

Die Stadt ist eigentlich berüchtigt für ihre starken Winde, von denen in den letzten schönen Herbstwochen freilich noch kaum etwas zu spüren war. Aber nun heißt es: sich warm anziehen...
Eine knappe Autostunde nördlich von Helsinki hat ein Achtzehnjähriger bei einem Amoklauf in einem kleinstädtischen Schulzentrum sieben Mitschüler und die Direktorin getötet. Als er die Waffe gegen sich selbst richtete, verletzte er sich zunächst nur lebensbedrohlich. Nach Angaben des Krankenhauses soll er inzwischen seinen Verletzungen erlegen sein. (welt-online)In seinen Gesellschaftsbetrachtungen spricht er von kommenden Revolutionen, zusammenbrechenden Regierungen, manipulativen Medien. Seine Utopie bestehe darin, dass schwache Menschen als Sklaven gehalten würden, intelligente Menschen die Herrscher und frei seien. 'Die Verbrecher, die jetzt die Gesellschaften regieren, werden das bekommen, was sie verdienen.' Was er liebe, sei der Hass – und diesen Hass auf politische Korrektheit, Gleichheit und Demokratie lässt er in seiner Selbstdarstellung freien Lauf: Die westlichen Demokratien hätten nichts mit Freiheit oder Gerechtigkeit zu tun – sie seien totalitär und korrupt. 'Lang lebe die Revolution gegen das System, das nicht nur die schwachsinnigen Zurückgebliebenen zu Sklaven macht, sondern auch die kleine Minderheit der intelligenten und scharfsinnigen Leute.'
In seinen Betrachtungen über das Leben im allgemeinen nennt sich der Attentäter einen 'Diktator meines eigenen Lebens'. Das beste am Leben sei, dass es ende. Es sei an der Zeit, die natürliche Selektion und das Überleben der Stärksten wieder wertzuschätzen. Und im weiteren Verlauf der Überlegungen bezeichnet er sich als 'Gott und Teufel meines eigenen Lebens'. Das menschliche Leben sei nicht heilig. Der Mensch sei nur eine Art unter anderen Tieren.
'Tod ist keine Tragödie, er geschieht dauernd in der Natur unter allen Arten. Nicht alles menschliche Leben ist wichtig oder wert, dass es gerettet wird. Manchmal glaube ich, dass niemand des Lebens wirklich würdig ist.' Nach langem Nachdenken sei er zu dem Punkt gekommen, an dem er nichts mehr fühle außer dem Hass gegen die Menschlichkeit und den Menschen an sich. Es gebe keine anderen universellen Gesetze als die der Natur und der Physik. 'Ich bin das Gesetz, der Richter und der Henker. es gibt keine höhere Autorität als mich.'" (faz-online)
Sie, selbst eine Tierliebhaberin, meint, das sei gar nix. Immerhin seien Hunde Lebewesen. In Deutschland aber, da gebe es sogar schon ein Reisebüro für ausgestopfte Tiere, für Teddybären. Man kann seinen Lieblings-Petzi oder ein anderes Stofftier um die ganze Welt schicken. Die Reiseleitung (?) setzt es dann vor das Taj Mahal oder die Chinesische Mauer, macht ein Foto und schickt es dir zu. In zwei Wochen hast du dein Bärli wieder. Plus Foto. Na, kontere ich, und das 'Pfötchenhotel' in Berlin für Hunde und Katzen, schlecht? Luxus pur muss das sein. Neulich, gestehe ich, habe ich mich übers Internet spaßeshalber eingeloggt, als 'Anatol', das ist der Hund unserer Freunde: Habe über 25 Kilo, bin langhaarig, vertrage mich mit anderen Hunden, schrieb ich. Hallo Anatol, lautete die Antwort, du kannst im Januar zu uns kommen, 1488 Euro pro Monat. Schnäppchen! Anreise zahlst du selbst. Mit VIP-Card Ermäßigung möglich.
Der gefeierte Künstler Damien Hirst, lese ich, hat einen 200 Jahre alten Totenschädel erstanden, abgegossen, mit neuen Zähne versehen und über 8000 Diamanten geschmückt. Begeisterte Kritiken. 75 Millionen Euro kostet das Kunstwerk. Und, klein gedruckt: Ein US-Amerikaner hat einen Weltrekord im Hamburger-Essen aufgestellt: 108 Fleischlaberl in acht Minuten.
Mir schmeckte mein Joghurt nicht mehr. 'Sind wir dekadent?', flüstere ich über den Frühstückstisch. In Afrika verkaufen Eltern ihre Kinder, im Iran finden öffentliche Hinrichtungen statt, auf Baukränen, damit es die Menge besser sieht, und auf der Website von 'Global Marshall Plan' kann man mitzählen, wie viele Menschen am heutigen Tag verhungern. An vermeidbaren Krankheiten sterben. An unsauberem Wasser. 108 Hamburger in acht Minuten. Brillantener Totenkopf. Reisen für Teddybären. Der Millionärs-Malteser im Mausoleum. Sind wir noch zu retten? Ist das alles noch normal? Leben wir wie im alten, dekadenten Rom?
'Irgendwie ja', meinte meine Frau, 'aber doch auch nicht ganz. Schau, das sind Einzelerscheinungen, schlimm ist das. Dekadent wär's erst, wenn jemand, wie einst Caligula, auf die Idee käm', sein Lieblingspferd zum Konsul zu machen und in den Senat zu setzen. Und alle das lustig finden.' Pause. Runzeln der schönen Stirn. 'Obwohl, wenn ich an ... naja...'"
Kurt Scholz: Frühstück, in: Die Presse (6. November 2007)Die Idee mit dem Reisebüro für Stofftiere scheint mir aus dem Film "Die wunderbare Welt der Amélie" geklaut zu sein...