Mittwoch, 11. März 2009

Erfurt liegt nun in Württemberg

Im Jahr 1972 war ich mit unserer Stuttgarter CVJM-Gruppe am Mittelmeer, gemeinsam mit einer Gruppe aus Winnenden. Nicht, dass ich mich noch an einzelne Gesichter erinnern könnte. Aber den ganzen Tag heute bewegte mich der Gedanke: Das könnten alles gut die Väter oder Mütter sein - des Täters wie der Opfer. Am Ende ist auch jemand unter den Getöteten.
Amokläufe in Schulen gibt es erst seit den 90er Jahren. Was sich heute in Winnenden abgespielt hat, ist ein zweites Erfurt, keine Frage. Nur noch viel rätselhafter. Denn der Täter hatte diese Schule erfolgreich abgeschlossen. Ein unauffälliger Junge. Aber sein Vater hatte Waffen. So weit die Fakten. Die Erklärungen versagen. Welche Abgründe von Gewaltbereitschaft! Und dann dazu die Bilder des Täters: Die Harmlosigkeit in Person, so scheint es doch. Sage einer, man habe es diesem Jungen angesehen, was er heute angerichtet hat!



Natürlich geht es um Nachahmung. Nur Stunden zuvor ein Amoklauf in den USA. Aber es ist auch Nachahmung von Filmen und Computerspielen, in denen mit und ohne Grund und Anlass munter drauflosgeschossen wird. 
Ich musste an eine Diskussion gestern in der Schule denken: Idioten und Verrückte werde es immer geben, sagte ein Schüler. Er dachte dabei an Hitler und Stalin. Ich gab ihm recht, beharrte aber darauf, dass wir in diesen Zeiten um der allgemeinen Orientierungslosigkeit willen Religions- oder Ethikunterricht nötiger hätten als je zuvor. 
Tatsächlich komt die menschliche Seele mit unseren technischen Möglichkeiten einfach nicht mit. Das gilt für die Waffentechnik, für die Beschleunigung des Verkehrs, für die Möglichkeiten der Kommunikation. Wir sind überfordert. Aber Menschen wollen die Möglichkeiten, die die Moderne bietet, auch umsetzen. Dass wir bislang an einem atomaren Weltkrieg vorbeigekommen sind, grenzt an ein Wunder. Aber die Waffe in der Hand bedeutet eine solche gesteigerte Erfahrung eigener Macht, dass im privaten Leben immer wieder junge Männer (nur sie!) der Versuchung erliegen... 

Grundfragen angesichts der drohenden Selbstaufgabe Europas

Wenn (...) ein ganzer Kontinent beginnt, seine gemeinsame christliche Herkunft zu leugnen, dann stellt sich die Frage, nach welchem moralischen Kompass in unserem politischen, sozialen und wirtschaftlichen leben gut von falsch und wahr von unwahr unterschieden werden soll. Nach welchen Kriterien entscheiden Politiker, wenn der seit Jahrtausenden gültige (wenn auch nicht immer lückenlos befolgte) jüdisch-christliche Moralkodex plötzlich als gemeinsame Grundlage für die Nationen fehlt? Kann noch begründet werden, warum das Leben heilig und die Familie Keimzelle der Gesellschaft sein sollten? Mit der christlichen Grundausrichtung scheint auch die historische Erkenntnis verloren zu gehen, dass Unrecht über kurz oder lang immer in Gewalt und Zerstörung mündet. 

Leo.-M. Maasburg (Nationaldirektor der päpstlichen Museen in Österreich) in einem Gastkommentar in der "Presse" (24.12.2008, S. 37)

Mannagettagasse in Grinzing

Modernes Babel

Das Alte Testament beschrieb den an Sprachverwirrung gescheiterten Turmbau zu Babel. Aber was hätte es zur Gebrauchsanweisung für einen "bequemen Lichtkontroller" gesagt? "Bemerken Sie sich vor der Aufsetzung, dass der Bewegungssensor am empfindlichsten nicht auf die naherkommende ober weggehende, sondern auf die durch die Abschensgegend schiebende Bewegung ist."

Da setzen wir uns erst mal in Tränen nieder.

Vor das Konsumglück haben die Produzenten den Wut- und Angstschweiß durch Bedienungsanleitungen gesetzt. In Türkisch, Armenisch, Kisuaheli, in Dummdeutsch und in der Universalsprache aller dieser Erklärheftchen: dem Kannitverstahn.

Jürgen H. Hahn, 55, studierter Maschinenbauer und Manager für Technische Kommunikation aus Offenbach, hat in einem neuen Buch ("Auspack und freu!") den wunderbarsten Sprach- und Denkmüll gesammelt, der vom Toaster bis zum Taschenrechner als Bedienungsanleitung neuen Produkten beigelegt wird.

Da radebrecht es, dass die deutsche Sprache kracht. "Die STAFF-K9AT tastatur innerseite ist definniert, so dass System software gbt maximum biegsamkeit im verbergten stimmten tastaturwirkung." Aha. Bitte auf Englisch erklären.

Übrigens, "im verbergten" blüht auch manchmal rührender Sprachkitsch, ein Infantilitätslallen, bei dem sich Lexikonplattsinn und Vorurteil über deutsches Weihnachten paaren. "Herzlichst Gluckwuensch zu gemutlicher Weihnachtzkerze Kauf. Mit sensazionell Modell GWK 90191 (ein beleuchtbarer Anstecker). Sie bekomen nicht teutonische Gemutlichkeit fuer trautes Heim nur, auch Erfolg als moderner Mensch bei anderes Gesleckt nach Weihnachtsganz aufgegessen und laenger, weil Batterie viel Zeit gut lange. Zu erreischen Gluckseligkeit unter finsterem Tann".

Teutonische Gemutlichkeit erstrebt auch die Gebrauchsanweisung für das Aufblasen einer aus Korea stammenden Luftmatratze und warnt: "Wenn das Wetter kalt ist, wird die Puff Unterlage sich langsam puffen."

Schluss mit Gemutligkeit und Gluckseligkeit droht bei Befolgung des Erklärungsirrsinns für die Montage einer Hi-Fi-Anlagen-Glastür: "Während Sie da Glas ein wenig in Richtung A drücken, drücken Sie das Glas kräftig in Richtung B, bis sei eingeklrr Lärm hören in der linker und rechter Scharnier." Dann schon lieber puffen mit Puffunterlage.

spiegel.de