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Montag, 12. Juli 2010

Gebetsratschläge von Tiki Küstenmacher im Anschluss an Fulbert Steffensky

Das Projekt "simplify your life" befast sich mit allen Arten der Lebensentrümpelung, der Ordnung, der Steigerung des Lebensgenusses und des Erfolges durch Vereinfachung, Optimierung und klare Regeln für alles. Die verschiedenen simplify-Newsletters werde versandt vom Orgenda Verlag für persönliche Weiterentwicklung, einem Unternehmensbereich des VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG. 
Aber im Hintergrund steht ja (auch) Werner Tiki Küstenmacher, der Pfarrer und bekannte christliche Karikaturist. Und mitunter kommen im Newsletter auch direkt Fragen des religiösen Lebens vor, freilich so formuliert, dass nicht nur Christenmenschen sich angesprochen fühlen. 

Die simplify-Regeln fürs Beten
Beten ist Arbeit
Rechnen Sie nicht mit großen inneren Erlebnissen. Beten ist zunächst Anstrengung. Gebetsarbeit ist manchmal schön und erfüllend, oft aber auch langwierig und trocken. Meditieren, Beten, Lesen sind Bildungsvorgänge. Bildung ist ein langfristiges Unternehmen. Doch langfristig ist der Lohn groß.
Kleine Schritte
Entmutigen Sie sich nicht durch zu große Vorhaben. Gehen Sie in bescheidenen Schritten vorwärts: Sprechen Sie anfangs am Morgen einen Psalm, oder halten Sie am Abend einige Minuten Stille, mehr nicht. Wenn selbst das nicht möglich ist, liegt es nicht an der Hektik Ihres Berufs, sondern daran, dass Sie falsch leben!
Feste Zeit
Beten Sie nicht nur, wenn Ihnen danach zumute ist, sondern richten Sie sich eine feste Gebetszeit im Tageslauf ein. Beispiele: der frühe Morgen oder der nicht zu späte Abend. Regelmäßig beachtete Zeiten gliedern Ihr Leben und vermindern das Gefühl „Andere bestimmen über meine Zeit“.
Fester Platz
Geben Sie Ihrem Vorhaben einen festen Ort. Beispiele: eine Ecke in Ihrem Schlafzimmer, ein bestimmter Baum auf Ihrem täglichen Spazierweg, ein Parkplatz, auf dem Sie Ihr Auto auf Ihrem Weg zur Arbeit abstellen und im Wagen sitzend beten. Orte sprechen und bauen an Ihrer Innerlichkeit.

Festes Ritual
Koppeln Sie das Gebet ab von Ihrer Stimmung. Seien Sie streng mit sich: Machen Sie nicht Ihre momentanen Bedürfnisse zum Maßstab. Sie reinigen Ihr Herz, indem Sie nicht auf Ihre Empfindungen achten, sondern nur auf Zeit, Ort und Methode. Entwickeln Sie Ihren eigenen festen Ablauf und nutzen Sie die Kraft der Wiederholung. Beispiel: eine täglich gleiche Eingangsformel („Öffne mein Herz und meine Lippen“), eine Geste (Kreuzeszeichen), lesen Sie einen Psalm (täglich wechselnd), 3 Minuten Stille, Vaterunser. Legen Sie den Psalm vorher fest, damit Ihre Gebetszeit nicht durch Sucherei gestört wird.

Halten Sie eine Notration bereit
Besorgen Sie sich ein Buch mit Gebeten, aus dem Sie in Zeiten größerer innerer Müdigkeit einfach etwas lesen. Lernen Sie kurze Sätze, die Ihnen dort oder in den Psalmen besonders gut gefallen, auswendig. Bilden Sie Ihre eigenen Formeln. Feste Sätze helfen Ihnen, zur Passivität zu finden. Sie sind die Notsprache, falls Ihnen das Leben einmal die Sprache verschlägt.

Halten Sie durch
Wenn Sie zu bestimmten Zeiten nicht beten können, lassen Sie es. Aber halten Sie den Platz frei für das Gebet. Tun Sie nicht irgendetwas anderes, sondern verhalten Sie sich auf andere Weise still. Verlernen Sie nicht Ihren Gebetsort und Ihre Gebetszeit. Seien Sie nicht gewaltsam zu sich selbst. Wenn einmal gar nichts geht, sagen Sie sich: „Auch das Misslingen ist meine Schwester.“
Diese Gedanken wurden angeregt durch: Fulbert Steffensky, Der alltägliche Charme des Glaubens
Autor: Werner Tiki Küstenmacher


Das Christus-Zimmer

„Ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen“ (Mt 25,35). Und weiter: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“ (Mt 25,40). Da es sich um einen Glaubenden und noch dazu um einen Bruder handelt, und mag er auch noch so gering sein, so tritt Christus selbst mit ihm ein. Öffne dein Haus und nimm ihn auf. „Wer einen Propheten aufnimmt, weil er ein Prophet ist, wird den Lohn eines Propheten erhalten“ (Mt 10,41)... Das ist die Haltung, die man einnehmen muss, wenn man Fremde aufnimmt: Bereitwilligkeit, Freude, Großzügigkeit. Der Fremde ist immer schüchtern und verschämt. Wenn sein Gastgeber ihn nicht mit Freude aufnimmt, fühlt er sich gering geschätzt und zieht sich zurück. Es ist nämlich schlimmer, so empfangen zu werden als gar nicht.

Hab’ also ein Haus, in dem Christus eine Bleibe findet. Sag: „Das ist das Zimmer Christi. Das ist die Wohnung, die Ihm vorbehalten ist.“ Er wird sie nicht verschmähen, auch wenn sie sehr einfach ist. Er braucht nur ein Dach über dem Kopf. Sei nicht grausam und unmenschlich, und gib ihm wenigstens das. Du legst soviel Feuer an den Tag um der materiellen Güter willen, so bleibe auch nicht kalt, wenn es um geistige Güter geht... Du hast einen Platz für dein Fuhrwerk und hättest keinen für den umherziehenden Christus? 


Johannes Chrysostomos, Predigt 45 zur Apostelgeschichte

Freitag, 9. April 2010

Einen weiten Weg gegangen, um endlich zu Jesus Christus zu finden

"Wenn wir als Christ Stille und Schweigen suchen, ist es immer an Jesus gebunden. Er bewirkt seinen Frieden und seine Stille in uns, nicht wie die Welt ihn gibt, sondern wie er ihn uns hinterlassen hat. Jede andere Form von Selbstentleerung führt zwangsweise zur Zerstörung der Persönlichkeit, weil sie uns blendet, so dass wir unseren wahren Zustand der Sünde nicht erkennen. In dem Moment, wo ich Jesus den Schlüssel gebe zu all meinen verborgenen und verschlossenen, inneren Räumen, wird er mich nicht in einen kosmischen Traum heben, auch nicht in Wohlgefallen auflösen; im Gegenteil: Er wird anfangen, das auszumisten, was mich auf der Erde knechtet und gefangenhält; nämlich die Leidenschaften. In Jesus Christus ist die Freiheit, von der jeder Mensch träumt. Durch ihn wird aus einem Sklaven ein freier Mensch."

So schreibt der Schweizer Pädagoge Klaus Kenneth in einem Erfahrungsbericht. Eine zwölfjährige Weltreise ließ ihn Islam, Hinduismus und Buddhismus näher kennen lernen. Am Ende dieser Reise, die zugleich eine innere Suchbewegung war, fand Kenneth zum Christentum zurück und wurde ein Missionar des Evangeliums. Auslöser war übrigens die Erfahrung sexuellen Missbrauchs durch einen Geistlichen: "Die Heuchelei eines 'Geistlichen', der mich als Junge während sieben Jahren sexuell missbraucht hatte, öffnete mir auf abstossendste Weise die Augen und trieb mich während zwölf Jahren zur Flucht um den ganzen Erdball."

Aber die Lebensodyssee führte ihn am Ende wirklich zu Jesus Christus. "Enttäuscht und verzweifelt kam ich zurück nach Europa. Christen in meiner Umgebung fingen an, für mich zu beten und mir von Jesus Christus zu erzählen. Sie brachten mich mit Maurice Ray zusammen, der mir liebevoll begegnete. Während unserer Gespräche begriff ich plötzlich, dass ich ein Leben lang Marionette war. Gab es noch Rettung für mich? 'Ja', meinte Maurice Ray, 'du bist frei, zu entscheiden, unter welcher Herrschaft du leben willst.' Ich wollte nicht mehr Marionette sein, sondern frei werden und unter der Führung von Jesus Christus leben. Wir knieten nieder und beteten. Dies war der Anfang eines neuen Lebens!"

Quelle: livenet.ch

Donnerstag, 1. April 2010

Tiefe Karfreitagsgedanken

Für evangelische Christen ist der morgige Karfreitag, der Tag der Erlösung, der höchste aller religiösen Feiertage, für katholische Christen aber ist es der Ostersonntag, der Tag der Auferstehung. Doch eigentlich sollte man den Karsamstag als den wirklich höchsten, zumindest als den ernstesten aller Tage feiern. Denn er gemahnt an das unergründliche Schweigen der in fernster Tiefe unerreichbar verborgenen Gottheit.

Ein Meister der Sprache wie Hofmannsthals Lord Chandos wusste, wie aussichtslos es ist, das wahrhaft Wichtige, das entscheidend Bewegende in stimmige Worte zu fassen. Man sucht verzweifelt die richtigen Begriffe und endet bei armselig unbeholfenen Worthülsen. Und man weiß: Das Gegenüber wird das, was man sagt oder schreibt, niemals wirklich so verstehen, wie man es zum Ausdruck bringen wollte.

Die Bibel ist voll solcher Missverständnisse. Sie entstehen, weil in den Religionen des Buches Gott nicht aus der Natur erfahren wird, nicht aus dem Glanz des nächtlichen Sternenhimmels oder aus der Strahlkraft der Sonne; er ist kein sich in Flüssen oder Bäumen verbergendes Wesen. Der biblische Gott wird erfahren, weil jene, die von ihm berichten, überzeugt sind, sein Wort gehört zu haben. Doch sicher haben sie ihn nicht immer verstanden. Abraham nicht, der sein eigenes Kind zu opfern bereit war. Moses nicht, der sich einmal Gottes Wort sogar widersetzte. Das Volk nicht, das sich seinen Propheten gegenüber taub stellte. Auch Jesu Jünger nicht, die mit den Gleichnissen und dem Wort vom hereinbrechenden Gottesreich nichts anzufangen wussten. Am allerwenigsten Petrus, von dem die Evangelien mehrfach von peinlichem Unverständnis und Irrtum berichten.

Obwohl man der Gefahr des Missverständnisses nicht entrinnen kann, mag der Wunsch, Gottes Stimme zu hören, zuweilen übermächtig gewesen sein. Denn Gottes Schweigen ist schwer zu ertragen. Eine Mutter blickt verzweifelt in das dunkle Grab, das den Sarg ihres einzigen Kindes umfängt, keiner vermag ihre Tränen zu trocknen, sie betet inständig um Trost – Gott schweigt. In Sekundenschnelle vernichtet eine brutale Sturzflut hunderte Leben – Gott schweigt. Von brennenden Schmerzen zerfressen fleht ein Kranker um ein gnädiges Sterben – Gott schweigt.

Der Gekreuzigte brüllt in barer Hilf- und Hoffnungslosigkeit zu seinem Gott, den er einst, in guten Tagen, liebevoll Abba, Väterchen, gerufen hat. Der Sterbende hört ihn nicht mehr. Hat Gott den Schrei vernommen? Gottes Schweigen lastet über dem Karsamstag.

Laut Schöpfungserzählung entstand der Kosmos durch göttliches Wort, mehrfach gesprochen an sechs Tagen. Am siebenten Tag aber, am Samstag, schweigt Gott. So gesehen symbolisiert der Karsamstag den schon überlangen siebenten Tag, an dem wir hier auf Erden unser Dasein fristen. Wird Gott ewig weiterschweigen? Oder wird es den achten Tag der Vollendung geben, an dem er sein Schweigen bricht?

Rudolf Taschner: Der höchste Tag. Das Schweigen feiern, Die Presse 1. April 2010

Der Autor dieses Beitrages ist Mathematiker und Betreiber des math.space, im quartier21, MQ Wien. Schon seit vielen Jahren fällt mir auf, dass in manchen Zeitungen zu den großen Festen der Christenheit Klügeres und Tieferes zu lesen ist als man von vielen Kanzeln hören kann.

Freitag, 12. Februar 2010

Vom Beten

Die Worte, die wir zu Gott sagen, sie können leise und arm und schüchtern sein. Wenn sie nur von Herzen kommen. Und wenn sie nur der Geist Gottes mitbetet. Dann hört sie Gott. Dann wird er keines der Worte vergessen. Dann wird er die Worte in seinem Herzen aufbewahren, weil man die Worte der Liebe nicht vergessen kann.

Karl Rahner

Montag, 5. Oktober 2009

Veränderung ist möglich!

Viele Menschen schauen auf ihre Vergangenheit, auf Fehlentscheidungen, Versagen, verpasste Chancen. Auf Dinge, die sich anders entwickelt haben, als erhofft. Aber du kannst einen Neuanfang machen. Die Botschaft des Evangeliums lautet: Ein Neuanfang ist möglich! Und doch leben Manche so, dass man über sie sagen kann: Den meisten Menschen ist eine bekannte Hölle lieber als ein unbekannter Himmel!

Manche Menschen bleiben lieber in dem, was sie kennen, mag es noch so beklemmend, schmerzhaft oder furchtbar sein, weil sie nicht bereit sind, etwas Neues zu empfangen, mag es auch noch so verheißungsvoll und vielversprechend sein.

Lass nicht zu, dass das Alte dich eingrenzt, dein Leben blockiert, dich erstickt und einengt. Schmeiß die Gedanken, dass alles sinnlos ist, dass alles immer so bleiben wird, wie es bisher war, und dass sich in deinem Leben nie etwas verändern wird, endlich über Bord. Es sind infame Lügen des Teufels.

Es muss nicht so bleiben wie es ist. Gott kann Neues schaffen. Jederzeit. Auch bei dir. Und ich bin gewiss: er kann es nicht nur tun, sondern er will es auch tun! Egal, welcher Lebensweg hinter dir liegt. Egal, wie deine Vergangenheit verlaufen ist. Egal, wie festgefahren deine Situation aussieht. Er kann eingreifen und Neues tun. Lass es zu!

Daher, wenn jemand in Christus ist, so ist er eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.
2.Korinther 5,17

Siehe, ich mache alles neu!
Offenbarung 21,5

Gefunden auf www.gottes-haus.de

Dienstag, 8. September 2009

Mächtiger als aller Unsinn

In einem Hotel in den Dolomiten spricht mich ein sympathischer Kellner an. Es ist Abend, der ganze Abwasch ist gemacht. Wie immer habe ich ein Buch in der Hand.

"Sie lesen immer, schreiben Sie auch?" Meine Antwort: "Ja, hin und wieder." Der junge Mann "Ich möchte mal ein Buch schreiben, ganz für mich, so wie ich das Leben sehe, was ich fühle, im Innern spüre, auch mit Esoterik und diesen Sachen."

So schreibe ich jetzt für die Leserinnen und Leser des Hamburger Abendblatts kein Buch, sondern nur ein paar Zeilen. Was kann ich über den Sinn meines Lebens sagen? Was steht dahinter? Natürlich kann man nicht immer so fragen, wir sollen leben. Leben macht Freude. Leben stellt vor immer neue Aufgaben. Aber sollen wir ganz ohne Gedanken leben?

Leben ist immer etwas ganz Persönliches, mein eigenes Leben - und dann erst das Leben der anderen. Ich will entdecken, was Sache ist: Freundschaft, Spaß, Verantwortung, Trost, Befreiung, Zukunft. Als Geistlicher lerne ich viele Menschen kennen, sehe, wie sie leben und ihren persönlichen Weg gehen. Ich werde bereichert und oft genug beschämt durch ganz unterschiedliche Lebensgeschichten und kann immer nur sagen: Jeder soll seinen eigenen Kopf behalten; er bleibt unvertretbar und verdient Respekt. Als Mann der Kirche spreche ich von Gott und will immer selber an ihn glauben: an die Kraft, an die Liebe, an die Person, so unvorstellbar groß, dass das kleinste Menschenkind von ihr nicht vergessen wird. Gott muss mächtiger bleiben als aller Unsinn. Gott kennt gerade mich und gibt mir meine Würde, auch wenn ich kläglich versage. Gott weicht keinem von der Seite. Er bedrängt uns nicht, sondern wartet, bis uns das Herz für ihn aufgeht. Es gibt so viele Wege zu Gott, wie es Menschen gibt, hat der polnische Papst einmal gesagt, ein gutes Wort. (...)

Hans-Joachim Jaschke: Der Sinn meines Lebens, Hamburger Abendblatt 5.9.2009

Nein, nein, nein!



So bekehrt man wohl niemanden!

Dienstag, 1. September 2009

Alt, aber immer noch gut...

... dieses kirchliche Plakat aus Deutschland, das ich kürzlich in einer Ausstellung in Hildesheim wieder sah...

Dienstag, 25. August 2009

Freiheit in reformatorischer Sicht

Heute ist Freiheit ein absoluter Wert in unserer westlichen Gesellschaft. Niemandem sollen unnötige Grenzen gesetzt werden. Niemand soll in seiner persönlichen Entfaltung gestört werden. Jeder soll tun und lassen können, glauben können, für wahr halten können, was er will.

Die Reformatoren forderten ebenfalls Freiheit für den christlichen Glauben. Luther und Zwingli schrieben je eine Schrift über dieses Thema (Luther: Die Freiheit eines Christenmenschen; Zwingli: Die freie Wahl der Speisen). Die Menschen konnten sich eine totale Freiheit, wie wir sie heute gerne ausleben würden, nicht vorstellen. Sie lebten in einer Zeit, in der die Machtstrukturen genau geregelt waren. Jeder wusste, wem er zu gehorchen hatte. Selbst in der gegen die Knechtschaft kämpfenden Schweiz gab es Herren, die das Sagen hatten. Neben der weltlichen Autorität gab es dann eben noch die Vorrangstellung der Kirche. Sie schrieb genau vor, wie ein Christenmensch zu leben hatte. Gegen Vorschriften, die die Kirche erlassen haben, aber von der Heiligen Schrift nicht gefordert sind, wehrten sich die Reformatoren.

Der Christ ist nicht an Vorschriften von Menschen gebunden, sondern einzig seinem Schöpfer verantwortlich, der sich in seinem Wort offenbart. Hier soll der Mensch sein Gewissen prüfen und nicht an den Geboten, die Menschen erlassen haben. Der Grund für die reformatorische Freiheit war und ist das Vertrauen auf Gott und seine Gnade.

In unserer Zeit der absoluten Freiheit sehnen sich die Menschen immer wieder nach Punkten, an denen sie sich festhalten können. So verrückt es klingt, so glaube ich doch, dass wir heute ganz besonders in Gefahr sind die christliche Freiheit zu verlieren. Überall dort wo Menschen sich ihre eigenen Gedanken machen, was Gott wohl gefällt und wie sie ihr Leben führen sollen, machen sie sich eigene Gesetze. Luther und Zwingli riefen die Menschen nicht weg von jeder Norm, sondern hin zu Gottes Wort. Hier ist die wahre Freiheit zu finden. Hier stellt sich Gott vor. Hier sehen wir, dass Glaube das Einzige ist, was unserem Schöpfer gefällt. Die reformatorische Freiheit ruft uns zur Heiligen Schrift und und zum Glauben, dass Christus alles geleistet hat, was der Mensch zum Heil nötig hat.

Thomas Reiner: Reformiertes ABC - F wie Freiheit, in: reformiertheute.blogspot.com

Christliche Freiheit ist niemals Willkür. Luther wusste um das in Gottes Wort gebundene Gewissen des Christenmenschen. Die Freiheit, zu der Christus befreit, ist immer auch eine Freiheit von uns selbst - oder anders gesagt, die Freiheit, von uns selbst abzusehen und zu lieben.

Sonntag, 23. August 2009

Mit 15 ins Kloster

Ich war 15 Jahre alt und durfte schon eintreten, weil wir Paulus-Schwestern (damals!) ein Gymnasium im Kloster hatten. Vielleicht erstaunst du ein bisschen, dass jemand mit 15 Jahren so eine Entscheidung treffen konnte. Ja, ich auch, aber bei mir war es so selbstverständlich, weil ich schon seit einigen Jahren darüber nachgedacht hatte und mein Lebenstraum war einfach mein Leben Jesus zu schenken und eine Schwester zu werden. Ich las mehrmals das Buch “Die Geschichte einer Seele”, die Autobiografie von St. Teresa vom Kinde Jesu. Ihr Leben hat mich tief beeindruckt und inspiriert.

Sie wollte auch sehr jung eintreten und ist dann mit 15 Jahren ins Kloster gegangen. Als Teenager wollte ich das Gleiche tun. (Na ja, sie wurde mit 24 Jahren schon Heilig, und das wünschte ich es mir auch…aber ich glaube ich bin immer noch nicht so weit!)


Sr. Christine im Weblog der Paulus-Schwestern Deutschland

Freitag, 14. August 2009

Irrtum


Die Idee ist zwar witzig, aber doch schräg: Gottesdienste sind gewiss nicht nur Garagen oder Werkstätten. Es müsste doch wohl heißen: Wer glaubt, ein Christ zu sein, weil er Kirchensteuer/Kirchenbeitrag bezahlt, der irrt sich...

Montag, 27. Juli 2009

Gott ist schön

Ein Greis mit rauschigem Bart: Viele denken, dass Gott so aussieht. Dies dokumentieren zahlreiche Gemälde, die den Schöpfer darstellen sollen. Biblisch gesehen dürfte das Unsinn sein, Gott dürfte auch äusserlich mit einer atemberaubenden Schönheit überzeugen.

Gott, der Schöpfer, ist ewig und deshalb das älteste Wesen im Universum. Das heisst aber noch lange nicht, dass er alt aussieht. Dem zum Trotz wird er auf vielen Bildern als uralt dargestellt. Möglich, dass man im Mittelalter ausdrücken wollte, dass er weise ist. Doch damit dürfte man Gott optisch gesehen wesentlich älter gemacht haben, als er ist.

Denn bereits auf den ersten Seiten der Bibel hinterlässt Gott einen Hinweis, wie er aussieht. Er schuf den Menschen zu seinem «Ebenbild».* Damals war die Schöpfung noch intakt und der Tod existierte nicht. Eine Zeit, in der der Körper nicht alterte. Adam und Eva, die ersten Menschen, würden heute rein durch ihr Äusseres wohl alle blenden. Denn damals war die Natur, zu der ja auch der Mensch gehört, perfekt.
Adam wird deshalb besser ausgesehen haben als Enrique Iglesias, Brad Bitt und Cristiano Ronaldo zusammen. Und das Ganze, ohne zu altern. Und Eva muss ihm in nichts nachgestanden haben – schliesslich hatte sie den gleichen Schöpfer.

* Die Bibel, 1. Mose, Kapitel 1, Vers 27

Der schöne Gott

Es gibt also keinen Grund anzunehmen, dass der Erfinder des Schönen nicht selbst schön ist. Zumal die menschliche Schönheit gemäss diesem Bibeltext sein Abbild ist.

Gott plant eine neue Erde, die so ist, wie er die jetzige gedacht hat. Eine Welt ohne Leid und Tod. «Er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein. Ja, von nun an wird Gott selbst in ihrer Mitte leben. Er wird alle ihre Tränen trocknen, und der Tod wird keine Macht mehr haben. Leid, Klage und Schmerzen wird es nie wieder geben; denn was einmal war, ist für immer vorbei.»
Gott in Natura

Die Bibel liefert verschiedene Hinweise auf diese zukünftige Welt. Diese hat nichts zu tun mit gängigen Darstellungen eines langweiligen Himmels. Im Gegenteil: pulsierendes Leben in einer «geheilten» Welt.

Der Gedanke ist abwegig, dass da mittendrin ein Gott sitzt, der nichts anderes als ein Tattergreis ist. Da liefert das «Buch der Bücher» handfesteres: «Die Stadt erstrahlte im Glanz der Herrlichkeit Gottes. Sie leuchtete wie ein Edelstein, wie ein kristallklarer Jaspis.» Diesen Gott in Natura sehen zu dürfen, das muss eine Wucht sein, die man sich nicht entgehen lassen sollte.

Daniel Gerber


Ein vielleicht zunächst sehr ungewohnt und hergeholt klingender, aber andererseits auch überzeugender Gedankengang. Nur, dass die Schönheit Gottes natürlich alle Schönheit dieser Welt blass aussehen lässt. Wir sind nur Ebenbild, Abglanz, Widerschein. Aber das Bild des alten Mannes mit Bart, der irgendwo auf den Wolken thront und auf die Pension zu warten scheint, das sollte wirklich ausgedient haben.

Dienstag, 21. Juli 2009

Uns besinnen auf die wirkliche Bestimmung unseres Lebens

Wie oft lassen wir uns (…) auf die Heilsversprechungen der Welt ein. Wir suchen Rat in Horoskopen und Hilfe und Heil in der Esoterik. Wir öffnen uns fragwürdigen und gefährlichen Praktiken, wie Reiki u. ä. Selbst Kirchgänger fallen in den heidnischen Aberglauben zurück und glauben an fernöstliche Lehren wie die Reinkarnation. (…)

Statt in fernöstlicher Manier in die Leere zu starren sollten wir uns wieder in der Betrachtung der christlichen Heilsgeheimnisse üben und uns der Liebe Christi und der Heiligen, wie sie uns etwa in der Ikone entgegenstrahlt, öffnen. Wir müssen uns bewusst sein, dass es einen unversöhnlichen Gegensatz zwischen der Lehre des alten und neuen Heidentums und der christlichen Botschaft gibt.

Während das Heidentum keinen Erlöser kennt und die Erlösung, die meist in der Auflösung des Ichs besteht, durch magische Praktiken und esoterische Lehren verspricht, so ist die wahre Erlösung nur in und durch Christus möglich, niemand kommt zum Vater außer durch ihn! Entscheiden wir uns also wieder für ein Leben aus dem christlichen Glauben und lassen ab von fragwürdigen und oft teuren neuheidnischen Praktiken. (…) Und denken wir immer daran: Gottesfurcht schützt vor Heidenangst!

(…) Der Mensch ist keine Maschine, die ununterbrochen tätig sein kann und wenn selbst der gottmenschliche Erlöser immer wieder Zeiten benötigte, in denen er sich zur Ruhe und zum Gebet zurückzog, wieviel mehr brauchen dann wir schwachen, einfachen Menschen diese Zeiten. Unser Zeitalter ist vielleicht wie kein anderes vor ihm durch eine extreme Betriebsamkeit und Hektik bestimmt. Die Menschen erfinden Maschinen, die ihnen viele schwere und zeitaufwendige Arbeit abnehmen und scheinen doch zugleich weniger Zeit als je zuvor zu haben.

Selbst wenn wir mehr Freizeit haben als je eine Generation vor uns, füllen wir auch diese mit Aktivitäten in Überfülle und hetzen von einer Attraktion zur nächsten. Nach einem völlig ausgebuchten Wochenende erscheinen wir dann montags kaputter auf der Arbeit als wir sie Freitags verlassen haben.

Lassen Sie mich eine Erklärung versuchen zu diesem Phänomen der ständigen Zeitknappheit, der Hektik und des Getriebenseins. Es ist meine feste Überzeugung, dass auch dieses Phänomen unserer Zeit mit dem Verlust des christlichen Glaubens, mit der Gottvergessenheit unserer Zeit zusammenhängt. Wer gemäß dem Kirchenlied, das in Zeiten schwerster Not entstand, „nur den lieben Gott lässt walten“, der ist sich darüber bewusst, dass wir zwar das Unsere tun sollen, dass aber letztlich alles in Gottes Hand liegt und wir uns zuversichtlich seiner Vorsehung anvertrauen dürfen. Er weiß am Besten, was wir benötigen, und er wird es uns, wenn wir uns in rechter Weise an ihn wenden, auch zuteil werden lassen.

Dieses Vertrauen in die väterliche Vorsehung schenkt eine tiefe und innere Gelassenheit. Der Gläubige weiß zugleich, dass das irdische Leben immer auch ein „Tal der Tränen“ ist, dass das vollkommene Glück hier nie zu erreichen ist und dass wir immer nur eine Vorverkostung der künftigen Herrlichkeit erlangen können. Der Gläubige weiß, dass er hier seinem göttlichen Meister folgen muss, der Verrat, Verhöhnung, Abneigung, Folter und Tod auf sich genommen hat, um uns von der Sünde Adams zu erlösen und uns ein Zeugnis seiner Liebe zu geben.

Wer dagegen jene Vorsehung vergisst und wer auch das ewige Ziel, den Himmel, aus den Augen verliert und sein gesamtes Glück auf Erden finden will, der wird ein Getriebener, ein Rastloser, auf ihm wird der Fluch liegen, dass er ewig nach Ruhe sucht, doch diese im Getriebe der Welt nie finden wird. Er verliert in dieser Rastlosigkeit sich selbst ebenso aus den Augen, wie er seinen Nächsten und Gott aus den Augen verliert. Weshalb sollte er sich aufopferungsvoll um einen Mitmenschen kümmern, wenn er doch damit die kostbarste Zeit seines kurzen Lebens auf Erden vergeudet. Wenn es keinen Himmel gibt, dann gibt es auch keine Verantwortung dem anderen gegenüber und dann bin ich nur mir selbst der Nächste. Dann muss ich über Leichen gehen, um mein höchstes Glück auf Erden zu erlangen. Doch ich verspreche Ihnen, wer so denkt, der wird sein Glück nie finden! Auch die großen Ideologien des 20. Jahrhunderts, der Nationalsozialismus und der Kommunismus versprachen den Himmel auf Erden, doch sie schufen die Hölle auf Erden.

Wir wissen aber, dass wir uns der göttlichen Vorsehung, dem Vater im Himmel, anvertrauen können, wir wissen, dass wir dem Beispiel des Gottmenschen folgen dürfen und uns Zeiten der Rast und Ruhe gönnen dürfen, in denen wir uns im Gebet unserem Gott zuwenden, uns wieder besinnen auf die wirkliche Bestimmung unseres Lebens. Wir dürfen uns eine Zeit gönnen, in der wir nur die Schönheit der Schöpfung betrachten und dem Schöpfer für dieses große Geschenk danken. Dann erfahren wir plötzlich die Verlangsamung der Zeit, wir erfahren, wie der Geist aufatmet und der Körper Ruhe findet.

Peter H. Görg

Montag, 20. Juli 2009

Kriegsberichterstattung

"Alles, was irgendwie schiefgehen konnte, ging schief"

Diesen Satz habe ich zum ersten Mal am Ende einer internationalen Konferenz gesagt, in der regelrecht der Wurm drin war. Ich hatte ein Team mitgebracht, das bei der Durchführung einer mehrtägigen Veranstaltung in Übersee helfen sollte, und alles, was irgendwie schiefgehen konnte, ging schief. Es gab Sprachschwierigkeiten, kulturelle Schwierigkeiten, Schwierigkeiten mit dem Veranstaltungsort, technische Schwierigkeiten, Übersetzungsschwierigkeiten, Transportschwierigkeiten und so weiter.

Am Ende kam es uns so vor, als hätten wir einen viertägigen Straßenkampf hinter uns. Während der Konferenz saßen wir noch bis morgens um ein oder zwei Uhr zu Besprechungen in meinem Hotelzimmer zusammen und wankten dann nur drei Stunden später noch schlaftrunken zu den ersten Proben. Tagsüber hockten wir in den Pausen in einem Rückzugsraum und dachten darüber nach, was wir jetzt tun sollten, weil schon wieder etwas schiefgegangen war. Endlich, während der letzten Einheit, war Gottes Wirken auf überwältigende Weise zu spüren. Es war wunderbar, doch die dadurch ausgelösten Tränen hätten ebenso gut Tränen der Erschöpfung sein können.

Am Schluss rief ich alle Mitglieder des Teams hinter der Bühne zusammen und sagte: „Diese Schlacht gehört mit zu den größten, die ich je für das Reich Gottes geschlagen habe. Danke – danke euch allen –, dass ihr euch so wacker geschlagen habt, ohne auszuflippen. Das hat den Ausschlag gegeben. Mit Gottes Hilfe haben wir es geschafft, Leute. Und wir haben es gemeinsam getan.“

"Der Sieg schmeckte umso süßer"

Da wir so hart gekämpft hatten, schmeckte der Sieg nun umso süßer. Ich bat alle in jenem kleinen Kreis, einander bei den Händen zu fassen. An jenem Tag betete ich mit meinem Team und dankte Gott für ein gemeinsames Erlebnis, das wir für den Rest unseres Lebens mit uns tragen würden.

Bill Hybels

Zum Weinen, Glauben, Sterben schön



Es gibt Musik, die direkt vom Geist Gottes inspiriert sein muss. Ich bin sicher, dass selbst die Engel im Himmel weinen müssen, wenn sie dies singen.

Donnerstag, 16. Juli 2009

Konfession und Christsein

Protestant kann man aus Tradition sein, Katholik ebenso, vielleicht sogar Methodist. Aber Christ ist man aufgrund eigenen Glaubens und eigener Entscheidung.

Dienstag, 14. Juli 2009

Warum Stachelschweine?

Am vergangenen Mittwoch ging ich kurz entschlossen mit einer Freundin in den Tierpark hier in Greifswald. Er zieht sich rund um einen kleinen Tümpel. Und ich liebe Wasser. Es war einfach genial dort spazieren zu gehen. Die Tiere waren genial.

Als wir bei den Stachelschweinen ankamen, stellte ich mir allerdings die Frage: Was hat Gott sich dabei gedacht? Hatte er keinen Zahnstocher dabei und dachte dann - "Naja mache ich mal ein Tier mit Stacheln, dann kann mir das nicht mehr passieren."

Natürlich nicht. Aber es war irgendwie schon cool mit diesem Gedanken dort durch zu laufen, warum es nun welches Tier geben könnte. klar fand ich keine Antwort darauf. Schließlich finde ich ja auch keine Antwort auf die Frage, warum nun ich so bin, wie ich eben bin. Nur, dass Gott sich mit Sicherheit etwas dabei gedacht haben muss.

Sonntag, 12. Juli 2009

Elementar

Fürchte dich nicht! Das ist der Inbegriff des Evangeliums, eine Kurzformel des Glaubens: Fürchte dich nicht, hab keine Angst, nicht vor dir, nicht vor den Menschen, nicht vor Zukunft, nicht vor der Vergangenheit, nicht vor einem strafenden Gott. Fürchte dich nicht! In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost: Ich habe die Welt überwunden, spricht unser Herr.