Und warum der künftige Weihbischof die Sympathien des Papstes genießt, liegt für Küng, der selbst von Papst Johannes Paul II. die katholische Lehrbefugnis entzogen bekam, auf der Hand: "Die Aussagen Wagners etwa zu Naturkatastrophen und der ‚Strafe Gottes‘ machen klar, dass der Mann nach einem vormodernen Weltbild lebt. Dadurch hat er aber natürlich die Sympathie des Papstes, der ja auch im Mittelalter beheimatet ist." Dennoch müsse man den Fall Wagner in einem weiteren Kontext sehen. Küng: "Österreich hatte immer schon besonders schlechte Bischöfe. Grund dafür ist das Ernennungssystem. Und das ist maximal schlecht und hat zur Folge, dass wir in Österreich nur mehr Jasager im Bischofsamt haben."
Aufruf zum Austritt
Verwunderlich findet Küng den konservativen Schwenk dennoch nicht: "Das hat alles System. Seitdem das Konzil nach Hause gegangen ist, versucht die Römische Kurie mit allen Mitteln die Kirche wieder auf einen Restaurationskurs zu zwingen." Dem Linzer Kirchenvolk rät der Theologe zum Widerstand: "Der Klerus und die Laienschaft sollen aufstehen und vom Bischof verlangen, die Weihe nicht durchzuführen." Unterstützung kommt unter anderem von der Plattform "Wir sind Kirche" , die bereits konkrete Protestmaßnahmen überlegt. Vorsitzender Hans Peter Hurka: "Es gibt die Idee, die oberösterreichischen Katholiken zum Kirchenaustritt aufzufordern. Die Leute sollen ihre Kirchenbeiträge auf ein Treuhandkonto zahlen und wir verhandeln mit der Diözese." (...)
Markus Rohrhofer: Kirchenvolk probt den Aufstand, DerStandard.at 03.02.2009 (Druckausgabe 04.02.2009)
