Dienstag, 30. März 2010

Kleine Länder

Es ist eine Leidenschaft kleiner Länder, prominent gewordene Persönlichkeiten mit einem nationalen Copyright zu versehen. Der Grund dafür mag im übersteigerten Gefühl eigener kultureller Größe liegen, aber auch in der Angst, von der Welt übersehen zu werden. Am weitesten haben es in dieser Praxis zweifellos unsere magyarischen Freunde gebracht. Glaubt man Peter Hammerschlag („Der Mond schlug grad halb acht“), dann ist nicht nur Hollywood, sondern die ganze Welt eine „Ungarische Schöpfungsgeschichte“: „Im Ånfang wår – dås ist bestimmt – / DER WORT. Auf Griechisch LOGOSCH. / Im Weltmeer ist herumgeschwimmt / Dås Urgetier, dås Fogosch...“

Vor einigen Jahren wurde ein Bekannter von mir, ein polyglotter Weltbürger mit österreichischen Wurzeln und einer schweizerisch-britischen Lebensgeschichte, gefragt, welcher Staatsbürger er denn sei. Er antwortete: „I was born in Austria, but I try to be a human being now.“

Aus einem Kommentar in der "Presse" (Kurt Scholz: Die Österreich-Macher).

Kunst auch das



Graffiti auf Toilettentüren im art / brut center gugging.

Montag, 29. März 2010

Entsorgungsgedanken

ALTPAPIERCONTAINER

Es gibt viel zu viele

Altpapiercontainer

es schreibt doch heutzutage

keiner Liebesbriefe mehr

Ich schmeiß Deine Briefe rein

von Juni bis September


Dass Du mich mal geliebt hast

ist schon viel zu lange her.

Dann bringe ich all die Flaschen

zum Container nebenan

die ich geleert hab

wegen Dir.


Das ist recht überschaubar,

weil ich nicht viel vertragen kann

aber Du fehlst

mir

so sehr.


Es gibt viel zu viele

Altpapiercontainer

wo ich doch gar niemandem jemals

wieder Briefe schreiben will

Ich seufze leis und hole Luft

damit mein Herz nicht stehen bleibt

und schmeiße Deine Briefe ein

von Januar bis April


Dann bring ich Deine alten Hemden

zum Sammelstelle nebenan

sie riechen viel zu sehr

nach Dir

Du kommst ja nicht zurück,

Du ziehst sie eh nie wieder an

aber es fällt

mir

so schwer.


Du gingst fort und suchtest die Liebe

denn bei Dir war sie plötzlich

abhanden gekommen

Einfach so verpufft, wie kann das sein?

Und warum hast Du meine nicht gleich

mitgenommen?


Denn jetzt steh ich hier und weiß nicht wohin mit der Liebe

sie ist zu schade für den ganz normalen Müll,

auch wenn man ihn trennt.

Ich frag mich, was

von der Liebe wohl bliebe

wenn man alle

Antworten schon kennt.


Es gibt viel zu viele

ungestellte Fragen

wann wird hier der Müll geleert,

warum ist das mit uns vorbei

allen Mut, den ich noch finden kann

raff ich irgendwie zusammen

und schmeiße Deine Briefe rein

von Februar bis letzten Mai


Christiane Weber (von ihrem im Mai erscheinenden Solo-Album "Das Honolulu-Proinzip")

Lutherhof und Lutherkirche im Schein des ersten Frühlingsvollmonds



Erzählen über das Leben

"Oper ist erstmal mein Leben. Ganz klar. Ich glaub, dass wir mit der Oper sehr viel erzählen können über das Leben insgesamt. Das kann die Oper besser als jedes andere Genre, deshalb sollte man sich den Luxus leisten, und das ist es auch, was die Menschen begeistert."

Der Saarbrücker Operndirektor Berthold Schneider im Gespräch mit Deutschlandradio Kultur anlässlich der szenischen Uraufführung der Schubert-Oper "Sakontala".

Klosterneuburg


Meine Schüler und Schülerinnen, die da wohnen, nennen ihre Heimatstadt übrigens "Kloburg".

Samstag, 27. März 2010

Dick oder dünn - das ist hier die Frage

Krach mit Soße

Für viele Amerikaner ist es eine Glaubensfrage: Sollte eine Pizza eine dicke Kruste, viel Tomatensoße und viel Käse drauf haben, wie sie in Chicago serviert wird - oder sollte sie dünn, biegsam und sparsam belegt sein wie in New York? An dieser Frage scheiden sich die Geister oft noch eher als an Konflikten über Partei- und Religionszugehörigkeit.

Und ausgerechnet zu dieser Grundsatzfrage äußerte sich dieser Tage die First Lady der USA, Michelle Obama. In der New Yorker Pizzeria Grimaldi's soll sie verkündet haben, dass die dort produzierten Teigfladen besser seien als die aus Chicago.

Ein Verrat an der Heimat

Dicke Kruste und viel Käse oder dünner Teig und sparsam belegt - das ist mehr als eine Geschmacksfrage.Das alleine wäre schon schlimm genug. Doch die Obamas stammen aus Chicago - ihr Mann war dort sogar Senator. Ein Aufschrei ging durch die Medienlandschaft der "Windy City": "Pizzagate" war geboren. Korrespondenten wurden in die Pizzeria im Feindesland entsandt, um den umstrittenen Wortlaut der Restaurantkritik zu ergründen. Kommentatoren fragten, warum Michelle Obama überhaupt in der Öffentlichkeit die an Fett, Salz und Kohlehydraten reichen Teigfladen anpreist, während sie sich sonst doch so intensiv für gesunde Ernährung einsetze. (…)

Tagesschau-"Schlusslucht"

Blick in den Lutherhof

Religiosität und Wohlstand als bestimmende Faktoren der Bevölkerungsentwicklung

Erobern religiöse Menschen mit vielen Nachkommen die Welt?

Mindestens ein halbes Jahrhundert lang war die Religion in Europa auf dem Rückzug. Glaubten um das Jahr 1950 in vielen Ländern Europas noch rund 80 Prozent aller Menschen an Gott, so ging dieser Wert bis etwa 1990 überall deutlich zurück. Doch vor dem Hintergrund der niedrigen Geburtenraten in nahezu allen hoch entwickelten Industrieländern vermuten nun einige Wissenschaftler, der Anteil religiöser Menschen an der Bevölkerung nehme wieder zu. Nicht wegen einer Renaissance der Religiosität aus innerem Antrieb, sondern weil Gläubige deutlich mehr Kinder haben als Atheisten. Das Diskussionspapier "Glaube, Macht und Kinder" des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung beleuchtet dieses Thema.

Bei aller Verschiedenheit ihrer Religionen eint es gläubige Katholiken, Protestanten, Juden oder Moslems, dass sie mehr Kinder als ihre nichtgläubigen Mitmenschen haben. Traditionell propagieren alle großen monotheistischen Religionen patriarchalische Familienwerte. Frauen haben diesen zufolge die vorrangige Verpflichtung, Kinder zu bekommen und zu erziehen, Männer sind angehalten, Frau und Kinder zu schützen und materiell zu versorgen. Fortpflanzungsfeindliches Verhalten wie Scheidung, Abtreibung oder Homosexualität sind in allen großen Religionen geächtet. Historisch haben sich Glaubensgemeinschaften mit solchen Familienwerten durchgesetzt, weil die Weitergabe einer Religion an möglichst viele Nachkommen eine effektivere Form ihres Verbreitens ist als die mühsame Missionierung Andersgläubiger. Tatsächlich nimmt auch heute weltweit die Zahl religiöser Menschen zu. Das liegt unter anderem daran, dass vor allem islamische Länder, in denen Religion eine große Bedeutung hat, ein starkes Bevölkerungswachstum aufweisen.


Doch mit Blick auf wenig entwickelte Länder erweist sich der Zusammenhang zwischen wachsendem Wohlstand und sinkender Kinderzahl als stärker als jener zwischen starker Religiosität und hoher Kinderzahl. Je geringer Wohlstand und soziale Sicherheit sind, desto unentbehrlicher erscheint den Menschen offenbar der Glaube an eine höhere Macht - folglich glauben viele Menschen in den armen Ländern an Gott. Doch weil sich immer mehr Länder wirtschaftlich entwickeln, sinken dort überall die Kinderzahlen, auch in stark religiösen Gesellschaften. So liegen in klassisch islamischen Staaten wie Algerien, Marokko und der Türkei die durchschnittlichen Fertilitätsraten nur noch bei wenig über zwei Kindern je Frau und im Iran sogar darunter - und das, obwohl etwa in der Türkei 75 Prozent der Befragten angeben, dass Religion in ihrem Leben sehr wichtig sei. In Deutschland sagen das nur elf Prozent. Die Bevölkerungen der meisten islamisch geprägten Staaten wachsen nicht mehr, weil die Familien so kinderreich sind, sondern weil die Altersstruktur in diesen Ländern noch immer eine große Zahl junger Menschen aufweist, die erst ins Elternalter eintreten. Insgesamt wird das Bevölkerungswachstum in diesen Ländern aber auf absehbare Zeit zum Erliegen kommen.
In den zehn Ländern mit den größten muslimischen Bevölkerungen leben etwa zwei Drittel aller 1,57 Milliarden Muslime weltweit. Dort beträgt die durchschnittliche Bevölkerungswachstumsrate gegenwärtig 1,68 Prozent pro Jahr. Gegenüber einem Wachstum der gesamten Weltbevölkerung von jährlich 1,2 Prozent ist dies ein signifikanter, aber kein dramatischer Überschuss. Verglichen mit Europa, wo das Wachstum zum Stillstand gekommen ist, und auch den USA, wo es 0,6 Prozent beträgt, ist der Vorsprung sehr deutlich. Dennoch ist anzunehmen, dass die Bevölkerung in nahezu allen islamischen Staaten - und damit die Zahl der Religiösen - künftig immer weniger wachsen wird.

In den entwickelten Ländern der westlichen Welt könnte hingegen die Religiosität der Bevölkerung auf demografischem Wege zunehmen. Wie Untersuchungen zeigen, liegen die Kinderzahlen von Menschen, die sich als religiös bezeichnen, deutlich über jenen von nichtreligiösen Menschen. Geht man davon aus, dass eine klare Mehrheit von Menschen die Religiosität ihrer Eltern beibehält, so könnte dies bei den derzeit sehr geringen Fertilitätsraten in westlichen Ländern dazu beitragen, dass der Trend zur Säkularisierung endet, beziehungsweise in das Gegenteil umschlägt. Auch die höhere Religiosität von Zuwanderern und deren Nachkommen könnte zu dieser Entwicklung beitragen. Der Trend scheint dies zu bestätigen: In zahlreichen europäischen Ländern hat der Anteil von Menschen, die an Gott oder an ein Leben nach dem Tod glauben, seit den 1990er Jahren nicht mehr weiter abgenommen oder ist sogar gestiegen.

Blick am Morgen

Beschäftigt

Nein, ich habe heute keine Zeit, ich muss so viel vergessen.

Erwachen zum Leben


Wo hab' ich denn gefristet in all der argen Zeit?

Wo Haß bei Lüge nistet und nah beim Unwert Neid.


Sie haben mich zerschlagen, für Pflicht mir Hohn gezollt,

Weil ich nicht nur beklagen, weil ändern ich gewollt.


Und war' fast schlecht geworden in all der Schlechtigkeit,

Ach, eine zarte Rebe ist die Gerechtigkeit!


Sie braucht auch andrer Güte, auch andrer reinen Sinn,

Sonst schwindet sie wie Blüte im Maienfrost dahin.


Jetzt aber bin ich wieder erwacht aus wüstem Traum

Und werf mich vor dir nieder, Gott Erde, Gras und Baum!


Gott Wind und Stern und Wolke, Gott Sommermittagshauch,

Gott Duft vom Tannenharze und wildem Himbeerstrauch!


Und tauch' die Hand, Gott Quelle, kühn in dein sprudelnd Eis

Und dank' es der Forelle, daß sie um mich nicht weiß.


Und bin zutiefst verschuldet dem Falter, der mir naht,

Daß er mein Wesen duldet, denn Duldung schon ist Tat.


Und preise deinen Namen, Gott Lust und Mutterschoß,

Und sag' erschüttert Amen zu meinem Erdenlos!


Anton Wildgans (1881 – 1932)

Innere Hernalser Hauptstraße

Fragwürdige Deutungsversuche

Das Erdbeben in Haiti und die Esoterik-Szene

Die Erdbebenkatastrophe in Haiti hat in der Esoterik-Szene unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen. Neben Bestürzung und Trauer über das ungezählte Leid wird zu materieller Hilfe und zu Lichtmeditationen aufgerufen. Vereinzelt finden sich höchst zynische Deutungsversuche für das Erdbeben, bei dem vermutlich 200 000 Menschen ums Leben kamen.

Im Internetforum der Kryonschule, einer in Rosenheim ansässigen Esoterik-Gruppe um das Medium Sabine Sangitar, das mit der Wesenheit Kryon in Kontakt stehen soll, wird empfohlen, auf meditativem Wege „eine Lichtsäule für die Seelen, die ihren Körper verlassen haben“, zu errichten (www.portal.kryonschule.de). Wie eine Anhängerin in einem Beitrag berichtet, habe sie dabei eine tröstliche Erfahrung gemacht: „Ich habe eine riesige Pyramide über Haiti gesehen. Mutter Maria, Jesus Christus und die Heilungsengel waren über dieser Pyramide und haben ihre heilenden Strahlen gesandt.“ Andere wiederum spekulieren über die esoterischen Hintergründe der Katastrophe. So heißt es in der Botschaft einer Wesenheit Kuthumi, die einem US-amerikanischen Medium übermittelt habe: „Jeder hat einen Platz im Herzen des Schöpfers. Jene, die wählten, ihre physische Form durch dieses Erdbeben zu verlassen, wissen, dass sie durch ihre Teilnahme ihren Abdruck, eine Mitteilung von Bedeutung über den Wert des Lebens, hinterlassen haben.“ Eine „Lichtarbeiterin“ der Kryonschule schreibt zu den Ereignissen: „In diesen Regionen gab es schon immer Erschütterungen durch Erdgewalten. Es hat mit der Verschiebung der Erdplatten zu tun. Aber das wißt ihr ja. Die Seele sucht sich aus, in welchem Land sie inkarniert. Wo wir leben – ist in perfekter Abstimmung mit unserem Seelen-Plan abgestimmt.“

Auch im Internetforum www.esoterium.de wird nach „tieferen spirituellen Ursachen“ gesucht. Zitiert wird dort in deutscher Übersetzung „eine planetarische Botschaft der Hathoren durch Tom Kenyon“. Der Amerikaner Kenyon ist seines Zeichens „Klangheiler“ und seit den 1980er Jahren ein „Kanal“ (Channel) für die Botschaften der intergalaktischen Föderation der Hathoren, die im alten Ägypten mit der weiblichen Gottheit Hathor verbunden waren: „Es kann sein, dass eine größere Anzahl von Personen wählt, die Erdenebene zu verlassen. Dieses Verlassen kann durch unerwartete Unfälle, unvorhergesehene Krankheiten und natürlich Erd-Veränderungen und Wetter-Anomalien auftreten.“

Die kleine Auswahl aktueller Reaktionen in der Esoterik-Szene verdeutlicht zweierlei: Zum einen rufen die medialen Kundgaben zu erhöhter spiritueller Aktivität angesichts des für 2012 erwarteten Transformationsprozesses der Erde und der damit verbundenen „Umwälzungsprozesse“ auf. Zum anderen werden die schockierenden Ereignisse und das vielfache menschliche Leid in Haiti durch selbstgestrickte esoterische Karmavorstellungen und Aussagen wie „Der Mensch erschafft sich seine Realität“ bagatellisiert, ignoriert und letztlich für sinnvoll erachtet. Das tiefere Problem solcher zynischen Deutungen liegt in einem auf übersinnlichem Wege vermittelten „Überwissen“. Es vermutet hinter jedem persönlichen Leid jeweils selbstverschuldete Ursachen oder von den Betroffenen frei gewählte Szenarien. Dieses „höhere“ Denken, das aus Opfern Täter werden lässt, ist in der Esoterik-Szene leider kein Einzelfall.


Matthias Pöhlmann im Materialdienst der EZW 3/2010

Stillleben in der Bim

Wort der Woche

"Herr Professor, warum brauchen wir eigentlich noch ein Hirn, wir haben doch Google... ?"

Äußerung eines 13jährigen Gymnasiasten

Notwendige Selbstdistanzierung einer Gemeinde

























In der Pauluskirche im 3. Bezirk.
Die Kirche ist in den 60er Jahren gebaut worden.
Der Künstler, der die Fenster entwarf, war anscheinend noch in der Ikonografie des III. Reiches beheimatet.

Ende der Unvollkommenheit

Im christlichen Glauben sagt man, dass einem Menschen die Todesstunde in die Wiege gelegt wurde - der Tod ist ein Teil des Lebens und darüber können wir nicht unbedingt selbst bestimmen. Der Tod tut auch denen, die gehen, nicht weh. Er schmerzt nur diejenigen, die übrig bleiben und die machen sich meistens bewusst oder unbewusst im Nachhinein irgendwelche Vorwürfe. Solche Vorwürfe sind ein Ausdruck unserer Unvollkommenheit und unseres Wunsches, vollkommen zu sein, Alles richtig zu machen und sich ohne Schuld von einem anderen Menschen zu trennen. Der Tod trennt uns zwar von den anderen Menschen, aber er beseitigt auch die Unvollkommenheit, die sich aus unserem Menschseins ergibt.

Gefunden in einem Forum

Als Antwort auf Selbstvorwürfe eines Hinterbliebenen, ob er nicht hätte mehr tun und so den Tod seines Angehörigen möglicherweise verhindern können, eine ziemlich zynische Überlegung, als Trost wohl kaum geeignet. Aber es ist natürlich nicht zu leugnen, dass der Tod - mit allem anderen, was unser Menschsein, irdisch betrachtet, ausmacht - auch unserer Unvollkommenheit ein Ende macht.

Donnerstag, 18. März 2010

Wir wissen, was wir tun

Die Mehrheit der Deutschen ist davon überzeugt, dass das Internet die Menschen einsamer macht. Das ergab eine repräsentative Vergleichsstudie der Stiftung für Zukunftsfragen (Hamburg).

Wie diese am 16. März mitteilte, sind 59 Prozent der Meinung, dass durch die virtuelle Welt die Vereinsamung zunimmt. 1998 seien noch 41 Prozent dieser Ansicht gewesen. „Im Internetzeitalter klaffen Wunsch und Wirklichkeit immer mehr auseinander“, sagte der wissenschaftliche Leiter der Stiftung, Prof. Horst W. Opaschowski. „Neue Kontaktnetze sind oft nur einen Mausklick weit entfernt, können aber zwischenmenschliche Beziehungen immer weniger ersetzen, weil sie oberflächlich und beliebig bleiben.“ Mailen, Chatten und Surfen seien zwar zum Volkssport für die junge Generation geworden. „Aber viele junge Leute zappen durch ihr Leben und warten auf Beständigkeit vergebens.“ Ein wachsender Teil der 14- bis 34-Jährigen vermisse zunehmend „beständige Beziehungen“ (2010: 53 Prozent, 1998: 42 Prozent). 58 Prozent aller Befragten sind zudem der Ansicht, dass die Kontakte im Netz oberflächlich bleiben. 1998 meinten dies 41 Prozent. Jeder Dritte (32 Prozent) glaubt, dass man so auch weniger soziale Kontakte am Arbeitsplatz hat (1998: 25 Prozent). Das Internet sei „mehr Jobkiller als Beschäftigungsmotor“, sagen inzwischen 29 Prozent (1998: 20 Prozent). Nicht einmal jeder Vierte (24 Prozent) sieht das Internet als Bereicherung für das private Leben (1998: 26 Prozent).

Internet fördert Aggressivität

Zudem glaubt fast jeder Zweite (46 Prozent), dass die Sinnesüberreizung die Aggressivität fördert (1998: 37 Prozent). Opaschowski: „Die kulturkritische Befürchtung, wonach wir es in Zukunft mit einer reizüberfluteten Generation zu tun haben, die im Alltag zunehmend nervöser und aggressiver reagiert, kann Wirklichkeit werden.“ Hyperaktivität und Konzentrationsmangel könnten die Folge sein, weil die junge Mediengeneration permanent mit schnellen Schnitten sowie abrupten Szenen- und Situationswechseln aufwachse.

Mehrere Leben leben

Unter den Internetnutzern von 14 bis 34 Jahren geben immer mehr offen zu, dass sie im Internet selbst „eine Rolle spielen“ und „sich anders geben“ können, als sie wirklich sind (2010: 49 Prozent, 1998: 29 Prozent). Auch nutzen viele von ihnen den Computer als Rückzugsnische mit der Begründung, auf dieser Weise „dem Stress und der Hektik des Lebens zeitweilig zu entfliehen“ (2010: 44 Prozent, 1998: 30 Prozent). Gut ein Drittel der jungen Generation (37 Prozent) glaubt, Defizite des Lebens durch die Beschäftigung mit dem Computer ausgleichen zu können (1998: 30 Prozent. Opaschowski: „Für die junge Mediengeneration ist die Computerkultur ein zweites Leben (Second Life) geworden. Avatar lebt: Im Internet können sich die jungen Leute immer wieder neu erfinden. Der Wunsch kommt auf: Mehrere Leben leben!“ Dennoch glaubt nur etwa jeder Vierte (2010: 26 Prozent, 1998: 27 Prozent), dass diese Einstellung Auswirkungen auf ihre Werteorientierung hat. Das Internet ist für sie nur eine Schaubühne, auf der sie spielen und gelegentlich auch probeleben können. Nach Ansicht der Stiftung wird vor dem Hintergrund dieser Ergebnisse die Erziehung zur Medienkompetenz für Kinder und Jugendliche immer wichtiger werden – vom persönlichen Medienkonsum nach Maß über regelmäßige Entspannungsübungen bis zu attraktiven Alternativen zum multimedialen Angebot. Für die Studie wurden in Deutschland 2.000 Personen ab 14 Jahren befragt.

idea.de

Dornbach am Abend

Montag, 15. März 2010

Drinnenleben

Spielt das Leben nur außerhalb
der Jalousien? Wer sagt denn
die stille Box mit den Steinfliesen
sei tot? Wer? Hier laufen Lichthasen
und toben Epiphanien der Apfel fällt
lautlos vom Baum und die Grillen
zirpen im Ohr es ist keine Frage
des Willens wo ich bin nämlich
vor der Wand im Papier


Ilma Rakusa (aus: Ein Strich durch alles. Neunzig Neunzeiler, Suhrkamp Verlag , Frankfurt am Main 1997, zit. n.
lyrikline.org)

Sonntag, 14. März 2010

Achtung!

Warnschild in dem Klassenraum im Marianum, in dem ich gewöhnlich unterrichte.
Es ist so angebracht, dass vom Lehrertisch der Blick darauf fällt.

Was wir alle gemeinsam haben

Ich bin ein sterblicher Mensch wie alle anderen, ein Nachkomme des ersten, aus Erde geformten Menschen. Im Leib meiner Mutter wurde ich gebildet, neun Monate lang; zusammengeronnen bin ich aus dem Blut der Mutter und dem Samen eines Mannes, die sich in Liebeslust vermischten. Wie alle Neugeborenen lag ich auf der Erde, ich sog die Luft ein, die wir alle atmen, und wie bei jedem Menschen war mein erster Laut ein Weinen. Ich wurde in Windeln gewickelt und war ganz auf die Fürsorge anderer angewiesen. Auch ein König kam noch nie anders auf die Welt. Alle Menschen treten auf dieselbe Weise ins Leben und alle verlassen es auch wieder auf dieselbe Weise.

Weisheit Salomonis 7, 1 - 6 (Gute Nachricht)

Frühling in der Martinstraße

In between - zwischen meteorologischem und kalendarischem Frühlungsanfang...

Freitag, 12. März 2010

Trostreich?

Immer gibt es etwas
zu tun, zu sagen, zu denken, zu lassen.
Immer gibt es etwas.
So sind wir
nie allein.

Montag, 8. März 2010

Josephs Sicht der Dinge - blasphemisch?

Erst jetzt entdeckt: Ein witziges Werbeplakat einer katholischen Kirchengemeinde in Neuseeland, das viel Aufsehen erregt hat.

Eine provokante Darstellung von Josef und Maria spaltet Neuseelands Christen. Die progressive anglikanische Gemeinde „St Matthew-in-the-City“ in Auckland hat ein riesiges Poster vor der Kirche aufgestellt. Auf diesem sind Maria und Josef als unzufriedenes Paar im Bett zu sehen. Der Slogan zu dem Bild im Freskenstil lautet: „Poor Joseph. God is a hard act to follow.“ Oder auf Deutsch: „Armer Josef. Es ist nicht leicht, auf Gottes Wegen zu wandeln.“

Mit dem Bild wolle die Gemeinde die Menschen dazu bringen, über die Weihnachtsgeschichte zu sprechen, sagte Erzdiakon Glynn Cardy, Pfarrer der Gemeinde, neuseeländischen Medien. Er betonte, die „wirkliche Bedeutung von Weihnachten“ liege in der „radikalen Gastfreundlichkeit, die Jesus gegenüber den Armen, Verachteten, Frauen, Kindern und Kranken gezeigt hat“.

Die katholische Kirche reagierte mit Empörung auf die Aktion. Schon die Andeutung, dass Maria und Josef gerade Sex gehabt haben könnten, sei eine „Beleidigung der Christen“, sagte Lyndsey Freer, Pressesprecherin der katholischen Bischofskonferenz Neuseelands, und fügte hinzu: „.Unsere christliche Tradition bleibt, dass Maria eine Jungfrau war – und dass Jesus Gottes Sohn ist, nicht Josefs“, sagte Freer.“ Einige Demonstranten haben inzwischen die biblischen Figuren mit brauner Farbe zu übertüncht.

welt-online.de 18.12.2009