Samstag, 28. Februar 2009

Rätselhaft

Warum in der Apotheke ein Dauervideo mit Flammen lief, konnte mir auch die Apothekerin nicht erklären...

Abwrackerei

Der Erfolg der „Umweltprämie“- besser bekannt als „Abwrackprämie“ - überrascht selbst Experten. Zwischen durchschnittlich 10.000 und - an Spitzentagen - 16.000 Anträgen gehen beim für die Prämie zuständigen Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) ein. Wenigstens ein Lichtblick für die krisengeschüttelte Automobilbranche, über die man ansonsten derzeit zwar viel, aber nicht viel Erfreuliches liest und hört. 

(...)

Wer Erfolg hat, findet bekanntlich immer Nachahmer. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass nun auch andere Branchen in dem Erfolgsmodell Abwrackprämie den goldenen Weg aus der Krise sehen. Koffer, Schuhe, Möbel, Fernseher, Kameras, Waschmaschinen, Computerteile und sogar Töpfe – fast alles, was irgendwie abgenutzt, schäbig, aus dem Leim gegangen, nicht mehr taufrisch oder nicht mehr ganz dicht ist, kann derzeit mit satten Rabatten gegen Neuware eingetauscht werden. Und wenn man sich dann noch überlegt, wie bereitwillig – ja geradezu euphorisch – Hunderttausende ihre langjährigen Fast-Schon-Familienmitglieder für ein paar Kröten aus dem Konjunkturpaket auf den letzten, traurigen Weg in Richtung Schrottplatz schicken, dann wird einem doch ein bisschen Angst und Bange. Was, wenn sich noch ganz andere Nachahmer für das Prinzip „Tauschen Sie Ihren schäbigen Alten gegen was schickes Neues“ finden? Krankenkassen, Ärzte, Partnervermittlungen – neiiin, wir wollen nicht abgewrackt werden!

GMX Magazin 08/2009 (Per e-mail an alle Mitglieder von gmx.net am 27.02.2009)

Freitag, 27. Februar 2009

Ziemlich schwierig...

... über diese glatte Mauer zu kommen. Wiener Hochschulwerbung.

Hier setzt jemand Maßstäbe!

Harald Schmidt packt aus: »Ich hatte 3000 Frauen«
Ich hatte 3000 Frauen - Dieses Buch kommt unerwartet. Bis dato lag über Harald Schmidts Privatleben ein dichter Schleier der Diskretion. Nun die Kehrtwende - ein zu allem entschlossener Autor spricht Klartext: über »das erste Mal«, in Ungarn, am Plattensee. Über seine Vorlieben: die Lomi-Lomi-Massage auf Kreuzfahrten. Über die größte Gefahr: das Umschlagen von Sex in Freundschaft. Hochinteressant!

Aus dem Newsletter des Kiepenheuer & Witsch-Verlags

Im XVI.

"Liebe deutsche Österreicher!"

Hektoliterweise kühles Bier, dazu eine fleischlose Jause mit Heringschmaus und jede Menge Sprüche, von denen mancher tief unter der Gürtellinie landet: Seit 18 Jahren sind die Ingredienzien des politischen Aschermittwochs in Ried im Innkreis weitgehend unverändert. So auch am Mittwoch, als rund 2000 zahlende Gäste der Einladung der FPÖ in die Jahnturnhalle folgten. 

Die erste Provokation hatte sich Parteichef Heinz-Christian Strache lange vor der Veranstaltung geleistet: Zu den Funktionären und Sympathisanten, die im selben Ambiente bereits den Partei-Obleuten Haider, Haupt und Haubner gelauscht hatten, lud Strache Filip Dewinter, Fraktionsvorsitzenden des rechtsextremen flämischen "Vlaams Belang". Dewinter begrüßte die Strache-Fans als "liebe deutsche Österreicher . . ."

Immer blau

Heinz-Christian StracheIn Fahrt: StracheBeim anschließenden Auftritt Straches sollte die wahlkämpfende Konkurrenz in Kärnten ihr Fett abbekommen: "Der Fuß zu klein, der Schuh zu groß, dann geht der Schuss nach hinten los", richtete Strache Gerhard Dörfler, dem Spitzenkandidaten des BZÖ, aus. Sowohl Dörfler als auch Kärntens SPÖ-Chef Reinhart Rohr will Strache nicht als Landeshauptmann sehen: "Der Job ist für beide eine Nummer zu groß. Die sollten es besser als Bürgermeister im Minimundus probieren."

Die Bundesregierung kritisierte Strache unter anderem ob ihrer Maßnahmen in staatsnahen Betrieben ("Dank Faymann und Co grüßt man sich bei AUA und ÖBB nicht mit ,Grüß’ Gott‘ sondern mit goldenem Handshake"). Auch Wiens Bürgermeister erfuhr "Würdigung": "Ich versteh’ nicht, was Häupl gegen die FPÖ hat – der ist ja selbst 365 Tage im Jahr blau."
Eva Glawischnig bezeichnete Strache als Mitglied der "Gucci-Handtaschenfraktion" bei den Grünen.

Gewettert wurde beim FP-Aschermittwoch gegen den Islam. Dewinter: "Unser Europa ist ein zivilisiertes Land der Schlösser und Kathedralen, nicht der Moscheen und Minarette." Die FPÖ will die EU-Wahl zu einer brutalen Abrechnung machen. (...)

kurier.at

Kleingruppenarbeit

Ein Ausnahmemensch



Bis ins Teenageralter bettete Kit sein Haupt nicht wie andere Menschen auf einem weichen Kissen, sondern auf geschmolzenen Eiswürfeln. Ihre Freunde, sagt Frau Armstrong, hätten die Sache immer damit erklärt, dass das Gehirn des Jungen ein kleines Atomkraftwerk sei, das ständig gekühlt werden müsse.


Aus einem Artikel von Claus Spahn über den heute 16-jährigen Pianisten Kit Armstrong in der ZEIT vom 26.02.2009


Am Westbahnhof

Was meine erste Ankunft im Wiener Dschungel anbelangt, die Ankunft eines ziemlich verschreckten Schülers des Stiftsgymnasiums der Benediktiner im oberösterreichischen Lambach, überwältigte mich schon der Anblick des Bahnhofs, an dem ich ausstieg: Westbahnhof. Wie ungeheuer musste eine Stadt sein, die nicht bloß über einen, sondern über mehrere Bahnhöfe erreichbar war, in deren Hallen alle Züge endeten und nicht bloß Station machten... und wie ungeheuer eine Stadt, die solche Kopfbahnhöfe dann auch noch nach den Himmelsrichtungen benannte. Für ein Bauwerk Maßstäbe des Himmels zu verwenden, musste das Privileg einer Weltstadt sein.
Christoph Ransmayr: Meine Waldwege durch Wien, Die Presse 21.02.2009, Spectrum, S. 1.

Donnerstag, 26. Februar 2009

Klare Gedanken und Worte zu einem heiklen Thema

Gastkommentar von Harald Fiegl
Islam – weich gespült

Groß war die Überraschung, als jüngst eine Studie zeigte, dass 73 Prozent der Islam-Lehrer weder theologische noch pädagogische Ausbildung haben, 44 Prozent als vorrangiges Ziel "Überlegenheitsgefühle" vermitteln, 20 Prozent die Demokratie ablehnen und 18 Prozent "Verständnis dafür" empfinden, dass Abtrünnige mit dem Tod bestraft werden. Vermutlich sind die realen Werte noch viel bedenklicher: Von 330 befragten Lehrern haben 120 den Fragebogen nicht einmal retourniert.

Nicht-Muslimen wird der Islam als "Religion des Friedens" und Bereicherung dargestellt. Aus Gründen der "Political Correctness" wurde diese Behauptung nie infrage gestellt. Von Muslimen wird bestenfalls verbal die Eingliederung ins "europäische" Lebensmodell eingefordert. Auch wurde bis heute nicht überprüft, ob der Islam den Staatsgesetzen entspricht, wie es das Islamgesetz von 1912 verlangt.

Das offizielle Österreich weiß nicht, was islamischer Glaubensinhalt ist. Nicht nur das: Im Einklang mit dem 1983 genehmigten Lehrplan für den islamischen Religionsunterricht wird an Pflichtschulen die "Islamische Staatsordnung" – also auch die Scharia – gelehrt.

In unzähligen Dialogveranstaltungen – gesponsert aus österreichischen Quellen – werden Gemeinsamkeiten gesucht, ohne Österreichs Gesetze als oberste Richtschnur des Zusammenlebens einzufordern. Meist wird nur die katholische Kirche dem Islam gegenübergestellt. Die säkulare Gesellschaft kommt nicht vor, obzwar deren Gesetze die Richtschnur für das Zusammenleben bilden.

So erhielt der Verein "Initiative Muslimischer ÖsterreicherInnen" den Demokratiepreis 2008 für Beiträge zur "Integration durch Partizipation". Es fiel gar nicht auf, dass dieses Motto das Nebeneinander (wenn nicht Gegeneinander) und nicht das Miteinander etabliert! ORF-Beiträge folgen vorwiegend diesem Schema, ebenso die Mentoring-Programme von Integrationsfonds und WKO. Diese sollten Migranten auf den heimischen Arbeitsmarkt einstimmen und das österreichische Lebensmodell einfordern.

Das Weichspülen hat auch eine internationale Entsprechung. Am Tag der Menschenrechte (10. Dezember) wird uns die UN-Menschenrechtsdeklaration 1948 ins Gedächtnis gerufen. Für Muslime gilt aber die Kairoer Islamische Menschenrechtsdeklaration von 1990, das heißt die Scharia. Nach "westlichen" Vorstellungen von Menschenrechten ist der Einzelne frei, seine religiöse Anschauung zu wählen und zu leben. Nach islamischem Verständnis ist Religionsfreiheit die uneingeschränkte Entwicklungsmöglichkeit des Islam als Kollektiv in jeglichem Umfeld.

Selbst die EU-Agentur für Grundrechte setzt ihren Schwerpunkt auf die Verfolgung von Islamophobie. Christophobie oder Angriffe auf das westliche Lebensmodell – also auf "Ungläubige" – kommen nicht vor.

Wo bleibt die Aufsichtspflicht des Staates? Wann wird endlich die schriftliche Offenlegung des islamischen Glaubensinhalts in einer Art "Konkordat" eingefordert?

Dr. Harald Fiegl war Handelsdelegierter in der Türkei.

Wiener Zeitung Printausgabe vom Mittwoch, 25. Februar 2009

Stadtbahnbogen in Ottakring

Manche Tage...

Vormittags Schule, nachmittags Konfirmandenunterricht: Alle Jugendlichen, die ich heute traf, wirkten übermüdet und depressiv. Gestern war Neumond, lag es daran? Oder dauert der Winter einfach zu lange?

Im Fensterspiegel

Wer kann das wirklich?

Der liebt nicht die Wahrheit, der sie anderen sagt. Nur der liebt die Wahrheit, der sie gegen sich verträgt.

Hermann Oeser (1849-1912), deutscher Pädagoge

Durchgang

Mittwoch, 25. Februar 2009

Kein neuer Feiertag - nur eine Umbenennung...

Rund 25 Millionen Menschen in Deutschland sind katholisch, etwa genauso viele evangelisch - der überwiegende Rest der etwa 82 Millionen Einwohner aber ist konfessionslos. Viele gesetzliche Feiertage haben jedoch einen christlichen Hintergrund. Das sei unfair, sagt der Vorsitzende der Giordano Bruno Stiftung, Michael Schmidt-Salomon.

Er möchte, dass ein Teil der gesetzlichen Feiertage auf dieses konfessionslose Drittel zugeschnitten wird. Zu diesem Zweck fordert die Stiftung den Bundesrat und die Bundesländer zur Einrichtung eines Evolutionsfeiertags auf. Die "Petition zur Umbenennung von Christi Himmelfahrt in Evolutionstag" der Giordano Bruno Stiftung kann man online unterzeichnen. Die Deutsche Bischofskonferenz hat auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE zu der Forderung bisher keine Stellungnahme abgegeben.

Am Evolutionstag sollte gefeiert werden, dass wir endlich den kindlichen Narzissmus überwunden haben, der uns dazu verleitete, unsere Art als 'Krone der Schöpfung' zu betrachten", sagte Schmidt-Salomon. Werbewirksam haben die Stiftungsvertreter zugleich ein Youtube-Video produziert, das ihr Anliegen befördern soll: "Children Of The Evolution" zeigt einen rockenden Charles Darwin mit Gitarre, der die Menschheit als Geschöpfe der Evolution besingt.



Die Giordano Bruno Stiftung wurde im Jahr 2004 gegründet. Laut Informationen auf ihrer Web-Seite ist ihr Ziel, "die Grundzüge eines naturalistischen Weltbildes sowie einer säkularen, evolutionär-humanistischen Ethik zu entwickeln und einer interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen".

Da die Stiftungsvertreter nicht davon ausgehen, dass die Länder einen eigenen Evolutionsfeiertag einrichten werden, fordern sie die Umbenennung eines bestehenden christlichen Feiertags: Christi Himmelfahrt. Dieser Tag biete sich dafür an, so Schmidt-Salomon, weil die Mehrheit der in Deutschland lebenden Christen nicht mehr "an das Glaubensdogma der leiblichen Auffahrt Jesu in den Himmel" glaube.

Christi Himmelfahrt wird 39 Tage nach dem Ostersonntag gefeiert. Christen feiern an diesem Tag die Rückkehr des von den Toten wiederauferstandenen Christus zu Gott.

Die Festlegung der Feiertage ist Angelegenheit der Bundesländer. Die Anzahl der Feiertage unterscheidet sich von Land zu Land - was immer wieder Kritik hervorruft. So hat Bayern mehr Feiertage als die norddeutschen Länder. Christi Himmelfahrt jedoch ist einer von acht christlichen Feiertagen, die in allen Ländern
gelten.

Der einzige vom Bund beschlossene Feiertag ist der Tag der Deutschen Einheit, der am 3. Oktober gefeiert wird. Außer ihm gibt es nur noch zwei weitere Feiertage ohne christlichen Hintergrund: Neujahr und den Tag der Arbeit am 1. Mai.

Es gab von Politikern in der Vergangenheit Vorstöße, Feiertage abzuschaffen oder neue einzuführen. So sorgten Pläne der rot-grünen Bundesregierung im Jahr 2004 für Entrüstung, den Tag der Deutschen Einheit aus volkswirtschaftlichen Gründen abzuschaffen. Letztlich scheiterte dieser Vorstoß genauso wie die Forderung des Grünen-Politikers Christian Ströbele, einen muslimischen Feiertag in Deutschland einzuführen.

Die Forderung, dem konfessionslosen Drittel der Bevölkerung mit eigenen Feiertagen Rechnung zu tragen, ist nicht neu. So wollte der "Internationale Bund der Konfessionslosen und Atheisten e.V." schon im Jahr 2003, dass jeder Bürger ein individuelles Kontingent an Feiertagen erhält, das er gegenüber seinem Arbeitgeber geltend machen kann.


spiegel.de

Straßenbahn nächtens

Rheinischer Karneval

Der Rosenmontagszug in Düsseldorf hat den Streit um den Papst und den Holocaust-Leugner Richard Williamson zum Thema gemacht. Papst Benedikt XVI. zog als jecke Figur im närrischen Lindwurm von Düsseldorf durch die Stadt. Auf einem der politischen Motivwagen schüttelte das Oberhaupt der Katholiken dem Holocaust-Leugner Williamson die Hand, der statt im Bischofsornat als Teufelserscheinung dargestellt wurde. Auf einem der riesigen Flügel von Williamson prangte in großen Lettern "Anti-Semitismus", auf dem anderen "Pius-Bruderschaft".

Auf einem anderen Motivwagen, deren Themen bis zum Rosenmontag streng geheim gehalten wurden, zerschlägt NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) in der Gestalt eines kahlköpfigen Skinhead mit einem Baseball-Schläger die Obdachlosenhilfe des Landes. Hintergrund dieses Wagens ist die beabsichtigte Streichung von insgesamt rund 1,2 Millionen Euro aus dem Landeshaushalt für die verschiedenen Initiativen der Obdachlosenhilfen an Rhein und Ruhr. Beide Wagen erhielten während des Umzugs häufigen lautstarken Applaus der Närrinnen und Narren am Zugweg.

Auch die geplante Großmoschee im benachbarten Köln sparten die Jecken in der NRW-Landeshauptstadt nicht aus. Auf einem Motivwagen überrollt der Verein Ditib als Betreiber der Großmoschee mit einem gewaltigen Traktor einen Demonstranten der rechtspopulistischen Organisation "Pro-Köln", die gegen den Bau des islamischen Gotteshauses zu Felde zieht.

Im Kölner Rosenmontagszug hatten die Narren auf ihrem politischsten Wagen das berüchtigte Terroristengefängnis Guantanamo auf Kuba dargestellt. Ausgemergelte, gefesselte Gefangene blickten durch die Gitterstäbe auf die amerikanischen Soldaten, die sich Zigarre rauchend und unter Palmen in der Hängematte das Leben auf der Karibikinsel versüßen, während die Grundcharta der Menschenrechte angekettet in der Ecke liegt. Unterstützung bei der Realisierung des Themas erhielt das Festkomitee von der Gefangenenhilfsorganisation Amnesty International.

epd West

Unsere neue Mitbewohnerin

Die Rehpinscherdame "Gundel"

Unglaubenstest für Katholiken

In der Zeit des kirchlichen Chaos, muß sich jeder moderne Katholik fragen, welcher Unglaubensrichtung er angehört.

Die Palette an katholischen Glaubens- wahnvorstellungen reicht von neokonservativ bis altliberal, von orthodox bis arianisch.

In dieser verworrenen Situation ist es nicht leicht zu wissen, was man überhaupt noch glaubt.

Doch mit dem folgenden Test kann jeder seinen Glaubensstandpunkt überprüfen.

Lesen Sie die folgenden Glaubenssätze durch. Prüfen Sie spontan, ob Sie zustimmen können oder nicht.

• Jede Einwirkung von Gott auf die Menschen und auf die Welt ist zu leugnen.

• Die Macht der menschlichen Vernunft setzt alle anderen Mächte, sofern sie wirken, außer Kraft. Die Vernunft ist die einzige Richterin über Wahrheit und Falsches, über Gut und Böse.

• Durch diese Macht steht es jedem Menschen frei, jegliche Religion anzunehmen, die er für wahr hält, um so das Heil zu erlangen.

• Durch jede Religion kann der Mensch ewiges Heiles finden und die ewige Seligkeit erlangen.

• Zwischen dem Protestantismus und Katholizismus besteht kein Unterschied, weil sie beide christliche Wahrheiten sind und Gott gefallen.

• Die katholische Religion darf nicht als einzige Staatsreligion gelten. Das beweist unsere moderne Zeit.

• Der Papst muß sich mit dem großartigen gegenwärtigen Fortschritt, mit dem wunderbaren Liberalismus und der beeindruckenden modernen Zivilisation versöhnen und vereinigen.

Für jeden bejahten Satz geben Sie sich nun einen Punkt.

Hier die Auswertung:

7-4 Punkte: Herzlichen Glückwunsch! Sie sind Anhänger der 1967 gegründeten Konzilsgemeinschaft. Sie haben fortschrittlichen Geist bewiesen und können getrost dem Ende der Welt entgegen sehen.

3-1 Punkte: Sie sind ein Zweifler. Sie wissen noch nicht genau, ob Sie lieber der großen Gemeinschaft angehören wollen oder dem kleinen Kreis.

Tendieren Sie zum modernen und aufgeklärten Geist, sollten sie die Theorien von Pater Karl Rahner oder Hw. Hans Küng studieren.

Entscheiden Sie sich für die kleine Gruppe, sollten Sie einschlägige vorkonziliare Literatur lesen.

0 Punkte: Deo gratias. Unser Heiliger Vater heißt Sie in der römisch-katholisch Kirche willkommen.

Dienstag, 24. Februar 2009

Genug!




Jetzt war er doch noch einmal auch in Wien zu Gast, der Winter, aber er dürfte nun auch wieder seiner Wege ziehen!

Nicht wirklich eine Neuigkeit

Der Grünen-Vorsitzende Özdemir sieht in antisemitischen Tendenzen bei Muslimen in Deutschland ein Problem. Die Vertreter der muslimischen Verbände müssten klare Kante zeigen, sagte Özdemir der "Frankfurter Rundschau". Wer sich gegen Juden und das Existenzrecht Israels stelle, der könne nicht Bündnis- oder Gesprächspartner sein. Man müsse leider zur Kenntnis nehmen, dass es antisemitische Denkweisen nicht nur am rechten Rand oder bei linken sogenannten Anti-Imperialisten gebe, sondern auch in der muslimischen Gemeinschaft. Dies gelte insbesondere bei männlichen arabischen, türkischen und kurdischen Jugendlichen, erklärte der Grünen-Politiker.

DLF-Nachrichten 23.02.2009, 6 Uhr

Und Vögel können fliegen, und Regenwürmer kriechen. 
Was für eine Neuigkeit! 
Der Nachrichtenwert besteht nur darin, dass ein aus der Türkei stammender prominenter deutscher Politiker es öffentlich ausspricht, was jeder weiß, was auf hunderten von Internetseiten nachzulesen ist. 
Das Witzigste am Text dieser Radiomeldung ist noch der Ausdruck "klare Kante zeigen" - vermutlich sollte "Flagge zeigen" vermieden werden.

Kunst an der Hauswand

Graffito im 5. Bezirk

Montag, 23. Februar 2009

Wie mit den bösen Geistern umgehen?

Es mag Zufall sein - oder es ist zu erklären mit der römisch-katholisch geprägten Umwelt: Binnen zwei Tagen zwei Anfragen zu rituellem Handeln in Wohnungen, um böse Geister der Vergangenheit zu vertreiben oder zur Ruhe zu bringen und einen Neuanfang zu markieren.

Nun segnen evangelische Pfarrer in Fulda z.B. mit ihren katholischen Amtsbrüdern auch neue Schuhgeschäfte u. dgl. Das ist schon schwierig genug, denn nach evangelischem Verständnis segnen wir ja Menschen und nicht Dinge oder Räume. (Andererseits gibt es Gottesdienste mit eigenen Formularen zur Einweihung von Kirchen, Glocken oder Friedhöfen.) Aber Geister vertreiben ist ja eigentlich gar nicht protestantisch - höchstens durch die Macht des Wortes Gottes, nicht durch Räucherungen oder ähnliches.

Es ist eine spannende Frage: Wie steht es bei uns eigentlich mit dem Exorzismus? Oder überlassen wir den Kampf mit dem Teufel und den bösen Geistern lieber den ökumenischen Brüdern?

In früherer Zeit hatte ich schon mit Gemeindegliedern zu tun, die mich um eine Art Teufelsaustreibung baten, weil sie sich für besessen hielten. Da habe ich mir mit Gebeten beholfen. Und wie geht das nun bei Wohnungen? Vielleicht hilft ja schon das Umstellen von Möbeln.

Seitenblick

Deutschland von Platz 2 verdrängt

8,6 Millionen Hektoliter Bier haben die Österreicher im Vorjahr vertilgt, Alkoholfreies und Malzbier nicht eingerechnet. Das sind 109,3 Liter pro Kopf, um zwei Prozent mehr als im Vorjahr. Damit belegt Österreich im internationalen Bier-Ranking erstmals den zweiten Platz. Der ehemalige Vize-Meister Deutschland schaffte 2008 „nur“ 108 Liter pro Kopf. Weltmeister Tschechien triumphierte mit einem Pro-Kopf-Konsum von geschätzten 160 Litern.

Die Presse

 

Aha, mein Eindruck trügt also nicht, dass in Österreich mindestens ebenso viel getrunken wird wie in Deutschland. Wenigstens in der zweifelhaften Disziplin des Bierkonsums haben die Österreicher also ihre "Lieblingsnachbarn" überrundet.

Im Internet kann man auch eine recht große Anzahl österreichischer Biersorten online bestellen: "Lassen Sie Ihre Erinnerungen an Ihrem letzten Österreich Urlaub neu aufleben, oder entdecken Sie einen neuen Biergenuss aus dem Herzen Europas."

Obama vor Jesus - und Gott auf Platz 11

"Wen bewundern Sie genug, um ihn einen Helden zu nennen?", hatten die Macher des "Harris Interacitve Poll" im Januar dieses Jahres 2.634 Amerikaner gefragt. Jesus, Gott, Mahatma Ghandi und George Washington – Präsident Obama hat sie alle übertroffen. Er führt die Liste laut dem amerikanischen Fernsehsender "Fox" vor Jesus an, Martin Luther King belegte Rang zehn, Gott Position elf. Die Ex-Präsidenten Bill Clinton und George Washington teilten sich Platz 16, gemeinsam mit dem ehemaligen Außenminister der USA, Colin Powell. 

Die Gewählten seien selbstlos, gäben nicht auf, bis sie ihr Ziel erreicht hätten und täten mehr, als von ihnen erwartet würde, erklärten die meisten Befragten. Häufig wurde die Wahl auch damit begründet, dass die "Helden" kämpften gegen Not und blieben auch in Krisen standhaft. 

Der "Harris Poll" wurde erstmals 2001 erhoben. Damals führte Jesus Christus die Liste an, gefolgt von Martin Luther King, Colin Powell, John F. Kennedy und Mutter Theresa. 


pro-magazin

Was für eine Idee, in einer solchen Umfrage überhaupt Gott zur Auswahl anzubieten! Darauf käme in Europa wohl niemand.

Ausländerfeindlichkeit?

... aufgenommen in Ottakring

Sonntag, 22. Februar 2009

Anti-Gott-Kommandos

Mit „Anti-Gott-Kommandos“ machen Gottesleugner an britischen Universitäten mobil. Als Gegenpol zur christlichen Studentenmission ist jetzt die Nationale Föderation der Atheistischen, Humanistischen und Säkularen Studentenvereinigungen ins Leben gerufen worden.

Sprecherin ist die 22-jährige Oxford-Absolventin Chloe Clifford-Frith. Sie sagte der linksliberalen Zeitung The Guardian (London): „Wir leben in einer Welt, in der religiöse Staaten Ehebrecher und Homosexuelle hinrichten, in der Frauen und Minderheiten Grundfreiheiten vorenthalten sowie falsche Behauptungen über Schwangerschaftsverhütung und wissenschaftliche Forschung verbreitet werden.“ Die atheistischen Studenten wollen nicht nur für ihre Weltanschauung werben, sondern auch religiöse „Privilegien“ bekämpfen, etwa eine staatliche Bezuschussung religiöser Schulen oder Sitze für Bischöfe im britischen Oberhaus. Prominentester Unterstützer der Atheistenmission ist der Oxforder Evolutionsbiologe und Bestsellerautor Prof. Richard Dawkins („Der Gotteswahn“). Er steht auch hinter einer Kampagne der Britischen Humanistischen Vereinigung, die seit Jahresbeginn rund 800 Busse und Bahnen durch Großbritannien rollen lässt mit der Aufschrift: „Wahrscheinlich gibt es keinen Gott. Keine Sorge - genießen Sie das Leben.“ Als Gegengewicht haben mehrere christliche Organisationen Buswerbung für den Glauben gestartet.

idea

In Großbritannien tobt inzwischen anscheinend ein regelrechter neuer Kulturkampf.

Im Musikverein

Fränkisch-frommer Größenwahn

Die weltweit größte Jesus-Statue soll im mittelfränkischen Wassertrüdingen entstehen. Das planen der niederbayerische Künstler „Angerer der Ältere“ und eine Investorengruppe um den Hamburger Unternehmer Harry Vossberg, heißt es auf der Internetseite der Stadt Wassertrüdingen.

Sie hätten das Projekt dem Stadtrat am 16. Februar vorgestellt. Das Gremium habe nahezu einstimmig grünes Licht für die Bauleitplanung gegeben. Die Jesus-Statue, die 55 Meter hoch und begehbar sein soll, soll auf der Anhöhe „Eisler“ am Ortsrand von Wassertrüdingen gebaut werden. Geplant sind außerdem Räume für Gottesdienste, ein Pilgerhotel mit 185 Zimmern, ein Restaurant und ein Großparkplatz. 2007 hatte Vossberg vor, die weltweit größte Christus-Statue auf dem 1.613 Meter hohen Berg Predigtstuhl bei Bad Reichenhall zu errichten. Diese Pläne hatte der Stadtrat des oberbayerischen Kurorts im September letzten Jahres abgelehnt. Als Vorbild für die geplante Jesus-Figur dient die Christus-Statue von Rio de Janeiro (Brasilien). Die bayerische Variante soll das berühmte Vorbild allerdings um 17 Meter überragen. Vossberg rechnet mit Investitionen von 20 Millionen Euro.


idea.de

So schlimm empfindet man in Deutschland die Wirtschaftskrise offenbar noch nicht. Oder vielleicht doch? Und plant darum solche Projekte?

Im Gegenlicht

Egoiste

Ich war so müd als ich des Nachts im Fernsehn lag
im Werbeblock war eine grüne Wiese lang zu sehen
mit bösen Blumen die die schwarzen Fliegen fingen
(am Waldrand zappelte ein Power-Ranger)
Der Himmel war aus Eisenlack
Im anderen Channel lief ein alter Mann
durch eine Reklame von Chanel
In meinem Hirn war alles völlig farbig
Ich war so müd als ich des Nachts im Fernsehn lag
im Herzen war mein Panic-room
Laßt mich doch sein ein großer Werbespot
damit ich mich erkennen kann


Florian Voß

Ein Ich am Rand der Selbstauflösung: Das Fernsehen, der große Tranquilizer mit sedierender Wirkung, wird zum künstlichen Paradies für ein passives Subjekt, das immer mehr seine Konturen verliert. In diese prächtig bunten TV-Bilder kann das Ich selig eintauchen, ohne mit der Welt in Berührung zu geraten. Im Blick auf die lyrische Evokation moderner Rauscherfahrungen durch den Jahrhundertdichter und Großstadtdandy Charles Baudelaire (1821-1867) verweist uns der Berliner Dichter Florian Voß (geb. 1970) auf das süßeste Gift der Gegenwart - den TV-Bildschirm.

Aus dem dlf-Lyrikkalender (18.02.2009)

Denn wer sein Leben erhalten will, der wird's verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen und um des Evangeliums willen, der wird's erhalten. Mk. 8, 35

Gemeindeball

Schon eine Woche her: Unser Gemeindeball war ein großer Erfolg. Und (nebenbei gesagt) eine planerische und logistische Meisterleistung. 

Heute nur noch ein Symptom

Pseudologie (v. griech.ψεῦδος pseudos „falsch“; λόγος logos „Rede“) ist das krankhafte Verlangen eines Menschen, zu lügen. Motivation ist meist Geltungssucht oder Hysterie.

Pseudologia phantastica bezeichnet in der Psychiatrie seit Anton Delbrück (1891) den Drang zum krankhaften Lügen und Übertreiben. Häufiger wird heute der Begriff „pathologisches Lügen“ verwendet. Eine besondere Form der Pseudologia phantastica stellt das Münchhausen-Syndrom dar, bei dem der Patient körperliche Beschwerden erfindet und durch Lügen untermauert, um Aufmerksamkeit in Krankenhäusern zu bekommen. In der modernen psychiatrischen Klassifikation ist die alte Bezeichnung als Symptom in der narzisstischen Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F60.8) aufgegangen.

Ais Wikipedia

So ändern sich die Zeiten: Was früher einmal ein eigenständiges Krankheitsbild war, ist heute nur noch ein Symptom.   

Winterbaum

Wie küsst man richtig in Belgien?

Ich küsse gern. Und in Belgien gibt es auch reichlich Gelegenheit dazu. Zur Begrüßung: Küsschen. Zum Abschied: Küsschen. Männer küssen Frauen. Frauen küssen Frauen. Männer küssen auch Männer. Wange an Wange, Bartstoppel an Bartstoppel. Eigentlich also ein reges Betätigungsfeld für mich.

Nur: Wen wann, wie oft - das ist und bleibt rätselhaft. Kein Witz: Für Frankreich gibt es eine Internet-Seite, die Hilfestellung leistet. Da lerne ich, dass in manchen Regionen Frankreichs bis zu fünf Mal geküsst wird.

In Belgien hätte man diesen Wegweiser auch dringend nötig. Denn oft sieht man, dass flächendeckend, aber nur "einmal" geküsst wird. Also mache ich es nach. Und erlebe doch so oft, wie mir dann doch noch die zweite Wange erwartungsvoll hingehalten wird.

Wer zu spät kommt, küsst ins Leere

Also beim nächsten Mal zweimal. Aber gerade will ich zum zweiten Busserl ansetzen, hat sich mein Gegenüber bereits abgewendet. Ich lande mit meinen geschürzten Lippen nicht auf dem Zielobjekt Wange, sondern irgendwo gegenüber zwischen Ohrläppchen und Halsansatz.

"Einmal" geht eben einfach schneller

Ich habe meine belgischen Freunde angerufen oder ihnen eine Mail geschickt: Wie macht Ihr’s? Und siehe da, es gibt Regeln. Aber jeder hat seine eigenen. Mein Freund Pierre, ein Meister des knappen, aber klaren Wortes, sagt: Auf alle Fälle nur "une bise" - also einmal. Alles andere sei Quatsch, den die Franzosen eingeführt hätten. Einmal, beschwören auch Benedicte und Xavier. Und eine andere Bekannte bestätigt das: Weil die belgischen Familien so groß seien, gehe "einmal" eben schneller.

Paquita aus Lüttich aber gibt zu bedenken: "Dreimal" sei dann angesagt, wenn man einen lieben Menschen ewig lange nicht gesehen habe. Wobei: Die Holländer - und davon gibt’s hier auch viele - greifen zupackend und grundsätzlich zu "dreimal". Oft mit buchstäblich ohrenbetäubender Wirkung.

Unter Männern nie mehr als einen!

Zweimal gehe auch, meint Karin aus Brüssel, nämlich dann, wenn man jemanden höflich, aber nicht zu freundschaftlich begrüßen wolle. Paquita aus Lüttich schreibt dagegen: Alles, bloß nicht zwei! Tomas aus Leuven meint, dreimal sei möglich, aber unter Männern bitte nie mehr als einen. Und in Flandern sowieso nicht. (...)

Christopher Plass, hr-Korrespondent in Brüssel, auf tagesschau.de

Belgien ist ein Land voller Wunder. Lebte ich nicht mittlerweile in Österreich, wollte ich gerne in Belgien leben, dem Land meiner Jugendträume, der Heimat von Pieter Breughel und Felix Timmermans.

Das Türmchen...

... auf dem Lutherhof

Lüge und Wahrheit

Die Lüge ist ein sehr trauriger Ersatz für die Wahrheit, aber sie ist der einzige, den man bis heute entdeckt hat.

Elbert Hubbard

Samstag, 21. Februar 2009

Winterruhe

Wider den Sargzwang: Eine Guerillageschichte

Franz R. war sein Leben lang Kapitän des Containerschiffs Augusta. Der Rhein war sein Zuhause. Als echte Wasserratte war es für ihn unvorstellbar, irgendwann an Land begraben zu werden. Franz R. verfügte in seinem Testament: “Übergebt meine Asche Vater Rhein“. Auch über die Trauerfeier hatte sich der Kapitän der Augusta Gedanken gemacht, ihm schwebte eine Abschiedszeremonie vor, die etwas mit seinem Leben und der Art wie er es geführt hatte, zutun haben sollte: „....weiße Nelken im Fahrwasser, ein letzter Gruß aus dem Signalhorn, eine schlichte Ansprache des Pfarrers.....“

Als Franz R. starb, hätte seine Familie ihm seinen letzten Willen gerne erfüllt. Seine Witwe beauftragte einen Bestatter die Trauerfeier im Sinne des Testaments auszurichten. Der Beerdigungsunternehmer wurde bleich und schüttelte entsetzt den Kopf: „Das geht nicht! Der Mann muss in einem ordentlichen Sarg oder zumindest in einer Urne beigesetzt werden“, stammelte B., „und Asche verstreuen geht auch nicht, das ist ein glatter Verstoß gegen alle Regeln unserer Bestattungskultur“.

Dieses Jahr werden in Deutschland voraussichtlich rund 900.000 Menschen sterben. Sicher haben einige von ihnen ganz ähnliche Wünsche für ihre Trauerfeier. Und ganz sicher wird für deren Angehörige der Weg zur ewigen Ruhe ihrer Lieben genauso steinig wie für die Hinterbliebenen von Franz R., denn sie werden über Vorschriften und Dogmen stolpern, die dem letzten Willen im Wege stehen: In Deutschland herrscht Sargzwang! „Und das ist auch gut so“, sagen die Bestatter und schauen griesgrämig drein, denn es weht ein laues Lüftchen der Veränderung durch das Bestattungswesen und wirbelt erstaunlich viel Staub auf.

Dem Landtag von NRW liegt ein Entwurf für ein neues Bestattungsgesetz zur Beratung vor. Dieser Entwurf beinhaltet keinen Sargzwang mehr. Das neue Gesetz würde den Behörden zudem erlauben, eine Genehmigung für das Verstreuen von Asche innerhalb und außerhalb des Friedhofs zu erteilen. Sollte aus dem Entwurf tatsächlich ein Gesetz werden, wird sich einiges ändern. Vor allem werden dann ein paar Särge weniger verkauft. Dagegen laufen einige Bestatter Sturm. Sie rufen dazu auf: „Überzeugen Sie Ihren Landtagsabgeordneten vom Sargzwang. (...)“

Das heißt im Klartext: Überzeugen Sie Ihren Landtagsabgeordneten, Hinterbliebene zum Kauf eines Sarges zu zwingen!

Die Vertreter des Bestattungsgewerbes mahnen, die Würde der Toten zu wahren und ihnen Wertschätzung auszudrücken. Doch wer wertschätzt eigentlich die Hinterbliebenen, die den Wunsch haben, den letzten Willen ihrer Toten zu erfüllen. Den Trauernden wird mit dem Sargzwang vor allem ein Zahlzwang auferlegt. Das Ende des Sargzwangs bedeutet ja kein Sargverbot. Menschen, die sich eine andere Bestattungsweise wünschen, sollten die Möglichkeit zu einer Entscheidung haben, die sich nach ihren Bedürfnissen und Vorstellungen richtet und nicht nach denen der Bestatter und Politiker.

Das Land Nordrhein-Westfahlen geht in eine gute Richtung.

Die Achtung des letzten Willens ihres Mannes war für die Witwe von Franz R. übrigens wichtiger als die Beachtung eines reformbedürftigen Gesetzes. Seine Asche wurde in aller Stille von Bord der Augusta in den Rhein gestreut.


Und es hat doch einen Sinn gehabt...

Warum gehen Menschen ins Konzert? Unter anderem um sich staunend, wenigstens für zwei Stunden, zu vergewissern, dass es sich doch gelohnt hat, dass unsere Vorfahren ihre Höhlen verließen.

Die anderen können es auch


Nach Wochen der Empörung über die Katholische Kirche wegen des Bischofs und Holocaust-Leugners Richard Williamson empört sich nun die katholische Kirche - über Jesus-Witze im israelischen Fernsehen.

Die Bischofskonferenz in Israel verurteilte am Freitag die "widerlichen Angriffe auf Jesus Christus und die Jungfrau Maria", die der Sender Kanal 10 Anfang der Woche in einer Comedy-Sendung ausgestrahlt hatte.

Der Humorist Jair Schlein hatte in seiner Nachtsendung am Dienstag mit Bezug auf Bischof Williamson gesagt: "Wenn die den Holocaust leugnen, dann verleugnen wir eben das Christentum."

In kurzen Video-Sequenzen wurde dann unter anderem ausgeführt, dass Jesus im Alter von 40 Jahren an Übergewicht gestorben sei. Auch die Jungfrau Maria wurde aus Sicht der Kirche geschmäht: In Schleins Quatsch-Clip hieß es, Jesu Mutter sei im Alter von 15 Jahren von einem Klassenkamerad geschwängert worden.

Lutherhof

Freitag, 20. Februar 2009

Der da oben wird es gut finden

(...)

"Schwul und katholisch zu sein, das habe ich nie als Konflikt empfunden", sagt Mönter. "Doch die kirchliche Ablehnung von Homosexualität hat mich ins Zweifeln gebracht und war ein Grund für den Austritt aus der katholischen Kirche: Die wollen mich ja eh nicht, habe ich gedacht."

Doch immer wieder arbeitete Mönter an kirchlichen Themen: "Da habe ich gelernt, dass Kirche und Glauben mir was geben müssen." Der damalige Aids-Pastor Rainer Jarchow ermutigte Mönter, wieder in die Kirche einzutreten - seither ist Mönter evangelisch.

Was daran anders sei als am Katholischsein? "Nix!" sagt er fröhlich. "Die Dinge, die man als Tradition mitbekommen hat, kann man doch mit rüberretten. Der da oben wird es gut finden, und der Papst kriegt es nicht mit."

(...)

Aus einem Artikel im Hamburger Abendblatt über Friedhelm Mönter. (Misha Leuschen: "Ich wollte Papst werden". Schwul und katholisch? Das passte nicht zusammen. Deswegen wurde der NDR-Moderator evangelisch.)

Katholische Kirche Weinhaus

... vom Evangelischen Zentrum in der Severin-Schreiber-Gasse aus gesehen.

100 Jahre Manifest des Futurismus

Am Morgen des 20. Februar 1909 traf die Leser des konservativen Pariser "Figaro" ein Schock. Der Hauptartikel auf der Titelseite forderte, Feuer an die Regale der öffentlichen Bibliotheken zu legen, Museen unter Wasser zu setzen und mit Spitzhacken, Äxten und Hämmern ganze Städte zu zerstören. Es handelte sich um das "Manifest des Futurismus" - Auftakt einer Kunst-Revolte, die auf die europäische Avantgarde einen großen Einfluss ausüben sollte. Unterzeichnet war das Manifest von einem Italiener: Filippo Tommaso Marinetti.

Als Sohn eines wohlhabenden Rechtsanwaltes wurde Marinetti 1876 im ägyptischen Alexandria geboren, wo er auch seine Jugend verbrachte. Seine Schulzeit beendete er in Paris, aber trotz allem Zauber, den die französische Metropole auf ihn ausübte, blieb er "unbeugsam italienisch". Italien war erst seit 1870 ein Nationalstaat. Zwischen dem industrialisierten Norden und dem agrarischen Mezzogiorno lagen Welten. Wie in Deutschland, der anderen "verspäteten Nation", wollten Marinetti und seine Mitstreiter die politische Einheit ihres Landes mit Hilfe der Kunst befördern. Aber während in Deutschland der Stolz auf die Kulturnation an die Weimarer Klassik anknüpfte, verband sich die Kulturpropaganda der italienischen Futuristen mit einer rabiaten Absage an Geschichte und Tradition des eigenen Landes.

Vatikan und Monarchie sollten verschwinden. Das Futuristische Manifest verlangte, Italien "vom Krebsgeschwür der Professoren, Archäologen, Fremdenführer und Antiquare" zu befreien. Der Vergangenheitskult wurde von Zukunftsbegeisterung weggefegt, das Aufbrüllen der Auto- und Flugzeugmotoren übertönte das "kraftlose Murmeln" der Tradition. Fabriken und Bahnhöfe, Werften und Flughäfen wurden zu Denkmälern der Neuzeit. Die Stadt, nicht das Land war der natürliche Aufenthaltsort des modernen Menschen. Und ein Rennauto war schöner als die Nike von Samothrake.

Das Manifest nahm die hysterische Begeisterung vorweg, mit der sich wenige Jahre später ein Großteil des europäischen Bürgertums in den Ersten Weltkrieg stürzte: "Wir wollen den Krieg verherrlichen - diese einzige Hygiene der Welt - den Militarismus, den Patriotismus, die Vernichtungstat der Anarchisten, die schönen Ideen, für die man stirbt, und die Verachtung des Weibes." Das "Wir" war dabei eine Fiktion: Marinetti alleine schleuderte sein Manifest "voll mitreißender und zündender Heftigkeit" in die Welt.

Die Avantgarde der europäischen Künstler ließ sich davon anstecken. Der "Manager des Futurismus", wie Marinetti von Marcel Duchamp genannt wurde, startete eine der erfolgreichsten PR-Aktionen in der Geschichte der modernen Kunst.

Die dazu notwendigen materiellen Mittel lieferte das väterliche Erbe. Marinetti inszenierte zunächst in den norditalienischen Städten futuristische Abende. Sie begannen stets mit einer Publikumsbeschimpfung und einer Verspottung der lokalen Honoratioren, bevor aggressive Happenings die Zuschauer vollends in Rage brachten. Darauf hatte Marinetti gewartet: Er hielt jede Veranstaltung für misslungen, die nicht im Tumult und mit der polizeilichen Festnahme der futuristischen Künstler endete.

Dann begann der europäische Werbefeldzug. Ausgehend von der Pariser Galerie Bernheim-Jeune wurde die erste Futuristische Kunstausstellung in allen europäischen Metropolen gezeigt. Im April und Mai 1912 war sie in Herwarth Waldens Berliner Sturm-Galerie zu sehen. Als der Maler Umberto Boccioni sich über mangelnden Publikumszuspruch beschwerte, reiste Marinetti an, um die Öffentlichkeit zu mobilisieren. Im offenen Wagen rasten Marinetti und Boccioni mit Walden und seiner Frau Nell durch die Straßen von Berlin, warfen Flugblätter unter die Passanten und brüllten: "Eviva Futurista!"

Schlagartig wuchs das Publikumsinteresse. Jetzt zählte die Ausstellung an manchen Tagen mehr als tausend Besucher. Der Höhepunkt der Popularität war erreicht, als die Lustigen Blätter eine Sondernummer mit der Überschrift "Salon der Meschuggisten" herausbrachten: "Die neue Malkunst gleicht der neuen Mode - Es ist schon Wahnsinn und ihr fehlt Methode." Die futuristische Bewegung begleitete von Anfang an eine Konkurrenz der Kunstgattungen.

Wortführer der Maler war Umberto Boccioni, dessen eindrucksvolle Versuche, "Urformen der Bewegung im Raum" darzustellen, auf die Maler des Expressionismus und Kubismus einen großen Einfluss ausübten. Eifersucht auf die öffentliche Anerkennung der Maler ließ Marinetti seine Anstrengungen verstärken, eine futuristische Lyrik zu entwickeln. In seinen Gedichten ahmte er Maschinengewehrfeuer und Artillerielärm nach: Zang-Tumb-Tum-Tumb-Tuuuum. "Die Kunst des Lärms" hieß eine Demonstration, die Marinetti in London veranstaltete. Als ein englischer Futurist an die Front in Flandern kam, schrieb er nach Hause, in Erinnerung an Marinettis Auftritt sei ihm der Schützengraben ungewöhnlich ruhig erschienen.

Marinetti wollte die Sprache aus dem "Gefängnis des lateinischen Satzbaus" befreien. Parole in libertà - Worte in Freiheit hieß sein Programm, das die Abschaffung von Zeichensetzung und Syntax sowie den Verzicht auf Adjektive und Adverbien verlangte. Verben sollten nur noch im Infinitiv benutzt werden. In Deutschland wurden von diesem Programm Gottfried Benn und vor allem Johannes R. Becher beeindruckt, der ein Gedicht mit dem Titel "Die neue Syntax" schrieb. Alfred Döblin dagegen bewunderte nur die Malerei der Futuristen - die Lyrik Marinettis nannte er "Müll". Er weigerte sich, in seinen Gedichten einzig "das Meckern, Paffen, Rattern, Heulen, Näseln der irdischen Dinge" zu imitieren: "Pflegen Sie Ihren Futurismus. Ich pflege meinen Döblinismus."

Marinetti hatte den Futurismus nicht auf das Programm einer Kunstrichtung einengen wollen. Ihm ging es um die Propagierung einer alternativen Lebensform, die sich voller Enthusiasmus in eine Industriegesellschaft einpasste, die stärker von sozialistischen als von kapitalistischen Ideen geprägt wurde. In immer neuen Manifesten versuchte Marinetti, jede Facette des modernen Alltags ins Außergewöhnliche zu heben. Italien war dabei das bevorzugte Experimentierfeld. "Unermüdlicher und genialer Verfechter des italienischen Nationalgefühls" - so nannte Mussolini Marinetti. Die Beziehung des Futurismus zum Faschismus aber war kompliziert. 1914 trafen sich Mussolini und Marinetti zum ersten Mal. Beide waren für den Eintritt Italiens in den Krieg. Marinetti meldete sich 1916 zu den "Freiwilligen Radfahrern und Automobilisten"; viele Futuristen fielen an der Front.

Als 1919 die Faschistische Partei Italiens gegründet wurde, schloss Marinetti sich ihr an. 1920 aber trennte er sich wieder von Mussolini, als dieser mit dem italienischen Bürgertum paktierte, um an die Macht zu kommen. Für den "Duce" wiederum war der Führer der Futuristen zu einem extravaganten Clown geworden, der Politik spielen wollte.

Das Ende des Zweiten Weltkriegs erlebte Marinetti nicht mehr; er starb 1944 in Bellagio. Der Futurismus war ein entscheidender Katalysator der europäischen Kunstbewegungen des 20. Jahrhunderts. (...)


Wolf Lepenies: Die Moderne begann mit einem Knall. Größe und Wahn einer Bewegung: 100 Jahre "Manifest des Futurismus", Die Welt, 20.02.2009

Donnerstag, 19. Februar 2009

Natur und Kultur

Leben!

Von nichts kommt nichts,
aber alles Leben schreit nach Leben.

Blick aus der Ranftlgasse

Der heilende Spiegel

Der Spiegel geht vorüber; der Spiegel heilt. Er, der „in diese Welt kommt und jeden Menschen erleuchtet“ (Joh 1,9), ist der wahre Spiegel des Vaters. Christus geht vorüber als Spiegel des Vaters (Hebr 1,3) und nimmt die Blindheit von den Augen derer, die nicht sehen. Christus, der vom Himmel kommt, geht vorüber, damit alles Fleisch ihn sehe, gemäß dem prophetischen Wort Simeons, des heiligen Greises; er hatte das neugeborene Wort in seine Arme genommen, es mit Freude betrachtet und gesagt: „Nun lässt du, Herr, deinen Knecht in Frieden scheiden, denn meine Augen haben dein Heil gesehen“ (Lk 2,29-39).

Allein der Blinde konnte Christus nicht sehen, den Spiegel des Vaters. Wie erwies sich dann die Zuverlässigkeit dessen, was die Propheten angekündigt hatten: „Die Augen der Blinden werden geöffnet, auch die Ohren der Tauben sind wieder offen, der Lahme springt wie ein Hirsch, die Zunge des Stummen jauchzt auf“ (Jes 35,5-6)? Christus hat die Augen des Blinden geöffnet, der in Christus den Spiegel des Vaters gesehen hat. Wunderbare Arznei gegen die Natur! ...

Er erste Mensch war lichtvoll geschaffen worden, aber als er von der Schlange wegging, entdeckte er, dass er blind war: dieser Blinde begann wieder ein neuer Mensch zu werden, als er sich anschickte zu glauben. Denn sein Körper war zerbrechlich, und seine Natur war obendrein verdorben. Er hatte doppelten Bedarf an Licht... Der Meister, sein Schöpfer, ist vorübergegangen und hat, weil er das Elend des Blinden sah, im Spiegel das Bild des gefallenen Menschen wiedergegeben. Ein Wunder der Kraft Gottes, die heilt, was sie sieht, und ans Licht hebt, was sie untersucht.


Aus einer dem Fulgentius von Ruspe (467-532) zugeschriebenen Homilie zu Mk. 8, 22 - 26

Eckgebäude in Ottakring

Zweibeinige

Die meisten Ruinen auf der Welt haben zwei Beine.

Jean Genet

Gewebe

Mittwoch, 18. Februar 2009

Ein kluger und wichtiger Artikel von Kurt Flasch

Kein Betriebsunfall

Die Kircheneinheit und der Papst / Von Kurt Flasch

Es herrscht Erregung in der deutschsprachigen Welt, aber nicht nur dort. Besonders in Deutschland beklagen viele, dass ausgerechnet ein deutscher Papst einem notorischen Holocaustleugner den Rückweg in seine Kirche und in die Weltöffentlichkeit bahnt. Das hat die Frage aufkommen lassen, ob der Papst selbst frei ist von Antisemitismus. Doch sie ist falsch gestellt, und sie verdeckt wichtige andere Fragen. Es ist sonnenklar, dass der Papst mit dem rassistischen Antisemitismus nichts zu tun hat.

Aber das heißt nicht, es sei überhaupt nichts gewesen. Der Skandal ist da, und nicht nur bei einigen deutschen Journalisten. Einfache Christen sind irritiert, die Kirchenaustritte häufen sich; selbst bei den zahmen deutschen Bischöfen rumort es. Der Ärger ist größer als vor Jahren nach der unglücklichen Rede von Regensburg. Damals wollte der Papst, von der Vernünftigkeit seines Glaubens überzeugt, dem Islam und allen Gutwilligen ein Gesprächsangebot machen. Aber er vergaß bald sein Thema wie ein Professor, der ein seltenes Zitat loswerden will und empfahl seine Synthese einer stilisierten und steril gewordenen "griechischen" Vernunft, die es so nie gegeben hat; er setzte sie ab gegen fast alle Christen seit Duns Scotus. Mit dem Islam erreichte er das Gegenteil der intendierten Verständigung. Muslime sahen sich beleidigt durch das abfällige Zitat eines byzantinischen Kaisers der Zeit um 1400. Dieses Zitat war im Aufbau der Rede überflüssig; zudem hat der Papst es ungeschickt kommentiert und nachträglich dementiert. Aufmerksame Protestanten sahen sich aus dem wahren Christentum ausgeschlossen; die gesamte Moderne war diskriminiert. Ratzinger empfahl die Vernunft im Christentum, aber dabei zitierte er Kant und beging den groben, sinnentstellenden Fehler, bei der Wiedergabe der Kantischen Position die Begriffe "Wissen" und "Denken" zu verwechseln, die Kant strikt unterschieden hatte. Außer in Regensburg herrschte tiefe Betroffenheit. Auch wer die gute Absicht anerkannte, sah überall Scherben.

Auch diesmal hatte der Papst eine gute Absicht. Er selbst und seine Verteidiger sagen, er habe nur die Einheit der Kirche wiederherstellen wollen, indem er die Exkommunikation von vier Bischöfen der Bruderschaft Pius X. aufhob. Nach der Regensburger Rede war der Dialog mit Muslimen erschwert. Nach dem jetzigen Gnadenerweis ist die Einheit der Kirche mehr gestört als zuvor. Dem Papst fehlt das Augenmaß dafür, was er mit seinen Reden und Taten bewirkt. Er fühlt sich bestärkt durch seine gute Absicht und seine theologische Kompetenz. Die Welt, zu der er spricht, nimmt er nur ungenau in den Blick. Niemand korrigiert ihn. Er hat einen riesigen Apparat, aber der nutzt ihm nichts. Entweder lässt er die Kurienleute nicht an sich heran oder seine Fachleute lassen ihren Herrn ins Messer laufen. Selbst zu wichtigen Einzelheiten stellt er nicht die nötigen Fragen - weder an sich noch an seine zahlreiche Umgebung. Damals, in Regensburg, bedachte er nicht Bedeutung und Wirkung des Zitats gegen Mohammed. Dieses Jahr fragte er nicht, wer die vier Mitbrüder sind, deren Exkommunikation er aufhob. Er genügte sich mit seiner guten Absicht und der großen Geste. So etwas führt in der realen Welt zum Desaster.

Papstfreunde und Papstdiener schieben die Schuld auf den Kardinalstaatssekretär Bertone oder mehr noch auf den zuständigen Kardinal Hoyos. Sie hätten den Papst warnen müssen. Aber hat er sie präzis gefragt? Dass Richard Williamson den Holocaust leugnet, wusste man längst. Seit Jahren. Am 22. Januar ging es noch einmal durch die Weltpresse; am 24. Januar veröffentlichte der Vatikan die päpstliche Entscheidung. Da war Zeit, Gelegenheit und Anlass, genau zu untersuchen, was Richard Williamson denkt. Williamson erklärt nun, er müsse über die Begründung seiner Ansicht neu nachdenken. Jetzt erst sagt er, er brauche Zeit, um sich historisch über die Judenverfolgung zu informieren. Offenbar hat er sie lange Zeit ohne ein solches Studium heruntergespielt. Er hat also darüber öffentlich geredet, ohne sich historisch kundig gemacht zu haben - ein seltsamer, ein unverantwortlicher Geisteszustand bei einem ansonsten gebildet scheinenden Herrn. Aber er wäre im Halbdunkel geblieben, hätte der Papst nicht ausgerechnet an diesem Kirchenmann seine Versöhnungskraft erproben wollen. Der entscheidende Acteur heißt Ratzinger, nicht Williamson und nicht Kurie. Es ist seine Amtspflicht, die Einheit der Kirche zu wahren und zu fördern. Aber welchen Begriff von Einheit legt er dabei zugrunde? Hier liegt das eigentliche Problem. Es ist ein traditionalistisches, ein romzentriertes Konzept von Kircheneinheit. Die Einheit mit afrikanischen Christen, mit der Befreiungstheologie und mit deutschen Querdenkern lag ihm weniger im Sinn als die Versöhnung mit den Traditionalisten der Piusbrüderschaft.

Dafür mochte er glauben, gute Gründe zu haben, die auch das Zweite Vatikanische Konzil nicht beseitigt hat: Die vom Papst immer wieder vorgebrachte Verurteilung des Relativismus ist nur eine andere Formulierung dafür, dass es außerhalb seiner Kirche kein Heil gibt. Sie erklärt, warum seine Angebote zum "Gespräch" missraten. Daraus folgert er, dass andere christliche Religionsgemeinschaften keine wahre Kirche sein können. Für Juden und Muslime betet er großherzig um Erleuchtung, damit sie seine christliche Wahrheit erkennen. Ratzinger distanziert sich von Antisemitismus und vom traditionellen kirchlichen Antijudaismus, aber den Aussschließlichkeitsanspruch forciert er wie die Piusbrüder und wie seine Vorgänger eh und je. Wer Pius IX. und Pius X. heiligspricht, gehört zu den Piusbrüdern, er mag sonst sagen, was er will. Er teilt mit diesen und mit einer langen römisch-katholischen Tradition den Antirelativismus, die Konzeption von Sünde, Taufe und einzig wahrer Kirche. Daher die Nähe. Daher das Interesse, an der Wiedervereinigung.

Benedikt XVI. hat in Einklang mit seinem Vorgänger betont, die päpstliche Unfehlbarkeit äußere sich nicht nur in außerordentlichen Lehrentscheidungen, also in förmlichen und feierlichen Dogmenverkündigungen, sondern auch im ordentlichen Lehramt. Die Formel lautet: Vom Katholiken wird Glaubensgehorsam verlangt in allem "was kraft des allgemeinen und gewöhnlichen Lehramtes als von Gott offenbart zu glauben vorgelegt wird". Dem Römischen Bischof schuldet der Katholik "Gehorsam des Willens und der Einsicht", auch wenn dieser nicht ex cathedra spricht. Dazu gehört die theologische Distanzierung von Judentum und Islam, dazu gehörte jahrhundertelang die lateinische Liturgie, ebenso der Glaube an Teufelsherrschaft über die Welt, an die augustinische Konzeption der Erbsünde und vieles mehr.

Der Theologe Ratzinger weiß, dass er in diesen Lehrpunkten mehr mit den Piusbrüdern übereinstimmt als mit Theologen, die dem Zweiten Vatikanischen Konzil nachträglich alles Wünschenswerte zuschreiben. Das Zweite Vatikanische Konzil hat Neues gelehrt in Bezug auf die Religionsfreiheit und die Auslegung der Bibel, aber es hat den Primat des Bischofs von Rom und den Jurisdiktionsprimat des Papstes nicht angerührt. Für die Bischofskollegen fand das Konzil sanfte, theologisch-kosmetische Wendungen, die kirchenrechtlich folgenlos blieben. Eine gewaltige Propaganda und optische Inszenierung ließ die Neuerungen des Zweiten Vaticanum größer erscheinen als sie wirklich waren, und gegen diesen selbsterzeugten Effekt kämpft die römische Zentrale seit Jahrzehnten.

Genau in diesen Zusammenhang gehört die sehr einseitige Versöhnlichkeit mit den Piusbrüdern. Sie hätte auch ohne Bischof Williamson Verärgerung und fast Aufruhr ausgelöst, jedenfalls in der Schweiz, in Österreich und Deutschland. Wenn der Papst von der Holocaustleugnung nichts gewusst hat - die Brüskierung vieler Katholiken mit ihrer oft unklaren Überschätzung des letzten Konzils kann ihm nicht entgangen sein. Er hat sie bewusst in Kauf genommen. Sie steht im Einklang mit seinen sonstigen Erklärungen. Der Papst wollte die Einheit seiner Kirche sichern, aber eine Einheit nach seinen traditionellen Konzepten. Die Verblüffung der Welt, die Irritierung reformgläubiger Katholiken, die Verärgerung der Juden und die Ansichten eines Mister Williamson waren für ihn quantité négligeable. Dem entsprechend hat er sie missachtet. Es handelt sich nicht nur um einen Betriebsunfall der kurialen Verwaltung. Der Bischof von Rom ist seiner erwartbaren Linie treu geblieben.

Süddeutsche Zeitung 18.02.2009