Dienstag, 29. April 2008

Amstetten - ein Land am Pranger

Als Plot eines Films oder als als Grundidee eines Schauerromans wäre, was sich in Amstetten (NÖ) zugetragen hat, wohl als recht abwegiges Produkt einer kranken Autorenphantasie eingestuft worden, aber das Leben ist gar nicht so selten noch viel abwegiger, unglaublicher, atemberaubender als alle Fiktionen. Die Zeitungen (auch die "Qualitätszeitungen" bringen seitenlange Dossiers, Analysen, Reportagen, der Medienhype übertrifft wohl noch den im Fall der Natascha Kampusch. Zugleich herrscht unter den Menschen ein seltsames Schweigen. Natürlich sind da die Einzelnen, die in Leserbriefen und Internetforen nach Strafverschärfungen bis hin zur Todesstrafe rufen, aber es ist kein wirkliches Gesprächsthema. Die Menschen scheinen überfordert, sind sprachlos angesichts der Dimension des Horrors hinter einer bürgerlichen Fassade, die alles bisher Dagewesene übertrifft. Pädophilenringe mit einer Vielzahl von Opfern kennt man aus Belgien, aus Deutschland, aber in diesem Fall kombiniert sich der Missbrauch der eigenen Tochter über zweieinhalb Jahrzehnte mit einer wahrhaft teuflisch anmutenden Präzision der organisierten Freiheitsberaubung. Und wieder in Österreich. Wie im Fall Kampusch, der bis heute rätselhaft genug ist. Jetzt im biederen niederösterreichischen Amstetten. Die Menschen lesen mit weit aufgerissenen Augen, aber sie reden nicht darüber. Sie sind sprachlos. Der Horror ist zu nahe, unerträglich nah.
Übermorgen ist Konfirmation, und ich habe zu predigen. Kann man diese Geschichte eigentlich übergehen, weil sie nicht zum Kasus passt?
Die Weltpresse zeigt mit dem ausgestreckten Zeigefinger auf Österreich: "Wie oft ist es passiert im Felix Austria, dass hinter der scheinbaren Perfektion sich Gespenster, Neurosen, Wahnsinn verstecken. Nicht umsonst hat Freud im Zentrum der Habsburgischen Monarchie die Abgründe der menschlichen Seele erforscht und versteckte Wunden entdeckt, die immer bereit sind, sich wieder zu öffnen und zu eitern. (...) Serienmörder und Perversionen sind natürlich keine österreichische Exklusive. Doch nur dort verbinden sie sich mit Walzer, Jodel und Kuckucksuhren. Nur dort kann Wahnsinn jahre-, jahrzehntelang mit derselben stillen, bürokratischen Ausdauer lodern, die das Habsburgische Reich legendär gemacht haben. In diesem Josef F., der sieben Kinder mit der Tochter erzeugt hat, die er vergewaltigte, steckt etwas ungeheuerlich Biedermeierisches. Etwas ungeheuerlich und einzigartig Österreichisches." (La Stampa, Turin) Ähnlich El Pais (Madrid): "Perversion oder Krankheit... Schon wieder in Österreich. Wieder erreichen uns aus Österreich Nachrichten, die uns umwerfen. So wie die Entführung von Natascha Kampusch. (...) Dieses Mal ist es ein Vater, der seine eigene Tochter gefangen hält und mit ihr außerdem mehrere Kinder hat. (...) Und das über Jahre. In Gegenwart einer kalten, abwesenden Gesellschaft, die ohne Zweifel weggeschaut hat. (...) Und wieder kam das aus Österreich, der Heimat von Freud, dem Geistesriesen, der uns die im Unbewussten schlummernde Sexualität erweckte. Es erscheint unverständlich, dass ein Vater (...) seine eigene Tochter (...) in einen Keller sperrt, sich sexuell an ihr vergeht und Kinder-Enkel mit ihr hat. Damit erfüllten sich möglicherweise die "geheimen und perversen" Fantasien, auf die uns Freud aufmerksam machte."
An Erklärungen versucht sich der Tages-Anzeiger aus Zürich: "Im erzkatholischen Niederösterreich sind Worte wie Zivilgesellschaft und Eigenverantwortung noch immer fremd. Lehrer, Priester, Bürgermeister sind unangefochtene Autoritäten, der Landeshauptmann regiert wie ein feudaler Fürst. In einer solchen Gesellschaft fragt man nicht nach. Wenn die Obrigkeit nicht eingreift, wird alles schon seine Ordnung haben. Ein Ingenieur ist hier noch eine Respektsperson. Zwei Enkelkinder (und vermutliche Kinder) von F. gingen in Amstetten zur Schule. In welchen Verhältnissen sie genau aufwuchsen, wollten die Lehrer nicht wissen. Es waren halt ruhige Kinder. Da fragt man nicht nach. In Niederösterreich wird Autorität noch groß geschrieben, hinterfragen klein."
Verschiedenes kommt zusammen: Das Nicht-Hinschauen oder Nicht-Hinschauen-Wollen von Nachbarn und Lehrern, aber auch eine unglaubliche Trägheit der Behörden: Da verschwindet eine junge Frau, legt im Laufe der nächsten Jahrzehnte mehrere ihrer Kinder auf der Schwelle des Elternhauses ab - und niemand kommt darauf, die Personenfahndung in der nächsten Umgebung wiederaufzunehmen? Es bleiben viele Fragen. Und ein Makel auf dem Land.
"Wie konnte das passieren? Diese Frage stellt man sich in Österreich nach dem unbegreiflichen Geschehen in Amstetten. Psychologen kommen zu Wort und in Leitartikeln ist man entsetzt. Aber die Frage bleibt unbeantwortet in jenem Land, das zum dritten Mal innerhalb kurzer Zeit vom Unbegreiflichen geschockt ist. (...) Vor zwei Jahren gelang Natascha Kampusch unter aufsehenerregenden Umständen die Flucht aus ihrer achtjährigen Gefangenschaft. Der Täter beging Selbstmord. Im Februar vergangenen Jahres flog eine Mutter auf, die ihre Töchter unter jämmerlichen Verhältnissen sieben Jahre lang in einem Haus in Linz eingesperrt hatte. Davor entdeckte man auch in Wien ein Paar, das seine geistig behinderte Tochter in einem kalten Zimmer gehalten und wie ein Tier behandelt hatte." (Dagens Nyheter, Stockholm)

Morgens um 5 Uhr



Lange ist es mir nicht mehr passiert, in letzter Zeit kommt es ab und zu wieder mal vor: dass ich eine ganze Nacht nicht schlafen kann, weil ich so viele Ideen habe, eine durchaus beglückende Erfahrung. Und wenn es sich nicht häuft, ist das auch zu verkraften. Jedenfalls beschert es mir ganz andere Eindrücke, so diese Stimmung "vor Tau und Tag" im Lutherhof.

Werte

"Eine 18-Jährige ist in Krefeld im deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen zu fünf Jahren Jugendhaft verurteilt worden, weil sie ihren sexuell aufdringlichen Onkel erstickt hat. Das Landgericht sprach sie am Montag wegen Totschlags schuldig. (...) Strafverschärfend sei, dass die 18-Jährige nach der Tat die EC-Karte des Onkels stahl und sein Konto plünderte."
[Gefunden auf tele2internet.at]

Eine eigentlich relativ alltägliche Meldung. Aber der abschließende Satz wirft ein bezeichnendes Licht auf die Hierarchie von Werten und Rechtsgütern: Die Tötung eines Menschen wird durch die Entwendung seiner EC-Karte noch schlimmer und strafwürdiger. Eine reine Affekthandlung wäre weniger verächtlich und vermutlich milder bestraft worden.

Grinzing






Im 1. Weltkrieg (1914/15) erbaut: Der Komplex an der Endschleife der Straßenbahn 38 in Grinzing.

Aufklärung - universal?

"Die Vorträge nahmen nicht direkt aufeinander Bezug, aber das Thema „Differenz“ war in die Argumentation der Deutschen schon eingebaut. Der universelle Anspruch der Vernunft vertrage sich durchaus mit der Verschiedenheit der Menschen, sagte der Kölner Romanist Andreas Kablitz mit Aristoteles; die „Freiheit“ des Toleranzgebots wollte er gerade als Verzicht auf Determinationen verstanden wissen. Der Tübinger Philosoph Otfried Höffe, der in seinem Buch „Demokratie im Zeitalter der Globalisierung“ die Idee einer „föderalen, subsidiären Weltrepublik“ entwickelt hatte, sah die Allgemeingültigkeit der aufklärerischen Forderung, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen, auch darin zum Ausdruck gebracht, dass Europa keinen Exklusivanspruch auf sie erheben dürfe.

Während die Deutschen also eine Universalisierbarkeit des Verschiedenen voraussetzten, beharrten die Chinesen auf einer Verschiedenheit der Universalien. Wie Han Shuifa sprach auch der Germanist Huang Liaoyu von einer spezifisch chinesischen Aufklärung. Als Kronzeugen rief er Dr. Ting-fu auf, einen ständig kichernden Chinesen, der eine winzige Nebenrolle in Thomas Manns „Zauberberg“ spielt. Bei einer okkultistischen Sitzung fasste er als Einziger „den gesunden Gedanken, das Deckenlicht einzuschalten, so dass alsbald das Zimmer in Klarheit lag“. Für Huang ist in diesem deutschen Chinesenbild tatsächlich etwas Typisches ausgesprochen: die Diesseitigkeit des konfuzianischen Chinesen. Auf der einen Seite verbinde ihn diese mit dem Humanisten Settembrini im Roman und der westlichen Aufklärung im Allgemeinen, auf der anderen Seite werde er um ihretwillen auch beargwöhnt, weil er unfähig zu transzendenten Gedanken und zur Abstraktion schlechthin sei."

Aus: Mark Siemons, Kommt uns bloß nicht mit Kant. Deutsch-chinesischer Dialog (Bericht über einen deutsch-chinesischen Philosophentreffen) in der FAZ vom 28.04.2008.

Jeder für sich allein

Vorgeschmack des Sommers

Das gestrige Schönwetter gab einen Vorgeschmack auf den Wiener Sommer. In der Straßenbahn und in der als Hochbahn geführten U 6 ist es jetzt schon wichtig, sich an die richtige (sonnenabgewandte) Seite zu setzen. Menschenansammlungen werden olfaktorisch unangenehm. Wie mag das erst in der wirklich warmen Jahreszeit sein? Ich beginne zu ahnen, warum es hier diese langen Sommerferien gibt.

Menschen in der U-Bahn-Station


Sonntag, 27. April 2008

Krisenum

"Wenn Sie diesen Artikel lesen, können Sie ­gaaanz entspannt bleiben. Hier müssen Sie endlich einmal keine Sorge haben, in Ihren religiösen Gefühlen verletzt zu werden. Nehmen Sie den Koran in die linke, Cicero in die rechte Hand, kontrollieren Sie noch einmal den Schleier Ihrer Nachbarin und freuen Sie sich mit mir, dass man in manchen Alpendörfern tatsächlich damit beginnt, Gipfelkreuze von den Bergen zu holen. Die haben lange genug die religiösen Gefühle von Muslimen verunglimpft. Schließlich gehören die Berge doch allen.
Es kommt endlich etwas in Bewegung im Abendland. Nach so vielen Jahren aggressiver Meinungsfreiheit wird Einhalt geboten, einfach alles zu sagen und zu schreiben, was man denkt. Das war ein Irrweg voller gefährlicher Provokationen. Es ist daher ein Meilenstein in der Geschichte Europas, dass holländische Filmemacher jetzt nicht mehr unbekümmert zeigen können, was sie wollen. Dass die 27 EU-Außenminister sich gegen das weltfriedensbedrohende Filmchen „Fitna“ ausgesprochen haben, zeigt herausragende Führungsstärke. Die Kunst ist ohnedies in jüngster Zeit zu frech geworden. Sie und die ebenso dreiste, freie Literatur kritisieren seit Jahrhunderten schon die Religion. Damit wird nun Schluss gemacht.

Den ersten Triumph hat die neue Kultur der Selbstzensur mit den Karikaturen aus Dänemark errungen. Seither trauen sich diese Schmierfinke des Abendlandes keine ketzerischen Zeichnungen mehr zu. Und das Beispiel hat Schule gemacht. Der Durchbruch zur kulturellen Selbstreinigung im Alltag ist da: Nikolausfeiern in Kindergärten werden abgesagt, Stewardessen sollen ihre Kreuze von den Halsketten ablegen, islamkritische Kunstwerke werden aus Museen entfernt. Endlich werden wir sensibel. Ja gewiss, Angst spielt zuweilen auch eine Rolle. Aber ist Angst nicht auch ein Indiz für Weitsicht?

Die neue Demut zeigt, dass man die eigene Kultur und Tradition nicht mehr zu Demonstrationszwecken missbrauchen muss. Wie damals beim Berliner Opernkrach, als doch tatsächlich Mohammed thematisiert werden sollte. Da gab es schon eine feinfühlige Intendantin, die die Oper absagen wollte. Nur eine Handvoll Provokateure und Ewiggestriger beharrte noch auf der Kunstfreiheit. Sie geraten nun in die Minderheit.

Ein leuchtendes Beispiel für die neue Demutskultur ist Eintracht Frankfurt. Zu den Unsitten dieses Vereins gehörte es, dass die Fans alljährlich über das Design des Trikots entscheiden durften. Ein libertinärer Fehler von vornherein. Nun fiel die Wahl der Fans auch noch auf ein schneeweißes Hemd mit schwarzem Kreuzmuster. Es hätte Schlimmes, ganz Schlimmes passieren können. Ein weiser Vereinsvorstand erkannte die Gefahr und untersagte den verblüfften Fans das Kreuz. Denn wenn Kreuze zu sehen seien, dann könnten sich Muslime verletzt fühlen, meinte die Eintracht-Führung. Sehr verantwortungsbewusst. Eintracht eben, da ist Nomen Omen. Statt Kreuze machen nun Wellen das Dekor. Wunderbar, das gefiele bestimmt auch den 27 EU-Außenministern. Sie sollten mal über Autobahnkreuze und die Schweizer Fahne nachdenken. Gefährlich, sehr gefährlich!
Diese insgesamt erfreuliche Entwicklung könnte nun durch eine einfache, aber konsequente Initiative gekrönt werden: Mit der Abschaffung des Buchstaben „t“. Dieser Buchstabe ist für Nichchristen nur schwer zu ertragen, denn er zeigt ein verkapptes Kreuz. In ihm verbirgt sich die ganze aggressive Arroganz westlicher Selbstgefälligkeit.

Massenhaft, täglich, überall verletzt das „t“ die religiösen Gefühle von Millionen. Das „t“ gehört im Deutschen zu den häufigsten Buchstaben, es macht mehr als sechs Prozent des gesamten Sprachschatzes aus. Das allein verrät schon eine sublime christliche Überlegenheitsgeste. In Wahrheit ist das „t“ die subversive Waffe einer imperialistischen Religion, die den Stolz und die Ehre der Nicht-t-Kulturen übel verhöhnt.

Jeder Deutsche, ja gerade wir Deutsche, sollten uns bewusst werden, welche Sprengkraft in dem Buchstaben „t“ steckt. Wir brauchen daher ein Signal der Versöhnung und Verständigung.

Das „t“ thront schließlich wie eine Fratze der Dekadenz über dem Schlüsselwort „Toleranz“. Es reicht schließlich auch, von Oleranz zu reden. Oder ewa nich? Auch „Gott“ ist eine Zumutung mit dem verdoppelten Kreuz. „Go“ würde völlig genügen für die Wellness-Religion des Westens. Jenes Christentum klänge doch ohne „t“ als Krisenum viel umgänglicher. (...)"

Wolfram Weimer, Das Kreuz mit dem "t", in: Cicero

Lutherhof in der Sonntagmorgensonne

Behalte den Augenblick

Behalte den Augenblick,
wo Seile und Bretter abgelegt sind,
die Träger in der Wirtschaft Karten spielen,
im Trauerhaus wieder das Feuer brennt
und das erste Gelächter zu hören ist.

Günter Eich

Menschen in Bewegung



















Kleine Freuden

Ein depressiver Mensch hat ganz andere und vielleicht auch mehr Erfolgserlebnisse: Da kann schon das Kleinste zum großen Erfolg werden - das Einstellen eines Buches ins Regal, das Zusammenlegen eines Kleidungsstücks, das Wegwerfen eines nicht mehr benötigten Zettels. Wo alles ein Berg ist, müssen immerfort Berge bezwungen werden. Wahrhaft Depressive sind Alpinisten des Alltags, Extrembergsteiger in den Hochgebirgen der alltäglichen Kleinigkeiten. Wer Depression nicht kennt, für den hört sich das alles lächerlich an, unglaublich, wie an den Haaren herbeigezogen. Aber tief depressive Personen werden entschädigt durch eine Vielzahl kleiner Freuden über unzählige kleine Siege.

Samstag, 26. April 2008

Ein Regentag





Teures Österreich

"Diskonter wie Hofer, Lidl, Penny oder Zielpunkt bieten oft dieselbe Ware in Deutschland und Österreich an - nur kostet sie hierzulande zum Teil mehr als doppelt so viel.

Diskonter verlangen in ihren Österreich-Filialen für die gleichen Produkte im Schnitt um fast ein Fünftel mehr als in Deutschland. Vier von fünf Produkten sind in den Ketten in Österreich teurer als in Deutschland.

Das geht aus einem Vergleich der Arbeiterkammer hervor, die im März und April bei Hofer, der in Deutschland Aldi heißt, Lidl, Penny und Plus/Zielpunkt jeweils in Deutschland und Österreich dieselben Lebensmittel und Reinigungsmittel gekauft hat. (...)

Das Argument, die Mehrwertsteuer auf Lebensmittel sei hierzulande höher als in Deutschland, lässt die Arbeiterkammer nicht gelten - nur ein geringer Teil der unterschiedlichen Preise gehe auf die höheren Steuersätze zurück. Auch ohne Steuern würden die Österreicher bei ihrem Einkauf im Schnitt bei Lidl um 18,8 Prozent, bei den anderen Diskontern um gut 15 Prozent mehr zahlen als in Deutschland. (...)"

Die Presse 25.04.2008

Donnerstag, 24. April 2008

Bewegtes Ottakring



Gar nicht so übel der Einfall...

"Harrison Ford hat sich mit heißem Wachs die Brust enthaaren lassen - um auf die Abholzung der Regenwälder aufmerksam zu machen!"

kino.de (Movie-Newsletter vom 24.04.2008)

Und noch einmal...

... am Schloss Mansfeld.

Wachsende Menschenkenntnis

"Merkwürdig, ja unangenehm, wie man das Wesentliche eines flüchtig berührten Menschen, je älter man wird, fast zwanghaft auf Anhieb erfaßt."

Botho Strauß

Mittwoch, 23. April 2008

Abend auf Schloss Mansfeld


Die Konfirmandenreise der Gemeinde Wien-Währing führt traditionell zu den Lutherstätten nach Deutschland.
Übernachtet wird seit einigen Jahren auf Schloss Mansfeld, einem sehr romantischen, zauberhaften Ort.








Koinzidenzen

"Wann ist Reformationstag?" "An Halloween." So ein Dialog kann einen Pfarrer schon frustrieren, obwohl die Antwort ja richtig ist. Es gibt im Kalender einfach merkwürdige Koinzidenzen, so auch heute, am 23. April, da ist einerseits der "Welttag des Buches" und andererseits der "Tag des Bieres". Für jeden etwas eben.

Donnerstag, 17. April 2008

U-Bahn-Steg Michelbeuern

Lieber Führer Adolf Hitler!

"Du süßestes herzensbestes Lieb, mein Einziges, mein Allerbester, mein trautest und heißest Geliebtes. Weißt Du, heute könnte ich Dir gar nicht genug Namen geben, heute möchte ich Dich vor lauter Lieb' auffressen. Was würden aber da die anderen sagen?"

"Ich küsse Dich auf Deine 4 Buchstaben und tue Front frei, damit Du fühlst wie lieb ich Dich hab."

"Lieber Führer Adolf Hitler! Eine Frau aus dem Sachsenland wünscht sich ein Kind von Ihnen."

Aus Liebesbriefen an den Führer


Der Wahnsinn des Dritten Reiches spiegelt sich auch in solchen Dokumenten.

Theresiengasse

Angekommen, ganz und gar

Wie lange bin ich da in Wien? Noch keine acht Monate. Mir kommt es viel länger vor.
Je mehr ich die Gemeinde und die Menschen in ihr kennenlerne, um so lieber wird sie mir.
Anfangs war da gewiss noch manche Irritation auf beiden Seiten, aber mittlerweile hat sich einfach das gute Gefühl eingestellt, hier ganz richtig am Platz und eben zu Hause zu sein.

Mittwoch, 16. April 2008

Mit bewegter Kamera



Fröhliche Scheidung
























Messerhalter in Form eines Ex-Mannes, eines von vielen Produkten auf "smashingkatie.com". (Bild: dpa) © dpa

Im Club "Christophers's" in Fort Lauderdale (US-Bundesstaat Florida) feierten und tanzten kürzlich rund 400 frisch Geschiedene ausgelassen bis in die Morgenstunden. Sie labten sich an Cocktails mit dem doppeldeutigen Namen "Marriage on the rocks" (wörtlich: Ehe auf Eis, aber auch: Ehe in Scherben). Und demonstrativ wanderte das ein oder andere Ehering-Imitat mit der Toilettenspülung in unbekannte Tiefen - die echten Ringe wären denn doch zu wertvoll gewesen.

"Es ist wichtig, nach dem oft schmerzhaften Scheidungsprozess wieder raus zu gehen und zu feiern. Das ist eine emotionale Befreiung", sagt die Organisatorin von "Amerikas größter Scheidungsparty", Christina Rowe. Ihr Mann hatte sie nach 13 Ehejahren verlassen. Rowe glaubt, dass es in Zeiten instabiler Beziehungen zunehmend einen neuen, selbstbewussteren Umgang mit Trennungen gibt. "Eine Scheidung ist auch der Beginn eines neuen Lebensabschnitts, den man genauso feiern sollte wie Geburtstage oder Hochzeiten."

Es gibt viele Belege, dass Scheidungen in den USA inzwischen auch fröhlich zelebriert werden: Im Internet gibt es unzählige Utensilien zu kaufen, die sich über Scheidungen lustig machen. Konditoreien offerieren Scheidungs-Torten. Ein Unternehmen in New Orleans verleiht Leichenwagen an frisch Geschiedene, die mit Freunden symbolträchtig den "Tod ihrer Ehe" feiern wollen.

Besonders erfolgreich ist die Internet-Anbieterin Angie Schmidt. Nachdem ihr Mann sie 2006 wegen einer Geliebte namens Katie verlassen habe, hätten ihr Freundinnen ein T-Shirt mit der Aufschrift: "Fragt Katie, wo mein Mann ist" geschenkt, berichtet sie.

Erstmals seit der Scheidung habe sie wieder lachen können - deshalb beschloss die Betriebswirtin und Marketingexpertin lustige Scheidungs-Geschenke zu vertreiben. Heute reicht ihre Produktpalette von Ehering-Särgen bis hin zu dem Ex nachgebildeten Vodoo-Puppen. Ihre Internet-Boutique benannte sie nach der Geliebten ihres Ex-Mannes: "smashingkatie.com" ("Nieder mit Katie!").

Der jüngste Trend habe einen ernsten sozialen Hintergrund, erklärt der renommierte Soziologe Prof. David Popenoe. "Scheidungen sind in den USA so normal geworden, dass sie als selbstverständlicher Teil des Lebens akzeptiert werden", sagt er. In den 60er Jahren sei die Scheidungsrate explosionsartig angestiegen und habe die USA zum Scheidungs-Land Nummer eins in der Welt gemacht. Seit Mitte der 80er Jahre sei die Rate zwar rückläufig, aber die Wahrscheinlichkeit, dass eine neu geschlossene Ehe in den USA scheitere, liege heute bei knapp 50 Prozent.

Inzwischen gibt es auch deutliche Kritik an dem Geschäft mit den eigenwilligen Artikeln und Veranstaltungen. "Jede Scheidung ist ein Ärgernis für Gott. Deshalb sollten Trennungen Tränen hervorrufen, nicht Lacher und Witze", schimpfte der bei Evangelisten populäre christliche Blogger Barabbas über die lockeren Umgang mit traditionellen moralischen Werten. "Scheidungen sind schmerzvoll, besonders wenn Kinder betroffen sind", mahnt auch Prof. Popenoe.

"Die Gesellschaft sollte natürlich daran arbeiten, die Scheidungsrate zu senken statt Scheidungen zu feiern." Aber wissenschaftlich betrachtet belegten Scheidungs-Feste nur den Wertewandel auch in dem noch immer sehr religiösen Amerika.

Gefunden auf web.de.

Samstag, 12. April 2008

Schumanngasse

Fremdsprachen

"Lerne in fremden Sprachen zu sprechen und du wirst alle Depressionen und Obsessionen vergessen."

Der mehrsprachig aufgewachsene aufgewachsene Gitarrist Davey Graham

Die schönen Stadtbahnbögen (Ottakring)




Wie dem Jüngsten Tag entkommen?

Umzug im All

Beim Lebensende der Sonne muss sich die Erde eine neue Bleibe suchen

Von Guido Meyer

Astronomie. - Der jüngste Tag ist zwar noch sieben bis acht Milliarden Jahre entfernt - aber er wird kommen. Dann wird sich die Sonne aufblähen zu einem Roten Riesen und die inneren Planeten Merkur, Venus, Erde und Mars verschlingen. Bereits in einer Milliarde Jahre wird es auf der Erde für jegliche Form von Leben zu heiß sein, werden die Ozeane verdampfen und die Gebirge schmelzen. US-Wissenschaftler haben jetzt Pläne für einen Umzug unseres gesamten Planeten entwickelt.

Irgendwann wird es soweit sein: Die Sonne wird zur Supernova und stößt einen Großteil ihrer Hülle ab ins All. Dadurch wird sie leichter und verliert an Anziehungskraft. Einen einfachen Ausweg aus der drohenden Hitzehölle bietet das aber nicht, sagt Robert Smith vom Astronomie-Zentrum SciTech der Universität von Sussex.

"Wenn nur der Masseverlust entscheidend wäre, würden Erde und Mars der Ausdehnung der Sonne in der Tat entkommen, weil sich ihre Umlaufbahnen hinaus verschieben. Es kommt jedoch auch eine Gezeitenwirkung ins Spiel. Die Erde verursacht durch ihren Schwerkrafteinfluss auf die Sonne eine kleine Beule, so wie der Mond die Flutberge auf der Erde verursacht. Diese Erhöhung wiederum wirkt zurück auf die Erde und verlangsamt sie. Wenn die Sonne sich ausdehnt, wird diese Beule am Ende dafür sorgen, dass die Erde spiralförmig in die Sonne fällt."

Robert Smith glaubt deswegen nicht an ein Entkommen der Erde. Auch werde sie früher oder später die ausgedehnte Atmosphäre der Sonne durchfliegen und so ebenfalls abgebremst werden. Wer also die Erde aus dem direkten Einflussbereich der Sonne hinausbugsieren will, muss selbst Hand anlegen. Klingt verwegen, doch es gibt tatsächlich Forscher, die an solchen Szenarien arbeiten.

"Wir wollen die Umlaufbahn der Erde langsam nach außen verschieben, so dass sich die Helligkeit der Sonne für die Menschen nicht verändert. Wenn sich unser Planet in wenigen Milliarden Jahren etwa fünfzig Prozent weiter von der Sonne entfernt befände, würde er die gleiche Menge Sonnenlicht abbekommen wie heute."

Der Astronom und Astrophysiker Gregory Laughlin von der Universität von Kalifornien in Santa Cruz hat mit seinem Team ein Szenario zum Umzug im Universum entworfen. Als Zugpferd würde dabei ein Asteroid oder Komet fungieren, der per Impulsübertragung die Umlaufbahn der Erde Stück für Stück verändern würde. Laughlin:

"Jedes Mal, wenn der Komet vor der Erde vorbeifliegt, gibt er einen Teil seiner Geschwindigkeit an die Erde ab. Dadurch ändert sich ihre Umlaufbahn. Der Komet würde dann zurückfliegen Richtung Jupiter und dort neuen Schwung holen, so dass wir ihn beim nächsten Erdvorbeiflug, ein paar 1000 Jahre später, recyceln können."

Eine unbemannte Sonde könnte Antriebsraketen auf ihm anbringen und seine Umlaufbahn so in Erdnähe lenken. Damit die Schwungübertragung funktioniert, müsste der riesige Brocken in nur rund 15.000 Kilometern Abstand vor der Erde vorbei- und damit mitten durch das Erde-Mond-System fliegen. Der Mond würde übrigens - bedingt durch die Anziehungskraft der Erde - von ihr mitgeschleppt werden ins äußere Sonnensystem, an eine Stelle, jenseits der heutigen Mars-Umlaufbahn. Dort wären Erde und Mond dann vor einer sich aufblähenden, heißer werdenden Sonne sicher. Smith:

"Ja, die Physik erlaubt ein solches Szenario. Ob es technologisch möglich ist, steht auf einem anderen Blatt. Das US-Forscherteam hat dieses Manöver durchgerechnet und behauptet mit Recht, dass es zumindest theoretisch durchführbar ist. Und vielleicht verfügt die Menschheit in wenigen Jahrhunderten über die Technik, es auch umzusetzen."

Robert Smith von der University of Sussex weist jedoch auf ein Manko hin, nämlich auf die Zeit nach der Supernova, wenn die Sonne ihre heiße Hülle abgestoßen hat und in sich zusammenfällt, auf einen Bruchteil ihrer heutigen Größe.

"Das Problem besteht darin, dass die Erde dort draußen viel zu wenig Licht und Wärme abgekommen würde, nachdem die Sonne zum Weißen Zwerg geschrumpft ist. Dann müssten wir also die Rückkehr antreten und wieder inwärts wandern."

Gefunden in den Wissenschaftsnachrichten des Deutschlandfunks (Zur Sendung "Forschung aktuell" vom 10.04.2008)

Science fiction ist nichts dagegen. Es gibt auch in der Wissenschaft eine krankhafte Weitsichtigkeit. Viel spannender scheint mir die Frage, ob es in fünfhundert Jahren noch menschliches Leben auf der Erde geben wird - und unter welchen Bedingungen...

Donnerstag, 10. April 2008

Blickfang

Ein Blickfang von allen Seiten: Hundertwassers Schornstein der Fernwärme Spittelau.

Österreichs ungebrochener Optimismus

Obwohl Österreich derzeit eine der höchsten Inflationsraten der Euro-Zone hat und die Preise für alle Güter des täglichen Bedarfs fühlbar steigen, zeigen sich die Österreicher in Umfragen sehr zufrieden mit ihrem Leben, auch mit ihrer materiellen Situation, und erreichen damit europäische Spitzenwerte: 83 % sind glücklich mit dem Lebensstandard, 93 % würden den Satz "Ich weiß genau, was ich will" unterschreiben, 91 % finden, dass "die moderne Welt überwältigend viele Möglichkeiten" bietet, Traditionen und Pflichterfüllung stehen bei jeweils 77 % der befragten Österreicher in hohem Kurs. [Heute, 8.4.2008, S. 8] - Trotz chronischer Politikverdrossenheit und ausgeprägter EU-Skepsis, trotz einer Großen Koalition, die mehr Schlagzeilen durch interne Querelen als durch sinnvolle Arbeit macht, trotz eines bankrotten Gesundheitssystems und unendlicher Diskussionen über das Schulwesen vergeht den Österreichern der lächelnde Optimismus nicht. Ein charmantes Volk, durch nichts aus der Ruhe zu bringen. Unter solchen Menschen lebt es sich leicht.

Lutherkirche innen am Nachmittag

Probleme?

Wer Probleme mit sich herumträgt, sollte sich auf andere Gedanken bringen. Die Autorin Christa G. Traczinski empfiehlt in ihrem Buch "Wellness-Weekend", die Probleme einfach "davonfliegen" zu lassen. Mit einer speziellen Übung soll das möglich sein.

Dazu setzt man sich an einen schönen Platz (es kann auch die Badewanne sein), schließt die Augen und atmet mehrere Male tief durch. Dann überlegt man sich, was einen belastet. Die Schlüsselbegriffe und Namen von Personen schreibt man jetzt in Gedanken auf eine große Tafel.

Nun verändert man in der Phantasie die Farben der Buchstaben - sie werden pastellfarben, rund und schön geformt. Die Tafel selbst wird fröhlich bunt. Anschließend hängt man bunte Luftballons an die Tafel und lässt sie mit allen Problemen davonfliegen.

[http://www.news.tele2internet.at/index.phtml/article/3810473]

Natürlich sollte man darauf achten, die Luftballons oben an der Tafel anzubringen – und mit Helium gefüllte Ballons zu verwenden, sonst funktioniert es ja nicht. Oh heiliger Blödsinn, das taugt aber wirklich nur für kleinere Probleme…

Mittwoch, 9. April 2008

Lutherhofimpressionen






Das schöne Wörtchen "ur"

In der österreichischen Umgangssprache kann die Vorsilbe "ur" im Sinne von "sehr" mit jedem Adjektiv oder Adverb verbunden werden: Jemand ist urlieb, urnett, urleiwand, urblöd, oder etwas ist urfad oder ureinfach. Die Verbindung mit Substantiven ist seltener, kommt aber doch auch vor: Jemand ist ein Urkomiker. Ich denke, österreichische Ohren hören darum im Wort "Urgeschichte" auch den Sinn "the very history", und das ist ja eine ganz tiefe Erkenntnis.

Wahrhaft eine Meldung für die erste Seite!


Wiener Zeitung, Samstag, 22. März 2008, S. 1