Ich war so müd als ich des Nachts im Fernsehn lag
im Werbeblock war eine grüne Wiese lang zu sehen
mit bösen Blumen die die schwarzen Fliegen fingen
(am Waldrand zappelte ein Power-Ranger)
Der Himmel war aus Eisenlack
Im anderen Channel lief ein alter Mann
durch eine Reklame von Chanel
In meinem Hirn war alles völlig farbig
Ich war so müd als ich des Nachts im Fernsehn lag
im Herzen war mein Panic-room
Laßt mich doch sein ein großer Werbespot
damit ich mich erkennen kann
Florian Voß
Ein Ich am Rand der Selbstauflösung: Das Fernsehen, der große Tranquilizer mit sedierender Wirkung, wird zum künstlichen Paradies für ein passives Subjekt, das immer mehr seine Konturen verliert. In diese prächtig bunten TV-Bilder kann das Ich selig eintauchen, ohne mit der Welt in Berührung zu geraten. Im Blick auf die lyrische Evokation moderner Rauscherfahrungen durch den Jahrhundertdichter und Großstadtdandy Charles Baudelaire (1821-1867) verweist uns der Berliner Dichter Florian Voß (geb. 1970) auf das süßeste Gift der Gegenwart - den TV-Bildschirm.
Aus dem dlf-Lyrikkalender (18.02.2009)
Denn wer sein Leben erhalten will, der wird's verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen und um des Evangeliums willen, der wird's erhalten. Mk. 8, 35
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen