Mittwoch, 4. Februar 2009

Mitten wir im Leben sind...

Wir ziehn mit den Sterbenden:
Siehe, sie scheiden, wir gehen mit ihnen.
Mit Toten geboren:
Siehe, wir kommen, und bringen sie mit.

T.S. Eliot

Ein Gebet vor dem Gang ins Internet

Allmächtiger und ewiger Gott
der Du uns geschaffen hast nach deinem Bilde
und uns geboten hast zu suchen nach allem, was da gut, wahr und schön ist
besonders in der göttlichen Person
deines eingeborenen Sohnes, unseres Herren Jesus Christus
Erhöre unser Flehen
durch die Fürsprache von Sankt Isidor, Bischof und Doktor
daß während unserer Reisen durch das Internet
wir unsere Hände und Augen
nur auf Dinge richten mögen, die Dich erfreuen
und all jene Seelen, die uns begegnen
behandeln mit Geduld und Barmherzigkeit
durch Christus unseren Herren. Amen.

Im lateinischen Original:

Oratio ante colligationem in interrete:
Omnipotens aeterne Deus,
qui secundum imaginem Tuam nos plasmasti
et omnia bona, vera, et pulchra,
praesertim in divi na persona Unigeniti Fi lii Tui
Domini nostri Iesu Christi, quaerere iussi sti, 
praesta, quaesumus,
ut, per intercessionem Sancti Isidori, Episcopi et Doctoris,
in peregrinationibus per interrete,
et manus oculosque ad quae Tibi sunt placita intendamus
et omnes quos conveni mus cum caritate ac patientia accipiamus.
Per Christum Dominum nostrum. Amen.


Auf kreuz.net eingestellt vom Leser-Redakteur "Strauss".
Quelle der Originalfassung und vieler Übersetzungen in moderne Sprachen:
wdtprs.com 

Im Fall des Falles: Kitsch

Der Sehnsucht geöffnetes Maul: Grabstein in der Ausstellung der Wiener Bestattung.

Aus der nordhessischen Provinz

Wer als Lieferant auf das Werksgelände von Volkswagen in Baunatal fahren will, der braucht ab sofort einen VW. Für alle anderen Marken gilt ein Einfahrtverbot. Die lokale Handwerkskammer findet das inakzeptabel.


Bislang war es nur der unausgesprochene Wunsch der Werksleitung, dass Lieferanten oder Besucher, die auf das Werksgelände fahren wollen, einen VW haben. Jetzt, in Zeiten der Krise, gibt es eine offizielle Regelung: Eine Dauereinfahrterlaubnis gebe es nur noch für VW-Fahrer, bestätigte Firmensprecher Rudi Stassek am Dienstag. "Natürlich wollen wir mit unseren Geschäftspartnern auch ein umgekehrtes Geschäft machen, indem sie unser Auto fahren." Sprich: Falsches Auto – kein Einlass. 

Stassek findet das nicht weiter schlimm. "Die ganz großen Zulieferer haben einen Fuhrpark mit mehreren Autos – jeweils mit den Marken, für die sie auch arbeiten. Für die ist das überhaupt kein Problem." Und die kleinen Firmen? "Mit denen reden wir dann", so Stassek.

Ausgrenzung von Handwerkern mit "Fremdmarken"

Bernd Peter Doose, Vorsitzender der Kreishandwerkerschaft Kassel, kann diese Argumentation nicht nachvollziehen. "Wenn das alle Auto-Unternehmen in der Region so machen würden, dann muss sich ein Handwerksbetrieb wohl bald fünf oder mehr Autos unterschiedlicher Hersteller kaufen", sagte er hr-online am Dienstag. Beispielsweise habe neben VW auch Mercedes-Benz ein Werk in der Region. Durch eine offizielle VW-Pflicht würden bestimmte Firmen, die in Baunatal arbeiten wollten, ausgegrenzt. 

Doose zeigte sich allerdings wenig überrascht von der Nachricht. "Das gab es bei VW in Baunatal schon immer mal, dass Handwerker nur mit VW-Fahrzeugen auf das Gelände gelassen wurden." Nur jetzt sei diese Praxis wohl offiziell.

Lichtblick

Cello-Hoden

Die Wissenschaftslegende vom "Cello-Hoden" wurde als Ente entlarvt

34 Jahre lang hielt sich die Legende um den "Cello-Hoden", eine angeblich um eine Hautreizung des Scrotums verursacht durch intensives Cellospielen. Jetzt wurde die "Krankheit" als Witz entlarvt - von der Erfinderin des Leidens selbst.

Journalismus und Medizin haben eins gemeinsam, nämlich dass die allermeisten Dinge nicht stimmen. Zum Glück gibt es die Briten, um uns dies zu lehren; die Briten mit ihrem großen Faible für Hoaxes, für Fälschungen, mit ihrer besonderen Freude an öffentlichem Schabernack und mit ihrer Sensationspresse, die weltweit alles, was auf Zeitungspapier gedruckt wird, in den Schatten stellt.

Die Briten haben uns nicht nur das Ungeheuer von Loch Ness, den Piltdown-Menschen und zahlreiche Kornkreise geschenkt, sondern auch den Cello-Hoden, jenes medizinische Symptom, das erstmals 1974 im British Medical Journal beschrieben wurde.

Demzufolge handelt es sich beim Cello-Hoden um eine Hautreizung des Scrotums, die Cellisten befällt, wenn sie ihr Instrument zu fest an ihr Gemächte drücken.

Glücklicherweise hat die Furcht vor diesem Leiden in den letzten 34 Jahren nicht zu erkennbarem Nachwuchsmangel bei Cello-Spielern geführt, denn in der Tat hat keiner jemals auch nur die zarteste Berührung zwischen Instrument und Scrotum in normaler Sitzhaltung zuwege gebracht. Trotzdem wurde 34 Jahre lang das Phänomen des Cello-Hodens immer wieder in der Fachliteratur zitiert, bis Elaine Murphy, eine inzwischen zur Baronin erhobene Londoner Psychiaterin, soeben gestand, sie habe sich mit ihrem Mann bei der damaligen Einsendung der Krankheitsbeschreibung an das British Medical Journal bloß einen Jux gemacht.

Es macht vielen Menschen einen Riesenspaß, an den Informationskanälen unserer Gesellschaft herumzuspielen. Wie Kinder, die von einer Brücke Papierschnipsel in einen Bach werfen und sich daran erfreuen, wie sie auf der anderen Seite herauskommen, so besteht der eigentliche Jux der Hoaxer darin, die Ausbreitung ihrer Ausgeburten in den Medien zu verfolgen.

Die Folgen dieses Juxes oder genauer: seiner Aufdeckung sind pädagogischer Natur. Mit jedem Hoax kommen heilsame Zweifel in die Welt, die freilich auch ungesunde Proportionen annehmen können. Plötzlich treiben den kritischen Beobachter Fragen um wie: Wer steckt hinter Elaine Murphy? Gibt es überhaupt ein British Medical Journal? Spielen Cellisten wirklich Cello oder tun sie nur so? Vor allem im medizinischen Bereich tun sich Abgründe von Fraglichkeit auf: Welche von den vielen Krankheiten, die an uns schon diagnostiziert wurden, gibt es alle auch nicht? Noch schlimmer ergeht es bloß jenen Patienten, die - man soll in der Medizin ja niemals etwas völlig ausschließen - möglicherweise wirklich "Cello-Hoden" haben. Die sitzen jetzt ganz dumm da.


Immerhin: Eine Krankheit weniger. Und solche wissenschaftlichen Fakes (Hoaxes) machen einfach einen Riesenspaß. 

Sicher ein Symbol

Künstlerische Wanddekoration im Warteraum der Feuerhalle Simmering. Dieser Raum dient den Geistlichen auch zum Umkleiden. Fallende Blätter sollen das wohl sein, vermute ich mal.