Freitag, 31. Juli 2009

Ultraklerikaler Rundumschlag gegen Walter Jens

Der Protestant Walter Jens (86) war Rhetorik-Professor in Tübingen und Weggefährte des antikirchlichen Theologen, Hw. Hans Küng.

Jens wurde für seine kirchenfeindlichen Stellungnahmen bekannt und saß im Beirat der deutschen Kirchenhaß-Organisation ‘Humanistische Union’.

In seiner Jugend war er auch Mitglied der ‘Hitlerjugend’, des NS-Studentenbundes und der ‘Nationalsozialistischen deutschen Arbeiterpartei’.

Um davon abzulenken, liebt er es, eine angebliche Schuld der von den Nationalsozialisten verfolgten Kirche an deren Verbrechen herbeizureden.

Doch seit dem Jahr 2004 ist Jens demenzkrank. In der Vergangenheit hat Jens auf der Linie seiner NS-Vergangenheit die Euthanasierung demenzkranker Menschen propagandiert.

Jens kann durch die Krankheit nicht mehr lesen und kaum noch reden – – zitiert ‘Bild Online’ Ehefrau Inge (82).

Es stehe in der Patientenverfügung des Ehepaares Jens, „daß ihr Mann so, wie er jetzt leben muß, niemals hat leben wollen.“ Sein Zustand sei schrecklicher als jede Vorstellung.

Trotzdem ist sich Frau Jens sicher, daß der ehemalige Nationalsozialist und Euthanasierungs-Ideologe an seinem Leben hängt und nicht sterben will: „Neulich hat er gesagt: »Nicht totmachen, bitte nicht totmachen.«“

Frau Jens ist sich „nach vielen qualvollen Überlegungen absolut sicher, daß mich mein Mann jetzt nicht um Sterbenshilfe, sondern um Lebenshilfe bittet“.

Es gebe noch Momente in seinem Leben, die ihm große Freude bereiteten. Zum Beispiel esse er mit „allergrößtem Vergnügen“.

Die Erfahrungen mit ihrem Mann läßt Frau Jens über die Verbindlichkeit von Patientenverfügungen zweifeln.

Trotzdem hat sie sich entschieden, beim nächsten Asthmaanfall ihres Mannes nur noch qualmindernde, aber keine lebenserhaltenden Medikamente mehr zuzulassen.

Donnerstag, 30. Juli 2009

Für und gegen Gott

Zwar nicht auf Bussen, wohl aber auf einigen Plakatwänden ist die atheistische Propaganda nun auch in Wien zu sehen. Hier einige Reaktionen aus "Heute" vom 21.07.2009.
Der erste Leserbrief des Ernst Schöberl legt den Finger auf einen wichtigen Punkt: Dass solche Aktionen in europäischen Ländern überhaupt möglich sind, hat etwas mit der abendländischen Toleranz in religiösen Fragen zu tun. Die kannten wir zwar auch nicht immer, haben sie aber doch nun immerhin seit der Aufklärungszeit.

Aber es gibt auch anderes in Wien (Standard 11./12. Juli 2009, S.1):

Petrus und Paulus

Matthias Winna, der liebenswürdige katholische Pfarrer von Pötzleinsdorf pflegt die Schnitzkunst. Anlässlich seines Goldenen Priesterjubiläums im Juni ließ er diese Karte mit einer seiner Arbeiten drucken.

Todesstrafe in China

(…) Erschreckend viele Wege führen in China zum Schafott: 68 Tatbestände sehen den Tod vor, von Gewalttaten wie Mord, Raub und Vergewaltigung über exotische Delikte wie Tötung von Pandabären und Plünderung archäologischer Stätten bis zu gewaltfreien Vergehen wie Diebstahl von Benzin, Steuerflucht und Veruntreuung. Andere todeswürdige Taten sind u.a. Kreditkartenbetrug, Verkauf schädlicher Lebensmittel, Herstellung pornografischen Materials und schwerer Gemüsediebstahl.

Schnell und strikt strafen

Die vielen Todesurteile sind auf die seit 1983 laufenden Anti-Kriminalitätskampagnen „Yanda“ („hartes Durchgreifen“) zurückzuführen. Ihr Ziel: Kriminelle schnell und strikt zu strafen. Allein in den ersten zwei Monaten nach Beginn der Kampagne sollen laut AI 1000 Menschen hingerichtet worden sein. Die Praxis des Strafrechts in China ist bis heute durch willkürliche Verhaftungen, gewaltsame Verhöre, mangelnde Verteidigungsmöglichkeiten und politisch motivierte Urteile gekennzeichnet.

Zuletzt gab es freilich eindämmende Tendenzen: So werden in der Praxis bei geringfügigeren Delikten der „Todesliste“ meist Haft- oder Geldstrafen verhängt. Seit 2007 sind die Obersten Provinzgerichte nicht mehr höchste Instanz im Strafprozess, Todesurteile müssen durch einen der drei neuen Strafgerichtshöfe des Höchstgerichts in Peking überprüft werden. Und Zhang Jun, Vizepräsident des Obersten Volksgerichts, kündigte diese Woche eine Minderung der Exekutionen an. Es solle „so wenig Todesurteile wie möglich“ geben.

Massenhinrichtung zum Feiertag


Chinesische Politiker begegnen internationaler Kritik mit dem Argument, dass die Todesstrafe nötig sei, weil sie vom Volk als Vergeltung verlangt werde. Wie viele Exekutionen es heuer geben wird, wird sich im späten Herbst zeigen: Statistiken zufolge finden sie in China oft in Form von Massenexekutionen vor Feiertagen statt – speziell vor dem 1. Oktober, dem Gründungstag der Volksrepublik.

Vor einigen Jahren noch wurde man nach der Verurteilung meist gleich erschossen. Das war umständlich, da viele Verurteilte etliche Schüsse bis zum Tod brauchten. Seit 2003 setzt man in einigen Südprovinzen wie Sichuan und Yunnan nun mobile „Exekutionsbusse“ ein. In diesen speziellen Mini-Bussen der Marke Toyota mit der Aufschrift „Fayuan“ („Gericht“) werden die Todeskandidaten mit einer Giftspritze statt mit einem Schuss in den Hinterkopf getötet.

Modernes „Exekutionsmobil“

Doch Toyota hat Konkurrenz: In der Jangtse-Metropole Chongqing werden chinesische Reisebusse der Marke „Jinguan“ („Goldene Krone“) zu acht Meter langen „Exekutionsmobilen“ namens „Shenglu“ („heiliger Weg“) umgebaut. Im Internet wirbt Jinguan für die Ausstattung des Wagens, darunter eine elektrisch betriebene Exekutionsbahre, ein Überwachungssystem mit LCD-Display, ein Leichenkasten und ein elektronisches Desinfektionssystem. (…)


Lisa Rock, Justiz in China: Die 68 Wege zum Schafott, Die Presse (Druckausgabe 31.07.2009)

Fundsache

Beim Aufräumen gefunden: Eine 32 Jahre alte Tuschezeichnung...

Ewige Gegenwart

Im späten Mittelalter waren die Weinbrunnen eine gängige Form der Herrscherrepräsentation. Bei Königskrönungen wurden sie – in bester Innenstadtlage – aufgestellt und spendeten für ein paar Stunden unbegrenzten Alkoholgenuss. Mit Fug und Recht kann man das als Flatrate-Saufen avant la lettre bezeichnen. Das waren aber Ausnahmesituationen. Heute neigt jeder Exzess dazu, zum Normalzustand zu werden. In vielen deutschen Städten ist das unkontrollierte, unlimitierte Trinken, vor allem unter Jugendlichen, zu einem ernsthaften sozialen Problem geworden.

Verschiedene Kommunen, beispielsweise Freiburg, Marburg oder Magdeburg, haben darauf mit zeitlich und räumlich begrenzten Konsumverboten reagiert. An Wochenenden darf in bestimmten Innenstadtvierteln nicht mehr öffentlich Alkohol konsumiert werden. Gerade war jedoch ein Freiburger Jurastudent mit seiner Klage gegen die lokale Regelung vor dem Baden-Württembergischen Verwaltungsgerichtshof erfolgreich; die Folgen des Urteils sind abzuwarten. Just in Baden-Württemberg aber hat die Landesregierung kürzlich ein nächtliches Alkoholverkaufsverbot für Tankstellen, Kioske und Supermärkte beschlossen, um das sogenannte Vorglühen zu bekämpfen, das besonders in entlegeneren Gegenden „Shell Select“ oder „Aral Stores“ am Wochenende zu beliebten Party-Treffpunkten macht.

Anspruch ständiger Verfügbarkeit

Solche Verbote passen scheinbar nicht mehr in unsere Zeit. Sie kollidieren mit der stetigen Ausweitung von vermeintlichen Freiheitsräumen in vielen Bereichen des Alltags, der zuletzt allein das Rauchverbot zuwiderlief. Dort konnte man aber leicht mit den gesundheitlichen Folgen für Unbeteiligte argumentieren. Beim Alkoholverbot ist schwerer zu vermitteln, warum die Ausschweifungen einiger, die damit vor allem sich selbst schädigen, die Rechte aller einschränken sollen.

Jenseits von rechtlichen Fragen liegt hier ein grundsätzliches Problem. In der Konsumsphäre hat sich ein Mentalitätswandel vollzogen, der keineswegs allein von der jungen Generation getragen wird. Freiheit wird zunehmend verstanden als unbegrenzter Zugang zu Konsumangeboten aller Art. Dass der Begriff „Flatrate-Saufen“ der Mobilfunk- und Internetwelt entlehnt ist, ist kein Zufall. Eine Werbekampagne für einen Mobilfunkanbieter verspricht „unbegrenzte Redefreiheit“ und meint damit natürlich nur einen besonders günstigen Abrechnungsmodus. Im Online-Shopping ist längst eine Norm ständiger Verfügbarkeit gesetzt, die die ganze Welt des Handels kontaminiert. Downloaden kann man immer und überall. Warum nicht alles andere auch?

Während früher nicht nur auf dem Dorf samstags mittags um zwölf Uhr dreißig der Rollladen herunterging, ist es inzwischen selbstverständlich geworden, in Innenstädten bis Mitternacht einkaufen zu können. Manche „Spätverkäufe“ oder „Trinkhallen“ ähneln heute Weinfachgeschäften. In Berlin-Mitte gehört das Samstagabend-Shoppen bei Dussmann zum Lebensstil dazu. Die Sonntagsruhe ist trotz gegenteiliger Beteuerungen in vielen Großstädten längst von Ausnahmen durchlöchert.

Die Entwicklung des Privatfernsehens zu einer dem Internet analogen, ständig verfügbaren Videothek und die zunehmende Verbreitung mobilen Zugangs zum Netz mit all seinen Konsumangeboten (einschließlich deren jeweiligen Suchtpotentialen) haben einen Sog entwickelt, der auch alle anderen Lebensbereiche verändert. Immer mehr Museen öffnen auch abends, veranstalten „Lange Nächte“, als könnte man zu dieser Zeit nichts anderes tun, als Ausstellungen zu besuchen. Sozialer Fortschritt scheint sich zu definieren als Aufhebung von Schranken. Telos ist die ort- und zeitlose Garantie sofortiger Bedürfnisbefriedigung.

Die vielen Ausweitungen der Konsumzone haben inzwischen einen Sprung von der Quantität in die Qualität vollzogen. Wenn Rollenspieler in virtuellen Welten jedes reale Zeitgefühl verlieren – Kennzeichen von Suchtkrankheiten im Netz ist ja unter anderem die Entkopplung von „normalen“ Essens- oder Schlafzeiten –, so bewegt sich die Gesellschaft als Ganzes immer weiter in die Richtung einer Aufhebung von Rhythmen und Zeitstrukturen zugunsten der ewigen Gegenwart unbegrenzten Zugriffs auf alles. Dass man an einem bestimmten Ort etwas, also eine Information, einen Artikel oder eben ein Bier, nicht kriegt (oder kein Netz hat, um es sich wenigstens schon einmal zu bestellen), wird nicht mehr als normale und naturgegebene Einschränkung empfunden, sondern als Rückständigkeit, die überwunden werden muss und wird.

Wir alle tragen diese Entwicklung mit. Wer kein Handy besitzt oder seine Mails nicht täglich abruft, dem droht in manchen Kreisen die soziale Ächtung. Mit der Möglichkeit, ständig zu kommunizieren, geht automatisch auch die Pflicht dazu einher. Wer spricht, wird auch angesprochen; mit den Kommunikationsradien wächst die Erreichbarkeit für Werbung. Unterhaltung ist überall und mit ihr die Verführung zu Flucht und Sucht. Warum man in dieser Welt des unendlichen Spaßes dann ausgerechnet den Alkohol auf der Gasse verbieten will, will den restlos befreiten Konsumenten dann nicht mehr einleuchten.


Richard Kämmerlings: Ausweitung der Trinkzone, FAZ 30. Juli 2009

Die Flatrate-Mentalität hat inzwischen sogar das älteste Gewerbe der Welt erfasst, wie man jüngst deutschen Zeitungen entnehmen konnte.

Nicht nur die Museen veranstalten "Lange Nächte", die Kirchen auch. Es ist sehr schwierig, sich diesem Zeitgeist zu entziehen.

Was waren das für Zeiten, in denen das Fernsehprogramm in der Nacht von Samstag auf Sonntag um halb zwei Uhr endete. Dann kam das Testbild - und nichts sonst. Wenn man heutigen Jugendlichen davon erzählt, ist es so, als rede man über das Mittelalter.

Mittwoch, 29. Juli 2009

Leben aus der größeren Vergangenheit...

Gesehen am Kohlmarkt

Mitunter richtig schön

Der assyrische Feldherr Holofernes, König Nebukadnezars Mann fürs Grobe, will auf seinem Welteroberungsfeldzug zu biblischer Zeit die belagerten, widerspenstigen Hebräer zur Aufgabe zwingen, indem er ihnen die lebensnotwendige Wasserleitung abgräbt. Der Mangel ist eine effektvolle Taktik der Kriegsführung. Regisseur Sebastian Nübling hingegen hat bei den Salzburger Festspielen eine konträre Methode angewandt. Er überschwemmt bei der Premiere seiner „Judith“ am Montag auf der Perner Insel in Hallein die Zuseher mit Überfluss. Am Ende aber liegt so mancher Betrachter nach drei Stunden Gesamtkunstwerk ebenfalls kopflos wie Holofernes da. Denn diese Show war genial und dilettantisch, schön und gewöhnlich, witzig und platt zugleich. Man kann nicht wirklich behaupten, dass Nübling diese Schlacht gewonnen hat. Aber er hat es wenigstens mit allen Mitteln versucht.

Das postmoderne Setting: Gleich drei Judith-Figuren machen sich auf, um mindestens eine Handvoll Holofernes-Darsteller zu betören und dann zu enthaupten. Es wird deklamiert, musiziert und getanzt, für Bildungsbürger gibt es am Ende sogar Scharaden nach barocken Schinken, zuvor komplexe Arien in Latein. Die Bausteine sind die apokryphe Judith des Alten Testaments, Antonio Vivaldis (1678–1741) „Juditha triumphans“ und Friedrich Hebbels (1813–1863) Drama „Judith“. Als wäre das nicht genug, hat Performerin Anne Tismer das Geschehen mit frechen, leider auch viel zu simplen Girlie-Texten versehen, und der Komponist Lars Wittershagen hat die alte Musik mit Eigenem aufgepeppt. Gerade wenn Vivaldi interessant zu werden droht, fährt eine Combo mit Jazz oder Rapp dazwischen. Der musikalische Leiter Lutz Rademacher hat alle Hände voll zu tun, sein barockes Ensemble mit den Neutönern in Einklang zu bringen. Mitunter war das richtig schön.


Zeitgeistige Wortfetzen zwischen Hebbel

Was aber läuft eigentlich ab? Wenig Hebbel. Für den ist Stephanie Schönfeld als klassische Judith zuständig. Ihr gelingt, diese Einsprengsel überzeugend darzustellen. Das muss schwer sein, denn kaum hat man sich an einen echten Hebbel-Satz gewöhnt, fährt Tismer mit zeitgeistigen Wortfetzen dazwischen. Die Interferenz gelingt zuweilen, oft aber sind die abgefuckten Phrasen echt peinlich. Mann, Nübling! Diese überspannten Tussen gehen einem mit der Zeit echt auf den Keks.

Eine wunderbare Viola d'amore hallt noch nach, schon muss man sich damit beschäftigen, dass eine Leistungsturnerin erklärt, wer gerade welche ihrer Körperöffnungen benutzt. Dann wird geflennt über die Schlechtigkeit der globalisierten Welt, über den Wirtschaftsfaktor Wasser. Ganz was Neues, aber was hat es mit Judith zu tun? Vielleicht soll der rätselhafte Benjamin-Spruch erfüllt werden, den Judith mittendrin mit Wasser an die Wand malt: „Die Produktion der Leiche ist, vom Tode her betrachtet, das Leben.“

Wie viel erbaulicher wirkt es, wenn Mezzosopranistin Tajana Raj das Machogehabe der Holofernesse über sich ergehen lässt. Sie bleibt stimmsicher, während sie von mehreren schmutzigen Typen begrapscht wird. Unter den Feldherrn ist der hünenhafte Sebastian Kowski der Leitwolf, eine tolle Darbietung, assistiert von Sebastian Röhrle, Dino Scandariato und Matias Tosi. Ganz in Schwarz mit riesigem Reifrock schwebt der Countertenor Daniel Gloger über die Bühne und hat Probleme mit den Koloraturen. Ein weiteres Sängerquartett muss ungewöhnlich agieren, treibt per Bibel-Rap die Handlung voran, tritt dann in einem Fenster der hinteren, beweglichen Bühnenwand auf. Muriel Gerstner ist einfallsreich, dank ihrer Bühne und ihrer Kostüme gelingen doch einige sehr beeindruckende Bilder.

Die Handlung aber, die ist, bei aller Länge und Üppigkeit, schwer zu erahnen. Hat dieses Unternehmen System, oder ist es ein zügelloser, unkoordinierter Angriff auf die unbefestigte Stadt Hallein? Folgende Einschätzung bleibt eine gefühlsmäßige: Vor der Pause bei aller Gewöhnungsbedürftigkeit unterhaltsam und meist auch flott. Dann fehlen die magischen Momente, das Unternehmen zerfasert.

Judiths mörderischer Besuch im Lager des Feldherrn endet im Nachtklub. Da wieder ist Tismer mit ihren exzessiven Tanzübungen in Hochform, ein reizvoller Kontrast zu den beiden anderen Judiths, die stoisch ihr Opfer auf sich nehmen, singend und deklamierend zu stricken beginnen.

Schließlich gibt es noch das erwähnte Ratespiel mit barocken Bildern. Das Fenster in der Hinterwand geht auf: Ha! Die Judiths säbeln dem Holo die Birne ab, als hätten sie es bei Artemisia Gentileschi gelernt. Fenster zu, Fenster auf. Ist das jetzt ein Mord nach Tintoretto? Das Blut spritzt, die Damen stellen es in Form ihrer roten Strickwolle dar. Die Szene erstarrt. Hin ist er, der böse Mann.

Kritik von Norbert Mayer in der Presse

Das müsste vermutlich nicht sein, aber da es da nun einmal gibt und es sogar eine solche anregende Kritik evoziert, kann ich nur sagen: Neugierig wäre ich schon auf diesen misslungenen Versuch. Kuinst darf auch verstörend sein, sogar im Rahmen der Salzburger Festspiele.

Dienstag, 28. Juli 2009

In Fenstern gespiegelt


Stift Klosterneuburg

Die Sache mit dem Mond

Stellen Sie sich vor, Sie übernachten bei Ihrem neuen Liebhaber, einem durchaus intelligenten Mann, und entdecken morgens in seinem Badezimmer einen Mondkalender. Am ersten Morgen lässt sich dies noch ignorieren, doch irgendwann stellen Sie die fatale Frage: »Sag mal, glaubst du an den Einfluss des Mondes?« »Der ruft Ebbe und Flut hervor«, wird er sagen, »warum sollte er nicht auch das Wachstum von Karotten und Haaren, den Zyklus der Menstruation, ja vielleicht auch Geldströme beeinflussen?

Wäre die Frage nach dem Wirken des Mondes nur eine des Glaubens! Doch anders als Ihr Glaube an Gott hat sein Glaube an den Mond praktische Konsequenzen. Dass Ihr Partner nur teures Gemüse kauft, bei dessen Aufzucht stinkende Zaubertränke bei Vollmond in den Boden eingelassen werden, zehrt bald Ihr Konto auf. Die Fenster putzt er nur an bestimmten Tagen, über die ihn das Internet informiert: »Bei günstigem Mond einfluss gibt es weniger Streifen.« Ihre Launen wird er mit dem sich nähernden Neumond erklären. Weil Ihre Haare ergrauen, schickt er Sie zum Mondfriseur. Der wird sagen: »Das ist eine Frage des Biorhythmus, das hat mit Esoterik nichts zu tun.« Bei »Problemkunden« wie Ihnen nehme »das Haar die Chemie bei zunehmendem Mond einfach besser an«.

Wenn Ihr Schatz Ihnen seinen Kinderwunsch mit dem Hinweis artikuliert, »am wirksamsten zur Empfängnis zu nutzen« sei »der Tag, der dem Mondwinkel bei der Geburt vorausgeht«, und sich dabei auf wissenschaftliche Studien bezieht, wird es ernst. Kommen Sie nie auf die Idee, darauf hinzuweisen, dass zwar Licht einen Einfluss auf Ihren Hormonhaushalt hat, aber die Straßenlaterne vor dem Fenster weit heller ist als der Mond über der Smogglocke Ihrer Stadt, dass zwar die Gravitation des Mondes ein physikalischer Fakt ist, aber unabhängig von dessen Stand die Erdanziehung doch wesentlich stärker ist. Vergessen Sie Ihre pseudowissenschaftlichen Argumente. Denn in Wahrheit hängt alles vom Einfluss der Sonnenwinde ab. Die bestimmen, wer an den Mond glaubt und wer nicht. Und Studien zeigen: »Nur starke Sonnenstürme in der dritten Woche an der Mutterbrust erklären die Vorliebe für das kalte Licht und die öde ewige Wiederkehr dieses kleinen Erdtrabanten.«

Sabine Sievers: Leben nach dem Mond II, jungle-world.com

Free style

Montag, 27. Juli 2009

Gott ist schön

Ein Greis mit rauschigem Bart: Viele denken, dass Gott so aussieht. Dies dokumentieren zahlreiche Gemälde, die den Schöpfer darstellen sollen. Biblisch gesehen dürfte das Unsinn sein, Gott dürfte auch äusserlich mit einer atemberaubenden Schönheit überzeugen.

Gott, der Schöpfer, ist ewig und deshalb das älteste Wesen im Universum. Das heisst aber noch lange nicht, dass er alt aussieht. Dem zum Trotz wird er auf vielen Bildern als uralt dargestellt. Möglich, dass man im Mittelalter ausdrücken wollte, dass er weise ist. Doch damit dürfte man Gott optisch gesehen wesentlich älter gemacht haben, als er ist.

Denn bereits auf den ersten Seiten der Bibel hinterlässt Gott einen Hinweis, wie er aussieht. Er schuf den Menschen zu seinem «Ebenbild».* Damals war die Schöpfung noch intakt und der Tod existierte nicht. Eine Zeit, in der der Körper nicht alterte. Adam und Eva, die ersten Menschen, würden heute rein durch ihr Äusseres wohl alle blenden. Denn damals war die Natur, zu der ja auch der Mensch gehört, perfekt.
Adam wird deshalb besser ausgesehen haben als Enrique Iglesias, Brad Bitt und Cristiano Ronaldo zusammen. Und das Ganze, ohne zu altern. Und Eva muss ihm in nichts nachgestanden haben – schliesslich hatte sie den gleichen Schöpfer.

* Die Bibel, 1. Mose, Kapitel 1, Vers 27

Der schöne Gott

Es gibt also keinen Grund anzunehmen, dass der Erfinder des Schönen nicht selbst schön ist. Zumal die menschliche Schönheit gemäss diesem Bibeltext sein Abbild ist.

Gott plant eine neue Erde, die so ist, wie er die jetzige gedacht hat. Eine Welt ohne Leid und Tod. «Er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein. Ja, von nun an wird Gott selbst in ihrer Mitte leben. Er wird alle ihre Tränen trocknen, und der Tod wird keine Macht mehr haben. Leid, Klage und Schmerzen wird es nie wieder geben; denn was einmal war, ist für immer vorbei.»
Gott in Natura

Die Bibel liefert verschiedene Hinweise auf diese zukünftige Welt. Diese hat nichts zu tun mit gängigen Darstellungen eines langweiligen Himmels. Im Gegenteil: pulsierendes Leben in einer «geheilten» Welt.

Der Gedanke ist abwegig, dass da mittendrin ein Gott sitzt, der nichts anderes als ein Tattergreis ist. Da liefert das «Buch der Bücher» handfesteres: «Die Stadt erstrahlte im Glanz der Herrlichkeit Gottes. Sie leuchtete wie ein Edelstein, wie ein kristallklarer Jaspis.» Diesen Gott in Natura sehen zu dürfen, das muss eine Wucht sein, die man sich nicht entgehen lassen sollte.

Daniel Gerber


Ein vielleicht zunächst sehr ungewohnt und hergeholt klingender, aber andererseits auch überzeugender Gedankengang. Nur, dass die Schönheit Gottes natürlich alle Schönheit dieser Welt blass aussehen lässt. Wir sind nur Ebenbild, Abglanz, Widerschein. Aber das Bild des alten Mannes mit Bart, der irgendwo auf den Wolken thront und auf die Pension zu warten scheint, das sollte wirklich ausgedient haben.

Hereinspaziert!

Hell und dunkel

Wer in die grenzenlose Intimität mit Gott eintaucht, stürzt - um noch auf die beunruhigendsten Passagen in den Bekenntnissen von Bruder Ephraim hinzuweisen - oft auch in die Intimität mit dem Teufel. Er erlebt, dass manchmal sogar Maria sich seiner Nähe entzieht und dass in mondloser Nacht sich nur noch eine Hilfe anbietet, ein magisches Brauchtum aus der reformierten biblizistischen Vergangenheit des Gemeinschaftsgründers: das Bibelorakel, das Sich-Führen-Lassen durch eine blind aufgeschlagene Bibelstelle. Die Seele, ins Grenzenlose gestossen oder selber ins Unendliche treibend, rächt sich an ihrem eigenen, sie überfordernden Glauben und stürzt sich in eine perverse Intimität mit dem Teufel. Arbeitet Gott gar mit dem Teufel zusammen, dass er diese Nächte zulässt? Wir brauchen anders als Bruder Ephraim in unserer Erklärung dieser Höllen nicht in den Himmel hinaufzugreifen und an eine Verschwörung von Licht und Nacht zu denken. Der helle und der dunkle Teil unserer Seele verschwören sich gegen uns, wenn wir sie auseinanderreissen wollen. Wer Heiliger werden will, wer ins Vollkommene drängt, der wird fast zwangsläufig von Dämonen heimgesucht. Er überfordert sich in seinem Drang nach Vollkommenheit, in seinem Nein zu seinen eigenen Schatten. Seine Schatten werden ihn heimsuchen, sobald seine neue religiöse Begeiserung erlahmt. Er stürmte himmelwärts. Bevor er zur Erde zurückfindet, wirft der Dunkle ihn in seine Hölle. Vielleicht, dass ihm anschliessend ein Leben als begrenzter Mensch in einer begrenzten Welt gelingt.

Kreuzgang im Stift Klosterneuburg

Bitte schütteln

Bibel Orakel

Zuerst dachte ich, was ist denn das für ein merkwürdiges Programm? Orakeln mit der Bibel, das kann doch nichts sein? Nach dem Aufruf des Programmes, stellt man sich eine wichtige Frage auf die man eine Antwort oder einen Rat benötigt und schüttelt nachfolgend das Gerät. Danach erhält man eine Antwort, mit einem Zitat aus der Bibel und einer Erklärung. Ich war skeptisch und probierte es aus. Doch die Antwort passte genau. Reiner Zufall? Also, noch einmal probiert, mit einer anderen Frage. Die Antwort passte wieder ganz genau. Ein drittes Mal probiert und wieder passte die Antwort. Ich war erstaunt. Ein aussergewöhnliches Programm.

skaldenland.net

Samstag, 25. Juli 2009

Donnerstag, 23. Juli 2009

Die Votivkirche..

... von der Straßenbahn 42 aus gesehen.

Die Schangse

Feuilletonisten unter sich

– Na, Kinners, wo wir schon mal so schön zusammensitzen hier im "Berliner Krug". . .

– Sozusagen Treffen von Deutschlands Spitzenfeuilletonisten. . .

– Du sachst es. . .

– Also: Welche Operninszenierungen der letzten Säsong mochtet ihr am meisten?

– Ganz klar: Tilman Knabe in Köln mit Camille Saint-Saëns’ "Samson und Dalila". Blut, Vergewaltigung und Mord im Gaza-Streifen. Massenhaft streikten Chormitglieder, weil sich die Gräuel auf ihre Mägen schlugen.

– Dufte. Aber nüscht gegen Jens-Daniel Herzog. "Lohengrin" im Kino. Russisches Roulette statt Schwertkampf. Offenlegen der tieferen Bedeutungsschichten. . .

– Mensch, Karl-Mathias, wir sind hier alle vom Fach, Du kannst das Schwurbeln lassen. Das ist nur für unsere Leser. Hier haste die Schangse, mal Klartext zu reden.

– Logo. Aber dieser "Lohengrin". . . Mann. . . !

– Na, nu krieg’ Dich wieder ein. Wer Calixto Bieitos "Armida" hier in Berlin nicht gesehen hat, hat gar nüscht gesehen.

– Recht haste. Kopulation, Sado-Maso. . .

– . . .überall Penisse . . .

– . . .Strangulierung der Madonna . . .

– Das hat mit dem ollen Christoph Willibald Gluck nüscht mehr zu tun gehabt. Das war Regie pur. Total abgelöst vom Stück. Echt steil!

– Kinners, ihr seid lieb, aber ihr habt null Ahnung. Ich sah da ’was in Österreich . . .

– Was? In Ösitanien? Die spielen auch Oper?

– Ja. Und wie! Kennste Wels?

– Klar, mit Basilikum. Aß ich in Gent, wo ich wegen ’ner Bieito-Premiere war . . .

– Dumpfbacke! Ich meine den Ort bei Linz. Dort hamse "Lohengrin" gespielt. Just so, wie Wagner es wollte. Mystische Gestalt, Konflikt Christentum-Heidentum. Frage nach dem Wesen eines Menschen. Total psychologisch. Weißte, dass ich zum ersten Mal richtig auf die Musik hörte?

(Betretenes Schweigen.)

– Neeeeee, Wagner pur ist mir zu radikal.

– Kinners, das wäre nüscht für mich. Da müsste ich ’ne Ahnung von Musik haben.

– Lieber schwurbeln. Liest sich intellektueller.

– Werkgerechte Regie . . . Menschenskind, wenn sich das durchsetzt, merkt mein Chef, dass ich ’ne Flöte nicht von ’ner Fuge unterscheiden kann, und ich sitze wieder in der Anzeigenabteilung.

– Ade Dienstreisen und Premierendiners.

– Unsere Treue heißt Regietheater.

– Genau. Da weiß man, was man schreibt, wenn man vom Metier auch null Ahnung hat.

Wiener Zeitung, Printausgabe vom Samstag, 11. Juli 2009

Was bleibt?

Was bleibt?

Wenn deine Schönheit, dein Talent man preist,
Sei der Gedanke stets dir gegenwärtig:
Das Leben wird mit allem, allem fertig,
Und wie das Antlitz altert auch der Geist.

Du meinst: »Verschmerzen läßt sich der Verlust,
Die Zeit mag ihres strengen Amtes walten,
Bleibt mir nur eins, das Köstlichste, erhalten:
Die tiefe Liebeskraft in meiner Brust!«

So wisse: müd, erschöpft und abgehetzt
Fühlst du dereinst auch diese Kraft dir schwinden,
Dein Herz vertrocknet, stumpf wird dein Empfinden,
Nicht lieben kannst du mehr – – was bleibt zuletzt?!

Betty Paoli

Vom Schlaf

In meinem achtundzwanzigsten Jahre hörte der ungehinderte Schlaf für mich auf, eine Selbstverständlichkeit zu sein und etwas, darauf ich Anspruch zu haben meinte. Von da an begannen Schlafarmut und Schlaflosigkeit zuzunehmen und sich zur Lebensbürde zu entwickeln. Schließlich stand ich vor der Notwendigkeit, diese Last in mein Leben hereinzunehmen, sie ihres Charakters als einer Kette unglücklicher, aber zufälliger Einzelumstände zu entkleiden, sie als Teil meines Selbst anzuerkennen und mich mit ihr abzufinden, nicht anders als mit der Kurzsichtigkeit oder mit sonstigen Unzulänglichkeiten des Körpers, ohne daß ich nun sagen dürfte, dies sei mir in voIIem Um­fange gelungen.

Aber erst von jener Zeit an hat sich mir der Sinn für das Phänomen des Schlafes geöffnet, und vielleicht kennt auch nur der schlechte Schlä­fer die ganze überwältigende Güte und Begnadung des Schlafes, wie nur der Verbannte die Süßigkeit der Heimat zu empfinden vermag. Mit welcher Hingabe kann, schläft er denn einmal, der schlechte Schläfer schlafen, und wieviel Essenz des Schlafes läßt sich mitunter in eine einzige Schlafstunde zusammenpressen! Der Schlaflose ist aus­geschlossen aus der Schöpfung, ausgeschlossen aus der Gemeinsam­keit einer allen Wesen gewährten Gnade. Aber welches Glück genießt er, wenn das Herrliche, das sich nicht herbeizwingen läßt, wenn der göttliche Gast sich freien Willens, sich geschenkweise bei ihm nie­derläßt! Es ist nicht von ungefähr, daß ich viele Schlaflieder geschrie­ben habe. Und wer außer dem schlechten Schläfer kann die ganze Tie­fe des Psalmwortes fühlen: »Ich liege und schlafe ganz in Frieden, denn allein du, Herr, hilfst mir, daß ich sicher wohne!« Die glückli­chen Neunstundenschläfer genießen jenes ungeheure Kraftreservoir, das allen denen offen steht, welche die Gabe haben, solange zu schla­fen, bis sie geweckt werden. In Stunden nächtlicher Verzweiflungen neigt man dazu, sie zu beneiden. Aber vieIIeicht ist ihnen auch eine ganze Seite der Schöpfung verschlossen; sie kennen das Behagen, nicht das Glück des Schlafes. - Nun ist es nicht an dem, daß der ver­ringerten Schlaffähigkeit auch ein vermindertes Schlafbedürfnis ent­spräche, was erst zu den unschätzbaren Vorteilen des Alters gehört, in welchem die Schlaflosigkeit nachläßt, eine Tortur zu sein. In jüngeren Jahren aber kommt man bald dahin, sich periodisch im Zustande eines fortwährenden Schlafdefizits zu befinden. Man sucht mit allerlei Knif­fen den Schlaf herbeizunötigen oder herbeizulisten, man schluckt Tropfen und Tabletten, rammt sich Fremdkörper in die Ohren. Zu­weilen hilft dergleichen. Doch zeigt es sich, daß es wichtiger ist, die Schlaflosigkeit entgiften als sie beseitigen zu wollen. Man soll brechen mit dem Zählen der geschlafenen Stunden, einer Art Bilanzfalschung, bei der man immer versucht ist, nach unten abzurunden. Diese Rech­nungsergebnisse interessieren niemanden und sollten auch einen selber nicht über Gebühr interessieren.

Nun gibt es hier die absonderlichsten Meinungen. Gut schlafen ist ei­ne Schande, schlecht schlafen in den Augen vieler schlechten, vieler angeblich oder doch vermeintlich schlechten Schläfer ein Ruhm, während es doch niemandem beikäme, mit seiner schlechten Ver­dauung zu renommieren. Gegenüber der Äußerung, man habe die ganze Nacht »kein Auge zugetan«, verhalte ich mich skeptisch. Von durchreisten, durchbummelten oder sonst aus irgendeinem Grunde außerhalb des Bettes verbrachten Nächten abgesehen, ist es mir nur zweimal in meinem Leben widerfahren, daß ich eine ganze Nacht lang ohne jeglichen Schlaf geblieben bin.

Ich erinnere mich einer Dame, mit der wir eine Zeit lang das Haus teilten. Dies Haus hatte dünne Holzwände, ich hörte sie oft schnarchen, und morgens erklärte sie, voller Vorwurf gegen das Universum, kein Auge geschlossen zu haben. Am Vorabend einer kleinen Reise, die ich zu machen hatte, verabschiedete ich mich von ihr und nahm ver­schiedene Besorgungsaufträge entgegen. An diesen Aufträgen wollte sie noch etwas ändern, und so fand ich in der Frühe einen Zettel von ihr auf dem Tisch. Er war überflüssigerweise datiert und trug den Vermerk 4Yz Uhr morgens«. Zum Unglück hatte mein Sohn den Zettel mitsamt dem Zeitvermerk schon um elf Uhr abends auf dem Tische. liegen sehen.

Das Schnarchen gilt als schimpflich, während den Husten niemand für schimpflich hält. Das Schnarchen verrät den Schläfer. Der Schnar­cher tut nicht wohl, zu behaupten, er habe kein Auge zugetan. Im Schnarchen also liegt ein Moment der Indiskretion, denn der Mensch will und soll nun einmal im Schlafe nicht beobachtet sein.

Werner Bergengruen

Mittwoch, 22. Juli 2009

When shall we three meet again?

Das Sterben bei den Dayak

Das Sterben beginnt bei den Ngadju-Dayak bereits vor dem Tod. Einige Zeit vor seinem tatsächlichen Tod bekommt jeder Mensch ein Zeichen seines baldigen Endes: Eine völlige Wandlung seines Charakters setzt ein. Wer gutherzig und freundlich war, wird nun hartherzig, der Tapfere wird zum Feigling und umgekehrt. Sobald die Angehörigen eine derartige Charakterveränderung bemerken, opfern sie dem mächtigsten sangiang, Tempon Te/on, um das Geschick abzuwenden. In aller Stille trifft man jedoch Vorkehrungen für den Todesfall, um nicht davon überrascht zu werden. Hier zeigt sich m. E. klar, daß das Sterben nicht ein plötzliches Ereignis darstellt, sondern als ein Prozeß aufgefaßt wird, dessen Vorzeichen bereits vor dem eigentlichen Tod sichtbar werden.

Die Tatsache, daß sich bei dem Todeskandidaten eine totale Umkehrung seines Charakters vollzieht, ist bemerkenswert. Sie steht in enger Beziehung zu den Jenseitsvorstellungen der Dayak: die Toten machen nämlich alles anders als die Lebenden. In der Charakterveränderung des noch lebenden Menschen zeigt sich schon sein langsamer Übergang in eine andere Seinsweise.

Maria Susana Cipolletti: Langsamer Abschied. Tod und Jenseits im Kulturvergleich. Roter Faden zur Ausstellung, Museum für Völkerkunde Frankfurt am Main 1989, S. 80f.

Weibliche Phantasien

Lange habe ich dem Ammenmärchen Glauben geschenkt, Frauen hätten nur in den seltensten (und dann schon als krankhaft einzustufenden) Fällen konkrete sexuelle Phantasien, wenn sie einen Mann sehen. Inzwischen ist mir so oft das Gegenteil bestätigt worden (von Frauen sehr verschiedenen Typs), dass ich mir bei einer solchen Szene denke: Da wird dem Mann im Geist schon die Hose ausgezogen von einigen der Betrachterinnen. Size matters - das ist wohl doch nicht nur pornographische Phantasie... Und auch die Frage, in welcher Richtung das Geschlechtsorgan in der Hose abgelegt ist, scheint mitunter von Bedeutung zu sein. So sagte mir eine Bekannte einmal, sie lasse sich grundsätzlich nur mit "Linksauslegern" ein. Und da ging es nicht um Politik.

Sommer

(...) und Postkarten trudeln
ins Haus, ganz wesentliche Motive, ein Blatt
in die alte Maschine zu spannen, die Sätze
zu suchen, die im Netz der Nichtigkeiten
hängengeblieben sind...

Jürgen Becker

Praterstern



Deutschland, geh voran

Nordrhein-Westfalens Arbeitsminister Laumann hat Überlegungen der Bundesbank zur Erhöhung des Renteneintrittsalters kritisiert. Wer jetzt für die Rente mit 69 eintrete, erntferne sich von der Lebenswirklichkeit der Rentner, sagte Laumann der "Westdeutschen Zeitung". Es müsse zunächst darum gehen, altergerechte Arbeitsplätze für die Rente mit 67 zu schaffen, meinte der CDU-Politiker. Die Menschen dürften nicht verunsichert werden. - Die Bundesbank stellte klar, dass es sich um eine Modellrechnung und nicht um eine Forderung gehandelt habe.

DLF-Nachrichten 22.07.2009, 6 Uhr


Die Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre ist in Deutschland schon seit ein paar Jahren beschlossene Sache. Es steht nicht zu erwarten, dass eine nennenswerte Zahl von sozialversichungspflichtig Tätuigen bis zu diesem Zeitpunkt arbeitet, das faktische Renteneintrittsalter wird auch in Zukunft darunter liegen, ja, die Schere zwischen Theorie und Lebenswirklichkeit wird sich weiter öffnen. Aber die Abschläge auf theoretisch erzielbare Renten und Pensionen werden zunehmen und so zur Rettung des Systems beitragen. Nach neueren Rechnungen reicht auch 67 dazu noch lange nicht aus...
In Österreich wird eine solche Diskussion bislang nicht geführt, aber auch das österreichische Pensionskassenwesen wird über kurz oder lang ohne eine Erhöhung der realen oder fiktiven Lebensarbeitszeit zusammenbrechen.
In diesem Zusammenhang fällt mir immer wieder die deutsche Hochschulreform der 70er Jahre ein: Nach der damals in Kraft getretenen Novellierung des Dienstrechts durften Universitätsprofessoren nicht mehr bis 68 (oder länger) im aktiven Dienst bleiben, sondern wurden pflichtmäßig mit 65 in Pension geschickt, was oft und lautstark bejammert wurde. Das ist begreiflich, denn Wissenschaftler und akademische Lehrer erreichen ja oft erst weit jenseits der 50 das Maximum ihrer Leistungskraft und wirklich gut dotierte Stellen und können ihre Tätigkeit zweifellos länger ausüben als die meisten anderen Erwerbstätigen. Für Pfarrer gilt das übrigens auch. Der Gedanke, in gut dreizehn Jahren in den Ruhestand zu gehen (bzw. gehen zu müssen), mutet mich ziemlich absurd an. Bei diesem Thema alle über einen Kamm scheren zu wollen, ist nicht angemessen.

Nicht nur Asphalt

Hic et nunc

Dienstag, 21. Juli 2009

Summer in the City

Uns besinnen auf die wirkliche Bestimmung unseres Lebens

Wie oft lassen wir uns (…) auf die Heilsversprechungen der Welt ein. Wir suchen Rat in Horoskopen und Hilfe und Heil in der Esoterik. Wir öffnen uns fragwürdigen und gefährlichen Praktiken, wie Reiki u. ä. Selbst Kirchgänger fallen in den heidnischen Aberglauben zurück und glauben an fernöstliche Lehren wie die Reinkarnation. (…)

Statt in fernöstlicher Manier in die Leere zu starren sollten wir uns wieder in der Betrachtung der christlichen Heilsgeheimnisse üben und uns der Liebe Christi und der Heiligen, wie sie uns etwa in der Ikone entgegenstrahlt, öffnen. Wir müssen uns bewusst sein, dass es einen unversöhnlichen Gegensatz zwischen der Lehre des alten und neuen Heidentums und der christlichen Botschaft gibt.

Während das Heidentum keinen Erlöser kennt und die Erlösung, die meist in der Auflösung des Ichs besteht, durch magische Praktiken und esoterische Lehren verspricht, so ist die wahre Erlösung nur in und durch Christus möglich, niemand kommt zum Vater außer durch ihn! Entscheiden wir uns also wieder für ein Leben aus dem christlichen Glauben und lassen ab von fragwürdigen und oft teuren neuheidnischen Praktiken. (…) Und denken wir immer daran: Gottesfurcht schützt vor Heidenangst!

(…) Der Mensch ist keine Maschine, die ununterbrochen tätig sein kann und wenn selbst der gottmenschliche Erlöser immer wieder Zeiten benötigte, in denen er sich zur Ruhe und zum Gebet zurückzog, wieviel mehr brauchen dann wir schwachen, einfachen Menschen diese Zeiten. Unser Zeitalter ist vielleicht wie kein anderes vor ihm durch eine extreme Betriebsamkeit und Hektik bestimmt. Die Menschen erfinden Maschinen, die ihnen viele schwere und zeitaufwendige Arbeit abnehmen und scheinen doch zugleich weniger Zeit als je zuvor zu haben.

Selbst wenn wir mehr Freizeit haben als je eine Generation vor uns, füllen wir auch diese mit Aktivitäten in Überfülle und hetzen von einer Attraktion zur nächsten. Nach einem völlig ausgebuchten Wochenende erscheinen wir dann montags kaputter auf der Arbeit als wir sie Freitags verlassen haben.

Lassen Sie mich eine Erklärung versuchen zu diesem Phänomen der ständigen Zeitknappheit, der Hektik und des Getriebenseins. Es ist meine feste Überzeugung, dass auch dieses Phänomen unserer Zeit mit dem Verlust des christlichen Glaubens, mit der Gottvergessenheit unserer Zeit zusammenhängt. Wer gemäß dem Kirchenlied, das in Zeiten schwerster Not entstand, „nur den lieben Gott lässt walten“, der ist sich darüber bewusst, dass wir zwar das Unsere tun sollen, dass aber letztlich alles in Gottes Hand liegt und wir uns zuversichtlich seiner Vorsehung anvertrauen dürfen. Er weiß am Besten, was wir benötigen, und er wird es uns, wenn wir uns in rechter Weise an ihn wenden, auch zuteil werden lassen.

Dieses Vertrauen in die väterliche Vorsehung schenkt eine tiefe und innere Gelassenheit. Der Gläubige weiß zugleich, dass das irdische Leben immer auch ein „Tal der Tränen“ ist, dass das vollkommene Glück hier nie zu erreichen ist und dass wir immer nur eine Vorverkostung der künftigen Herrlichkeit erlangen können. Der Gläubige weiß, dass er hier seinem göttlichen Meister folgen muss, der Verrat, Verhöhnung, Abneigung, Folter und Tod auf sich genommen hat, um uns von der Sünde Adams zu erlösen und uns ein Zeugnis seiner Liebe zu geben.

Wer dagegen jene Vorsehung vergisst und wer auch das ewige Ziel, den Himmel, aus den Augen verliert und sein gesamtes Glück auf Erden finden will, der wird ein Getriebener, ein Rastloser, auf ihm wird der Fluch liegen, dass er ewig nach Ruhe sucht, doch diese im Getriebe der Welt nie finden wird. Er verliert in dieser Rastlosigkeit sich selbst ebenso aus den Augen, wie er seinen Nächsten und Gott aus den Augen verliert. Weshalb sollte er sich aufopferungsvoll um einen Mitmenschen kümmern, wenn er doch damit die kostbarste Zeit seines kurzen Lebens auf Erden vergeudet. Wenn es keinen Himmel gibt, dann gibt es auch keine Verantwortung dem anderen gegenüber und dann bin ich nur mir selbst der Nächste. Dann muss ich über Leichen gehen, um mein höchstes Glück auf Erden zu erlangen. Doch ich verspreche Ihnen, wer so denkt, der wird sein Glück nie finden! Auch die großen Ideologien des 20. Jahrhunderts, der Nationalsozialismus und der Kommunismus versprachen den Himmel auf Erden, doch sie schufen die Hölle auf Erden.

Wir wissen aber, dass wir uns der göttlichen Vorsehung, dem Vater im Himmel, anvertrauen können, wir wissen, dass wir dem Beispiel des Gottmenschen folgen dürfen und uns Zeiten der Rast und Ruhe gönnen dürfen, in denen wir uns im Gebet unserem Gott zuwenden, uns wieder besinnen auf die wirkliche Bestimmung unseres Lebens. Wir dürfen uns eine Zeit gönnen, in der wir nur die Schönheit der Schöpfung betrachten und dem Schöpfer für dieses große Geschenk danken. Dann erfahren wir plötzlich die Verlangsamung der Zeit, wir erfahren, wie der Geist aufatmet und der Körper Ruhe findet.

Peter H. Görg

Blick in die Martinstraße hinunter

Liebe

Ihr fragt, wie lange sind sie schon zusammen?
Seit kurzem. - Und wann werden sie sich trennen? -
Bald.
So scheint die Liebe Liebenden ein Halt.

Bertolt Brecht, Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny

Tot steht er wieder auf...

Was noch geschehen wird, das kann ja niemand wissen.
Wie mancher legt sich auf sein Kissen
Gesund am Abend hin und steht am andern Morgen
Tot wieder auf. Ich habe Sonnenschein
Und Regen oft zugleich gesehn.
Kann nicht das Glück
Den Niedrigen gar bald erhöhn?

Rezitativ des Don Quichotte aus Georg Philipp Telemanns köstlicher kleiner Oper "Don Quichotte auf der Hochzeit des Camacho" (1761). Das Libretto stammt von Daniel Schiebeler (1741 - 1771), der Librettist war also ein Jüngling, als er diesen höheren Blödsinn zu Papier brachte.

Fast ein Sinnbild...

... unseres Zeitalters: Spricht viel - mit dem Handy! Und natürlich ohne Bindung.

Liturgischer Spiegel auf Augenhöhe

Die Frage „Schatz, was soll ich bloß anziehen?“ kennt Mann nur allzu gut aus dem profanen Umfeld, wenn es gilt, sich auf ein besonderes Ereignis kleidermäßig vorzubereiten. Das Schwierige an dieser heikel zu beantwortenden Frage ist, dass sie vom Partner in den seltensten Fällen richtig beantwortet werden kann. Hilfreicher ist da als Gegenüber meistens die beste Freundin, da sie die Problematik aus eigener, leidvoller Erfahrung kennt. Doch diese Frage ist kein frauenspezifisches Problem. Sie beschäftigt auch den ein oder anderen Mann, gerade wenn es um Anlässe geht, die man nicht regelmäßig besucht. Dann ist man eben doch unsicher, welches die angebrachteste Kleidung ist und möglicherweise dankbar über einen Dresscode. Wird dieser Frage im profanen Bereich ein nicht außer acht zu lassender Stellenwert eingeräumt, darf sie erst recht im sakralen Kontext nicht zu kurz kommen. Hierbei eröffnet uns die allegorische Auslegung des Canticum Canticorum als Darstellung der Liebesbeziehung zwischen Gott und seinem Volk durchaus die Möglichkeit, selbst die Frage zu stellen: „Schatz, was soll ich bloß anziehen?“ Und tatsächlich taucht die Thematik der Kleidung in der Bibel häufiger auf, als man zunächst denken könnte. Vom Alten Testament angefangen, wo die Menschen erkannten, dass sie nackt waren (Gen 3,7) bis zum Ende des Neuen Testamentes, wo den Menschen in der Offenbarung das weiße Gewand versprochen wird (Apk 6,11), welches sie im Blut des geschlachteten Lammes rein waschen sollen (Apk 22,14). Seit knapp 200 Jahren gibt es zumindest im protestantischen Bereich eine Art anerkannten Dresscode – den schwarzen Talar. Doch fängt man einmal an, sich im liturgischen Spiegel zu drehen und schaut dabei kritisch an sich herunter, können einen leicht Zweifel beschleichen, ob dies tatsächlich eine so geschickte Wahl war, ob das Kleid heute, und sei es auch noch so schön, wirklich dem Anlass angemessen ist. In dieser Arbeit möchte ich den liturgischen Spiegel gerne zur Hand nehmen und neu auf Augenhöhe bringen. Nicht weil das Kleid vielleicht aufgeschlissen sei, sondern weil es immer wieder gut tut, den akkuraten Sitz der Kleidung und des Stils neu zu überdenken. Leider hat man im späteren Berufsleben selten Zeit, och mal einen solchen kontrollierenden Blick in den Spiegel zu werfen. Deswegen möchte ich die Chance nutzen und mir bereits im Studium Gedanken über die liturgische Kleidung machen. In meiner Arbeit werde ich mich zunächst der Entwicklung seit dem Urchristentum widmen und in einem Überblick über Zeit und Raum auch den Schritt in die Weiten der globalen Kirche wagen, quasi nicht nur den Partner, sondern auch die gute Freundin fragen. Danach werde ich anhand einer Auswahl liturgischer Kleidungsstücke aufzeigen, welche vielseitigen Formen es bei den Gewändern gab und immer noch gibt. Bereits hier sei schon darauf hingewiesen, dass sich seit dem 2. Vatikanum auch in der römisch-katholischen Kirche vieles simplifiziert hat. Im dritten und letzten Teil stelle ich meine eigene Meinung noch einmal detailliert dar und weise auf, in meinen Augen sinnvolle, Verwendungsmöglichkeiten von Gewändern als Paramente im lutherischen Gottesdienst hin.

Abstract einer im Internet käuflich zu erwerbenden Kieler praktisch-theologischen Hauptseminararbeit aus dem Jahr 2007 (Jens D. Haverland: "Schatz, was soll ich bloß anziehen?" Liturgische Gewänder im protestantischen Gottesdienst)

Im Dickicht der Stadt

Petendo iustitiam terrenem

Ich hab noch nie im Lotto gewonnen
Hab auch noch nie eine Sternschnuppe gesehn
Ne Flaschenpost die hab ich auch noch nicht bekommen
Und kein Wunder ist mir je geschehn.

Ich war noch nie irgendwo der hundertmillionste Besucher
Hab nie nen Luftballon entdeckt mit einer Postkarte dran
Und ein vierblättriges Kleeblatt hab ich auch noch nicht gefunden
Doch man weiß ja nie was noch alles passieren kann.

Und nun steh ich hier
Und bitte dich mich so sehr zu lieben
Dass es für ein Leben reicht.
Das mag ein bisschen gewagt sein, vielleicht
Aber irgendwann
Bin doch auch ich mal dran
Mit Glück.

Christiane Weber - Timm Beckmann: Noch nie

Es wird gebaut

Alles eine Frage des Standpunkts

Katholiken misstrauen Protestanten, weil sie keine Pflichtbeichte kennen. "Die gehen ja nicht mal beichten, denen ist alles zuzutrauen." Umgekehrt sagen Evangelische: "Katholiken ist nicht zu trauen, die haben ja die Beichte. Sie sündigen, ohne mit der Wimper zu zucken, sie können sich ja in der Beichte alles vergeben lassen."

Fluchtblick


Montag, 20. Juli 2009

Die große Verführung

Powerpoint ist ein faszinierendes Stück Software, ungefähr so, wie LSD oder Morphium faszinierende Substanzen sind. Wenn sie aber in falsche Hände geraten, und das ist leider fast immer der Fall, dann machen sie kurzfristig jeden Traum wahr.

Powerpoint formatiert Gedanken. Hell leuchten sie auf das Publikum herab, kleine, schimmernde Wunder, bereitet aus den Zutaten Finsternis, Beamerlicht und kurzen Stummelsätzen. Die drei Grazien der Präsentation – Zurückhaltung, Einfachheit, Natürlichkeit – bleiben ja meist ausgesperrt. In der Regel steht in Riesenschrift geschrieben, was gesagt wird, und was gesagt wird, steht geschrieben. Die Cognitive Load Theory besagt aber, dass man eine Information kaum verarbeiten kann, wenn sie sich sowohl hören als auch sehen lässt.

Die Konkurrenz zwischen Auge und Ohr ermüdet das Organ dazwischen. Die Arme werden schwer. Man gerät in Trance. Mit Powerpoint machen die Manager dieser Welt Ferien vom Ich.

Wer heute ohne Folien zu einer Präsentation antritt, steht so nackt da, als wäre er ohne Hosen aufs Podium gestiegen. (...) Deftiger spricht der US-amerikanische Autor Seth Godin in dem E-Book "Really Bad Powerpoint" zu uns: "Nahezu jede Powerpoint-Präsentation stinkt nach verfaulten Eiern."

Franz Zauner: Käfig voller Folien, Wiener Zeitung 11. Juli 2009, Extra S. 2

In der Tat: Powerpoint ist nicht nur eine weltweite Seuche, sondern ein Instrument zur Erzeugung des schönen Scheins von Einfachheit, Klarheit, Kompetenz. Ganz selbstverständlich wird heutzutage erwartet, dass Schüler heute späterstens zur Matura mit diesem Programm umgehen. Rechtschreibung ist vielleicht nicht ihre Stärke, aber Folien können sie erstellen und abspielen. Leider kommen die Rechtschreibfehler dann auch besonders klar heraus.

Gersthof - Weinhaus

Blick vom Gersthofer Platzl zur Weinhauser Kirche

Kriegsberichterstattung

"Alles, was irgendwie schiefgehen konnte, ging schief"

Diesen Satz habe ich zum ersten Mal am Ende einer internationalen Konferenz gesagt, in der regelrecht der Wurm drin war. Ich hatte ein Team mitgebracht, das bei der Durchführung einer mehrtägigen Veranstaltung in Übersee helfen sollte, und alles, was irgendwie schiefgehen konnte, ging schief. Es gab Sprachschwierigkeiten, kulturelle Schwierigkeiten, Schwierigkeiten mit dem Veranstaltungsort, technische Schwierigkeiten, Übersetzungsschwierigkeiten, Transportschwierigkeiten und so weiter.

Am Ende kam es uns so vor, als hätten wir einen viertägigen Straßenkampf hinter uns. Während der Konferenz saßen wir noch bis morgens um ein oder zwei Uhr zu Besprechungen in meinem Hotelzimmer zusammen und wankten dann nur drei Stunden später noch schlaftrunken zu den ersten Proben. Tagsüber hockten wir in den Pausen in einem Rückzugsraum und dachten darüber nach, was wir jetzt tun sollten, weil schon wieder etwas schiefgegangen war. Endlich, während der letzten Einheit, war Gottes Wirken auf überwältigende Weise zu spüren. Es war wunderbar, doch die dadurch ausgelösten Tränen hätten ebenso gut Tränen der Erschöpfung sein können.

Am Schluss rief ich alle Mitglieder des Teams hinter der Bühne zusammen und sagte: „Diese Schlacht gehört mit zu den größten, die ich je für das Reich Gottes geschlagen habe. Danke – danke euch allen –, dass ihr euch so wacker geschlagen habt, ohne auszuflippen. Das hat den Ausschlag gegeben. Mit Gottes Hilfe haben wir es geschafft, Leute. Und wir haben es gemeinsam getan.“

"Der Sieg schmeckte umso süßer"

Da wir so hart gekämpft hatten, schmeckte der Sieg nun umso süßer. Ich bat alle in jenem kleinen Kreis, einander bei den Händen zu fassen. An jenem Tag betete ich mit meinem Team und dankte Gott für ein gemeinsames Erlebnis, das wir für den Rest unseres Lebens mit uns tragen würden.

Bill Hybels

Wer mag darinnen wohnen?

Ja, komm, Tag!

Hingabe - Loslassen- Vertrauen

Das Geheimnis des Glücks ist Hingabe, an wen, woran auch immer. Wir finden uns nur, wenn wir uns loslassen, preisgeben, wenn wir schutzlos werden, vertrauen, glauben. Wenn wir uns loslassen und verlieren und wieder empfangen als Geschenk.
Darum sind Liebe, Sex und Religion, Engagement und Solidarität alle benachbart.
Wer sein Leben retten will, der wird es verlieren, wer es preisgibt, der wird es gewinnen hier und dort und in Ewigkeit.
Wer das Sorgen hinter sich lassen kann und sich der Güte Gottes anvertraut, die alle Morgen neu ist, der dringt zum wahren Leben durch.

Zum Weinen, Glauben, Sterben schön



Es gibt Musik, die direkt vom Geist Gottes inspiriert sein muss. Ich bin sicher, dass selbst die Engel im Himmel weinen müssen, wenn sie dies singen.

Das ist das Seligste...

Das ist das Seligste, sich ganz verlieren,
und wieder finden, wie nach Ewigkeit:
man läßt sich wahllos durch die Stadt spazieren
und weiß von keinem Ziel und keiner Zeit.
In fremden Vierteln bin ich gleich zu Hause,
lehn lässig an der Brüstung übern Fluß.
Das Leben blüht als frohe Ferienpause

und alles ist ein himmlischer Genuß.


Max Herrmann-Neiße

Friedhofsgedanken

Mein sind die Jahre nicht, nicht einmal die Tage, nicht einmal die Stunden.
Jeder Atemzug ist Gnade, wunderbares, geheimnisvolles Geschenk...

Sonntag, 19. Juli 2009

Neumondbier: Patent aus Potsdam

Am 22. Juli 2009 lädt die Gasthaus-Brauerei Meierei im Neuen Garten Potsdam zu einem seiner vielen stimmungsvollen und außergewöhnlichen Events. An diesem Tag kommt es zum Anstich des selbst kreierten Neumondbiers, dessen Rezeptur der innovative Braumeister Jürgen-M. Solkowski selbst entwickelte.

Direkt am Steg des Jungfernsees wird der süffige Gerstensaft ab 19 Uhr in einer lustigen Zeremonie und mit Unterstützung einer vermeintlich 250 Jahre alten Bierhexe den Gästen dieses Abends erstmals präsentiert.

Begleitet von mittelalterlicher Live-Musik einer berühmt-berüchtigten Gauklertruppe ist ein abwechslungsreicher Abend der besonderen Art garantiert.

Mit dem Begriff Neumond bezeichnet die Astronomie jene Mondphase, in der der Mond sich scheinbar „erneuert“ und durch seine schlanke Sichel am Nachthimmel erstrahlt.

Auch die Astrologie sieht den Neumond als Symbol der Erneuerung und des Neuanfangs, spricht somit dem Neumond eine mystische Note zu. Sich von dieser jahrhundertealten Magie inspirieren lassend, entwickelte der kreative Bierbraumeister Jürgen-M. Solkowski ein vergnügliches Schauspiel und ein einzigartiges Event rund um seine herrliche Sommerbier-Kreation.

Zunächst war es die Herstellung und dann ist es die tatsächliche Präsentation des besonderen Biergenusses, die Jahr für Jahr erfolgreich am Steg des Jungfernsees zelebriert wird und regelmäßig die amüsierten Zuschauer begeistert.

Das Ergebnis des Brauvorgangs, der bereits am 22. Juni 2009 zahlreiche Zuschauer an den Jungfernsee lockte, wird an diesem Tag in einer spannungsreichen Veranstaltung präsentiert. Da lüften der Braumeister und die Brauhexe das Geheimnis: Das Bier erweist sich nach Verköstigung durch die Hexe als Jungbrunnen.

So wandelt sich die hässliche alte Hexe zur mittelalterlichen Musik in eine attraktive Schönheit, die die Männerwelt mit ihrem Tanz zur Musik der Gauklertruppe verzaubert.

Nicht nur ob des ausgefallenen Schauspiels, sondern auch, um das nun im Ausschank befindliche fassfrische Neumondbier zum ersten Mal selbst zu genießen, ist die angesagte Gasthaus-Brauerei Meierei einen Besuch wert.

Der Biergenuss ist auch nach der feierlichen Präsentation untermalt von der beschwingten Musik der Mittelalter-Combo, die ganz stilecht den Abend mit Minnesang, Balladen oder Trinkliedern sowie dem typischen Dudelsackklang begleitet.

So bietet die Gasthaus-Brauerei Meierei im Neuen Garten Potsdam zur schönen Sommerzeit erneut eine wohldurchdachte und ausgefallene Veranstaltung, die durch ihre Kreativität nur so glänzt.

Der Begriff „Neumondbier“ und alle dazugehörigen Handlungen am 22. Juli am Ufer des Jungfernsees sind als geistiges Eigentum der Gasthaus-Brauerei Meierei im Neuen Garten Potsdam, genauer gesagt durch den Dipl.-Brau-Ing. Jürgen-M. Solkowski, geschützt und patentiert.

erlebnis-scout.de

Ganz schön geschäftstüchtig, vermutlich eine glänzende und ertragreiche Geschäftsidee...

Freitag, 17. Juli 2009

Komischer Vogel

Aus der Nähe betrachtet, ist der Wetterhahn der Lutherkirche eher eine Ente.

Die Nacht

Was unterscheidet die Nacht vom Tag?
Sie kennt kaum Konturen und viel weniger Zäsuren.

Untertags verschwindet die Sonne hinter Wolken
oder kommt wieder hervor.

Für einen sensiblen Menschen
bedeutet das Wechsel der Stimmung.

Und jederzeit kann das Telefon
oder die Türklingel läuten.

Vor all dem ist man
in der Nacht
relativ sicher.

Die Nacht ist ein weiter Raum,
eine unüberblickbare Zeitfläche,
in aller Dunkelheit
ein Abbild der Ewigkeit.

Ich liebe sie,
die Nacht.

Composition

A composition is an encounter.

Zeichensetzungsfrage - Lebensfrage

Mach keinen Punkt, wenn Gott einen Beistrich setzt!

Am Eingang des Friedhofs Aspern