SPIEGEL: Wenn Bildung angeblich eine so geringe Rolle spielt: Was entscheidet dann, wer oben ist und wer unten?
Tenorth: Besitz und Macht, dann vielleicht Bildung, mehr noch Herkunft. Das hat etwas mit gelerntem sozialen Verhalten zu tun, das durch das Elternhaus vermittelt wird. Warum sind denn so viele Vorstände von Dax-Konzernen ihrerseits Kinder aus der Oberschicht? Es ist die Fähigkeit, sich so zu bewegen, dass man in einem gehobenen Milieu nicht negativ auffällt. Stellen Sie sich vor, ich säße jetzt hier mit zerrissenen Jeans und T-Shirt. Da hätten Sie wahrscheinlich komisch geguckt ...
SPIEGEL: ... wir würden das schon aushalten ...
Tenorth: ... für soziale Unterschiede haben schon Grundschullehrer eine Antenne. Bei den Empfehlungen für die weiterführenden Schulen überlegen sie: Kommt jemand aus dem falschen Elternhaus? Dann wird er oder sie wahrscheinlich scheitern. Die Lehrer raten dann vom Gymnasium ab.
SPIEGEL: Die Lehrer als Agenten der Klassengesellschaft?
Tenorth: Solche Tendenzen zementieren natürlich bestehende Ungleichheiten. Doch ich will fair bleiben: Die Einschätzung ist ja realistisch. Die Bildungskarriere hängt eben nicht nur von eigenen intellektuellen Fähigkeiten ab, es braucht auch ein Elternhaus, das die Kinder und Jugendlichen entsprechend fördert.
Aus einem SPIEGEL-Interview mit dem Berliner Bildungshistoriker Heinz-Elmar Tenorth
Sonntag, 18. Januar 2009
Was früher alles möglich war...
In den 1960er Jahren stellte der Kölner Dom seine beiden nördlichen Seitenschiffe auch islamischen Gottesdiensten türkischer Arbeitsmigranten zur Verfügung. So breiteten beispielsweise zum Ende des Ramadan 1965 um die 400 Muslime ihre Gebetsteppiche im Kölner Dom aus, um mit Gebeten und religiösem Gesang das Ende des Fastenmonats zu feiern. Die damalige Dompropstei betonte Journalisten gegenüber, dass das Bereitstellen von Möglichkeiten für die Gottesdienste Andersgläubiger in Kölner Kirchen durchaus „nichts Ungewöhnliches“ sei.
Aus Wikipedia s.v. Kölner Dom
Die interreligiöse Ökumene - auch die praktische - war schon einmal erstaunlich weit, da staunt man heutzutage nur noch.
Aus Wikipedia s.v. Kölner Dom
Die interreligiöse Ökumene - auch die praktische - war schon einmal erstaunlich weit, da staunt man heutzutage nur noch.
Wie wahr! Worte eines großen Propheten
Wir haben am Geld das formal nachgiebigste, aber, aus eben dem Grunde, der es dazu macht, nämlich durch seine völlige Leerheit, zugleich unnachgiebigste Objekt: indem das Geld, das wir besitzen, uns von vornherein und wie mit einem Schlage auch wirklich absolut und vorbehaltlos gehört, können wir ihm nun auch sozusagen nichts weiter entlocken. Im allgemeinen muß man sagen: nur indem ein Objekt etwas für sich ist, kann es etwas für uns sein; nur also, indem es unserer Freiheit eine Grenze setzt, gibt es ihr Raum. Diese logische Entgegengesetztheit, in deren Spannung sich dennoch die Einheit unseres Verhaltens zu den Dingen realisiert, erreicht am Gelde ihr Maximum: es ist mehr für uns, als irgendein Besitzstück, weil es uns ohne Reserve gehorcht - und es ist weniger für uns, als irgendeines, weil ihm jeglicher Inhalt fehlt, der über die bloße Form des Besitzes hinaus aneigenbar wäre. Wir haben es mehr als alles andere, aber wir haben weniger an ihm, als an allem andern.
Jene Nachgiebigkeit des Geldes findet, wie so viele seiner Wesensfolgen überhaupt, ihren reinsten und gesteigertsten Ausdruck an der Börse, in der die Geldwirtschaft ebenso zu einem selbständigen Gebilde kristallisiert ist, wie die politische Organisation im Staate. Die Kursschwankungen nämlich zeigen vielfach subjektiv-psychologische Motivierungen, wie sie in dieser Kraßheit und dieser Unabhängigkeit von aller objektiven Begründung ganz unvergleichlich sind. Zwar wäre es oberflächlich, dafür anzuführen, daß den Kursbewegungen nur selten reale Veränderungen in der Güte des einzelnen, das Papier fundierenden Objektes genau entsprechen. Denn diese Güte, in ihrer Bedeutung für den Markt, besteht doch nicht bloß in den inneren Qualitäten des Staates oder der Brauerei, des Bergwerkes oder der Bank, sondern in dem Verhältnis derselben zu den gesamten sonstigen Inhalten des Marktes und ihrer Lage. Es entbehrt deshalb nicht der sachlichen Begründung, wenn z.B. große Insolvenzen in Argentinien den Kurs der chinesischen Rente drücken, obgleich die Sicherheit derselben sowenig durch jenes Ereignis, wie durch eines auf dem Monde alteriert wird. Denn die Wertbedeutung jener hängt, bei aller äußeren Ungeändertheit, doch von der Gesamtlage des Marktes ab, deren Erschütterung von irgendeinem Punkte her z.B. die Weiterverwertung jener Erträgnisse ungünstiger gestalten kann. Jenseits dieser, wenn auch die Synthese des Einzelobjekts mit anderen voraussetzenden, so doch objektiven Verursachung der Kursänderungen steht aber diejenige, die von der Spekulation selbst ausgeht: denn diese Wetten über den künftigen Kursstand eines Papiers haben auf diesen Kursstand selbst den erheblichsten Einfluß. Sobald z.B. eine mächtige Finanzgruppe aus Gründen, die mit der Qualität des Papiers gar nichts zu tun haben, sich in ihm engagiert, so treibt dies den Kurs desselben in die Höhe: umgekehrt ist auch die Baissepartei imstande, durch bloße Börsenmanöver den Kurs eines Papiers fast beliebig zu senken. Hier erscheint also der reale Wert des Objekts als der bloße, an sich irrelevante Untergrund, über dem sich die Bewegung des Marktwertes erhebt, weil sie sich doch an irgendeine Substanz, richtiger: an irgendeinen Namen knüpfen muß; die Proportion zwischen dem sachlichen und schließlichen Wert des Objekts und seiner Vertretung durch das Börsenpapier hat jede Stetigkeit verloren. Damit also zeigt sich die unbedingte Nachgiebigkeit der Wertform, die die Dinge mit dem Geld gewonnen haben und die sie von ihrer sachlichen Grundlage ganz gelöst hat; jetzt folgt der Wert relativ widerstandslos den psychologischen Impulsen der Laune, der Habsucht, der unbegründeten Meinungen, und zwar in um so auffälligerer Weise, als doch reale Verhältnisse da sind, welche durchaus treffende Maßstäbe der Bewertung bilden könnten. Aber seiner eigenen Wurzel und Substanz gegenüber hat der zu einem Geldgebilde gewordene Wert sich verselbständigt, um sich nun subjektiven Energien vorbehaltlos auszuliefern. Hier, wo die Wette selbst den Gegenstand der Wette in seinem Schicksal zu bestimmen vermag, und zwar in Unabhängigkeit von vorhandenen sachlichen Gründen, hat die Durchdringbarkeit und Bildsamkeit der Geldform der Werte durch die Subjektivität in ihrem engsten Sinne den triumphierendsten Ausdruck gefunden.
Georg Simmel, Philosophie des Geldes (1900). Synthetischer Teil. 4. Die individuelle Freiheit, zit. n. textlog.de
Jene Nachgiebigkeit des Geldes findet, wie so viele seiner Wesensfolgen überhaupt, ihren reinsten und gesteigertsten Ausdruck an der Börse, in der die Geldwirtschaft ebenso zu einem selbständigen Gebilde kristallisiert ist, wie die politische Organisation im Staate. Die Kursschwankungen nämlich zeigen vielfach subjektiv-psychologische Motivierungen, wie sie in dieser Kraßheit und dieser Unabhängigkeit von aller objektiven Begründung ganz unvergleichlich sind. Zwar wäre es oberflächlich, dafür anzuführen, daß den Kursbewegungen nur selten reale Veränderungen in der Güte des einzelnen, das Papier fundierenden Objektes genau entsprechen. Denn diese Güte, in ihrer Bedeutung für den Markt, besteht doch nicht bloß in den inneren Qualitäten des Staates oder der Brauerei, des Bergwerkes oder der Bank, sondern in dem Verhältnis derselben zu den gesamten sonstigen Inhalten des Marktes und ihrer Lage. Es entbehrt deshalb nicht der sachlichen Begründung, wenn z.B. große Insolvenzen in Argentinien den Kurs der chinesischen Rente drücken, obgleich die Sicherheit derselben sowenig durch jenes Ereignis, wie durch eines auf dem Monde alteriert wird. Denn die Wertbedeutung jener hängt, bei aller äußeren Ungeändertheit, doch von der Gesamtlage des Marktes ab, deren Erschütterung von irgendeinem Punkte her z.B. die Weiterverwertung jener Erträgnisse ungünstiger gestalten kann. Jenseits dieser, wenn auch die Synthese des Einzelobjekts mit anderen voraussetzenden, so doch objektiven Verursachung der Kursänderungen steht aber diejenige, die von der Spekulation selbst ausgeht: denn diese Wetten über den künftigen Kursstand eines Papiers haben auf diesen Kursstand selbst den erheblichsten Einfluß. Sobald z.B. eine mächtige Finanzgruppe aus Gründen, die mit der Qualität des Papiers gar nichts zu tun haben, sich in ihm engagiert, so treibt dies den Kurs desselben in die Höhe: umgekehrt ist auch die Baissepartei imstande, durch bloße Börsenmanöver den Kurs eines Papiers fast beliebig zu senken. Hier erscheint also der reale Wert des Objekts als der bloße, an sich irrelevante Untergrund, über dem sich die Bewegung des Marktwertes erhebt, weil sie sich doch an irgendeine Substanz, richtiger: an irgendeinen Namen knüpfen muß; die Proportion zwischen dem sachlichen und schließlichen Wert des Objekts und seiner Vertretung durch das Börsenpapier hat jede Stetigkeit verloren. Damit also zeigt sich die unbedingte Nachgiebigkeit der Wertform, die die Dinge mit dem Geld gewonnen haben und die sie von ihrer sachlichen Grundlage ganz gelöst hat; jetzt folgt der Wert relativ widerstandslos den psychologischen Impulsen der Laune, der Habsucht, der unbegründeten Meinungen, und zwar in um so auffälligerer Weise, als doch reale Verhältnisse da sind, welche durchaus treffende Maßstäbe der Bewertung bilden könnten. Aber seiner eigenen Wurzel und Substanz gegenüber hat der zu einem Geldgebilde gewordene Wert sich verselbständigt, um sich nun subjektiven Energien vorbehaltlos auszuliefern. Hier, wo die Wette selbst den Gegenstand der Wette in seinem Schicksal zu bestimmen vermag, und zwar in Unabhängigkeit von vorhandenen sachlichen Gründen, hat die Durchdringbarkeit und Bildsamkeit der Geldform der Werte durch die Subjektivität in ihrem engsten Sinne den triumphierendsten Ausdruck gefunden.
Georg Simmel, Philosophie des Geldes (1900). Synthetischer Teil. 4. Die individuelle Freiheit, zit. n. textlog.de
Der bestirnte Himmel über mir...
Fast einer zweiten kopernikanischen Revolution kam die Entdeckung Edwin Hubbles (1889-1953) im Jahre 1923 gleich, dass außerhalb unserer Galaxis weitere Sternsysteme existieren, von denen wir heute hunderte von Millionen kennen. Während die Stellarforschung durch die vereinten Anstrengungen von Kernphysikern und Astrophysikern die Kernfusion als Quelle der Sternenergie entdeckte, brachten Hubbles Beobachtungen und Einsteins Relativitätstheorie das neue Bild eines Evolutionskosmos hervor. Werden und Vergehen wurden als das allgemeine Gesetz des Universums entdeckt und die Details dieser Prozesse beschäftigen die Forschung bis heute. Bis vor Kurzem noch unvorstellbar leistungsfähige Teleskope, wie jene der Europäischen Südsternwarte auf dem El Paranal oder das freifliegende Hubble Space Telescope, durchmustern heute die unergründlichen Tiefen des Alls. Neue Giganten der Technik sind geplant und die »größte Maschine der Welt«, der Teilchenbeschleuniger »Large Hadron Collider«, versucht gar, die Extremzustände zu Beginn der Expansion des Universums nachzuahmen.
Dennoch sind wir weit davon entfernt, alle Fragen über das Universum beantworten zu können. Die erst in jüngerer Zeit entdeckte »Dunkle Materie« und die »Dunkle Energie« geben uns weiterhin große Rätsel auf. So bleibt die Erkundung des Weltalls auch in der Zukunft eines der großen Abenteuer der Forschung.
Dieter B. Herrmann: Und über uns die Sterne, Neues Deutschland 17. 01. 2009
Gerade mal ein Menschenleben alt ist die Erkenntnis von der Vielzahl der Galaxien. Der Fortschritt der Astronomie in den letzten Jahrzahnten und den allerletzten Jahren ist exponentiell. Aber was wissen wir wirklich über dieses Universum? Lässt uns auf dem Gebiet der Astronomie und Astrophysik nicht jedes neue Wissen nur zu noch größeren Räseln vorstoßen?
Kants berühmtes Wort (aus dem Beschluss der KpV) gilt doch noch immer: "Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer neuer und zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht, je öfter und anhaltender sich das Nachdenken damit beschäftigt: der bestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir."
Dennoch sind wir weit davon entfernt, alle Fragen über das Universum beantworten zu können. Die erst in jüngerer Zeit entdeckte »Dunkle Materie« und die »Dunkle Energie« geben uns weiterhin große Rätsel auf. So bleibt die Erkundung des Weltalls auch in der Zukunft eines der großen Abenteuer der Forschung.
Dieter B. Herrmann: Und über uns die Sterne, Neues Deutschland 17. 01. 2009
Gerade mal ein Menschenleben alt ist die Erkenntnis von der Vielzahl der Galaxien. Der Fortschritt der Astronomie in den letzten Jahrzahnten und den allerletzten Jahren ist exponentiell. Aber was wissen wir wirklich über dieses Universum? Lässt uns auf dem Gebiet der Astronomie und Astrophysik nicht jedes neue Wissen nur zu noch größeren Räseln vorstoßen?
Kants berühmtes Wort (aus dem Beschluss der KpV) gilt doch noch immer: "Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer neuer und zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht, je öfter und anhaltender sich das Nachdenken damit beschäftigt: der bestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir."
Ein moderner Glaubenszeuge
Der gläubige Busfahrer Ron Heather aus Southampton in Südengland weigert sich, einen Linienbus mit einem atheistischen Slogan zu fahren. Das berichtete der ‘Britische Rundfunk’. Heather sah bei Dienstantritt die Werbeaufschrift: „Es gibt wahrscheinlich keinen Gott. Hören Sie auf, sich Sorgen zu machen und genießen Sie Ihr Leben.“ Der Busfahrer erklärte seinem Vorgesetzen, daß er den Bus nicht lenken werde und ging nach Hause.
Gefunden auf kreuz.net
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