Dienstag, 13. Juli 2010

Das wichtige Abendmahl


Gerster: Gab es ein Ergebnis, mit dem Sie absolut nicht gerechnet hatten?
Prof. Herbst: Wir hatten nicht damit gerechnet, dass in so unterschiedlichen Gegenden Deutschlands bei unterschiedlichen Menschen so viele ausgerechnet auf das Abendmahl zu sprechen kommen. Das ist ein echter Knaller! Wir hätten uns manches denken können. Dass Glaubenskurse wichtig sind oder andere evangelistische Formate, die man so kennt. Aber so viele Leute haben gesagt: „Es war für mich eine Art Durchbruchserfahrung, da mal wieder aus der Bank zu treten und nach vorne zu gehen. Es sagte jemand zu mir ‚Christi Leib für dich gegeben.’ und ich konnte innerlich ‚Ja und Amen.’ dazu sagen.“ Das ist wirklich erstaunlich.
Gerster: Theologisch eigentlich nicht, weil mit der Zusage des Glaubens der Glaube erst beginnen kann.
Prof. Herbst: Ja, aber es ist deshalb erstaunlich, weil das Abendmahl eine recht anspruchsvolle kirchliche Veranstaltung ist. Sie ist nicht niedrigschwellig, sie ist für manche sogar ästhetisch problematisch, nach dem Motto: Will ich mir da gleich die nächsten Bazillen holen und muss ich denn ausgerechnet mit dem neben mir aus einem Kelch trinken? Ich finde die Hürden sind ziemlich hoch, auch die Verstehenshürden. Ist das jetzt irgendetwas Mysteriöses oder ist das nur ein Stück Brot?
Ich hatte in der Gemeinde in Münster mal einen Küstervertreter, der mit all diesen Dingen nicht viel anfangen konnte. Wir hatten zur Einsetzung des Abendmahls eine große Oblate und er sagte dann immer: "Den großen Keks habe ich auch mit auf den Teller gelegt." Da habe ich immer gemerkt, wie esoterisch für manchen Außenstehenden unsere Glaubensvorstellungen sind – gerade was das Abendmahl betrifft. Deshalb war ich einfach sehr überrascht.
Quelle: erf.de

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