Samstag, 26. September 2009

Einkaufen

Irgendwann untertags fällt mir ein, dass ich einkaufen gehen könnte. Bei näherer Überlegung stellt sich heraus, dass meinem kleinen Haushalt schlechterdings nichts fehlt. Ein Gefühl zwischen Leere und Irritation beschleicht mich.

In Grinzing

Der Piefke-Faktor

Wie sehr beeinflussen die Deutschen unseren Alltag: das Stadtbild, die Arbeitswelt, die Nachbarschaft und unsere Sprache? Eine kleine Bilanz zur deutschen Bundestagswahl am Sonntag.

Eigentlich sind sie ganz schön viele, die Deutschen in Wien. Doch ohne große Anlässe (EM) fallen sie kaum auf. Eine Ausnahme war der gestrige Freitag: Eine Woche nach Start des Münchner Originals wurde beim Heurigen Zimmermann in Döbling das (eintägige) „Wiener Oktoberfest“ begangen, mit entsprechender Deutschendichte. Auch morgen, Sonntag, ist die Chance, auf Deutsche in Großgruppen zu treffen, hoch: Einige Lokale (darunter nicht unbedingt typisch deutsche, denn die gibt es in Wien kaum) laden zum Public Viewing zur deutschen Bundestagswahl. Anlässlich der deutschen Bundestagswahl gehen wir der Frage nach: Wie beeinflussen die Deutschen Wien und Österreich?

1 Sind die Deutschen denn wirklich so viele?

Durchaus. Nach den Serben und den Türken stellen sie in Wien die größte Gruppe an Nichtösterreichern. 27.759 deutsche Staatsbürger sind laut Statistik Austria in Wien gemeldet, vor fünf Jahren lebten erst knapp 16.100 Deutsche hier.

Der rasante Zuzug der vergangenen Jahre hat sich in Wien, wie auch im Rest Österreichs, aber mittlerweile eingependelt – und wird sich, so Stephan Marik-Lebeck von der Direktion Bevölkerung (Statistik Austria), „kurz- und mittelfristig nicht wesentlich verändern. Die Zuwanderung aus Deutschland nach Österreich ist in den vergangenen Jahren zwar stetig gewachsen, seit 2006 bleibt sie aber relativ konstant.“ Rechnet man die Wegzüge (Studienabsolventen etc.) ab, kommen etwa 10.000 Deutsche pro Jahr nach Österreich. Die Wahrscheinlichkeit, deutsche Nachbarn zu haben, ist übrigens im dritten Bezirk am höchsten: Hier leben wienweit die meisten Deutschen, gefolgt von der Leopoldstadt und Döbling.

2 Wie und wo prägen Deutsche das Stadtbild?

Ein typisch deutsches Grätzel gibt es in Wien, anders als etwa ein asiatisches (Kettenbrückengasse), nicht, wohl aber ein paar Lieblingslokale. Die Xing-Gruppe „Piefke Connection“, ein Netzwerk für Deutsche, die in Österreich leben, hält ihren Stammtisch im Xpedit Kiosk oder im Glacis-Beisl im MQ. Auch die Cafés rund um den Yppenplatz, den man eher als Treffpunkt der türkischen Community zählt, sollen bei Deutschen beliebt sein.

Mehr als Flaktürme

Architektonisch haben die Deutschen das Bild Wiens durchaus mitgeprägt. Wenn auch vielleicht anders als erwartet. Wer bei „deutschen Bauwerken“ an die NS-Zeit denkt, hat zwar recht – die Flaktürme der Stadt wurden 1942 bis 1945 nach den Plänen des deutschen Architekten Friedrich Tamms errichtet. Einerseits. Andererseits war der deutsche Einfluss vor allem früher und anderswo – entlang des Rings – wesentlich größer. So manches Gebäude an der Ringstraße wurde von bekannten Deutschen entworfen. Das Rathaus hat Friedrich von Schmidt geplant. Das Burgtheater gegenüber war eine deutsch-österreichische Koproduktion: Der Grundriss stammt vom bekannten deutschen Architekten Gottfried Semper, die Fassade vom Wiener Karl von Hasenauer. Semper war auch am Ausbau der Hofburg (Neue Burg) beteiligt. Und danach? Zeitgenössische deutsche Architektur in Wien ist „vor allem verglichen mit der Präsenz deutscher Architekten in Wien im 19. Jahrhundert eher rar“, sagt Gabriele Kaiser, Kuratorin im Architekturzentrum Wien.

3 Wie sehr braucht unsere Wirtschaft die Deutschen?

Ein Sonntag im September auf der Türlwandhütte am Fuße des Dachstein. Die Trachtenkapelle Ramsau gibt auf der Terrasse ihr traditionelles Herbstkonzert, viele Touristen sind gekommen. Eine Kellnerin im Dirndl nimmt die Bestellung auf. Und antwortet auf die Frage, was denn die Wilderersuppe beinhalte, in breitem Bundesdeutsch und tiefstem Ernst: „Na, Wildererfleisch!“

Deutsche in Österreich – alles (ostdeutsche) Gastarbeiter im Tourismus? Der Schein trügt, sagt die Statistik des Hauptverbands der Sozialversicherungsträger. So arbeiteten mit Stichtag Ende August zwar 11.400 Deutsche im Tourismus, aber auch 12.000 in der erzeugenden Industrie und 10.000 im Handel. Der Rest verteilt sich auf so ziemliche alle Branchen.
Das deckt sich auch mit der Erfahrung von Jockel Weichert, Exil-Münchner und Gründer der 600 Mitglieder zählenden Gruppe „Piefke Connection Austria“ auf der Webplattform Xing. Der kennt besonders viele Kreative – Werber, Grafikdesigner, Schauspieler und Leute aus dem Filmgeschäft. Er ortet auch Architekten, Analysten aus der Finanz- und Versicherungsbranche und natürlich Mitarbeiter deutscher Großkonzerne. Beliebt ist die Alpenrepublik dabei auch unter Deutschlands Studenten. Nach den Niederlanden und Großbritannien ist es das beliebteste Zielland; im Wintersemester 2008 waren hier 17.432 deutsche Studierende inskribiert.

Deutschland ist auch mit Abstand Österreichs wichtigster Handelspartner. 2008 gingen 30Prozent der Exporte nach Deutschland, 40Prozent aller Importe kommen von dort. Manches beäugt man mit gemischten Gefühlen. „Wenn deutsche Firmen österreichische kaufen, tut das besonders weh“, so Oliver Kühschelm vom Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Universität Wien. Gleichzeitig seien die Deutschen als Retter den Österreichern im Zweifelsfall doch lieber.

Für den Wiener Tourismus sind deutsche Gäste nach wie vor ein Hauptmarkt. Nur aus Österreich selbst kommen noch mehr Besucher nach Wien. 2008 besuchten fast 890.000 Deutsche die Stadt.

4 „Voll krass“? Verdrängt das bundesdeutsche Deutsch das österreichische?

Die Antwort darauf ist eine sehr österreichische, nämlich: schon ein bisschen. Zwar gibt es keine Studien, die die Wirkung des Bundesdeutschen auf das Österreichische messen, sagt Ulrike Kramer von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Aber Beobachtungen sprächen für einen zunehmenden Einfluss – zwar nicht auf die typisch mehrdeutige Sprechweise, aber doch aufs Vokabular. Daran ist einerseits, wie so oft, das Fernsehen schuld. 55 Prozent der heimischen Fernsehteilnehmer haben via Satelliten, 38 Prozent via Kabel Zugang zu deutschen Programmen.
Eine andere Eintrittsstelle ortet Kramer in der Jugendkultur. „Zicke, Zoff, krass, Klamotten, irre – diese Ausdrücke waren vor zehn Jahren unter Jugendlichen nicht so gebräuchlich“, sagt sie. Die Begriffe sind nicht zuletzt ein Ausdruck der Globalisierung: Wenn Christl Stürmer ein „ziemlich ausgeprägtes Bundesdeutsch“ singt, wie Kramer findet, hat sie den großen Absatzmarkt der Nachbarn im Auge. Das typisch Deutsche werde von Teenagern auch als Provokation eingesetzt: „Jugendliche merken, dass bundesdeutsche Wendungen genau wie Anglizismen Erwachsene stören.“

Charmant sein genügt nicht

Allerdings sagen auch volljährige Österreicher schneller „lecker“, als sie denken. „Wenn es Sprachkontakt gibt, beeinflusst zumeist die Sprache mit dem höheren Prestige die andere“, sagt Kramer. Zwar hört man „so halt“ oder „Pickerl“ für Vignette inzwischen auch in Deutschland, aber generell gilt: Das Österreichische wird – auch von Österreichern – zwar als charmant, aber eben nicht als regelkonform empfunden.
Sehr selbstbewusst werden die Österreicher, vor allem die Wiener, allerdings wenn es um „ihr“ Burgtheater geht. Nicht ständig, aber immer wieder gebe es Beschwerden, erzählt Pressechefin Konstanze Schäfer, dass „zu Deutsch“ gesprochen werde. Tatsächlich besteht die Hälfte des Ensembles aus Deutschen (den Direktor nicht miteingerechnet) bzw. Schweizern. Nachvollziehen kann Schäfer, selbst eine Deutsche, den Vorwurf aber nicht: „Es gibt seit jeher – sieht man von Nestroy oder Horváth-Stücken ab – eine Standardsprache auf der Bühne.“ Und zwar eine, na ja, eher bundesdeutsche.


Mirjam Marits, Teresa Schaur-Wünsch und Ulrike Weiser: Deutsche in Österreich: Der Wiener "Piefke"-Faktor, "Die Presse", Print-Ausgabe, 26.09.2009

Freundliche Aufforderung zur umweltverträglichen Entsorgung

Jesus - ein Kabarettist?

„Jesus Christ - Kabarettist“ heißt das neue Programm des Kabarettisten und Satirikers Markus von Hagen. Das Thema interessierte so sehr, dass das Bürgerhaus bis auf den letzten Platz besetzt war.

„Jesus hatte alles, was einen Kabarettisten ausmacht“, verkündete Markus von Hagen. „Er provozierte und polarisierte.“ Der Kabarettist Jesus von Nazareth zog mit seinem Programm durch Land. Seine Fangemeinde wurde stetig größer und einige folgten ihm sogar. Die Wüste bezeichnet von Hagen als Mehrzweckhalle, in der Jesus sein Kabarett- Programm zeigte. „Er hat bei seinen Open- Air- Auftritten ab zwei bis drei Personen ,unplugged gespielt. Es gibt Kabarettisten, denen ist die Botschaft wichtiger, als die eigene Person“, bemerkte von Hagen und die Sympathie für seinen „Kollegen“ war offensichtlich.

Im Übrigen habe Jesus sein Programm in der Bibel niedergeschrieben. Genau genommen nicht er selbst, sondern ein versierter Verleger, der vier Autoren dazu auserwählt habe. „Den Rest hat er rausgeschmissen.“ Das Buch der Bücher sei ein Bestseller geworden. Doch: „Ein Folgeband ,Jesus von Nazareth Teil II - die Rückkehr ist nie herausgekommen. Aber es gibt Bonusmaterial“, tröstete der Kabarettist mit Blick auf die Apokryphen. „Es gibt welche, die sagen, das sei alles ausgedacht“, meinte von Hagen. „Alles nur Redaktionsarbeit.“ Apropos: Bemerkenswerte Arbeit hat Markus von Hagen bei der Recherche zu seinem Programm geleistet. Jede seiner aufgestellten Theorien sind zwar frech und bringen unser religiöses Weltbild tüchtig durcheinander, aber er kann Satire, Polemik und Fehldeutungen anhand der passenden Bibelstellen untermauern. Je mehr Geschichten Markus von Hagen über seinen „Kollegen“ erzählte, umso mehr sah man Jesus als Menschen und Satiriker vor sich. Genau wie sein „Kollege“ wetterte auch von Hagen gegen die „frommen Herren“, die sich die Bibel für ihre Zwecke zunutze machten und Weltbild und Moral der Menschen damit beeinflussten, die Religion als Fundament der Ordnung sehen.

Markus von Hagens Programm „Jesus Christ - Kabarettist“ ist nicht nur witzig und frech, es bietet neue Ansatzpunkte über Ordnung und Moral nachzudenken und Geschichte, Religion und vielleicht sich selbst in einem neuen Licht zu sehen.

„Jesus war nur ein Kabarettist! Habe ich das gesagt“, fragte von Hagen schließlich rhetorisch und ging.

Bericht der Ahlener Zeitung über einen Abend im Bürgerhaus Freckenhorst

Eine staubige Angelegenheit

Donnerstag, 24. September 2009

Andere Länder - andere Rücksichten

Wer hat noch nicht von ihr gehört, der Elfenbeauftragten von Island? Als genau diese ist Erla Stefándsdóttir berühmt geworden. Der Künstler Wolfgang Müller (auch bekannt als Úlfur Hródólfsson) erfand, nach einem langen Interview mit der dreifachen Mutter, in einem Artikel in der Frankfurter Rundschau (30.12.1995) den Begriff der „Elfenbeauftragten“. Die Wortschöpfung wurde, besonders in Deutschland, von den Medien begeistert aufgenommen und weiterverbreitet. So entstand der Mythos, der sich um eine geheimnisvolle Frau rankt, über die es aber kaum weitere Informationen im Internet gibt.

Was hat es mit der Elfenbeauftragten auf sich? Bei einer Baugenehmigung ist in Island tatsächlich zu berücksichtigen, dass Kulturgüter, z. B. große Steine oder Hügel, die von der Bevölkerung als von Elfen bewohnt angesehen werden, zu schützen sind. So gibt es Straßen, die um ein solches Kulturgut herumgebaut wurden. Das bekannteste ist wohl der Álfholsvegur („Elfenhügelweg“). Erla Stefánsdóttier war laut Medienberichten auch hier gerufen worden und schützte das Elfenheim vor der Zerstörung durch Bagger.

Die Welt der Elfenbeauftragten ist bunt, voller Geschöpfe, die außer ihr niemand sehen kann. Schon als Kind hat sie Blumenfeen gejagt, mit Zwergen gegessen und mit Geistern gespielt. Über all das hat Erla nun berichtet. Sie beschreibt in ihrem Buch „Lifssýn min. Lebensgeschichten einer Elfenbeauftragten“, erschienen im Esoterikverlag Neue Erde (Saarbrücken 2007) nicht nur kleine Anekdoten aus ihrem – zugegeben außergewöhnlichen – Alltag, die sie mit netten, etwas kindlichen Zeichnungen ergänzt, sondern erläutert auch ihr Weltbild, das ein Sammelsurium an verschiedenen Überzeugungen und Denkweisen der gängigen esoterischen Praktiken ist, die sich erstaunlicherweise bei ihr nicht widersprechen, sondern ein wundersames Gesamtbild ergeben. Reinkarnation, inklusive Wartesaal, in dem die Verstorbenen auf ihren Reisepass zur Grenzüberschreitung warten (in dem Erla nach eigenen Berichten übrigens selbst auch schon war, aber wieder zurückgeschickt wurde), gepaart mit Gebeten zu Jesus oder Maria, Yoga in einer anderen, der geistigen Welt, Texte der indischen Veden, Zitate aus der Bibel und ein Spritzer Platon sind wesentliche Zutaten zu ihrem weltumfassenden Gesamtwerk, das sie auch noch mit Anweisungen und Erläuterungen für das praktische Leben des geneigten Lesers garniert.

Die über 70-jährige Klavierlehrerin wird gerufen, um festzustellen, ob an einem bestimmten Ort Astralwesen wohnen, ein Energiestrom quer durch einen Raum verläuft oder Verstorbene im Haus spuken. Sie wird von Privatpersonen beauftragt, die verhindern wollen, dass Elfen, Trolle oder Nymphen aufgeschreckt oder sogar rachsüchtig werden. Medienberichten zufolge soll sie sogar von einem Ministerium konsultiert werden, wenn es um Elfenfragen geht.

Katrin Schulz im Materialdienst der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen 9/2009

Erster Blick am Morgen

Dienstag, 22. September 2009

Bekenntnis zum Existenzialismus

«Der Mann, der das geschrieben hat, wußte alles über mich, und wußte, was warten heißt ohne Hoffnung (...). Die Trauer ist die innigste Verbindung mit einem Menschen, die gemeinsame Trauer.»

Der Gefangene "Hannes" in Siegfried Lenz' neuer Novelle "Landesbühne" (ab 23.9. im Buchhandel). Dieses Theater führt Becketts "Warten auf Godot" in einer Haftanstalt auf.

Samstag, 19. September 2009

Von der Präsenz der (Fußball-)Geschichte in Wien

"Was? Ihr habt denen wirklich eins auf den Sack gekloppt?", fragten die Deutschen

Sie waren erstaunlich ruhig, jene Rapid-Fans, die am Donnerstag noch gegen 22.30 Uhr in die U4 einstiegen. In Fahrtrichtung Hütteldorf - no na. Irgendwie verklärt wirkten sie, erhoben in dem Gefühl, einem Ereignis beigewohnt zu haben, an das man sich noch lange erinnern wird. Ein historischer Moment wie ...

Zwei Deutsche fuhren in der U-Bahn mit, die noch nicht wussten, was sich da ereignet hatte. Erstaunt über die ungewöhnliche Ruhe fragten sie einen Rapid-Fan, wie es denn ausgegangen sei. Die Antwort "3:0" wurde vom Fan gleich sicherheitshalber, damit ja keine Missverständnisse aufkommen, ergänzt: "Für Rapid." Die Deutschen, bass erstaunt: "Was? Ihr habt denen wirklich eins auf den Sack gekloppt?" Darauf der Grün-Weiße geradezu lakonisch: "Ja, wir haben schon überlegt, Wien umzubenennen. In Córdoba."

Nie so gelacht

Dass der Vergleich nicht zu hochtrabend ist, untermauerte die Bild-Zeitung, die nicht nur mit "Blamage gegen Wien - HSV, ihr Würstchen!" titelte, sondern auch schrieb: "So hat Österreich seit 31 Jahren nicht mehr über den deutschen Fußball gelacht. Seit unserem legendären WM-Aus 1978 in Córdoba (2:3)."

Dabei ist eine Umbenennung gar nicht vonnöten. Denn Córdoba ist bereits in Wien. Seit diesem Frühjahr. Denn am 5. Mai hatte der Gemeinderatsausschuss für Kultur beschlossen, im Stammersdorfer Neubaugebiet den neu entstandenen Umkehrplatz einer Sackgasse in "Cordobaplatz" zu benennen. Zu diesem "Cordobaplatz" gibt es, wie in einer Sackgasse so üblich, übrigens nur eine einzige Zufahrt: Die "Edi-Finger-Straße". Für unsere deutschen Freunde, die das vielleicht nicht wissen: Edi Finger senior war jener Radioreporter, der 1978 nach dem dritten Tor der Österreicher ins Mikrofon schrie: "Toor! Toor! Toor! ... I wer' narrisch!"

Roman David-Freihsl: Córdoba in Wien, DER STANDARD Printausgabe, 19./20.9.2009

Ottakring

Ein anderes Jesuswort

Aus: Carl Einstein, Die schlimme Botschaft.
Gesehen in der Ausstellung "Christus an Rhein und Ruhr".

Vornamen und Grundschullehrer

Die Wissenschaftlerin Astrid Kaiser hat die Lehrer gegen sich aufgebracht: Eine Studie ihres Lehrstuhls zeigt, dass Grundschulpädagogen kleinen Kevins weniger zutrauen als Simons. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE verrät sie, mit welchen Namen Kinder verloren haben - und mit welchen sie gewinnen.

SPIEGEL ONLINE: Frau Kaiser, welchen Namen würden Sie Ihrem eigenen Kind auf keinen Fall geben?

Astrid Kaiser: Adolf.

SPIEGEL ONLINE: Die Frage stammt aus einer Studie, die Sie betreut haben und für die rund 1800 Lehrer online befragt wurden, 500 Bögen haben Sie auswerten lassen. Die meisten Grundschullehrer nannten nicht Adolf, sondern Kevin, gefolgt von Jaqueline und Chantal.

Kaiser: Justin, Marvin und Mandy kamen auch nicht besonders gut weg.

SPIEGEL ONLINE: Das Ergebnis der Studie lautet: Grundschullehrer verbinden bestimmte Vornamen mit Vorurteilen, Kevin gilt sogar als Prototyp des verhaltensauffälligen Kindes. Wie verbreitet sind solche Meinungen unter Lehrern?

Kaiser: Sehr weit, das hat die Untersuchung deutlich gezeigt. Ich kenne das auch aus dem Alltag. Ich habe früher als Lehrerin gearbeitet und habe bei mir selbst Vorurteile gegenüber manchen Namen beobachtet. Heute bilde ich Lehrer aus. Was mich bei der Studie allerdings überrascht hat, war die Deutlichkeit und die Schärfe, mit der die befragten Lehrer über bestimmte Namen urteilen - und mit welcher Bestimmtheit sie davon ausgehen: Das ist kein Vorurteil, das ist eigene Erfahrung, das ist die Wahrheit.

SPIEGEL ONLINE: Vielleicht sprechen die Lehrer wirklich aus Erfahrung. Vielleicht kommen tatsächlich viele Kevins aus Familien, in denen die Erziehung überwiegend durch Trickfilmprogramme stattfindet - und seltener aus Familien, die auf musikalische Früherziehung setzen.

Kaiser: Sicher bringen bildungsferne Schichten mehr Kevins und Justins hervor als Alexanders oder Maximilians. Aber bildungsfern heißt nicht unintelligent, sondern ungefördert. Der hochbegabte Kevin bekommt nicht die schulische Förderung, die er bräuchte, weil er aus der falschen Schicht kommt und seine Lehrer ihn schon beim ersten Blick auf die Klassenliste entsprechend sortieren. Der intelligente Kevin ist dumm dran.

SPIEGEL ONLINE: Was ist mit den dummen Kevins?

Kaiser: Auch der unintelligente Kevin wird schlechter gefördert und erzielt nicht die Leistungen, die er erbringen könnte. Die Forschung zeigt: Vorurteile führen zu ungerechten Bewertungen.

SPIEGEL ONLINE: Wo zeigt sich das?

Kaiser: Zum Beispiel bei Diktaten: Wenn ein Lehrer einem Kind viel zutraut, übersieht er mehr Fehler. Bei Kindern, die er für leistungsschwach hält, korrigiert er sehr akribisch und findet mehr.

SPIEGEL ONLINE: Viele Grundschullehrer sind empört, sie fühlen sich ungerecht behandelt und sagen: Hier werde die eigene Erfahrung schlechtgeredet.

Kaiser: Erfahrung ist gut, aber Verallgemeinerung ist schlecht. Man kann bei neun Kevins richtig liegen, aber die Lehrer müssen auch beim zehnten Kevin wieder genau hingucken: Was kann der? Was braucht der? Wie kann ich ihn fördern?

SPIEGEL ONLINE: Freunde machen Sie sich mit dem Thema nicht bei den Lehrern.

Kaiser: Ja, man macht sich unbeliebt. Mich beschäftigt das Thema schon lange, aber ich habe nie jemanden gefunden, der das genauer untersuchen wollte. Eine Habilitandin lehnte das Thema ab, weil sie Angst hatte, dass man ihr Lehrerschelte vorwirft. Auch andere sind abgesprungen. Um so glücklicher bin ich, dass die Autorin der Studie, Julia Kube, sich des Themas angenommen hat.

SPIEGEL ONLINE: Warum die Aufregung bei Lehrern?

Kaiser: Unter der Hand und in privaten Gesprächen bestätigen fast alle Lehrer, dass auch bei ihnen die Namensfalle zuschnappt. Nur sobald es öffentlich diskutiert wird, fühlen sich viele ertappt. Das ist das Spannende an Vorurteilen gegenüber Vornamen: Sie sind nicht sichtbar und den meisten deshalb auch nicht bewusst - anders als etwa bei der Hautfarbe. Dafür sind viele Lehrer sensibilisiert.

SPIEGEL ONLINE: Haben nur Lehrer diese Vorurteile oder wir alle?

Kaiser: Vor allem Grundschullehrer schließen vom Vornamen auf die soziale Schicht - eben wegen ihrer Erfahrung. Sie sind die einzigen echten Gesamtschullehrer in diesem Land, sie haben mit allen sozialen Gruppen zu tun. Aber wir alle ziehen bestimme Schlüsse aus dem Vornamen. Wenn jemand Gisela heißt, wissen Sie ziemlich sicher, dass diejenige älter als 15 Jahre ist.

SPIEGEL ONLINE: Kennen Sie solche Vorurteile auch aus anderen Ländern?

Kaiser: In Australien gelten Kinder mit amerikanisch gefärbten Namen als doof, also Namen mit einem Y am Ende, Jimmy oder Joey. Meine Schwiegertochter unterrichtet in London afrikanische Kinder, auch dort gibt es Namen, die mit Bildungshunger oder Unterschicht assoziiert werden. Es ist weit verbreitet, über kulturelle Grenzen hinweg.

SPIEGEL ONLINE: Was lässt sich gegen Namensvorurteile tun?

Kaiser: Wir machen hier an der Uni Oldenburg sogenannte Anti-Bias-Trainings, also Rollenspiele und ähnliches, um Vorannahmen und Vorurteile bewusst zu machen und zu überwinden. Das sollte zu jeder Lehrerausbildung gehören, tut es aber nicht.

SPIEGEL ONLINE: In der Studie bewerten die Lehrer Namen wie Charlotte, Hannah, Sophie, Simon, Maximilian positiv. Welche Namen haben das Zeug zu künftigen Knallernamen?

Kaiser: Emma könnte bald ein Edelname für Mädchen werden, bei Jungs hat Walter gute Chancen; Paul ist es schon geworden. Aus den altmodischen Namen spricht auch eine gewisse Nostalgie, die Sehnsucht nach konservativen Werten.

SPIEGEL ONLINE: Welche Namen empfanden Sie als Höchststrafe, als Sie noch Lehrerin waren?

Kaiser: Oliver war das damals in den siebziger Jahren. Olivers kamen aus Problemfamilien.

SPIEGEL ONLINE: Ich danke Ihnen trotzdem für das Gespräch.

spiegel.de

Vornamen können eine Strafe sein, keine Frage. In aller Regel verwirklichen sich eben die Eltern in der Namensgebung für ihre Kinder - und die tragen dann ein ganzes Leben daran. In meiner Kindheit assoziierte man mit meinem Vornamen vor allem den Fußballer Uwe Seeler, den Erfinder des Fallrückziehers. Fußball war aber meine Sache nicht. Zum Glück scheint meine Grundschullehrerin von Vorurteilen gegenüber bestimmten Vornamen frei gewesen zu sein.

Der Schriftsteller Uwe Johnson und der Schauspieler Uwe Friedrichsen traten erst später in meinen Horizont. Da war es dann schon fast egal, die Kindheit war gelaufen. Von vielen Menschen habe ich schon gehört, dass die Entwicklung des Verhältnisses zum eigenen Vornamen auch Züge der Resignation trägt. Oder aber solche des bewussten "Dennoch!".

Am Währinger Gürtel

Schwarzgallig

Kürzlich fiel mir auf, was ich immer schon wusste: Dass "cholerisch" und "Cholera" vom selben griechischen Wort abstammen, das in der Säftelehre des Theophrast die "schwarze Galle" bezeichnet. Choleriker können manchmal zu einer Cholera werden; wenn sie aufeinandertreffen und einander zu überschreien versuchen, ist das wie eine Seuche.

17., Jörgerstaße, Ecke Palffygasse

Ein schönes Bild

UTOPIE

Ich stelle unser Bett
In den Mondschein
Auf eine Brücke aus Licht
Die über den Strom führt
Der keinen Ursprung hat und kein Ziel
Auf eine Brücke
Aus Licht
Ohne Hin- und Herweg


Karl-Johannes Vogt (*1919)

In der Schnellbahn

Babenberger - immer und überall?

"Wisst ihr etwas über die Stadt Essen? Denkt mal an das Fach Geschichte..."
"Waren da die Babenberger?"

Dialog im Unterricht. Das Geschichtsbild österreichischer Schüler ist schon etwas verengt.

Im Café Weimar

Kirche als Sonderwelt mit eigenem Recht

Beschäftigte im kirchlichen Dienst dürfen nach Ansicht der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und ihres Diakonischen Werks nicht streiken.

Zwar hätten sie das Recht, sich Gewerkschaften anzuschließen und etwa mit Demonstrationen ihre Arbeitsbedingungen zu verbessern, doch «sind Streiks im kirchlichen Dienst ausgeschlossen», heißt es in einer am Freitag in Berlin veröffentlichten gemeinsamen Erklärung von Kirche und Diakonie. Diese reagierten damit auf einen Streikaufruf der Gewerkschaft ver.di, die vom 21. bis 25. September eine bundesweite Aktionswoche mit Schwerpunkten in mehreren diakonischen Einrichtungen angekündigt hat.

Kirche und Diakonie stellten klar, dass ihr Sonderweg für die Tariffindung den Arbeitskampf ausschließe. Paritätisch besetzte Arbeitsrechtliche Kommissionen handeln die Tarife für die Beschäftigten aus. Kommt keine Einigung zustande, tritt eine Schiedskommission zusammen, deren Spruch verbindlich ist. Nach dem eigenen Selbstverständnis könne die gemeinschaftliche Ausgestaltung des Arbeitsrechts und der Dienst von Kirche und Diakonie «nicht durch Streik und Aussperrung ausgesetzt» werden. Deshalb forderten sie die Gewerkschaften mit Nachdruck auf, «den rechtlichen Ausschluss von Streiks zu respektieren».

Kirche und Diakonie in Westfalen und Hannover wollen den Streikaufruf gerichtlich verbieten lassen. Sie reichten nach eigenen Angaben am Dienstag Klage beim Arbeitsgericht Bielefeld ein. Das Arbeitsgericht solle «feststellen, dass Arbeitskampfmaßnahmen in Kirche und Diakonie rechtswidrig sind», und den Streikaufruf verbieten. Die Gewerkschaft verwies dagegen auf das grundgesetzliche Recht auf Arbeitskampf.

Hintergrund der Auseinandersetzung sind die Verhandlungen der Arbeitsrechtlichen Kommission des Diakonischen Werkes der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), die sind seit Jahresbeginn festgefahren sind. Die Arbeitnehmervertreter kritisieren die angebotenen Lohnsteigerungen als nicht ausreichend. Sie boykottieren die Verhandlungen seit Januar. Die großen diakonischen Werke Evangelisches Johanneswerk und von Bodelschwinghsche Anstalten Bethel in Bielefeld hatten angesichts dessen rückwirkend zum 1. Juli eine Erhöhung der Gehälter um vier Prozent beschlossen.


Quelle: epd, zit. n. jesus.de

Kirche ist eben doch eine Sonderwelt, und wer bei der Kirche (oder in der Diakonie) arbeitet, verzichtet auf einen Teil seiner bürgerlichen Rechte. Das Motto der Diakonissen "Mein Lohn ist, dass ich darf" steckt immer noch in vielen Köpfen kirchlicher Leitungsfunktionäre. Natürlich zahlt man Gehälter. Aber ein Arbeitgeber wie andere ist die Kirche darum noch lange nicht - und sie behandelt ihre Mitarbeiter eben nach ihrem eigenen Rechtsverständnis. Und das lässt sie sich gegebenenfalls auch von einem staatlichen Gericht bestätigen. Nach der Weimarer Verfassung und dem Grundgesetz regeln die Religionsgemeinschaften als Körperschaften ihre Angelegenheiten selbst - auch unter Einschränkung staatlich garantierter Rechte. Das gilt für den Zölibat katholischer Priester ebenso wie für die Behandlung von Scheidungen bei evangelischen Pfarrern oder eben das Streikrecht. Übrigens werden die Mitarbeiter in diakonischen Einrichtungen in aller Regel schlechter bezahlt als die Angestellten in vergleichbaren kommunalen oder anderen öffentlichen Einrichtungen.

Zug der Zeit

Gesehen in der HLW 19.

Freitag, 18. September 2009

Ein Fall von später Feindesliebe

Friede der Kreatur

Spinnen waren mir auch zuwider
All meine jungen Jahre,
Ließen sich von der Decke nieder
In die Scheitelhaare,
Saßen verdächtig in den Ecken
Oder rannten, mich zu erschrecken,
Über Tischgefild und Hände,
Und das Töten nahm kein Ende.

Erst als schon die Haare grauten,
Begann ich sie zu schonen
Mit den ruhiger Angeschauten
Brüderlich zu wohnen;
Jetzt mit ihren kleinen Sorgen
Halten sie sich still geborgen,
Lässt sich einmal eine sehen,
Lassen wir uns weislich gehen.

Hätt ich nun ein Kind, ein kleines,
In väterlichen Ehren,
Recht ein liebliches und feines,
Würd ich’s mutig lehren,
Spinnen mit den Händen fassen
Und sie freundlich zu entlassen;
Früher lernt’ es Friede halten
Als es mir gelang, dem Alten.


Gottfried Keller (1819-1890)

Orgelinneres

Orgel in der evangelischen Kapelle im AKH

Aus zwei mach eins...

Partnerhoroskope (auch Beziehungshoroskop, Synastrie) sind eine Horoskopart, die ganz allgemein Aufschluss über die Beziehung zwischen Menschen geben sollen, die viel miteinender zu tun haben. Jede Art der Partnerschaft kommt dafür in Betracht, ob Liebesbeziehung, Verwandtschaftsbeziehung oder auch Geschäftspartnerschaft.

Es ist vor allem der Charakter, der über das langfristige Funktionieren einer Partnerschaft entscheidet. Deshalb werden in Partnerhoroskopen die Eigenschaften beider Partner gegenübergestellt. Dazu benötigt man die genauen Geburtsdaten und Geburtsorte der Partner.

Es gibt zwei Techniken, um Partnerhoroskope zu erstellen.

Das Combin: Das Combin ist ein Partnerhoroskop, bei dem aus den Geburtsdaten der beiden Partner ein rechnerischer Mittelwert gebildet wird. So ergibt zum Beispiel der 14.6.1975 und der 14.8.1973 den 14.7.1974. für dieses Datum (einschliesslich Uhrzeit) und dem ebenfalls berechneten mittleren Geburtsort wird ein neues Horoskop erstellt, das Aussagen über die betreffende Partnerschaft erlaubt. Das Combin hat sich in der Praxis gut bewährt. Liegt das Ziel bei einem Partnerhoroskop bei der Betrachtung der Beziehung als einer Einheit, die Veränderungen unterliegt und wie ein selbständiges Individuum seine Eigenschaften besitzt, dann ist das Combin die richtige Wahl.

Das Composit: Beim Composit wird aus den Mittelwerten der Planeten und Achsen beider Partner ein neues Horoskop berechnet. Insgesamt ist das composit umstrittener als das Combin, obwohl es das gleiche Grundprinzip des „aus 2 mach 1“ vertritt.

Ausführliche Partnerhoroskope sind nur für kompetente Astrologen mit gutem Ergebnis zu bewältigen. Ein einzelnes Horoskop ist schon sehr komplex und anspruchsvoll. Für zwei Horoskope gilt dies umso mehr. Partnerhoroskope erfordern daher entsprechend viel Zeit bei der Erstellung und sind deshalb zwangsläufig teurer.


Partnerhoroskope.net

Architekt auf dem Dach


Unser Architekt, DI Josef Fürstl, auf dem Dach der Lutherkirche. Er hat sich entschlossen, die Restaurierung der Turmspitzen selbst durchzuführen - und ließ sich auch die eigenhändige Demontage nicht nehmen.

Donnerstag, 17. September 2009

Glaubensgespräch

"Welches war dein Glas?"
"Ich glaube nicht an die Schweinegrippe!"

Dialog in unserem Jugendkreis

Montag, 14. September 2009

Im Abendsonnenschein

Die Kuppel links vom Kirchturm gehört zu einem Gebäude, in dem passenderweise "unser Perser am Eck" untergebracht ist, das iranische Lokal "Pante'A", in dem wir uns gerne zum Mitarbeiterstammtisch treffen.

Ab und zu bitte auch in der Schule sein...

Den Unterricht ertragreich, lebensnah und attraktiv zu gestalten, bedeutet eine Öffnung der Schule gegenüber ihrer Mit- und Umwelt. Dazu gehören Kooperationen mit außerschulischen Institutionen, das Einbeziehen von Expert/innen in den Unterrichtsbetrieb innerhalb der Schule und die phasenweise Verlagerung des Lerngeschehens im Sinne der Durchführung von Schulveranstaltungen und schulbezogenen Veranstaltungen.

Moderner Unterricht in fachlicher und didaktischer Hinsicht bedingt aber auch eine permanente Fortbildung für Lehrerinnen und Lehrer.

Diese Faktoren, so notwendig und begrüßenswert sie einerseits sind, haben andererseits für Schülerinnen und Schüler den Entfall von stundenplanmäßigem Fachunterricht zur Folge. Im Hinblick auf das Erreichen des Jahreslernzieles in jedem Gegenstand muss ein bestimmtes Stundenausmaß an Fachunterricht gesichert sein.

Beiden Ansprüchen ist Rechnung zu tragen. Es ist eine ausgewogene, pädagogisch sinnvolle Lösung geboten, die - im Zusammenwirken mit der „Unterrichtsgarantie“ (siehe RS 10/2006 „Durchführungsbestimmungen in Bezug auf Ressourcenplanung und -einsatz zum 2. Schulrechtspaket 2005) beide Forderungen entsprechend berücksichtigt.


Vorspruch zu einem neuen Erlass des Wiener Stadtschulrats zur Frage der "Abwesenheit der Lehrerinnen und Lehrer vom Unterricht"

Samstag, 12. September 2009

Auch ein Spiegel unserer Wirklichkeit...

... Korrekturvorschläge in OpenOffice.

Die Wirklichkeit...

Aus "heute" 9.9.2009, S. 12

... übertrifft manmal die schrillsten melodramatischen Fantasien. Die betreffende katholische Gemeinde ist ganz in unserer Nähe. Eine Klage wegen fahrlässiger Tötung steht zu erwarten. Die Diözese Wien hat alsbald die Überprüfung der Standfestigkeit sämtlicher Marterl angeordnet.

Freitag, 11. September 2009

Schräg, fromm und frei - Ein Film in der ARD

Matthias Vernaldi leidet von Geburt an an Muskelschwund und ist auf den Rollstuhl angewiesen. 1978 gründeten er und nicht behinderte Freunde eine Landkommune im thüringischen Hartroda. Kennengelernt hatten sie sich in einer sozialdiakonischen Einrichtung. Nach Beendigung der 10. Klasse gab es für die Behinderten zwei Alternativen - zurück ins Elternhaus oder in ein Altenheim. Beides wollten sie nicht. Sie wollten frei und selbst bestimmt leben. So entstand die Idee einer christlichen Bruderschaft. Die evangelische Kirche unterstützte sie und stellte das verlassene Pfarrgehöft in Hartroda zur Verfügung. In der Ostthüringer Agrarsteppe fanden sie einen Ort, den sie mit ihren Ideen füllen konnten. Sie wollten wirklich fromm leben. Doch die Lebensrealität war stärker. Hartroda entwickelte sich von einer Hippie- zur Punk-Kommune. Die Kommunarden engagierten sich in der Umwelt- und Friedensbewegung. Matthias Vernaldi lebt heute in Berlin. Der Film begleitet ihn in die Vergangenheit. Diese findet sich in der MfS-Akte "Parasit" minuziös wieder. Die Staatssicherheit bezeichnet die jungen Leute als "Ausputzertruppe", denen man lieber "ein Ende mit Schrecken" als "Schrecken ohne Ende" bereiten sollte. Zwei Oberkirchenräte und der Hausarzt der Kommune waren Zuträger der Staatssicherheit - und auch der Mitbewohner Bertram. Doch er hielt dies nicht lange aus und offenbarte sich Matthias Vernaldi noch vor 1989. Auch Matthias' Schwestern Maria, ebenfalls an Muskelschwund erkrankt, und Claudia zogen in den 80er Jahren nach Hartroda. Die Eltern unterstützten die Freiheitssuche der Kinder. Ihr tiefer christlicher Glauben ließ sie einen Umgang mit ihren Existenzängsten finden. Claudias Familie lebt heute auf dem eigenen Bauernhof in Mecklenburg. Schon in Hartroda bewirtschaftete sie den Hof und trug so zur Versorgung der Kommune bei. Das Lebensmodell Hartroda basierte auf gemeinschaftlichem Eigentum. Die Renten der Behinderten finanzierten die nicht behinderten Pfleger mit. Die Kommunarden von Hartroda waren "Schräg, fromm und frei". Ihr Lebensentwurf, geprägt vom christlichen Glauben, gab den Beteiligten Lebenskraft. In der geistigen Enge der DDR bedeutete das viel: einen Freiraum für selbstbestimmtes Leben.

Schräg, fromm und frei! - Die Kommunarden von Hartroda. Reportage von Tom Franke in der Reihe "Gott und die Welt" am Sonntag, 13. September 2009 um 17.30 Uhr.


Ein sprechender Name

Henry Purcell

"Die Partitur der 'Fairy Queen', gesetzt vom verstorbenen Mr. Henry Purcell und Eigentum der Anteilseigner des Royal Theatre in Covent Garden, wurde bei seinem Tod verlegt. Wer immer die genannte Partitur oder eine wahrhaftige Kopie davon Mr. Zachary Baggs, dem Geschäftsführer des oben genannten Theaters, überbringt, erhält 20 Guineas Belohnung oder einen Anteil davon pro Akt."

Anzeige in der London Gazette aus dem Oktober 1701

Mit einiger Wahrscheinlichkeit wurde er gestern vor 350 Jahren geboren, der große Komponist Henry Purcell, dessen Musik mir mein Leben lang schon lieb und wert ist.

Donnerstag, 10. September 2009

U-Bahn-Station Spittelau

Ein Mann, an dem sich die Geister scheiden

„Von allen genialen Menschen, welche die Erde getragen, war Luther vielleicht der fanatischste, der unbelehrbarste, unfügsamste und unfriedsamste. Er konnte nur Ja-Sager um sich brauchen, um ihrer sich zu bedienen, und Neinsager, um seinen Zorn an ihnen zu entzünden und sie zu zermalmen.“

Stefan Zweig

Dienstag, 8. September 2009

Im 38er

"Faust" am Burgtheater - heftig umstritten

Die Erregung erinnert fast an Peymanns Zeiten, und die Argumentation ist ähnlich konservativ wie damals. Ein offenkundiger Insider aus dem Theatergeschäft, der Hartmann zu kennen scheint – an Feinden mangelt es Erfolgreichen ja meist nicht –, ortet mangelnde literarische Bildung beim Burgchef. Ein anderer schimpft, wie mit diesem neuen „Faust“ die Schüler „sinnlos bespaßt“ werden. Eine Dame wendet schüchtern ein, dass es ihr und dem überwiegenden Teil des Publikums gefallen hat, wie der Applaus bewies, ein anderer kontert: „Was sagt das, wenn die Leute klatschen?“

Wird das Burgtheater wieder ein öffentliches Thema, nunmehr im von Schimpfern reichlich bevölkerten Internet? Nützt das dem Theater? Dem Burgtheater? Wieso beschäftigt ein neuer „Faust“ in der Burg wochenlang die Leute? Ständig wird man auf ihn angesprochen. Natürlich ist das Interesse teilweise gemacht – durch die vielen Interviews und Vorberichte. Keinen Vorschusslorbeer und schon gar keine Schonfrist gewährt das deutsche Feuilleton dem neuen Burgchef: „Man sieht keine Gedankenlüstlinge und Fühlungsnehmer, nur lauter Leerläufer, die ihren schnöde zusammengekürzten Versen verzweifelt hinterherklappern. Sieben Stunden lang“, ächzt die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“.

„Und alles ist Dressur“

Unter dem Titel „Lang ist die Kunst, seicht das Leben“ schreibt die „Süddeutsche Zeitung“: „Konzeptuell und intellektuell ist ,Faust I‘ ein Armutszeugnis.“ „Faust II“ mache mehr her, dennoch, hier werde kein Kontinent urbar gemacht, sondern lediglich ein Ufer erreicht. „Intellektuelle Dürftigkeit“ verdrießt „Die Welt“: „Wir finden nicht die Spur von einem Geist, und alles ist Dressur.“ Teil I, wie in der „Süddeutschen“ ein „Armutszeugnis“, doch „Die Welt“ macht auch Teil II nieder: „Die läppisch bebilderte Reader's-Digest-Fassung der größten abendländischen Bildungsreise quer durchs mythologische Gebirge ist eine Videoklamotte.“ Tobias Moretti als „Faust“ wird teilweise als Fehlbesetzung qualifiziert, immerhin gibt es Lob für Gert Voss als Mephisto und für Katharina Lorenz als Gretchen.

„Der Burgtheaterdirektor ist der Welttheaterdirektor“, zitiert der deutsche „Spiegel“ in seiner aktuellen Ausgabe einen Satz aus der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Vier Seiten widmete das Magazin einem Hartmann-Porträt. Ob sich die Mediatisierung der Burg hält, oder wie viele Blasen öffentlicher Aufmerksamkeit sang- und klanglos platzen und verschwinden? Bei Premieren wie dieser weiß man auch nie, welche Rolle die Claque spielt, falls es eine gibt, was schwer nachzuprüfen ist. „Faust I“ ist jedenfalls bestens verkauft, vielleicht auch dank Morettis TV-Popularität. Gert Voss, der erkrankt war, kann voraussichtlich Freitag wieder spielen.

Die Presse", Print-Ausgabe, 08.09.2009, Seite 27

Wie auch immer, ich bin sehr gespannt...

Schlanke Schönheit

Facebook verliert bei jüngeren Nutzern

Gewissermassen ist Facebook das Opfer seines eigenen Erfolgs: Es ist so populär, dass es schon wieder «out» ist. Spätestens wenn die eigenen Eltern dabei sind, nehmen die Jungen Reissaus. Wie eine Umfrage unter jungen Engländern zeigt, büsste die Plattform für die Jugendlichen an Attraktivität ein, sobald deren Eltern sich angemeldet hatten. So ging der Anteil der 15- bis 24-Jährigen mit Facebook-Profil im Vergleich zum Vorjahr um 5 Prozent auf 50 Prozent zurück. Zugleich nahm der der 25- bis 34-Jährigen um sechs Prozent zu (Vorjahr 40 Prozent).

Mächtiger als aller Unsinn

In einem Hotel in den Dolomiten spricht mich ein sympathischer Kellner an. Es ist Abend, der ganze Abwasch ist gemacht. Wie immer habe ich ein Buch in der Hand.

"Sie lesen immer, schreiben Sie auch?" Meine Antwort: "Ja, hin und wieder." Der junge Mann "Ich möchte mal ein Buch schreiben, ganz für mich, so wie ich das Leben sehe, was ich fühle, im Innern spüre, auch mit Esoterik und diesen Sachen."

So schreibe ich jetzt für die Leserinnen und Leser des Hamburger Abendblatts kein Buch, sondern nur ein paar Zeilen. Was kann ich über den Sinn meines Lebens sagen? Was steht dahinter? Natürlich kann man nicht immer so fragen, wir sollen leben. Leben macht Freude. Leben stellt vor immer neue Aufgaben. Aber sollen wir ganz ohne Gedanken leben?

Leben ist immer etwas ganz Persönliches, mein eigenes Leben - und dann erst das Leben der anderen. Ich will entdecken, was Sache ist: Freundschaft, Spaß, Verantwortung, Trost, Befreiung, Zukunft. Als Geistlicher lerne ich viele Menschen kennen, sehe, wie sie leben und ihren persönlichen Weg gehen. Ich werde bereichert und oft genug beschämt durch ganz unterschiedliche Lebensgeschichten und kann immer nur sagen: Jeder soll seinen eigenen Kopf behalten; er bleibt unvertretbar und verdient Respekt. Als Mann der Kirche spreche ich von Gott und will immer selber an ihn glauben: an die Kraft, an die Liebe, an die Person, so unvorstellbar groß, dass das kleinste Menschenkind von ihr nicht vergessen wird. Gott muss mächtiger bleiben als aller Unsinn. Gott kennt gerade mich und gibt mir meine Würde, auch wenn ich kläglich versage. Gott weicht keinem von der Seite. Er bedrängt uns nicht, sondern wartet, bis uns das Herz für ihn aufgeht. Es gibt so viele Wege zu Gott, wie es Menschen gibt, hat der polnische Papst einmal gesagt, ein gutes Wort. (...)

Hans-Joachim Jaschke: Der Sinn meines Lebens, Hamburger Abendblatt 5.9.2009

Ein schöner Tag...

... dieser erste Schultag, wenigstens, was das Wetter angeht. Angenehmer Spätsommer, eine der schönsten Jahreszeiten hier in Wien.

Gegen Evangelikalenschelte

Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hat dem ZDF eine verzerrte und diffamierende Berichterstattung über evangelikale Christen vorgeworfen.

Beispiel sei der Beitrag «Sterben für Jesus - Missionieren als Abenteuer», der am 4. August 2009 im Magazin «Frontal 21» ausgestrahlt wurde, erklärte die EKD am Samstag in Hannover. Der Beitrag zeige einen undifferenzierten Umgang mit dem Phänomen des religiösen Fundamentalismus und bediene sich fragwürdiger journalistischer Mittel.

«Frontal 21» zeigte, wie evangelikale Jugendliche auf Missionseinsätze vorbereitet werden. Jugendliche hatten sich dazu bekannt, notfalls für Jesus zu sterben. Die EKD erklärte: «Die verantwortlichen Journalisten können sich unter einem 'Märtyrer' offenbar nur den islamistischen Selbstmordattentäter vorstellen. Sie scheinen keinerlei Kenntnis von der christlichen Märtyrervorstellung zu haben, nach der ein Märtyrer Gewalt erleidet, aber nicht anderen Gewalt zufügt.» Keiner der jungen Leute, die in der Sendung befragt wurden, sei auf den Gedanken gekommen, unschuldige Menschen mittels eines Selbstmordattentats mit in den Tod zu reißen, so die EKD.

Negativer Höhepunkt des Beitrags sei die Abmoderation: «Bereit sein, für Gott zu sterben. Das klingt vertraut - bei islamischen Fundamentalisten. Doch auch für radikale Christen scheint das zu gelten.» Ungeheuerlich ist nach Auffassung der EKD auch die Feststellung: «Für Gott als Märtyrer zu sterben hat eine lange, unheilige Tradition. Auf dem Missionarsfriedhof in Korntal liegen jene, die den Evangelikalen noch heute als Vorbild dienen.» Gemeint ist die Akademie für Weltmission im baden-württembergischen Korntal.

Die EKD kritisierte weiter, dass in jüngster Zeit evangelische Christen, die der evangelikalen Strömung zugehören, mit pauschaler Kritik überzogen und in den Medien verzerrt dargestellt werden: «Viele von ihnen gehören mit ihrer tiefen persönlichen Frömmigkeit, ihrem nachhaltigen Eintreten für eine missionarische Kirche und ihrem diakonischen Engagement zum Kern unserer evangelischen Gemeinden», betonte der EKD-Rat in der «Erklärung zur Diffamierung evangelikaler Christen.»

Zuvor hatte der sächsische evangelische Landesbischof Jochen Bohl den ZDF-Beitrag über evangelikale Missionseinsätze in islamischen Ländern als unverantwortlich bezeichnet. Der christliche Medienverbund KEP hatte wegen des Beitrags Programmbeschwerde beim ZDF eingelegt. Ein ZDF-Sprecher sagte, der Fernsehrat des ZDF werde sich mit der Programmbeschwerde beschäftigen.

Im Juni waren zwei deutsche Bibelschülerinnen aus Brake im Jemen ermordet worden. Dies hatte eine Debatte über christliche Missionare im Ausland ausgelöst. Nach Angaben der Bibelschule hatten die jungen Frauen allerdings nicht missioniert, sondern waren als Praktikantinnen im ausschließlich humanitären Dienst in einem staatlichen Krankenhaus eingesetzt.

jesus.de

Die EKD erhebt ihre Stimme für Evangelikale, das gab es lange Zeit nur sehr selten. Zwar dürften die meisten Evangelikalen inzwischen aus den Landeskirchen ausgewandert sein, aber man möchte die Verbindungen doch nicht abreißen lassen. Tatsächlich gibt es ja in den meisten landeskirchlichen Gemeinden einen kleinen evanglikalen Kern, den zu verlieren man sich nicht leisten kann. Aber der Riss, der durch die evangelische Christenheit geht, ist wohl weder zu bestreiten noch zu kitten.



Nein, nein, nein!



So bekehrt man wohl niemanden!

Am Abend in der Ranftlgasse

Auch Evangelische können beichten

Die Beichte sollte nach Ansicht des Leipziger evangelischen Theologen Peter Zimmerling auch im Protestantismus wieder wichtiger werden.

Luther habe die Beichte erneuern wollen und sich darüber geärgert, dass die Protestanten stattdessen nicht mehr beichteten, sagte Zimmerling in einem Interview der evangelischen Monatszeitschrift «Zeitzeichen» (September-Ausgabe). Durch den Wegfall der Beichte sei evangelischen Christen ein wesentliches Mittel der Seelenhygiene verloren gegangen.

Der Gang zum Therapeuten bietet für Zimmerling keinen wirklichen Ersatz, denn «Therapien stoßen an eine Grenze, wenn es um reale Schuld geht.» Das Schuldigwerden gehöre jedoch zum Menschen. Wenn ein Mensch in der Beichte zu seiner Schuld stehe, erhalte er dadurch seine Verantwortlichkeit zurück.

Der Reformator Martin Luther (1483-1546) habe den Angebotscharakter der Beichte wiederentdeckt und sie auf zwei Aspekte reduziert: Das Bekenntnis und den Zuspruch der Vergebung. In der Beichte «wird mir zugesprochen, dass ich trotz meines Versagens, trotz meiner Schuld, trotz meiner Unzulänglichkeiten ein von Gott geliebter Mensch bin, der umkehren darf», sagte der Autor eines neu erschienenen «Studienbuchs Beichte».

Um die Beichte unter Protestanten bekannter zu machen, schlug Zimmerling vor, sie im Konfirmandenunterricht zu behandeln und zumindest in Großstadtkirchen regelmäßige Beichtzeiten einzuführen. Nur wenn das Beichtgeheimnis wirklich geschützt sei, würden Menschen Vertrauen gewinnen.

Für unerlässlich hält der Professor für praktische Theologie, dass derjenige, der Beichte hört, selbst bei jemandem beichtet. Der 1945 von den Nazis ermordete evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer, einer der Pioniere der Beichte im 20. Jahrhundert, habe das regelmäßig bei einem seiner Vikare getan.

Quelle: epd, zit. n. jesus.de

Zum Glück spricht es sich langsam herum: Ich habe im Monat durchschnittlich zwei bis drei Beichten.

Montag, 7. September 2009

Jörgerstraße

Konvervative Berufswünsche österreichischer Mädchen

"Frisörin, Bürokauffrau oder Einzelhandel". Das ist eine Antwort, die Eva Bauer von Mädchen auf die Frage nach ihren Berufswünschen oft bekam. Eva Bauer war zwei Jahre für den Salzburger Girls' Day tätig und arbeitete somit daran, das Auswahlspektrum an Berufen für junge Frauen und Mädchen zu vergrößern und Möglichkeiten in technischen Berufen aufzuzeigen. Mädchen ab 11 Jahren können seit 2001 an dem Aktionstag in verschiedenste technische Berufe schnuppern und so Interessen und Fähigkeiten ausloten. Der Girl´s Day findet mittlerweile österreichweit statt und wird von jedem Bundesland selbst organisiert.

Bevor Eva Bauer Ende Oktober ihre Tätigkeit als Girls' Day-Projektleiterin beendet, sprach dieStandard.at mit ihr über ihre Erfahrungen, "konservative" Jugendliche und die Auswirkungen von Initiativen wie dem Girls' Day auf den Arbeitsmarkt.

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dieStandard.at: Wie schätzen Sie den Einfluss von Initiativen wie den Girls' Day ein: Können solche Projekte eine Trendwende auf dem Arbeitsmarkt bewirken?

Eva Bauer: Derartige Initiativen haben zumindest eine Trendwende angestoßen. Dass es neben dem Girls' Day auch Projekte gibt wie MUT ("Mädchen und Technik") oder speziell in Salzburg das Projekt meet ("Mädchen entdecken EDV und Technik"), das auch ganzjährig durchgeführt wird, werte ich als positives Signal und dass die Notwendigkeit geschlechtersensibler Berufsorientierung erkannt wird. Aber von einer generellen Trendwende kann man noch nicht sprechen, dazu müssten die Initiativen noch verstärkt und ausgebaut werden.

dieStandard.at: Ist Ihrer Erfahrung nach den Mädchen bewusst, dass sie in einem "typischen Frauenberuf" schlechtere Verdienstmöglichkeiten haben?

Eva Bauer: Gute Verdienstmöglichkeiten stehen bei den Mädchen nicht im Vordergrund. Sie wählen in erster Linie nach ihren Fähigkeiten und Interessen aus, die von den Mädchen oft als eingeschränkter wahrgenommen werden als sie es tatsächlich sind. Geprägt von den stark vorhandenen Rollenbildern ist für viele zumindest die Richtung, die sie einschlagen wollen, schon sehr früh klar. Die Palette an Lehrberufen, aus denen die Mädchen dann wählen, kommt aus einem sehr eingeschränkten Spektrum, in dem man niedrigere Gehälter bezieht, wie etwa im Sozialbereich, im Einzelhandel oder als Bürokauffrau und Frisörin. So etwas stellen sich die meisten Mädchen für sich vor. Wenn man sie allerdings fragt, was sie beispielsweise in ihrer Freizeit machen, kommt dann schon "ich spiele sehr gern Computer". Auf die Frage, ob sie sich vorstellen können, einen EDV-Beruf zu ergreifen, kommt dann aber: "Nein, das kann ich nicht." Es kostet viel Mühe, die Mädchen zu überzeugen, dass sie bei der Berufswahl eben jene persönlichen Interessen berücksichtigen sollten.

dieStandard.at: Was den Verdienst anbelangt: Sehen sich die Mädchen manchmal schon in der Rolle der "Zweitverdienerin" oder "Zuverdienerin"?

Eva Bauer: Ja, die Vorbereitung auf die spätere Rolle der Mutter spielt sicher eine Rolle. Die Burschen beeinflusst wiederum die Vorstellung, später mal eine Familie erhalten zu müssen.

dieStandard.at: Sind die Jugendlichen tatsächlich so konservativ?

Eva Bauer: Ja, was die Berufswahl betrifft, sind sie sehr konservativ. Es ist ja auch eine Tatsache, dass viele Eltern nach wie vor mit sehr traditionellen Rollenverteilungen leben und Frauen nur geringfügig oder Teilzeit arbeiten. Dass es umgekehrt ist, wird noch immer als Ausnahme wahrgenommen. Auch Heirat und Kinder bekommen hat einen großen Stellenwert. Es ist natürlich begrüßenswert, dass sich die Mädchen mit Familienplanung beschäftigen, allerdings werden dabei Beruf und Verdienstmöglichkeiten wenig berücksichtigt und so werden bei der Berufswahl auch meist nur die Klassiker Einzelhandel, Gastronomie oder Büro in Betracht gezogen.

(...)

dieStandard.at: Wo sehen sie Möglichkeiten, den Girls' Day noch zu verbessern?

Eva Bauer: Initiativen wie der Girl´s Day oder auch FIT ("Frauen in die Technik") sind auf eine Ausweitung des Spektrums der Berufswahl und Chancengleichheit ausgerichtet. Was aber derzeit noch ausgeklammert wird, ist, dass auch Mädchen mit Beeinträchtigungen technische Berufe ergreifen möchten. Diese Mädchen werden meiner Meinung nach noch nicht ausreichend angesprochen. Wenn man Firmen etwa fragt, ob sie barrierefrei sind, wird oft schnell nein gesagt, weil davon ausgegangen wird, dass damit eine Rollstuhlrampe gemeint ist. Dass aber auch Mädchen in einen Betrieb kommen könnten, die beispielsweise eine Sehbeeinträchtigung haben, daran wird nicht gedacht. Dadurch werden Mädchen mit Beeinträchtigungen ziemlich ausgeschlossen. Viele wissen auch beispielsweise gar nicht, dass beeinträchtigten Personen ArbeitsplatzassistenInnen zur Seite gestellt werden können, die von den Bundessozialämtern finanziert werden. Für den Raum Salzburg ist 2007 eine Studie erschienen, die diese Problematik sehr gut aufzeigt und auch eine Reihe von Maßnahmen vorschlägt. Der Girl´s Day könnte eine gute Möglichkeit sein, dahingehend einiges zu verbessern.

(...)

ieStandard.at: Hören Sie öfters den Einwand, dass mit Projekten wie dem Girl´s Day Burschen diskriminiert werden?

Eva Bauer: Ja, sehr oft. Für Außenstehende ist oft nicht klar, dass es überhaupt nicht darum geht, Burschen aus Berufen zu verdrängen. Es geht darum, junge Frauen überhaupt mal auf bestimmte Berufe aufmerksam zu machen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Mädchen zwar Interesse an dem einen oder anderen technischen Beruf haben, sich aber schlichtweg nicht trauen, um einen Schnupperplatz anzufragen. Für so etwas ist der Girls' Day sehr hilfreich, sie müssen selbst nicht anrufen und können das alles über uns machen. Vor kurzem erst ist es erst passiert, dass ein Mädchen bei einer Autowerkstätte angerufen hat, wo ihr gesagt wurde, dass sie generell keine Mädchen aufnehmen. Natürlich ruft dieses Mädchen als nächstes in einem Büro an. Der Zugang ist einfach nicht derselbe, den Burschen haben. (Die Fragen stellte Beate Hausbichler, dieStandard.at, 6.9.2009)

Meine Erfahrungen bestätigen diese Einschätzung völlig. Österreich ist nach wie vor ein konservatives Land, die Ideale und Lebensvorstellungen der Jugendlichen hier sind sehr viel traditioneller als etwa in Deutschland.


Fundsache bei youtube

Schulbeginn

Erster Schultag - von einem Tag auf den anderen ist der Adrenalinspiegel stark gestiegen, obwohl ich heute außer dem Schulanfangsgottesdienst für Volksschulen in der Früh nichts mit Schule zu tun habe. Das Arbeitsjahr eines Pfarrers in Österreich ist das Schuljahr. Das Kalenderjahr und auch das Kirchenjahr treten in ihrer Bedeutung weit dahinter zurück. Mit dem Schuljahrsanfang erwacht schlagartig auch das ganze Gemeindeleben, das über die neunwöchigen Sommerferien fast völlig pausiert hatte. Und als Pfarrer lebe ich nun wieder in einer ganz anderen Anspannung, die nur zum Teil begründet ist. Das Fremdsystem Schule greift in meine Wochenplanung sehr intensiv hinein, und Schule ist einfach eine andere Welt als Gemeinde.

Ja, bitte!

Zwei Striche, ein Buchstabe - und eine Tür tut sich auf zu ganz neuen Überlegungen: Spielen Gerüche und Geschmacksempfindungen eigentlich eine Rolle in Träumen? Oder vielleicht nur bei Angehörigen bestimmter Berufsgruppen (wie Sommeliers oder Kaffeetester)? Habe ich schon einmal einen Geruch geträumt? Oder habe ich doch nur geträumt, dass ich im Traum etwas rieche? Vielleicht ist das nur eine Art Interpolation der Erinnerung gewesen? "Bilde ich mir das nur ein"?

Auch ein Kommentar zum gestrigen Evangelium...

Den Machos keinen Meter - in Finnland

Testosteron-Überschuss oder völlig verunglückte Ironie - eine plausible Erklärung für seine Entgleisung hatte der Verkaufschef von Audi Finnland, Esko Kiesi, am Ende selbst nicht. "Meine undurchdachten Äußerungen und der Schaden, den ich angerichtet habe, tun mir leid", teilte Kiesi in einer öffentlichen Erklärung mit. Sein Versuch, die Macho-Sprüche als lustigen Unernst hinzustellen, hatten zuvor die Empörung noch angeheizt.

Stein des Anstoßes war ein Interview in einer Sondernummer der finnischen Frauenzeitschrift "Anna", in dem Kiesi munter drauflos geplappert hatte: Der Spruch "Technische Jobs können Frauen ohne die Hilfe eines Mannes ohnehin nicht bewältigen" war dabei eine der moderaten Aussagen. Doch damit ließ es Kiesi nicht bewenden. "Das Aussehen eines Autos hängt stark von den Rädern und der Aufhängung ab. Bei einer Frau sind es die Schuhe", erklärte der Audi-Manager den verdutzten Journalistinnen.

Der Manager gab auch seine Überzeugung zum Besten, dass eine Frau ihre Form verliere, "wenn die Absätze unter sieben Zentimetern" seien. Und die Qualität einer Beziehung zwischen Frau und Mann lässt sich laut Kiesi leicht ermitteln: "Weigert sich eine Frau, zu bügeln und sauberzumachen, wird der Beziehung bald die Luft ausgehen."

Auch sonst scheint der Manager eher vom alten Schlag zu sein. Das Portal Finnland on Line zitierte ihn mit der Aussage, ein Frauenratgeber von 1948 liefere die einzig wahre Antwort darauf, welches das perfekte Alter einer Frau sei: das Alter des Mannes geteilt durch zwei plus sieben. "Eine geeignete Frau für Kiesi, der 59 Jahre alt ist, wäre demnach 36 bis 37 Jahre alt", rechnet das Portal süffisant vor.

Audi geht auf Distanz

Dass dann nach Kiesis Auffassung Frauen wegen ihrer zu starken Emotionalität nicht für Führungspositionen geeignet seien, war schließlich der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte: Ein Sturm der Entrüstung brach los, vor allem im Internet schäumten Leserinnen und Leser ob des "Chauvinismus".

Am Donnerstag schließlich beugte sich Kiesi dem öffentlichen Druck und gab seinen Posten auf. Ein Audi-Sprecher bemühte sich, die Distanz klarzustellen: Solche Aussagen spiegelten ganz und gar nicht das Verhältnis des Herstellers zu Frauen wieder und seien eine persönliche Meinung von Herrn Kiesi. Audi Finnland ist ein eigenständiger Importeur, der nicht zum Ingolstädter Konzern, sondern zur VW-Gruppe gehört.

Ob sein Rücktritt ganz freiwillig oder mit Nachhilfe der obersten Spitze der VW-Tochter erfolgte, wurde nicht bekannt. Pekka Lahti, Chef von VW-Auto, erklärte nur, dass die Äußerungen von Kiesi dem Ansehen der Marke Audi geschadet haben. Auch Kultusminister Stefan Wallin kommentierte den Rücktritt mit Genugtuung: "Das zeigt, dass so etwas in Finnland nicht länger toleriert wird."

spiegel.de

Hätten solche Äußerungen in Mitteleuropa eigentlich ähnliche Konsequenzen?

Sonntag, 6. September 2009

Telč

Am Stephansplatz

Panikmache als Ablenkungsmanöver

Nun vergeht ja schon seit einigen Wochen kaum ein Tag, ohne dass in den Nachrichten irgendetwas über die sog. „Schweinegrippe“ gemeldet wird. 16.000 Menschen sind in Deutschland als erkrankt registriert, davon ist bislang noch kein einziger gestorben. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat schon vor Monaten der Schweinegrippe die höchste Pandemiestufe zugeteilt. Die „Seuche Schweinegrippe“ verblasst aber in jeder Hinsicht vor der Seuche der Unersättlichkeit. Maßloses Essen und maßloses Fasten richten noch immer weitaus größeren Schaden an als die Schweinegrippe. Fettsucht und Magersucht führen nicht nur wesentlich häufiger zum Tod als die Schweinegrippe; Fettsucht und Magersucht beruhen auch wesentlich stärker auf der freien Entscheidung des Menschen als eine Virusinfektion. Der Konsumwahn und der Schlankheitswahn sind beides Symptome einer außer Kontrolle geratenen Lebensführung.

Gefunden auf kreuz.net