Sonntag, 22. Februar 2009

Anti-Gott-Kommandos

Mit „Anti-Gott-Kommandos“ machen Gottesleugner an britischen Universitäten mobil. Als Gegenpol zur christlichen Studentenmission ist jetzt die Nationale Föderation der Atheistischen, Humanistischen und Säkularen Studentenvereinigungen ins Leben gerufen worden.

Sprecherin ist die 22-jährige Oxford-Absolventin Chloe Clifford-Frith. Sie sagte der linksliberalen Zeitung The Guardian (London): „Wir leben in einer Welt, in der religiöse Staaten Ehebrecher und Homosexuelle hinrichten, in der Frauen und Minderheiten Grundfreiheiten vorenthalten sowie falsche Behauptungen über Schwangerschaftsverhütung und wissenschaftliche Forschung verbreitet werden.“ Die atheistischen Studenten wollen nicht nur für ihre Weltanschauung werben, sondern auch religiöse „Privilegien“ bekämpfen, etwa eine staatliche Bezuschussung religiöser Schulen oder Sitze für Bischöfe im britischen Oberhaus. Prominentester Unterstützer der Atheistenmission ist der Oxforder Evolutionsbiologe und Bestsellerautor Prof. Richard Dawkins („Der Gotteswahn“). Er steht auch hinter einer Kampagne der Britischen Humanistischen Vereinigung, die seit Jahresbeginn rund 800 Busse und Bahnen durch Großbritannien rollen lässt mit der Aufschrift: „Wahrscheinlich gibt es keinen Gott. Keine Sorge - genießen Sie das Leben.“ Als Gegengewicht haben mehrere christliche Organisationen Buswerbung für den Glauben gestartet.

idea

In Großbritannien tobt inzwischen anscheinend ein regelrechter neuer Kulturkampf.

Im Musikverein

Fränkisch-frommer Größenwahn

Die weltweit größte Jesus-Statue soll im mittelfränkischen Wassertrüdingen entstehen. Das planen der niederbayerische Künstler „Angerer der Ältere“ und eine Investorengruppe um den Hamburger Unternehmer Harry Vossberg, heißt es auf der Internetseite der Stadt Wassertrüdingen.

Sie hätten das Projekt dem Stadtrat am 16. Februar vorgestellt. Das Gremium habe nahezu einstimmig grünes Licht für die Bauleitplanung gegeben. Die Jesus-Statue, die 55 Meter hoch und begehbar sein soll, soll auf der Anhöhe „Eisler“ am Ortsrand von Wassertrüdingen gebaut werden. Geplant sind außerdem Räume für Gottesdienste, ein Pilgerhotel mit 185 Zimmern, ein Restaurant und ein Großparkplatz. 2007 hatte Vossberg vor, die weltweit größte Christus-Statue auf dem 1.613 Meter hohen Berg Predigtstuhl bei Bad Reichenhall zu errichten. Diese Pläne hatte der Stadtrat des oberbayerischen Kurorts im September letzten Jahres abgelehnt. Als Vorbild für die geplante Jesus-Figur dient die Christus-Statue von Rio de Janeiro (Brasilien). Die bayerische Variante soll das berühmte Vorbild allerdings um 17 Meter überragen. Vossberg rechnet mit Investitionen von 20 Millionen Euro.


idea.de

So schlimm empfindet man in Deutschland die Wirtschaftskrise offenbar noch nicht. Oder vielleicht doch? Und plant darum solche Projekte?

Im Gegenlicht

Egoiste

Ich war so müd als ich des Nachts im Fernsehn lag
im Werbeblock war eine grüne Wiese lang zu sehen
mit bösen Blumen die die schwarzen Fliegen fingen
(am Waldrand zappelte ein Power-Ranger)
Der Himmel war aus Eisenlack
Im anderen Channel lief ein alter Mann
durch eine Reklame von Chanel
In meinem Hirn war alles völlig farbig
Ich war so müd als ich des Nachts im Fernsehn lag
im Herzen war mein Panic-room
Laßt mich doch sein ein großer Werbespot
damit ich mich erkennen kann


Florian Voß

Ein Ich am Rand der Selbstauflösung: Das Fernsehen, der große Tranquilizer mit sedierender Wirkung, wird zum künstlichen Paradies für ein passives Subjekt, das immer mehr seine Konturen verliert. In diese prächtig bunten TV-Bilder kann das Ich selig eintauchen, ohne mit der Welt in Berührung zu geraten. Im Blick auf die lyrische Evokation moderner Rauscherfahrungen durch den Jahrhundertdichter und Großstadtdandy Charles Baudelaire (1821-1867) verweist uns der Berliner Dichter Florian Voß (geb. 1970) auf das süßeste Gift der Gegenwart - den TV-Bildschirm.

Aus dem dlf-Lyrikkalender (18.02.2009)

Denn wer sein Leben erhalten will, der wird's verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen und um des Evangeliums willen, der wird's erhalten. Mk. 8, 35

Gemeindeball

Schon eine Woche her: Unser Gemeindeball war ein großer Erfolg. Und (nebenbei gesagt) eine planerische und logistische Meisterleistung. 

Heute nur noch ein Symptom

Pseudologie (v. griech.ψεῦδος pseudos „falsch“; λόγος logos „Rede“) ist das krankhafte Verlangen eines Menschen, zu lügen. Motivation ist meist Geltungssucht oder Hysterie.

Pseudologia phantastica bezeichnet in der Psychiatrie seit Anton Delbrück (1891) den Drang zum krankhaften Lügen und Übertreiben. Häufiger wird heute der Begriff „pathologisches Lügen“ verwendet. Eine besondere Form der Pseudologia phantastica stellt das Münchhausen-Syndrom dar, bei dem der Patient körperliche Beschwerden erfindet und durch Lügen untermauert, um Aufmerksamkeit in Krankenhäusern zu bekommen. In der modernen psychiatrischen Klassifikation ist die alte Bezeichnung als Symptom in der narzisstischen Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F60.8) aufgegangen.

Ais Wikipedia

So ändern sich die Zeiten: Was früher einmal ein eigenständiges Krankheitsbild war, ist heute nur noch ein Symptom.   

Winterbaum

Wie küsst man richtig in Belgien?

Ich küsse gern. Und in Belgien gibt es auch reichlich Gelegenheit dazu. Zur Begrüßung: Küsschen. Zum Abschied: Küsschen. Männer küssen Frauen. Frauen küssen Frauen. Männer küssen auch Männer. Wange an Wange, Bartstoppel an Bartstoppel. Eigentlich also ein reges Betätigungsfeld für mich.

Nur: Wen wann, wie oft - das ist und bleibt rätselhaft. Kein Witz: Für Frankreich gibt es eine Internet-Seite, die Hilfestellung leistet. Da lerne ich, dass in manchen Regionen Frankreichs bis zu fünf Mal geküsst wird.

In Belgien hätte man diesen Wegweiser auch dringend nötig. Denn oft sieht man, dass flächendeckend, aber nur "einmal" geküsst wird. Also mache ich es nach. Und erlebe doch so oft, wie mir dann doch noch die zweite Wange erwartungsvoll hingehalten wird.

Wer zu spät kommt, küsst ins Leere

Also beim nächsten Mal zweimal. Aber gerade will ich zum zweiten Busserl ansetzen, hat sich mein Gegenüber bereits abgewendet. Ich lande mit meinen geschürzten Lippen nicht auf dem Zielobjekt Wange, sondern irgendwo gegenüber zwischen Ohrläppchen und Halsansatz.

"Einmal" geht eben einfach schneller

Ich habe meine belgischen Freunde angerufen oder ihnen eine Mail geschickt: Wie macht Ihr’s? Und siehe da, es gibt Regeln. Aber jeder hat seine eigenen. Mein Freund Pierre, ein Meister des knappen, aber klaren Wortes, sagt: Auf alle Fälle nur "une bise" - also einmal. Alles andere sei Quatsch, den die Franzosen eingeführt hätten. Einmal, beschwören auch Benedicte und Xavier. Und eine andere Bekannte bestätigt das: Weil die belgischen Familien so groß seien, gehe "einmal" eben schneller.

Paquita aus Lüttich aber gibt zu bedenken: "Dreimal" sei dann angesagt, wenn man einen lieben Menschen ewig lange nicht gesehen habe. Wobei: Die Holländer - und davon gibt’s hier auch viele - greifen zupackend und grundsätzlich zu "dreimal". Oft mit buchstäblich ohrenbetäubender Wirkung.

Unter Männern nie mehr als einen!

Zweimal gehe auch, meint Karin aus Brüssel, nämlich dann, wenn man jemanden höflich, aber nicht zu freundschaftlich begrüßen wolle. Paquita aus Lüttich schreibt dagegen: Alles, bloß nicht zwei! Tomas aus Leuven meint, dreimal sei möglich, aber unter Männern bitte nie mehr als einen. Und in Flandern sowieso nicht. (...)

Christopher Plass, hr-Korrespondent in Brüssel, auf tagesschau.de

Belgien ist ein Land voller Wunder. Lebte ich nicht mittlerweile in Österreich, wollte ich gerne in Belgien leben, dem Land meiner Jugendträume, der Heimat von Pieter Breughel und Felix Timmermans.

Das Türmchen...

... auf dem Lutherhof

Lüge und Wahrheit

Die Lüge ist ein sehr trauriger Ersatz für die Wahrheit, aber sie ist der einzige, den man bis heute entdeckt hat.

Elbert Hubbard