Freitag, 3. Juli 2009
Religiöser Wahrheitsanspruch - präfaschistisch?
Oftmals werden Terroristen mit islamistischem Hintergrund in der öffentlichen Berichterstattung mehr oder weniger als fanatische Wahnsinnige dargestellt, welche - durch Hassprediger indoktriniert und mißbraucht - ihre Religiosität mißverstehen und in Form von Hass und Gewalt kanalisieren. Auf jeden Fall wird der militante Islamismus als Pathologie des islamischen Glaubens als solchen empfunden.
Geprägt durch ein von der Aufklärung bestimmtes Weltbild, welches von einer universellen und von kulturell-religiös geprägter Subjektivität unabhängigen Menschenwürde ausgeht, erscheint uns unser Rechtsempfinden - beispielsweise die Ablehnung der Tötung unschuldiger Menschen im Namen Gottes - als selbstverständlich und auch für Angehörige des islamischen Kulturkreises verbindlich. Dabei wird oftmals wenig zwischen dem Islam und dem für uns weiterhin bedeutsamen Christentum differenziert. Es ist eine weit verbreitete Vorstellung, daß der Islam eine dem Christentum in Ansatz sehr ähnliche, allerdings lediglich „zeitverzögerte” Religion sei. Dabei betrachtet man das Christentum - mit Blick auf Kreuzzüge, Hexenverfolgungen, Inquisition etc. - ebenfalls als eine potentiell militante Religion, welche durch die Aufklärung nunmehr weitgehend „geläutert” und zu ihrer wahren Bestimmung als friedfertige und „tolerante” Religion geführt worden sei bzw. noch weiter geführt werden müsse.
Der Islam wird in diesem Zusammenhang gerne mit dem Christentum des Mittelalters verglichen, dem die Läuterung durch die Aufklärung noch bevorstände. Religion wird im Rahmen des durch den von der Aufklärung und der Säkularisierung geprägten Relativismus immer dann als gefährlich und pathologisch empfunden, wenn sie auf ihrem Absolutheits- und Universalitätsanspruch sowie dem damit verbundenen Missionsgedanken beharre. Diese expansionistische Grundeinstellung sei die Wurzel der „Intoleranz” und damit der Konflikte zwischen der westlich-aufgeklärten Gesellschaft und dem religiös motivierten Fanatismus. Religion wird als ein Dienstleister des Menschen für die Befriedigung religiöser Bedürfnisse empfunden, jedoch nicht mehr als Quelle der Wahrheit - ein Begriff, welcher heute bereits an sich als potentiell intolerant und „präfaschistisch” verdächtigt wird. Wir haben heutzutage ein anthropozentrisches und relativistisches Religionsverständnis. Das ist von entscheidender Bedeutung, denn uns ist das Gefühl für den Umgang mit eben nicht anthropozentrischen Religionen wie dem Islam verloren gegangen und wir haben deshalb massive Probleme, derartige religiös motivierte Handlungen und auch den religiösen Fanatismus und islamistischen Terrorismus nachzuvollziehen und richtig einzuordnen.
Anton Löhmer
Geprägt durch ein von der Aufklärung bestimmtes Weltbild, welches von einer universellen und von kulturell-religiös geprägter Subjektivität unabhängigen Menschenwürde ausgeht, erscheint uns unser Rechtsempfinden - beispielsweise die Ablehnung der Tötung unschuldiger Menschen im Namen Gottes - als selbstverständlich und auch für Angehörige des islamischen Kulturkreises verbindlich. Dabei wird oftmals wenig zwischen dem Islam und dem für uns weiterhin bedeutsamen Christentum differenziert. Es ist eine weit verbreitete Vorstellung, daß der Islam eine dem Christentum in Ansatz sehr ähnliche, allerdings lediglich „zeitverzögerte” Religion sei. Dabei betrachtet man das Christentum - mit Blick auf Kreuzzüge, Hexenverfolgungen, Inquisition etc. - ebenfalls als eine potentiell militante Religion, welche durch die Aufklärung nunmehr weitgehend „geläutert” und zu ihrer wahren Bestimmung als friedfertige und „tolerante” Religion geführt worden sei bzw. noch weiter geführt werden müsse.
Der Islam wird in diesem Zusammenhang gerne mit dem Christentum des Mittelalters verglichen, dem die Läuterung durch die Aufklärung noch bevorstände. Religion wird im Rahmen des durch den von der Aufklärung und der Säkularisierung geprägten Relativismus immer dann als gefährlich und pathologisch empfunden, wenn sie auf ihrem Absolutheits- und Universalitätsanspruch sowie dem damit verbundenen Missionsgedanken beharre. Diese expansionistische Grundeinstellung sei die Wurzel der „Intoleranz” und damit der Konflikte zwischen der westlich-aufgeklärten Gesellschaft und dem religiös motivierten Fanatismus. Religion wird als ein Dienstleister des Menschen für die Befriedigung religiöser Bedürfnisse empfunden, jedoch nicht mehr als Quelle der Wahrheit - ein Begriff, welcher heute bereits an sich als potentiell intolerant und „präfaschistisch” verdächtigt wird. Wir haben heutzutage ein anthropozentrisches und relativistisches Religionsverständnis. Das ist von entscheidender Bedeutung, denn uns ist das Gefühl für den Umgang mit eben nicht anthropozentrischen Religionen wie dem Islam verloren gegangen und wir haben deshalb massive Probleme, derartige religiös motivierte Handlungen und auch den religiösen Fanatismus und islamistischen Terrorismus nachzuvollziehen und richtig einzuordnen.
Anton Löhmer