Montag, 15. September 2008
Selbstbewusst
vom Scheitel bis zur Sohle.
Vor mir hat sich der Papst verbeugt,
mein Glaube ist die Kohle.
Ich hab den alten Mann verjagt
aus seinem Himmelsreich.
Ich bin der neue Gott, der nie versagt
und Euch die Hände reicht.
Ich bin der liebe Gott, der zu Euch hält.
Ich bin so klug und bin so stark.
Ich bin der Mann, der Eure Scheine zählt.
Ich bin Euch treu bis in den Sarg.
Ich will die Armen trösten
mit einer Hand voll Schleim.
Will mit den Reichen tanzen
unter'm Heiligenschein.
Ich will die Unterdrückten bedauern
und mit den Mächtigen saufen,
will um die Toten trauern
und die Lebenden will ich kaufen.
Ich bin der liebe Gott, der zu Euch hält.
Ich bin so klug und bin so stark.
Ich bin der Mann, der Eure Scheine zählt.
Ich bin Euch treu bis in den Sarg.
Ich trag Designerhemden
geh mit Asylanten spazieren.
Ich werde beten für die Fremden
und mit den Rechten marschiern.
Ich bin der liebe Gott, der zu Euch hält.
Ich bin so klug und bin so stark.
Ich bin der Mann, der Eure Scheine zählt.
Ich bin Euch treu bis in den Sarg.
Will mein wahres Ich verschweigen
und mit den Heuchlern schrein.
Ich will der Welt beweisen,
der wahre Gott zu sein.
Ich bin der liebe Gott, der zu Euch hält.
Ich bin so klug und bin so stark.
Ich bin der Mann, der Eure Scheine zählt.
Ich bin Euch treu bis in den Sarg...
Puhdys (vom Album Wilder Frieden [1999])
Hilfeschrei in der Wüste
der du ins Glutmeer starrenden Sandes
hast die Oase hingegossen
schenke Erquickung mir!
Wecker des Tags und der Nächte
Hüter, nicht in dem Glutsand hier
lass mich verschmachten,
des Lebens Gebieter!"
Aus Melek in der Wüste von Heinrich Stieglitz, vertont von Carl Loewe (op. 10 H. 1, Nr. 3)
Wohlstand, Armut, Durchschnittseinkommen
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Sollte dies der Fall sein, drängt sich freilich eine weitere Frage auf: Wenn die allgemeine Armut wirklich derart drückend ist – wem gehören dann die vielen Audis, Mercedes und BMW, die einander vor jedem Wiener Gemeindebau gegenseitig im Weg stehen? Wer sind all die geheimnisvollen Menschen, die tagtäglich unsere Autobahnen verstopfen? Und wer sitzt in all den Fliegern, die im Stundentakt nach Mallorca, Ibiza oder Korfu abheben?
Und wenn es offenbar so dringend nötig ist, im Zuge eines "Werner-Faymann-Herbsthilfswerkes" sogar die Mehrwertsteuer auf Nahrungsmittel zu senken – warum ist dann ungefähr jeder Zweite in diesem Land so übergewichtig? Um Hungerödeme scheint es sich dabei in den meisten Fällen ja kaum zu handeln.
Nicht, dass es in Österreich keine sozial Schwachen gäbe, denen tatsächlich geholfen werden muss – aber der jetzt im Wahlkampf von nahezu allen Parteien erzeugte Eindruck, die Republik bestünde gleichsam aus acht Millionen Sozialfällen, ist geradezu bizarr angesichts des Umstandes, dass wie hier ja immerhin von einem der wohlhabendsten Länder der Welt reden.
Es ist nicht überraschend, dass dagegen jene kleine Gruppe von Bürgern (weniger als zehn Prozent), die weit mehr als die Hälfte des Steueraufkommens erarbeitet, auch im Wahlkampf diskret negiert wird, als existierte sie sozusagen nicht.
Dabei ist auch für diesen Teil der Bevölkerung eine Botschaft auf dem Wege, wenngleich sie keine Partei plakatiert. Sie lautet nämlich: Um all jene zusätzlichen Sozialleistungen zu finanzieren, die unsere verelendete Bevölkerung angeblich so dringend braucht, werden wir euch Idioten in Zukunft noch etwas mehr wegnehmen müssen, als ihr eh schon zahlt. Wenn’s euch nicht passt, könnt ihr ja eure Louis-Vuitton-Koffer packen und nach Pressburg übersiedeln. Dahinter steckt ein durchaus nachvollziehbares politisches Kalkül: Die Gruppe jener, die noch nennenswert Steuern abliefern, ist bereits so klein, dass sie wahlarithmetisch nahezu irrelevant ist. (...)
Christian Ortner: Sind wir acht Millionen Sozialfälle?, Wiener Zeitung 13. 09.2008, S. 2
Diese Quote (10 Prozent der Steuerzahler erbringen 50 Prozent der [direkten] Steuern) dürfte in vergleichbaren Ländern wirklich ähnlich sein. Aber die soziale Schere ist in Österreich ungewöhnlich weit geöffnet, das Durchschnittseinkommen liegt um einiges unter demjenigen in Deutschland, und es gibt mehr sichtbare Armut, jedenfalls in Wien.
"Die Bruttodurchschnittsgehälter in Deutschland stiegen im Jahr 2007 nach ersten Berechnungen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) um 1,4 Prozent auf 27.083,- Euro an." (stern.de) Das meint alle Arbeitnehmer, auch die Teilzeitbeschäftigten. Nun arbeiten manche Menschen aber auch in sogenannten Vollzeitjobs. "Ein Arbeitnehmer mit einem Vollzeitjob hat im vergangenen Jahr in Deutschland brutto durchschnittlich 40.642 Euro verdient." Das ist eine Zahl, die sich auf das Jahr 2005 bezieht. (Quelle: kreditmagazin.com)
Und in Österreich? "Unselbständig Erwerbstätige (ohne Lehrlinge) erzielten 2006 ein mittleresBruttojahreseinkommen von
Natürlich ist auch Österreich ein wohlhabendes Land, aber man verdient weniger, und die Preise sind höher als in Deutschland.
