Sonntag, 10. August 2008

Glaube und Fitness

Fitnessstudios sind sicher eine prima Sache. Aber es erfordert eine ganze Menge Selbstdisziplin, mehrmals in der Woche den inneren Schweinehund zu überwinden - mehr als viele Menschen aufbringen können. Die Amerikaner haben jetzt ein Mittel gegen diese Trägheit gefunden - allerdings braucht es dafür ein gerüttelt Maß an Glauben.

Von Carsten Schmiester, ARD-Hörfunkstudio Washington

Fitness (Archivbild) (Foto: dpa) Beine nach links, Beine nach rechts, Oberschenkel anziehen - und immer wieder die Arme hoch, Richtung Himmel. Ein gutes Dutzend überwiegend weiblicher und nicht wirklich schlanker Fitnessjünger hat sich im Gemeinschaftsraum einer Kirche in der Nähe von Washington zum Gebet getroffen. Zum bewegten Gebet.

Hier wie in hunderten Kirchen überall in den USA huldigen übergewichtige Amerikaner dem neuesten Trend: "Gospel Fitness" ist das Zauberwort. Zu rhythmischer religiöser Musik und zwischendurch vom Trainer oder der Trainerin immer wieder zur Huldigung des Herren aufgefordert, werden hier Glaube und Gewebe gleichzeitig gefestigt.

Beckenschwung trifft Bibelstunde

Beckenschwung und Bibelstunde, hier gehe beides zusammen, erklärt Donna Richardson-Joyner, die von ihren Anhängern als Gospel-Fitness-Guru geradezu verehrt wird: "Wir müssen auf unseren Körper ebenso wie auf unseren Geist hören und beiden Gutes tun. Das hier ist wie eine Party mit einem ganz bestimmten Zweck: Körperliche Fitness und Glaubensstärke."

Genau das macht immer mehr Menschen in den USA so richtig an. Vor allem Damen, die alle möglichen Hungerkuren hinter sich und in normalen Fitnesszentren einfach nicht genug Spaß haben. "Gospel Fitness ist anders", schwärmt eine Frau: "Ohne Gott würde ich das hier nicht durchhalten. Ich glaube wirklich, dass mein Körper ein Tempel des Heiligen Geistes ist. Wenn ich mich nicht um ihn kümmere, dann diene ich Gott nicht so, wie ich es sollte!", ist sie überzeugt.

Auch einer der wenigen Männer im Kurs ist begeistert: "Körper und Geist sind uns von Gott geschenkt", sagt er. "Es liegt in unserer Verantwortung, beide gut zu behandeln. Das gilt für mich ganz besonders." Der rundliche Herr fängt gerade erst an mit "Gospel Fitness", er hat noch viele bewegte Gebete vor sich.

"Christyoga" - dem Himmel so nah

Ganz im Gegensatz zu denen, die dank dieser Glaubens-Gymnastik auch körperlich wieder in gute Form gekommen sind. Sie gehen dann den nächsten ruhigeren Schritt und halten ihre Form mit dem allerletzten Schrei in der Glaube-Dich-Fit-Szene: Mit einer Art "Jesus-Yoga", vorgeführt von Ex-Dallas-Schauspielerin Janine Turner.

Die verbiegt sich in diesem Übungsfilm, Internet-Bestellpreis 19,95 Dollar, anmutig - und wann immer sie genug Luft hat, haucht sie hingebungsvoll Bibelzitate: "Hi, ich bin Janine Turner. Willkommen zu "Christoga", Yoga für Christen. Was für eine tolle Sache, eine halbe oder eine ganze Stunde lang den Körper zu dehnen und dabei mit Jesus zu beten..."

"Schlusslicht" der ARD-Tagesschau vom 9.8.2008

Dass der Glaube den ganzen Menschen meint, wussten wir doch immer schon. Insofern ist das sehr konsequent...

Im morgendlichen Gegenlicht