Sonntag, 14. Dezember 2008

Was bleibt, ist Brauchtum

Der religiöse Ursprung von Weihnachten verliert immer mehr an Bedeutung. Das geht aus einer Umfrage des Linzer Meinungsforschungsinstituts IMAS hervor, deren Ergebnisse am Freitag veröffentlicht worden sind. Einer "market"-Erhebung zufolge sind eine weiße Winterpracht, das Backen von Keksen oder Basteln sowie die Dekoration der eigenen vier Wände wichtig für die eigene Weihnachtsstimmung.

Religiöse Bedeutung wird unwichtiger. IMAS hat im November und Dezember Interviews mit 1.235 repräsentativ für die Bevölkerung ab 16 Jahren ausgewählten Personen durchgeführt. Dabei erklärten nur mehr 36 Prozent, Weihnachten in erster Linie als religiöses Fest zu empfinden. Zum Vergleich: 1987 waren es noch 50 Prozent. 52 Prozent sehen eher ein Brauchtum, vor 21 Jahren waren es 43 Prozent. 45 Prozent sind der Ansicht, dass der Heilige Abend an Glanz verloren hat. Nur sechs Prozent finden ihn heute schöner als in der Kindheit, 36 Prozent genauso wie damals.

Schnee macht Stimmung. 70 Prozent der Österreicher finden Schneeflocken und eine weiße Decke wichtig für die Weihnachtsstimmung. Das stellte sich bei einer Umfrage des Linzer Instituts market unter 1.000 repräsentativ für die Bevölkerung ab 16 Jahren ausgewählten Personen heraus. 56 Prozent setzen auf Backen oder Basteln mit den Kindern, 50 Prozent auf die Dekoration von Wohnung bzw. Haus. Auf den Plätzen folgen der Duft von Weihnachtsgebäck und der Nachwuchs beim Öffnen des Adventkalenders (jeweils 47 Prozent) sowie das Aussuchen des Christbaums (46 Prozent). Die Firmenfeier und das Planen der Weihnachtsreise sorgen nur bei sieben Prozent für Stimmung.

Kleine Zeitung 14.12.2008

Blick aus der U6

"Dann wäre ich ja nicht aktiv."

Neulich in der Schule (Maturaklasse) kamen wir auf das Stillsitzen, sprachen darüber, wie schwierig es für die meisten Menschen ist, einfach mal gar nichts zu tun, nicht zu lesen, nicht fernzusehen, nicht zu telefonieren oder SMS zu verschicken, keine Musik zu hören, nicht vor sich hin zu malen, - sondern einfach nur dazusitzen, ein paar Minuten lang. Eine Schülern bemerkte: "Da käme ich mir komisch vor, hätte ein schlechtes Gewissen." "Warum denn ein schlechtes Gewissen?" "Weil ich dann nicht aktiv wäre."

Was für innere Antreiber sind da am Werk, die uns einflüstern, wir müssten unablässig aktiv sein? Unsere mobilisierte, aktivierte Welt wartet geradezu auf die Botschaft von der Rechtfertigung.

Regnerischer Morgen in Hernals





















Weihnachten - trotzdem noch ein Thema

Das Christkind kommt aus Serbien

35 Prozent aller Schüler haben Migrationshintergrund. Wenige sind katholisch, Weihnachten ist trotzdem Thema.

In der Kooperativen Mittelschule Schopenhauerstraße in Wien sind weniger als zehn Prozent der Schüler römisch-katholisch. Vom Nikolo wären die Schüler bestimmt "befremdet", glaubt Direktorin Erika Tiefenbacher. Doch sie legt Wert darauf, den serbisch-orthodoxen oder muslimischen Kindern katholische Bräuche zu zeigen. Es gibt einen Adventkranz im Stiegenhaus, selbst gebastelte Adventkalender und am Glasfenster zwischen erstem und zweitem Stock prangt ein Christbaum aus Papier.

Aufdrängen will man den Schülern nichts. Sie sollen teilhaben, wenn sie möchten. Die muslimischen Kinder kommen ja auch nach dem Zuckerfest (islamischer Feiertag) und bringen Zuckerln für alle mit.

Zwei Welten

Ist es tatsächlich so unkompliziert, einander an anderen Bräuchen teilhaben zu lassen? Für Ardiana jedenfalls. Die 15-Jährige stammt aus Mazedonien und feiert mit ihrer Familie muslimische Feste, doch einen Christbaum gibt es auch. Auch Durim, 14, feiert doppelt. Gerade hat er zu Bajram, dem islamischen Schlachtfest, Geld bekommen. Das wird in Markenkleidung investiert. "Diesel, Hilfiger". Gekauft in der "Lugner" oder auf der "Mariahilfer". Der Rest geht fürs Fortgehen drauf. Konsumiert wird Red Bull. Viele können sich das leisten: mit täglich bis zu 15 Euro Taschengeld.

Die Lehrer wissen: Wenn einer schwänzt, dann müssen sie ihn in der "Lugner" (Lugner City, Anm.) suchen. Klassenvorstand Andrea Palitsch ist eine resolute Frau. Deutsch und Englisch sind ihre Hauptfächer, aber unterrichten muss sie alles. "Hier steckt viel Erziehungsarbeit drin. Serben und Albaner, die ihre Konflikte in der Klasse austragen, das ist Alltag." Kein Österreicher ist unter den 21. Katholisch ist hier nur Zeljka aus Kroatien.

Doch die 4B ist keine Problemklasse. Die meisten haben schon eine Stelle für eine Schnupperlehre gefunden, die Mädchen Friseurinnen, die Burschen Installateure. Die Zeiten ändern sich, aber nicht sehr schnell. Jugendarbeitslosigkeit ist nur ein Wort.

Wünsche

Für Zeljka ist erst einmal wichtig, dass sie zu Weihnachten Haare färben darf. Was sich Döndü, 15, einziges Mädchen mit Kopftuch, wünscht, übersetzt Bilal: Auch sie will Kleider kaufen vom Geld, dass die zum Bajramfest bekommen hat. Zeljka wird am 24. Dezember in die Kirche gehen, die meisten serbisch-orthodoxen Schüler gehen an ihrem Feiertag, dem 7. Jänner, in die Messe. Da fehlt dann gleich die halbe Klasse am ersten Tag nach den Ferien.

In der 1B von Maria Peresich haben die Zehnjährigen noch andere Sorgen als finstere Berufsaussichten oder ethnische Konflikte. Stephan kommt von den Philippinen. Das traditionelle Weihnachtsessen in seiner römisch-katholischen Familie ist Huhn mit Reis. Er hätte aber lieber Schinken-Pizza. Vor allem aber will er sichergehen, dass er zu Weihnachten ein "Counterstrike" bekommt. Hoffentlich weiß das Christkind nicht, dass das Computerspiel erst ab 16 ist.

Ein paar Reihen davor sitzt Daniel. Serbisch-orthodox, sagt die Lehrerin. Er glaubt trotzdem, dass ihm das Christkind etwas bringt. Einen Wunsch traut er sich nicht zu sagen. Fünf Geschwister sind sie daheim. Hauptsache, das Christkind denkt an ihn.

Barara Mader, kurier.at 

In Wien heißen die Hauptschulen "Kooperative Mittelschulen". Die KMS Schopenhauserstraße iegt auf unserem Gemeindegebiet.

Zum Thema Multikulturalität: Kürzlich wirkte ich an einer ökumenischen Adventkranzsegung in der Integrativen Schule Hernals mit und erzählte da im Zwiegespräch mit der evangelischen Religionslehrerin den Kindern von der Entstehung des Adventkranzes. Die muslimischen Schüler und Schülerinnen waren selbstverständlich auch dabei.