OBSESSION
Magie. Kult. Mystik. Schwarz und alle schwarznahen Farben verleihen Schuhen und Taschen eine geheimnisvolle Aura. Feminin dramatisch oder architektonisch kühl.
Einer der Trends für Schuhe und Taschen im Herbst und Winter dieses Jahres.
Quelle: fashionfreak.de
Sonntag, 30. August 2009
Beim Lesen einer Wettervorhersage
"Ungestört scheint die Sonne von der Früh weg, meist zeigt sich der Himmel sogar wolkenlos. Allerdings legt der Südostwind merklich zu und bläst über Mittag zeitweise recht lebhaft."
So beginnt die Wettervorhersage der Wiener ZAMG (Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik) für Dienstag, den 1. September. Ich liebe diese Formulierungen. Sie taugen für einen Romananfang. Robert Musils "Mann ohne Eigenschaften" hebt ja auch mit einer Wettervorhersage an, allerdings einer vergleichsweise fachsprachlich formulierten. Die Texte der ZAMG sind volksnäher, erfahrungsgesättigter: Ungestört darf die Sonne scheinen. Das erinnert an den ersten Satz eines anderen Romans, der in nuce die ganze Weltsicht des Buches und seines Autors enthält: "Die Sonne schien, da sie keine andere Wahl hatte, auf nichts Neues." (Samuel Beckett: Murphy) "Lies das, das passt zu Dir", sagte mein bester Freund zu mir. Er hatte recht.
So beginnt die Wettervorhersage der Wiener ZAMG (Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik) für Dienstag, den 1. September. Ich liebe diese Formulierungen. Sie taugen für einen Romananfang. Robert Musils "Mann ohne Eigenschaften" hebt ja auch mit einer Wettervorhersage an, allerdings einer vergleichsweise fachsprachlich formulierten. Die Texte der ZAMG sind volksnäher, erfahrungsgesättigter: Ungestört darf die Sonne scheinen. Das erinnert an den ersten Satz eines anderen Romans, der in nuce die ganze Weltsicht des Buches und seines Autors enthält: "Die Sonne schien, da sie keine andere Wahl hatte, auf nichts Neues." (Samuel Beckett: Murphy) "Lies das, das passt zu Dir", sagte mein bester Freund zu mir. Er hatte recht.
Der Tod als Begleiter
Am Anfang Ihres Schaffens als Bestatter stand vor 25 Jahren ein Ende: Sie wollten nicht mehr der Unternehmensberater sein, der Sie bis dahin gewesen waren. Warum? Schon auf unserem Bauernhof in Eikamp standen eines Tages zwei Patres in der Tür, durch die ich ins Kloster nach Steyl kam. Nach dem Abitur traf ich jemanden, der ein Unternehmen leitete und einen Assistenten brauchte.
Und vor 25 Jahren?
Mir hat er gesagt: Du kannst dat, Du warst ens im Kloster, dat machst Du. Und ich habe zugesagt. So kam ich in mein Bergisches Land zurück. Ich habe angefangen - und war geschockt.
Warum?
Der Umgang mit dem Tod hatte nichts mit dem zu tun, was ich von zu Hause kannte. 80 Prozent der Menschen starben und sterben auch heute noch in Institutionen wie Krankenhaus oder Pflegeheimen, werden ins Leichenhaus gebracht und viel zu schnell beerdigt. In Deutschland werden einem die Toten gestohlen. Tausend Berufe kommen und sagen: Ich weiß, was gut für dich ist. Diese Ratschläge sind aber mehr Schläge als Rat.Ich dagegen kam aus einer Lebenswelt, in der man Krisen aushalten konnte und damit umzugehen wusste. Auch der Tod wurde in der Gemeinschaft ausgelebt. Wenn einer starb, kam er bei uns zu Hause ins „gute Zimmer“ oder im Kloster in einen besonderen Raum, wo er von allen begriffen werden konnte.
„Begreifen“ ist ja dann auch zu einem Schlüsselwort in Ihrer Art des Umgangs mit dem Tod, Ihrer Philosophie, geworden.
Ja, genau. Wir sind ja nur noch Theoretiker: Polit-Theoretiker, die glauben, sie wüssten besser, wie die Stadt zu führen ist, wir haben drei Millionen Wirtschaftsminister, aber wir haben auch sehr viele Trauer-Theoretiker, die nicht mehr wissen, was Tod ist. Wenn ich aber nicht mehr weiß, was Tod ist, weiß ich auch nicht, was Leben ist. Insofern hatte ich von meiner Biografie her auch beste Voraussetzungen, um eine Branche auf Trab zu bringen.
Sie das angestWie habenellt?
Ich habe in meinem Unternehmen erstmal das Totenkleid abgeschafft, die Toten trugen nun persönliche Sachen. Dann habe ich die Sargmodelle reduziert und zu vermitteln versucht: Es gibt Wichtigeres als die Äußerlichkeiten. Und dann habe ich langsam angefangen, die Toten wieder nach Hause zu bringen. Und ich habe gefragt: Wie sieht man das Thema an den Universitäten? In der Medizin, der Philosophie und der Theologie? Ich habe führende Psychologen getroffen und eine Ausbildung zum Trauerpädagogen bei Prof. Dr. Jorgos Canacakis gemacht. Nicht mehr der Tote sollte im Mittelpunkt stehen, sondern der, der mit dem Tod umgehen muss. Überhaupt: Jeder Tote sollte einen Professortitel erhalten. Denn er lehrt mich mehr als in allen Büchern steht.
Zum Beispiel?
Nur über das Begreifen dessen, was tot ist, kann ich auch begreifen, was die tote Materie vorher beseelt hat, was die Persönlichkeit eines Menschen ausgemacht hat. So bekommen wir auch wieder eine spirituelle Dimension in unser Denken, was mir sehr wichtig ist. Und nicht zuletzt ist der Tod der beste Lehrmeister zu bürgerlichem Ungehorsam.
Den haben ja auch Sie ausgeübt, als Ihnen das Land etwa die Bestattung der Asche Verstorbener in Urnen auf Ihrem ersten privaten Friedhof Deutschlands verbieten wollte. Wie haben Sie da reagiert?
Wenn Sie verliebt sind, gucken Sie da zuerst in ein Gesetzbuch, um zu wissen, was erlaubt ist?
Nein.
Sehen Sie! Sie wissen, was für Sie erlaubt ist. Nicht nur Frieden ist TATsache, wie vor einigen Jahren ein Misereor-Slogan hieß, sondern auch Trauer.
Auch Bergisch Gladbach? Sie sind ja in vielen Vereinen und Initiativen aktiv ...
Auch Bergisch Gladbach ist TATsache, nicht Diskutiersache. Und wenn ich etwa an das Thema Autobahnzubringer denke, dann würde ich manchmal gerne - ich habe ja hier so einen kleinen Bagger - einfach mal loslegen.
Sie werden weltweit zu Vorträgen eingeladen und haben viele Preise erhalten. Aber Sie haben nicht nur Anhänger. Wenn man etwa der Kirche zeigt, dass sie in ihrem Umgang mit dem Tod weithin daneben liegt, kann man kaum Beifall erwarten ...
Früher hatte ich in der Kirche totale Distanz, aber seit 17 Jahren schickt mir Kardinal Meisner seine Priesteramtskandidaten ins Haus, ich bin auf vielen Bischofskonferenzen. Aber wenn man sieht, dass von zehn Trauerfällen, die ich begleite, acht Kirchenmitglieder sind, dann ist das schon für eine Kirche und ihr Personal, das ja Seelsorger sein will, sehr bedenklich - auch wenn sich in den vergangenen Jahren sicher einiges getan hat.
Wir brauchen keine Bestatter, sondern wieder eine Gesellschaft, wo ich von Herzen lachen und weinen kann.
Das sagt ein Unternehmer, der selbst Bestatter ist. Wie sehen Sie Ihre Zukunft?
Wir brauchen Menschen, die einem Mut machen, den Tod und das Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen. Trauerbegleitung wird auch in Zukunft meine Sache sein, und da gibt es noch so viel zu entwickeln - nicht auf hochwissenschaftlicher Seite, sondern mitten im Leben. Am liebsten würde ich jeden Tag unten vor Lidl und Aldi an einem Tisch mit den Leuten über ihre Erfahrungen mit Tod reden und ihnen Mut machen, den Tod nicht als bedrückenden, sondern als motivierenden Begleiter zu begreifen.
Und vor 25 Jahren?
Mir hat er gesagt: Du kannst dat, Du warst ens im Kloster, dat machst Du. Und ich habe zugesagt. So kam ich in mein Bergisches Land zurück. Ich habe angefangen - und war geschockt.
Warum?
Der Umgang mit dem Tod hatte nichts mit dem zu tun, was ich von zu Hause kannte. 80 Prozent der Menschen starben und sterben auch heute noch in Institutionen wie Krankenhaus oder Pflegeheimen, werden ins Leichenhaus gebracht und viel zu schnell beerdigt. In Deutschland werden einem die Toten gestohlen. Tausend Berufe kommen und sagen: Ich weiß, was gut für dich ist. Diese Ratschläge sind aber mehr Schläge als Rat.Ich dagegen kam aus einer Lebenswelt, in der man Krisen aushalten konnte und damit umzugehen wusste. Auch der Tod wurde in der Gemeinschaft ausgelebt. Wenn einer starb, kam er bei uns zu Hause ins „gute Zimmer“ oder im Kloster in einen besonderen Raum, wo er von allen begriffen werden konnte.
„Begreifen“ ist ja dann auch zu einem Schlüsselwort in Ihrer Art des Umgangs mit dem Tod, Ihrer Philosophie, geworden.
Ja, genau. Wir sind ja nur noch Theoretiker: Polit-Theoretiker, die glauben, sie wüssten besser, wie die Stadt zu führen ist, wir haben drei Millionen Wirtschaftsminister, aber wir haben auch sehr viele Trauer-Theoretiker, die nicht mehr wissen, was Tod ist. Wenn ich aber nicht mehr weiß, was Tod ist, weiß ich auch nicht, was Leben ist. Insofern hatte ich von meiner Biografie her auch beste Voraussetzungen, um eine Branche auf Trab zu bringen.
Sie das angestWie habenellt?
Ich habe in meinem Unternehmen erstmal das Totenkleid abgeschafft, die Toten trugen nun persönliche Sachen. Dann habe ich die Sargmodelle reduziert und zu vermitteln versucht: Es gibt Wichtigeres als die Äußerlichkeiten. Und dann habe ich langsam angefangen, die Toten wieder nach Hause zu bringen. Und ich habe gefragt: Wie sieht man das Thema an den Universitäten? In der Medizin, der Philosophie und der Theologie? Ich habe führende Psychologen getroffen und eine Ausbildung zum Trauerpädagogen bei Prof. Dr. Jorgos Canacakis gemacht. Nicht mehr der Tote sollte im Mittelpunkt stehen, sondern der, der mit dem Tod umgehen muss. Überhaupt: Jeder Tote sollte einen Professortitel erhalten. Denn er lehrt mich mehr als in allen Büchern steht.
Zum Beispiel?
Nur über das Begreifen dessen, was tot ist, kann ich auch begreifen, was die tote Materie vorher beseelt hat, was die Persönlichkeit eines Menschen ausgemacht hat. So bekommen wir auch wieder eine spirituelle Dimension in unser Denken, was mir sehr wichtig ist. Und nicht zuletzt ist der Tod der beste Lehrmeister zu bürgerlichem Ungehorsam.
Den haben ja auch Sie ausgeübt, als Ihnen das Land etwa die Bestattung der Asche Verstorbener in Urnen auf Ihrem ersten privaten Friedhof Deutschlands verbieten wollte. Wie haben Sie da reagiert?
Wenn Sie verliebt sind, gucken Sie da zuerst in ein Gesetzbuch, um zu wissen, was erlaubt ist?
Nein.
Sehen Sie! Sie wissen, was für Sie erlaubt ist. Nicht nur Frieden ist TATsache, wie vor einigen Jahren ein Misereor-Slogan hieß, sondern auch Trauer.
Auch Bergisch Gladbach? Sie sind ja in vielen Vereinen und Initiativen aktiv ...
Auch Bergisch Gladbach ist TATsache, nicht Diskutiersache. Und wenn ich etwa an das Thema Autobahnzubringer denke, dann würde ich manchmal gerne - ich habe ja hier so einen kleinen Bagger - einfach mal loslegen.
Sie werden weltweit zu Vorträgen eingeladen und haben viele Preise erhalten. Aber Sie haben nicht nur Anhänger. Wenn man etwa der Kirche zeigt, dass sie in ihrem Umgang mit dem Tod weithin daneben liegt, kann man kaum Beifall erwarten ...
Früher hatte ich in der Kirche totale Distanz, aber seit 17 Jahren schickt mir Kardinal Meisner seine Priesteramtskandidaten ins Haus, ich bin auf vielen Bischofskonferenzen. Aber wenn man sieht, dass von zehn Trauerfällen, die ich begleite, acht Kirchenmitglieder sind, dann ist das schon für eine Kirche und ihr Personal, das ja Seelsorger sein will, sehr bedenklich - auch wenn sich in den vergangenen Jahren sicher einiges getan hat.
Wir brauchen keine Bestatter, sondern wieder eine Gesellschaft, wo ich von Herzen lachen und weinen kann.
Das sagt ein Unternehmer, der selbst Bestatter ist. Wie sehen Sie Ihre Zukunft?
Wir brauchen Menschen, die einem Mut machen, den Tod und das Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen. Trauerbegleitung wird auch in Zukunft meine Sache sein, und da gibt es noch so viel zu entwickeln - nicht auf hochwissenschaftlicher Seite, sondern mitten im Leben. Am liebsten würde ich jeden Tag unten vor Lidl und Aldi an einem Tisch mit den Leuten über ihre Erfahrungen mit Tod reden und ihnen Mut machen, den Tod nicht als bedrückenden, sondern als motivierenden Begleiter zu begreifen.
Aufgehen im All
Machmal möchte ich etwas sein,
ein Etwas,
ein Ding vielleicht
klein und unbeschreibbar,
etwas Mörtel in der Mauer
gut verbunden, sinnvoll,
ein Tropfen Tau
oder ein zögernd ausgesandtes Lächeln
Oder einfach ein Moment
in der Zeit,
der kommt und vergeht
auf halbem Weg zur Ewigkeit.
ein Etwas,
ein Ding vielleicht
klein und unbeschreibbar,
etwas Mörtel in der Mauer
gut verbunden, sinnvoll,
ein Tropfen Tau
oder ein zögernd ausgesandtes Lächeln
Oder einfach ein Moment
in der Zeit,
der kommt und vergeht
auf halbem Weg zur Ewigkeit.