Mittwoch, 28. November 2007
Dienstag, 27. November 2007
Das große Suchen

"Die Dokusoap mit dem umstandslos knappen Titel 'Bauer sucht Frau' ist derzeit der Quotenrenner überhaupt. Mit jeder neuen Folge der mittlerweile dritten Staffel schauen noch mehr Leute zu, an diesem Montag waren es über acht Millionen. Bauernpräsident Gerd Sonnleitner äußerte sich im Spiegel ungehalten: Die Sendung vermittle ein unrealistisches Bild, der heutige Bauer kenne gar kein Nachwuchsproblem und sei überhaupt viel fortschrittlicher als in der RTL-Show dargestellt. Aber wie dem auch sei - Fernsehen ist ja nicht unbedingt dann am erfolgreichsten, wenn es Realismus betreibt, sondern eben dann, wenn es seinem Zuschauer Wohlbehagen verschafft." (Süddeutsche Zeitung 27.11.2007)
Tatsächlich hat nach wie vor alles, was mit Partnersuche, Dating und Liebe zu tun, Dauerkonjunktur. Wie auch nicht in dieser Welt der funktionierenden Menschen mit den einsamen Herzen?

Ein gelungenes Beispiel für die mediale Umsetzung des Themas ist Ralf Westhoffs Filmkomödie "Shoppen" aus dem Jahr 2006. Der Episodenfilm macht uns mit acht Männern und acht Frauen bekannt, die sich zum Speed-Dating treffen, und skizziert ein insgesamt wohl zutreffendes Bild des Single-Lebens mit all seinen Nöten und Hoffnungen - nicht nur in München.
Ein Grund zum Aufatmen? Schon im Jahr 2000 schlechter...
Grinzing

Im Weinvorort Grinzing (der - bislang vergeblich - um den Status als Weltkulturerbe ringt), ist Wien ganz beschaulich, fast schon ländlich.
Mein Stundenplan an der dortigen "Bundeslehranstalt für wirtschaftliche Berufe" beschert mir fast jede Woche einige Freistunden, und wenn das Wetter nicht allzu garstig ist, lädt die Umgebung zu angenehmen Spaziergängen ein.
Von der Wiener Lieblingsbeschäftigung und der sozialen Teilung
Shoppingcenter üben auf Wiener nach wie vor eine besondere Anziehungskraft aus. In keinem anderen Bundesland ist die Einkaufszentrumsdichte so hoch wie in der Bundeshauptstadt. Auf einen Stadtbewohner kommen derzeit 25 Quadratmeter Shoppingmall – Tendenz steigend."

Der Standard bringt es in seiner heutigen Ausgabe (27.11.2007) auf den Punkt, was auch mein Eindruck ist: Wien ist eine Einkaufsstadt par excellence, wobei ich mich immer frage, woher die Menschen beim hiesigen Niveau der Löhne und Gehälter eigentlich das Geld nehmen. Der weitere Text des Artikels zeigt aber auch die Grenzen auf:
"An sämtlichen neuen Bahnhöfen, die in den nächsten Jahren in Wien gebaut werden sollen, entstehen neue Einkaufsflächen. 60.000 Quadratmeter sind derzeit insgesamt geplant. Da ist das gigantische Shoppingmall-Projekt, das Frank Stronach in Rothneusiedl verwirklichen will, noch gar nicht mit eingerechnet.
Harte Konkurrenz für die 100 Wiener Einkaufsstraßen. Zumal ein Gutteil der auf kleineren Konsummeilen angesiedelten Geschäfte bereits jetzt ums Überleben kämpft.“
Faktisch gibt es bei den Einkaufsstraßen und den Shoppingmalls eine ziemlich deutliche soziale Trennung, wie auch sonst im täglichen Leben: Hier die Besserverdienenden (viele Österreicher, die Diplomaten und Mitarbeiter internationaler Firmen und Institutionen, die Arbeitsimmigranten aus der Managementetage) - dort die Anderen, die sozial mehr oder weniger deklassierten Einheimischen und die Einwanderer: Menschen aus dem früheren Jugoslawien, aus der Türkei, aus den Ländern des vormaligen Ostblocks. Wien ist eine zweigeteilte Stadt, neben dem Glamour ist die Armut unübersehbar. Das ist nicht anders als in Berlin oder in London, bei einer Stadt dieser Größe wohl unausbleiblich, hier durch die österreichische Zuwanderungspolitik der letzten zwanzig Jahre sicher forciert.
Der Unterschied
Verspätet und kuchenlos: Joseph von Eichendorff
"1813 beschließt der fünfundzwanzigjährige Joseph von Eichendorff, sich dem Lützowschen Freikorps anzuschließen. Er will sich am Kampf gegen Napoleon aktiv beteiligen. Sein Kampfeswille aber bleibt wirkungslos, weil er lange Zeit nicht genügend Geld hat, um sich eine Uniform, ein Gewehr und ein Pferd zu kaufen. Als ihm dies doch noch gelingt, ist der Krieg vorbei. (…)
Eichendorff selbst kam meist zu spät und fing schon bei der Geburt damit an. In seinen Lebenserinnerungen, die Fragment geblieben sind, heißt es dazu: 'Der Winter des Jahres 1788 war so streng, dass die Schindelnägel auf den Dächern krachten, die armen Vögel im Schlaf von den Bäumen fielen und Rehe, Hasen und Wölfe ganz verwirrt bis in die Dörfer flüchteten Die Konstellation war überaus günstig. Jupiter und Venus blinkten freundlich auf die weißen Dächer, der Mond stand im Zeichen der Jungfrau und musste jeden Augenblick kulminieren.'
Eichendorff wurde in diesem Augenblick auf der Welt erwartet, ließ sich aber Zeit: 'Um ein Haar wäre ich zur glücklichen Stunde geboren worden, ich kam gerade nur um anderthalb Minuten zu spät, und zwar in der Konfusion mit den Füßen zuerst ...' So sah Eichendorff zeitlebens dem armen Jungen ähnlich, der bei der Hochzeit beinahe ein Stück Kuchen bekommen hätte.
Dieser arme, kuchenlose Junge aber hatte die dichterische Kraft, das deutsche Zuspätkommen mit all seinen melancholischen Folgen auf eine unvergängliche Weise darzustellen. Als in der Erzählung 'Aus dem Leben eines Taugenichts' der Held sein Rendezvous mit der Geliebten verpasst, seufzt er: 'So geht es mir überall und immer. Jeder hat sein Plätzchen auf der Erde ausgesteckt, hat seinen warmen Ofen, seine Tasse Kaffee, seine Frau, sein Glas Wein zu Abend, und ist so recht zufrieden... Mir ist's nirgends recht. Es ist, als wär ich überall eben zu spät gekommen, als hätte die ganze Welt gar nicht auf mich gerechnet.'"
Wolfgang Lepenies zum 150 Todestag Eichendorffs in der Welt ("Der ewig späte Taugenichts")Montag, 26. November 2007
Politik mit Buchstaben
„Bei seiner großen Schriftreform von 1928 hatte der Republikgründer Kemal Atatürk festlegen lassen, mit welchen Buchstaben Türkisch in Zukunft geschrieben werden sollte und alle übrigen verboten. Obwohl das Verbot eigentlich nur für das Türkische gedacht war und die alte, aus dem Arabischen abgeleitete osmanische Schrift verdrängen sollte, wird es heute von der türkischen Justiz auch als Mittel zur Unterdrückung des Kurdischen gebraucht. Jüngstes Beispiel ist ein Brief eines Kurden an den Premierminister in Kurdisch, der zu mehreren Strafverfahren führte. Dabei hatten die Anklagebehörden auch die verbotenen Buchstaben für strafwürdig befunden.“ (Die Presse 23.11.2007)
Ein kulturelles Zugeständnis von hoher Symbolkraft, langfristig gewiss ein besserer Weg als militärische Interventionen...
Sonntag, 25. November 2007
Samstag, 24. November 2007
Begrüßenswert - und doch rätselhaft
Die zum REWE-Konzern gehörende österreichische Supermarktkette "Billa" (Werbespruch: "Billa ... sagt der Hausverstand") hat bekannt gegeben, ihre Geschäfte am Samstag, dem 8. Dezember geschlossen zu halten. Der Tag "Mariä Empfängnis" ist in Österreich zwar schulfrei (das betrifft heuer nicht mehr so viele Schüler, weil er auf einen Samstag fällt), gilt aber nicht als offizieller Feiertag.„Das Wetteifern im Lebensmittelhandel erreicht eine neue Dimension. An einem der wichtigsten Einkaufstage des Landes, dem 8. Dezember, schließt Billa heuer die Ladentüren. ‚Wir stellen diesen Tag den Mitarbeitern zur freien Verfügung’, sagt Volker Hornsteiner, Vorstandssprecher von Billa. Denn gerade die Vorweihnachtszeit sei ohnehin sehr stressig für Handelsbeschäftigte.
‚Das ist ein Paukenschlag’, urteilt Handelsexperte Peter Schnedlitz von der Wiener Wirtschaftsuniversität. Als Belohnung für die Beschäftigten sieht er die Schließung aber nicht. ‚Der eine oder andere Mitarbeiter hätte bei dem ohnehin kärglichen Lohn sicher lieber die 200 Prozent Zuschlag als einen Ruhetag.’ Lob für Billa kam hingegen von Kardinal Christoph Schönborn („Es gibt immer wieder Zeichen, die Hoffnung machen.“), der Gewerkschaft und der Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium, Christine Marek (ÖVP).
Laut KMU Forschung Austria haben rund 70 Prozent der Geschäfte am 8. Dezember offen. Weil heuer der Feiertag auf einen Samstag fällt, rechnet Peter Voithofer von der KMU Forschung Austria mit noch mehr offenen Geschäften als sonst. Dass andere dem Beispiel von Billa folgen, glauben Experten nicht. Spar hat bereits angekündigt, am 8. Dezember offen zu halten. Man habe gegenüber Kunden eine Verpflichtung, die betroffenen Mitarbeiter würden freiwillig und gern arbeiten, sagt Spar-Sprecherin Nicole Berkmann. Und sogar andere Marken des Rewe-Konzerns wie Merkur und Penny öffnen am Marienfeiertag.“ (Die Presse 24.11.2007)
Ein wenig rätselhaft erscheint die Sache schon: Handelt es sich um eine Werbeaktion, um sich bei kirchennahen Käuferschichten ein positiveres Image zu verschaffen - oder geht es nur um Einsparungen?
Freitag, 23. November 2007
Was sich die "Grüne Jugend" in Deutschland so denkt
„Der Grundpfeiler einer freien und toleranten Gesellschaft ist eine freie und tolerante Familie. Familie ist die kleinste Einheit in einer Vielzahl an Individuen und Gemeinschaftsformen. Der Begriff „Familie“ wird bei uns in erneuerter Definition verwendet: Wir verstehen darunter sowohl das klassische Vater-Mutter-Kind-Bild, als auch gleichgeschlechtliche Partnerschaften mit oder ohne Kind, polygame Lebensgemeinschaften, Patchworkfamilien, Alleinerziehende aber auch Wohngemeinschaften wie Studierenden-, Mehrgenerationen-, und Senioren-Gemeinschaften oder ganz einfach der engste Freundeskreis. Im Mittelpunkt der Definition steht die Solidarität untereinander, das Füreinanderdasein. Dies wollen wir rechtlich mit einem Familienvertrag absichern und damit die Ehe ersetzen.
(…)
Frei von Religion und Leitkultur
Viel zu häufig wird übersehen, dass unsere Gesellschaft und die westeuropäischen Staaten mit ihrer Gesetzgebung nicht nur das Resultat von Aufklärung, Industrialisierung und moderner Wissenschaft sind, sondern auch einer nicht zu verleugnenden christlichen Prägung. Doch damit stehen wir nicht am Ende der Entwicklung. Migration und Globalisierung entfalten ihre Wirkung in der Gesellschaft und müssen daher auch ihren Niederschlag in Staat und Gesetzgebung finden. Das passiert bislang viel zu wenig! Natürlich darf Politik nicht den anmaßenden Versuch unternehmen, in einer Welt des Pluralismus das politische Leben nach den Prinzipien einer bestimmten Religion gestalten zu wollen. Politik und der Staat müssen verschiedene Religionen bzw. Religiosität als Element einer pluralistischen Gesellschaft wahrnehmen, akzeptieren und schützen.
Die Freiheit der Religionsausübung ist ein Menschen- und Grundrecht, für das wir uns überall einsetzen. Wir fordern gleiches Baurecht für alle Religionsgemeinschaften und die Ausbildung von religiösen Geistlichen an deutschen Hochschulen. Religionsfreiheit heißt aber nicht, dass religiöse Werte über die Menschenwürde und anderer persönlicher Freiheitsrechte gestellt werden können. Dies gilt für alle Religionen gleichermaßen. So verlangt die GRÜNE JUGEND von allen MuslimInnen im Umgang mit Frauen, Homosexualität, der Trennung von "Staat und Kirche" und Gewalt als Mittel der Auseinandersetzung das Gleiche ab wie von anderen Religionsgemeinschaften. Eine Stigmatisierung jedweder Religion, welche sich verfassungskonform verhält, lehnen wir ab.
Die GRÜNE JUGEND steht für die Freiheit des Denkens und Handelns für alle Menschen. Nur durch diese Vielfalt können eine offene und tolerante Gesellschaft und eine demokratische Meinungsbildung entstehen. Wir richten uns aber klar gegen diejenigen, die sehenden Auges die Erfahrungen und Erkenntnisse unserer Geschichte revidieren wollen oder gar künstliche Wahrheiten verbreiten, um eigene Interessen durchzusetzen. Unsere Gesellschaft baut ausdrücklich auf einem humanistischen Weltbild auf.Der Religionsunterricht gehört deshalb aus der Verfassung gestrichen – jede Form von Schöpfungstheorie raus aus dem Unterricht. Stattdessen fordern wir einen gemeinsamen Weltanschauungsunterricht, der alle Konfessionen - auch den Islam – berücksichtigt. Ebenso wenig wie in Politik und Schule, gehören religiöse Regeln in die Gerichtssäle. Wir sind gegen eine soziokulturelle Rechtfertigung von Straftatbeständen. Beim Tragen von religiösen Symbolen in öffentlichen Einrichtungen muss eine konsequente Gleichbehandlung stattfinden.“
Aus dem Leitantrag "Gemeinsam frei leben" auf dem 29. Bundeskongress der Grünen Jugend in Würzburg (2.-4. 11. 2007)Da wird es einem Pfarrer schon etwas mulmig. Eine Gesellschaft, wie sie diese jungen politischen Träumer sich ersinnen - wie sähe die wohl aus?
Wie wahr...
Workshop beim 29. Bundeskongress der Grünen Jugend in Würzburg (2.-4. 11. 2007) unter dem Leitthema "gemeinsam frei leben".
Am Abend fast überall tot...
Besser als das Original - Vom richtigen Leben im Falschen
Ankündigungstext für die gestrige Folge von "Der Tag" auf hr2, einer der intelligentesten Reihen in der gesamten ARD.
Warum sprang mir das so in die Augen? Vielleicht weil ich es in Wien so stark empfinde, in einer Welt des schönen Scheins zu leben...
Montag, 19. November 2007
Blick vom Stephansdom
Immer wieder überraschend schön: Die Fotoserien auf derstandard.at, die ungewohnte Blicke eröffnen... ("Wien von oben")Rätselhaftes Wien
Donnerstag, 15. November 2007
Der Winter probiert sein Gwand

"Das Wiener Stadtgebiet erreichte der Schneefall in den Nachmittagsstunden des Donnerstag. Besonders die höhergelegenen Gebiete im Westen Wiens waren am meisten von den starken Schneefällen betroffen, auf den Hauptdurchzugsstraßen kam es im Abendverkehr zwar zu Behinderungen, aber vorerst zu keinen größeren Unfällen. (...)
Während im Westen, vor allem am Arlberg und in den nördlichen Ausläufern des Silvretta-Samnaun-Gebiets, die Lawinensituation als extrem kritisch eingestuft wird, herrscht im Osten vorerst weitgehend business as usual. Dennoch wurde für Teile Wiens die Schneewarnstufe "rot" verhängt. Besonders betroffen dürften die Bezirke Hietzing, Liesing und Meidling sein, wo 20 Zentimeter Neuschnee erwartet werden." (derStandard.at)
In den westlichen Bezirken im Schatten des Wienerwaldes ist nicht so arg, in der Inneren Stadt natürlich auch nicht. Trotzdem legt sich eine andere Stimmung über die Stadt und ihre Menschen...
Dienstag, 13. November 2007
Und wenn der Wind die Wolken vertreibt...
Besser verzichten...?
Im reiferen Alter
Montag, 12. November 2007
Hegel wäre wohl total erstaunt...
Die Presse: Papst Benedikt XVI. sieht den Säkularismus unserer Tage geradezu als Sünde. In Ihrem Buch „A Secular Age“ sind Sie viel verständnisvoller: Die Entwicklung sei nicht umkehrbar. Folgen Sie als Katholik denn überhaupt noch dem rechten Glauben?
Charles Taylor: Ich verwende den Begriff Säkularität, der ist ein Faktum, kein Ismus. Schauen Sie sich die ungeheuren Möglichkeiten der Spiritualität heute an und vergleichen Sie die mit dem 18.Jahrhundert. Damals war die Welt nicht so synkretistisch wie die unsere. Das kann man nicht mehr ändern. Die Kirche muss lernen, in dieser Art von Welt zu operieren. Wir sind dem Römischen Reich näher als dem Mittelalter. Die Christenheit stirbt, nicht aber das Christentum, das ist sehr lebendig. Der Papst spricht über Säkularismus als Doktrin, da gibt es hunderte Variationen. Man kann sie nicht zusammenfassen, schon gar nicht mit dem Wort „Relativismus“. Ich sehe also die Welt nicht so, wie er sie sieht.
Was gewinnt man, was verliert man in dieser Entwicklung der Moderne? Gibt es auch gefährliche Entwicklungen der Aufklärung?
Taylor: Von Vorteil ist, dass man die Krücken verliert, von denen wir abhängig waren, weil alles außerhalb des Katholischen lächerlich gemacht wurde. Das Negative: Dass wir das Verständnis der Sprache der Bibel langsam verlieren. Sie ist so tief und spirituell, wir brauchen diese Ausdrucksform, aber diese Sprache verarmt bei uns. Das ist ein massiver Verlust. Zum Rationalen: Wenn sie zu eng gesehen wird, ist das schlecht. Zur Wahrheit gelangt man nicht allein auf diesem Weg, es gibt immer einen Rahmen, in dem man sich artikuliert, Logik und Empirie können ihn nicht ganz umfassen. Es kommt darauf an, wie tief eine Sprache greift, um die Welt zu begreifen. Dann können wir rationale Kritik aneinander üben, ohne jemals an einen klaren Ursprung zu kommen. Rationalismus ist immer auch mit einem bestimmten Standpunkt verbunden.
Ist die Wahrheit für Sie also symphonisch?
Taylor: Wir versuchen letztendlich, Fragmente zusammenzustückeln und dadurch die Welt zu begreifen. Am Ende sollte, glaube ich, alles zusammenpassen.
Der Dichter W. B. Yeats schrieb 1921 im Gedicht „The Second Coming“ prophetisch: „Things fall apart, the center cannot hold.“ Ist das auch noch unsere Situation?
Taylor: Das passiert ständig, wir fallen immer wieder aus früheren Weltbildern, die für uns Sinn ergaben, aber nicht so total wie in diesem apokalyptischen Gedicht.
Sie sind ein Hegel-Interpret. Wenn dieser deutsche Philosoph heute von den Toten auferstehen würde, was ich nicht annehme, und unsere Welt sähe, was wäre seine Reaktion, vor allem in Bezug auf die Religion?
Taylor: Er wäre wohl total erstaunt. Er hat sich bei der Prognose leider in ein Eck gestellt, weil für ihn der große Niedergang der Religion zugleich auch einer der ganzen modernen Zivilisation gewesen wäre. Laut Hegel können die Wahrheiten der Philosophie, die nur von einer Minderheit durchdringend verstanden werden, von der gesamten Gesellschaft nur gelebt werden im Register der Religion. Ihr Verschwinden reißt solch ein großes Loch in sein Konzept, dass seine Reaktion nur schwer vorstellbar ist.
Und wieder droht PISA...
"Österreich hat ein eigenartiges Verhältnis zu dieser unter der Ägide der OECD durchgeführten Arbeit. 2001 war Jubel angesagt, lagen wir doch im guten Mittelfeld, vor allem aber einige Ränge vor Deutschland. 2004 haben uns die Deutschen überholt, Katzenjammer war die Folge. Jetzt wird ein weiteres Abrutschen befürchtet bzw. vorhergesagt. Manche obrigkeitshörige Österreicher glauben sowieso an jedes Ranking, das aus dem Ausland kommt, andere instrumentalisierten flugs die Ergebnisse nach dem eigenen politischen Gutdünken. Dass man die Pisa-Ergebnisse unabhängig vom Länder-Ranking auf Österreichs Schulwirklichkeit herunterbricht, (und damit Pisa einen fachlichen Stellenwert gibt) – dieser Arbeit unterzieht sich kaum jemand.
In Deutschland scheint klar, dass Pisa ein Votum für das differenzierte Schulsystem ist, lagen doch Bayern und Baden-Württemberg mit ihrer Vielfalt an Schulformen klar vor den Gesamtschulländern im Norden Deutschlands. Diametral anders die Interpretation in Österreich: Da wir nun einmal mittelmäßig bis miserabel abschneiden, müsse sich das Land an dem Pisa-Sieger Finnland messen. Und dort gibt es die Gesamtschule, also muss sie auch für Österreich gut sein.
Ob die österreichische Schülerpopulation mit jener aus Finnland zu vergleichen ist, ob nicht der exorbitant hohe Immigranten-Anteil hierzulande eine andere Ausgangsposition schafft, wurde erst gar nicht ansatzweise erörtert. Das hätte vielleicht manche Schlagzeile zunichte gemacht, manche politische Attacke als Schaumschlägerei entlarvt. Die Oppositionsseite rief im Dezember 2004 (Veröffentlichung der Pisa-Studie 2003) den politischen Notstand aus, die damals für die Schulbelange zuständige ÖVP bunkerte sich ein. Die Folge war eine verkrampfte Bildungspolitik, bisweilen auch deren Stillstand. Zahlreiche Politiker pilgerten nach Finnland, um sich Anleitungen für ihre Politik zu holen. Kaum jemanden verschlug es zum Pisa-Zweiten Korea, wo ein uniformer Drill das Schulgeschehen prägt. Allein die Reihung Koreas knapp hinter Finnland zeigt, wie sehr die Ergebnisse einer Interpretation bedürfen.
Die Hysterie in Österreich, die sich schon drei Wochen vor der (offiziellen) Verkündung der Ergebnisse breit macht, werden auch wissenschaftliche Expertisen kaum mildern können. Man sollte Pisa analysieren, was für das österreichische Verständnis wichtig ist, was nicht. Die Kernfrage ist freilich: Streben wir eine gleichgeschaltete Bildung an, eine, die man nach den gleichen Parametern rund um den Globus messen kann?
Österreich kann durchaus auch selbstbewusst sein – wenn es um seine Geschichtstradition und das mitteleuropäische Erbe geht, um seine großen Musiker und die gegenwärtige Staatsoper. Gewisse Mängel sind bekannt, ohne Zweifel, fehlende Mobilität und Internationalität gehören dazu. Andere Länder haben wiederum ihre spezifische Eigenheiten, mehrere Länder liegen bezüglich ihres Kulturverständnisses tatsächlich auf einer Linie. Und jetzt soll alles über einen Kamm geschoren werden? Nach acht Schuljahren sollen die Burschen und Mädchen aus Österreich die gleichen Antworten liefern wie ihre Altersgenossen in Japan, Irland und Mexiko? Das kann doch wahrlich nicht das Ziel sein!" (Die Presse 12.11.2007)
Sturmflut auf Helgoland
Todesangst und Kunstgeschmack
So bezeichnen die Versuchsleiter Jeff Greenberg und Tom Pyszczynski von der University of Arizona in Tucson ihre verbale Spritze schwach dosierter Todesangst, deren Wirkung sie bei Versuchspersonen beobachten wollen. Die beiden Psychologen und ihre Kollegen erforschen existenzielle Sorgen. Sie betreten mit ihren Experimenten ein Terrain, das bislang meist der philosophischen Spekulation und den Religionen überlassen blieb.
Hinter den Versuchen steckt eine Theorie des Anthropologen Ernest Becker, der mit seinem Buch 'The Denial of Death' 1974 den Pulitzer-Preis gewann. Seine Argumentation: Menschen haben ebenso wie Tiere einen unbedingten Überlebenswillen. Doch die Fähigkeit zu symbolischem Denken verleiht Homo sapiens eine Vorstellung der Zukunft. Deshalb leben Menschen mit der Gewissheit, dass sie sterben werden. Irgendwann. Dieses einzigartige Wissen erzeugt eine unterschwellige Angst, die jederzeit akut werden kann. Ein Gang zum Friedhof, Bilder von einem Unfall, der Anblick eines alternden Menschen - ganz alltägliche Dinge können ausreichen, um die Angst vorm Sterben an die Oberfläche zu spülen, ganz so wie die tückische Frage aus dem Greenberg-Experiment.
Die Reaktionen auf die bewusste Erinnerung an den Tod folgen einem Muster. Erst werden die düsteren Gedanken verdrängt: 'Ich bin jung und kerngesund - der Tod ist weit weg.' Doch auch nachdem der Aufmerksamkeitsfokus derart verlagert wurde, arbeitet die Angst weiter. 'Terror-Management' nennen Psychologen diese automatisch einsetzenden Schutzreaktionen.
Damit Sterblichkeit nicht Sinnlosigkeit bedeutet, wollen wir uns beweisen, dass wir ein sinnvoller Teil eines sinnvollen Universums sind. Eine mögliche Strategie besteht darin, das Selbstwertgefühl direkt zu steigern - durch Sport, Diäten oder gar Schönheitsoperationen. Eine andere setzt stärker auf die Übernahme kultureller Weltsichten. Es tröstet, sich als Mosaikstein eines Ganzen zu sehen: einer das eigene Ende überdauernden Kultur, Wertegemeinschaft oder Nation beispielsweise. Teil von etwas Größerem zu sein verheißt symbolische Unsterblichkeit. Aus Angst vor dem Tod fordern wir mehr vom Leben und inszenieren ein großes Kino der Endlichkeitsverweigerung.
Damit das alles nicht graue Theorie bleibt, haben sich die Forscher um Jeff Greenberg ein experimentelles Design ausgedacht, mit dem sie prüfen wollen, wie sich die Konfrontation mit morbiden Gedanken auf das Verhalten der Probanden auswirkt. Beispielsweise 2006 in einem Versuch, der einem Zusammenhang zwischen Todesgewissheit und Kunstgeschmack nachging. Die Psychologen aus Arizona erwarteten, dass die ästhetischen Vorlieben bei Erinnerung an den Tod konservativer ausfallen würden. Denn das erhöhte Bedürfnis nach Sinn und Struktur werde von leicht fassbaren gegenständlichen Werken besser erfüllt als von verwirrender, abstrakter Kunst. So jedenfalls die Theorie.
Angst vor der Vergänglichkeit trübt den Sinn für abstrakte Kunst
Nach einigen Aufgaben, die das eigentliche Interesse der Sterblichkeitsforscher kaschierten, stellten die Versuchsleiter ihre Standardfrage über den Tod. Die Kontrollgruppe dagegen wurde nicht mit dem Thema Sterben konfrontiert, sondern nur an eine Examensarbeit erinnert, die in ihrer Ausbildung wichtig war. Es folgten ein Stimmungstest, der bei beiden Versuchsgruppen ähnlich ausfiel, und ein paar Seiten Literatur zum Schmökern. Vergangene Experimente hatten nämlich gezeigt, dass die Terror-Management-Strategien ihre Wirkung am stärksten nach einer Verzögerung entfalten.
Die Forscher fanden ihre Hypothese bestätigt: Wer sich den Tod vergegenwärtigt hatte, reagierte ablehnender auf abstrakte, schwer fassbare Kunst. Sie wurde von den Probanden auf einer Skala von eins bis neun im Schnitt mit einer reservierten 3,9 bewertet. Teilnehmer, die nur an eine schwere Prüfung denken mussten, zeigten sich mit einer durchschnittlichen 5,8 schon eher angetan. Moderne Kunst, so die existenziellen Psychologen, stelle ein 'Fenster ins Nichts' dar: Todesgewisse Probanden blickten lieber daran vorbei.
Derselbe Mechanismus beeinflusst eine Vielzahl anderer Verhaltensweisen - vom Kaufverhalten bis zum sportlichen Ehrgeiz. Das zeigten Greenberg und seine Mitarbeiter in über 250 Experimenten, die allesamt nach demselben Schema abliefen wie die Versuche zum Kunstgeschmack. Laut einer Studie von 2003 mindert Todesangst sogar die Kritikfähigkeit: US-Amerikaner bewerteten fiktive Aussagen, die das eigene Land in ein schlechtes Licht rückten, viel negativer, wenn sie zuvor an die eigene Sterblichkeit erinnert worden waren. (…)"
Sonntag, 11. November 2007
Noch immer...
Eine Stadt ohne ein Kaufhaus
In Fülle und Weite
Teresa von Avila
Universeller Tod
LEBEN
Ich kam - woher? Ich gehe - wohin?
Das Woher und Wohin des Menschen ist kein Geheimnis mehr. Nach den wichtigsten allgemeinen Erläuterungen zum Thema Leben nach dem Tod werden in diesem Büchlein die 75 meistgestellten Fragen mit den Antworten dazu wiedergegeben.
Jeder stirbt für sich allein
Das Leben und Sterben, um weiterzuleben
Dieses Buch geht jeden an, der von der Angst vor dem Tod zum bewußten Leben, zu Sicherheit, Gelassenheit und innerer Standfestigkeit finden möchte. Denn, so schreibt Gabriele: „Wer sein Leben zu verstehen lernt, fürchtet sich nicht mehr vor dem Tod." Darüber hinaus werden viele Missverständnisse und Irrlehre aufgeräumt und erläutert z.B., wie die frühchristliche Lehre der Reinkarnation plötzlich verurteilt wurde – und mit welchen verheerenden Folgen.
Dein Leben im Diesseits ist dein Leben im Jenseits
Angst vor dem Sterben? Wie wird es sein - danach? Das Unbehagen vor dem Tod verliert sich, sobald wir uns mit den größeren kosmischen Zusammenhängen des Lebens vertraut machen. Dieses Buch vermittelt uns bisher unbekanntes geistiges Wissen, z.B. über: Lebensspanne und Todesspanne des Menschen - Was geschieht, wenn der Körper stirbt? - u.v.m.
SEIN AUGE - Die Buchhaltung Gottes
Der Mikrokosmos im Makrokosmos
Eine umfassende Erläuterung der vielschichtigen Zusammenhänge zwischen dem All, dem Makrokosmos, und dem Menschen, dem Mikrokosmos. Der Leser erhält erstmals tiefe Einblicke in dieses mächtige Kommunikationsnetz, in das All-Netz »Senden und Empfangen«, in die gigantische »Buchhaltung Gottes«.
Die kosmische Uhr und das Netzwerk Deiner Haut
Dein Schicksal liegt in Deiner Hand
Alle Ereignisse in dieser Welt und im Leben des einzelnen Menschen vollziehen sich entsprechend dem Lauf der Kosmischen Uhr. Kann der Mensch den Gang dieser Uhr beeinflussen? Und welche Auswirkungen hat es, dass das Pendel der Kosmischen Uhr immer schneller schlägt?
Donnerstag, 8. November 2007
Liebenswerte Selbstironie

































