Mittwoch, 12. August 2009

Einsamkeit

Wer sich der Einsamkeit ergibt,
Ach der ist bald allein;
Ein jeder lebt, ein jeder liebt
Und läßt ihn seiner Pein.

Wer sich dem Weltgewühl ergibt,
Der ist zwar nie allein.
Doch was er lebt und was er liebt,
Es wird wohl nimmer sein.

Nur wer der Muse hin sich gibt,
Der weilet gern allein.
Er ahnt, daß sie ihn wieder liebt,
Von ihm geliebt will sein.

Sie kränzt den Becher und Altar,
Vergöttlicht Lust und Pein.
Was sie ihm gibt, es ist so wahr,
Gewährt ein ewig Sein.

Es blühet hell in seiner Brust
Der Lebensflamme Schein.
Im Himmlischen ist ihm bewußt
Das reine irdsche Sein.


Bettina von Arnim

Aber noch steht er da...

... also los!! - Diese fast bedrohlich wirkende Anzeige im Bonner Hauptbahnhof fotografierte ich um 17.02 Uhr.

Strukturelle Zombies in der christlichen Landschaft

ERF.de: Also sind Sie gegen kirchliche Strukturen?
Patrick Hamilton: Organisationen und Strukturen sind im Grunde weder gut noch schlecht. Aber man muss sich fragen, ob es im christlichen Lager Glaubensrichtungen oder Werke gibt, die zwar als Organisation noch vorhanden sind, aber dem biblischen Ursprungsauftrag nicht mehr adäquat nachkommen. Oder frech gefragt: Wie viele Zombies liegen in der christlichen Landschaft denn rum, die man schon längst zu Grabe hätte tragen müssen? Viele Strukturen haben zu ihrer Zeit sehr wohl ihren Platz gehabt, aber heißt dies, dass das heute noch so gelten muss? War man vielleicht zu feige, zu sagen, dass ihre Zeit vorbei ist?

Aus: Gemeinde ohne fromme Sahne. Hauszellen in Deutschland, erf.de

Ein fest vergessener Dichter





Ein Leben

Ein Bündel Laub
hing im Gebälk
an einer Stange
und wurde welk
und Staub.
Aber sein Duft
blieb in der Luft
noch lange.
Das war seine Seele.

Kurt Heynicke




(Text und Bilder aus: Kurt Heynicke

Wohlgerüstet

Aufgenommen in der Dauerausstellung auf Schloss Glatt bei Sulz am Neckar.

Geschlechterrollen in der muslimischen Welt des 19. Jahrhunderts

Huma Yusuf hat an der medizinischen Hochschule in Karachi einen Vortrag über Islam und Homosexualität gehört. Bis zum 19. Jahrhundert war die muslimische Welt relativ tolerant im Umgang mit Homosexuellen, referiert sie. Das lag unter anderem daran, dass in den islamischen Kulturen "die selben Auffassungen von Schönheit für Männer und Frauen galten. Der Vortragende zeigte mehrere Miniaturmalereien aus der Ära Abbasid, in der Männer und Frauen ununterscheidbar waren (betrachten Sie die berühmten Illustrationen von Sha Abbas mit einem Wein-Jungen). Männer trugen Make-Up und hüllten sich in Kleider und Juwelen, während Frauen mit flaumigen Schnurrbärten als besonders attraktiv galten (offenbar malten sich Frauen sogar Schnurrbärte auf, um hübscher zu erscheinen)." Erst die Kolonialmächte, mit ihrer strikten Vorstellung davon, was männlich und was weiblich ist, bereiteten dieser Laxheit ein Ende.


Himmelsfarben

Über Essen am 7. August 2009.

Deine Welt ist unser Kreuz

Gesehen in der Ausstellung "Christus an Rhein und Ruhr" im Bonner August-Macke-Haus. Das Gedicht steht (in alter Rechtschreibung) auch schon in der "Menschheitsdämmerung", S. 76. Aber auf so einem Wandplakat wirkt es noch einmal anders.

Die Fragen

Wie komme ich hierher?
Was tue ich hier?
Wer bin ich eigentlich?
Die Urfragen des Lebens stellen sich auf Reisen noch einmal schärfer, in erschreckender Klarheit.
Urlaub ist der Ernstfall des Existierens.

Ein- und Ausfahrt freihalten

Gesehen in Essen-Werden.

Opera 2.0

Um dem Ruch entgegenzuwirken, eine verschnarchte, übersättigte Institution zu sein, macht das Londoner Royal Opera House immer wieder einmal mit medienwirksamen Aktionen auf sich aufmerksam - sei es durch verbilligte Karten exklusiv für Leser der Sun, sei es durch kontroverse Expansionspläne. Mit diesem neuesten Gag scheint sich das Haus in Covent Garden jetzt als Oper der SMS-Generation etablieren zu wollen: Es hat die Öffentlichkeit aufgerufen, sich an der Entstehung einer sogenannten Twitter-Oper zu beteiligen.

Gemeinsam können die Nutzer der Internetplattform, auf der normalerweise per Kurznachricht abgefasste Blogs erscheinen, mit Beiträgen von je maximal 140 Zeichen ein Libretto schreiben. Jeder, der Twitter-Mitglied ist, kann mitmachen. Laut Covent-Garden-Sprecherin Alison Duthie soll so eine "Volksoper" entstehen. Es sei "die perfekte Art", alle an Oper "als ultimative Form des Geschichtenerzählens teilhaben zu lassen". So sollen laut Duthie neue Hörerschichten für die Form erschlossen werden. Das Ergebnis wird mit eigens komponierter Musik von Helen Porter sowie bekannten Arien-Melodien unterlegt.

Am ersten Akt haben sich rund 40 Teilnehmer beteiligt. Bisher entwickelt sich die Story des noch titellosen Werkes ziemlich märchenhaft: Der Held, Hans, ist von einer Gruppe von Vögeln in ein Turmverlies entführt worden, nachdem er einen von ihnen getötet hat. Eine Frau, die ihm helfen will, sucht derweil nach einem Serum, das helfen soll, die Sprache der Vögel zu verstehen. Weitere Rollen spielen eine singende Katze und ein "Fisch-Schwert". Eine erste literarische Klimax erreicht das Libretto mit dem Vogelchor, der, twittergerecht, "tweet tweet tweet" singt.

Uraufgeführt werden soll die Twitter-Oper am 5. und 6. September am Royal Opera House, allerdings nicht vollständig. Zwei Sänger werden diverse Rollen übernehmen und Auszüge vortragen.


Alexander Menden: Oper-Gezwitscher. Royal Opera House lässt auf Twitter Libretto schreiben, sueddeutsche.de 12.08.2009

Warum nicht? Verworrener als manches bekannte Libretto wird es kaum werden. Die obigen Andeutungen der Handlung deuten darauf hin, dass die twitternden Opernfreunde voll in die Kiste der Zauberoperntradition greifen.

Grabesengel und Gottesmutter

Auf dem Alten Friedhof in Bonn und in der Pfarrkirche von Glatt in Württemberg

Sohn, Gatte, Vater, Bruder und Mensch

Grabinschrift auf dem Alten Friedhof in Bonn