Amokläufe in Schulen gibt es erst seit den 90er Jahren. Was sich heute in Winnenden abgespielt hat, ist ein zweites Erfurt, keine Frage. Nur noch viel rätselhafter. Denn der Täter hatte diese Schule erfolgreich abgeschlossen. Ein unauffälliger Junge. Aber sein Vater hatte Waffen. So weit die Fakten. Die Erklärungen versagen. Welche Abgründe von Gewaltbereitschaft! Und dann dazu die Bilder des Täters: Die Harmlosigkeit in Person, so scheint es doch. Sage einer, man habe es diesem Jungen angesehen, was er heute angerichtet hat!

Natürlich geht es um Nachahmung. Nur Stunden zuvor ein Amoklauf in den USA. Aber es ist auch Nachahmung von Filmen und Computerspielen, in denen mit und ohne Grund und Anlass munter drauflosgeschossen wird.
Ich musste an eine Diskussion gestern in der Schule denken: Idioten und Verrückte werde es immer geben, sagte ein Schüler. Er dachte dabei an Hitler und Stalin. Ich gab ihm recht, beharrte aber darauf, dass wir in diesen Zeiten um der allgemeinen Orientierungslosigkeit willen Religions- oder Ethikunterricht nötiger hätten als je zuvor.
Tatsächlich komt die menschliche Seele mit unseren technischen Möglichkeiten einfach nicht mit. Das gilt für die Waffentechnik, für die Beschleunigung des Verkehrs, für die Möglichkeiten der Kommunikation. Wir sind überfordert. Aber Menschen wollen die Möglichkeiten, die die Moderne bietet, auch umsetzen. Dass wir bislang an einem atomaren Weltkrieg vorbeigekommen sind, grenzt an ein Wunder. Aber die Waffe in der Hand bedeutet eine solche gesteigerte Erfahrung eigener Macht, dass im privaten Leben immer wieder junge Männer (nur sie!) der Versuchung erliegen...
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