Sonntag, 18. Juli 2010
KLEINE SONNTAGSPREDIGT
Jeden Sonntag hat man Kummer
und beträchtlichen Verdruß,
weil man an die Montagsnummer
seiner Zeitung denken muss.
Denn am Sonntag sind bestimmt
zwanzig Morde losgewesen!
Wer sich Zeit zum Lesen nimmt,
muß das montags alles lesen.
Eifersucht und Niedertracht
schweigen fast die ganze Woche.
Aber Sonntag früh bis nacht
machen sie direkt Epoche.
Sonst hat niemand Zeit dazu,
sich mit sowas zu befassen.
Aber sonntags hat man Ruh,
und man kann sich gehen lassen.
Endlich hat man einmal Zeit,
geht spazieren, steht herum,
sucht mit seiner Gattin Streit
und bringt sie und alle um.
Gibt es wirklich nichts Gescheitres,
als sich, gleich gemeinen Mördern,
mit den Seinen ohne weitres
in das Garnichts zu befördern?
Ach, die meisten Menschen sind
nicht geeignet, nichts zu machen!
Langeweile macht sie blind.
Dann passieren solche Sachen.
Lebten sie im Paradiese,
ohne Pflicht und Ziel und Not,
wär die erste Folge diese:
Alle schlügen alle tot.
Homo homini lupus, eine alte Erkenntnis. Manchmal frage ich mich, ob dies nicht auch das biblische Bild vom Menschen ist: Gleich nach dem Hinauswurf aus dem Garten Eden wird schließlich vom ersten Mord, von einem Brudermord erzählt.
Gedanke
Das österreische Äquivalent zum deutschen "Bundesamt für Verfassungsschutz" heißt "Staatspolizei". Seltsam, dass man bei der Namengebung vor dem Anklang an die "Geheime Staatspolizei" des III. Reiches nicht zurückgeschreckt ist.
Samstag, 17. Juli 2010
Fehlersehnsucht
"Lesen ist nur ein Druckfehler für Leben."
Hans Wollschläger
Was für ein böses Wort. Wenn man es ernst nimmt, hat mein Leben einen derart kompetenten Korrektor, dass es kaum noch zu Druckfehlern kommt.
Hans Wollschläger
Was für ein böses Wort. Wenn man es ernst nimmt, hat mein Leben einen derart kompetenten Korrektor, dass es kaum noch zu Druckfehlern kommt.
Mittwoch, 14. Juli 2010
Die Frage nach dem Gebet unter dem Gesichtspunkt von Zeit und Ewigkeit
Zeit und Stunde – sie sind ja nur vor Gott ohnmächtig. Denn für ihn allerdings ist die Erlösung so alt wie Schöpfung und Offenbarung, und so prallt, grade insofern er nicht bloß Erlöser, sondern auch Erlöster, die Erlösung also ihm Selbsterlösung ist, jede Vorstellung eines zeitlichen Werdens, wie sie eine freche Mystik und ein hochtrabender Unglaube ihm gern andichten, von seiner Ewigkeit ab. Nicht er selbst für sich selbst, sondern er als Erlöser von Welt und Mensch braucht Zeit, und nicht weil er sie braucht, sondern weil Mensch und Welt sie brauchen. Denn für Gott ist die Zukunft keine Vorwegnahme; er ist ewig und der einzige Ewige, der Ewige schlechtweg; „Ich bin“ ist in seinem Munde wie „Ich werde sein“ und findet erst darin seine Erklärung.
Aber für Mensch und Welt, denen das Leben von Haus aus nicht ewig ist, sondern die im bloßen Augenblick oder in breiter Gegenwart leben, ist die Zukunft nur faßbar, indem sie, die zögernd herangezogen kommende, in die Gegenwart vorgezogen wird. So wird ihnen die Dauer höchst wichtig, weil sie es ist, an der sich die Zukunft, indem sie in den Augenblick vorweggenommen wird, immerfort reibt. Und deshalb kommt für das Gebet schließlich alles darauf hinaus, ob die Zukunft des Reichs dadurch beschleunigt oder verzögert wird. Oder genauer gesagt: da beides, Beschleunigung wie Verzögerung, nur in den Augen des Menschen und der Welt, nicht vor Gott gilt, und Mensch und Welt die Zeit nicht messen nach einem außer oder über ihnen liegenden Maß, sondern aneinander, der Mensch also am ihm entgegenreifenden Wachstum der Welt, die Welt an der ihr in den Schoß geschütteten Fülle der Liebe: so kommt es für das Gebet darauf an, ob der Lichtschein, den es in das Dunkel der Zukunft wirft und der in seinen letzten Ausläufern immer in die fernste Ferne reicht, an der Stelle seines ersten Auftreffens, an dem nächsten Punkt also, den er dem Beter erleuchtet, der Liebe vorauseilt, hinter ihr zurückbleibt, oder mit ihr Schritt hält. Nur im letzten Falle wird das Gebet erfüllt; nur dann geschieht es in der „angenehmen Zeit“, der „Gnadenzeit“; in diesem seltsamen Ausdruck, den wir nun zu verstehen beginnen, macht der Glaube den Gedanken lebendig, den als eine tote Erkenntnis schon die heidnische Frömmigkeit besaß: daß man die Götter nur bitten dürfe um das, was sie zu gewähren geneigt seien, und daß also für den Fall, dass man um „Unrichtiges“ bitte, man selbst von vornherein um Nichterfüllung bitten müsse.
Franz Rosenzweig: Der Stern der Erlösung (Dritter Teil: Einleitung. Das Gebet des Sünders)
Hochwasserzonierung
Am 22. November 2005 wurde vom Lebensministerium und dem Versicherungsverband Österreich im k 47 erstmals das Projekt HORA - Hochwasserzonierung Austria der Öffentlichkeit präsentiert. Es wird an 25.000 Flusskilometern umgesetzt. Ab dem Frühjahr 2006 erhalten damit alle Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit, per Mausklick im Internet eine erste Gefahrenabschätzung für das Risiko einer möglichen Überschwemmung mittels Adresseneingabe zu erhalten.
Die Kosten des Projektes belaufen sich auf etwa zwei Millionen Euro. Sektionschef Wolfgang Stalzer vom Lebensministerium und Generaldirektor Othmar Ederer vom Versicherungs-verband Österreich sind sich einig in der Einschätzung des Projektes: "Das ist ein Meilenstein in der Schärfung des Risikobewusstseins der Bevölkerung und damit in der wichtigen Frage der Eigenvorsorge bei Hochwässern"
(Zitat aus http://presse.lebensministerium.at/article/articleview/47831/1/6660/).
Auslöser für dieses Service waren die Hochwasserereignisse der letzten Jahre und der unzureichende Informationsstand der Bevölkerung sowie die finanziellen Einbußen im Schadensfall, die kaum durch Versicherungen gedeckt waren. In Folge der Erweiterung des Informationsservices des Lebensministeriums wurde auch die "Erdbebengefährdung" mit einbezogen und die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik gemeinsam mit dem GeoForschungszentrum Potsdam mit der Aufgabe betraut, solch eine Karte entsprechend der Erfordernisse des Lebensministeriums zu erstellen. Dieser Beitrag zum Projekt HORA wurde vom Lebensministerium und vom Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur finanziell unterstützt.
Die Kosten des Projektes belaufen sich auf etwa zwei Millionen Euro. Sektionschef Wolfgang Stalzer vom Lebensministerium und Generaldirektor Othmar Ederer vom Versicherungs-verband Österreich sind sich einig in der Einschätzung des Projektes: "Das ist ein Meilenstein in der Schärfung des Risikobewusstseins der Bevölkerung und damit in der wichtigen Frage der Eigenvorsorge bei Hochwässern"
(Zitat aus http://presse.lebensministerium.at/article/articleview/47831/1/6660/).
Auslöser für dieses Service waren die Hochwasserereignisse der letzten Jahre und der unzureichende Informationsstand der Bevölkerung sowie die finanziellen Einbußen im Schadensfall, die kaum durch Versicherungen gedeckt waren. In Folge der Erweiterung des Informationsservices des Lebensministeriums wurde auch die "Erdbebengefährdung" mit einbezogen und die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik gemeinsam mit dem GeoForschungszentrum Potsdam mit der Aufgabe betraut, solch eine Karte entsprechend der Erfordernisse des Lebensministeriums zu erstellen. Dieser Beitrag zum Projekt HORA wurde vom Lebensministerium und vom Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur finanziell unterstützt.
Neue Methode
"In Fulda geht der Jugendrichter Christoph Mangelsdorf neue Wege: Statt jugendlichen Delinquenten Arbeitsstunden aufzubrummen, verdonnert er sie zum Romanlesen. Die ausgewählten Werke haben mit der Lebenswelt der Jugendlichen zu tun und indem sie eine Inhaltsangabe schreiben, reflektieren sie auch ihr eigenes Leben."
Unterschied
"Klingt der Begriff 'Midlife-Crisis' nicht ein bisschen altmodisch? Nennt man das heutzutage nicht 'Burnout'?" (Urs Jenny in einer Filmbesprechung im Spiegel) Der Unterschied ist, dass Burnout häufig in den Krankenstand führt - wenn nicht gar zur Frühpension.
Klartext
Alles, was man über den Menschenrechtsrat der Uno wissen muss, um verlässlich seine Arbeit beurteilen zu können, ist eine Episode aus dem Jahr seiner Gründung, 2006. Weil sich der Rat aufgrund der damals vorliegenden Berichte internationaler Menschenrechtsorganisationen nicht auf eine Verurteilung der sudanesischen Regierung wegen der Darfur-Krise verständigen konnte, setzte er eine eigene Untersuchungskommission unter dem Vorsitz der amerikanischen Friedensnobelpreisträgerin Jody Williams ein.
Als diese im März 2007 einen Bericht vorlegte, in dem die sudanesische Regierung beschuldigt wurde, für das Blutbad in Darfur verantwortlich zu sein, wurde der Bericht verworfen und eine neue Kommission eingesetzt. Die kam im Dezember 2007 zu den gleichen Erkenntnissen - und wurde kurzerhand vom Rat aufgelöst. Immerhin hat der Menschenrechtsrat in anderen Fällen bewiesen, dass er auch entschlossen zur Tat schreiten kann und dabei keine Konfrontation scheut. Er empfahl beispielsweise England, die Monarchie abzuschaffen und endlich eine geschriebene Verfassung einzuführen. Die Schweiz wurde aufgefordert, den Rassismus im eigenen Land intensiver zu bekämpfen.
Und nun hat der Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen, dessen Mitglieder sich regelmäßig im schönen und weltoffenen Genf treffen, das Meisterstück seiner inzwischen zweijährigen Existenz abgeliefert und die Scharia, das islamische Gesetz, für sakrosankt erklärt.
Dabei waren es genau solche Eskapaden zwischen Impotenz und Selbstüberhebung, die dazu geführt haben, dass die alte Menschenrechtskommission der Uno aufgelöst und an ihrer Stelle der Menschenrechtsrat etabliert wurde. Die "Reform", die der letzte Uno-Generalsekretär Kofi Annan mit viel Aufwand durchgesetzt hatte, war von Anfang an nichts als Etikettenschwindel. Die Zahl der Mitglieder wurde von 53 auf 47 reduziert, sonst änderte sich eigentlich nichts. Schon gar nicht die Zusammensetzung des Gremiums, das über die Einhaltung der Menschenrechte in den 191 Uno-Mitgliedsstaaten wachen soll.
Die Organisation "Reporters sans frontières" (Reporter ohne Grenzen) nannte die Berufung von mindestens zehn Staaten, in denen die Meinungsfreiheit "massiv verletzt" wird, einen "Skandal": Algerien, Aserbaidschan, Bangladesch, China, Kuba, Nigeria, Pakistan, Russland, Saudi-Arabien und Tunesien. Allein die Tatsache, dass diese Staaten in dem Gremium sitzen, lasse "das Schlimmste" erwarten, hieß es in einer Erklärung von "Reporter ohne Grenzen".
Wie in der alten Menschenrechtskommission sorgt also auch im neuen Menschenrechtsrat ein Kartell der Täter dafür, dass nichts debattiert oder beschlossen wird, das einem der ihren schaden könnte. Das Einzige, worauf man sich anscheinend mühelos und mehrheitlich einigen kann, sind Attacken auf den größten Dorn im Auge der Islamisten: 2007 hat sich der Menschenrechtsrat 120 Mal mit Israel befasst, doppelt so häufig wie mit jedem anderen Land.
Zwar kann der Menschenrechtsrat keine Sanktionen verhängen - das bleibt die Aufgabe des Uno-Sicherheitsrates -, er kann aber Druck ausüben, indem er Verurteilungen ausspricht und Empfehlungen gibt.
Nun aber ist der Menschenrechtsrat einen substantiellen Schritt weiter gegangen. Und im Gegensatz zu den bisherigen Beschlüssen, die, so bitter es ist, eher spielerischen Charakter hatten, könnten die Folgen erheblich sein.
Im vergangenen März stellte die "Organisation der Islamischen Konferenz" über eines ihrer Mitgliedsländer im Menschenrechtsrat den Antrag, der Rat sollte künftig über "Missbrauch der Meinungsfreiheit" berichten, wenn "rassistische oder religiöse Diskriminierung" vorliegen würde. Die Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) ist eine Vereinigung von 57 Staaten, "in denen der Islam Staatsreligion, Religion der Bevölkerungsmehrheit oder Religion einer großen Minderheit ist" (Wikipedia) und die den Anspruch erhebt, die islamische Welt zu repräsentieren. Der Antrag wurde übernommen und als offizielle Entschließung des Rats verabschiedet.
Natürlich ging es der Organisation nicht darum, Schmähungen des Christentums durch muslimische Fanatiker zu ahnden oder antisemitische Karikaturen in der iranischen Presse zu verurteilen. Es ging darum, jede Kritik an der Praxis des Islam mit einem Bann zu belegen, eine Diskussion über den Islam und die Menschenrechte im Keim zu ersticken.
"Die Scharia steht hier nicht zu Diskussion" Hätte ein Vertreter des Papstes einen solchen Antrag lanciert, wäre die Empörung in den westlichen Medien wohl maßlos gewesen. Etliche Kommentatoren hätten von "Anmaßung" und "Zensur" geschrieben. Weil es aber darum ging, die islamische "Religion des Friedens" vor Zumutungen zu schützen und sie vor einer weiteren Belastungsprobe ihrer Friedfertigkeit zu bewahren, war in den westlichen Medien nur lautes Schweigen zu vernehmen. Denn vielen, die sich sonst gerne und heftig empören, wenn ein katholischer Geistlicher von "entarteter Kunst" spricht, waren noch die gar nicht mehr friedlichen Reaktionen der Muslime nach dem Karikaturenstreit, der Regensburger Rede des Papstes und der Ernennung von Salman Rushdie zum Ritter in guter Erinnerung. Einzig der Weltverband der Zeitungsverleger (World Association of Newspapers, WAN) protestierte Anfang April bei Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon gegen die fragwürdige Entschließung, bisher ohne Effekt. Anfang Juni wiederholte die Verleger-Vereinigung ihren Appell.
Und so schaute und hörte auch kaum jemand hin, als es vor knapp zwei Wochen im Menschenrechtsrat der Uno zu einer Debatte kam, die jede weitere Diskussion über das Thema "Der Islam und die Meinungsfreiheit" ad absurdum führte. Der britische Historiker David Littman wollte im Auftrag einer NGO eine Erklärung über die Steinigung von Frauen und die Verheiratung von Mädchen in Ländern, in denen die Scharia angewandt wird, verlesen.
Er kam aber nicht dazu, weil er von den Vertretern Ägyptens und Pakistans mit Rufen zur Geschäftsordnung daran gehindert wurde. Bis der sichtlich genervte rumänische Präsident des Rats, Doru Romulus Costea, schließlich jedes Räsonieren ("judgements and evaluations") über die Scharia im Kontext einer Debatte über Menschenrechte für unzulässig erklärte. Wohlgemerkt: alles im Einklang mit den Grundsätzen und der Geschäftsordnung des Menschenrechtsrates der Vereinten Nationen.
Wer glaubt, dass es sich um ein Missverständnis oder eine fehlerhafte Übersetzung handeln muss, kann sich den entscheidenden Teil der Diskussion auf der Homepage der International Humanist And Ethical Union ansehen.
Es ist der "Distinguished Representative of Pakistan", der den entscheidenden Satz sagt: "It is insulting for our faith to discuss Sharia here in this forum", und es ist der Vertreter Ägyptens, der ergänzt: "Sharia is not under discussion here." Es sei eine Beleidigung des Glaubens seines Volkes, wenn die Scharia in diesem Forum diskutiert werde. Und: "Die Scharia steht hier nicht zu Diskussion."
So weit also können religiöse Empfindlichkeiten gehen. Allein schon eine Diskussion über die Scharia ist eine Beleidigung, die nicht hingenommen werden kann. Was im Umkehrschluss hingenommen werden muss, sind diverse Akte der praktizierten Barbarei, wie die Steinigung von Ehebrecherinnen, das öffentliche Erhängen von Homosexuellen und Frühehen mit Kindsfrauen, die alle ganz offenbar im Einklang mit der Scharia stehen. Und die deswegen vom Menschenrechtsrat der Uno unter dem Label der Religionsfreiheit respektiert werden müssen. Andere Länder, andere Unsitten.
Man könnte glatt von einer "schleichenden Islamisierung" des öffentlichen Lebens sprechen, wenn das nicht wieder so eine "Beleidigung" wäre, die man sich verkneifen muss, um das friedliche Zusammenleben der Kulturen nicht zu stören.
spiegel.de
Als diese im März 2007 einen Bericht vorlegte, in dem die sudanesische Regierung beschuldigt wurde, für das Blutbad in Darfur verantwortlich zu sein, wurde der Bericht verworfen und eine neue Kommission eingesetzt. Die kam im Dezember 2007 zu den gleichen Erkenntnissen - und wurde kurzerhand vom Rat aufgelöst. Immerhin hat der Menschenrechtsrat in anderen Fällen bewiesen, dass er auch entschlossen zur Tat schreiten kann und dabei keine Konfrontation scheut. Er empfahl beispielsweise England, die Monarchie abzuschaffen und endlich eine geschriebene Verfassung einzuführen. Die Schweiz wurde aufgefordert, den Rassismus im eigenen Land intensiver zu bekämpfen.
Und nun hat der Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen, dessen Mitglieder sich regelmäßig im schönen und weltoffenen Genf treffen, das Meisterstück seiner inzwischen zweijährigen Existenz abgeliefert und die Scharia, das islamische Gesetz, für sakrosankt erklärt.
Dabei waren es genau solche Eskapaden zwischen Impotenz und Selbstüberhebung, die dazu geführt haben, dass die alte Menschenrechtskommission der Uno aufgelöst und an ihrer Stelle der Menschenrechtsrat etabliert wurde. Die "Reform", die der letzte Uno-Generalsekretär Kofi Annan mit viel Aufwand durchgesetzt hatte, war von Anfang an nichts als Etikettenschwindel. Die Zahl der Mitglieder wurde von 53 auf 47 reduziert, sonst änderte sich eigentlich nichts. Schon gar nicht die Zusammensetzung des Gremiums, das über die Einhaltung der Menschenrechte in den 191 Uno-Mitgliedsstaaten wachen soll.
Die Organisation "Reporters sans frontières" (Reporter ohne Grenzen) nannte die Berufung von mindestens zehn Staaten, in denen die Meinungsfreiheit "massiv verletzt" wird, einen "Skandal": Algerien, Aserbaidschan, Bangladesch, China, Kuba, Nigeria, Pakistan, Russland, Saudi-Arabien und Tunesien. Allein die Tatsache, dass diese Staaten in dem Gremium sitzen, lasse "das Schlimmste" erwarten, hieß es in einer Erklärung von "Reporter ohne Grenzen".
Wie in der alten Menschenrechtskommission sorgt also auch im neuen Menschenrechtsrat ein Kartell der Täter dafür, dass nichts debattiert oder beschlossen wird, das einem der ihren schaden könnte. Das Einzige, worauf man sich anscheinend mühelos und mehrheitlich einigen kann, sind Attacken auf den größten Dorn im Auge der Islamisten: 2007 hat sich der Menschenrechtsrat 120 Mal mit Israel befasst, doppelt so häufig wie mit jedem anderen Land.
Zwar kann der Menschenrechtsrat keine Sanktionen verhängen - das bleibt die Aufgabe des Uno-Sicherheitsrates -, er kann aber Druck ausüben, indem er Verurteilungen ausspricht und Empfehlungen gibt.
Nun aber ist der Menschenrechtsrat einen substantiellen Schritt weiter gegangen. Und im Gegensatz zu den bisherigen Beschlüssen, die, so bitter es ist, eher spielerischen Charakter hatten, könnten die Folgen erheblich sein.
Im vergangenen März stellte die "Organisation der Islamischen Konferenz" über eines ihrer Mitgliedsländer im Menschenrechtsrat den Antrag, der Rat sollte künftig über "Missbrauch der Meinungsfreiheit" berichten, wenn "rassistische oder religiöse Diskriminierung" vorliegen würde. Die Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) ist eine Vereinigung von 57 Staaten, "in denen der Islam Staatsreligion, Religion der Bevölkerungsmehrheit oder Religion einer großen Minderheit ist" (Wikipedia) und die den Anspruch erhebt, die islamische Welt zu repräsentieren. Der Antrag wurde übernommen und als offizielle Entschließung des Rats verabschiedet.
Natürlich ging es der Organisation nicht darum, Schmähungen des Christentums durch muslimische Fanatiker zu ahnden oder antisemitische Karikaturen in der iranischen Presse zu verurteilen. Es ging darum, jede Kritik an der Praxis des Islam mit einem Bann zu belegen, eine Diskussion über den Islam und die Menschenrechte im Keim zu ersticken.
"Die Scharia steht hier nicht zu Diskussion" Hätte ein Vertreter des Papstes einen solchen Antrag lanciert, wäre die Empörung in den westlichen Medien wohl maßlos gewesen. Etliche Kommentatoren hätten von "Anmaßung" und "Zensur" geschrieben. Weil es aber darum ging, die islamische "Religion des Friedens" vor Zumutungen zu schützen und sie vor einer weiteren Belastungsprobe ihrer Friedfertigkeit zu bewahren, war in den westlichen Medien nur lautes Schweigen zu vernehmen. Denn vielen, die sich sonst gerne und heftig empören, wenn ein katholischer Geistlicher von "entarteter Kunst" spricht, waren noch die gar nicht mehr friedlichen Reaktionen der Muslime nach dem Karikaturenstreit, der Regensburger Rede des Papstes und der Ernennung von Salman Rushdie zum Ritter in guter Erinnerung. Einzig der Weltverband der Zeitungsverleger (World Association of Newspapers, WAN) protestierte Anfang April bei Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon gegen die fragwürdige Entschließung, bisher ohne Effekt. Anfang Juni wiederholte die Verleger-Vereinigung ihren Appell.
Und so schaute und hörte auch kaum jemand hin, als es vor knapp zwei Wochen im Menschenrechtsrat der Uno zu einer Debatte kam, die jede weitere Diskussion über das Thema "Der Islam und die Meinungsfreiheit" ad absurdum führte. Der britische Historiker David Littman wollte im Auftrag einer NGO eine Erklärung über die Steinigung von Frauen und die Verheiratung von Mädchen in Ländern, in denen die Scharia angewandt wird, verlesen.
Er kam aber nicht dazu, weil er von den Vertretern Ägyptens und Pakistans mit Rufen zur Geschäftsordnung daran gehindert wurde. Bis der sichtlich genervte rumänische Präsident des Rats, Doru Romulus Costea, schließlich jedes Räsonieren ("judgements and evaluations") über die Scharia im Kontext einer Debatte über Menschenrechte für unzulässig erklärte. Wohlgemerkt: alles im Einklang mit den Grundsätzen und der Geschäftsordnung des Menschenrechtsrates der Vereinten Nationen.
Wer glaubt, dass es sich um ein Missverständnis oder eine fehlerhafte Übersetzung handeln muss, kann sich den entscheidenden Teil der Diskussion auf der Homepage der International Humanist And Ethical Union ansehen.
Es ist der "Distinguished Representative of Pakistan", der den entscheidenden Satz sagt: "It is insulting for our faith to discuss Sharia here in this forum", und es ist der Vertreter Ägyptens, der ergänzt: "Sharia is not under discussion here." Es sei eine Beleidigung des Glaubens seines Volkes, wenn die Scharia in diesem Forum diskutiert werde. Und: "Die Scharia steht hier nicht zu Diskussion."
So weit also können religiöse Empfindlichkeiten gehen. Allein schon eine Diskussion über die Scharia ist eine Beleidigung, die nicht hingenommen werden kann. Was im Umkehrschluss hingenommen werden muss, sind diverse Akte der praktizierten Barbarei, wie die Steinigung von Ehebrecherinnen, das öffentliche Erhängen von Homosexuellen und Frühehen mit Kindsfrauen, die alle ganz offenbar im Einklang mit der Scharia stehen. Und die deswegen vom Menschenrechtsrat der Uno unter dem Label der Religionsfreiheit respektiert werden müssen. Andere Länder, andere Unsitten.
Man könnte glatt von einer "schleichenden Islamisierung" des öffentlichen Lebens sprechen, wenn das nicht wieder so eine "Beleidigung" wäre, die man sich verkneifen muss, um das friedliche Zusammenleben der Kulturen nicht zu stören.
spiegel.de
Schnäppchen-Disneyland
In Wien ist gut einkaufen, insbesondere im Textilbereich. Schon in der Stadt gibt es jede Menge "Outlets", als Abverkaufsstellen verschiedener Marken, Ketten und Fabriken. Aber das wahre El Dorado soll dieses Parndorf im Umland sein.
Die Hände erheben zu Gott
Höre mein Gebet, HERR, und vernimm mein Schreien, schweige nicht zu meinen Tränen; denn ich bin ein Gast bei dir, ein Fremdling wie alle meine Väter. Psalm 39, 13
Immer weniger Weiße...
Die katholische Kirche hat zwar ihre Wurzeln in Europa, aber ihre Zukunft liegt eindeutig im Süden, in Südamerika und Afrika. Unter den christlichen Kirchen ist die römisch-katholische Kirche (zumindest zahlenmäßig) die Globalisierungsgewinnerin.
Und trotzdem surfen sie alle...
Die Mehrheit der Deutschen ist davon überzeugt, dass das Internet die Menschen einsamer macht. Das ergab eine repräsentative Vergleichsstudie der Stiftung für Zukunftsfragen (Hamburg).
Wie diese am 16. März mitteilte, sind 59 Prozent der Meinung, dass durch die virtuelle Welt die Vereinsamung zunimmt. 1998 seien noch 41 Prozent dieser Ansicht gewesen. „Im Internetzeitalter klaffen Wunsch und Wirklichkeit immer mehr auseinander“, sagte der wissenschaftliche Leiter der Stiftung, Prof. Horst W. Opaschowski. „Neue Kontaktnetze sind oft nur einen Mausklick weit entfernt, können aber zwischenmenschliche Beziehungen immer weniger ersetzen, weil sie oberflächlich und beliebig bleiben.“ Mailen, Chatten und Surfen seien zwar zum Volkssport für die junge Generation geworden. „Aber viele junge Leute zappen durch ihr Leben und warten auf Beständigkeit vergebens.“ Ein wachsender Teil der 14- bis 34-Jährigen vermisse zunehmend „beständige Beziehungen“ (2010: 53 Prozent, 1998: 42 Prozent). 58 Prozent aller Befragten sind zudem der Ansicht, dass die Kontakte im Netz oberflächlich bleiben. 1998 meinten dies 41 Prozent. Jeder Dritte (32 Prozent) glaubt, dass man so auch weniger soziale Kontakte am Arbeitsplatz hat (1998: 25 Prozent). Das Internet sei „mehr Jobkiller als Beschäftigungsmotor“, sagen inzwischen 29 Prozent (1998: 20 Prozent). Nicht einmal jeder Vierte (24 Prozent) sieht das Internet als Bereicherung für das private Leben (1998: 26 Prozent).
Internet fördert Aggressivität
Zudem glaubt fast jeder Zweite (46 Prozent), dass die Sinnesüberreizung die Aggressivität fördert (1998: 37 Prozent). Opaschowski: „Die kulturkritische Befürchtung, wonach wir es in Zukunft mit einer reizüberfluteten Generation zu tun haben, die im Alltag zunehmend nervöser und aggressiver reagiert, kann Wirklichkeit werden.“ Hyperaktivität und Konzentrationsmangel könnten die Folge sein, weil die junge Mediengeneration permanent mit schnellen Schnitten sowie abrupten Szenen- und Situationswechseln aufwachse.
Mehrere Leben leben
Unter den Internetnutzern von 14 bis 34 Jahren geben immer mehr offen zu, dass sie im Internet selbst „eine Rolle spielen“ und „sich anders geben“ können, als sie wirklich sind (2010: 49 Prozent, 1998: 29 Prozent). Auch nutzen viele von ihnen den Computer als Rückzugsnische mit der Begründung, auf dieser Weise „dem Stress und der Hektik des Lebens zeitweilig zu entfliehen“ (2010: 44 Prozent, 1998: 30 Prozent). Gut ein Drittel der jungen Generation (37 Prozent) glaubt, Defizite des Lebens durch die Beschäftigung mit dem Computer ausgleichen zu können (1998: 30 Prozent. Opaschowski: „Für die junge Mediengeneration ist die Computerkultur ein zweites Leben (Second Life) geworden. Avatar lebt: Im Internet können sich die jungen Leute immer wieder neu erfinden. Der Wunsch kommt auf: Mehrere Leben leben!“ Dennoch glaubt nur etwa jeder Vierte (2010: 26 Prozent, 1998: 27 Prozent), dass diese Einstellung Auswirkungen auf ihre Werteorientierung hat. Das Internet ist für sie nur eine Schaubühne, auf der sie spielen und gelegentlich auch probeleben können. Nach Ansicht der Stiftung wird vor dem Hintergrund dieser Ergebnisse die Erziehung zur Medienkompetenz für Kinder und Jugendliche immer wichtiger werden – vom persönlichen Medienkonsum nach Maß über regelmäßige Entspannungsübungen bis zu attraktiven Alternativen zum multimedialen Angebot. Für die Studie wurden in Deutschland 2.000 Personen ab 14 Jahren befragt.
Überdeutlich
Fresko an der Außenmauer von Schloss Parz in Oberösterreich. Die evangelischen Herren schauten vor einer deutlich antikatholischen Positionierung nicht zurück: Die Israeliten haben das Rote Meer durchschritten, in den Fluten versinken die ägyptischen Truppen, aber der Pharao ist hier der Papst, an der Tiara deutlich zu erkennen. Diese Fresken von Schloss Parz waren Jahrhunderte lang übertüncht und wurden erst vor wenigen Jahren wieder freigelegt.
Dienstag, 13. Juli 2010
Urlaubsgedanken
Urlaub zu Hause ist für einen Pfarrer eigentlich eine Unmöglichkeit, andererseits die wunderbare Chance, die diversen Schreibtische in Ordnung zu bringen. Außerdem habe ich, weil ich ja nun doch einmal noch da in Wien bin, ein, zwei oder drei sozusagen dienstliche Termine pro Tag, aber keine Schule und keine Sonntagspredigten. Ich entdecke, dass das ein gutes Maß ist, ein gutes Maß wäre auch für die Arbeit unterm Jahr. Der Pfarreralltag jenseits von Sommer und Urlaub sieht freilich anders aus und fühlt sich ganz anders an, wenn die Schule und alle regelmäßigen Gemeindetermine wieder beginnen. Aber das ist erst im September und noch lange hin.
Schneller Seitenblick im Vorübergehen
Ein Hitzeopfer? Oder einer, der seinen Rausch ausschläft? In Wien ist die zweite Möglichkeit aller Erfahrung nach die wahrscheinlichere.
Wie auf einem fremden Planeten...
... Sommer auf dem Lande.
Als Stadtkind kam für mich das Brot vom Bäcker. Dass der Grundstoiff Mehl aus Getreide gemacht wird, lernte ich in der Schule. Es war ungefähr so abstrakt wie das Wissen über das Innere der Sonne.
Das wichtige Abendmahl
Gerster: Gab es ein Ergebnis, mit dem Sie absolut nicht gerechnet hatten?
Prof. Herbst: Wir hatten nicht damit gerechnet, dass in so unterschiedlichen Gegenden Deutschlands bei unterschiedlichen Menschen so viele ausgerechnet auf das Abendmahl zu sprechen kommen. Das ist ein echter Knaller! Wir hätten uns manches denken können. Dass Glaubenskurse wichtig sind oder andere evangelistische Formate, die man so kennt. Aber so viele Leute haben gesagt: „Es war für mich eine Art Durchbruchserfahrung, da mal wieder aus der Bank zu treten und nach vorne zu gehen. Es sagte jemand zu mir ‚Christi Leib für dich gegeben.’ und ich konnte innerlich ‚Ja und Amen.’ dazu sagen.“ Das ist wirklich erstaunlich.
Gerster: Theologisch eigentlich nicht, weil mit der Zusage des Glaubens der Glaube erst beginnen kann.
Prof. Herbst: Ja, aber es ist deshalb erstaunlich, weil das Abendmahl eine recht anspruchsvolle kirchliche Veranstaltung ist. Sie ist nicht niedrigschwellig, sie ist für manche sogar ästhetisch problematisch, nach dem Motto: Will ich mir da gleich die nächsten Bazillen holen und muss ich denn ausgerechnet mit dem neben mir aus einem Kelch trinken? Ich finde die Hürden sind ziemlich hoch, auch die Verstehenshürden. Ist das jetzt irgendetwas Mysteriöses oder ist das nur ein Stück Brot?
Ich hatte in der Gemeinde in Münster mal einen Küstervertreter, der mit all diesen Dingen nicht viel anfangen konnte. Wir hatten zur Einsetzung des Abendmahls eine große Oblate und er sagte dann immer: "Den großen Keks habe ich auch mit auf den Teller gelegt." Da habe ich immer gemerkt, wie esoterisch für manchen Außenstehenden unsere Glaubensvorstellungen sind – gerade was das Abendmahl betrifft. Deshalb war ich einfach sehr überrascht.
Quelle: erf.de
Vor der Lutherkirche
An der Vorderfront unserer Kirche in der Martinstraße stehen einige schöne alte Straßenlaternen. Leider sind sie meistens nicht mehr funktionsfähig. Bei der Planung der Außenrenovierung wurden diese Laternen leider vergessen, vielleicht geht sich das aber noch als kleine Ergänzungsmaßnahme aus.
Gut evangelisch: Der Friedhof als Schlafhaus
Inschrift des Pastorenturmes auf dem Friedhof zu Steyr. Abguss in der Oberösterreichischen Landesausstellung "Renaissance und Reformation" in Schloss Parz.
Metamorphose, fast unmerklich
Leise
tritt es
über deine Schwelle
das Licht,
sprüht die Farben
einer neuen Zeit
auf die Wände,
verwandelt den Staub deiner Tage
zu Gold
mit seinem leichten Schritt
und legt um deine Ängste
deine Zweifel
warm einen Mantel:
Fürchte dich nicht!
Isabella Schneider
tritt es
über deine Schwelle
das Licht,
sprüht die Farben
einer neuen Zeit
auf die Wände,
verwandelt den Staub deiner Tage
zu Gold
mit seinem leichten Schritt
und legt um deine Ängste
deine Zweifel
warm einen Mantel:
Fürchte dich nicht!
Isabella Schneider
Im memoriam (1): Meine Omi Irmgard Sies, geb. Lemme (1910 - 1993)
Heute wäre sie 100 Jahre alt geworden, meine liebe Omi Irmgard, die Mutter meiner Mutter. Dass sie zugleich auch meine Patentante war, begriff ich erst im Zusammenhang mit meiner Konfirmation. Die wichtigsten Zeiten meiner Kindheit verbrachte ich bei ihr und ihrem Mann Willy in Peine bei Hannover. Für meine Erziehung waren die Großeltern wahrscheinlich wenigstens ebenso wichtig wie meine Eltern.
Meine beiden Großelternpaare waren innerprotestantisch gemischtkonfessionell. Omi Irmgard, die von sich immer sagte, sie sei lútherisch (auf der ersten Selbe betont), nicht luthērisch (was für sie offenbar ein streng konfessonsgebundenes Luthertum etwa im Sinne der "Altlutheraner" meinte), heiratete eine Reformierten vom Niederrhein, - und das ging ganz gut. Sie selbst ging selten zur Kirche, ihr Mann sehr viel öfter. Und er bewahrte sich bis zu einem Tode seine konfessionelle Identität und las die Reformierte Kirchenzeitung.
Omi Lebensmotto war ein vulgariserter Kant: "Du kannst, denn du sollst." Für mich selbst habe ich das später umgedreht: "Du sollst, denn du kannst." (Will sagen: Nütze deine Gaben.)
Die enge Verbundenheit blieb zeitlebens bestehen. 1993 ist sie gestorben.
Meine beiden Großelternpaare waren innerprotestantisch gemischtkonfessionell. Omi Irmgard, die von sich immer sagte, sie sei lútherisch (auf der ersten Selbe betont), nicht luthērisch (was für sie offenbar ein streng konfessonsgebundenes Luthertum etwa im Sinne der "Altlutheraner" meinte), heiratete eine Reformierten vom Niederrhein, - und das ging ganz gut. Sie selbst ging selten zur Kirche, ihr Mann sehr viel öfter. Und er bewahrte sich bis zu einem Tode seine konfessionelle Identität und las die Reformierte Kirchenzeitung.
Omi Lebensmotto war ein vulgariserter Kant: "Du kannst, denn du sollst." Für mich selbst habe ich das später umgedreht: "Du sollst, denn du kannst." (Will sagen: Nütze deine Gaben.)
Die enge Verbundenheit blieb zeitlebens bestehen. 1993 ist sie gestorben.
Es fließt und schweigt
Das Wasser
Ohne Wort, ohne Wort
rinnt das Wasser immerfort,
andernfalls, andernfalls
spräch' es doch nichts andres als:
Bier und Brot, Lieb und Treu, -
und das wäre auch nicht neu.
Dieses zeigt, dieses zeigt,
daß das Wasser besser schweigt.
Christian Morgenstern
Ohne Wort, ohne Wort
rinnt das Wasser immerfort,
andernfalls, andernfalls
spräch' es doch nichts andres als:
Bier und Brot, Lieb und Treu, -
und das wäre auch nicht neu.
Dieses zeigt, dieses zeigt,
daß das Wasser besser schweigt.
Christian Morgenstern
Montag, 12. Juli 2010
Gebetsratschläge von Tiki Küstenmacher im Anschluss an Fulbert Steffensky
Das Projekt "simplify your life" befast sich mit allen Arten der Lebensentrümpelung, der Ordnung, der Steigerung des Lebensgenusses und des Erfolges durch Vereinfachung, Optimierung und klare Regeln für alles. Die verschiedenen simplify-Newsletters werde versandt vom Orgenda Verlag für persönliche Weiterentwicklung, einem Unternehmensbereich des VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG.
Entmutigen Sie sich nicht durch zu große Vorhaben. Gehen Sie in bescheidenen Schritten vorwärts: Sprechen Sie anfangs am Morgen einen Psalm, oder halten Sie am Abend einige Minuten Stille, mehr nicht. Wenn selbst das nicht möglich ist, liegt es nicht an der Hektik Ihres Berufs, sondern daran, dass Sie falsch leben!
Feste Zeit
Beten Sie nicht nur, wenn Ihnen danach zumute ist, sondern richten Sie sich eine feste Gebetszeit im Tageslauf ein. Beispiele: der frühe Morgen oder der nicht zu späte Abend. Regelmäßig beachtete Zeiten gliedern Ihr Leben und vermindern das Gefühl „Andere bestimmen über meine Zeit“.
Fester Platz
Geben Sie Ihrem Vorhaben einen festen Ort. Beispiele: eine Ecke in Ihrem Schlafzimmer, ein bestimmter Baum auf Ihrem täglichen Spazierweg, ein Parkplatz, auf dem Sie Ihr Auto auf Ihrem Weg zur Arbeit abstellen und im Wagen sitzend beten. Orte sprechen und bauen an Ihrer Innerlichkeit.
Festes Ritual
Koppeln Sie das Gebet ab von Ihrer Stimmung. Seien Sie streng mit sich: Machen Sie nicht Ihre momentanen Bedürfnisse zum Maßstab. Sie reinigen Ihr Herz, indem Sie nicht auf Ihre Empfindungen achten, sondern nur auf Zeit, Ort und Methode. Entwickeln Sie Ihren eigenen festen Ablauf und nutzen Sie die Kraft der Wiederholung. Beispiel: eine täglich gleiche Eingangsformel („Öffne mein Herz und meine Lippen“), eine Geste (Kreuzeszeichen), lesen Sie einen Psalm (täglich wechselnd), 3 Minuten Stille, Vaterunser. Legen Sie den Psalm vorher fest, damit Ihre Gebetszeit nicht durch Sucherei gestört wird.
Halten Sie eine Notration bereit
Besorgen Sie sich ein Buch mit Gebeten, aus dem Sie in Zeiten größerer innerer Müdigkeit einfach etwas lesen. Lernen Sie kurze Sätze, die Ihnen dort oder in den Psalmen besonders gut gefallen, auswendig. Bilden Sie Ihre eigenen Formeln. Feste Sätze helfen Ihnen, zur Passivität zu finden. Sie sind die Notsprache, falls Ihnen das Leben einmal die Sprache verschlägt.
Halten Sie durch
Wenn Sie zu bestimmten Zeiten nicht beten können, lassen Sie es. Aber halten Sie den Platz frei für das Gebet. Tun Sie nicht irgendetwas anderes, sondern verhalten Sie sich auf andere Weise still. Verlernen Sie nicht Ihren Gebetsort und Ihre Gebetszeit. Seien Sie nicht gewaltsam zu sich selbst. Wenn einmal gar nichts geht, sagen Sie sich: „Auch das Misslingen ist meine Schwester.“
Diese Gedanken wurden angeregt durch: Fulbert Steffensky, Der alltägliche Charme des Glaubens
Autor: Werner Tiki Küstenmacher
Aber im Hintergrund steht ja (auch) Werner Tiki Küstenmacher, der Pfarrer und bekannte christliche Karikaturist. Und mitunter kommen im Newsletter auch direkt Fragen des religiösen Lebens vor, freilich so formuliert, dass nicht nur Christenmenschen sich angesprochen fühlen.
Die simplify-Regeln fürs Beten
Beten ist Arbeit
Rechnen Sie nicht mit großen inneren Erlebnissen. Beten ist zunächst Anstrengung. Gebetsarbeit ist manchmal schön und erfüllend, oft aber auch langwierig und trocken. Meditieren, Beten, Lesen sind Bildungsvorgänge. Bildung ist ein langfristiges Unternehmen. Doch langfristig ist der Lohn groß.
Kleine SchritteRechnen Sie nicht mit großen inneren Erlebnissen. Beten ist zunächst Anstrengung. Gebetsarbeit ist manchmal schön und erfüllend, oft aber auch langwierig und trocken. Meditieren, Beten, Lesen sind Bildungsvorgänge. Bildung ist ein langfristiges Unternehmen. Doch langfristig ist der Lohn groß.
Entmutigen Sie sich nicht durch zu große Vorhaben. Gehen Sie in bescheidenen Schritten vorwärts: Sprechen Sie anfangs am Morgen einen Psalm, oder halten Sie am Abend einige Minuten Stille, mehr nicht. Wenn selbst das nicht möglich ist, liegt es nicht an der Hektik Ihres Berufs, sondern daran, dass Sie falsch leben!
Feste Zeit
Beten Sie nicht nur, wenn Ihnen danach zumute ist, sondern richten Sie sich eine feste Gebetszeit im Tageslauf ein. Beispiele: der frühe Morgen oder der nicht zu späte Abend. Regelmäßig beachtete Zeiten gliedern Ihr Leben und vermindern das Gefühl „Andere bestimmen über meine Zeit“.
Fester Platz
Geben Sie Ihrem Vorhaben einen festen Ort. Beispiele: eine Ecke in Ihrem Schlafzimmer, ein bestimmter Baum auf Ihrem täglichen Spazierweg, ein Parkplatz, auf dem Sie Ihr Auto auf Ihrem Weg zur Arbeit abstellen und im Wagen sitzend beten. Orte sprechen und bauen an Ihrer Innerlichkeit.
Festes Ritual
Koppeln Sie das Gebet ab von Ihrer Stimmung. Seien Sie streng mit sich: Machen Sie nicht Ihre momentanen Bedürfnisse zum Maßstab. Sie reinigen Ihr Herz, indem Sie nicht auf Ihre Empfindungen achten, sondern nur auf Zeit, Ort und Methode. Entwickeln Sie Ihren eigenen festen Ablauf und nutzen Sie die Kraft der Wiederholung. Beispiel: eine täglich gleiche Eingangsformel („Öffne mein Herz und meine Lippen“), eine Geste (Kreuzeszeichen), lesen Sie einen Psalm (täglich wechselnd), 3 Minuten Stille, Vaterunser. Legen Sie den Psalm vorher fest, damit Ihre Gebetszeit nicht durch Sucherei gestört wird.
Halten Sie eine Notration bereit
Besorgen Sie sich ein Buch mit Gebeten, aus dem Sie in Zeiten größerer innerer Müdigkeit einfach etwas lesen. Lernen Sie kurze Sätze, die Ihnen dort oder in den Psalmen besonders gut gefallen, auswendig. Bilden Sie Ihre eigenen Formeln. Feste Sätze helfen Ihnen, zur Passivität zu finden. Sie sind die Notsprache, falls Ihnen das Leben einmal die Sprache verschlägt.
Halten Sie durch
Wenn Sie zu bestimmten Zeiten nicht beten können, lassen Sie es. Aber halten Sie den Platz frei für das Gebet. Tun Sie nicht irgendetwas anderes, sondern verhalten Sie sich auf andere Weise still. Verlernen Sie nicht Ihren Gebetsort und Ihre Gebetszeit. Seien Sie nicht gewaltsam zu sich selbst. Wenn einmal gar nichts geht, sagen Sie sich: „Auch das Misslingen ist meine Schwester.“
Diese Gedanken wurden angeregt durch: Fulbert Steffensky, Der alltägliche Charme des Glaubens
Autor: Werner Tiki Küstenmacher
Das Christus-Zimmer
„Ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen“ (Mt 25,35). Und weiter: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“ (Mt 25,40). Da es sich um einen Glaubenden und noch dazu um einen Bruder handelt, und mag er auch noch so gering sein, so tritt Christus selbst mit ihm ein. Öffne dein Haus und nimm ihn auf. „Wer einen Propheten aufnimmt, weil er ein Prophet ist, wird den Lohn eines Propheten erhalten“ (Mt 10,41)... Das ist die Haltung, die man einnehmen muss, wenn man Fremde aufnimmt: Bereitwilligkeit, Freude, Großzügigkeit. Der Fremde ist immer schüchtern und verschämt. Wenn sein Gastgeber ihn nicht mit Freude aufnimmt, fühlt er sich gering geschätzt und zieht sich zurück. Es ist nämlich schlimmer, so empfangen zu werden als gar nicht.
Hab’ also ein Haus, in dem Christus eine Bleibe findet. Sag: „Das ist das Zimmer Christi. Das ist die Wohnung, die Ihm vorbehalten ist.“ Er wird sie nicht verschmähen, auch wenn sie sehr einfach ist. Er braucht nur ein Dach über dem Kopf. Sei nicht grausam und unmenschlich, und gib ihm wenigstens das. Du legst soviel Feuer an den Tag um der materiellen Güter willen, so bleibe auch nicht kalt, wenn es um geistige Güter geht... Du hast einen Platz für dein Fuhrwerk und hättest keinen für den umherziehenden Christus?
Johannes Chrysostomos, Predigt 45 zur Apostelgeschichte
Hab’ also ein Haus, in dem Christus eine Bleibe findet. Sag: „Das ist das Zimmer Christi. Das ist die Wohnung, die Ihm vorbehalten ist.“ Er wird sie nicht verschmähen, auch wenn sie sehr einfach ist. Er braucht nur ein Dach über dem Kopf. Sei nicht grausam und unmenschlich, und gib ihm wenigstens das. Du legst soviel Feuer an den Tag um der materiellen Güter willen, so bleibe auch nicht kalt, wenn es um geistige Güter geht... Du hast einen Platz für dein Fuhrwerk und hättest keinen für den umherziehenden Christus?
Johannes Chrysostomos, Predigt 45 zur Apostelgeschichte
Sonntag, 11. Juli 2010
Forscher Kardinal, ziemlich unverfroren
Welt am Sonntag: Ist es schon zu früh für eine Bilanz des von Benedikt ausgerufenen Priesterjahres? Ist die Rolle der Geistlichen gestärkt worden?
Meisner: Die Wichtigkeit des priesterlichen Dienstes ist für die Träger und für das Volk tiefer erkannt worden. Und eben auch: wie wichtig die Gabe des Zölibates ist. Denn darin liegt ja der Stachel für unsere Gesellschaft. Darum wundert es gar nicht, wie sehr sie dagegen anrennt. Bei einem Zölibatär muss man immer sagen: Entweder ist der verrückt, oder es gibt Gott. Eine andere Alternative gibt es nicht. Und wenn die Menschen feststellen, der ist nicht verrückt, dann muss es Gott geben. Überzeugend gelebt ist der Zölibat immer noch der schlagendste Gottesbeweis.
Welt am Sonntag: Braucht die katholische Kirche eine Reformation?
Meisner: Ja! Aber keine Revolution wie 1517. Doch eine Reformation, die braucht sie! Die Kirche versteht sich ja selbst als „ecclesia semper reformanda“, also als Kirche, die immer reformiert werden muss. Diese Umformung brauchen wir immer, als ständige Ausrichtung auf den Ursprung. Wenn Sie das Rheinwasser in Köln trinken, wird Ihnen schlecht. Sie müssen den Strom hinauf. An der Quelle, da schmeckt der Rhein. So auch bei der Kirche: zurück zur Quelle!
Aus einem Interview mit der Welt am Sonntag (veröffentlicht auf welt-online.de schon am 10. Juli 2010)
Um forsche Worte ist Kardinal Meisner nie verlegen. Das ur-evangelische Motto von der Kirche, die immer der Reformation bedarf, nimmt er kühn für die Kirche schlechthin, und das heißt in seiner Sicht doch wohl: für die römisch-katholische Kirche in Anspruch. Und das Problem der Tradition wird gar mit der Rheinverschmutzung (die ja vor allem auf Industrieabwässern beruht) verglichen. Um in diesem Bild zu bleiben: Am Rheinfall von Schaffhausen weiß man noch nichts vom Zölibat, den er unverfroren geradezu als den "schlagendsten Gottesbeweis" bezeichnet. Auch die Gottesbeweise sind ja bekanntlich eine Frucht der Tradition; die Bibel kennt und braucht keine Gottesbeweise.
Meisner: Die Wichtigkeit des priesterlichen Dienstes ist für die Träger und für das Volk tiefer erkannt worden. Und eben auch: wie wichtig die Gabe des Zölibates ist. Denn darin liegt ja der Stachel für unsere Gesellschaft. Darum wundert es gar nicht, wie sehr sie dagegen anrennt. Bei einem Zölibatär muss man immer sagen: Entweder ist der verrückt, oder es gibt Gott. Eine andere Alternative gibt es nicht. Und wenn die Menschen feststellen, der ist nicht verrückt, dann muss es Gott geben. Überzeugend gelebt ist der Zölibat immer noch der schlagendste Gottesbeweis.
Welt am Sonntag: Braucht die katholische Kirche eine Reformation?
Meisner: Ja! Aber keine Revolution wie 1517. Doch eine Reformation, die braucht sie! Die Kirche versteht sich ja selbst als „ecclesia semper reformanda“, also als Kirche, die immer reformiert werden muss. Diese Umformung brauchen wir immer, als ständige Ausrichtung auf den Ursprung. Wenn Sie das Rheinwasser in Köln trinken, wird Ihnen schlecht. Sie müssen den Strom hinauf. An der Quelle, da schmeckt der Rhein. So auch bei der Kirche: zurück zur Quelle!
Aus einem Interview mit der Welt am Sonntag (veröffentlicht auf welt-online.de schon am 10. Juli 2010)
Um forsche Worte ist Kardinal Meisner nie verlegen. Das ur-evangelische Motto von der Kirche, die immer der Reformation bedarf, nimmt er kühn für die Kirche schlechthin, und das heißt in seiner Sicht doch wohl: für die römisch-katholische Kirche in Anspruch. Und das Problem der Tradition wird gar mit der Rheinverschmutzung (die ja vor allem auf Industrieabwässern beruht) verglichen. Um in diesem Bild zu bleiben: Am Rheinfall von Schaffhausen weiß man noch nichts vom Zölibat, den er unverfroren geradezu als den "schlagendsten Gottesbeweis" bezeichnet. Auch die Gottesbeweise sind ja bekanntlich eine Frucht der Tradition; die Bibel kennt und braucht keine Gottesbeweise.
Freitag, 9. Juli 2010
Das Verschwinden des Christentums
"Kommt man als Priester ins Klassenzimmer und sagt zu den siebenjährigen Kindern freundlich lächelnd 'Grüß Gott', kann man damit rechnen, daß – wie geschehen – der Gruß zurückkommt: 'Fick dich ins Knie, Du Arsch!'.
Die zur Rede gestellten Eltern verbünden sich dann mit der Klassenlehrerin, die den siebenjährigen Flegeln bescheinigt, die bravsten Kinder der Welt zu sein.
Der betreffende Bursche sei eben schon ein 'kleiner gestandener Mann'.
Folglich muß der Fehler bei Hochwürden liegen.
Dahinter steckt System – nämlich das seit 1968 einsetzende Großexperiment der Verdummung und Verrohung der Völker – nicht nur – des deutschen Sprachgebietes."
So beschreibt ein katholischer Religionslehrer seine Arbeit in Deutschland auf kreuz.net Weiterhin ist da zu lesen:
"Meine Aufgabe besteht darin, sogenannten Erstkommunion-Kindern, die sich im angeblichen Unterricht gegenseitig fast totschlagen und beschimpfen, 'Unterricht' zu erteilen, der nur zum allerkleinsten Teil Deckung durch praktizierende katholische Eltern erfährt.
Am Ende dieser Tragödie steht die sakramentale Zwangsbeglückung namens 'Erstkommunion'.
Manche der Achtjährigen weigern sich ausdrücklich, die Heilige Messe zu besuchen.
Fragt man sie, warum sie überhaupt die Erstkommunion wünschen, dann geht es ihnen um teure Rolex-Uhren (sic!) oder sonstige irdische Kostbarkeiten."
Schon vor zwanzig Jahren waren die Geschenke in meinen nordhessischen Gemeinden die wichtigste Motivation für die Konfirmation. Ich erinnere mich, wie mir ein Konfirmand vorrechnete, was er bei den zu erwartenden Geldgeschenken (er kalkulierte, wahrscheinlich ganz realistisch, mit einer vierstelligen Summe) für einen "Stundenlohn" pro Konfirmandenstunde habe.
"Wenn man aber nach der Heiligen Schrift oder nach einem Gebet- oder Gesangbuch fragt, bekommt man oftmals keine Antwort.
Solche Dinge besitzen in der Regel nicht einmal mehr die Eltern, die ihrerseits meist schon Opfer der liberalen antiautoritären Erziehung sind.
Die Kirche wird das in dieser Form nicht mehr lange praktizieren können."
Natürlich ein zugespitzter, drastischer Bericht, aber sehr ehrlich. Und es geht evangelischen Religionslehrern und -lehrerinnen in der Schule sowie Pfarrern und Pfarrerinnen im Konfirmandenunterricht kaum besser, in Deutschland wie in Österreich.
Die zur Rede gestellten Eltern verbünden sich dann mit der Klassenlehrerin, die den siebenjährigen Flegeln bescheinigt, die bravsten Kinder der Welt zu sein.
Der betreffende Bursche sei eben schon ein 'kleiner gestandener Mann'.
Folglich muß der Fehler bei Hochwürden liegen.
Dahinter steckt System – nämlich das seit 1968 einsetzende Großexperiment der Verdummung und Verrohung der Völker – nicht nur – des deutschen Sprachgebietes."
So beschreibt ein katholischer Religionslehrer seine Arbeit in Deutschland auf kreuz.net Weiterhin ist da zu lesen:
"Meine Aufgabe besteht darin, sogenannten Erstkommunion-Kindern, die sich im angeblichen Unterricht gegenseitig fast totschlagen und beschimpfen, 'Unterricht' zu erteilen, der nur zum allerkleinsten Teil Deckung durch praktizierende katholische Eltern erfährt.
Am Ende dieser Tragödie steht die sakramentale Zwangsbeglückung namens 'Erstkommunion'.
Manche der Achtjährigen weigern sich ausdrücklich, die Heilige Messe zu besuchen.
Fragt man sie, warum sie überhaupt die Erstkommunion wünschen, dann geht es ihnen um teure Rolex-Uhren (sic!) oder sonstige irdische Kostbarkeiten."
Schon vor zwanzig Jahren waren die Geschenke in meinen nordhessischen Gemeinden die wichtigste Motivation für die Konfirmation. Ich erinnere mich, wie mir ein Konfirmand vorrechnete, was er bei den zu erwartenden Geldgeschenken (er kalkulierte, wahrscheinlich ganz realistisch, mit einer vierstelligen Summe) für einen "Stundenlohn" pro Konfirmandenstunde habe.
"Wenn man aber nach der Heiligen Schrift oder nach einem Gebet- oder Gesangbuch fragt, bekommt man oftmals keine Antwort.
Solche Dinge besitzen in der Regel nicht einmal mehr die Eltern, die ihrerseits meist schon Opfer der liberalen antiautoritären Erziehung sind.
Die Kirche wird das in dieser Form nicht mehr lange praktizieren können."
Natürlich ein zugespitzter, drastischer Bericht, aber sehr ehrlich. Und es geht evangelischen Religionslehrern und -lehrerinnen in der Schule sowie Pfarrern und Pfarrerinnen im Konfirmandenunterricht kaum besser, in Deutschland wie in Österreich.
Beim Aufräumen wiedergefunden...
Diesen Prospekt finde ich jetzt wieder, als ich während meines Urlaubs das Arbeitszimmer in Ordnung bringe und viel räume (und wegwerfe). Das Motiv mit dem ostdeutschen Ampelmännchen ist einfach gut. Leider konnte ich nicht hinfahren. Ach ja: Österreich ist natürlich auch ein Missionsgebiet, vielleicht noch in viel höherem Maße als Deutschland ist dieses Land säkularisiert. Wenigstens in Wien kommt mir das so vor. In den Bundesländern spielt der traditionelle Katholizismus natürlich noch immer eine größere Rolle; in Wien aber ist Religion eine Privatangelegenheit, über die man am liebsten nicht spricht.
Urlaubsblässe
"Du schaust blass aus." - "Sicher, ich habe Urlaub."
Ferien daheim, da erwacht der Grottenolm in mir. Und draußen ist es eh viel zu heiß, wenigstens untertags.
Ferien daheim, da erwacht der Grottenolm in mir. Und draußen ist es eh viel zu heiß, wenigstens untertags.
So einfach, so kompliziert
"Lisa ist 15, lebt in Berlin, geht zur Schule und verbringt Zeit mit ihren Altersgenossen. Zum Geburtstag bekommt sie ein formschönes Apple Keyboard aus eloxiertem Aluminium von ihrem Elternteil, weil das ein echter Blickfang ist und kinderfreundlicher als Wohnaccessoires und Sexspielzeuge. 'Ich prophezeie. Ich spreche Kindermund, man merkt sich die Aussprüche, man wiederholt sie vor mir. Diese Aussprüche sind Gedichte, das Rezept ist einfach:
Man muss sich auf den Teufel verlassen, auf den Zufall, auf das Vakuum.' Kompromisslos durchläuft sie den komplizierten Weg des Erwachsenwerdens und der ersten Liebe. 'Ich bin Ariel, die kleine Meerjungfrau aus dem gleichnamigen Zeichentrickklassiker von Walt Disney und du bist irgendwie tot'."
Hörspielankündigung im phonostar-Newsletter ("Der komplizierte Weg des Erwachsenwerdens", Deutschlandradio Kultur 12.07.2010, 00.05 - 01.00 Uhr)
Man muss sich auf den Teufel verlassen, auf den Zufall, auf das Vakuum.' Kompromisslos durchläuft sie den komplizierten Weg des Erwachsenwerdens und der ersten Liebe. 'Ich bin Ariel, die kleine Meerjungfrau aus dem gleichnamigen Zeichentrickklassiker von Walt Disney und du bist irgendwie tot'."
Hörspielankündigung im phonostar-Newsletter ("Der komplizierte Weg des Erwachsenwerdens", Deutschlandradio Kultur 12.07.2010, 00.05 - 01.00 Uhr)
Talente
Ein Schülergottesdienst vor Schuljahrsende. Thema: Unsere Talente. Vorbereitete Schüleräußerungen zu der Frage: "Was kann ich besonders gut?" Zunächst Erwartbares: "Ich kann gut Fußball spielen." - Ich kann gut zuhören." Dann aber Überraschendes: "Ich kann ohne Ende essen." Und: "Ich kann immer und überall schlafen."
Donnerstag, 8. Juli 2010
Unheimlich, fast beängstigend
Eine fast unheimliche Perspektive, vor dem Haupteingang der Lutherkirche steil nach oben geblickt... Aber kaum ein Besucher oder zufällig vorüber kommender Fußgeher wird sich diese Perspektive antun, die dem Hals nicht wirklich gut tut.
Patriotismus und Antipatriotismus in Zeiten von Fußballgroßereignissen
Fußballweltmeisterschaften sind Ereignisse, bei denen mit dem Nationalgefühl Erstaunliches passiert. Wird z. B. in Deutschland oft ein Mangel an Patriotismus beklagt, bricht dieser alle vier Jahre (oder alle zwei Jahre, für Europameisterschaften gilt ja Ähnliches) aus wie ein Virus. Das Phänomen ist nicht auf bestimmte Staaten beschränkt, in Deutschland ist es aber besonders bemerkenswert. Während zwischen Fußballgroßereignissen wohl niemand darauf käme, eine deutsche Fahne aufzuziehen oder aus dem Fenster hängen zu lassen, ist dann auf einmal alles schwarz-rot-gold. Im Falle von Erfolgen gibt es viel zu jubeln (und zu trinken). Bei Niederlagen oder Ausscheiden bricht dann der Katzenjammer aus, in manchen Staaten (wie Frankreich) kann ein solcher sportlicher Misserfolg sogar politische Wellen schlagen.
Ein solcher Ausbruch von fußballinduziertem Nationalismus bietet aber auch die Möglichkeit, sich zu distanzieren, die eigene Immunität gegen diese Art von Wahnsinn zu demonstrieren - oder gar den verborgenen Groll oder Hass auf das eigene Land an die Öffentlichkeit zu tragen, so wie in diesen (sicher tief aus dem Bauch des Verfassers kommenden) Versen, die als Kommentar zu einem Artikel in der ZEIT publiziert wurden:
"Durch Deutschland weht ein kalter Wind
Menschen hasten tränenblind
weil sie so verzweifelt sind
in der Stadt herum
Sogar den Bäumen häng'n die Blätter
schlaff herunter wie Lametta
Alle Vöglein singen Moll
Fussball-Deutschland beklagt sich
immer wieder und man fragt sich
wie es weiter gehen soll
Freudentaumel zieht durchs Land
von Garmisch bis zur Waterkant
Alle singen Hand in Hand
Deutschland hat verloren
Links und Rechts und zick und zack
Das "unverkrampfte" Patriotenpack
kriegt endlich wieder aufn Sack
Deutschland hat verloren
lalalalalalalalalala
Deutschland hat verloren
lalalalalalalalalala
Deutschland hat verloren
Ein leichter Gegner eigentlich
machte die Stars heut lächerlich
Mutti Merkel ärgert sich
Deutschland hat verloren
Jogi sitzt alleine da
wie ein alter Fußballstar
Doch kein Meister trallala
Deutschland hat verloren
lalalalalalalalalalala
Deutschland hat verloren
lalalalalalalalalalala
Deutschland hat verloren
Wie Amateure wie Amateure - Ich mach die Säge
Deutschland hat verloren
Wie Amateure wie Amateure - Gott ist das herrlich
Deutschland hat verloren
Wie Amateure wie Amateure - Ich habe fertig
Deutschland hat verloren"
Von Nutzer "aeferiihkaefe", Rechtschreibung leicht gebessert von mir.
Der Verfasser weiß sich mit seinen Gefühlen der Schadenfreude nicht allein (vgl. die 3. Strophe). Aber das ist statistisch vermutlich schwer zu erheben. Denn wer würde sich in einer Umfrage schon als Antipatriot outen?
Die meisten "Patrioten auf Zeit" werden sich die Tränen bald aus den Augen wischen und zur Tagesordnung übergehen. Schade eigentlich, dass es noch dieses Spiel um den 3. Platz gibt, für die deutsche Mannschaft eine weitere Gelegenheit zum Verlieren, im Falle eines Sieges im "kleinen Finale" aber winkt eben nur Anerkennung - und kein Pokal. Und auf den Fanmeilen wird die Freude auch bei einem Sieg über Uruguay verhaltener ausfallen. Ein Anlass zum Trinken ist es, so oder so. Aber den braucht man in Deutschland ja im Grunde nicht - so wenig wie in Österreich übrigens...
Ein solcher Ausbruch von fußballinduziertem Nationalismus bietet aber auch die Möglichkeit, sich zu distanzieren, die eigene Immunität gegen diese Art von Wahnsinn zu demonstrieren - oder gar den verborgenen Groll oder Hass auf das eigene Land an die Öffentlichkeit zu tragen, so wie in diesen (sicher tief aus dem Bauch des Verfassers kommenden) Versen, die als Kommentar zu einem Artikel in der ZEIT publiziert wurden:
"Durch Deutschland weht ein kalter Wind
Menschen hasten tränenblind
weil sie so verzweifelt sind
in der Stadt herum
Sogar den Bäumen häng'n die Blätter
schlaff herunter wie Lametta
Alle Vöglein singen Moll
Fussball-Deutschland beklagt sich
immer wieder und man fragt sich
wie es weiter gehen soll
Freudentaumel zieht durchs Land
von Garmisch bis zur Waterkant
Alle singen Hand in Hand
Deutschland hat verloren
Links und Rechts und zick und zack
Das "unverkrampfte" Patriotenpack
kriegt endlich wieder aufn Sack
Deutschland hat verloren
lalalalalalalalalala
Deutschland hat verloren
lalalalalalalalalala
Deutschland hat verloren
Ein leichter Gegner eigentlich
machte die Stars heut lächerlich
Mutti Merkel ärgert sich
Deutschland hat verloren
Jogi sitzt alleine da
wie ein alter Fußballstar
Doch kein Meister trallala
Deutschland hat verloren
lalalalalalalalalalala
Deutschland hat verloren
lalalalalalalalalalala
Deutschland hat verloren
Wie Amateure wie Amateure - Ich mach die Säge
Deutschland hat verloren
Wie Amateure wie Amateure - Gott ist das herrlich
Deutschland hat verloren
Wie Amateure wie Amateure - Ich habe fertig
Deutschland hat verloren"
Von Nutzer "aeferiihkaefe", Rechtschreibung leicht gebessert von mir.
Der Verfasser weiß sich mit seinen Gefühlen der Schadenfreude nicht allein (vgl. die 3. Strophe). Aber das ist statistisch vermutlich schwer zu erheben. Denn wer würde sich in einer Umfrage schon als Antipatriot outen?
Die meisten "Patrioten auf Zeit" werden sich die Tränen bald aus den Augen wischen und zur Tagesordnung übergehen. Schade eigentlich, dass es noch dieses Spiel um den 3. Platz gibt, für die deutsche Mannschaft eine weitere Gelegenheit zum Verlieren, im Falle eines Sieges im "kleinen Finale" aber winkt eben nur Anerkennung - und kein Pokal. Und auf den Fanmeilen wird die Freude auch bei einem Sieg über Uruguay verhaltener ausfallen. Ein Anlass zum Trinken ist es, so oder so. Aber den braucht man in Deutschland ja im Grunde nicht - so wenig wie in Österreich übrigens...
Dienstag, 6. Juli 2010
Wer will die Wahrheit hören?
Die Sprache der Dichter
Ein Liebender tötet nicht seinesgleichen. Der Fuchs
Frißt heimlich, wenn er hungrig ist. Wer in dieser Welt
Nach etwas sucht, hat seine Lektion nicht gelernt.
Und wir, die Dichter, was sollen wir
Den einfachen Menschen sagen? Sollen wir sagen, daß wir
Seit Anbeginn der Schöpfung nichts als Staub gewesen sind,
oder sollen wir schweigen?
Doch wie läßt sich die Sprache des Schweigens
An einen verkaufen, der Großhandel treibt?
Salman Massalha
[Aus dem Arabischen von Khalid Al-Maaly und Heribert Becker]
Ein Liebender tötet nicht seinesgleichen. Der Fuchs
Frißt heimlich, wenn er hungrig ist. Wer in dieser Welt
Nach etwas sucht, hat seine Lektion nicht gelernt.
Und wir, die Dichter, was sollen wir
Den einfachen Menschen sagen? Sollen wir sagen, daß wir
Seit Anbeginn der Schöpfung nichts als Staub gewesen sind,
oder sollen wir schweigen?
Doch wie läßt sich die Sprache des Schweigens
An einen verkaufen, der Großhandel treibt?
Salman Massalha
[Aus dem Arabischen von Khalid Al-Maaly und Heribert Becker]
Sommer
Und nun ist Sommer. Seit heute habe ich Urlaub. Die Kirche ist außen fertig, die Renovierung noch lange nicht bezahlt. Trotzdem werden wir uns nun der Innenrenovierung zuwenden. Aber jetzt ist erst einmal Sommer, und das ist in Wien in allen gesellschaftlichen und gemeindlichen Belangen eine Zeit der großen Ruhe...















