Mittwoch, 4. Februar 2009

Aus der nordhessischen Provinz

Wer als Lieferant auf das Werksgelände von Volkswagen in Baunatal fahren will, der braucht ab sofort einen VW. Für alle anderen Marken gilt ein Einfahrtverbot. Die lokale Handwerkskammer findet das inakzeptabel.


Bislang war es nur der unausgesprochene Wunsch der Werksleitung, dass Lieferanten oder Besucher, die auf das Werksgelände fahren wollen, einen VW haben. Jetzt, in Zeiten der Krise, gibt es eine offizielle Regelung: Eine Dauereinfahrterlaubnis gebe es nur noch für VW-Fahrer, bestätigte Firmensprecher Rudi Stassek am Dienstag. "Natürlich wollen wir mit unseren Geschäftspartnern auch ein umgekehrtes Geschäft machen, indem sie unser Auto fahren." Sprich: Falsches Auto – kein Einlass. 

Stassek findet das nicht weiter schlimm. "Die ganz großen Zulieferer haben einen Fuhrpark mit mehreren Autos – jeweils mit den Marken, für die sie auch arbeiten. Für die ist das überhaupt kein Problem." Und die kleinen Firmen? "Mit denen reden wir dann", so Stassek.

Ausgrenzung von Handwerkern mit "Fremdmarken"

Bernd Peter Doose, Vorsitzender der Kreishandwerkerschaft Kassel, kann diese Argumentation nicht nachvollziehen. "Wenn das alle Auto-Unternehmen in der Region so machen würden, dann muss sich ein Handwerksbetrieb wohl bald fünf oder mehr Autos unterschiedlicher Hersteller kaufen", sagte er hr-online am Dienstag. Beispielsweise habe neben VW auch Mercedes-Benz ein Werk in der Region. Durch eine offizielle VW-Pflicht würden bestimmte Firmen, die in Baunatal arbeiten wollten, ausgegrenzt. 

Doose zeigte sich allerdings wenig überrascht von der Nachricht. "Das gab es bei VW in Baunatal schon immer mal, dass Handwerker nur mit VW-Fahrzeugen auf das Gelände gelassen wurden." Nur jetzt sei diese Praxis wohl offiziell.

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