Samstag, 17. Mai 2008

Döbling

Das Universalmittel

Mit Gebeten gegen hohen Benzinpreis

Nicht nur in Deutschland und Europa, auch in den USA haben die Benzinpreise neue Rekordhöhen erreicht. Um diesen Trend aufzuhalten, beten Mitglieder einer neu entstandenen gläubigen Bewegung "Prayer at the Pump" an verschiedenen Tankstellen für billigeres Benzin. "Das Gebet ist die Antwort auf jedes Problem", so die Überzeugung der Gruppe.

Um den stetig steigenden Benzinpreisen entgegenzuwirken, treffen sich die Mitglieder der Bewegung "Prayer at the Pump" ("Beten an der Zapfsäule") direkt an den Tankstellen zum gemeinsamen Gebet, berichtet "Spiegel Online". Bis zu 200 Leute kommen an einem Wochenende zusammen und beten um den Segen des Allmächtigen und bitten ihn um seine Kraft, die hohen Benzinpreise zu drücken.

Der Anführer der Bewegung, Rocky Twyman, schaffte es auf diesem Weg in zahlreiche Medien. Radio- und Fernsehinterviews im ganzen Land machen den Rentner und seine Bewegung bekannt. Twyman wird hauptsächlich von einer Ex-Schönheitskönigin, einem Inhaber einer kleinen Baufirma und zwei Freiwilligen einer Suppenküche unterstützt. Sie treffen sich in San Francisco und in der Hauptstadt Washington D.C. Eine Mitarbeiterin betet: "Diese Preise werden fallen, so wie die Mauern von Jericho in der Bibel gefallen sind."

"Gebet ist die Antwort für alle Probleme"

"Das Gebet ist die Antwort für jedes Problem im Leben", wird Twyman zitiert. "Wir bitten Gott, in das Leben dieser selbstsüchtigen, gierigen Leute einzugreifen, die die Preise so steigen lassen." Zum Schluss singen sie eine abgeänderte Version des Liedes "We shall overcome" ("Wir werden die Schwierigkeiten bewältigen"), in dem es nun heißt: "Wir werden billigeren Sprit haben."

Auf Worten ließ letzte Woche in Texas die Gemeinde "High Point Fellowship Church" Taten folgen. Für drei Stunden senkten sie die Spritpreise um knapp einen Dollar auf 2,49 Dollar pro Gallone Benzin, berichtet "Tagesschau.de". Pastor Randy Fenter sagte, man habe überlegt, wie man der Gemeinde helfen könnte. Schnell sei man auf finanzielle Probleme gekommen, die jede Familie hätte. "Die Benzinpreise treffen jedermann. Deshalb dachten wir: Wir senken den Benzinpreis für eine Weile, so gut es geht." Getankt hat der Pastor höchstpersönlich, bezahlt wurde die Preisdifferenz von seiner Gemeinde. Diese Aktion sprach sich schnell rum: Fast zwei Kilometer lang war die Warteschlange an der Tankstelle.

PRO. Christliches Medienmagazin 06.05.2008

Was wohl ein Atheist denkt, wenn er das liest?

Welche Art Körper sind Ihnen lieber?

Moderne Musik

Schon sehr früh entdeckte ich die moderne E-Musik, sicher auch aufgrund des guten Musikunterrichts bei unserem Musiklehrer Gerhard Pick. Mit 16 oder 17 Jahren gewöhnte ich mir an, den Tag mit Musik von Bartók oder Strawinsky zu beschließen, mit Henze oder Blacher. Nicht, dass ich nicht auch Leonard Cohen hörte, Bob Dylan oder die Beatles, PinkFloyd oder die Doors. Aber vor dem Schlafengehen sollte es etwas anderes sein. Vermutlich eine Art Inszenierung der Andersartigkeit, aber doch auch tatsächlich identitätsstiftend.

Schau hinein in die Häuser - du findest das Leben

Krieg, Langeweile, Zynismus

Standard: Shakespeares "Troilus und Cressida" ist eines seiner zynischsten Stücke: Die Griechen liegen untätig vor Troja, die Liebe des Trojaner-Prinzen Troilus zu Cressida geht an der gehässigen Kriegskultur zuschanden. Die Ebene des Privaten kippt ins Politische hinüber. Ist es das, was Shakespeare sagt: Wir besitzen kein Hinterland mehr?

Perceval: Was mich an dem Stück während der Probenarbeit immer mehr fasziniert, und warum ich es regelrecht zu lieben beginne: Es herrscht eine Art von Langeweile. Der trojanische Krieg erschlafft und läuft aus. In der Ilias befinden wir uns im neunten Kriegsjahr, bei Shakespeare erst im siebenten. Er zeigt den Kriegszustand als "condition humaine"; nur braucht dieser Zustand einen Auslöser. Er besitzt keine Katharsis mehr. Niemand kann sich mehr an seinen Ursprung erinnern. Er bräuchte, zynisch gesagt, eine Atombombe. Es ist wie augenblicklich im Irak: Der Krieg dauert so und so viele Jahre, und keiner weiß, wie er beendet werden soll.

Standard: Man marschiert kerzengerade hinein, aber man besitzt kein Ausstiegsszenario?

Perceval: Nach einer Weile wird der Krieg zum Alltag, und die Langeweile beginnt zu dominieren. Am ersten Tag werden noch spektakuläre Bilder verbreitet; heutzutage bringt keiner mehr das geringste Interesse dafür auf. Ich glaube, dass wir nur von 60 Prozent aller Kriege auf der Welt überhaupt noch von den Medien informiert werden. Ein solcher Kriegszustand in Permanenz, und das zeigt Shakespeare so überaus prägnant, konfrontiert den Menschen mit seiner abgrundtiefen Langeweile: mit Leere und Aussichtslosigkeit. Lauter Leben ohne Leidenschaft, wobei man den Figuren beim Warten zusehen kann: Sie warten auf den Tod - also eigentlich auf Godot. Inmitten dieser Langeweile entsteht in ihnen eine unbändige Lust zu vernichten.

Standard: Die Gewaltdosierung muss erhöht werden?

Perceval: So, wie man Fußballstadien verwüstet oder Bushaltestellen zertrümmert. Das alles sind Vernichtungsakte aus Langeweile. Wo kein sinnvolles Lebensziel vor Augen steht, hat man ein zerstörtes Selbstbild. Daher zerstört man auch die Welt. Das ist eben das Zynische und Bittere: Dahinter steckt der alte Genius Shakespeare. Troilus ist eines seiner bittersten Stücke - und gerade deshalb eines seiner interessantesten.

Standard: Und wie setzt man in die Sphäre des Privaten über?

Perceval: Inmitten dieser Landschaft der Vernichtung entwickelt Shakespeare eine der schönsten Liebesgeschichten, die er je geschrieben hat. Meiner Meinung nach noch viel schöner als Romeo und Julia! Letztere besitzt ein gewisses Maß an Naivität. Während Cressida von vornherein sagt: Nein, fass mich nicht an - denn sobald ich von dir bezaubert bin, lieber Troilus, unterliege ich deiner Macht! Genau diese Geschlechterordnung von "Du Meister, ich Sklavin!" wird von ihr unterlaufen. Ein solches Machtgefüge basiert auf Kolonialismus; auf ihm gründet unsere ganze Weltordnung. Krieg hat nicht nur in der Langeweile seine Ursache, sondern darin, dass der eine über den oder die andere frei verfügen kann und sagt: Du bist minderwertig!

Standard: Sie meinen einen Antagonismus der Geschlechter?

Perceval: Ja. Wobei Shakespeare, brutal, wie er ist, zeigt: Die Frauen haben nicht die geringste Chance. Die wahrsagende Kassandra wird von der eigenen Familie weggesperrt. Hektors Frau, Andromache, wird nicht zugehört. Die Krieger-Männer leben den Machismo. Gezeigt wird eben nicht nur der trojanische Krieg, sondern, sehr viel moderner: Am Ende ist der Krieg zu Ende - aber Troilus ist am Leben geblieben! Der Krieg wird von solchen wie ihm fortgezeugt werden. Hass gebiert Hass. Das ist doch schön: Darin steckt Poesie. Shakespeare hatte doch auch seine Zeitgenossenschaft im Blick. Die Ilias? Wird von ihm umgeschrieben. Die Griechen sind Volltrottel - die Trojaner sind schwul und verweichlicht, entscheidungslos und werden von ihren Frauen angetrieben. Diese Clowns und Deppen werden nach und nach immer bösartiger. Sie greifen ein Mädchen wie Cressida an: Komm her, hast du schon einmal ein Küsschen gekriegt? Clowns, zur Armee versammelt, werden zu grausamen Monstern. Sie leben von der Lust, alles, was schön ist am Leben, genüsslich zu vernichten. So kompensiert man den Verlust von Heimat.

Aus dem Interview des „Standard“ (Druckausgabe vom 10.05.2008) mit dem flämischen Regisseur Luk Perceval anlässlich seiner Inszenierung von Shakespeares „Troilus und Cressida“ bei den Wiener Festwochen

MA 48

Dann müsste er schweigen...

Der Lebende versteht den Toten nicht, aber der Tote
versteht den Lebenden, und dass er nichts versteht.

Der Lebende glaubt so wenig an den Himmel –
wenn man ihm vorschlüge ewig in einem Sessel zu sitzen

und ihn zwänge auf einen Bildschirm zu starren,
aus dem er sich selbst beim Sehen zusieht, dann wäre er

dabei. Auch wenn der Himmel klein wäre und sicher
wie ein Sarg, hätte er nichts dagegen. Erzählte

der Tote dem Lebenden wie es wirklich ist
müsste er

schweigen.

Tadeusz Dąbrowski

In motion


Wechsel der Jahreszeiten

Wien ist eine Saisonstadt. Schon wenn der Sommer beginnt, wird es ganz schnell fast unerträglich heiß. Die neun Wochen Schulsommerferien (die es freilich in ganz Österreich gibt), sind wirklich unverzichtbar, eigentlich sollten sie schon Anfang Juni oder Ende Mai beginnen. Es ist erstaunlich, wie schnell die Wiener umschalten von Schneeräumung und kalten Winterstürmen auf Heurigenseligkeit, Prater und Schwimmbad. Das einzige Kontinuum bilden die Bälle - deren Saison reicht vom tiefen Winter bis an die Schwelle des Hochsommers.