Dienstag, 25. März 2008

Morgensonne im Wohnzimmer

Was sind schon hundert Jahre für die Geschichte der Mentalität?

"Die Wiener Frauen tragen die Fülle ihres Geschlechtes mit einer Unbefangenheit, die sich vor dem öffentlichen Bekenntnis nicht scheut: Ich bin ein Weib! Sie sind keine verschämten Mannsbilder, die ihre natürliche Artung vor der Welt verbergen möchten; nein, sie sind wie die Blumen, die nicht anders können, als sich in ihren Reizen zu offenbaren. Und wie die Wienerin begabt ist, das Leben durch alle Poren zu genießen, so ist ihr auch die Gabe der Aufopferung im höchsten Grade verliehen. Man kennt die Wiener Frauen nicht, wenn man sie nur im Glücke gesehen; ihre innere Schönheit wächst mit dem Unglücke."

Ludwig Speidel: Wiener Frauen, 1910 (Programmheft des Wiener Volkstheaters zu Horváths 'Geschichten aus dem Wienerwald', S. 18)

Nur ganz wenig Schnee...

... anders als gerade in Deutschland...

Es denkt

"Ich denke": wann stimmt das schon? Sicher in relativ wenigen Momenten angespannter Aufmerksamkeit, beim Problemlösen, sicher auch beim Sprechen. Aber die meiste Zeit stimmt es, wenigstens bei mir, nicht, vielmehr muss es heißen: "Es denkt." Und ich höre und schaue dem Es beim Denken zu, staune, amüsiere mich. Wenn es gut geht, dann sprudeln die Assoziationen, dann laufen die inneren Bilder: Träume im Wachzustand. Und das Ich sitzt auf dem Zaun und schaut zu, mischt sich manchmal ein, greift etwas auf - oder aber kann - in der Konzentration - jenes träumende Denken auch mehr oder weniger abblenden.