Zu den ungeschriebenen Gesetzen für österreichische Politiker scheint es zu gehören, dass sie ihren Urlaub bitte im eigenen Land verbringen ("die eiserne Politikerregel, in der Freizeit die österreichische Staatsgrenze nicht zu überschreiten", so im Originalton der Zeitung "Österreich" [20.12.2007, S. 7]). Nur so erklärt sich, dass die ÖVP (und die Zeitung "Österreich") Anstoß nehmen können an einem zwölftägigen Urlaub, den Bundeskanzler Gusenbauer über Weihnachten und den Jahreswechsel mit Lebensgefährtin und Tochter in Vietnam verlebt. Das Boulevardblatt listet feinsäuberlich die Festtagsplanungen aller Kabinettsmitglieder auf, die allesamt die Feiertage in Österreich verbringen. Brav! "Bis auf Kanzler Gusenbauer bleiben alle Minister 'im Land bei der Familie.'" SP-Sozialminister Erwin Buchinger hat immerhin den Journalisten die Auskunft verweigert, das will schon etwas heißen in diesem Land, dessen Medien geradezu süchtig sind nach Informationen aus dem Privatleben von Prominenten.
Gusenbauer ist den Medien schon früher negativ aufgefallen, weil er Urlaube auf Korsika und in Marbella verbrachte. Das gilt in diesem Land, für das der Tourismus ein so wesentlicher Wirtschaftsfaktor ist, offenbar schon als eine Art Sakrileg.
Samstag, 22. Dezember 2007
Wien, sichere Stadt

In diesem Jahr gab es nach Zeitungsberichten bislang 21 Morde in Wien, im gesamten vorigen Jahr waren es gar nur 19. Das entspricht einer Mordrate von gut 1,1 pro 100.000 Einwohner.
Zum Vergleich: Deutschland hat eine Mordrate von gut 3,0. Und in deutschen Großstädten lebt es sich deutlich gefährlicher als in der österreichischen Bundeshauptstadt (Zahlen aus dem Jahr 2002):
"Die (...) deutsche Hauptstadt des Mordes und Totschlags ist Hannover mit einer Rate von 9,9 - gefolgt von Mannheim (7,5), Mainz und Stuttgart (je 7,0), Frankfurt/M. und Saarbrücken (je 6,6), Bremen (6,5) und Hamburg (5,8/das entsprach genau 100 erfassten Fällen von Mord und Totschlag)." (Hamburger Abendblatt 24.3.2004)
Bemerkenswert ist auch die Aufklärungsquote: Von den 19 Morden des vergangenen Jahres blieben nur 2 ungelöst, von den 21 heurigen Morden konnten immerhin schon 18 aufgeklärt werden.
Mal kein Hochnebel
Oh weh...
"Es ist ja üblich, dass man zu Weihnachten ein Stück ausspannen kann, ausschlafen kann - darauf freue ich mich."
Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrer wöchentlichen Videobotschaft.
Der Seufzer einer viel beschäftigten Person, sicher nicht wenigen gestressten Zeitgenossen aus dem Herzen gesprochen. Und trotzdem: Aus dem Munde einer CDU-Politikerin ist das schon sehr mager - und provoziert die Nachfrage, ob denn da an Weihnachten nicht noch etwas anderes war.
Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrer wöchentlichen Videobotschaft.
Der Seufzer einer viel beschäftigten Person, sicher nicht wenigen gestressten Zeitgenossen aus dem Herzen gesprochen. Und trotzdem: Aus dem Munde einer CDU-Politikerin ist das schon sehr mager - und provoziert die Nachfrage, ob denn da an Weihnachten nicht noch etwas anderes war.


