


Mit so viel Aufregung bei Kirchengängern und der Presse hatte Pfarrer Nolting im Vorfeld der geistlichen Übung nicht gerechnet: „Das war auch gar nicht meine Absicht. Einige, die sich gerne ins Grab gelegt hätten, wollten warten, bis die TV-Teams und Fotoreporter weg sind.“ Der Presse-Rummel und das kalte Winterwetter führten jedoch dazu, dass sich bis eine Stunde vor Ende der Aktion nur sechs Personen ins Grab legten. Thorsten Nolting wollte warten, bis alle Reporter weg sind und sich dann selbst in das über ein Meter tiefe Loch legen.
Eine symbolische Auferstehung samt „Wandlung“ durfte der evangelische Pfarrer bei Helga Wehrmann erleben. Erst polterte die Gerresheimerin empört gegen das Probe-Liegen und erklärte sichtlich aufgebracht: „Ich kann auf mein richtiges Grab warten. Dort hinabzusteigen würde mich sehr beängstigen und ein Leben lang verfolgen.“ Nachdem sie jedoch ein Flugblatt mit Informationen zu dieser ungewöhnlichen Aktion durchgelesen hatte und den symbolischen Zusammenhang des Probe-Begräbnisses mit der Auferstehung Christi sah, kam sie ins grübeln.
Das bekam auch ihre Freundin Brigitte Lenk mit, und als beide auf das offene Grab schauten, sagte sie zu Helga Wehrmann: „Steig da rein. Das wird dir sonst keine Ruhe lassen.“ Und dann passierte das, womit Thorsten Nolting und alle Anwesenden nie und nimmer gerechnet hätten: Helga Wehrmann legte sich tatsächlich ins Grab: „Ich habe mich da unten wohl behütet gefühlt. Vielleicht hätte ich noch etwas länger liegen bleiben sollen. Allerdings bekam ich auch ein Gefühl der Enge und von oben bröckelte Erde auf mich hinab.“ So wartete Helga Wehrmann keine Minute bis sie rief: „Ich will auferstehen. Lasst mich raus!“
Wer anderen eine Grube gräbt...
Ganze sieben Minuten lag Peter Laux im Grab. Der 47-Jährige aus Haan hatte Samstag von der Aktion erfahren und sich über Ostern seelisch drauf vorbereitet. Schon über die Feiertage machte sich Laux Gedanken über den Sinn des Lebens und seine Lebensaufgaben. Nach sieben Minuten wurde ihm dann klar: „Junge, du gehörst hier nicht hin“, was ihm dazu veranlasste, aus dem Grab zu klettern. Selbst 20 Minuten nach der „Auferstehung“ fühlte sich Laux wie auf einer Wolke, hatte zittrige Beine und erklärte: „Ich habe mein Herz noch nie so laut pochen hören, wie da unten. Jetzt fühle ich mich richtig befreit.“
Vassilios Katsogridakis: Lebendig begraben, Rheinische Post, 25.03.2008
Mir fällt auf (wieder einmal), dass ich derart christlich sozialisiert bin, dass ich es schon als Kind ganz unglaublich fand, dass Karsamstag und Gründonnerstag nicht auch allgemeine Feiertage sind. Und in Österreich ist nicht einmal der Karfreitag frei - nur die Evangelischen müssen nicht arbeiten... Vier Gottesdienste gibt es an diesem Tag in der Lutherkirche, mehr als an Heiligabend. Das ist einmalig in Wien, wahrscheinlich in Österreich, vielleicht weltweit, ich weiß es nicht. An Karfreitag (und am Reformationstag) in die Kirche zu gehen, das scheint ein ganz wesentliches Merkmal evangelischer Selbstdefinition in diesem katholisch geprägten Land zu sein.
Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit möglichst nicht auf Dinge, die Sie herunterziehen, sondern auf das, was schön ist in Ihrem Leben und was Sie erreichen wollen. Dann leuchten Sie von innen heraus. Und wenn Sie leichte Zukunftsangst beschleicht, die oft völlig unbegründet ist, versetzen Sie sich umgehend in die Gegenwart zurück. Was ist da meistens? Ein angenehmes Büro, eine Aufgabe, die Sie gut können, eine Tasse Kaffee - und bald wieder Feierabend.
Also knipsen Sie immer wieder ihren Sonnenschalter an und freuen Sie sich darauf, dass die ausgesendeten Signale irgendwann zu Ihnen zurückkommen. So funktioniert das mit der Schwingung, dem Gesetz der Resonanz und dem Charisma."
Alte Fotografien
Was ist unser je eigenes Antlitz anderes denn ein Kurzkapitel
in Gottes Schöpfungsschrift? Wir lesen es wie hinter
einem Spiegel, von wo das Erinnern zurückdriftet
zum Moment des Ersten Sündenfalls...
In der Rundung des Apfels, im Bausch der Meereswelle
küßt uns Gott mit seinem Windhauch,
mit Lichtgarben fährt er über unsere faltige Haut.
Jedes Gesicht kann nur in eigener Prägung
den freudigen, traurigen Augenblick erkennen,
wie sich über der Stirn schwere Schatten zusammenbrauen
und Gottes Schrift unleserlich wird.
Ist es das, was den Menschen so selbstvergessen macht? In den anderen
sieht er den eigenen Anteil an der allgemeinen Schuld
und liest zugleich alles, was überhöht dahintersteht.
Hadžem Hajdarević
Wenn die Jahreszeiten ihre Gesichter offenbaren
und über unserem Tal der Adler kreist,
wenn am Himmel seltene Lichter scheinen
und die blaue Blume reift:
dann ist es Zeit, der Unrast Mantel umzuhängen
und auf den Pfaden der Vergangenheit
den Weg nach Westen einzuschlagen.
Wir gehen Wege, die schon fast vergessen,
kaum von Wesen dieser Welt berührt
dorthin, wo das Licht den Schatten
in seiner tiefen Klarheit trifft.
Wo wir Gefährten treffen aus den alten Tagen
mit ihnen reden über die vergangene Zeit
um uns an dem Erlebten zu berauschen.
Wir erkennen, dass nicht Zahlen und Figuren
sind die Schlüssel aller Kreaturen.
Dass alle, die gern singen oder küssen,
mehr als die Tiefgelehrten wissen;
dass man in Märchen und in Gedichten
erkennt die alten Weltgeschichten:
Drum lasst uns diesen Tag besingen.
