Samstag, 24. Mai 2008

Prestigeträchtiges Objekt

Das Evangelische Gymnasium in Erdberg, das im Sommer 2006 eröffnet wurde, ist das Prestigeobjekt des Wiener Evangelischen Schulwerks, aber es trägt auch zum finanziellen Ruin der Diözese bei.

Keuschheitsbälle

"Christliche Keuschheitsbälle für Väter und Töchter breiten sich in den USA aus. Bei den Tanzveranstaltungen verpflichten sich die Väter, sich dafür einzusetzen, dass ihre Töchter auf Sex vor der Ehe verzichten. Darüber berichtete die Tageszeitung New York Times am 19. Mai. Im Unterschied zu Kampagnen wie "Wahre Liebe wartet" geben die Heranwachsenden keine Verpflichtungen ab; vielmehr wollen die Väter ihrer Verantwortung gerecht werden, ihre Kinder vor Versuchungen einer Gesellschaft zu schützen, in der Sex vor der Ehe zum Normalfall geworden ist." [kath.net]

Wenn ich meinen Schülerinnen und Schülern eine solche Nachricht vorlese, ist der Lacherfolg garantiert. "Die spinnen, die Amerikaner!", auch ein solcher Kommentar ist zu erwarten.

N.B.: Was ist eigentlich mit den Müttern und den Söhnen?

Expressionistisch























Wie für einen Film von Fritz Lang...

"...ein paar Leute, die sich für das Evangelium frikassieren lassen"

"Wir haben nicht zu wenige Priester, wir haben zu viele. Wahrscheinlich haben wir zu wenig Gläubige. Wir haben jedenfalls genau so viele echte Priester (und Ordensleute), wie wir echte Gläubige haben. Das ist ein mystisches Gesetz in der Kirche.

Gott läßt seine Kinder nicht alleine, niemals! Mit überreicher Hand sät er Berufungen über uns aus. Sie sind da, in ausreichender Menge. Er berührt die Herzen von Menschen, die auf einem ganz anderen Trip sind. Er zieht an sich. Er ruft.

Wir meinen bloß, wir müßten mehr Priester haben, weil wir an der Fiktion einer machtvollen Kirche festhalten, die es längst nicht mehr gibt.

Es ist so viel Kirche in der Welt, so viel Kirche in den Herzen ist. Wir irren, wenn wir das, was die Kirche ist, zuerst an einer Jahrtausende alten Geschichte, an der Menge ihres Grundbesitzes, an den riesigen Bauten, an den Kristallisationen der Kunst, am mächtigen Kirchensteueraufkommen und den weit reichenden Verbindungen festmachen.

In Wahrheit sind wir ganz klein. Wir sind ein paar Leute, die sich für das Evangelium frikassieren lassen. Das genügt. Wir sind ganz und gar nicht ohne Hoffnung. im lebendigen Glauben an Gott ist man niemals ohne Hoffnung. Venceremos! Wir werden siegen! Nicht weil wir so gut sind.

Wenn uns etwas gelingt gegen den mainstream der Gottesvergessenheit, so ist es Gott selbst, der durch uns seine Sache betreibt.

Wenn wir nur leer genug sind, daß er sein Leben in uns führen kann, wenn wir nur fein genug sind, daß er uns als seine Werkzeuge gebrauchen kann."

Aus dem Essay „Er sah aus wie Don Camillo“ von ***, in: Vatican-Magazin 11/2007, S. 62f.

Tag und Nacht


Surfen

If everybody had an ocean
Across the U.S.A.
Then everybody'd be surfin'
Like California

So besangen es die Beach Boys. Inzwischen hat sich die uralte hawaiianische Sportart über die Welt verbreitet, und das Wort “Surfen“ begegnet uns in übertragener Bedeutuzng auch für die Art, in der viele Menschen das Internet benutzen, nämlich mehr oder weniger ziellos vor sich hin bummelnd von einem Link zum nächsten. Darüber hinaus beschreibt das Bildwort aber auch treffend eine Lebenshaltung, eine Art der Freizeit- und der Lebensgestaltung: Surfen von einem Event zum nächsten, von einem Partner zum anderen, von einem Job zum nächsten… Und das alles in heiterer Munterkeit dahingleitend an der Oberfläche, ohne noch irgendwo einzutauchen.

Es gibt kein Bier auf Hawaii, es gibt kein Bier,
drum fahr ich nicht nach Hawaii, drum bleib ich hier.

Man braucht nicht hin zu fahren (auch wenn es mancher tut), Hawaii ist schon da, längst angekommen im Lebensgefühl der jüngeren Generation der reicheren Länder. Da kann nun jeder seinen Ozean haben. Und eine bessere Welt zu erkämpfen – wem fiele das noch ein? Vorgestrige Ideen! Das Paradies ist hier und jetzt, es kann nur schlechter werden, darum nutze den Augenblick – und surfe durch dein Leben, so lange du noch kannst…

Auf der Stiege zur U6

Katholikentagsimpressionen

„Man sollte doch erwarten können, auf einem Katholikentreffen christlichen Inhalten zu begegnen - leider entpuppte sich dies auf dem Katholikentag als ganz schwierig.

Das nenn ich mal einen perfekten Einstieg in meinen Katholikentag: Da zieht doch tatsächlich der Fronleichnamszug genau an der Haltestelle vorbei, an der ich auf meine Bahn warte. „Lobet den Herren…“, schallt es mir entgegen. Ich ertappe mich dabei, wie ich leise mitsumme. Sowas nennt sich Vorfreude.

Keine Frage: Man muss Großveranstaltungen mögen. Muss bereit sein, den Stempel „katholisch“ zu tragen – und sei es nur für einen Tag. Immerhin scheinen sie in Osnabrück ihre katholischen Gäste zu mögen. „Herzlich Willkommen in der Stadt des Katholikentages“, empfängt mich die Durchsage einer freundlichen Bahn-Mitarbeiterinnenstimme, ehe ich den meinen Erkundungsweg durch die Stadt beginne. Den richtigen Weg zu finden, fällt nicht schwer, da an jeder Ecke zig Helferinnen und Helfer stehen, die schnell einen Stadtplan zücken und den Weg zum Schlossgarten, zum Gepäckcontainer oder zu den nächstgelegenen Toiletten erklären.

Ein Blick auf das Programmheft zeigt: Der 97. Katholikentag ist ein politischer. Klimapolitik oder Arbeitsmarktpolitik – hier kommt alles zur Sprache. Übervolle Säle bestätigen, wie relevant die Themen für die Besucher des Katholikentages sind.

Bei der Diskussion über eine gerechte Klimapolitik schlägt sich Bundeskanzlerin Merkel tapfer, obwohl sie sich immer wieder kritisch hinterfragenden Plakaten wie „Frau Merkel, wo bleibt die Kerosinsteuer?“ ausgesetzt sieht. Klimaschutz bedeute, die natürliche Lebensgrundlage zu sichern, erklärt sie unbeirrt. In dem einen sind sich alle einig: Kirche muss sich für die Schöpfung einsetzen und darum auch klimafreundlich werden.

Etwas theologischer wird es in einem Uni-Hörsaal, wo Religionswissenschaftler und Zen-Lehrer sich über die Möglichkeit austauschen, Zen und Yoga christlich zu leben. „Wie viel Gutes und Wahres anderer Religionen verträgt das Christentum“, ist die zentrale Frage der Veranstaltung. Doch zu einer richtigen Debatte unter den Teilnehmern kommt es bei diesem Thema nicht. Man müsse Offenheit zeigen und prüfen, was in der eigenen Tradition richtig ist, so der Grundtenor der Referenten. Gerade vor dem Hintergrund der steigenden Zahl von Bundesbürgern mit Migrationshintergrund müsse die Theologie der Zukunft dialogisch sein. Das klingt erst einmal logisch.

Doch als Dr. Manuela Kalsky, Theologin und Initiatorin einer interreligiösen Website „Vielheit statt Einheit“ vorschlägt, frage ich mich, ob hier nicht schlicht versucht wird, unterschiedliche Religionen zu vermengen. Entweder aus dem Geist der postmodernen Auflösung absoluter Wahrheiten oder als Konfliktvermeidungsstrategie. Im interreligiösen Dialog steht der liebe Frieden schließlich hoch im Kurs. Ein bisschen Kontroverse hätte gerade bei diesem Thema nicht geschadet.

Der Katholikentag versucht, gut anzukommen. Auch wenn dabei das eigene Profil etwas verloren geht. Seien es die zahlreichen Angebote zum Klimaschutz oder das Kulturangebot unter anderem mit Culcha Candela, die mit so mancher Liedzeile eigentlich so gar nicht den Geschmack der Katholiken treffen dürften. Viele Veranstaltungen entpuppen sich zu Publikumsmagneten, doch leider sind es gerade die, die mit Christsein umheimlich wenig gemein haben.

Auf dem Weg zur nächsten Veranstaltung mache ich einen kleinen Abstecher in die Innenstadt zur Kirchenmeile. Hier tummeln sich viele Besucher, genießen das schöne Wetter und die ausgelassene Stimmung. Dass gerade in der Stadt des Katholikentages die Geschäfte an Fronleichnam geöffnet haben, scheint hier kaum einen Katholiken zu stören. Stattdessen begegnen mir teils aufgekratzte, teils schon ein wenig erschöpft wirkende Teilnehmer – ja, die Nacht in Massenquartieren hinterlässt ihre Spuren. Außer bei einem Teilnehmer auf vier Pfoten. Der Berner Sennenhund, ebenfalls stolzer Besitzer einer Dauerkarte, hechelt zufrieden vor sich hin und wartet, wo sein Herrchen als nächstes hingehen will. Der Katholikentag scheint für jeden etwas zu sein, groß oder klein, Mensch oder Tier.

Absolutes Highlight meines Besuchs beim Katholikentag ist Ben Becker mit dem Deutschen Filmorchester Babelsberg. Die Show „Die Bibel – Eine gesprochene Symphonie“ findet unter freiem Himmel im Schlossgarten statt und ist atmosphärisch eigentlich nicht zu überbieten. Als Ben Becker schließlich mit seiner sonorigen, durchdringenden Stimme die Schöpfungsgeschichte liest, musikalisch mit Geigen und Celli untermalt, lauschen hunderte von Menschen dem Wort Gottes. Ein bisschen erinnert mich Ben Becker an einen Märchenerzähler - nur dass er kein Märchen erzählt. Ob ihm dies selbst auch so klar ist, kann ich nicht sagen, seine Art Auszüge aus der Bibel zu Rezitieren ist jedenfalls fesselnd und eine besonderes Erlebnis. Natürlich ist Ben Becker ein Bühnenmensch. Er steht gerne im Zentrum und ist sich seines Stimmtalents durchaus bewusst. Aber das tut den Worten keinen Abbruch. (…)“

Christine Winkler: Als „Protestant“ auf dem Katholikentag. Gefunden auf jesus.de

Katholikentage und Evangelische Kirchentage sind inzwischen leider reine Showevents. Die Kirchen putzen sich heraus wie eine Frau zum Ball, versprühen Modernität und Weltoffenheit. Mit der Alltagsrealität der Gemeinden hat das nicht viel zu tun. Aber es passt in unsere Welt, in der die Qualität der Inszenierung, die Präsentation längst wichtiger geworden ist als die Sachen selbst. Im deutschen wie im österreichischen Schulwesen spielen "Präsentationen" eine herausragende Rolle, und die offiziellen Bewertungsrichtlinien lassen keinen Zweifel daran, dass die Methodik und mediale Ausgestaltung der Präsentation im Vordergrund des Interesses steht, nicht etwa der Inhalt.

Ach, wie schön kann Ökumene sein...

... wenn man sich menschlich näher kommt: Die geschiedene hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann und Erzbischof Robert Zollitsch beim Katholikentag in Osnabrück. Auch hier gilt natürlich: Der Alltag sieht leider ganz anders aus.

Bild: epd

Im Vorbeifahren aufgenommen

... wäre immer noch Wien


"Österreich ohne Wien wäre nicht mehr Österreich, aber Wien ohne Österreich bliebe immer noch Wien." Einer unserer Jugendlichen sagte das dieser Tage zu mir. Es klingt wie ein geflügeltes Wort, ein Zitat, aber ich kann es nicht verifizieren. Jedenfalls ist es sehr zutreffend, glaube ich.