Dienstag, 3. Februar 2009

Unmut in der Diözese Linz

Die Diskussionen um den designierten Linzer Weihbischof Gerhard Maria Wagner gehen längst über heimische Kirchengrenzen hinaus und beschäftigen jetzt auch deutsche Theologen. "Die Vorgangsweise in Linz rund um die Bestellung des neuen Weihbischofs ist ein deutlicher Ausdruck des päpstlichen Absolutismus",  analysiert der Tübinger Theologe Hans Küng im Gespräch mit dem Standard.

Und warum der künftige Weihbischof die Sympathien des Papstes genießt, liegt für Küng, der selbst von Papst Johannes Paul II. die katholische Lehrbefugnis entzogen bekam, auf der Hand: "Die Aussagen Wagners etwa zu Naturkatastrophen und der ‚Strafe Gottes‘ machen klar, dass der Mann nach einem vormodernen Weltbild lebt. Dadurch hat er aber natürlich die Sympathie des Papstes, der ja auch im Mittelalter beheimatet ist." Dennoch müsse man den Fall Wagner in einem weiteren Kontext sehen. Küng: "Österreich hatte immer schon besonders schlechte Bischöfe. Grund dafür ist das Ernennungssystem. Und das ist maximal schlecht und hat zur Folge, dass wir in Österreich nur mehr Jasager im Bischofsamt haben."

Aufruf zum Austritt

Verwunderlich findet Küng den konservativen Schwenk dennoch nicht: "Das hat alles System. Seitdem das Konzil nach Hause gegangen ist, versucht die Römische Kurie mit allen Mitteln die Kirche wieder auf einen Restaurationskurs zu zwingen." Dem Linzer Kirchenvolk rät der Theologe zum Widerstand: "Der Klerus und die Laienschaft sollen aufstehen und vom Bischof verlangen, die Weihe nicht durchzuführen." Unterstützung kommt unter anderem von der Plattform "Wir sind Kirche" , die bereits konkrete Protestmaßnahmen überlegt. Vorsitzender Hans Peter Hurka: "Es gibt die Idee, die oberösterreichischen Katholiken zum Kirchenaustritt aufzufordern. Die Leute sollen ihre Kirchenbeiträge auf ein Treuhandkonto zahlen und wir verhandeln mit der Diözese." (...)

Markus Rohrhofer: Kirchenvolk probt den Aufstand, DerStandard.at 03.02.2009 (Druckausgabe 04.02.2009)

So kommen der katholischen Kirche in Österreich immer mehr Menschen abhanden, innerlich oder äußerlich. Leider finden die wenigsten den Weg in die Evangelische Kirche.

In den Stürmen der Zeit

... der Turm der Lutherkirche (im Gerüst).

Der Staat als Schutzmantelmadonna

Von Wirtschaft verstehe ich wenig, leider. Das humanistische Gymnasium in Stuttgart, das ich besuchte, vermittelte seinen Schülern derartige Banalitäten nicht. Doch wenigstens dies habe ich gelernt, vor mehr als drei Jahrzehnten natürlich in der Auseinandersetzung mit den Ländern hinter dem "Eisernen Vorhang" und ihrer Ideologie, dass der Erfolg des Kapitalismus auf den Gesetzen des Marktes, dem Wechselspiel von Angebot und Nachfrage basiert. 

Und nun? Im Jahr 1 der weltweiten Rezession, ausgelöst durch eine Immobilien- und eine Bankenkrise? Da scheint nichts davon mehr zu gelten: Banken nicht anders als große Unternehmen flüchten sich unter die weiten Röcke des Staates, erpressen Regierungen mit Drohszenarien von massiven Arbeitsplatzverlusten, sprunghaftem Anstieg der Arbeitslosigkeit und einer sich immer schneller drehenden Abwärtsspirale. Sie erpressen Bürgschaften, Kredite - ja als letztes Mittel steht die Teilverstaatlichung im Raum. Staatsmonopolkapitalismus als letzter Ausweg? 

Im Grunde erleben wir den Bankrott einer Wirtschaftsweise, ja einer Weltsicht. Und es fällt anscheinend kaum jemandem auf, alle haben den Kopf noch angstvoll unter der Decke versteckt und hoffen, das Unheil werde schon nicht so schlimm ausfallen, das eigene Land vielleicht nicht so hart treffen. Es waren zu wenige, die die Apokalypse der Finanzmärkte vorausgesagt hätten. Dabei ist es selbst einem Laien einleuchtend. daß reine Spekulations-, Wett- und Derivatgeschäfte ohne eine realwirtschaftliche Deckung auf Dauer nur in einen Kollaps führen können. 

Die Zukunft des Kapitalismus scheint in allen wichtigen Industriestaaten nur der Staat mit immer massiveren Eingriffen und Beteiligungen gewährleisten zu können. Das ist insofern grotesk, als seit langem allüberall staatliche Monopolbetriebe wie Bahnen, Post und Fluggesellschaften privatisiert wurden. Am Ende siegt anscheinend doch die Staatswirtschaft - auf kaltem Wege.

In Ottakring

Bischofskandidaten der EKM

Dr. Thomas Zippert ist Bischofskandidat
Montag, 2. Februar 2009 - von Redaktion nh24   

Schwalmstadt 
(pm). Pfarrer Dr. Thomas Zippert, Leiter der Hephata Akademie für soziale Berufe, aus Schwalmstadt-Treysa ist einer von zwei Kandidaten für das Amt des Landesbischofs der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM). Seine Gegenkandidatin ist Ilse Junkermann aus Stuttgart. Die Bischofswahl steht auf der Tagesordnung der Landessynode am 20. und 21. März in Lutherstadt-Wittenberg.

„Die Aussicht, das werden zu können, was mein Vater war, ist für mich eine tolle Sache. Ich weiß ungefähr, was dabei auf mich zukäme, das Amt hat belastende, aber auch sehr schöne Seiten", kommentierte Pfarrer Dr. Thomas Zippert am Montag die offizielle Bekanntgabe seiner Kandidatur. Es sei eine große Ehre für ihn gewesen, von einem Mitglied des Wahlausschusses der Föderationssynode die Kandidatur angetragen bekommen zu haben. Zudem bringe er mit seinen Erfahrungen in den Arbeitsfeldern Gemeinde, Pfarrerfortbildung, Diakonie und Schule sehr breite Voraussetzungen für das Bischofsamt mit. „Ich kann mir gut vorstellen, nach Magdeburg zu gehen", so der dreifache Familienvater. „Ich bleibe aber auch gerne hier, in Schwalmstadt und Hephata."

Die Einführung in das auf zehn Jahre befristete Bischofsamt wird am 29. August im Dom zu Magdeburg sein. Die beiden amtierenden Bischöfe in der EKM werden im Juni aus ihren Ämtern verabschiedet: Landesbischof Christoph Kähler am 1. Juni in der Eisenacher Georgenkirche und Bischof Axel Noack am 7. Juni im Magdeburger Dom. Danach werden die beiden Bischofsämter der Evangelisch-Lutherischen Kirche Thüringen und der Kirchenprovinz Sachsen in einer Stelle vereinigt. Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) erstreckt sich über die Bundesländer Thüringen, einen Großteil Sachsen-Anhalts sowie über Gebiete in Sachsen und Brandenburg. Die rund 910.000 Mitglieder verteilen sich auf über 3.300 Kir-chengemeinden in 38 Kirchenkreisen. Bischofssitz ist Magdeburg. Das Landeskirchenamt der EKM wird ab 2011 in Erfurt sein.

Kandidaten:
 
Ilse Junkermann
wurde 1957 in Dörzbach/Jagst geboren. Nach ihrem Studium der Evangelischen Theologie in Tübingen und Göttingen übernahm sie Pfarrstellen in Horb am Neckar und Stuttgart. Ab 1994 war sie als Studienleiterin für Pastoraltheologie und Predigtlehre am Pfarrseminar in Stuttgart-Birkach tätig. Seit 1997 arbeitet Ilse Junkermann im Oberkirchenrat in Stuttgart, wo sie das Dezernat Ausbildung und Personal leitet. Ehrenamtlich engagierte sie sich in den vergangen Jahren in der Asyl- und Migrantenarbeit. Ilse Junkermann ist geschieden und hat einen Sohn.

Dr. Thomas Zippert
wurde 1961 in Marburg geboren. Nach seinem Studium der Evangelischen Theologie in Marburg, Heidelberg, Jerusalem und München war er als Gemeindepfarrer im Kirchenkreis Eschwege tätig. Promoviert hat er über den Theologen Johann Gottfried Herder. Ab 1997 war Thomas Zippert Studienleiter für Pfarrerfortbildung in den ersten Amtsjahren am Predigerseminar Hofgeismar. Seit 2002 ist er Leiter der Akademie für soziale Berufe im Hessischen Diakoniezentrum Hephata in Schwalmstadt. Er ist aktives Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr und in der Notfallseelsorge tätig. Thomas Zippert ist verheiratet und hat drei Kinder.
 
Thomas Zippert - Kandidat für das Amt des EKM-Bischof in sieben Daten

  • Zippert wurde 1961 in Marburg geboren
  • nach dem Studium der Evangelischen Theologie in Marburg, Heidelberg, Jerusalem und München war er als Gemeindepfarrer im Kirchenkreis Eschwege tätig
  • er promovierte über den Theologen Johann Gottfried Herder (1744-1803)
  • ab 1997 war Zippert Studienleiter für Pfarrerfortbildung in den ersten Amtsjahren am Predigerseminar Hofgeismar
  • seit 2002 ist er Leiter der Akademie für soziale Berufe im Hessischen Diakoniezentrum Hephata in Schwalmstadt
  • er ist aktives Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr und in der Notfallseelsorge tätig
  • Zippert ist verheiratet und hat drei Kinder

Hintergrund:
Der Ausschuss zur Findung der Kandidaten für das leitende geistliche Amt hat seit September 2008 vier Mal getagt. Dem Gremium unter Leitung von Petra Gunst, ehemalige Präses der Föderationssynode der EKM, gehörten 23 Mitglieder der Kirchenleitung der EKM, sechs Mitglieder der Synode sowie jeweils ein Vertreter der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) und der Union Evangelischer Kirchen (UEK) an. Die Geschäftsführung des Gremiums lag bei Brigitte Andrae, Präsidentin des Landeskirchenamtes der EKM. Die Landesbischöfin oder der Landesbischof muss von der Landessynode mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit gewählt werden.
(EKM, Pressestelle / me)

Wenn die eigenen Studienkollegen zum Teil schon Jahre lang Professoren sind, andere nun sogar episkopabel werden, merkt man, wie das Leben weiter gegangen ist. Und so mancher Kelch ist an mir vorbeigegangen. Dann doch lieber wieder heiraten.

Eine mächtige Burg des Todes

Die "Feuerhalle" in Wien-Simmering, dem Zentralfriedhof gegenüber.

Ben Becker gibt die Bibel

Bombastische Bibel

Von Sandra Nuy, 02.02.09, 19:36h

Ben Becker und seine Helfer machen die Heilige Schrift zum aufwendigen Gesamtkunstwerk. Immerhin 4000 Zuschauer sind dazu in der Lanxess-Arena erschienen und erlebten eine Bühne, wie eine Kirche.

Ben Becker (Bild: dpa)
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Ben Becker (Bild: dpa)
KÖLN. Wahrlich, ich sage Euch: ein erbaulicher Abend. Denn siehe, Ben Becker liest die Bibel und bittet dazu in die Lanxess-Arena. Ausverkauft ist zwar ganz anders, doch sind (nach Terminverschiebung) immerhin 4000 Zuschauer in die rechtsrheinische Kathedrale der Kulturindustrie gekommen - zu vernehmen „eine gesprochene Symphonie“.

Eine Bühne wie in der Kirche: hinten oben Leinwände wie ein dreiflügeliger Altar, Projektionsfläche für den Film zum Wort, vorn die Kanzel, stoffumhüllt und mit einem Kreuz geschmückt. Weihevolle Stimmung macht sich breit, als das Filmorchester Babelsberg unter der Leitung des Dirigenten Peter Christian Feigel die ersten Takte intoniert. Vier Gospelsängerinnen und die Zero Tolerance Band treten auf. Man ahnt: Der Abend wird gewaltig. Die Ouvertüre zu kosmischen Bildern aus dem All wird abgelöst durch hysterisches Gekreische als ER erscheint: Ben Becker Superstar.

Mit den ersten Sätzen der Schöpfungsgeschichte erfüllt flirrendes Pathos den Saal, Beckers tiefe, rauchige Stimme dröhnt bedeutungsschwer - der ganze Körper arbeitet mit, und die Musik sorgt für zusätzliche Dramatik. Verstört fragt man sich, was nach einem solchen Auftakt wohl noch kommen mag. Eigentlich ist das nicht mehr steigerungsfähig. Doch weit gefehlt!

Das Spannendste aus dem Buch der Bücher

Ben Becker und seine Musiker, Filmemacher und Lichtdesigner geleiten die Gemeinde durch eine multimediale und multiästhetische Bibelstunde in XXL. Ein Best-Of der spannendsten Geschichten aus dem Buch der Bücher. Erzählungen von Verrat und Zügellosigkeit, Sex und Crime in Häppchen präsentiert, die jeder kennt: Adam und Eva, Kain und Abel, Arche Noah, Jakob und seine Brüder, Hiob, Jona, Samson und Delila.

Hin und wieder singt Becker auch. Wann immer der Künstler eine Pause macht, brandet Beifall auf. Kein Zweifel, das Konzept der Überwältigungsdramaturgie funktioniert tadellos. Nach der Pause dann das Neue Testament. Johannes, Jesus und seine Jünger. Die Bergpredigt. Das Vaterunser. Becker schließt mit einem „Amen“ und eine Sekunde lang fürchtet man die kollektive Antwort. Gott sei Dank hat das Publikum jedoch nicht komplett vergessen, dass es im Theater ist, und schweigt.

Schließlich: die Passionsgeschichte. Mit erstickter Stimme kündet Becker von den Leiden Christi, die Spannung steigt, der Tod ist nahe. Seit dem Kommunionunterricht nicht mehr so gegruselt! Doch fürchtet Euch nicht: Jesus lebt. „He's alive“. Becker singt Dolly Partons Auferstehungssong, der Gospelchor assistiert wie es sich gehört. Wasserfontänen aus zwei Springbrunnen rechts und links. Halleluja. Kitsch ist schön. Das Publikum ist außer sich: Standing Ovations. Oh Wunder: Ben Becker, nicht eben für seine Religiösität bekannt, trägt die frohe Botschaft in die Herzen der Menschen. Die Wege des Herrn sind unergründlich.

Kölnische Rundschau 02.02.2009

Inszenierung ist alles. Gleiches ist keineswegs gleich, es  kommt auf die Präsentation an. Das lernen ja Schüler heute schon in der Schule. Wie viele oder wie wenige von den 4000 Zuhörern wohl auch in eine Kirche gehen? Aber da kostet es ja keinen Eintritt, es ist nur das fade Gewohnte, Lichteffekte und Tontechnik können nicht mithalten.