Sonntag, 31. Mai 2009

Erdäpfelwahlkampf

In der westlichen Welt hat sich der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad durch Holocaust-Leugnungen und Unnachgiebigkeit im Atomstreit unbeliebt gemacht. Doch wer dieser Tage, in der heißen Phase des Präsidentschaftswahlkampfes, auf iranische Web-Seiten schaut, der lernt, dass Ahmadinedschads Hauptproblem in der Heimat "Potatogate" heißt: Den Berichten zufolge haben sich in mehreren Dörfer aufgebrachte Menschenmengen versammelt, die "Tod den Kartoffeln" schrien - in Anlehnung an den iranischen Schlachtruf "Tod den Amerikanern". Was war geschehen?

Offenbar hatte die Regierung kostenlos Kartoffeln verteilen lassen, um die Beliebtheit Ahmadinedschads im Vorfeld der Wahl zu steigern. "Werbe-Kartoffeln!", empört sich der Ex-Vizepräsident Mohammed Ali Abtahi in seinem Blog. "Die Leute vom Land sind klug, solche Aktionen empfinden sie als Beleidigung." Ein Autor mit dem Pseudonym Mmoeeini bemerkt bissig, Ahmadinedschad habe ja versprochen, den Ölreichtum an das Volk weiterzugeben - und löse die Zusage nun in Kartoffeln ein. Und der Polit-Blogger Abbas Abdi kritisiert, die Leute könnten so viele Kartoffeln gar nicht lange genug lagern: "Warum haben sie nicht lieber Zwiebeln verteilt?" (...)


Aus Gabriela M. Keller: "Tod den Kartoffeln"!, auf welt.de

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