Sonntag, 21. Oktober 2007

S-Bahn (S 45)

Bis 70...?

„Vor Beginn ihres Deutschlandtages haben führende Mitglieder der Jungen Union (JU) eine zügige Heraufsetzung des Renteneintrittsalters gefordert. Die Landesverbände Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein sprachen sich für die Anhebung des Renteneintrittsalters auf 70 Jahre aus.
Der Vorsitzende der JU in Schleswig-Holstein, Rasmus Vöge, sagte der ‚Bild’-Zeitung, zur ‚Entlastung der Rentenkasse müssen alle länger arbeiten’. Niedersachsens JU-Chef Kristian Tangermann betonte, nur so sei der Wohlstand zu erhalten.“ (WELT-online)

Ein Land in Sozialpanik? Zumindest ein Land, in dem man sich als junger Mensch angesichts der Altersverteilung berechtigte Sorgen um die Zukunft machen muss.

In bestimmten Berufsgruppen war der Wunsch nach längerer Lebensarbeitszeit natürlich immer schon da, vor allem bei Hochschullehrern, deren Pensionierungsalter ja vor nicht allzu langer Zeit zwangsweise von 68 auf 65 Jahre herabgesetzt wurde. Hier will das Bundesbildungsminiserium jetzt eine Flexibilisierung des Dienstrechts ("Seniorprofessur") erreichen. Nobelpreisträger kurz vor dem Pensionsalter - das fördert eben doch das Nachdenken...

MA 48

Wien ist eine unglaublich saubere Stadt, fällt mir oft auf. Ich habe noch nie bemerkt, dass irgendjemand achtlos etwas fallen ließ, die Straßen sind ebenso sauber wie die Öffis, in denen es dabei nicht einmal Abfallbehälter gibt... Allenfalls lassen die Leute ihre Gratiszeitungen in der U-Bahn liegen, wovon eine gelegentlich ertönende freundliche Ansage sie abzuhalten sucht...

Die Sauberkeit dieser Stadt ist das Verdienst der MA 48. Die MA 48 kennt hier ein jeder, das ist die Magistratsabteilung, die für die Abfallwirtschaft zuständig ist. Auf nahezu jedem öffentlichen Papierkorb ("Mistkübel") findet sich die Telefonnummer des "Misttelefons", wo nicht nur Freiwillige für die Schneeräumung gesucht werden, sondern freundlichst Auskunft zu allen Fragen "rund um den Mist"erteilt wird. Die "Mistplätze" in den einzelnen Bezirken haben bürgerfreundliche Öffnungszeiten und nehmen fast alles an. (Früher wurden sogar Schrottautos gebührenfrei abgeholt, das ist nicht mehr so: Meinen alten goldenen Fiat habe ich über den Händler entsorgen lassen, immerhin kostenfrei)

Gegenkundgebung ohne Gegner

Gestern sagte mir ein Freund aus Kassel am Telefon, er sei eben von einer Kundgebung gegen Rechts gekommen... Ich konnte das nicht einordnen, heute las ich dann von den von verschiedenen rechten Gruppierungen ankündigten Aufmärschen und Gegenkundgebungen in drei hessischen Städten. Während in Frankfurt und Rüsselsheim Gerichte ein Verbot der Aufmärsche abgelehnt hatten, - ließen sich die Rechten in Kassel gar nicht erst blicken. So waren nur die Gegendemonstranten da, unter ihnen auch manche Christen und Kirchenvertreter. Als die Kasseler evangelische Dekanin aber die Anwesenden mit "Liebe Mitchristinnen und Mitchristen" begrüßte, erntete sie doch Gelächter.

Ein "Farbattentat" auf den Trevi-Brunnen in Rom


Rote Farbe gegen die graue bürgerliche Gesellschaft: Man kann auch Aufmerksamkeit erzielen ohne Gewalt...

Mit allen Mitteln...

In Deutschland würde ein solches Banner auf der Startseite einer Internetplattform wahrscheinlich Stürme der Entrüstung auslösen.

Wittgenstein musikalisch

Ludwig Wittgenstein, wahrscheinlich der bedeutendste Sohn Österreichs unter den Philosophen der Moderne, ist einerseits berüchtigt für die Sprödigkeit seiner Texte und Gedanken, andererseits bemüht man sich auch sehr um ihn, auf vielfältige Weise, hier das neueste Beispiel aus Linz:

"Am Mittwoch war im Brucknerhaus ein einzigartiger, mutiger Versuch zu erleben, scheinbar spröde philosophische Literatur in Musik zu gießen.

Es war gleichzeitig der Auftakt der Residenz von Anna Maria Pammer, die in den nächsten drei Jahren dem Linzer Konzerthaus eng verbunden sein wird.

Es handelte sich aber nicht um irgendeinen philosophischen Text, sondern um einen, der zu den bedeutendsten Denkanstößen des 20. Jahrhunderts zu zählen ist: Ludwig Wittgensteins 'Tractatus logico-philosophicus'. Und Balduin Sulzer hat dazu Musik erdacht, die auf den ersten Blick nicht spröder sein könnte und doch einen unglaublich spannenden Abend bescherte. Sulzer hat hier eine Ein-Frau-Oper geschrieben, ein Werk für Sopran solo und sonst nichts. Die einzige nicht vokale Zutat waren Schlaginstrumente, die die Sängerin höchst ausdrucksvoll selbst zum Klingen brachte.

Die musikalische Grundidee geht von der Musik der Entstehungszeit des Tractatus, also der Zeit des Ersten Weltkriegs, aus und greift mit den gewagt großen und schwierig zu treffenden Intervallen und dem aberwitzig schnellen und in extremsten Höhen geflüsterten Sprechgesang auf die Wurzeln neuer Gesangskultur der Zweiten Wiener Schule zurück.

Aber nicht nur in der Textrealisation finden sich Bezüge zu Schönberg, sondern auch in der reihenförmigen Struktur der Töne, die dem 75-Minuten-Werk Zusammenhalt gibt. Minutiös deutet Sulzer die Sätze, legt Schwerpunkte auf einzelne Ausdrücke, markiert immer wiederkommende Wörter – so zum Beispiel den Begriff 'Sachverhalt', dessen Sprachrhythmus jedes Mal mit dem Holzblock mitgeklopft wird." (OÖNachrchten)

Herbst in Grinzing

A.B.und H.B.

"Die Evangelische Kirche A.u.H.B. ist die einzige Glaubensgemeinschaft in Österreich und wohl auch weltweit, die keine natürliche Personen als Mitglieder hat. In ihr sind die A.B.- und die H.B.-Kirche zur gemeinsamen Verwaltung zusammengeschlossen.

Die Kirchenleitung und die Vertretung der Kirche nach außen hat der Oberkirchenrat A.u.H.B. mit Sitz in Wien inne. Ihm gehören an: der Bischof, der Landeskurator und die Oberkirchenräte A.B. (für die A.B.-Kirche) sowie der Landessuperintendent und ein weltlicher Oberkirchenrat H.B. (für die H.B.-Kirche). Den Vorsitz führt der Vorsitzende des Oberkirchenrats A.B. Zu den Aufgaben des Oberkirchenrats A.u.H.B. gehören Verordnungen zur Vollziehung der Kirchenverfassung und der kirchlichen Gesetze der beiden Mitgliedskirchen sowie die Regelung des Religionsunterrichts." (Wikipedia)

Eigentlich ganz einfach, oder? Ach ja: "A.B." steht für "Ausgburgischen Bekenntnisses" und "H.B. für "Helvetischen Bekenntnisses", in Deutschland würde man also sagen für "Lutheraner" bzw. "Reformierte" (aber diese Ausdrücke sind in Österreich ganz ungebräuchlich).

"Bist Du A.B. oder H.B.?" Diese Frage, die nur für nicht-österreichische Ohren lustig klingt, kann hier jedes evangelische Kind ohne Zögern beantworten.

Aber trotz dieser klaren Trennung bilden die beiden Kirchen eine Glaubensgeeinschaft mit weitgehend gemeinsamer Verwaltung: eine Leuenberger Kirche par excellence, wo ich mich als Pfarrer aus Kurhessen-Waldeck (einer durch die Geschichte zusammengewachsenen Kirche ohne Konsensunion) ganz richtig fühle.

Der Winter kündigt sich in den Farben des Morgens an


Verkehrte Welt

„Schon oft verblüfften Killifische mit bemerkenswerter Anpassungsfähigkeit.“ Eine Art lebt „im Elizabeth River an der Ostküste der USA. Durch Abwässer ist der Fluss so verschmutzt, dass vom Grund Öl aufsteigt. Das Wasser ist so verpestet, das kaum ein Wesen überlebt – außer dem 'Fundulus heteroclitus'. Mutationen machten ihn resistent gegen den Dreck. Dagegen ist sauberes Wasser für den Fisch inzwischen Gift geworden – klare Gewässer sind eine Todesfalle, in denen er stirbt.“ Gefunden auf WELT-online.