Mittwoch, 12. August 2009
Einsamkeit
Ach der ist bald allein;
Ein jeder lebt, ein jeder liebt
Und läßt ihn seiner Pein.
Wer sich dem Weltgewühl ergibt,
Der ist zwar nie allein.
Doch was er lebt und was er liebt,
Es wird wohl nimmer sein.
Nur wer der Muse hin sich gibt,
Der weilet gern allein.
Er ahnt, daß sie ihn wieder liebt,
Von ihm geliebt will sein.
Sie kränzt den Becher und Altar,
Vergöttlicht Lust und Pein.
Was sie ihm gibt, es ist so wahr,
Gewährt ein ewig Sein.
Es blühet hell in seiner Brust
Der Lebensflamme Schein.
Im Himmlischen ist ihm bewußt
Das reine irdsche Sein.
Bettina von Arnim
Aber noch steht er da...
Strukturelle Zombies in der christlichen Landschaft
Patrick Hamilton: Organisationen und Strukturen sind im Grunde weder gut noch schlecht. Aber man muss sich fragen, ob es im christlichen Lager Glaubensrichtungen oder Werke gibt, die zwar als Organisation noch vorhanden sind, aber dem biblischen Ursprungsauftrag nicht mehr adäquat nachkommen. Oder frech gefragt: Wie viele Zombies liegen in der christlichen Landschaft denn rum, die man schon längst zu Grabe hätte tragen müssen? Viele Strukturen haben zu ihrer Zeit sehr wohl ihren Platz gehabt, aber heißt dies, dass das heute noch so gelten muss? War man vielleicht zu feige, zu sagen, dass ihre Zeit vorbei ist?
Ein fest vergessener Dichter

Geschlechterrollen in der muslimischen Welt des 19. Jahrhunderts
Huma Yusuf hat an der medizinischen Hochschule in Karachi einen Vortrag über Islam und Homosexualität gehört. Bis zum 19. Jahrhundert war die muslimische Welt relativ tolerant im Umgang mit Homosexuellen, referiert sie. Das lag unter anderem daran, dass in den islamischen Kulturen "die selben Auffassungen von Schönheit für Männer und Frauen galten. Der Vortragende zeigte mehrere Miniaturmalereien aus der Ära Abbasid, in der Männer und Frauen ununterscheidbar waren (betrachten Sie die berühmten Illustrationen von Sha Abbas mit einem Wein-Jungen). Männer trugen Make-Up und hüllten sich in Kleider und Juwelen, während Frauen mit flaumigen Schnurrbärten als besonders attraktiv galten (offenbar malten sich Frauen sogar Schnurrbärte auf, um hübscher zu erscheinen)." Erst die Kolonialmächte, mit ihrer strikten Vorstellung davon, was männlich und was weiblich ist, bereiteten dieser Laxheit ein Ende.
Deine Welt ist unser Kreuz
Die Fragen
Opera 2.0
Gemeinsam können die Nutzer der Internetplattform, auf der normalerweise per Kurznachricht abgefasste Blogs erscheinen, mit Beiträgen von je maximal 140 Zeichen ein Libretto schreiben. Jeder, der Twitter-Mitglied ist, kann mitmachen. Laut Covent-Garden-Sprecherin Alison Duthie soll so eine "Volksoper" entstehen. Es sei "die perfekte Art", alle an Oper "als ultimative Form des Geschichtenerzählens teilhaben zu lassen". So sollen laut Duthie neue Hörerschichten für die Form erschlossen werden. Das Ergebnis wird mit eigens komponierter Musik von Helen Porter sowie bekannten Arien-Melodien unterlegt.
Am ersten Akt haben sich rund 40 Teilnehmer beteiligt. Bisher entwickelt sich die Story des noch titellosen Werkes ziemlich märchenhaft: Der Held, Hans, ist von einer Gruppe von Vögeln in ein Turmverlies entführt worden, nachdem er einen von ihnen getötet hat. Eine Frau, die ihm helfen will, sucht derweil nach einem Serum, das helfen soll, die Sprache der Vögel zu verstehen. Weitere Rollen spielen eine singende Katze und ein "Fisch-Schwert". Eine erste literarische Klimax erreicht das Libretto mit dem Vogelchor, der, twittergerecht, "tweet tweet tweet" singt.
Uraufgeführt werden soll die Twitter-Oper am 5. und 6. September am Royal Opera House, allerdings nicht vollständig. Zwei Sänger werden diverse Rollen übernehmen und Auszüge vortragen.
Alexander Menden: Oper-Gezwitscher. Royal Opera House lässt auf Twitter Libretto schreiben, sueddeutsche.de 12.08.2009