Montag, 30. Juni 2008

Lutherhof (Rückseite)


Ein fröhliches Völkchen

daquer der Breite nach, breitlings

Kommentare:

Jetzt weiß ich endlich, [ von Brezi am 2007-05-26 04:09:42 ]
woher "Daquerrotypie" kommt. Eine Aufnahme en profil also!

@breznsoiza [ von klaser am 2007-06-11 21:47:00 ]
Der arme Dagueree hat Probleme, im Grab zu rotieren, weil er so viel lachen mus...

@klaser: Ach was! [ von Brezi am 2007-06-11 23:55:39 ]
Der gute alte Daguerre hat in Bry-sur-Marne, wo er glaub ich begraben ist, genug Platz zum Rotieren und vertrüge noch ein, zwei Schmähs mehr - wenn er überhaupt lacht. Aber du hast gelacht und das freut mich.

Aus dem österreichischen Wörterbuch ostarrichi.org

Sonntag, 29. Juni 2008

Die Bücherwand

Polemisch und fast poetisch...

"Wir haben uns daran gewöhnt, Geschenke anzunehmen, für die wir einen erschreckend hohen Preis zahlen müssen.

Könnte jemand eine Gesetzesliberalisierung verstehen, die uns gestattet, bei Rot über die Ampeln zu fahren, obwohl das zu einer sprunghaft ansteigenden Unfallstatistik führen würde?

Wäre es nachvollziehbar, wenn warnende Stimmen dann als ewiggestrig, konservativ, engstirnig, intolerant und mittelalterlich bezeichnet würden?

Wenn ein Patient einen Arzt aufsucht, muß er von diesem eine ehrliche Diagnose erwarten dürfen.

Erzählt der Arzt einem Patienten, er sei kerngesund, obwohl dieser an einer schweren Krankheit leidet, die bei Nichtbehandlung tödlich endet, wäre der Arzt ein verbrecherischer Scharlatan.

Würde der Mediziner dagegen seinem Patienten die Wahrheit sagen, müßte er wohl nicht damit rechnen, als Drohprediger und Unglücksprophet hingestellt zu werden.

Doch das geschieht heute. Wir leben in einer Zeit voller Verführung und Rattenfängerei.

Die Gewissen der Menschen werden eingelullt. Scharen werden auf den breiten und bequemen Autobahnen des Selbstbetrugs Richtung Hölle gefahren.

Unser dünnwandiges Leben bekommt immer mehr schwarze Löcher, in die immer mehr Menschen unauffindbar verschwinden. (...)"

Aus einer kulturkritischen Universalpolemik ("Ein neues Angebot: Bei Rot über die Ampel fahren" von Michael Brenner) gegen Abtreibung, Pornografie, Toleranz und alle anderen Übel der europäischen Gegenwart auf der ultrakonservativen Seite kreuz.net

U-Bahn-Station Währinger Straße/Volksoper

Volksnah und patriotisch


Fanmeile. Vergangene Woche war es hier besonders schrill. Hunderte österreichische Fans hatten sich vor den Fenstern des Staatsoberhauptes versammelt und lauthals "Wir wollen Heinzi sehen" gerufen. Fähnchen wedelnd und applaudierend, wie es dieser Tage Usus geworden ist.
"Ich spürte, wie sich die ganze Fan-Gruppe plötzlich nach mir umdrehte", erzählt Heinz Fischer sichtlich amüsiert. "Ich winkte zurück mit einer rot-weiß-roten Fahne, die ich im Büro liegen hatte, und dann war überhaupt der Bär los."

Auf die "Heinzi"-Rufe angesprochen wirkt der Bundespräsident dagegen fast verlegen. "Das zeigt doch nur, dass die jungen Leute sehr nett und begeisterungsfähig sind, und dass ich mich in ihre gute Laune hineinversetzen kann."

Die überschwänglichen Fahnen-schwingenden rot-weiß-rot-Bekundungen seien aber nichts Neues, meint Fischer. "Ich will in keine Richtung übertreiben, aber das Wort ,neu‘ akzeptiere ich nicht uneingeschränkt. Denken Sie an den Schladminger Nacht-Slalom, das Skispringen in Bischofshofen oder das Hahnenkammrennen in Kitzbühel – dort spielt es sich genauso ab. Das ist für mich ein Beweis dafür, dass die Österreicher in einem erfreulichen Maß stolz auf ihr Land sind."

Kurier 29.06.2008

In Deutschland schwer vorstellbar, dass der Bundespräsident mal eben so aus dem Zimmer seines Arbeitszimmers winkt. Aber Österreich ist eben ein kleines und gemütliches Land.

Pastelltöne

Auch jenseits des großen Wassers...

In den USA wird der Protestantismus seine Stellung als Mehrheitsreligion in den kommenden Jahren vermutlich einbüßen. Das hat eine der umfangsreichsten Studien zu Glauben und Religion in den USA ergeben.

Das Meinungsforschungsinstitut „Pew Forum“ (Washington) befragte dafür insgesamt 35.000 Bürger. Demnach gehört gegenwärtig noch gut die Hälfte (51%) einer protestantischen Kirche an; vor 30 Jahren waren es noch zwei Drittel. Die Untersuchung teilt die Protestanten in drei Gruppen: evangelikale, volkskirchlich geprägte und afroamerikanische Kirche. Mit 26% bilden die Evangelikalen die größte Gruppe der Protestanten in den USA. Am stärksten von dem Rückgang betroffen seien die volkskirchlich geprägten Gemeinden, die gegenwärtig 18% der Protestanten ausmachten. Ein Grund dafür dürfte das breite Angebot von mehr als 250 Konfessionen und Glaubensgemeinschaften in den USA sein. Der Untersuchung zufolge fühlten sich immer weniger Gläubige an die Konfession oder Religion gebunden, in der sie aufgewachsen sind. Sie wechselten einfach zu einer anderen Gemeinde oder bastelten sich eine „personalisierte Religion“ zusammen.

Zahl der „Nichtgläubigen“ in 50 Jahren vervierfacht

Aber nicht nur die Protestanten haben mit rückläufigen Zahlen zu kämpfen, auch die Katholiken. Die römisch-katholische Kirche bleibe mit knapp 24% Bevölkerungsanteil bisher nur wegen der vielen katholischen Einwanderer vor allem aus Südamerika eine relativ große Kirche. Die einzige Bevölkerungsgruppe, die kontinuierlich wächst, ist der Studie zufolge die der „Ungläubigen“. Rund 16% der Befragten gaben an, keiner Religionsgemeinschaft anzugehören; bei den unter 30-Jährigen sagten das sogar 25%. Bei einer ähnlichen Befragung vor 50 Jahren gaben nur knapp 4% an, keiner Religionsgemeinschaft anzugehören. Im Vergleich zum deutschsprachigen Europa bleiben die USA dennoch ein religiöses Land. So sind 74% der US-Bürger von der Existenz des Paradieses überzeugt. 91% glauben an Gott als ein „höheres Wesen“. 60% gaben an, Gott sei ein Mensch, mit dem sie eine persönliche Beziehung haben könnten. 58% sagten, sie beteten jeden Tag. 39% der Befragten erklärten, mindestens einmal pro Woche in den Gottesdienst zu gehen.

Idea-Meldung

Gott "ein Mensch, mit dem sie eine persönliche Beziehung haben könnten..." - was ist denn das für eine Aussage?

Ein schöner Morgen

Blick aus meinem "Wäschezimmer"

Kinder - nein danke!

Das Cover: edelmattiert schwarz. In geprägten Versalien, blutrot, der Titel: NO KID. Der Untertitel verrät, dass man sich definitiv nicht verlesen hat: «40 Gründe, keine Kinder zu haben.» Corinne Maiers Buch polarisiert. Für die einen ist es ein Pamphlet, polemisch, aggressiv, schreiend ungerecht. Andere bejubeln es als längst überfällige Streitschrift wider den Kinderwahn: scharfzüngig, streitlustig und ungemein amüsant. Bevor wir uns der Skandalschrift zuwenden, sollte man eines über die Autorin wissen: Sie ist zweifache Mutter.

Das Recht auf Faulheit

In ihrer Heimat ist die Französin Corinne Maier, 44, bekannt wie ein bunter Hund. Als sie 2004 – in Anspielung auf Françoise Sagans Bonjour Tristesse – ihr Buch Bonjour Paresse (dt. Die Entdeckung der Faulheit) veröffentlichte, war sie auf einen Schlag bekannt. Die Politologin, Volkswirtin und Psychoanalytikerin hatte offenbarin ein Wespennest gestochen. In ihrer subversiv-komischen Streitschrift ruft sie unverhüllt zur «inneren Kündigung» auf – und verrät die besten Tricks einer risikolosen Minimierung von Arbeitsstress und -verdruss. Das ließ sich ihr Arbeitgeber, der Energiekonzern EDF, nicht gefallen und entließ Maier – um kurz darauf die Kündigung zurückzunehmen. Was dem Erfolg der Provokation selbstredend keinen Abbruch tat: Das Faulheits-Brevier wurde in Frankreich eine Viertelmillion Mal verkauft und in 30 Sprachen übersetzt.

Nach der Untergrabung der Arbeitsmoral hat sich die streitbare Pariserin einer neuen Mission verschrieben, der Untergrabung der Reproduktionsmoral. 40 Argumente gegen Kinder, 40-mal Hardcore. Der Körper nach der Geburt: ein ästhetisches Wrack. Kinder: die treuesten Komplizen des Konsumkapitalismus. Sorgen ohne Ende, finanzieller Ruin. Ausschlafen, Spontaneität, guter Sex? Vorbei.

Deutsche, trotzt dem Kinderwahn!

«Nichts ist so unerträglich wie das Geschwätz von Eltern, die völlig baff sind, dass es ihnen gelungen ist, einen Menschen zu erschaffen. – Verfallen Sie nicht in die Idiotensprache, die man mit Kindern spricht. – Eltern-Kind-Dialoge sind wie Dinner für Spinner – und das siebenmal die Woche. – Warum sich für eine zukünftige Randgestalt der Gesellschaft den Arsch aufreißen? – Ein Kind ist nicht immer nur Liebestöter, sondern oft auch Lusttöter. – Wenn ich das Wort Pädaogik höre, hole ich gleich die Knarre raus (oder meinen Kugelschreiber). Pädagogik ist die Kunst, jemanden übers Ohr zu hauen, ohne dass er es merkt …»

Nein, eines kann man der No-Kid-Aktivistin nicht unterstellen: sich bei irgendjemandem beliebt machen zu wollen. Corinne Maier ist – Beispiel George Courtline – nicht die Erste und Einzige, die an der Kinderfront Klartext redet: «Eine der deutlichsten Auswirkungen der Anwesenheit eines Kindes im Hause seiner Eltern besteht darin, dass unbescholtene Personen vollständig verdummen, während sie ohne ihren Nachwuchs nichts als simple Einfaltspinsel gewesen wären.»

Ob das alles ernst gemeint ist? Sagen wir es mal so: Hin und wieder schimmert die Lust am puren Unfug aus Maiers Schluß-jetzt!-Manifest durch: «No kid. Das ist ein Ziel, das wir nur erreichen können, wenn wir alle solidarisch sind: Wenn wir alle wachsam sind, dringt kein Spermium bis in die Eizelle sind …»

Buchankündigung auf der Verlagshomepage von Rowohlt

Wird sicher ein erfolgreicher Titel, obwohl die Forderung nach weniger Kindern in Deutschland doch eigentlich Eulen nach Athen tragen heißt. Aber alle, die sowieso keine Kinder haben (wollen), werden sich mit einem solchen Buch aufmunitionieren können.

Nach der Leseprobe liest sich der Text übrigens sehr viel langweiliger, als die Ankündigung vermuten ließe.

Auf Spittelau zu




Die großen Möglichkeiten

Haben oder Sein,
Erstreben oder Empfangen
Werke oder Glauben,
sein Glück machen oder sein Glück finden.

Jesus sagt: Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen. Mt. 6,33

Am Himmel

Unterschied

Das Kleine bringt uns zum Lächeln, das Große zum Staunen.

Ausblick

Beim Guru

Der Guru sitzt in seinem Schaukelstuhl und schaukelt. Er macht das energisch, er gibt richtig Gas. Er ist sechsundachtzig, klein, dünn und zahnlos. Der eingefallene Mund mildert die Strenge seines Cäsarengesichts. Seine schütteren weißen Haare passen gut zu der weißen Baumwollhose und dem überlangen, weißen indischen Hemd. Er schaukelt barfuß. Morgenlicht fällt in den Raum, der an­genehm temperiert ist. Durch die offenen Fenster kommt der Wind herein und zirkuliert. Ein frischer, sauberer Wind vom Meer. Man kann es von hier sehen, wenn man am richtigen Fenster steht. Acht Stockwerke unter uns hupen die Straßen von Bombay. Etwa dreißig Leute sind heute beim Guru. Die wenigsten von ihnen sind Inder. Sie sitzen auf Stühlen, auf dem Boden, an der Wand. Wer eine Frage hat, setzt sich direkt vor ihn und bekommt ein Mikrofon angesteckt, wie im Fernsehen. Der Guru trägt auch eins am Hemd. Eine Video­kamera läuft. Die CD kann man mitnehmen.
»Wie heißt du?« fragt Ramesh.
»Tim«, sage ich.
»Aha, Tim. Und du kommst aus ... ?«
»Deutschland.«
»Aha, Tim aus Deutschland. Und was kann ich für dich tun, Tim?«
»Ich schreibe Reisebücher.«
»Ich verstehe.«
»Und jetzt bin ich gerade auf einer Weltreise.«
»Ich verstehe.«
»Und mein Problem ist, dass ich mich nicht entscheiden kann, wie es weitergeht. Ob ich mit dem Zug oder mit dem Flieger nach Kalkutta will.«
Ramesh unterbricht abrupt sein Schaukeln und richtet sich ein wenig auf.
»Und warum, Tim, glaubst du, dass ich dir darauf eine Antwort geben kann? Bin ich ein Reisebüro?«
Alle im Raum lachen, den Guru selbst schüttelt es vor Heiterkeit, ich lache auch ein bisschen mit, obwohl mir nicht wirklich danach zumute ist.
»Nein, Ramesh, es geht im Grunde nicht um Zug oder Flugzeug, es geht nicht darum, wofür ich mich nicht entscheiden kann. Es geht um das Nichtentscheidenkönnen an sich, als psychologische Fehlfunktion oder als schwacher Charakterzug oder als Geburtsfeh­ler, ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich mich nie entscheiden kann. In der Liebe, im Beruf, in allem eigentlich, und das bringt ex­trem viele Probleme mit sich. Es ist ein Fluch in meinem Leben.«
»Ich verstehe.«
Ramesh schaukelt wieder.
»Also, Tim, ich denke, dass es so etwas gibt. Es gibt Menschen, die sich nicht entscheiden können. Und wenn das bei dir so ist, Tim, dann ist das dein Weg. Dann ist das so von Gott gewollt, oder vom Urknall, oder wie immer du die Quelle von allem Existierenden nennen willst. Weißt du, was. ich an deiner Stelle tun würde, Tim?« Ramesh unterbricht wieder sein Schaukeln und richtet sich auf. Er macht eine Handbewegung, die mir bekannt vorkommt. »Wenn ich mich nicht entscheiden könnte, Tim, würde ich eine Münze werfen. Denn niemand kann behaupten, dass Menschen, die es mit einer Münze tun, weniger erfolgreich sind als Menschen, die sich auf traditionelle Weise entscheiden.«
Im Raum explodiert das Lachen aus drei Dutzend Kehlen. Dies­mal lache ich nicht halbherzig mit, auch nicht aus vollem Herzen. Ich lache überhaupt nicht. Ich starre Ramesh an und fasse es nicht. Er hat mit ein paar Sätzen so etwas wie ein Wunder vollbracht.

Aus Helge Timmerberg: In 80 Tagen um die Welt, Berlin 2008 (zit. n. dem Auszug in mobil. Das Magazin der Deutschen Bahn 06/2008, S. 75).

Samstag, 28. Juni 2008

Wolke über dem Haus

Seminar am Teetisch

Der Hutmacher riß verblüfft die Augen auf, sagte aber nur: "Warum gleicht ein Rabe einem Schreibpult?"

Na, jetzt wird's lustig! dachte Alice. Die raten Rätsel, und das macht Spaß. "Ich glaub', das krieg' ich 'raus", sagte sie.

"Willst du damit sagen, daß du eine Antwort darauf finden kannst?" fragte der Märzhase.

"Genau!" antwortete Alice.

"Dann solltest du sagen, was du meinst", bemerkte der Märzhase. "Natürlich", antwortete Alice hastig. "Wenigstens ... wenigstens mein' ich, was ich sage. Das ist dasselbe, weißt du." "Das ist durchaus nicht dasselbe", widersprach der Hutmacher.

"Du könntest dann ebensogut sagen: ,Ich sehe, was ich esse!' sei dasselbe wie: ,Ich esse, was ich sehe.'"

"Du könntest schließlich ebensogut sagen: ,Mir gefällt, was ich kriege!', sei dasselbe wie: ,Ich kriege, was mir gefällt!'" fuhr der Märzhase fort.

"Du könntest ebensogut sagen: ,Ich atme, wenn ich, schlafe!' sei dasselbe wie: ,Ich schlafe, wenn ich atme!'" ergänzte die Haselmaus, die offenbar im Schlaf reden konnte.

"Und mit dir ist es auch dasselbe!" schloß der Hutmacher. Damit brach die Unterhaltung ab, während sich Alice vergeblich über Raben und Schreibpulte den Kopf zerbrach.

Aus Lewis Carroll: Alice im Wunderland

Sehr zu Recht findet sich das Kapitel "Eine verrückte Teegesellschaft", dem diese Passage entnommen ist, auch in einer philosophischen Textsammlung der Uni Potsdam.

Stiegenhaus

Neuwahlen kommen näher



Nach dem unerwarteten Richtungswechsel der SPÖ in der EU-Politik folgt in der Koalition eine Krisen-Sitzung der nächsten: Der eigentlich für die Präsentation der neuen Innenministerin gedachte ÖVP-Bundesparteivorstand war gestern vom neuen Europa-Streit überschattet. Für die Volkspartei ist das Verhalten des Regierungspartners inakzeptabel. "Der SPÖ-Schwenk ist der größte Fehler, den ich in meiner gesamten politischen Laufbahn beobachten konnte", sagte ÖVP-Chef Wilhelm Molterer. Er will ein Krisentreffen der Koalitionsspitze einberufen. "Es muss geklärt werden, auf welcher Basis eine weitere Zusammenarbeit funktionieren kann." Deutlicher drückte sich Außenministerin Ursula Plassnik (ÖVP) aus: "Wir wollen Klarheit haben, denn die Europapolitik ist Kern des Regierungsabkommens. Wir in der ÖVP wollen ein starkes Österreich in einem starken Europa. Das ist eine Thematik, die nicht in Frage gestellt werden kann." Auf die Frage, ob die Regierung an diesem Thema scheitern kann, sagte Plassnik in der "Zeit im Bild" am Freitagabend: "Das kann schon durchaus sein."
Artikel im Kurier (Druckausgabe 28.06.2008)


In Berlin hält sich die Große Koalition immer noch erstaunlich gut, in Österreich deutet nun doch alles auf Neuwahlen hin. Ob die SPÖ das geschwundene Wählervertrauen mit ihrem radikalen Richtungswechsel in der Europa-Politik wiedergewinnen kann, ist mehr als fraglich.

Welche Farbe hat das Glück?

Gefälschte Arzneimittel

"(...) Der weltweite Umsatz mit gefälschten Arzneien betrug 2005 rund 30 Mrd. Euro – bis 2010 wird mit einer Verdoppelung gerechnet. "Fälschungen machen bereits 15 Prozent des Arzneimittel-Weltmarktes aus. In anderen Branchen – etwa Markenmode oder Uhren – haben sie nur sieben Prozent Weltmarkt-Anteil. Das zeigt, dass man sehr gut verdienen kann. Der Profit ist viel höher als in der Drogenkriminalität, das Risiko der Kriminellen aber deutlich geringer."Dafür ist jenes der Anwender hoch: Von den 465 Fälschungen aus 2007 wiesen 60 Prozent Gesundheitsrisiken auf. Zwei Beispiele:

Falsche Homöopathika
Ein "homoöpathischer Tierarzt" aus Ungarn vertrieb in Österreich homöopathische Mittel für Tiere. In ihnen entdeckte die AGES u.a. ein Antibiotikum, den Valium-Wirkstoff, ein Cortison sowie Salicylsäure (hemmt wie Cortison Entzündungen). Auf manchen Fläschchen waren auch Aufschriften wie "Oma", "Opa".
In den Schachteln eines legalen Kosmetikums verkaufte ein Vertreter eine angebliche Aloe-Vera-Salbe, die sehr gut gegen Neurodermitis wirkte. Kein Wunder: Sie enthielt Cortison. (...)"

Aus Ernst Mauritz: Unbekannte (Neben-)Wirkung, Artikel im Kurier

Dieser Boom ist eine Folge der grassierenden Gesundheitsreligion, die auf dem Wege zu einer universalen Sekte ist. Und wie bei religiöser Verzückung und in Sekten sind viele Menschen bereit, alles zu glauben und auch noch sehr viel Geld dafür auszugeben.

Am Donaukanal








Eindrücke von Leopoldau aus.








































Danke, Fiona!

Hr. Prof. Kühneweg
Dieses Jahr hatte Herr Dr. Kühneweg die ehrenvolle Aufgabe unsere Religionsgruppe, bestehend aus je nach dem vier bis zwei Leuten, zu übernehmen. Keine leichte Aufgabe, wenn man bedenkt, wie dem Religionsunterricht entgegengefiebert wurde... Manchmal waren wir auch nur zu zweit oder zu dritt. Für jemanden, der aber erst seit kurzem in Österreich lebt (erst im August zog er von Deutschland nach Wien) und sich mit unserem Schulsystem auch dementsprechend auskannte "Also, wie funktioniert die Matura jetzt noch mal, du musst ...?", muss man aber sagen, dass er wieder frischen Wind in unsere Religionsstunden gebracht hat. Denn mit seiner Intellektualität hat er doch wieder etwas mehr zu unserer Allgemeinbildung beigetragen und mit seinen Witzen (die ich bis heute nicht verstehe) hat er auch oft für Erheiterung im Unterricht gesorgt.
Ein großes Dankeschön an einen der chilligsten Lehrer überhaupt!!!

Liebe Fiona, ich weiß nicht, ob Du das hier je einmal liest, aber über diese Rückmeldung in der Maturazeitung habe ich mich sehr gefreut.

Fast vergoldet

Sehr früh am Morgen in goldenem Licht.

Verwunderung

"Kapitän Michael Ballack beendet nach der EM seine bisher wilde Ehe und heiratet Simone Lambe, die Mutter seiner drei Kinder."

Aus einem SPIEGEL-Bericht über die Frauen der deutschen EM-Spieler.

Die Wendung "wilde Ehe" hielt ich in Deutschland für ausgestorben oder zumindest ihre Verwendung für eine politcal incorrectness ersten Ranges. Und nun lese ich das ausgerechnet im "Spiegel". Was unterschiedet eine wilde Ehe von einer anderen Beziehung? Das Zusammenleben, die Kinder, die Dauer...?

Freitag, 27. Juni 2008

Abendblick

Was so alles ausbrechen kann...

Vulkane, Seuchen, Gefangene, Panik, Schweiß.

Sommerfest






Sommerfest der Gemeinde am vorigen Sonntag, gewissermaßen der Abschluss der Saison. Nun kommen die Ferien mit den Urlaubszeiten der Pfarrer; die Kreise ruhen, die Predigtstationen pausieren - man kann sich mehr oder weniger genüsslich dem Wiener Sommer ergeben.

Bald ist's vorbei mit der EURO

Wederland gegen die Nochei
im Nationalstadion von Nowhereland.
Der Schiedsrichter Dr. Niemand
pfeift ab.

Krünitz














Für schlaflose Sommernächte und sonstige stille Stunden...

Neue Kamera











































Nun endlich also, nachdem ich von so vielen Leuten immer wieder gefragt worden bin, warum ich mir nicht mal eine "richtige" Kamera zulege, ist es so weit: Ich habe mir eine digitale Spiegelreflexkamera gekauft (Nikon D 40 x).

Verrückter Juni

"Im Juni werden hier alle verrückt", sagte Ende Mai eine Lehrerin zu mir. In erster Linie meinte sie wohl die Schule und das Lehrerkollegium im Schuljahrsendstress. Aber es gilt auch für andere. Heuer war (und ist immer noch) die Stadt natürlich in einer Art Ausnahmezustand wegen der Fußball-Europameisterschaft, aber es gilt nach meinen Beobachtungen auch ganz unabhängig davon: Der Sommer ist da, aber die Ferien stehen noch aus. So ist kaum noch jemand wirklich da, bei der Sache, an der Arbeit - alles strebt auf den Urlaub hin. Das Thermometer klettert auf subtropische Werte, es ist oft unerträglich schwül, niemand hat mehr Lust auf irgendetwas: "Im Herbst dann", "nach den Ferien", "im September, besser noch im Oktober"... Seit Wochen verabschieden sich alle nur noch.
Aus der Gemeinde war der Vorschlag gekommen, den Konfirmandenunterricht doch schon im Juni zu beginnen bzw. recht bald nach der Konfirmation. Abgesehen davon, daß die Pfarrrer wegen ihrer vielen schulischen Zusatzverpflichtungen zu Schuljahrsschluss davon nicht begeistert wären - die Konfirmanden wären es sicher noch weniger, und es ist einfach ein ziemlich absurder Vorschlag. Ebenso gut könnte man per Beschluss Weihnachten in den Hochsommer verlegen wollen. Es passt einfach ganz und gar nicht in die hiesige Stimmungslage: Im Juni fängt man da in Wien nichts Neues an. Jedenfalls nichts, was mehr wäre als nur Sommerfestspiele. Alles andere beginnt im Herbst (wieder).
Die neunwöchigen Sommerferien spielen für alle eine große Rolle, unabhängig avon, ob sie mit Schule direkt zu oder indirekt zu tun haben oder nicht: Der Sommer ist die große Zäsur. Ähnlich muss es in Frankreich oder Schweden sein. Wer ein Haus am Land hat, flieht aus der Stadt, so oft er nur kann.
Selbst die Politik spielt verrückt: Die neue SPÖ-Doppelspitze wechselt nach weiterem Sinken der Umfragewerte nun überraschend in Sachen Europa entschlossen die Fronten, ist auf einmal auf der Seite der Kronenzeitung und ihrer Klientel zu finden und befürwortet im Falle eines revidierten EU-Vertrages eine Volksabstimmung! In vielen Regionen Deutschlands würde man dazu wohl sagen: "Was geht mich mein dummes Geschwätz von gestern an?" Wäre Lewis Carrroll ein Wiener gewesen, dann käme in "Alice im Wunderland" wohl kein Märzhase, sondern ein Junihase vor.

Donnerstag, 26. Juni 2008

Scheibtisch

Einsam

Die älteste Bürgerin Deutschlands, Frieda Borchert, ist am 22. Juni im Alter von 111 Jahren in einer Einrichtung der Heilsarmee gestorben. Das teilte deren deutsches Hauptquartier am 25. Juni in Köln mit.

Frieda Borchert war Bewohnerin des Evangeline-Booth-Hauses, benannt nach der Tochter von William Booth (1829-1912), des Gründers der Heilsarmee. Evangeline Booth (1865-1950) war von 1934 bis 1939 Generalin (weltweite Leiterin) der Heilsarmee. Frieda Borchert wurde 1897 in Guscht (Landkreis Friedeberg/Pommern) geboren und wuchs in Landsberg an der Warte auf. Nach ihrer Heirat zog sie mit ihrem ersten Mann nach Berlin um. Frau Borchert überlebte zwei Männer und ihre beiden Kinder. Im Alter von fast 100 Jahren entschloss sie sich, in das „Haus Sonnenschein“ der Heilsarmee in Berlin-Kreuzberg zu ziehen. Später wechselte sie in das Evangeline-Booth-Haus.

idea.de

Wie einsam macht so hohes Alter! Da bin ich nur froh, dass ich so alt gewiss nicht werde.

Mittwoch, 25. Juni 2008

Im Café

Sprache im Rhythmus der Zeiten

"Waren Sie am Wochenende wieder auf der Piste, dass es so richtig gefetzt hat? Sind Sie auf eine oberaffengeile Fete zum Abhotten gegangen, haben sich ein Lungenbrötchen nach dem anderen reingezogen, ordentlich gealkt, bis Sie voll bedröhnt waren, gar noch am Ende eine Trulla - hoffentlich keine Breitbandnudel - aufgerissen?

Wenn ja, dann haben Sie bestimmt nicht später in dieser Sprache davon berichtet. Zwanzig Jahre sind vergangen, und schon kommen uns „oberaffengeil“, „Abhotten“, „Lungenbrötchen“ und „Trulla“ mächtig altmodisch vor. Dass nach der jüngsten Studie des Demoskopischen Institut in Allensbach zwei Drittel aller Deutschen (65 Prozent) glauben, die deutsche Sprache sei vom Verfall bedroht, sollte niemanden beunruhigen. Entweder die Deutschen fürchten sich davor, selbst auszusterben, oder aber sie glauben, ihre Sprache sei dem Untergang geweiht - eines von beiden ist immer Thema.

Sprache ist ein lebendiges Konstrukt, sie verhält sich nicht statisch zum Sprecher, sie verfällt nicht - dies ist eine elitäre, moralische Kategorie -, sondern verändert sich. Und oft kann man über genau diesen Prozess der organisch-ungesteuerten Veränderung von Sprache nur froh sein. Eine prima Party ist doch allemal einer oberaffengeilen Fete vorzuziehen. Und die Welt der Trullas (alternativ: Tussis) teilt sich zum Glück auch nicht mehr in „Breitbandnudeln“ und „Bohnenstangen“ ein."

Tanja Dückers: Mal ein Lungenbrötchen reinziehen, ZEIT online 17.6.2008

Was fällt mir dazu ein? Noch mehr solche Wörter, zum Beispiel:"faszinandabelhaft", die "FDGO", die Beschimpfung "du Handtuch!" oder auch "BMW" (Brett mit Warzen) als Burschenkürzel für ein Mädchen mit kleinen Brüsten.

Bauarbeiten

Die Bauarbeiten an der Lutherkirche haben begonnen, sichtbar - und auch hörbar. Es ist wie eine Erlösung, ein großes Aufatmen geht durch die Gemeinde, das ist deutlich zu merken. Eineinhalb Jahrzehnte Vorüberlegungen und Planungen, immer wieder an die Seite gelegt, verändert, aufgeschoben. Im letzten Dreivierteljahr dann mit einem neuen Architekten der ernsthafte Anlauf, unausweichlich nach den Sturmschäden im Winter 2006/07, die der Gemeinde einen polzeilichen Bauauftrag eintrugen. Monatelanges Ringen im die Genehmigungen der kirchlichen Stellen und um die Finanzierung, - und nun geht es wirklich los. Wundervoll.

Evangelische Bäume, katholische Urnen

"Am Eingang des evangelisch-lutherischer Friedwalds am Schwanberg, wo ein sehr großes Holzkreuz und ein Informations- und Hinweistafel errichtet wurden erklärte Schwester Hildegard Schwiegler die Entstehung und Entwicklung des Friedwaldes. Mit dem Friedwald ist eine in Deutschland einmalige Verbindung von naturnaher Bestattung und christlicher Prägung in besonderer Atmosphäre entstanden. Die Bestattungen seien offen auch für Menschen anderer Bekenntnisse oder ohne Religionszugehörigkeit. Es ist eine naturnahe Alternative zur bislang gewohnten Form der letzten Ruhe. Es sei eine zwar ungewöhnliche Form, aber in jeder Beziehung würdevolle Bestattung, so Schwester Hildegard.

Die Teilnehmer wurden dann durch den Friedwald geführt, wo ihnen Bäume mit verschiedenen Farbenbänder gezeigt wurden die zum Teil mit Namen und Nummern versehen sind. Inzwischen fanden etwa 165 Bestattungen mit verwesbaren Urnen stattgefunden. Davon seien zirka ein Drittel katholisch gewesen.

Sehr interessant war der Versammlungsort mit der Figur „Christus mit dem Schutzmantel“. Von hier aus geht es zu den Bestattungsbäumen. Es gibt Einzel-, Familien- oder Freundschaftsbäume. Sie kosten zwischen 770 und 6350 Euro."

Aus einem Bericht der "Mainpost" über einen Ausflug des KAB Gerolzhofen zum Schwanberg

Friedwälder sind im Kommen in Deutschland, sonst aber kommunal verwaltet. Was mögen wohl Freundschaftsbäume sein? Vielleicht können da einfach Freunde, Wohngemeinschaften oder nicht verheiratete Liebespaare miteinander verwesen. Schöne Idee.

Am Wasser


Im Tiergarten Schönbrunn.

Dienstag, 24. Juni 2008

Internet als Maßstab der Wirklichkeit?

"(...) Wo endet die persönliche Freiheit, wo beginnt eine von der Mehrheitsgesellschaft unerwünschte Tätigkeit? Eine Frage, die allerdings alles andere als leicht zu beantworten ist, immerhin sind solche Moralvorstellungen auch immer in einem steten Umbruch begriffen.

Fall

In einem Verfahren gegen den Betreiber einer pornographischen Webseite will die Verteidigung nun erstmals zu einem Tool greifen, das man für unvoreingenommen hält, wie die New York Times berichtet. Mit der Suchmaschine Google will man demonstrieren, dass die gesellschaftliche Realität schon längst eine andere ist, als es die in Rechtssprüchen noch immer zum Ausdruck kommende Moral glauben macht.

Trend

So lasse sich per Google-Trends längst schon von jedermann nachprüfen, dass sich die Internet-NutzerInnen in Florida deutlich mehr für Orgien als für Apfelkuchen interessieren. Daraus zieht die Verteidigung den Schluss, dass sexuelle Themen schon längst die "Norm" darstellen und entsprechend die Brandmarkung als "obszön" längst nicht mehr haltbar ist.

Fragen

Ob man mit dieser Argumentation erfolgreich sein wird, bleibt freilich noch abzuwarten. So hat der zuständige Staatsanwalt bereits ernsthafte Zweifel daran angemeldet, ob Internetsuchen eine probates Mittel zur Ermittlung von gesellschaftlichen Moralvorstellungen sind.

Realität

Die Verteidigung sieht in dem Google-Beispiel hingegen einen längst fälligen Reality Check. Meist sehe es doch so aus, dass JurorInnen gegen Materialien entscheiden, die sie selbst zu Hause konsumieren."

Artikel in der Online-Ausgabe des Standard (23.06.2008)

So wird das Internet allmählich zum Maßstab aller Dinge, auch der Moral und der Rechtsvorstellungen. Zum Realitätscheck taugt es in gewisser Weise, aber Ethik kann sich natürlich nicht einfach an der Mehrheit orientieren. Werte und Maßstäbe verändern sich noch nicht dadurch, dass die Menschen anders leben. Ein gewisse Lücke zwischen Anspruch und Realität hat noch keiner Kultur geschadet.

Zudem spiegeln die Suichanfragen letztlich nur Interessen und Bedürfnisse, aber noch keineswegs die ganze Wirklichkeit, viel eher - gerade bei den Themen Sex und Gewalt - die Ausprägungen der Phantasie. Dasselbe gilt natürlich auch für Spiele. Nicht jeder, der einmal "brutale" Computerspiele gespielt hat, wird später zum Amokläufer oder Massenmörder. Nebenbei gesagt, sind viele althergebrachte Spiele letztlich nicht weniger brutal, nur dass eben kein Blut fließt. Man denke an "Mensch, ärgere dich nicht" oder Schach, an Halma, Dame oder "Fang den Hut". Auch die Märchen triefen bekanntlich vor Blut. Offenbar befriedigt dies tiefsitzende Bedürfnisse. Und wenn Männer (und zunehmend anscheinend auch Frauen) sich auf Sexseiten herumtreiben, muss man das doch wohl so verstehen, dass die Realität mit ihren Wünschen, Sehnsüchten und Träumen nicht mithalten kann - und das trotz "sexueller Revolution". Die hat es natürlich gegeben. Möglicherweise ist es aber wie im Märchen vom Fischer und seiner Frau: Je mehr an Wünschen erfüllt wird, um so mehr wachsen neue heran. Wie beim Rasieren: Häufiges, regelmäßiges Rasieren befördert bekanntlich den Bartwuchs.

DDD

Arbeitszimmer (Lebensmittelpunkt): Blick zum Stehpult.

Das wurde auch Zeit

"Dank Katharina Wagner gehen die Bayreuther Festspiele bei der Vermarktung völlig neue Wege: Erstmals wird in diesem Jahr eine Aufführung aus dem Festspielhaus per Livestream weltweit im Internet übertragen. Es handelt sich um die Aufführung der "Meistersinger von Nürnberg" am 27. Juli in der Inszenierung der 30-jährigen Regisseurin und Tochter von Festspielchef Wolfgang Wagner. Zugleich werden die "Meistersinger" auch live auf eine Großbildleinwand in Bayreuth übertragen. Dazu erwarte man bis zu 10.000 Besucher, teilte Festspielsprecher Peter Emmerich mit."

zeit.de 23.06.2008

Montag, 23. Juni 2008

Stiegenhaus (Variation)

Esoterik und die Kirchen

Was bedeutet das Phänomen Esoterik für die Kirchen?
Michael Fuss: Wir leben in einer neuen religiösen Situation, wo die Kirche nicht nur den großen Weltreligionen gegenübersteht, die wir ja mittlerweile als Nachbarn an der nächsten Haustür gegenüber finden, sondern wo sich diese neue Welt der esoterischen Erfahrung auftut. Und das ist eine ganz neue Situation, weil hier sehr viele religiöse Elemente aus anderen Religionen vermischt werden – auch psychologische Techniken und Therapien, aber auch sehr viele mystische Erfahrungen. Wir müssen das sehr ernst nehmen, weil es sich hier zum größten Teil um suchende Menschen handelt, die in irgendeiner Weise den Zugang zur Kirche nicht mehr finden.

Sehen Sie eine reale Gefahr, dass die Esoterik die Kirchen verdrängt?
Ich sehe es weniger als eine Gefahr, vielmehr als eine sehr ernste Herausforderung. Wir merken immer mehr, dass die Menschen einen sehr persönlichen und sehr geführten Glauben haben wollen. All das, was jahrhundertelang als mystische Tradition im Christentum immer sehr am Rande stand, das bringt die Esoterik jetzt ins Zentrum. Es braucht einfach sehr viel mehr pastorale Führung in diesem Bereich.

Wie verträgt sich die Esoterik, die das Ich vergöttlicht, mit dem Christentum?
Das scheint mir tatsächlich ein wesentlicher Punkt, und deshalb spreche ich hier von einer neuen Form der Religionskritik. Diese lehnt jetzt nicht mehr von vornherein das Göttliche ab, sondern interpretiert das Göttliche in einer völlig anderen Weise, als wir es aus der christlichen Offenbarung kennen. In der Esoterik wird das Göttliche ganz stark auf das Selbst bezogen. Man versucht, mit Techniken und Therapien das Ich immer mehr zu stärken, um die Göttlichkeit, die bereits dem Menschen innewohnt, zum vollen Ausdruck zu bringen. Das ist diametral entgegengesetzt dem Christentum, wo der Mensch sich selbst wie eine offene Schale sieht, die von dem Geschenk des Lebens und der Liebe Gottes gefüllt wird.

Viele religiös interessierte Menschen haben Probleme damit, dass die Kirche stark ihre Hierarchie, die Disziplin und den Gehorsam betont. Ist das förderlich?
Da würde ich tatsächlich eine Gefahr sehen, weil sich dadurch die Kirche immer mehr isoliert von den Menschen. Vielleicht verbirgt sich im Versuch einer stärkeren Kontrolle auch eine große Angst vor einer sich wandelnden Welt. Die Kirche muss sich noch mehr um den einzelnen Menschen kümmern. Die Lehre der Kirche muss in einer biografisch nachvollziehbaren Form präsentiert werden. Das muss nicht zu stärkerer Betonung der Autorität innerhalb der Kirche führen, sondern erfordert ein stärkeres Entgegengehen zu den Menschen.

Sie sprachen auch davon, dass Menschen ihre religiösen Bedürfnisse eher in Thermen als in Kirchen stillen wollen. Muss Kirche sich also dorthin begeben?
Ich denke, wir sind tatsächlich wieder an dem Punkt, wo die religiöse Frage mitten in den Alltagsproblemen der Menschen aufbricht und sich in den Bereichen der modernen Kultur zum Ausdruck bringt. Von daher diese Angebote von Wellness, von Thermen oder Therapien und so weiter. Die Kirche muss da tatsächlich wieder anfangen. Ich sehe das so wie das Bemühen um „Inkulturation“ in außereuropäischen Kulturen, wo die Kirche sich in afrikanischen und asiatischen Kulturen inkulturiert. Das muss eigentlich in jeder Generation immer wieder neu erfolgen.

Interview der Linzer Kirchenzeitung mit dem in Rom lehrenden Professor für Esoterik Michael Fuss

Der Garten der Gemeinde

Ein wahrer Schatz: Der schattige Garten hinter dem Gemeindesaal, mitten im Häusergeviert. Unter der Woche benutzen ihn Kinderkrippe, Kindergarten und Hort. Am Wochenende lädt er einfach zum Sitzen ein - und ist natürlich für alle Arten von Festen ideal...


Vergewaltigung als Kriegsverbrechen

"Als ich an meinem Buch 'Keiner war dabei. Kriegsverbrechen auf dem Balkan vor Gericht' über Kriegsverbrecher vor dem Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien arbeitete, stieß ich auf den 'Fall Foca'. Es ist der Fall von drei Serben, die muslimische Mädchen gefangen hielten, folterten, zu Sexsklavinnen machten und vergewaltigten. Doch die Männer verstanden nicht ganz, warum sie nun angeklagt wurden. Einer von ihnen verteidigte sich mit den Worten: 'Aber ich hätte sie doch auch töten können!' Aus seiner Sicht hatte er ihnen sogar das Leben gerettet."

Die kroatische Schriftstellerin Slavenka Drakulic in der Süddeutschen Zeitung vom 23.06.2008

Der UN-Sicherheitsrat hat vorige Woche (19.06.2008) in einer einstimmig verabschiedeten Resolution Vergewaltigungen im Krieg als Kriegsverbrechen verurteilt. Täter müssen nun damit rechnen, vor den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag gestellt zu werden. Lange hat es gedauert; bis sexuelle Gewalt in Familien ins allgemeine Bewusstsein rückte. Dass man sie nun auch als Kriegsverbrechen ansieht, hat viel zu tun mit dem Krieg im früheren Jugoslawien, vor allem aber einer für das Thema sensibilisierten Berichterstattung. Manchmal tragen die Medien doch zum kulturellen Fortschritt bei.

Haus 23


Das Zinshaus unserer Gemeinde.

Die große Leistung, Gewalt zu vermeiden

SPIEGEL ONLINE: Die "Metal Gear"-Spiele sind insofern einzigartig, als dass sie zwar von Krieg und Gewalt handeln, es aber, auch im neuen Teil "Metal Gear Solid 4" (MGS4), möglich ist, zum Ende zu kommen, ohne jemanden zu töten. Das aber ist äußerst schwierig - warum?

Kojima: Ich baue das immer ein, um an das Vermeiden von Krieg und Gewalt zu erinnern. Je schwieriger das ist, desto größer ist die Befriedigung, wenn man es schafft: spielen ohne zu töten. Die Hürde ist sehr hoch, aber wenn man sie überspringt, ist das eine Erfahrung, an die der Spieler sich vielleicht noch lang erinnert. Dass es eine große Leistung war, Gewalt zu vermeiden. Diese Botschaft will ich vermitteln. Aber man bekommt auch bessere Ausrüstung, größere Belohnungen, eine bessere Bewertung im Spiel selbst, wenn man es, ohne zu töten, schafft.

Aus einem Interview mit dem japanischen Game-Designer Hideo Kojima

Die liebe Lutherkirche

Sonntag, 22. Juni 2008

... um fotografiert zu werden

"Ansonsten ist Wien natürlich eine großartige Stadt, man kann stundenlang rumlaufen, gucken und staunen. Es steht eigentlich nur da, um fotografiert zu werden (...)."

Gefunden im Blog "das Netzbuch" (Item No. 1769: Grüße aus Wien)

Keine Schlacht in Ottakring

























Bei der Wiener Polizei galt am Freitag (Viertelfinalspiel Türkei - Kroatien) Alarmstufe Rot. Elf Festnahmen - das blieb weit hinter den Befürchtungen zurück. Die meisten kroatischen Fans waren nach einhundertzwanzig Minuten Spielzeit (plus Nachspielzeit) und Elfmeterschießen wahrscheinlich zu müde und frustriert und gingen einfach still nach Hause. So blieben die Türken mit ihrer Freude unter sich. Ein wesentlicher Faktor dafür, dass es relativ friedlich blieb, war freilich, dass Alkohol unter den türkischen Fans eine vergleichsweise geringe Rolle spielt; das hoben auch in Deutschland Polizeisprecher hervor. Siehe da! Ab und zu hat doch der Islam auch etwas Gutes...

England?


Internet-Werbung der Firma Kabelsignal.





Konsequenterweise fehlt hier Englisch.