Dienstag, 25. August 2009

Freiheit in reformatorischer Sicht

Heute ist Freiheit ein absoluter Wert in unserer westlichen Gesellschaft. Niemandem sollen unnötige Grenzen gesetzt werden. Niemand soll in seiner persönlichen Entfaltung gestört werden. Jeder soll tun und lassen können, glauben können, für wahr halten können, was er will.

Die Reformatoren forderten ebenfalls Freiheit für den christlichen Glauben. Luther und Zwingli schrieben je eine Schrift über dieses Thema (Luther: Die Freiheit eines Christenmenschen; Zwingli: Die freie Wahl der Speisen). Die Menschen konnten sich eine totale Freiheit, wie wir sie heute gerne ausleben würden, nicht vorstellen. Sie lebten in einer Zeit, in der die Machtstrukturen genau geregelt waren. Jeder wusste, wem er zu gehorchen hatte. Selbst in der gegen die Knechtschaft kämpfenden Schweiz gab es Herren, die das Sagen hatten. Neben der weltlichen Autorität gab es dann eben noch die Vorrangstellung der Kirche. Sie schrieb genau vor, wie ein Christenmensch zu leben hatte. Gegen Vorschriften, die die Kirche erlassen haben, aber von der Heiligen Schrift nicht gefordert sind, wehrten sich die Reformatoren.

Der Christ ist nicht an Vorschriften von Menschen gebunden, sondern einzig seinem Schöpfer verantwortlich, der sich in seinem Wort offenbart. Hier soll der Mensch sein Gewissen prüfen und nicht an den Geboten, die Menschen erlassen haben. Der Grund für die reformatorische Freiheit war und ist das Vertrauen auf Gott und seine Gnade.

In unserer Zeit der absoluten Freiheit sehnen sich die Menschen immer wieder nach Punkten, an denen sie sich festhalten können. So verrückt es klingt, so glaube ich doch, dass wir heute ganz besonders in Gefahr sind die christliche Freiheit zu verlieren. Überall dort wo Menschen sich ihre eigenen Gedanken machen, was Gott wohl gefällt und wie sie ihr Leben führen sollen, machen sie sich eigene Gesetze. Luther und Zwingli riefen die Menschen nicht weg von jeder Norm, sondern hin zu Gottes Wort. Hier ist die wahre Freiheit zu finden. Hier stellt sich Gott vor. Hier sehen wir, dass Glaube das Einzige ist, was unserem Schöpfer gefällt. Die reformatorische Freiheit ruft uns zur Heiligen Schrift und und zum Glauben, dass Christus alles geleistet hat, was der Mensch zum Heil nötig hat.

Thomas Reiner: Reformiertes ABC - F wie Freiheit, in: reformiertheute.blogspot.com

Christliche Freiheit ist niemals Willkür. Luther wusste um das in Gottes Wort gebundene Gewissen des Christenmenschen. Die Freiheit, zu der Christus befreit, ist immer auch eine Freiheit von uns selbst - oder anders gesagt, die Freiheit, von uns selbst abzusehen und zu lieben.

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