Sonntag, 30. November 2008

Heiliger, höherer Blödsinn

Übergänge des Lebens sind auch Krisenzeiten: der Übergang von einem Leben im Mutterleib zu einem selbständigen Leben (Ritual = Taufe), der Übergang vom Kindsein zum Erwachsenen (Ritual = Konfirmation), der Übergang vom Allein-Leben zur Zweisamkeit (Ritual = Trauung), der Übergang von der Jugend zum Alter und zum Sterben (Ritual = Begräbnis) und viele, viele kleine Übergänge, die uns das Leben zumutet.
Der Übergang zwingt den Menschen, Veränderung auf sich zu nehmen. Aber: Veränderungen verunsichern. Denn der Mensch ist ein "antiquiertes Wesen" (Günter Anders), ihm machen Veränderungen Angst und bedrohen das seelische, soziale und gesundheitliche Gleichgewicht. Krisenzeiten bringen auch die Gefahr mit sich, in der Zeit des Rückzugs zu vereinsamen.

Das wussten die Menschen "schon immer". Deshalb sind Rituale menschheitsgeschichtlich sehr alt. Sie sind "Übergangshilfen", "Bezugsbrücken" zwischen dem Einzelnen und der Umwelt. Rituale können eine heilsame Wirkung entfalten, wenn sie nicht sinnentleert zelebriert werden, sondern mit neuem Leben und Ideen gefüllt werden. 
In der Geschichte sind Rituale oft missbraucht worden für Ideologien (z.B. die ritualisierten Aufmärsche, die die NS-Ideologie "erhöhten").

Durch die Veränderungen der Gesellschaft sind viele Rituale, die die Dorfgemeinschaft konsolidiert hat, in Vergessenheit geraten. Umso wichtiger ist es heute wieder, in der Stadt/ in der Gemeinde Rituale zu entwickeln und bestehende kirchliche Rituale lebendig zu feiern.
Rituale schaffen Erinnerung und deshalb sind sie für die Verarbeitung der Trauer unverzichtbar. Je mehr die Erinnerung an den Verlust lebendig gehalten wird und der Schmerz nicht verdrängt wird, desto eher kann Heilung stattfinden.

Zu lesen auf der Homepage der Wiener Superintendentur www.evang-wien.at

Aufgrund vielfacher Kritik soll diese Seite demnächst überarbeitet werden.

Waiting for wintertime

Denn wir leben immer auch in Beziehungen...

Der Wunsch, alles durch sich selbst sein zu wollen, ist ein falscher Stolz. Auch was man anderen verdankt, gehört eben zu einem und ist ein Stück des eigenen Lebens.
 
Dietrich Bonhoeffer