Montag, 22. September 2008
Immerhin mit Humor
Buchhändler Christian Heymann steht vor seinem Geschäft am Eppendorfer Baum und wartet auf den Weltstar. Heymann möchte Shirley MacLaine persönlich begrüßen und ihr die Hand schütteln. Doch dazu kommt es nicht. Die Oscar-Preisträgerin fährt nicht vor, sondern entsteigt der schwarzen Mercedes-Limousine bereits an der Hegestraße. Dann geht alles ganz schnell: Als die Fans, etwa 300 warten an diesem Sonnabendmittag in einer langen Schlange, ihr Idol entdecken, ist die Hollywood-Schauspielerin schon schnellen Schrittes in die Buchhandlung Heymann gelangt.
Die 74-Jährige, die ganz in Schwarz gekleidet ist, nimmt Platz und ist umringt von Kameraleuten. Vor ihr auf dem Tisch stapelt sich ihr neues Buch "Weiser, nicht leiser!" Dieses enthält autobiografische Geschichten über die besonderen und unvergleichlichen Vorzüge des Älterwerdens.
Dann kann es losgehen, einzeln werden die Fans zu ihrem Idol vorgelassen. Shirley MacLaine wirkt entspannt und signiert wie am Fließband ihr Buch. Ab und an lächelt die Schauspielerin und bedankt sich für die Komplimente ihrer Fans. "Es war ein tolles Erlebnis, sie hat mich ganz freundlich angelächelt", berichtet eine Frau stolz. Ein Lächeln hat Shirley MacLaine auch auf den Lippen, als nach einer knappen Stunde alle Bücher signiert sind. Unter dem Applaus ihrer Fans verlässt die Schauspiellegende die Buchhandlung und lässt sich zurück ins Hotel Vier Jahreszeiten chauffieren.
Abends erscheint sie dann im Glitzerkostüm im Kleinen Saal der Laeiszhalle. Den Besuchern werden Verschwörungstheorien geboten: Medien würden die Berichterstattung über Spiritualität unterdrücken. "Dahinter stehen die Interessen von Regierungen. Die wollen, dass die Bevölkerung in Angst lebt, damit man sie besser manipulieren kann", verkündet MacLaine kühn.
"Bei den Nachrichten im Fernsehen nimmt man nur wahr, was man wahrnehmen will", erklärte sie und spielte auch auf die Zuhörer an. Viele Besucherinnen wünschten sich von der Filmlegende ("Irma la Douce") Anekdoten. Aber es war unmissverständlich angekündigt worden, dass die Diva über die Notwendigkeit der Spiritualität zur Rettung der Welt sprechen würde. Sie sprach über Ufos und Sternenwesen, über Körperchakren und die nahende Zeitenwende. Die Außerirdischen kann sie ziemlich genau beschreiben: "Die von den Plejaden sind menschenähnlich. Und die vom Orion sind die Grauen - so wie Spielberg sie in seinen Filmen zeigt." Wiederum andere seien unsichtbar.
Auch über das Jahr 2012 als Energieschwelle, auf die man sich meditativ vorbereiten sollte, fabulierte MacLaine. Verärgert brachen einige Besucher ungeniert auf - was die Laune des Stars nicht gerade hob.
Als geschickt vorgetragene Mischung aus Esoterik, psychologischen Allgemeinplätzen und gewöhnungsbedürftigen Thesen wie denen von den Sternenwesen, die Menschen entführten und ihnen DNS-verändernde Chips einpflanzten, stellen sich die Botschaften von MacLaine auf den Außenstehenden dar.
Auch in religiöser Hinsicht wagte sich Shirley MacLaine weit vor: Die Kirchen hätten ausgedient, antwortet die überzeugte Esoterikerin auf die Frage, ob Gott in uns oder außerhalb von uns sei. "Jeder sollte sich besser auf das eigene Innenleben konzentrieren, um den Sinn des Lebens zu verstehen", riet MacLaine dem Publikum. Außerdem hatte sie noch eine Weisheit parat: "Wer sich mit Esoterik beschäftigt, sollte auch Humor zeigen. Sonst kriegt man 'ne Meise."
Ein Blick in fremde Welten
Vom Regen in die Traufe
Für die Einwohner des netten Fantasy-Reiches Faeryanis geht es derzeit vom Regen in die Traufe: Eben erst gelang es der gütigen und warmherzigen Königin Gwendolyn ihren despotischen Vorgänger, den grantigen Tyrannen Ceville, aus dem Amt zu kegeln, da braut sich neues Unheil zusammen: Ihr hinterhältiger Berater Basilus schmiedet hinter Gwendolyns Rücken gemeine Ränke, um an die Macht zu kommen und das Land mit seiner heraufbeschworenen Armee der Finsternis zu unterwerfen.
Gefangen in dieser Zwickmühle mit der Wahl zwischen Pest und Cholera verbleibt den Bürgern von Faeryanis als letzte Hoffnung ihr einstiger Peiniger Ceville, der in seiner Zelle vor sich hin grummelt und dabei Pläne für seine „Wiedereinstellung“ als Staatsoberhaupt ausheckt. Und dessen Rolle ihr im gleichnamigen Spiel übernehmt…
Trio im Quadrat
Dass in dem kleinen roten Wicht Ceville ein fieser Tyrann steckt, mag man angesichts seiner äußeren Erscheinung zunächst gar nicht vermuten. Doch scheint er während seiner Amtszeit gar schlimm gewütet zu haben, wurde er doch von den Rebellen zu Beginn des Spiels in den Kerker und damit in sichere Gewahrung gesteckt.
Hier trifft er auf die kleine Lilly, die nicht nur ein süßer Fratz, sondern offenbar auch ziemlich naiv ist, glaubt sie doch mit Ceville das kleinere Übel im Vergleich zum bösen Basilus ausgemacht zu haben. Aus diesem Grund hilft sie Ceville bei seiner Flucht aus dem Gefängnis im festen Glauben, das Königreich dadurch zu retten.
Im weiteren Spielverlauf übernehmt ihr daher nicht nur die Rolle von Ceville, sondern immer wieder auch die von Lilly. In manchen Szenen kann der Spieler zwischen den Charakteren wechseln, in anderen wiederum trabt der Kompanion ähnlich wie Max seinem Hunde-Herrchen Sam hinterher und lässt sich für bestimmte Rätsel „benutzen“.
Später stößt zu diesem ungleichen Duo noch der selbstverliebte Ritter Ambrosius hinzu. Der aufrechte und stets auf seine Fönfrisur bedachte Held hatte ursprünglich den Auftrag, Ceville in seiner Zelle zu bewachen. Nachdem ihm dies aber gehörig vermasselt wurde, begibt sich Ambrosius auf die Jagd nach dem Möchtegern-Tyrannen – und schließt sich schlussendlich dessen Sache an.
Humor wie bei den Simpsons
„In Sachen Humor orientieren wir uns ein wenig an den Simpsons“, verraten uns die Münchner Entwickler von Boxed Dream auf der Games Convention. „D.h. wir streuen überall kleine Anspielungen auf Filme, Bücher oder andere Computerspiele ein.“ Wer die Anspielungen versteht, hat noch mal eine Extraportion Spaß, wer die Originale nicht kennt, wird aber trotzdem was zu lachen haben.
An vorderster Front der Humorattacke stehen dabei genrebedingt natürlich die gängigen Fantasy- und Rollenspielklischees. Die Elfen in Ceville sind beispielsweise ein esoterisch angehauchtes Hippie-Völkchen auf Öko-Trip, die das Motto von „unserem Freund: dem Baum“ bis zum Erbrechen predigen. Die Zwerge hingegen sind nach all den Jahren in ihren Goldminen zu dermaßen viel Reichtum gelangt, dass sie nurmehr als geldgierige Manager und Verwalter ihrer Ersparnisse in Erscheinung treten.
Doch auch Klassiker der Spielegeschichte bekommen bei Ceville ihr Fett weg: In einer Selbsthilfegruppe für einstige Erzbösewichte versucht eine gute Fee die ehemaligen Fieslinge zu anständigen Gutmenschen umzumodeln. Neben dem Horny aus Dungeon Keeper und einem schwarzen Ritter, der zu ähnlich asthmatischen Kettenraucher-Symptomen neigt wie seinerzeit Darth Vader, findet sich dort außerdem ein Zombiepirat, der frappierend an seinen Verwandten Le Chuck aus Monkey Island erinnert – mit dem Unterschied, dass er statt eines edlen Holzbeins nur einen Wischmob trägt und der piratentypische Papagei ihm nicht auf der Schulter sitzt, sondern im Auge. Statt Augenklappe.
Auch sonst ist nicht alles in Ceville so, wie man es von bunten Märchenwelten gewohnt ist: Der Flaschengeist verweigert das Erfüllen von Wünschen, seit er der Gewerkschaft beigetreten ist, und Affen fungieren nicht nur als Barkeeper im Strandcafe, sondern helfen auch beim Betrügen im Kartenspiel.
Wen nicht nur die abgedrehte Ideenflut, sondern auch der Grafikstil an die Adventure aus dem Hause Deck 13 erinnert, ist bereits auf dem richtigen Dampfer: Auch bei Ceville kommt die Ogre Engine zum Einsatz, die bereits Assils ägyptischer Suche nach dem Ankh Leben einhauchte. Und wie es sich für das Genre gehört, kommen auch hier prominente Stimmen zum Einsatz: Neben dem deutschen Sprecher von Hollywood-Star Joe Pesci (Goodfellas, Lethal Weapon) ist auch Ian Holm, Fantasy-Fans spätestens seit seinem Auftritt als Bilbo Beutlin in den „Herr der Ringe“-Filmen ein Begriff, mit an Bord. (...)
Aus einer Spielkritik auf gamona.de
Selbst ein solcher Text lässt ahnen, wie weit in fremde Welten man sich durch das Spielen von Computerspielen hineinziehen lassen kann, man braucht noch nie auch nur auf einen entsprechenden Bildschirm geschaut zu haben, um zu ahnen, was sich da für Paralleluniversen auftun...
Schleichende Unterwanderung durch Esoterik
Immer mehr Esoteriker und Lichtarbeiter suchen - mehr oder weniger erfolgreich - den Zugang zu freizeitorientierten Entspannungszentren, um dort Menschen zu sensibilisieren für New Age, Energiearbeit, das neue Zeitalter und sonstige Themen aus diesem Wirkungsbereich. Das Erfolgsrezept, mit dem aus marketingtechnischer Sicht vorgegangen wird, ist relativ einfach: fernöstliche Ritualpraktiken, Klangschalen, Gong und Mantren, kombiniert mit mitteleuropäischer Klassikmusik und christlichen Gesängen. Auf diese Art und Weise verschaffen sich die „Künstler“ Vertrauen und einen breiten Zugang zur Massenanwendung.
Der nichts ahnende Bade- und Wellnessgast befindet sich nach einer solchen Klangreise oder Klangaufguss im sogenannten Alphazustand, einem tiefen Entspannungszustand zwischen Wachen und Schlafen. Während diesem tranceähnlichem Bewusstseinszustand werden die Probanden empfänglich für suggestive Botschaften, die oftmals im Rahmen einer Traumreise übermittelt werden und offen für den esoterischen Psychomarkt machen. Das Prinzip ist von den sogenannten „Mindmachines“ her bekannt. Robert Monroe hat das von ihm entwickelte „Hemi-Sync“ Verfahren in einem eigens konstruierten Apparat eingesetzt. HemiSync steht für Hemisphären-Synchronisation. Dabei sollen beide Gehirnhälften synchronisiert werden, also gleichzeitig aktiv sein. Üblicherweise ist die linke Gehirnhälfte im Wachzustand aktiver, während die rechte nachts dominiert. Auf der HemiSync Seite heisst es dazu:
„Es handelt sich um eine sanfte Klangtherapie, die er (Robert Monroe – Anm.d.Verf.) aufgrund des Wirkprinzips Hemi-Sync nannte. Am Beginn des neuen Jahrtausends ermöglicht Hemi-Sync uns eine spürbare Schwingungserhöhung. Unsere optimierte neuronale Effizienz bringt uns eine neue Dimension bewusster Lebensgestaltung in einer sich dramatisch verändernden Welt.“ (Quelle: Hemi-sync.de)
Hier wird also das Newage Gedankengut, welches hinter diesen Techniken steht, deutlich. Verbunden wird das mit einem Anschein von Wissenschaftlichkeit. Ähnlich wird es in der heutigen esoterischen Szene mit der Klangschalentherapie gemacht. „Planetenklangschalen“ sind für den normalen Badegast ja zunächst sehr ungewöhnlich. Esoteriker gehen daher dazu über, das Ungewöhnliche mit Bekanntem zu kombinieren. So werden beispielsweise bekannte christliche Gesänge (z.B. „Ave Maria“) zusammen mit den Klängen serviert. Der Zuhörer erkennt das bekannte Lied und ordnet die Gesamtprozedur, also einschließlich der Klänge und Klangmandalas, in einen ihm bekannten Kontext ein. Zu gut Deutsch: Er denkt sich nichts mehr dabei. Die ihm bekannten Lieder überdecken das eigentlich ungewöhnliche. Er wird also manipuliert.
Wenn sich der Badegast in diesem eingelullten Zustand befindet, ist er empfänglicher für Affirmationen jeglicher Art. Affirmationen sind Selbstsuggestionen oder Suggestionen durch andere. Oft werden Mantren monoton wiederholt. Oder aber es werden Elementemmelbezeichnung für Grundstoffe, aus denen sich alle chemischen Stoffe (Chemikalien) zusammensetzen, oder Grundkörper, von denen eine Wirkung ausgeht.
des positiven Denkens eingesetzt, wie es z.B. von Joseph Murphy bekannt ist ("Die Macht Ihres Unterbewußtseins"). Esoteriker verwenden beispielsweise Suggestionssätze wie „du gehst jetzt durch einen Tunnel, dort betrittst du einen heiligen Raum, der nur für dich da ist, nun lasse alles los…“)
In Verbindung mit den Klangschalen tritt innerhalb kurzer Zeit der Alphazustand ein. Ein Anwender berichtet: „In diesem Zustand schwebte ich plötzlich über mir. Ich konnte alle Töne wahrnehmen, jeden für sich, aber irgendwann wurde es alles so monoton, ich vernahm nur noch ein unausgegorenes Klängewirrwarr“. Solche Aussagen sind typisch. Sie zeigen, dass die Suggestionen durchaus etwas bewirken können. Der Proband fühlt sich in vielen Fällen sogar entspannter und ausgeruhter nach einer Klangschalentherapie. Dieser Zustand ist jedoch von sehr flüchtiger Natur. Zu Hause angekommen, ist meist alles schon wieder vorbei (ganz abgesehen einmal von der Gefahr im Alphazustand noch Auto zu fahren). Im normalen Alltag haben sich durch die Klangschalen oder Klangmandalas die alltäglichen Probleme um keinen Deut gebessert. Der Anwender tendiert daher dazu, am nächsten Wochenende erneut die Sauna oder Wellness-Anlage aufzusuchen, um sich wieder und immer wieder berieseln zu lassen. Es entsteht eine richtiggehende Abhängigkeit. Bekannt geworden ist dies beim Reiki, wo Menschen auch berichten, regelrecht süchtig geworden zu sein nach Reiki-Behandlungen. Auch hier war der Effekt meist vorübergehend.
Wenn Kinder mit ins Spiel kommen, lauert eine weitere Gefahr. Auch an Schulen und Kindergärten werden verstärkt Phantasiereisen oder Klangmeditationen mit den Kindern durchgeführt. Wenn nun ein Kind seinen Eltern davon berichtet, so sind viele Eltern oftmals bereits kritiklos geworden, weil sie selber am letzten Wochenende eine Klangmassage miterlebt haben. Noch vor wenigen Jahren, hätte es einen handfesten Skandal ausgelöst, wenn Kinder solchen Klangtherapien der spirituell-esoterischen Art ausgesetzt worden wären. Wir müssen als Eltern wieder dorthin, dass diese Praktiken kritisch hinterfragt werden.
Das Unterbewusstein ist zweifellos ein mächtiges Werkzeug. Aber es kann auch manipuliert werden. Nicht umsonst warnt der Autor Reinhard Franzke vor der „Hypnosegesellschaft“. Schleichend sollen sich nach dem Willen mancher Esoteriker okkulte Praktiken immer mehr in unserem Alltagsleben etablieren. Hier ist also höchste Vorsicht angebracht. Der Psychomarkt muss dringend stärker kontrolliert und beobachtet werden.
André Sepeur und Eckart Haase in: Umweltjournal


