
"Schöne Kinderzeit?" lautete das Thema des Wettbewerbs. Shamban schlüpfte in ihrem preisgekrönten Gedicht "Lied eines Vaters" in die Rolle des Täters. Harter Tobak: Das "lyrische Ich" ist ein Kinderschänder, der seine Tochter missbraucht. In nur wenigen Zeilen gelingt es der jungen Autorin glänzend, die komplette Gedankenwelt eines Päderasten darzustellen. "Es ist ein Spiel mit einer ungewöhnlichen Perspektive", sagte sie und betonte, kein Opfer zu sein. Inspirieren ließ sich Shamban von Vladimir Nabokovs' Klassiker "Lolita", in dem ein reifer Mann von der zerstörerischen Liebe zu einem jungen Mädchen erzählt. "Das am meisten missverstandene Buch", so die Schülerin. Auffallend an ihrem Gedicht ist die strenge Form. Mit Metrum und Reimschema kann Shamban gekonnt umgehen. "Ich feile an meinen Gedichten. Aber 'Lied eines Vaters' ist aus mir herausgeflossen." Lyrik sei Bestandteil des Lebens, sagte Shamban, die in Los Angeles geboren wurde und seit 2003 in Deutschland lebt. Durch das Lesen von Gedichten habe sie die deutsche Sprache gelernt. Schriftstellerin will sie allerdings nicht werden - anders als einige der jungen "lyrix"-Preisträger, mit denen Shamban vor der Ehrung an einem Workshop teilnehmen durfte. Ihre große Leidenschaft ist nach wie vor die Musik. Shamban spielt Klavier - und auch das mit großem Erfolg: 2006 gewann sie beim Bundeswettbewerb "Jugend musiziert".
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