Sonntag, 28. Februar 2010
Kleine Karriere
mich kannte kein Intendant
und kein Theaterzettel nannte meinen Namen.
Ich, der akademische Schauspieler Hempel,
ging gleich von der Schauspielschule zum Arbeitsamt.
Nachdem sich meine Frau mit Leuchtgas vergiftet hatte,
weil sie seit ihrem Kinderfilm nie wieder spielte
und nun ein zweites Paar Schuhe haben wollte,
traf ich einen früheren Mitschüler.
Wenn es so schlimm mit dir steht, sagte er,
werde ich mit unserem Regisseur sprechen,
der hat ein Herz und liebt Experimente;
der Dorval in Goldoni's »Rabbelkopf« ist noch frei.
Nun stand ich auf der Bühne,
das war möglich, weil die geschiedene Frau meines Vaters
für die kleine Renate kochte.
Der Regisseur sagte, ich sei ein guter Schauspieler
und könnte eine Kanone werden,
»Ich habe was Neues für Sie,
Ihre Frau war sehr voreilig mit dem Schritt -
Oder ein bisschen hysterisch, was?
Na, wie manchmal die Frauen so sind«, sagte er.
Vielleicht gibt es
nur nicht genügend Theater in dieser Stadt?
Nur eins.
Robert Wolfgang Schnell
Der Fall einer Bischöfin
Am Mittwoch ist Frau Käßmann von ihren kirchlichen Leitungsämtern zurückgetreten, obwohl ihr der Rat der EKD noch am Abend zuvor sein Vertrauen ausgesprochen hatte. Die öffentliche Diskussion vor und nach dem Rücktritt war lautstark, in den Foren aller großen deutschen Zeitungen beteiligten sich unzählige Menschen, nach meinem Eindruck wurde der Rücktritt nur von einer Minderheit gefordert bzw. begrüßt.
Margot Käßmanns Karriere gleicht der eines Wunderkindes. Schon als Vikarin wurde sie von der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck auf die Weltkirchenkonferenz in Vancouver entsandt, wurde dort in den Exekutivausschuss gewählt. Sehr jung wurde sie Generalsekretärin des Deutschen Evangelischen Kirchentages, dann als zweite deutsche Landesbischöfin geistliches Oberhaupt der größten deutschen Landeskirche, derjenigen von Hannover. Im vorigen Herbst wurde sie endlich zur Ratsvorsitzenden der EKD gewählt. Ein höheres Amt kennt die evangelische Kirche in Deutschland nicht.
Als Bischöfin entwickelte sie einen sehr offensiven Umgang mit den Medien. Als sie an Brustkrebs erkrankte, wusste dies ganz Deutschland und nahm Anteil. Als sie nach erfolgreicher Therapie sich im Jahr darauf scheiden ließ, polarisierte sie schon einmal den deutschen Protestantismus: Kann eine geschiedene Frau Bischöfin bleiben? Aber ihre Landeskirche trug sie, und sie blieb im Amt, den Konservativen bot sie natürlich noch mehr Angriffsfläche. Als sie in das höchste EKD-Amt gewählt wurde, brach die russisch-orthodoxe Kirche demonstrativ die bilateralen Gespräche mit der EKD ab. Mit einer Kirche, an deren Spitze eine Frau, und nach dazu eine geschiedene, steht, sei ein weiterer Dialog nicht möglich.
Im neuen Amt nahm Frau Käßmann kein Blatt vor den Mund, profilierte sich als moralisches Gewissen der Nation, vor allem natürlich mit ihrer Neujahrspredigt, in der sie sehr klare Worte für den Einsatz von NATO und Bundeswehr in Afghanistan fand. Eine Hoffnungsträgerin, eine Sympathieträgerin, die evangelische Positionen sehr glaubhaft und öffentlichkeitswirksam vertrat. Man nahm ihr ab, was sie sagte. Ein Glücksfall für die Evangelische Kirche.
Und nun diese Trunkenheitsfahrt, bei der zwar niemand zu Schaden kam, die aber doch die moralische Autorität Margot Käßmanns radikal in Frage stellte. Dass sie mit diesem Alkoholpegel überhaupt noch ein Auto lenken konnte, spricht für eine gewisse Gewöhnung an Alkohol. Dass sie noch dazu mit ihrem Dienstwagen unterwegs war, fiel kaum ins Gewicht. In der öffentlichen Diskussion überwog das Verständnis: Ein Fehler, natürlich, aber kein Grund zum Rücktritt.
Evangelische Christen wissen, dass wir alle Sünder sind und bleiben. Die öffentliche Meinung aber lebt von der Projektion, die "Prominenten" (Filmstars ausgenommen) hätten perfekt zu sein. Politiker sind schon über kleinere Delikte gestolpert. Öffentliche Moral ist scheinheilig und werkgerecht, weiß nichts vom Evangelium.
Margot Käßmann hat am Mittwoch ihren Rücktritt vom Ratsvorsitz der EKD und vom Bischofsamt erklärt, und das war sehr klug. Viele Menschen haben ihren Schritt bedauert, aber tatsächlich hat sie so weiteren Schaden von der evangelischen Kirche abgewendet. Persönlich hat sie auch in ihrem Rücktritt Format bewiesen, und genau darum wird sie ihre moralische Autorität so bewahren, ihre Stimme wird auch weiterhin zu hören sein, sicher auch schon beim Ökumenischen Kirchentag in München.
Samstag, 27. Februar 2010
Für kleine Tiere
wenig und leise denken,
nicht bewegen.
auf den Tod oder das Leben.
Dienstag, 23. Februar 2010
Sehr schön! Dada lässt grüßen...
Eigentlich sollte in der Aufregung um "Axolotl Roadkill" schon alles gesagt sein und tatsächlich auch von jedem. Doch mit einer beinahe dadaistischen Plagiatsaktion hat der Dichter Durs Grünbein der ausufernden Diskussion noch einmal einen Höhepunkt gegeben. Er lieferte zur Plagiatsdebatte selbst ein Plagiat - und niemand merkte es.
Im Feuilleton der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" ("FAZ") vom Dienstag erschien ein Text, in dem Grünbein den Hegemann-Kritikern vorwarf, sie seien "sonderbare Persönlichkeiten" und hätten "sonderbare Vorstellungen" über Stoff und Dichtung, "sonderbare Gefühle" und "sonderbare Nerven" für die Eindrücke, die "sich ergeben aus dem Verhältnis von Material und Form!" Grünbein bejubelt in dem Text die "Inspiration einer großen Schöpferin", von der "jeder Satz und jeder Dialog durchatmet und durchströmt wird".Das war ein ganz und gar Grünbein-untypischer Sound, und der täglicheFeuilleton-Dienst "Perlentaucher" lästerte prompt: "Wes Herz der Liebe zur jungen Literatur voll ist, des Zunge quillt oder schwillt oder, na ja." Auch in den Kommentaren im "FAZ"-Online-Forum löste der Text eine rege Debatte aus: "Himmel, welch ein dürftiger Kommentar des Herrn Grünbein. Im Grunde will er uns wohl in verschwurbelter Sprache sagen, der Zweck heilige die Mittel", regte sich ein User auf.
"Der aktuellen Debatte das parodistische Schlusslicht aufsetzen"
Doch was da unter dem Namen Grünbein in der "FAZ" erschien, ist auf ganz andere Weise der Kommentar des Dichters zur Debatte. Nach SPIEGEL- Informationen ist dieser Grünbein-Text über das Plagiat selbst ein Plagiat.
Der Originaltext, den Grünbein offenbar nur aktualisierte und in dem er ein paar Namen änderte, ist von Gottfried Benn und erschien in den zwanziger Jahren in der "Vossischen Zeitung". Benn verteidigte damals die Schriftstellerin Rahel Sanzara gegen Plagiatsvorwürfe zu ihrem Roman "Das verlorene Kind". Auch der erschien damals - wie heute Hegemanns Buch - im Ullstein-Verlag.
Grünbein sagte auf Anfrage nur: "Und wenn es so wäre?" - und verwies auf die "FAZ". Deren Mitherausgeber Frank Schirrmacher bestätigte gegenüber dem SPIEGEL: "Der Text stammt fast zu 99 Prozent von Gottfried Benn, auch der Titel 'Plagiat' ist von ihm." Die Idee zu der Aktion habe Grünbein gehabt. "Er wollte damit der aktuellen Debatte das parodistische Schlusslicht aufsetzen."
Im "FAZ"-Online-Forum war mancher auch schon auf der richtigen Spur gewesen: "Wird dies nun der endgültig letzte Kommentar zum Fall Hegemann sein? Jetzt spricht ein Machtwort der hochdekorierte Dichter. Man meint förmlich, das Ritterkreuz, Verzeihung: den Pour le Merite, unter dem generalesken Stehkragen funkeln zu sehen." Einen kleinen Hinweis hatte die "FAZ" ihren Lesern offenbar selbst geben wollen. Die Überschrift zu Grünbeins Text erschien in doppelten Anführungszeichen: ""Plagiat"".
Ja, das ist in der Tat ein gelungenes parodistisches Schlusslicht. Literatur lebt von der Weiterverwendung und Weiterentwicklung von Motiven, Sprache, Formulierungen, Szenen, Themen. Und eigentlich gilt das nicht nur für Literatur, sondern auch für Wissenschaft, bildende Kunst, ja für das Leben selbst. Wir erfinden uns nie ganz neu und bringen nur selten etwas ganz Neues hervor, sondern leben immer von den Ahnen, den Vorgängern. Zwerge auf den Schultern von Riesen, so geht die Kultur weiter. Der Talmud belegt es in seiner Struktur, das Internet sowieso.
Montag, 22. Februar 2010
Das Choralorakel
Mitte? Mittelmaß? Wie fad!
Obwohl sich die Mehrheit der Deutschen soziologisch in der Mitte aufhält und sie ausmacht, beflügelt und inspiriert sie die Schriftsteller und Filmregisseure recht wenig. Vom Durchschnitt scheint kein Glanz auszugehen. Obwohl es doch, wie jeder weiß, kein vertrackteres Wesen als den sogenannten Kleinbürger gibt, regt er kaum zu besonderer Observation und Erforschung an.
Aus: Thomas Schmid, Die Mitte, das unbekannte Wesen der Gesellschaft, Kommentar in der WELT
Das ist wohl wahr. Das Normale ist so normal, so langweilig, keiner großen Gedanken wert. Und dabei ist es doch der gangbarste Weg für das gelingende Leben. "Nichts zu sehr", die alte griechische Weisheit gilt doch nach wie vor. Aber dass der Mittelweg der goldene sei, wer kann das schon glauben?
Mittwoch, 17. Februar 2010
Die Macht der Worte
Mira Magén: Das rührt sicher von meiner religiösen Erziehung her, die mich gelehrt hat, dass ich für jedes Wort verantwortlich bin. Es ist unmöglich, einfach das auszusprechen, was einem auf der Zunge liegt. Weil Worte eine Bedeutung haben. Worte sind wie Taten. Sie beeinflussen die eigene Existenz ebenso wie die desjenigen, an den man die Worte richtet.
Aus einem zeit-online-Interview mit der israelischen Schriftstellerin Mira Magén
Dienstag, 16. Februar 2010
Ach ja...
Man müsste sich mal wieder selbst besuchen.
Doch man ist ja immer so gehetzt.
Ich habe neulich bei mir angerufen,
doch es war die ganze Zeit besetzt.
Man müsste sich viel öfter selber fragen:
„Alles klar?“ Das eine weiß ich ja:
Egal, was kommt, ich brauch es nur zu sagen,
und dann bin ich sofort für mich da.
Man müsste sich mal in 'ner Kneipe treffen,
auf ein Kölsch, so ganz für sich allein,
um dann in aller Ruhe zu besprechen:
„Bin ich glücklich?“, und: „Wie wird es sein?“.
Man hätte sich 'ne Menge zu erzählen.
Viele Dinge würd' man anders sehn.
Man würde ein paar harte Fragen stellen,
und man würde Fehler eingestehn.
Es gäbe Gründe, um sich aufzuregen:
„Ich bin nicht der Mensch, der ich mal war!
Und will ich dieses Leben weiter leben?
Wann seh ich die Dinge endlich klar?“
Man würde, um sich selber wachzurütteln,
lautstark viele Sachen kritisiern.
Die Leute würden mit den Köpfen schütteln.
Tja. Man würde sich wohl schwer blamiern.
Wise Guys: Dialog
Montag, 15. Februar 2010
So fremd der Tag
Media vita in morte sumus - auch im Karneval
Die Strophe «Schau die bunten Sterne am Firmament hier stehen, ach, ich blieb so gerne, doch leider muss ich gehen» beinhalte auch, dass jeder irgendwann die «Bühne des Lebens» verlassen müsse. Wie das Bistum mitteilte, wurde in den Fürbitten des Gottesdienstes zudem für eine gesunde Heimkehr aller Teilnehmer des Mainzer Rosenmontagszuges gebetet.
dpa-Meldung
Währinger Gemeindeball
Sonntag, 14. Februar 2010
Ein Songtext
Irgendwann werden alle verschwunden sein
die jetzt auf der Erde leben.
Alle, ohne Ausnahmen
und dann wird es andere geben.
Die werden sich lieben, die werden sich hassen
und oft mit viel Blabla
Und manche werden wie immer fragen
wozu sind wir eigentlich da?
Refrain:
Als ob das so großartig wäre,
nach dieser Erkenntnis zu streben
Ein Auto ist zum Fahren da
und wir - wahrscheinlich zum Leben
- wahrscheinlich zum Leben
Vielleicht sind wir nur ein Abfallprodukt
von kosmischen Prozessen
Vielleicht wird durch unser Verhalten
ein fernes Fieber gemessen
Vielleicht ist die Sonne eigentlich
irgendwo der letzte Schrei
und wir sind dabei auch entstanden
aber mehr so nebenbei
R: In Träumen ist es manchmal leicht
die Schwerkraft aufzuheben
die Blumen sind zum Blühen da,
und wir - wahrscheinlich zum Leben.
Und was wir mit Sicherheit wissen
wir sind so groß und so klein
Und die ganze Menschheit ist im Weltall
relativ allein.
Und den Halt, den wir alle so brauchen,
wie Liebe und andere Gründe
den können wir, wenn überhaupt,
bei anderen Menschen finden.
Und wenn das alles Unsinn ist
Damit kann ich leben
Nur wer aufgehoben ist,
kann auch andere heben.
R: In Träumen ist es manchmal leicht
die Schwerkraft aufzuheben
die Blumen sind zum Blühen da,
und wir - wahrscheinlich zum Leben
Funny van Dannen: Zum Leben (Von seinem neuen Album "Saharasand")
Samstag, 13. Februar 2010
Der eine Laut
Freitag, 12. Februar 2010
Vom Beten
Andersherum
Das Leben ist ja schön und gut
als Mensch aus Fleisch und Blut,
nur eins stört mich so sehr daran,
daß ich den Rest kaum noch genießen kann.
Am Ende sterben ist so dumm,
ich wollt es wäre andersrum,
das Leben sollte mit dem Tod beginnen.
Es würd dabei gewinnen.
Du wachst auf in einem Altersheim
auf Früchtetee und Haferschleim,
die Enkel kommen dich besuchen
und bringn dir Wein und Kuchen,
du liegst nur, mußt dich kaum bewegen,
läßt dich von hübschen Schwestern pflegen,
irgendwann ist das leider aus,
wenn du zu jung wirst fliegst du raus.
Doch dank der Rente reicht das Geld,
du spielst Golf, fliegst um die Welt,
und ab und zu gehst du in Kur.
Dann kriegst du deine goldne Uhr
und steigst als Abteilungsleiter
ein auf der Karriereleiter.
Dickes Auto, eignes Haus,
und hängst den großen Macker raus.
Das machst du ein paar Jahre,
davon wachsen deine Haare.
Wenn das dann leider nicht mehr geht,
gehst du zur Universität,
machst einen auf Freak
und hörst rebellische Musik,
nimmst Drogen, vögelst rum,
halt ein normales Studium.
Dann Dienst, dann Urlaub, party pur,
dann machst du dein Abitur.
Die Schule, die dich amüsiert,
weil alles immer leichter wird.
Dann erwachen deine Triebe,
dann die erste große Liebe,
dann wird Fußball plötzlich wichtig,
dann wirst du süßigkeitensüchtig.
Auf Früchtetee und Haferschleim
in Mamas Armen ganz daheim
Verschwindest dann in ihrem Schoß
und läßt dann ganz allmählich los.
schmerzloses geistiges Verdumpfen
im Bewußtsein stets zu schrumpfen.
Ein Leben das als Orgasmus endet
war auf keinen Fall verschwendet.
Donnerstag, 11. Februar 2010
Skurriles aus der deutschen Provinz

Blaue Unterhose ist Schrecken der Kanalarbeiter
Bereits zum 40. Mal hat ein unbekannter Scherzbold das Kanalsystem der Kleinstadt Ladbergen im Münsterland mit einer bunten Unterhose lahmgelegt. "Sobald es heißt "Das Pumpwerk ist verstopft", wissen die Kollegen, worum es geht", sagte Klärwärter Gerold Thiemann. Jedes Mal fischen die Beamten eine anderes Paar billiger blauer XXL-Boxershorts aus der Pumpe, die das Klo heruntergespült wurden. Nur einmal war es ein rotes Modell. Seit neun Jahren treibt der Unterhosen-Unhold in Ladbergen sein Unwesen und bringt die Beamten zur Weißglut. Denn jedes Mal muss die Pumpe ausgebaut und die Hose herausgepult werden, oft auch in der Nacht. Der Unterhosen-Mann hat die Stadt schon 7200 Euro gekostet. Zuletzt mussten die Klärwärter in nur einer Woche ganze dreimal losziehen, um die Verstopfung zu lösen. Die stinkende Spur führt in ein Wohngebiet mit gut 150 Haushalten. Die Behörden rechnen aber nicht damit, dass der Mann sich outet. Deshalb schalteten sie jetzt eine Anzeige in der Lokalzeitung: "Wir wollten die Leute aufwecken - Sagen, was gehört ins Klo und was nicht - besonders dem Übeltäter." Seither läuft die Pumpe einwandfrei. Thiemann hofft auf freie Rohre.
Kurz und knapp
Dienstag, 9. Februar 2010
Zukunft des Kinos
Wie das im Einzelnen aussehen wird, ahnte Rathenau 1912 natürlich noch nicht, aber es ehrt ihn, dass er vor dem Abstieg ein Glück imaginierte, das in der Tat Generationen verzückt hat und an dessen Fortbestand sie selten so stark zweifeln mussten wie heute. Und was dieses Glück und die Berlinale angeht, so wäre man zum Beispiel gerne im Juni 1960 dabei gewesen, als Godards „Außer Atem“ im Wettbewerb lief - allein schon um zu denken, dass es tatsächlich die unmittelbare Gegenwart gewesen ist, durch die das amerikanische Mädchen mit dem „Herald Tribune“-Hemdchen über die Champs-Elysées lief.
Das Kino als Ort
Glück und Abstieg, warum schien das immer schon so eng verbunden, von Anfang an? Rathenau wusste ja nicht, dass sein Satz sich nur auf die Präsentationsform dieser Kunst beziehen würde, weil ihre Bilder sich irgendwann emanzipieren würden von dem, was Alfred Döblin 1909 als „mannshohes Leinwandviereck über einem Monstrum von Publikum“ bezeichnete, „welches dieses weiße Auge mit seinem stieren Blick zusammenbannt“. In der Tat brauchten die bewegten Bilder irgendwann dieses Monstrum nicht mehr so, wie Rathenau und Döblin das kannten. Die Masse ja, aber nicht zur selben Zeit im selben Raum. Ob das nun mit dem Aufkommen des Fernsehens begann und durch VHS, DVD und Download nur beflügelt wurde, ist eine müßige Frage, solange das Kino auch als Ort offenbar noch profitabel genug ist, um es in dieser Form weiter zu betreiben. Die Frage ist eher, inwiefern das Kino als Kunstform tatsächlich auf das Kino als Ort angewiesen ist - oder ob es nicht auf anderen Kanälen auch überleben und sich vielleicht sogar weiterentwickeln kann.(...)
Aus Michael Althen: Wie lange wird der Film das Kino noch brauchen?, FAZ 8.2.2010
Das Kaninchen und sein Gang
Was ist draußen? Kann man dort leben? Oder ist es nicht ratsamer zu bleiben, allen Unerträglichkeiten und Zumutungen zum Trotz? Rätselhafter, irritierender und düsterer als in seinen bisherigen Inszenierungen und gleichzeitig treffsicher und furchtbar komisch wie eh und je, entwirft Tranter mit „Cuniculus“ (lat. für Kaninchen oder Unterirdischer Gang) ein groteskes Panoptikum aus Machtkämpfen, Liebessehnsucht, Degeneration und Aufbegehren. Tranter spielt einen Menschen, der, abgetrennt von einer verödeten, kriegsdurchdröhnten Erde, im lichtarmen Höhlenreich zusammen mit Riesenkaninchen haust, bedroht und drangsaliert und doch mit allen Kräften bemüht, sein Menschsein zu verleugnen. Meisterhaft entwickelt er den Konflikt seiner Hauptfigur bis zum Kulminationspunkt, an dem der Aufbruch unvermeidlich wird, bedeute es auch den eigenen Untergang. Eine Theatermetapher über die Bereitschaft zu leben im Geist Becketts (Samuel Beckett)."Mit bösem schwarzen Humor zeichnet Tranter die unheimliche, unheilvolle Kriegs-Atmosphäre, aber auch Momente inniger, anrührender Zärtlichkeit zwischen dem Mann und der Hasenmutter, die in seinen Armen stirbt. Wie er als Schau- und Puppenspieler einen doppelten Boden ins Spiel einzieht, Distanz und Magie vereint, ist einzigartig." (Abendzeitung)
Neville Tranter wurde 1955 in Toowoomba (Australien) geboren. Dort beendete er 1976 sein Drama-Studium beim amerikanischen Regisseur Robert Gist in Queensland und arbeitete mit dem Billbar-Marionetten-Theater. Im gleichen Jahr, 1976, gründete er das Stuffed Puppet Theatre. 1978 zog Neville Tranter in die Niederlande, wo er sein visuelles und emotionales Puppentheater für Erwachsene in seiner heutigen Form entwickelte. Allein auf der Bühne, nur mit den von ihm entworfenen Puppen erzeugt Neville Tranter Bilder, die lange nachwirken. Sein virtuoses Figurentheater wird auf der ganzen Welt für seine einzigartige Formensprache „poetisch und respektlos, bitterkomisch und radikal“ als „großes Theater“ gefeiert.
kulturkurier.de
Die Ferien sind vorbei
Gott sehen - Spuren hinterlassen
Wir haben alle so einen Hunger zu bewahren. Es geht alles nur mit http. Es gibt noch keine Gottheit, erst bis http die Ewigkeit alles Lebens summiert. Pilze, Tiere, Pflanzen. Wir „Menschen“ sind nur die Zwischenstufe – zum Lagern! Wir kennen uns ja als Perfektionistys, wenn wir in Vollglut sind, wollen wir alles. Denken Sie an die Wissenschaft. Wie perfekt der Mensch gebaut ist, die Härchen zwischen den Arschbacken: Längst vor der Erbastelung des Klopapiers. Wenn Sie je und hemmungslos zwischen Ihre Arschbacken griffen! Stunden nach dem Gehen reinigen die Arschhärchen alles. Sorgfältig und emsig wird alles aufgeräumt. Wenn Sie sich – wie ich – nie wüschen und nachher nachprüften, wie alles weggeputzt dann ist. Arschhärchen tun das! Da zwickt nichts mehr.
Jesus hat auch einmal gesagt, dass er die mit den langen Gewändern nicht wirklich leiden kann. Nun haben im Moment eh die Bluejeans gewonnen. Ich bin total vernarrt in Bluejeans. Junge Männer in kurzen, versauten Bluejeans kann ich nicht satt werden anzusehen. Doch es ist kalt, und ich bin allein. Und niemand ist an mir interessiert. Habe alles verpasst und bin noch immer am Betteln. Begreift das Sättigen endlich mit dem Hunger nach Spüren, Duhsub! Ich hab gefressen und wurde nie satt. Und kriegte nie was zu spüren ...
Gerade das war ja das Geniale an der Denkschule Lukas-Paulus, dass NIEMAND bzw. KEINES den Gott je physisch sah noch begriff, spüren, fühlen konnte! Wir bleiben im Wettkampf, lieb zu sein, das jeweils Liebste ist das Tages-Siegy. Und die Familie Jesus von Nazareth ist prototypisch. Und flog dann in den Himmel hinauf. Wir wollen alle Spuren hinterlassen. Drum http ohne Punkt und Komma.
Phettberg Predigtdienst (877)
Missbrauch von Musik
Dann gibt es Stücke, die durch Missbrauch in Verruf geraten sind, durch ständigen Gebrauch in fremden Zusammenhängen. Das gilt etwa für jene bekannte Sequenz aus „Les Préludes“ von Franz Liszt, die der deutschen Wochenschau 1940 bis 1945 als Erkennungsmelodie für die Meldungen aus "Oberkommando der Wehrmacht" diente. Für eine bestimmte Generation stellen sich die Erinnerungen wohl fast unausweichlich ein. Und wer kann noch Charpentiers Te Deum hören, ohne gleich an die "Eurovision" zu denken und (unbewusst) eine internationale Fernsehübertragung zu erwarten?
Noch schlimmer ist es, wenn wir durch den Einsatz von bestimmten Musikstücken in Werbespots so konditioniert werden, dass unsere Assoziationen beim Hören einer Melodie auf ein bestimmtes Produkt ausgerichtet werden. Georg Kordick notiert anlässlich eines Opernbesuchs treffend im Blog zone-g: "Der Zauber der Arie (sc. Puccinis 'Nessun Dorma') ist für immer dahin. Das gleiche passierte damals mit 'La donna è mobile', die mittlerweile unterbewusst immer noch Appetit auf Schokochrossies oder Tiefkühlpizza macht."
Montag, 8. Februar 2010
Semesterferien
Popkulturelles Aschenputtel mit Blut im Schuh?
Steiler Aufstieg und jäher Absturz? Eben noch hatten die deutschen Feuilletons die 17-jährige Autorin Helene Hegemann als großes, ja überragendes Talent bejubelt ("Literarischer Kugelblitz"), nun stellt sich heraus, dass sie in ihrem vielgerühmten Buch "Axolotl Roadkill" sehr weitgehend aus einem anderen Werk abgeschrieben hat."Am vergangenen Wochenende meldete sich der Blogger Deef Pirmasens zu Wort. In seinem Blog Die Gefühlskonserve verglich er Stellen aus Hegemanns Roman mit denen eines Berliner Bloggers namens Airen. Der hatte vor ein paar Jahren den Roman Strobo in dem kleinen Berliner Verlag SuKuLTur veröffentlicht, gänzlich unbeachtet von der Literaturkritik. Die Ähnlichkeit der etwa ein Dutzend verglichenen Stellen ist in der Tat frappierend. Nicht nur der Inhalt, sondern insbesondere die Sprache stimmt, bis auf ein paar Umstellungen im Satzbau, größtenteils überein – eben jene radikale Sprache, für die Hegemann in den hochtönenden Rezensionen so bewundert wurde." (Die Zeit)
Und die junge Dame streitet das auch gar nicht ab: "Inhaltlich finde ich mein Verhalten und meine Arbeitsweise aber total legitim und mache mir keinen Vorwurf, was vielleicht daran liegt, dass ich aus einem Bereich komme, in dem man auch an das Schreiben von einem Roman eher regiemäßig drangeht, sich also überall bedient, wo man Inspiration findet. Originalität gibt’s sowieso nicht, nur Echtheit. Und mir ist es völlig egal, woher Leute die Elemente ihrer ganzen Versuchsanordnungen nehmen, die Hauptsache ist, wohin sie sie tragen. Von mir selber ist überhaupt nichts, ich selbst bin schon nicht von mir (dieser Satz ist übrigens von Sophie Rois geklaut) – ich habe eine Sprache antrainiert gekriegt als Kind und trainiere mir jetzt immer noch Sachen und Versatzstücke an, aber mit einer größeren Stilsicherheit. Das sind Formulierungen und Weltanschauungen und auch einfach bestimmte Floskeln, die mich prägen und weiterbringen in dem, was ich äußern und vermitteln will, und da beraube ich total schonungslos meine Freunde, Filmemacher, andere Autoren und auch mich selbst. Wenn da die komplette Zeit über reininterpretiert wird, dass das, was ich geschrieben habe, ein Stellvertreterroman für die Nullerjahre ist, muss auch anerkannt werden, dass der Entstehungsprozess mit diesem Jahrzehnt und den Vorgehensweisen dieses Jahrzehnts zu tun hat, also mit der Ablösung von diesem ganzen Urheberrechtsexzess durch das Recht zum Kopieren und zur Transformation. Ich selbst habe den Roman als „Lüge“ bezeichnet, das ist er auch, aber nur über die Lüge kommen wir der Wahrheit nahe. Das, was wir machen, ist eine Summierung aus den Dingen, die wir erleben, lesen, mitkriegen und träumen. Es gibt da ziemlich viel, was mit meinen Gedanken korrespondiert und sich in mein Gehirn einschreibt, dadurch aber gleichzeitig auch etwas komplett anderes wird. Ich bin nur Untermieter in meinem eigenen Kopf." buchmarkt.de)
Tatsächlich scheint sich in Zeiten des "Copy and paste" unser Begriff von Originalität und Echtheit zu relativieren, die Autorin hat schon nicht ganz unrecht. Ganz neu ist eine solche Berufung auf den Zeitgeist freilich nicht: "Im frühen 18. Jahrhundert konnte man bereits diese Haltung finden, der nach künstlerische Echtheit und ein lässiger Eigentumsbegriff sich nicht widersprechen. Der Dichter Christoph Martin Wieland schrieb dazu, den wahren Meister mache 'nicht die Erfindung eines unerhörten Sujets, unerhörter Sachen, Charaktere, Situationen usw., sondern der lebendige Odem und Geist, dem er seinem Werke einzublasen vermag'. Sein Zeitgenosse Lessing schrieb ähnliches in seiner Hamburger Dramaturgie: 'Ich würde so arm, so kalt, so kurzsichtig sein, wenn ich nicht einigermaßen gelernt hätte, fremde Schätze bescheiden zu borgen.' Das war 1768. Wenig später begann man, den Gedanken des Urheberrechts weitaus strenger zu achten." So zu lesen in der Zeit.
Journalistisch und mit Augenzwinkern formuliert...
Wir, die Vielseitigen
"Esos für Jesus" - Jesus für Esos
'Esos für Jesus'
Esoterikern das Evangelium bringen - „Esos für Jesus“ gehen auf Esoterik-Messen - Vor allem Frauen zwischen 30 und 40 Jahren fühlten sich von der Esoterik angezogen.
Esoterik ist in Deutschland zu einer breiten Bewegung mit Millionen Anhängern geworden. Wie kann man sie mit der christlichen Botschaft erreichen? Die „Esos für Jesus“ versuchen unter anderem, auf Esoterik-Messen Kontakte zu knüpfen. Leiter der vor etwa fünf Jahren im Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden (BFP) gegründeten Gruppe ist Pastor Wilhelm Trienen (Steinburg bei Hamburg).
Wie er gegenüber idea erläuterte, sei man mit einem Stand auf Messen vor allem in Hamburg und Lübeck, aber auch in Köln vertreten. Dabei versuchten die Mitglieder nach biblischem Vorbild, „Esoterikern ein Esoteriker zu werden“, soweit es geistlich vertretbar sei.
Auf solchen Messen begegne man vielen suchenden Menschen, die christlichen Gemeinden distanziert gegenüber stünden. Esoterik sei zu einer Massenbewegung geworden, wie ein Blick in Volkshochschulprogramme oder in das Angebot von Buchhandlungen zeige.
Die „Esos für Jesus“ suchten Anknüpfungspunkte, etwa in Gesprächen über Heilung. Resonanz finde oft ihr Angebot, für Interessierte zu beten. Die Kontakte mündeten in weiterführende Abende und Treffen, in denen man biblische Texte betrachte. Die „Esos für Jesus“ kämen nicht nur aus dem BFP, sondern auch aus anderen Gemeinden. Man biete auch Schulungen über die Begegnung mit Esoterikern an, so Trienen, der ferner die Gefangenen-Mission „Licht im Dunkel“ im BFP leitet.
EZW: „Esoterisierung“ der Gesellschaft
Nach Angaben der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW) umfasst die Esoterik ein breites Spektrum okkulter Praktiken, etwa Pendeln, Tarot, Heilsteine, Bachblüten, Reiki bis hin zu Kontakten zu außermenschlichen Wesen. Gefragt seien vor allem Heilungspraktiken und Techniken zur Lebensbewältigung. Vor allem Frauen zwischen 30 und 40 Jahren fühlten sich von der Esoterik angezogen. Kritische Beobachter sprächen von einer „Esoterisierung“ der Gesellschaft und einem wachsenden Markt. Allein die Astrologie-Branche setze jährlich etwa 150 Millionen Euro um. Geistheiler und esoterische Lebensberater erwirtschafteten schätzungsweise eine Viertel Milliarde Euro pro Jahr.
Den Juden ein Jude, den Griechen ein Grieche - den Esoterikern ein Esoteriker, den Atheisten ein Atheist. Nein, Spaß beiseite: Mission unter esoterisch interessierten Menschen ist tatsächlich wichtig und vielleicht auch erfolgversprechend, denn Esoteriker sind ja zumindest schon einmal keine platten Materialisten, sie wissen um die Transzendenz und sie sind auf der Suche.
Alles eine Frage des Horizonts
Ein ungeborenes Zwillingspärchen unterhält sich im Bauch seiner Mutter.
„Sag mal, glaubst du eigentlich an ein Leben nach der Geburt?“ fragt der eine Zwilling.
„Ja auf jeden Fall! Hier drinnen wachsen wir und werden stark für das was draußen kommen wird.“ antwortet der andere Zwilling.
„Ich glaube, das ist Blödsinn!“ sagt der erste. „Es kann kein Leben nach der Geburt geben – wie sollte das denn bitteschön aussehen?“
„So ganz genau weiß ich das auch nicht. Aber es wird sicher viel heller als hier sein. Und vielleicht werden wir herumlaufen und mit dem Mund essen?“
„So einen Unsinn habe ich ja noch nie gehört! Mit dem Mund essen, was für eine verrückte Idee. Es gibt doch die Nabelschnur, die uns ernährt. Und wie willst du herumlaufen? Dafür ist die Nabelschnur viel zu kurz.“
„Doch, es geht ganz bestimmt. Es wird eben alles nur ein bisschen anders.“„Ich gebe ja zu, dass keiner weiß, wie das Leben nach der Geburt aussehen wird. Aber ich weiß, dass wir dann unsere Mutter sehen werden und sie wird für uns sorgen.“
„Mutter??? Du glaubst doch wohl nicht an eine Mutter? Wo ist sie denn bitte?“
„Na hier – überall um uns herum. Wir sind und leben in ihr und durch sie. Ohne sie könnten wir gar nicht sein!“
„Quatsch! Von einer Mutter habe ich noch nie etwas bemerkt, also gibt es sie auch nicht.“
„Doch, manchmal, wenn wir ganz still sind, kannst du sie singen hören. Oder spüren, wenn sie unsere Welt streichelt....“
Werther und Enke
Nach der Selbsttötung von Fußball-Nationaltorwart Robert Enke hat es einem «Focus»-Bericht zufolge viele Nachahmungstaten gegeben. «In der Woche danach nahm die Zahl der Eisenbahnsuizide drastisch zu», zitierte das Nachrichtenmagazin den Leipziger Psychiatrieprofessor Ulrich Hegerl. Der Experte berief sich auf unveröffentlichte Zahlen der Deutschen Bahn.
Im Durchschnitt bringen sich dem Bericht zufolge täglich zwei bis drei Menschen in Deutschland auf Schienen um. Mitte November dürften es laut «Focus» vier Mal so viele gewesen sein. Enke hatte sich nach jahrelanger Depression am 10. November 2009 das Leben genommen.
Atatürkisches Schulwesen
"Du denkst, an den Schulen sollte die Wissenschaft im Vordergrund stehen, aber nein: Alles dreht sich nur um Atatürk." Im Geschichtsunterricht sei für die Antike kein Platz, für die Französische Revolution nicht, allenfalls für Hitler. Selbst in Fächern wie Mathematik und Biologie stehe Atatürk im Mittelpunkt: "Wir erklären sogar den Dreisatz am Beispiel Atatürks", sagt Türkmen sarkastisch. In Mathe komme Atatürk in jeder zweiten Sachaufgabe vor, etwa mit Anekdoten aus seinem Leben. Und gehe es um Größenordnungen, werde die Truppenstärke der türkischen Armee mit jener der Allierten im Ersten Weltkrieg verglichen.
In der Pausenhalle begrüßt die Schüler jeden Morgen ein Atatürk-Schrein, groß wie ein Fußballtor: in der Mitte ein Bild des jungen Atatürk, dazu der Text des Unabhängigkeitsmarsches (eine Hymne auf den Befreiungskrieg des jungen Generals gegen die westlichen Alliierten im Ersten Weltkrieg), kemalistische Sinnsprüche und eine türkische Fahne. Eine Wanduhr steht immer auf fünf nach neun - da starb Atatürk am 10. November 1938 in Istanbul.
In den Klassenzimmern sind Schautafeln aufgestellt: Atatürk als Kind, als Soldat, als Feldherr, als Staatsmann. "Ne mutlu Türküm diyene" steht drüber, "wie froh dürfen wir sein, uns Türken zu nennen".
Diese Schule ist nicht etwa eine Ausnahme - Atatürk ist 70 Jahre nach seinem Tod allgegenwärtig in der Türkei. Straßen sind nach ihm benannt, Stadien, Flughäfen. In jedem Büro hängt sein Porträt an der Wand, in vielen Restaurants, in Wohnzimmern, an wichtigen Gebäuden. Sein Gesicht prangt auf jedem Geldschein. Die Atatürk-Fanpage auf Facebook hat über eine Million Anhänger. Winston Churchill bringt es auf gerade 3500.
Kühne Auslegung
Eine solche Aussage kann von einem natürlichen Stern nicht gemacht werden.
Wir können nicht einmal ein hochfliegendes Flugzeug – dessen Flughöhe etwa zehn Kilometer beträgt – einem Haus zuordnen.
Wie sollte der Stern außerdem stehen bleiben?
Ein Komet ist von allen wissenschaftlich in Frage kommenden Objekten am dichtesten an der Erde. Aber seine Distanz beträgt immer noch minimal eine Million Kilometer, etwa 3fache Mondentfernung.
Auch eine Planetenkonjunktion von Jupiter und Saturn kann es nicht gewesen sein. Denn diese Planeten sind mindestens fünfmal weiter von der Sonne als wir.
Heutzutage kann man auch Satelliten als eine Art beweglichen Stern sehen. Der Abstand der Internationalen Weltraumstation ISS zur Erde beträgt etwa 350 Kilometer.
Es war ein Fluggerät
Fliegende Objekte dieser Art werden im Alten Testament genannt. In Genesis 15,17 ist während des Opfers des Abraham nachts von einem „rauchenden Ofen“ und von einer „Feuerflamme“ die Rede, die zwischen den Opferstücken dahinfuhren.
In Exodus 13,21 wird gesagt, daß der Herr seinem Volk beim Auszug aus Ägypten am Tag in einer Wolkensäule und nachts in einer Feuersäule vorausging.
Schon der Prophet Ezechiel berichtet am Anfang seines Buches von einer Art Raumschiff, das der NASA-Konstrukteur Josef F. Blumrich rekonstruierte.
Folglich sollte es zur Zeit der Geburt Jesu kein Problem gewesen sein, einen „Stern“, eine Wolken-, Feuer- oder Rauchsäule an der richtigen Stelle fliegen zu lassen.




