Dienstag, 26. Februar 2008

Sozialleistungen in Deutschland













In Deutschland leben nach Angaben des Statistischen Bundesamtes nur 41 % der Bevölkerung hauptsächlich von dem, was sie selbst durch Arbeit verdienen...

Es wäre sehr interessant, diesen Wert einmal mit den Angaben anderer Staaten zu vergleichen. Ich vermute aber, dass diese Quote in Österreich doch etwas höher liegt.

Montag, 25. Februar 2008

Oscar für Österreich

Für Österreich war schon die Nominierung ein ungeheurer Erfolg. Die Vorberichte zur Verleihung der Academy Awards waren freundlich, aber zurückhaltend - und auch er selbst hatte wohl nicht damit gerechnet, aber dann wurde es wahr: Stefan Ruzowitzky hat für sein schon mehrfach auf Festivals ausgezeichnetes KZ-Drama "Die Fälscher" den Oscar in der Kategorie "Bester nicht englischsprachigher Film" gewonnen. Das erste Mal ging der "Auslands-Oscar" damit an einen Österreicher.

Nach einem halben Jahr hier in Österreich merke ich, dass mich das nicht gleichgültig lässt, anders als irgendwelche Erfolge im Schisport. Vielleicht hat es wirklich mit dem Ankommen und Einleben zu tun - so wie mir andererseits auffällt, dass mir Deutschland auch innerlich ferner rückt.

Weihnachten, ganzjährig

Im Lutherhof ist immer Weihnachten, so kommt es dem Besucher vor. Aus praktischen Gründen hängen die Sternderl-Lichterketten das ganze Jahr, es wäre zu kompliziert, sie immer wieder abzunehmen.
Aber vermutlich fällt es sowieso kaum jemandem auf, das Auge gewöhnt sich bekanntlich sehr schnell...

Samstag, 23. Februar 2008

Mac. Bestaldi - Bestattungssatire vom Niederrhein

Die Discounter-Bestattung der Zukunft. Nur das selbst geschaufelte Grab ist billiger!
Werden Sie Zeuge des Niederrheinischen Kaffeetafelgespräches eines sich umsorgenden und über den Tod hinaus noch liebenden Ehepaars.

Beteiligte:
Weltbester - W:
Rasimama - R:


R. studiert gedankenverloren in den Niederrhein-Nachrichten, eines dieser kostenlosen Wochenblättchen, den Anzeigenteil...plötzlich schreit sie auf

R: Mensch, hörma, datt hier iss ja mal widder watt ganz Neues. Haste schon mal von Mac. Bestaldi gehört? Ne ganz neue Form der Bestattung. Gut und günstig....All inclusive Bestattungs-Flatrate.

W: Wieso fragste mich datt denn jezz? Seh ich schon so schlecht aus, oder iss watt im Kuchen drin, datt ich wissen müsste?

R: Nee, nix dergleichen, abber lass uns doch auch ma an später denken. Also hör zu. Discount - Bestattungen zu reellen Preisen, steht hier. Exklusiv für unsere Stammkundschaft mit dem Payback- Sorglos- Sterbe - Bonus.

W: Wie datt denn jezz? Stammkundschaft von wem?

R: Warte doch ma ab. Bin doch noch gar nich fertich. Lass mich doch nur einmal ausreden, ja?
Also – Da gibbet zwei Möglichkeiten zu sterben. Nä Quatsch, nicht sterben, datt musse vorher alleine machen. Et gibt zwei Möglichkeiten der Discount - Bestattung, so!
Einmal datt Bestattungspaket - Delux und dann noch datt Bestattungspaket – Elementar.

W: Drehste jezz ganz durch, Frau? Datt kann doch nur en Witz sein un wenn nicht, nehm ich Delux, iss doch klar oder? Ja un dann noch die Talk-Talk Händiflätt, denn wenn ich tot bin, iss datt eh egal, wegen der Händistrahlen, mein ich.

R: Datt sieht dir ähnlich, nur vom Feinsten inne Kiste hüpfen, watt? Aber keine schlechte Idee, datt machen wir. Oder besser, ich geh da morgen mal hin und hol für Dich so’n Antragsformular. Datt kostet auch watt. Hier steht Bestattungsflat- Einstiegsrate - 35 Euro. Aber hinterher bin ich bestimmt froh, wenn die ganze Schose nich so teuer wird....

W: ...Stopp ma ....Wieso nur für mich? Un außerdem, wieso meinste ich brauch vor Dir so ne Sterbe -Delux - Discounter-Bestattung? Wer sacht denn datt ich vor dir sterbe?

R: Jezz streite doch nich. Hör mal lieber weiter zu. Du willst doch die Delux, hasse gesacht.
Also hier steht. Delux-Discount-Bestattung-Leistungen:
- Schonende Vorkompostierung
- Eichensarg, auf Wunsch auch Urne
- Bügelfreies Leichenhemd
- Sarginnenausstattung in pflegeleichtem Trevira
.......

W: Watt brauch ich denn ein bügelfreies Leichenhemd? Meinste da unten würd ich noch bügeln? Reicht mir eh schon jetzt zu Lebzeiten...wer bügelt denn ständig meine Hemden?, du vielleicht?....

R:...nee komm, jezz ma weiter hier.
Also bei Delux kriegste sogar die Beisetzung auffem Parkplatz des Dicounters deines Vertrauens. Also ganz inne Nähe!
Inklusive Gravur eines Pflastersteins mit Datenmaske, watt auch immer datt heißen mag.

W: Willse mich jezz auffem Parkplatz verschachern? Datt kann doch nich dein Ernst sein!
Les doch ma wat anderes vor...gibbet im Baumakt Tischchen für meine Werkstatt?

R: Wenn ett interessant wird, keifste immer dazwischen. Un außerdem käm ich ja jeden Donnerstag, wenn ett die Sonderangebote gibt vorbei. Vielleicht sogar mit en paar Blümkes.

W: Wieso glaubste eigentlich, datt du zu mir kommst un nich ich zu dir?

R: Also wenn ich die Statisiker Glauben schenken kann, dann hab ich ne höhere Lebenserwartung, weil ich ja ne Frau bin. Un ich bin auch noch vier Jahre jünger als du. So! Noch Fragen?

W: Aber du rauchst. Datt kommt erschwerend hinzu.

R. Aber ich ärger mich nich so viel. Du sachst doch immer, mit mein dummes Gequatsche bring ich Dich noch ins Grab.

W: Datt iss ja nur Spass....

R: Auf einmal, watt? Nee, nee mein Lieber, ich hol die Payback-Sorglos-Sterbebonuskarte für dich un damit Basta.

W: Watt kostet die denn im Ganzen?

R: Nun, hier steht, pro Einkauf von über 50 Euro kriegste 2 Sterbepunkte. Bei 300 Punkte kannste sofort bestattet werden, bleibste drunter, musste draufzahlen. Pro fehlendem Punkt 100 Euro.

W: Datt iss aber auch nich billig, vielleicht guckste mal bei Elementarbestattung....

R: Nee Schatz, die iss ohne schonende Vorkompostierung. Datt kann ich dir nich antun, dir als Vegetarier. Datt iss absolut nicht BIO.

W: Wenne tot bist, iss nix mehr BIO. Bio heißt Leben, dann iss et auch egal, wie ich als Grufti kompostiert werde. Ob schonend oder nich..dampfgegart oder inne Mikrowelle...

R: Ach, jezz willse auf einmal doch ne Dicountbestattung? Ich mein ja auch datt iss ne gute Wahl. Guck ma, datt rechnet sich. Wenn ich nächste Woche da die Bettwäsche kaufe un dann die Woche drauf noch die Handkreissäge, dann hätten wir schon zwei Punkte. Watt meinste,wie schnell du den Anspruch auf ne Bestattung hättest. Ruck Zuck, geht datt.

W: Na gut. Aber watt iss den mit Dir? Du muss doch auch ma....

R: Schatz wer iss hier der Finanzminister? Du oder ich?
Ich mach datt alles noch viel billiger. Ich schlag denen en Schnippchen, da kannste drauf wetten. Wenn et soweit iss, dann werd ich mich kurz vorher in nen brennenden Scheiterhaufen werfen. Und zwar hier, im eigenen Garten.
Datt iss erstens noch billiger, datt kann kein Discounter toppen. Und zweitens sachste doch selbst immer, ich wär ne olle Hexe.
Na also. Feuerbestattung Delux-Autonom Hexiflexibel.

W: Mensch Weib, wat bisse sparsam. Haben wir noch en Stück Kuchen, oder iss der im Bonus nich mehr für mich drin?

Von "rasimama", veröffentlicht am 21.02.2008 auf opinio, der interaktiven Leserseite der Rheinischen Post

Donnerstag, 21. Februar 2008

Der 43er

In Wien sind die Straßenbahnlinien männlich, wie in Süddeutschland auch.

Ein schönes Erlebnis

Am Nachmittag hantierte ich bei geöffnetem Fenster in der Küche und vernahm ein wiederkehrendes fallendes Intervall. Zunächst hielt ich es für einen Handyklingelton, - dann begriff ich, dass es der Ruf eines Singvogels war. Zum Wochenende soll es 18 Grad warm werden...

Montag, 18. Februar 2008

Abendverkehr in der Jörgerstraße (Wien 17)

Klarsichtig - und hoffnungslos

„Wenn Gott verschwindet, stehen wir vor einem Dilemma“.

„In einer Welt ohne Gott ist es schwierig, ein ethisches und moralisches Bezugssystem einzurichten.“

„Unsere Gesellschaft gleitet auf dem bißchen Erinnerung daher, einmal zu den Guten gehört zu haben. Sie lebt von den Resten“

„Ich habe keinerlei Hoffnung für diese Welt.“

Jonathan Littell, der Autor des umstrittenen Romans "Die Wohlgesinnten" in Intervievs mit dem SPIEGEL und der ZEIT

Kein Winter



Ein paar Flocken, aber nicht mehr. Der Winter kam nicht. Aber nach der Erfahrung der Wiener kann er auch im März noch kommen...

Sonntag, 10. Februar 2008

Immer noch ein Problem, und das sogar an der Uni

"Doch hier in Hildesheim stehe ich zwischen Kommilitoninnen, die Homo-Witze reißen, weil ihnen die »Single-Männer hier auf dem Land« nicht ausreichen. Sie müssten »dann ja lesbisch werden, und das muss nun wirklich nicht sein«; und dann lachen sie. Ich denke, sie lachen da auch irgendwie über mich. Sie meinen es nicht böse, hoffe ich. Aber warum tun sie das? Respektieren sie mein Leben nicht? Und dann schweige ich manchmal und sage nichts. (...)

In meinem Hinterkopf immer die Fragen: Soll ich den Kommilitonen die Wahrheit sagen? Was geschieht, wenn ein Professor davon erfährt, behandelt er mich dann anders? Kann ich noch unvoreingenommene Zuhörer in Vorlesungen und Seminaren, eine unvoreingenommene Benotung erwarten? Oder werde ich gemieden, ausgegrenzt, oder sogar gemobbt?

Ich will mich nicht vorstellen mit »Guten Tag, mein Name ist Maren Lachmund, ich bin lesbisch«. Und wenn ich mich doch oute, will ich mir weder das blöde »Du doch nicht!« anhören noch dumme Verkupplungsversuche mit Hetero-Kommilitonen erleben!

Viele Heterosexuelle scheinen ja tatsächlich zu glauben, Homosexuelle seien grundsätzlich polygam. Wenn ich eine Kommilitonin zur Begrüßung freundschaftlich umarme, wird das schnell aufgegeben, sobald ich mich oute. Wenn ich mich mit einem Mädchen anfreunde, kann ich eigentlich nur alles falsch machen: Sobald ich mich als Lesbe zu erkennen gebe, denkt sie, ich will was von ihr, egal, ob ich es gleich sage oder erst später."

Maren Lachmund: "Scheiß Lesbe!" in zeit-online.

Von den Stürmen gezeichnet


Die Stürme der letzten Zeit haben wieder einmal das Netz über den Gerüst am Turm der Lutherkirche zerrissen...

Samstag, 9. Februar 2008

Sehnsüchtige Klage

Nie

Nie
werde ich
die Drossel erreichen

nie mit drei Lauten
umzugehn wissen
als wären sie
alles

Rose Ausländer

In einer Autoscheibe

Wien und die Bundesländer

"Warum sind Sie eigentlich nach Österreich gekommen?" fragt mich ein Schüler. "Ich bin nicht nach Österreich gekommen, sondern nach Wien", ist meine Antwort. Österreich, das übrige Österreich, das Land der Berge und der Seen, ist von Wien aus ganz weit weg, quasi nichts als ein abstrakter Horizont. "Die Bundesländer", sagt man hier und meint: die Provinz. Die fängt zwar gleich hinter der Stadtgrenze an und ist andererseits unendlich weit entfernt, so weit, dass man fast schon gereizt ist, hinzufahren und nachzuschauen, ob sie wirklich existiert.

Applaus

Der anrührendste Moment einer Opernübertragung im Fernsehen ist für mich immer wieder der Einzelapplaus für die Sängerinnen und Sänger, die dann jeweils auch in Großaufnahme zu sehen sind, in all ihrer Freude und Erschöpfung. Das sieht man im Fernsehen so viel deutlicher als aus dem Parkett... Warum rührt mich das so? Vielleicht, weil es so wenig Glück in der Welt gibt, oder weil hier Leistung wirklich einmal honoriert wird.

Ein Haus der Menschen, ein Haus mit Fenstern

"Die geschichtlichen Religionen haben die Tendenz, Selbstzweck zu werden und sich gleichsam an Gottes Stelle zu setzen, und in der Tat ist nichts so geeignet, dem Menschen das Angesicht Gottes zu verdecken, wie eine Religion. Die Religionen müssen zu Gott und seinem Willen demütig werden; jede muß erkennen, daß sie nur eine der Gestalten ist, in denen sich die menschliche Verarbeitung der göttlichen Botschaft darstellt, - daß sie kein Monopol auf Gott hat; jede muß darauf verzichten, das Haus Gottes auf Erden zu sein, und sich damit begnügen, ein Haus der Menschen zu sein, die in der gleichen Absicht Gott zugewandt sind, ein Haus mit Fenstern; jede muß ihre falsche exklusive Haltung aufgeben und die rechte annehmen. Und noch etwas ist not: die Religionen müssen mit aller Kraft darauf horchen, was Gottes Wille für diese Stunde ist, sie müssen von der Offenbarung aus die aktuellen Probleme zu bewältigen suchen, die der Widerspruch zwischen dem Willen Gottes und der gegenwärtigen Wirklichkeit der Welt ihnen stellt. Dann werden sie, wie in der gemeinsamen Erwartung der Erlösung, so in der Sorge um die noch unerlöste Welt von heute verbunden sein."

Martin Buber

Überlebenskünstler in der Stadt


Bäume in meiner Straße

Ein Schmaus für Ohren und Augen

Selten genug, aber es kommt doch vor, dass auch das Fernsehprogramm eine Quelle des Glücks ist: Beethoven, Buñuel, dann die Berlinale - und schließlich sogar noch Uecker. Als habe der Sender sein Programm genau für mich gemacht, in gerade dieser Zusammenstellung.
Natürlich heißt der berühmte Buñuel-Film in Wahrheit "Ein andalusischer Hund", aber eine ordentliche Programmzeitschrift kann ich mir leider nicht leisten.

Die neuesten Blüten der political correctness

Schon seit Jahren ist es in den USA kaum mehr legitim, einander "Frohe Weihnachten" zu wünschen, es könnte ja die Gefühle von Nicht-Christen verletzen, darum sagt man korrekterweise "Frohe Feiertage" oder dergleichen. Eine neue Stufe erreicht der Wahn der political correctness nun in Großbritannien: "Derweil gab die BBC in ihrer Internet-'Section on Islam' eine Neuerung bekannt: Wann immer der Name des Propheten erwähnt werde, solle sogleich der Zusatz folgen: 'Peace be upon him', der Friede sei mit ihm. Das, erklärte ein Sprecher der BBC, sei man einer 'fairen und ausgewogenen' Darstellung des Islam schuldig. Es dauerte nicht lange, und das britische Innenministerium kündigte eine weitere Sprachregelung für den amtlichen Gebrauch der Regierung an: Begriffe wie 'war on terror' und 'Islamic extremism' sollten nicht mehr benutzt werden. Innenministerin Jacqueline Jill Smith erklärte, die Extremisten würden nicht im Namen des Islam agieren, sondern gegen ihren Glauben. Deswegen sollten deren Taten als 'anti-islamische Aktivitäten' bezeichnet werden. Auf diese Weise schaffte Frau Smith den Terrorismus mit einem rhetorischen Trick ab.

Wie in England üblich, wurde die Verfügung der Ministerin gelassen hingenommen. Nur ein paar extrem kritische Briten fragten sich, warum in Zeiten der IRA-Terrors nicht von 'anti-irischen Aktivitäten' geredet wurde." [Henryk M. Broder: Scharia ist für alle da!, spiegel-online 08.02.2008]

Freitag, 8. Februar 2008

Nur für Funktionäre...

Diese Tafel findet sich in den "Priesterräumen" der Wiener Friedhöfe... Wer sich also zufällig hinein verirrt hat, wird stillschweigend aufgefordert, diesen Raum wieder zu verlassen...

Wo Magie noch etwas zählt

Der Sonntag könnte in Accra ein tödlicher Tag für Hühner und Schafe werden. Diese Tiere stehen bei den Voodoo-Priestern, die besonders beim Afrika-Cup Saison haben, besonders hoch im Kurs, wenn es darum geht, ein geeignetes Opfer für die Götter zu finden. Entweder werden sie dem Ritual zufolge in der Kabine geschlachtet oder lange vor Spielanpfiff im Rasen vergraben. Der Glaube an Voodoo und seinen magischen Zauber ist in Afrika weiterhin ein nicht zu unterschätzendes Element.

Die Beschwörung des Übernatürlichen und das Erwirken eines Wunders ist die Aufgabe der „Witch-Doctors“. Ihre Dienste sind für 2000 Dollar zu erwerben, und ziemlich jedes Team hatte beim 26. Afrika-Cup seinen eigenen Hexenmeister dabei. Gelingt es ihm nicht, die eigenen Spieler zu stärken, soll er zumindest die Gegner schwächen. Ob es mit Flüchen, Räucherstäbchen und Hühnerblut tatsächlich gelingt?

„Voodoo-Priester gibt es so, wie es bei jedem Klub in Europa einen Masseur gibt“, erklärt Anthony Baffoe, Ghanas ehemaliger Team-Star und heutiger Mitorganisator des Afrika-Cups. Baffoe weiß, wovon er spricht. Schließlich hatte er den entscheidenden Elfmeter im Finale von 1992 verschossen. Warum?

Beim Turnier 2002 wurde Kameruns Torwart-Legende Thomas Nkono vor dem Halbfinale gegen Mali verhaftet. Es wurde behauptet, er habe ein Elixier auf dem Rasen verschüttet. Seit damals dürfen laut Verbands-Regulativ Hexenmeister offiziell nicht mehr zu den Mannschaften gehören. Dennoch dürfte am Sonntag in so mancher Hexenküche vermutlich ein ganz großer Kessel brodeln.

Aus der Vorbericht der Presse zum Endspiel des Afrika-Cups am Sonntag in Accra

Befremdlich

Neulich bei einer Beerdigung: Die Enkelin der Verstorbenen trug zum schwarzen Mantel ein Halstuch mit einem Totenkopfmotiv und den bekannten gekreuzten Knochen.
Piraten sind Mode, das Tuch war schwarz - sie hatte sich offenbar nichts dabei gedacht, und es schien auch niemanden zu stören.
Ich war befremdet. Als ich gelegentlich meinen Schülern dies Erlebnis erzählte, waren sie erstaunt - über mein Befremden...

Spätnachmittag an der Lutherkirche




















Die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Einen verknappten Umgang mit biblischen Wahrheiten hat der Professor für Praktische Theologie an der Uni Greiswald, Michael Herbst, auf dem Willow-Creek Kongress in Oberhausen angemahnt. Wachsen im Glauben könne nicht nur bedeuten, fromme Lieder zu singen und ab und zu eine Tageslosung zu lesen, betonte Herbst in seinem Vortrag „Leiten durch Lehren“.

Die Lehre, also das tiefer gehende Studium der Heiligen Schrift, sei vergleichbar mit dem Essen von Schwarzbrot. „Ich liebe Predigten, die witzig sind und gute Geschichten erzählen, aber unsere Predigten brauchen auch Tiefgang und müssen den Glauben unserer Gemeinden formen können“, sagte Herbst, der auch Direktor des Instituts zur Erforschung von Evangelisation und Gemeindeentwicklung in Greifswald ist. Es gehe nicht nur darum zu wissen, dass Jesus einen liebt, sondern „wir müssen tiefer eindringen in die Wahrheit des Evangeliums“, so Herbst. Dies betreffe Fragen wie „Was ist die Rechtfertigung aus Glauben? Was bedeutet es, dass die Wiederkunft des Herrn auf sich warten lässt? Und was ist gemeint, wenn wir bekennen, dass Jesus wahrer Mensch und wahrer Gott ist?“ Für diese Fragen reichten ein „Gospeltainment“ und die Kurz-Bibellese in der täglichen Losung nicht aus. [jesus.de 08.02.2008]

Sehr wahr, aber wie glücklich könnten wir sein, wenn auch nur eine erhebliche Minderheit unserer Gemeindeglieder die Losungen lesen oder überhaupt kennen würde... Faktisch ist die Bibel selbst in der Kerngemeinde inzwischen ein fast ganz unbekanntes Buch.

Ottakringer Seitenblicke



Kunst

Kunst wäscht den Staub des Alltags von der Seele.

Pablo Picasso

Schatten, fast verblasst
























Die Weltreihen

Was ist unser tuhn auff Erden?
An die Welt geboren werden:
Sprach- und ganglos in der wiegen
Sonder eigne hülffe liegen:
Kriechen / lauffen / stehen/ sizen /
Hungern/ dürsten / frieren / schwizen:
Eitle müh und arbeit tragen:
Sich mit vielen sorgen plagen:
Stets in todsgefahren schweben:
Und zu letst den geist aufgeben:
Wiedrum staub' und asche werden /
Das ist unser thun auff Erden.

Johann Grob (1643-1697)

Donnerstag, 7. Februar 2008

Immer wieder der Tatort...

„ARD verschiebt ‚Tatort’ wegen Brands in Ludwigshafen

Diese Fiktion ist derzeit zu nah an der Realität: Wegen des Wohungsbrands mit neun Toten in Ludwigshafen hat die ARD die Ausstrahlung eines in der Stadt spielenden Tatort-Krimis aus dem deutsch-türkischen Milieu verschoben.

‚Mit dieser Entscheidung nehmen wir Rücksicht auf eine große Trauergemeinde, deren Gefühle wir nicht verletzen wollen’, sagte SWR-Intendant Peter Boudgoust am Donnerstag. Die Folge ‚Schatten der Angst’ solle nun erst am 6. April gezeigt werden. Am kommenden Sonntag wiederholt die ARD stattdessen eine frühere Folge.

Boudgoust sprach von einer schwierigen Entscheidung. ‚Schatten der Angst’ mit der Hauptdarstellerin Ulrike Folkerts sei eine stimmig inszenierte, spannende Liebesgeschichte. Der Fernsehfilm spiele zwar im deutsch-türkischen Umfeld, habe aber mit der Diskussion über die Hintergründe des Feuers in Ludwigshafen nichts zu tun. ‚In dieser Situation hätte die Gefahr bestanden, dass eine herausragende Tatort-Produktion völlig falsch verstanden wird’, sagte Boudgoust.

Bei dem Wohnhausbrand waren am Sonntag neun Türken ums Leben gekommen. Am Donnerstagnachmittag besuchte der türkische türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan den Unglücksort. Er wurde bei dem Rundgang um die Brandruine vom rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck und der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung, Maria Böhmer, begleitet. Erdogan hatte zuvor in Ankara vor einem ‚neuen Solingen’ gewarnt.“

Financial Times Deutschland (dpa-Meldung), 07.02.2008, 17:22 Uhr

War da nicht erst kürzlich eine Tatort-Folge, die die Gemeinschaft der Aleviten so sehr erzürnt hat? Die Krimis der Tatort-Reihe sind ja bekannt für ihren Realismus. Aber in manchen Fällen wird der offenbar schon brenzlig.

Skurriles am Wege


Vorbei

Einst galt der Mensch der Theologie und dem Volksmund als "Krone der Schöpfung". Aber die Zeit der Monarchien und der Kronen ist vorbei.

Mittwoch, 6. Februar 2008

Pfarrkirche Grinzing

Das schöne Geschlecht mit den besseren Noten

"Die Frage um die Benachteiligung von Frauen beim Eignungstest ist ja in dieser Schülerumfrage (http://derstandard.at/?url=/?id=2936780) schon beantwortet worden: 'Beide Geschlechter sagen, dass die Mädchen im Unterricht bevorzugt werden.' Ist es wirklich so eine große Überraschung, dass eine Personengruppe, die jahrelang einem geringeren Leistungsdruck als eine andere ausgesetzt ist, vergleichsweise schlechter abschneidet, wenn der Leistungsdruck auf einmal für beide Gruppen gleich hoch ist?"

Aus einem Forumbeitrag zum Medizineignungstest im Standard. Bei diesem Test schneiden Mädchen signifikant schlechter ab als Burschen.


Ein früherer Schulkollege aus Deutschland fällt mir ein, dem (wohl sehr zu Recht) nachgesagt wurde, dass er Mädchen nahezu ausschließlich nach Attraktivität benotete. Das Phänomen gibt es mithin nicht nur in Österreich.

Dienstag, 5. Februar 2008

Martinstraße nach Süden zu

Marillenrepublik

Korruption meint nicht nur Bestechlichkeit und Bestechung, sondern beschreibt überhaupt einen Zustand, in dem Beziehungen mehr zählen als Kompetenz. In diesem Sinn ist Österreich wahrscheinlich noch viel korrupter als Deutschland. Hinzu kommen hier Eigentümlichkeiten des politischen Systems, etwa die schwache Stellung des Bundesrates gegenüber dem Nationalrat: Ablehnende Beschlüsse der Ländervertretung haben im Gesetzgebungsverfahren nur eine aufschiebende Wirkung. Im Rahmen der Überlegungen zu einer Verfassungsreform wird hier über mögliche Änderungen nachgedacht, aber bislang werden in Österreich Gesetze mitunter im Handstreich eingeführt, Rechtsverhältnisse im Schnellverfahren geändert, so dass zu einer öffentlichen Debatte im Vorfeld oft kaum Zeit bleibt. Das deutsche Gesetzgebungsverfahren erscheint im Vergleich mit dem österreichischen wie ein behäbiger Dinosaurier neben einer munteren Springmaus. Das Wort "Bananenrepublik" ist ja für andere (und viel bedenklichere) politische Verhältnisse geprägt worden, für Österreich passt vielleicht eher "Marillenrepublik".

Montag, 4. Februar 2008

Seitenblick

Bildungsfragen

"Warum ist das Turbo-Gymnasium ein Thema, das die Wahlkämpfe überdauert? Warum ist die Art, wie in Deutschland die Gymnasialzeit von neun auf acht Schuljahre (vulgo: G8) zusammengestrichen wird, das große gesellschaftliche Thema, das alle, nahezu alle bewegt (...)? Das heißt neben den betroffenen Kindern eben auch alle Erwachsenen – jene, die schulpflichtige Kinder haben, wie jene, die ihre eigenen Schulerfahrungen am Pisa-Sog von heute messen möchten.

Ein Unterschied sticht jedem gleich ins Auge: Früher wurde, wenn man sich nicht auf den Hosenboden setzte, mit Hausarrest gedroht. Heute wird der Sechstklässlerin mit den Chinesen gedroht, die ihr einmal den Arbeitsplatz wegnehmen werden, wenn sie nicht endlich auf ihre Reitstunden und Tanzkurse verzichtet, um spätnachmittags nachzuholen, was ihr vormittags in der Schule wegen Zeitmangels und Stofffülle nicht annähernd erklärt wurde. Gib dir Mühe, heißt es, die Finnen können es doch auch! Ganz in diesem Sinne schrieb mir neulich der Kollege einer Wirtschaftsredaktion: 'Ein späterer Arbeitgeber wird nicht fragen, wie viele Reitstunden oder Tanzkurse jemand hatte, sondern wird wissen wollen, ob er den Strömungswiderstand berechnen kann. Und das kann der chinesische Mitbewerber dann wahrscheinlich besser.'"

Christian Geyer: Hände weg von unserer Kindheit, Frankfurter Sonntagszeitung 03.02.2008

Wie berechnet man einen Strömungswiderstand? Ich glaube, das haben wir auch in neun Jahren Gymnasium nie lernen müssen...

Österreich kommt - wie viele Länder Europas und auch die frühere DDR - seit jeher mit zwölf Schuljahren aus. Es kommt auf dies eine Jahr offenbar auch nicht mehr an, wenn man die Stoffverteilung entsprechend vornimmt.

"Bildung" spielt in dieser Diskussion im Bildungsland Deutschland schon gar keine Rolle mehr, es geht nur noch um Kenntnisse und Fähigkeiten, die die Konkurrenzfähigkeit auf dem Arbeitsmarkt sicherstellen sollen. Für alles andere, was man im Leben braucht, gibt es ja schließlich Volkshochschulkurse und gedruckte Ratgeber...

Freitag, 1. Februar 2008

Opernball

Wenn Weihnachten und Ostern auf einen Tag fallen - in Wien tritt das Unmögliche ein, am Donnerstag vor Faschingsende, beim Wiener Opernball. Vier Stunden Übertragung im ORF (und im Bayerischen Fernsehen und in 3SAT), war das früher auch schon so? Ich gestehe, dass ich es nicht weiß und dass es mich auch nicht gereizt hätte. Aber heute würde ich sagen: Diese Fernsehübertragung sollte ein Pflichtprogramm für jeden sein, der sich mit dem Gedanken trägt, in die österreichische Bundeshauptstadt oder vielleicht überhaupt in dieses Land zu übersiedeln. Pflichtprogramm für die Politiker, die Selbstinszenierung eines Landes in Schönheit und Wohlklang. Angeblich sollen zwei Millionen Zuseher die Fernsehübertragungen anschauen, Wochen vorher und sicher noch Tage danach ist der Opernball das große Thema in Zeitungen und Fernsehen: Wer mit wem auf wessen Kosten in welcher Loge saß oder auch nicht, dieser Fauxpas und jenes verrutschte Ballkleid... Selbst die "Qualitätszeitungen" berichten ausführlich und präsentieren im Internet umfangreiche Bildergalerien...

Die erwarteten (und angekündigten) gewaltsamen Proteste gegen das Fest der Schönen und Reichen blieben übrigens aus. Für die 700 bewaffneten Ordnungshüter, die die Wiener Polizei aufgeboten hatte, war es ein ruhiger Abend.