Samstag, 22. Dezember 2007

Anstößiger Asienurlaub

Zu den ungeschriebenen Gesetzen für österreichische Politiker scheint es zu gehören, dass sie ihren Urlaub bitte im eigenen Land verbringen ("die eiserne Politikerregel, in der Freizeit die österreichische Staatsgrenze nicht zu überschreiten", so im Originalton der Zeitung "Österreich" [20.12.2007, S. 7]). Nur so erklärt sich, dass die ÖVP (und die Zeitung "Österreich") Anstoß nehmen können an einem zwölftägigen Urlaub, den Bundeskanzler Gusenbauer über Weihnachten und den Jahreswechsel mit Lebensgefährtin und Tochter in Vietnam verlebt. Das Boulevardblatt listet feinsäuberlich die Festtagsplanungen aller Kabinettsmitglieder auf, die allesamt die Feiertage in Österreich verbringen. Brav! "Bis auf Kanzler Gusenbauer bleiben alle Minister 'im Land bei der Familie.'" SP-Sozialminister Erwin Buchinger hat immerhin den Journalisten die Auskunft verweigert, das will schon etwas heißen in diesem Land, dessen Medien geradezu süchtig sind nach Informationen aus dem Privatleben von Prominenten.
Gusenbauer ist den Medien schon früher negativ aufgefallen, weil er Urlaube auf Korsika und in Marbella verbrachte. Das gilt in diesem Land, für das der Tourismus ein so wesentlicher Wirtschaftsfaktor ist, offenbar schon als eine Art Sakrileg.

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