Mittwoch, 20. August 2008
Männer - das problematische Geschlecht
In Locarno stellt Michel Houellebecq sein Regie-Debüt, die Eigenromanverfilmung "Die Möglichkeit einer Insel" vor. Barbara Gärtner hat ihn zum Gespräch getroffen, in dem er wenig, aber immerhin erklärt, warum es keinen expliziten Sex gibt in dem Film: "Wenn man Sex zeigt, gibt es immer ein Problem mit den Männern; die männlichen Genitalien sind einfach nicht schön. Ich habe schon einmal einen erotischen Kurzfilm gemacht, darin waren aber nur Frauen beim Sex zu sehen. Doch bei einem längeren Film nur vögelnde Frauen zu zeigen, ist ja langweilig. Sex lässt sich nicht verfilmen, darüber kann man höchstens schreiben."
perlentaucher.de über das Feuilleton der Süddeutschen Zeitung vom 18.08.2008
Immer diese Männer - sie sind doch das eigentlich problematische Geschlecht, das weiß die Kriminalitätsstatistik ebenso wie die Schulpolitik... Und nicht einmal schön sind sie, eigentlich müsste man als Mann doch fast verzweifeln - und staunen, was Frauen nur an Männern finden.
Alles hat auch sein Gutes
Dennoch sollte man keine Seminare anbieten, die Lyrik zu direkt adressieren. Themen wie "Die Diskussion des Hexameters in der Goethezeit" oder "Brechts Elegien" wirken abschreckend. Lieber das Seminarthema so wählen, dass die Lyrik gleichsam organisch darin vorkommt. Intuitiv richtig handelte ich, als ich das Thema "Stimmung" für ein Seminar wählte; es versteht sich von selbst, dass Stimmung einen intimen Bezug zur Lyrik hat. Aber auch als es in einem weiteren Seminar um die 68er-Bewegung und ihren Zweifel am Nutzen der Literatur ging, konnten drei Zeilen Bachmann gefühlte eintausend "Kursbuch"-Lektüre ersetzen - "Soll ich / einen Gedanken gefangen nehmen / abführen in eine erleuchtete Satzzelle?"
Aus einem Artikel über die heutigen Bedingungen germanistischer Lehre (Michael Angele: Literatur für Leute, die zufällig studieren, FAZ 19.08.2008)
Klassisch unmöglich

Timm: Die Briefe waren ja der Motor in einer Liebesbeziehung. Persönlichen Kontakt gab es während all der vielen Jahre selten. Und wenn, dann endete das schnell im Desaster. Lebten da, Frau Stoll, zwei Menschen ihr Paralleluniversum in der Schrift? Stoll: Ein Stück weit kann man das sicher so sagen. Es ist ein klassisch unmögliches Liebespaar, nicht mit dir und nicht ohne dich. Das könnte man auch als Motto über diese Beziehung stellen. Es ist so, dass diese Liebesbeziehung ja verschiedene Phasen hat. Es gibt diese Leichtigkeit der ersten Begegnung, dann sehr schnell die Erkenntnis, dass das Täter-Kind, Ingeborg Bachmann als Tochter eines NS-Offiziers, eines österreichischen, er als Sohn eines Elternpaares, das in einem deutschen Konzentrationslager umkam, dass dieser Hintergrund das Leben, das Sprechen der beiden doch enorm belastet. Es gab dann das Gefühl von Ingeborg Bachmann, so sehr sie sich auch einfühlen will in seine Vernichtungserfahrung, in seine Trauer, in seine Auffassung von Dichtung als Grabschrift, dass er das nicht anerkennt. Sie hat sich irgendwann von ihm verworfen gefühlt und hatte das Gefühl, sie kann machen, was sie will, sie kann ihm in seinem Anspruch so nicht gerecht werden und wird von ihm auch nicht anerkannt, weil sie diese Erfahrung nicht teilen kann. Und dann folgt in der Tat eine Phase des Schweigens nach einem desaströsen Aufenthalt in Paris 1950, wo sie versucht haben, miteinander zu leben. Und Ingeborg Bachmann danach ihrem Wiener Freund, Hans Weigel, gesteht, dass dieser Versuch Strindbergsch wurde. Man habe sich gegenseitig die Luft weggenommen.
Aus einem Deutschlandradio-Interview mit Andrea Stoll, der Herausgeberin des Briefwechsels zwischen Ingeborg Bachmann und Paul Celan

