
Die Ulrichskapelle in Standorf "wird ab sofort für die Öffentlichkeit außerhalb der Gottesdienstzeiten und Veranstaltungen der Kirchengemeinde bis auf weiteres geschlossen." Diese Mitteilung von Pfarrer Christof Messerschmidt erreichte jetzt Creglingens Bürgermeister Hartmut Holzwarth.
Vorausgegangen waren angeblich mehrere "esoterisch angehauchte" Führungen in der Kirche. Sicher bestätigen kann Dekan Reinhard Tröster nur eine derartige Führung, die jüngst hinter verschlossener Kirchentür stattfand. Die kleine, offensichtlich gemeinsam mit dem deutschen Rutengänger Hubert Wrede reisende Gruppe österreichischer Besucher in Begleitung von Kirchenführer Kurt Wagner, war dem Dekan quasi in die Arme gelaufen.
Rutengänger und Pendler sind von dem Bauwerk fasziniert. In der evangelischen Gemeinde sorgt diese Faszination keineswegs für Freude. Schließlich warnt auch das 2007 von der Evangelischen Landeskirche in Württemberg herausgegebene Handbuch für Kirchengemeinderäte vor Esoterik, Okkultismus und Spiritismus.
Doch nicht nur der Glaube an Heilstrahlungen, Pendel und Wünschelrute oder die Ablehnung entsprechender Praktiken setzen den kleinen Ort Standorf gewaltigen Zerreißproben aus. Auch - eigentlich - familiäre Konflikte leisten ihren Beitrag zum Ärger im Dorf. Es könne nicht angehen, meint Dekan Tröster, dass die Ulrichskapelle instrumentalisiert wird - einerseits als Hintergrund für esoterische Spekulationen, andererseits als Austragungsfläche von Familienstreitigkeiten.
Letztlich schade das der Kirchengemeinde insgesamt. Schließlich hatte ein in unmittelbarer Nachbarschaft zur Kapelle lebender Standorfer, zugleich ehemaliger Schwiegersohn des langjährigen Kirchenführers, der Gemeinde bereits mehrfach öffentlich allzu enge "Kooperation" mit esoterisch interessierten Kreisen vorgeworfen.
Tröster ergriff jetzt die Initiative. Er informierte den zuständigen Regionalbischof Hans-Dieter Wille von der Heilbronner Prälatur und setzte auch den Landesbischof in Kenntnis.
Bereits in der vergangenen Woche hatte der Kirchengemeinderat erneut seine Position untermauert, dass man mit Esoterik in der Ulrichskapelle nichts zu schaffen haben will. Kurt Wagner muss sich mit einem Führungsverbot abfinden.
Natürlich, so Dekan Tröster und Pfarrer Messerschmidt, suche man gemeinsam mit der Stadt nach Lösungen. Schließlich soll das sakrale Denkmal, das der spätromanische Oktogonbau darstellt, baldmöglichst der Öffentlichkeit auch außerhalb rein kirchlicher Veranstaltungen wieder zugänglich gemacht werden.
Einigen Gruppen waren bereits vor dem aktuellen Beschluss des Kirchengemeinderats Führungen zugesagt worden. Klaus Hein, Leiter der Creglinger Touristinformation, wird für kompetente Begleitung dieser Gruppen sorgen.
Der Creglinger Tourismus-Chef hofft inständig, dass das 1429 erstmals urkundlich erwähnte Kirchlein bald auch außerhalb der Gottesdienstzeiten wieder für die Öffentlichkeit zugänglich ist.
Schließlich gehört die Ulrichskapelle zu den touristischen Kleinodien der Stadt, die mit dem Riemenschneider-Altar in der Herrgottskirche ohnehin ein Publikum anspricht, das an sakraler Kunst interessiert ist.Inge Braune: Esoterische Aktivitäten unterbinden, Fränkische Nachrichten,3.Juni 2008
Für gewöhnlich bereiten Öffnungen von Kirchen ja andere Probleme (Diebstähle, Vandalismus)...
In der Nähe meiner ersten Pfarrstelle gab es in einer anderen Gemeinde des Kirchenkreises einen Findling im Kirchhof, der zu Zeiten manche ungebetenen esoterisch angehauchten nächtlichen Besucher anlockte, auch nicht eben zur Freude des zuständigen Pfarrers...
