die die geeignete Friedhofsgärtnerei in ihrer Nähe und Ideen für die individuelle Grabpflege suchen. Die erste Kampagnenphase soll im Frühjahr 2010 beendet sein.

Pressemitteilung der Agentur Schwind auf openpr.de

In Zeiten, da die anonyme Bestattung oder gar gleich die Naturbestattung in Friedwäldern u.dgl. immer populärer werden, bricht diesem Gewerbe natürlich die Kundschaft weg. Und auch auf Urnengräbern gibt es viel weniger zu bepflanzen... 

Donnerstag, 28. Mai 2009

Theresiengasse

Wir sehen alles!

Bei uns ist es nicht dunkel - sondern stockfinster. Sie sehen nicht mal Ihre eigene Hand vor Augen.

Verzichten Sie für die Dauer der Veranstaltung auf Ihre "Augen" - sondern schärfen Sie während eines  exquisiten 3 Gänge Menüs Ihre anderen Sinne.

Was für ein Parfum trägt mein Tischnachbar - wie sieht er aus?

Schmeckt die Erbse auch nach Erbse - selbst wenn man diese nicht sieht?

Schmeckt das bestellte Getränk sonst nicht anders?

Sie hören Stimmen und können diese auch nur der Richtung zuordnen. Da ein Lachen, dort ein Lachen, ein AHA - welche Speise man gerade isst, Erfahrungsaustausche, Tischgespräche, "Besteckgeschepper", Gläser klirren, eine Luftzug und und und. Sie sehen nicht einmal Ihren Tischnachbar.

Sie werden überrascht sein, auf welche Geräusche Sie aufmerksam werden. Ihre restlichen Sinne werden beansprucht - selbst wenn einmal die Gabel am Teller ins Leere sticht. Lassen Sie sich ganz einfach von Ihrem Geschmacks- und Riechsinn und Ihrem Hör- und Tastsinn leiten.

Sie erleben die Speisen nicht nur durch den Geruch, sondern auch durch den Geschmacksinn - welcher die Geschmacksknospen explodieren läßt.

Keine Angst: Sie werden nicht sich selbst während des Blind Dinner´s überlassen - sondern werden durch unser fachkundiges und sehendes Personal (welches mit modernen Nachtsichtgeräten ausgerüstet ist) stets umsorgt. Auch wenn Sie es möglicherweise nicht glauben - senken Sie die Lautstärke Ihrer Stimme. Da das Gehör neben den anderen Sinnen (natürlich bis auf Sehen) beim Essen in der Dunkelheit mehr in Anspruch genommen werden - hören Sie auch besser!

Ein gut gemeinter - wenn auch nicht unbedingt ernsthafter - Rat: "Fummeln" Sie bitte nicht während der Veranstaltung mit Ihrem Gegenüber. Begründung: 1. Sie sehen zwar nichts, aber wir sehen dank unserer Nachtsichtgeräte alles! 2. Da Sie ja nichts sehen können, können die Hände vielleicht nicht Ihren Partner treffen!


Sicher eine spannende Erfahrung, angeblich auch für Schulklassen geeignet.

Zeitloses Lächeln

Erst jetzt habe ich den kleinen Park hinter dem Internat der HLW 19 entdeckt, eine sehr idyllische Oase, in der sich auch diese Skulptur findet.

Mittwoch, 27. Mai 2009

Ach, das ist ja meistens so...

Meistens glauben Paare, dass sie einander besonders gut kennen, je länger sie zusammen sind und einander daher auch besser verstehen können. Welch ein Irrtum! Neue Untersuchungen zeigen, dass aufeinander eingespielte Lebensgefährten kaum mehr voneinander wissen als Frischverliebte. Gleichzeitig aber sind sie überzeugt davon, den anderen in- und auswendig zu kennen - eine nie versiegende Quelle von Missverständnissen.

Aus der Ankündigung einer Sendung in der Reihe "Salzburger Nachtstudio" in Ö1

Wenn dir die Wissenschaft erklärt, dass deine Schicksale keineswegs besondere sind, und so deine vermeintliche Individualität zum Spezialfall eines statistisch häufigen Phämomens erklärt, ist das keineswegs nur trostreich.

Dienstag, 26. Mai 2009

Aspergill

Was ist so ein Weihwasserverspritzgerät anderes 
als ein Tee-Ei mit Stiel?

Zum Glück bislang nur Satire...

Viele Köche verderben den Brei, das gilt auch im unregulierten Internet, wo sich viele in die Unverbindlichkeit anonymer digitaler Kommunikationsforen flüchten, antiintellektuelle Hetze ablassen und Unsinn in die Wikipedia schreiben.

Um diesen Sturm auf die letzten Bastionen der Qualität im Netz zu unterbinden, muss man die Meinungsfreiheit gar nicht unterbinden. Nur: Warum muss jeder anonym sagen dürfen, was er will? Öffentliche Kommentare sollten nach einer Übergangsfrist nur nach erfolgreicher Identifizierung per Biometrie-Personalausweis abgegeben werden dürfen.

Wer nicht nur kommentieren, sondern auch eigene Blogs betreiben und Artikel auf Seiten wie Wikipedia schreiben will, könnte sich freiwillig einem Test der Bewertungsstelle für Digitalnutzer unterziehen (Orthografie, staatsbürgerliches Selbstverständnis, Allgemeinbildung, Latein). Wer besteht, erhält ein Prädikat (besonders wertvoller Internet-Nutzer), mit dem die eigenen Kommentare und Blogs beworben werden dürfen.

Aus einem nicht ganz ernst gemeinten Artikel auf spiegel.de

Drittes Geschlecht?

In Wien ist die Gender-Thematik sehr präsent, Gender Mainstreaming gehört hier in bestimmten Kreisen zur political correctness. Vermutlich ist natürlich kein drittes Geschlecht gemeint, sondern die Auswahlmöglichkeit "transgender" ist ein Oberbegriff für alle Arten von Wechsel der sexuellen Identität. Da hätte man sich natürlich noch mehr Genauigkeit gewünscht...

"Heiliger" Unfug


Aus der Werbung für ein Esoterik-Buch auf http://www.tarot-esoterik-religion.de

Auf dem Grinzinger Friedhof

Heute eine Einsegnung in sengender Mittagshitze bei geradezu hochsommerlichen Temperaturen. So recht wollte niemand aus der vergleichsweise kühlen Halle herausgehen. 

Der Grinzinger Friedhof ist ein besonderes Kleinod mit relativ vielen Skulpturen und auffallenden Grabdenkmälern, die vom Reichtum derer zeugen, die hier begraben sind.

Lieb...

Klebezettel in der Sakristei der Kapelle im "Haus der Barmherzigkeit" in der Seeböckgasse.

Montag, 25. Mai 2009

Konfirmation

Konfirmation, nach Gemeindetradition an Christi Himmelfahrt. So wird das Proprium des Festtages überlagert durch den Kasus Konfirmation.  
Die Konfirmationsquote ist in Wien bescheiden, ein Phänomen, das es in deutschen Großstädten wohl auch gibt. Man müsste im Religionsunterricht in der Schule vielleicht mehr Werbung machen, motivieren zur Teilnahme. (Geld-)Geschenke spielen hier im städtischen Kontext nach meiner Einschätzung übrigens eine viel geringere Rolle als in deutschen Dorfgemeinden. Wer sich in unserer Gemeinde konfirmieren lässt, tut es immerhin nicht in erster Linie aus materiellen Gründen. Ein erwachsener Konfirmand war auch dabei, ein sehr an Glaubensfragen interessierter Mann mittleren Alters, der vor einiger Zeit aus der katholischen Kirche übergetreten ist. 

Freitag, 22. Mai 2009

Luther(Hinter-)hof

Worum es eigentlich ginge

Das also wäre das Ziel:
Im anderen das anzunehmen,
was wir in uns selbst verdammen.
Ihn zu lieben mit allen Fehlern, Gebrechen,
Sünden und Verbohrtheiten,
die uns selbst am Werke sind.

Jörg Zink

Donnerstag, 21. Mai 2009

Der Turm der Lutherkirche




Tatsächlich ist der Turm unserer Kirche nun so weit fertig renoviert, dass das Gerüst zu einem guten Teil abgebaut werden konnte. Sehr passend für die heutige Konfirmation...

Protestantischer Rhabarberkuchen

Kennen Sie das, LeserInnenschaft? Die Befriedigung, die sich einstellt, wenn Sie genussvoll ein Schüsserl voll gesüßtem Schlagrahm ausschlecken (vielleicht mit ein bisserl Zimt obendrauf)? Ja? Sie kennen das? Dann ist Ihnen vermutlich auch das schlechte Gewissen danach ein Begriff. Wenn's reuevoll drückt und zwickt, weil Sie sich wieder mal was gegönnt, anstatt - wie's die allgemeinen Vorschriften so verlangen - versagt haben. Aber: Es gibt Lösungen! Sie tun einfach, was immer Ihre sinnlichen Sinne gerade so von Ihnen möchten. Und beichten das dann. Rückwirkend. Reueproblem erledigt. (Kultur-)Katholizismus nennt man das. Praktisch, über Jahrhunderte bewährt und gut. Aber ob damit heute noch Kulturfortschritt zu erzielen ist? Schon Max Weber hat uns wissen lassen, dass unser aktuelles Wirtschaftssystem aus nichts anderem als aus dem Geist des Protestantismus entstehen hat können. Und Protestantismus verlangt ebensosehr nach Disziplin wie nach Selbstbeschränkung. Wirklich schlecht geht es uns nicht damit, oder? Es mögen uns dabei zwar einerseits die wunderschönen Höhen des sinnlichen, genussvollen Schlemmens verlustig gehen. Andererseits gewinnen wir Ausgeglichenheit und Harmonie (laut Konfuzius, um den auch noch zu bemühen, dann hören wir schon auf mit der Philosophie-Stunde, eines der höchsten Güter). Auch nicht schlecht, oder? Unser heutiger Rhabarberkuchen jedenfalls passt in dieses Konzept: Artig, brav, harmonisch, wohlschmeckend, aber: keine Sünde, ob deren Genuss die Welt rings um uns versinkt. (...)

Aus einem Kochblog, wo dann auch das Rezept folgt.

So blau...

Engel, Hemden, Tod und Abwasch

(...) "Tod und Erotik treffen sich im Schwinden der Sinne", erläutert Flörke, der seine Dissertation über den "Tod der Romantik" geschrieben hat. Auf dem Ohlsdorfer Friedhof, 1877 eröffnet, hat Flörke in der Grabkunst viele Beispiele romantischen Denkens entdeckt. "Im 19. Jahrhundert hat man den Tod überhöht und als größtmögliche Schönheit dargestellt, und das war in der patriarchalischen Welt eine Frau." Und da natürlich keine faltige Alte. Auf den Friedhof gelangten die spärlich bekleideten Schönen, um den Verstorbenen ein Symbol des Lebens zur Seite zu stellen. "Liebe über den Tod hinaus, Erotik in der Paarung mit dem Tod - das ist eine Tradition, die seit der Antike besteht und in der Romantik ihren Höhepunkt findet."

In der Weltliteratur sterben wie Romeo und Julia die Liebenden immer dann, wenn es am schönsten ist. Tragisches Ableben statt ewig der Streit um den Abwasch: Wo Dichter der unsterblichen Liebe mit Worten ein Denkmal setzen, tun die Grabmäler es in Bronze, Marmor und Stein. "Der Ohlsdorfer Friedhof weist eine Fülle von Beispielen für das romantische Todesbild auf", weiß Flörke. Da lockt der Hüftschwung einer Männerphantasie in Marmor, der der Träger des Kleides langsam von der Schulter gleitet. "Auch wenn das Gesicht traditionelle Trauer zeigt, ab dem Ellbogen wird es erotisch." Wenn der Tod als gieriger Alter nach der Hand der Schönen fasst, Rosen im Schoß vom Verlust der Unschuld künden oder aber Mohn als Inbegriff von Rausch und Tod erscheint - unter der Führung des Literaturwissenschaftlers erschließen sich auch jene Motive, die nicht so eindeutig sind wie transparente Hemden. (...)

Aus: Bettina Albrod, Der Tod trifft die Erotik. Der Literaturwissenschaftler Lutz Flörke bietet eine sehr ungewöhnliche Führung auf dem Friedhof Ohlsdorf an, welt.de

Sonntag, 10. Mai 2009

Auf der Wartburg

Kinder?

Kinder absorbieren unser Leben, sie nehmen es auseinander. Kinder bewirken nichts als Katastrophen, das ist ein Naturgesetz. Wenn du Paare siehst, die lachend zum Traualtar schreiten, denkst du, die haben keine Ahnung, die Ärmsten haben keine Ahnung, sie sind glücklich. Vorher verrät einem ja keiner was. Ein Armeefreund von mir, der kriegt jetzt ein Kind mit einer neuen Frau. Ich hab zu ihm gesagt, ein Kind in unserem Alter, das ist doch Irrsinn! Die zehn, fünfzehn guten Jahre, die uns bis zum Krebs oder zum Schlaganfall noch bleiben, die willst du dir mit einem Gör versauen?

Yasmina Reza: Der Gott des Gemetzels

Anti-Islamisierungskongress in Köln

Samstag, 9. Mai 2009

U-Bahn Station Alser Straße

Topografisches

"Einen Tag nach seinem Besuch in Ägypten wird der US-Präsident in Dresden erwartet, wo er die Gedenkstätte Buchenwald bei Weimar besichtigen will."

DLF-Nachrichten, 9. Mai 2009, 12 Uhr

So richtig sicher mit der Geografie ist man sich auch in den Nachrichtenredaktionen nicht mehr. Oder ist es die amerikanische Perspektive? Über den Ozean geschaut, mag Weimar ja wie ein Vorort von Dresden erscheinen...

Und ich ...

... werde bleiben im Hause des HERRN immerdar. Ps. 23,6

Freitag, 8. Mai 2009

Mittwoch, 6. Mai 2009

Deutschland: Keine Namensketten

Die in Cottbus erscheinende LAUSITZER RUNDSCHAU kommentiert die Entscheidung der Karlsruher Richter, wonach Eheleute weiterhin keine Ketten aus drei oder mehr Nachnamen bilden dürfen:
"Das Bundesverfassungsgericht hat seinem Ruf als Hort der Vernunft mal wieder alle Ehre gemacht. Nicht auszudenken, was passiert wäre, hätte das Gericht die Bildung von unbegrenzten Namensketten gebilligt. Herr Müller-Lüdenscheid gibt Frau Schulze-Piepenbrink das Jawort, und schon wäre etwa Familie Müller-Lüdenscheid-Schulze-
Piepenbrink auf dem Klingelschild zu lesen gewesen. Eine schöne Bescherung. Aber so kommt es zum Glück nicht", schreibt die LAUSITZER RUNDSCHAU.

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Auch die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG begrüßt das Urteil:
"Das Verbot von Namensketten ist kein Ausdruck staatlicher Schikane, sondern soll einen Namens-Wirrwarr verhindern, der sich über die Generationen immer weiter auszuwachsen droht. So verlöre der Name schlussendlich seine zentrale Funktion, den Träger zu identifizieren und familiär zuzuordnen. Von den Problemen mit sperrigen Namensgirlanden im Alltag ganz zu schweigen", so die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG.

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Die RHEIN-ZEITUNG aus Koblenz sieht es ähnlich:
"Persönlichkeitsrechte sind ein hohes Gut. Und es gilt, wann immer möglich, sie zu schützen. Aber die Selbstverwirklichung einiger weniger darf eben nicht so weit gehen, dass ein großer Teil der Allgemeinheit darunter leidet. Das hat Karlsruhe mit seinem Urteil klargemacht. Und das Gericht hat durch das Nein zu verwirrenden Kombinationen verhindert, dass Probleme in der praktischen Handhabung von Namen für Behörden oder andere Menschen entstehen", konstatiert die RHEIN-ZEITUNG.

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Und der MANNHEIMER MORGEN gibt zu bedenken:
"Die Eltern mögen beim Wunsch nach einer Namenskette noch so hehre Absichten hegen: Ausbaden müssten es die Kinder. Zungenbrecherische Namensungetüme bieten nicht nur Anlass zum Spott, sie sind schlicht und einfach unpraktisch."

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Die FRANKFURTER RUNDSCHAU sieht es so:
"Dass ein Paar mit einer solchen Lappalie das Bundesverfassungsgericht belästigt, ist erstaunlich. Schuld daran hat natürlich Helmut Kohl, in dessen Kanzlerschaft die gesetzliche Untersagung der Namens-Triole fiel. Was eine Bundesregierung – und auch die amtierende ist da hartleibig – so alles glaubt regeln zu müssen, darüber darf man sich mindestens genauso wundern. Der Staat möge Kinder davor bewahren, dass ihre Eltern ihnen idiotische Vornamen geben. Aber ob Erwachsene abstruse Operationen an ihren Nachnamen vornehmen, kann der Bundesrepublik Deutschland doch völlig schnuppe sein. Wer siebenmal heiratet und keine Ehe und den dazugehörigen Namen missen möchte, der soll sich halt größere Visitenkarten drucken lassen", bemerkt die FRANKFURTER RUNDSCHAU.

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Auch die SÄCHSISCHE ZEITUNG hält das Urteil für falsch:
"In der Tat geben so manche Namensketten Anlass zum Spott. Das rechtfertigt allerdings kein Verbot. Wenn Geschmack ein zulässiges Kriterium wäre, müssten die Standesämter auch so manchen exotischen Vornamen streichen. Die Welt gerät nicht aus den Fugen, wenn die Klägerin den Namen Kunz-Hallstein-Thalheim auf ihr Klingelschild schreiben möchte", argumentiert die SÄCHSISCHE ZEITUNG aus Dresden.

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"Das Verbot von Vielfachnamen bestätigt einen verheerenden Trend", hält das FLENSBURGER TAGEBLATT fest.
"Der Staat mischt sich immer stärker in immer mehr Lebensbereiche der Bürger ein. Wollen wir das wirklich? Sollen wir erwachsenen Menschen künftig etwa verbieten, sich die Haare knallgrün zu färben? Oder ein zitronengelbes Auto zu fahren? All das muss man nicht mögen. Aber man muss es tolerieren können."


Aus der Presseschau des Deutschlandfunks vom 6. Mai 2009 

Abwärts

ImTurm der Schlosskirche zu Wittenberg

Wider die Diskriminierung von Buben und Burschen

Die EU sagt jeder Diskriminierung den Kampf an. Soeben haben sich 360 von 785 Abgeordneten gegen die Benachteiligung von Menschen ausgesprochen, die alt, krank, behindert, homo- oder transsexuell sind oder einer bestimmten Religion angehören. Kommt es zur Diskriminierung, kann man zu Gericht gehen und Schadenersatz fordern. Dieser Vorstoß ist löblich. Er bringt das Licht der Aufklärung in einen Bereich, in dem es noch zu viele Schatten gibt. Auch in Österreich werden Menschen diskriminiert, und zwar mit größter Selbstverständlichkeit. Eine große Bevölkerungsgruppe sogar: die der Buben und jungen Männer.

Die Fakten sind eindeutig: Buben sind in der Schule benachteiligt. Sie erhalten für gleiche Leistungen schlechtere Noten. Sie werden überproportional häufig in Sondereinrichtungen abgeschoben. Sie maturieren seit Jahren signifikant weniger häufig, als es ihrer Geschlechterquote entspräche. All das geschieht unter staatlicher Aufsicht in einem Schulalltag, der von Frauen dominiert wird. Und als ob die Buben nicht schon genug zurückgesetzt wären, werden sie nach der Matura noch zum Bundesheer oder Zivildienst eingezogen, während die gleichaltrigen Mädchen sofort zu studieren beginnen. Das hat zur Folge, dass in allen 46 Staaten (einzige Ausnahme: Türkei), die sich zur Schaffung eines einheitlichen europäischen Hochschulwesens bekannt haben, die Mehrheit der Studienanfänger weiblich ist. An all das hat man sich in Europa gewöhnt. In ganz Europa? Nein.

In Norwegen, seit Ibsens Tagen ein Vorreiterland für Frauenfragen, denkt man anders. Dort werden per Gesetz die Aufsichtsratssitze der börsennotierten Unternehmen zwischen Männern und Frauen aufgeteilt. Umgekehrt aber, wird auch eine geschlechtsneutrale Militärdienstpflicht gefordert. Ab nächstem Jahr soll die Musterung für beide Geschlechter obligatorisch sein.

Wer glaubt, dass diese Gesetzesinitiative von einem „Male Chauvinist“ oder einem „testosterongesteuerten Phallokraten“ stammt, irrt. Es ist eine Dame, die diesen Vorstoß gewagt hat. Diese Dame ist norwegische Verteidigungsministerin. Sozialdemokratin ist sie auch noch. Käme hierzulande jemand auf die tollkühne Idee, sie zu einem Parteitag einzuladen, könnte sie erzählen, dass in ihrem Land 62% der Männer und 55% der Frauen die geschlechtsneutrale Wehrpflicht favorisieren und bei den unter 25-Jährigen gar 72% dafür sind. In Norwegen.

In Österreich ist die Geschlechterdiskussion stecken geblieben: Man bekämpft Männerbastionen, und zwar völlig zu Recht, aber die Männerbastionen Militär und Zivildienst sollen bleiben. Und statt über die Benachteiligung der Buben in der Schule und beim Studieneintritt zu reden, diskutieren wir über das Binnen-I. „Das ist das Verdammte an den kleinen Verhältnissen“, schreibt Ibsen einmal, „dass sie die Seele klein machen.“ Österreich kann er damit nicht gemeint haben.

Kommentar von Kurt Scholz (langjähriger Wiener Stadtschulratspräsident) in der Presse vom 5. Mai 2009