Sonntag, 28. September 2008

"Wir richten jeden so gut wie möglich her."

Agnes D.* merkt nichts von den Tränen, die für sie vergossen werden. Sie hört nicht die liebevollen Anekdoten, die über sie erzählt werden. Und sie fühlt nicht die Trauer, die sie umgibt. In wenigen Minuten wird die 77-Jährige, die am Tag zuvor verstorben ist, ihr Haus für immer verlassen. Ihre Familie nimmt Abschied: Ein letzter Blick auf den regungslosen Körper, ein letztes Streicheln über die kalte Hand - Agnes D. wird in den Leichenwagen getragen. Die geliebte Mutter und Oma ist von nun an Auftrag 1376. Bis zu ihrer Beerdigung kommt sie in die Kühlkammer des Bestattungsunternehmens.

In unserer Gesellschaft des Jugendwahns ist der Tod ein ungern gesehener Gast. Kaum ist ein Mensch gestorben, wird er in fremde Hände gegeben. DIN EN 15017, die europäischen Norm für Bestattungsdienstleistungen, herrscht dann statt persönlicher Fürsorge und Trauer am Totenbett. "Die Trauerfähigkeit ist in unserer Kultur der Coolness kaum entwickelt", sagt Psychologe Jorgos Canacakis.

Nach dem Gesetz darf der Tote drei Tage zu Hause bleiben, doch die meisten Leichname werden zügig abgeholt. Die wenigen Angehörigen, die sich später noch einmal von Angesicht zu Angesicht verabschieden, möchten einen friedlichen, keinen sich bereits zersetzenden Körper sehen. Daher werden Wunden, Leichenflecke und Fäulnisblasen von Bestattern kaschiert. Sie sind die Visagisten der Verstorbenen. Die Verschönerung des Todes ist ihr tägliches Geschäft.

Auftragsnummer 1376 ist jetzt bei GBI, Hamburgs größtem Bestattungsunternehmen, an der Reihe. Melanie Kullas streift ihre Latexhandschuhe über und öffnet die schwere Stahltür. Das ständige Brummen der Kühlaggregate schwillt an, ein kalter Luftstoß durchströmt den weiß gekachelten Raum. Sie zieht die unterste Eisenliege heraus, schiebt sie in die Raummitte unter das grelle Licht der Neonröhre. Ein Kontrollblick auf den Namenszettel am Knöchel der mit einem Betttuch umhüllten Leiche. Es ist Agnes D. Nach zehn Tagen bei vier Grad Celsius wird sie für ihre Beerdigung vorbereitet.

Melanie Kullas streift das Betttuch ab. Sie ist eine von deutschlandweit 370 Auszubildenden zur Bestattungsfachkraft. Seit Juli 2003 gibt es diesen Lehrberuf, vorher konnten auch Ungelernte den Job übernehmen. Seit knapp drei Jahren arbeitet die 23-Jährige bei GBI - die Firma ist eine von rund 4000 in Deutschland, die die jährlich etwa 830 000 Toten für ihren letzten Weg zurechtmachen.

Melanie Kullas ist so unauffällig wie ihre Kleidung. An ihrem Beruf findet sie nichts Außergewöhnliches, ihre Emotionen hat sie unter Kontrolle: "Man muss mitfühlen, aber nicht mitleiden." Bei ihrer ersten Leiche musste sie allerdings schlucken: "Es war ein Zwischending zwischen Neugierde und Abneigung." Langsam hat sie die Hemmungen verloren. Agnes D. ist ihre fünfte Leiche.

Das Gesicht ist fahl, der Mund weit geöffnet, die Augen ein wenig eingedrückt. Rötliche Leichenflecke bedecken den Nacken. Eine geplatzte Fäulnisblase hat Flecken auf dem Betttuch hinterlassen. Der Körper von Agnes D. verfällt, Melanie Kullas arbeitet dagegen. Sie tupft den nackten Körper mit Papiertüchern und Desinfektionsspray ab - vorsichtig, denn die Haut könnte reißen. Sie füllt die Wangen mit Kosmetiktüchern aus und schließt den Mund der Toten.

Mit einer Augenkappe, die sie wie eine dicke Kontaktlinse auf den Augapfel drückt, verhindert sie ein weiteres Einfallen der Augen. Melanie Kullas arbeitet schnell und zielgerichtet. Ein wenig Camouflage auf die rötlichen Flecke, Frischhaltefolie um die Fäulnisblase am Bein, Feuchtigkeitscreme auf die fahlen Wangen, die kurzen grauen Haare in Form bürsten. Fertig. Nach 15 Minuten sieht Auftrag 1376 wieder aus wie Agnes D.

"Wir richten jeden so gut wie möglich her. Egal, ob die Verwandten noch einmal in den Sarg gucken oder nicht", sagt Holger Langer, der als Abteilungsleiter Fahrdienst bei GBI für die Versorgung der Verstorbenen verantwortlich ist. In einem Berufszweig, in dem es nur Richtlinien, aber keine staatlichen Kontrollen gibt, ist pietätvolle Professionalität eine Frage der persönlichen Moral. "Bei einer Bestattung gibt es keine Generalprobe. Wir müssen so perfekt wie möglich arbeiten", sagt Langer.

Während für die Verwandten oft eine Welt zusammenbricht, müssen die Bestatter Souveränität beweisen. "Wenn ich mir über jede tote Person Gedanken machen würde, müsste ich den Job wechseln", sagt Langer. Dass der Grat zwischen würdevoll-routiniertem Umgang und abgestumpfter Massenabfertigung schmal ist, weiß er. Und das weiß auch Melanie Kullas.

Die Auszubildende schiebt Auftrag 1376 für die nächsten 18 Stunden zurück ins vierte Fach der Kühltruhe. Morgen früh wird sie Agnes D. ein weißes Totenhemd mit besticktem Perlenkragen überstreifen. Sie wird sie in ihren Buchensarg betten und zum Friedhof, zur trauernden Verwandtschaft fahren. Die Auszubildende wird die Letzte sein, die Agnes D. sieht. Von ihren Verwandten und Freunden möchte sich niemand von Angesicht zu Angesicht verabschieden. Der Sargdeckel bleibt geschlossen. * Name geändert

Monika Lembke: Rouge für die letzte Reise, welt.de 28.09.2008

Ja, komm bald

Genug

"Wer ist da? Nur ich. O, das ist überflüssig genug."

G.C. Lichtenberg (B 236)

Samstag, 27. September 2008

Im Dialog mit dem Eimer

"Österreich" 17.08.2008, S. 17 (Rubrik "Life and Style)

Oder vielleicht doch besser zu IKEA...?


Wählen dürfen - mit 16


Morgen dürfen erstmals auch die 16- und 17-Jährigen an der Nationalratswahl teilnehmen. Keiner meiner Schüler (zwischen 15 und 19 Jahren) fand diese Neuregelung positiv: Übereinstimmend waren sie der Auffassung, in diesem Alter sei man noch nicht reif genug, um über die Zusammensetzung des Parlaments mitzuentscheiden. Es ist eine insgesamt fragwürdige Regelung (die es ja auch in manchen deutschen Bundesländern - bezogen auf Landtags- und Kommunalwahlen - gibt, junge Menschen, denen man noch manche Rechte vorenthält (z.B. den Erwerb und Gebrauch bestimmter Genussgifte) als Wähler zuzulassen. Mehrere Schülerinnen aus der Fachschule für Wirtschaft sagten mir, sie würden die FPÖ wählen, weil sie die blauen Haftschalen von H.C. Strache so sexy fänden. Vermutlich kommt es nicht selten aufgrund solcher Kriterien zur Wahlentscheidung.

Eine österreichische Besonderheit scheint mir das "Wahlerbe" zu sein, möglicherweise haben die großen Parteien darauf gesetzt, dass die jungen Erstwähler ihre Stimme derselbe Partei geben wie ihre Eltern. Tatsächlich habe ich auch Äußerungen in dieser Richtung von Schülern gehört. Das wäre in Deutschland schwer vorstellbar, da dürfte eher eine Protestwahlgesinnung überwiegen: Ich wähle doch nicht, was meine Eltern wählen.

Die Plakate und Anzeigen, mit denen das neue Wahlrecht beworben wird, wecken mit ihrem Text eher Assoziationen an den ersten Sex. Der Bursche mit dem Hütchen erinnert an die alte Sitte, nach der die (männlichen) Konfirmanden am Konfirmationstag als Zeichen ihres Erwachsenseins erstmals einen Hut zu tragen hatten. Der Blick in mein Fotoalbum belehrt mich, dass meine Eltern mir sogar schon zur Einschulung einen Hut kauften. Was will mir das sagen?

Profil, männlich, von rechts

Posted by Picasa

M.Ö.

Von Anbeginn im Lutherhof: Die Lutherschule, heute leider nicht mehr in direkter Trägerschaft der Gemeinde, sondern dem Evangelischen Schulwerk zugehörig, was den Kontakten nicht so gut tut.

Die Abkürzung bedeutet "mit Öffentlichkeitsrecht".
Posted by Picasa

Haben Zugvögel Heimweh?

Auf Wolkenbürgschaft

für Sabka

Ich habe Heimweh nach einem Land
in dem ich niemals war,
wo alle Bäume und Blumen
mich kennen,
in das ich niemals geh,
doch wo sich die Wolken
meiner
genau erinnern,
ein Fremder, der sich
in keinem Zuhause
ausweinen kann.
Ich fahre
nach Inseln ohne Hafen,
ich werfe die Schlüssel ins Meer
gleich bei der Ausfahrt.
Ich komme nirgends an.
Mein Segel ist wie ein Spinnweb im Wind,
aber es reißt nicht.
Und jenseits des Horizonts,
wo die großen Vögel
am Ende ihres Flugs
die Schwingen in der Sonne trocknen,
liegt ein Erdteil
wo sie mich aufnehmen müssen,
ohne Paß,
auf Wolkenbürgschaft.

Hilde Domin

Sezession

Posted by Picasa

Vor der Wahl

Die letzte Sitzung des österreichischen Nationalrates dauerte über 19 Stunden (von morgens 9 Uhr bis zum nächsten Morgen kurz nach 4 Uhr), das ist rekordverdächtig. In ziemlicher Spendierlaune beschloss das Hohe Haus mit wechselnden Mehrheiten allerlei finanzielle Freundlichkeiten, so die Abschaffung der Studiengebühren und eine Pensionserhöhung. Auch wird die Autobahnvignette im nächsten Jahr nicht teurer. Keine Mehrheit fand allerdings die Halbierung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel, die Österreich auch in Konflikt mit EU-Recht gebracht hätte.

Aber auch so herrschte bei der letzten NR-Sitzung ein Geist irgendwo zwischen Karl Kraus, Josef Qualtinger und dem klassischen Wienerlied vor:

Weil mir heut' so lusti' beinander grad san, liegt uns an a'm Geld a nix dran. (Wienerlied, 1896)

Von Josef Hornig, dem Meister des Wienerliedes, stammt der Text zu „Es wird ein Wein sein“, das der Literat Peter Altenberg „das beste, rührendste und tiefste wienerische Couplet“ genannt hat, in dem die „ganze süße, herzige und leichtsinnige Lebensfreude des Wieners“ liege. Wer betrachtet, wie eine ausgelassene Parlamentarierschar heute – wie eine Hofgesellschaft vor dem Eintreffen der Pest – ihre letzte, alles übersteigende Spendierhosenparty vor einem kalten Oppositionswinter oder einer alles vermiesenden Rezession feiert, möchte Altenberg beipflichten.

In diesem rauschhaften Abschied vor der Wahl offenbart sich noch einmal die „leichtsinnige Lebensfreude“, die laut Nationalmythos ja allen Österreichern in die Wiege gelegt worden ist. Um mit Hornig zu singen: Wer wird denn schon spar'n, das fallt uns gar net ein,/Das heb'n ma uns auf, bis ma sterb'n.../Mir lassen nix z'ruck, no das is' schon bestimmt,/Mir ham alles gern, nur kan Streit./Und dass ka' Notar unsern Erben was nimmt,/Verjuck' ma halt 's Geld voller Schneid. Der Refrain endet jedes Mal, nach einer Erinnerung daran, dass wir einmal „nimmer sein“ werden, mit der Aufmunterung: Drum greif' ma zua, grad is' no Zeit!" (Michael Prüller: Die letzte Party im Parlament, Die Presse 24.09.2008)

Wie viele von den beschlossenen Wahlzuckerln Bestand haben werden, das wird sich nach der morgigen Wahl zeigen. Nach den Umfragen kommen rechnerisch nur wenige Koalitionen in Frage: Wenn sich SP und VP nicht wieder zu einer Großen Koalition zusammentun (was angeblich niemand will), dann könnten die Roten wie die Schwarzen mit den Straches Blauen (FPÖ) zusammengehen, was aber rechnerisch nicht ausreicht, also müsste ein weiterer Partner für eine Dreierkoalition gefunden werden. Die nationalkonservative FPÖ gilt eigentlich allen Seiten als der Gottseibeiuns, aber nach der Wahl denkt und redet man bekanntlich anders als vor der Wahl. In manchen Fragen hat sich die SPÖ (unterstützt durch die mächtige "Kronzenzeitung") ja schon auf die FPÖ zubewegt...

Das komplizierte Verhältniswahlrecht bringt es mit sich, dass man auf die endgültigen Ergebnisse der Wahl wohl länger wird warten müssen als in Deutschland.

Zum reinen Verhältniswahlrecht war übrigens neulich (13.09) in der "Presse" zu lesen:

"Man sollte die verbleibende Zeit bis zum Abend des 28. September dazu nutzen, sich noch einmal darüber klar zu werden, was man eigentlich will: Ein Verhältniswahlrecht, das einen regelmäßig an den Rand der Staatskrise bringt, oder ein Mehrheitswahlrecht, das eines der in der Zweiten Republik sträflich vernachlässigten Prinzipien der Demokratie wieder stark macht: die Möglichkeit, eine Regierung abzuwählen. ÖVP und SPÖ werden als bisherige Regierungsparteien die eindeutigen Verlierer dieser Wahl sein, trotzdem wird vom Bundespräsidenten abwärts erklärt werden, es sei der Wählerwille, dass diese beiden Parteien die Regierung bilden.

Demokratiepolitisch sind wir ein Schwellenland."

Donnerstag, 25. September 2008

An ein Tabu gerührt

"Wir werden in Sachen Beziehungsfähigkeit eine Zweiklassengesellschaft bekommen", prognostiziert der Leiter des Instituts für Lebens- und Familienwissenschaften (Bonn). Diese Zweiklassengesellschaft sei die Folge zunehmender sexueller Verwahrlosung einer Generation, die mit emotionalen Bindungen häufig nur noch wenig anfangen könne. "Die einen lernen Selbstvertrauen und Fähigkeiten, Sicherheit sowie sozialen Umgang mit Menschen - die anderen lernen es nicht", so Schirrmacher in der aktuellen Ausgabe der "Bild der Frau".

Eine wesentliche Ursache für die mangelnde Beziehungsfähigkeit sieht er in einem ausufernden Pornokonsum selbst unter Kindern. "Im Internet oder auf Videos wird ihnen eine Welt vorgegaukelt, in der Frauen allzeit bereit sind und Männer sich nehmen, was sie wollen. Kinder nehmen so etwas dann für bare Münze! Und es prägt ihr Bild von einer Beziehung." Diese Prägung habe zur Folge, dass Kinder später nie dazu fähig seien, eine dauerhafte Beziehung zu führen, nicht einmal ein kollegiales freundschaftliches Verhältnis im Berufsleben, so Schirrmacher.

Gefunden auf jesus.de

Die seelischen Gefahren durch Pornographie und eine übersexualisierte Umwelt überhaupt gehören zu den Tabu-Themen der mitteleuropäischen Gesellschaften. Wenige Mutige gibt es, die sich an dieses Thema heranwagen.
Es ist natürlich nicht allein die fast allezeit und überall verfügbare Pornographie, die das Weltbild von Kindern und Jugendlichen prägt, Computerspiele und Splatter-Filme gehören ebenso dazu wie die Dauerüberforderung durch die schnelle Erreichbarkeit via Handy oder die Erfahrung überforderter, gestresster Eltern und Lehrer. Was aus dem allem entsteht, ist der Eindruck, dass in der Welt im Grunde ein Naturzustand des "Krieges aller gegen alle" herrscht, in dem man sich nach Kräften behaupten muss. Und die Welt als ganze ist viel zu unübersichtlich um sich da zurechtfinden zu können. Was bleibt, ist Rausch und Spaß in jeder Form. Beziehungen haben nach den eigenen Vorstellungen zu funktionieren oder sie werden ausgetauscht. Und in alledem nach einem Sinn des menschlichen Daseins zu fragen, ist höchstens die Marotte des Religionslehrers.

Mittwoch, 24. September 2008

Lutherkirche: Blick zur Orgelempore

















Die Lutherkirche hat eine wunderbare Orgel. Aufgrund der Bauarbeiten ist die Kirche zur Zeit aber vor allem staubig, was auch der Orgel sicher nicht gut tut... Viel Geduld erfordert so eine Kirchensanierung.
Posted by Picasa

Über Gesichter von Autos

(...) Wir wissen von Autofahrern, die sich gegen den Fiat Punto Grande und für den (älteren) Fiat Punto mit der Begründung entschieden haben, jener sehe tückisch drein, während dieser einen sympathischen Gesichtsausdruck habe...

So absurd dies sein mag, es illustriert, was nicht nur Autofahrer wissen: Ein Auto hat ein Gesicht, es schaut uns an. Das liegt daran, dass wir überall Augen erblicken, wo etwas aussieht wie Augen. Und dass wir aus allen Augen den Charakter ihres Trägers lesen wollen. Das kann zu nächtlichen Horrorerlebnissen führen, das verstärkt auch unsere Beziehung zu Autos.

Die Scheinwerfer entsprechen den Augen; der Kühlergrill ist das Pendant zur Nase, die Luftschlitze darunter sind der Mund. Das konnten Anthropologen der Uni Wien um Sonja Windhager und Karl Grammer in einer in Human Nature publizierten Arbeit bestätigten. Über 80% der Testpersonen sahen in mindestens der Hälfte der gezeigten Autos ein Gesicht. Untersucht wurde auch, mit einem Set geometrisch definierter Merkmale, welche Attribute den „Gesichtsausdruck“ eines Autos bestimmen. Autos, die als „kindlich“, „weiblich“, „nicht zornig“, „nicht arrogant“ oder „freundlich“ wahrgenommen werden, haben z.B. Scheinwerfer, deren obere Kanten von innen nach außen abfallen (wie Augenbrauen in einem schematisierten „traurigen“ Gesicht). (...)

Als „männlich“, „dominant“ etc. werden dagegen Autos empfunden, die z.B. eher schmale, weit voneinander entfernte Scheinwerfer oder einen großen Kühlergrill haben. Im restlichen Design von Autos gibt es Eigenschaften, die ähnlich eindeutig zugeordnet werden: Je größer die Windschutzscheibe im Vergleich zum gesamten Auto ist, umso eher wird es als „kindlich“ gesehen, wahrscheinlich weil Kinder im Verhältnis zum Körper größere Köpfe haben. Überraschenderweise sind just die Autos, die „männlich“ wirken und „Macht“ ausstrahlen, am beliebtesten – und zwar bei Männern und Frauen. (...)

Thomas Kramar: Mein Auto sieht mich so böse an, Die Presse 24.09.2008

Mariahilf

Posted by Picasa

Der Fluch des Sternes soll dich holen - ganz gewiss

Welche Rolle spielt eigentlich der religiöse Hintergrund, wenn ein Mensch flucht?
Ris: Flüche haben ja immer einen religiösen Hintergrund, wenn sie ihren Ursprung nicht in der Mythologie oder bei den Naturgewalten haben, wie etwa „Donnerwetter“.

Aber es gibt doch sicher Unterschiede beim Fluchen, je nach Konfession?

Ris: Ja. In den süddeutschen katholischen Gebieten wie Bayern oder der Innerschweiz war Fluchen traditionell mit Lebenslust verknüpft, man erfreute sich an Wörtern wie „Arscherlkrachen“ für furzen. Wenn es zu schlimm war, konnte man ja beichten. Das wäre im protestantischen Norden undenkbar, da gibt es eine sehr große Angst vor dem Bibelwort.

Wie äußert sich das?
Ris: Die Evangelikalen dürfen das Wort „gewiss“ nicht gebrauchen. Denn für sie weiß nur Gott, was gewiss ist. Der religiöse Hintergrund gilt aber nur mehr für stark konfessionell gebundene Kreise als Faktor – die Tabus sind großteils gefallen.

Wo wird besonders bösartig geflucht?
Ris: Im arabischen Raum gibt es immer noch Verfluchungen vom Typus „Der Teufel soll dich holen“ oder „Deine Mutter, die Hure“. So etwas hätte bei uns keine Basis. Auch in Russland spielt der Teufel immer noch eine große Rolle.

Und wie flucht Roland Ris, wenn ihm der Kofferraumdeckel auf den Kopf fällt?
Ris: Ich sage gerne „Gottfried Stutz“ – das ist einfach ein Name. Man hängt an Gott noch etwas dran, damit es weniger schlimm klingt. Aber ich fluche generell wenig. Vielleicht hat das mit meinem Naturell zu tun, ich rege mich selten auf.

Dennoch hat ein Dialektologe sicher einen Lieblingsfluch...
Ris: „Sternenlaterne“ sage ich gerne.

Und das ist ein Fluch?
Ris: Das kommt von „Der Fluch des Sterns soll dich holen“. Und Laterne hängt dran, damit es sich reimt. Ich mag Sterne.


Wie flucht eigentlich Österreich?
Ris: Ich weiß von keiner sehr entwickelten Fluchkultur. Es scheint mir eher eine gewisse Zurückhaltung gegeben. Die Leute wollen aber generell nicht gerne zugeben, dass sie fluchen. Es ist eigenartig – aber lieber geben die Leute sexuelle Ausdrücke preis, die sie verwenden, als Flüche.

Aus einem PRESSE-Interview mit dem Fluchforscher Roland Ris (Die Presse 24.09.2008)

Perfektion der Muttersprache


Anzeige in der Zeitschrift der Arbeiterkammer

Wenn es mit den Deutschkursen für Migranten schon nicht nach Wunsch funktioniert, dann könnte man ja immerhin die Muttersprache perfektionieren. Gilt natürlich auch für Österreicher. Oder für die "Lieblingsnachbarn".

Montag, 22. September 2008

Am Währinger Gürtel

 
Posted by Picasa

Immerhin mit Humor

Buchhändler Christian Heymann steht vor seinem Geschäft am Eppendorfer Baum und wartet auf den Weltstar. Heymann möchte Shirley MacLaine persönlich begrüßen und ihr die Hand schütteln. Doch dazu kommt es nicht. Die Oscar-Preisträgerin fährt nicht vor, sondern entsteigt der schwarzen Mercedes-Limousine bereits an der Hegestraße. Dann geht alles ganz schnell: Als die Fans, etwa 300 warten an diesem Sonnabendmittag in einer langen Schlange, ihr Idol entdecken, ist die Hollywood-Schauspielerin schon schnellen Schrittes in die Buchhandlung Heymann gelangt.

Die 74-Jährige, die ganz in Schwarz gekleidet ist, nimmt Platz und ist umringt von Kameraleuten. Vor ihr auf dem Tisch stapelt sich ihr neues Buch "Weiser, nicht leiser!" Dieses enthält autobiografische Geschichten über die besonderen und unvergleichlichen Vorzüge des Älterwerdens.

Dann kann es losgehen, einzeln werden die Fans zu ihrem Idol vorgelassen. Shirley MacLaine wirkt entspannt und signiert wie am Fließband ihr Buch. Ab und an lächelt die Schauspielerin und bedankt sich für die Komplimente ihrer Fans. "Es war ein tolles Erlebnis, sie hat mich ganz freundlich angelächelt", berichtet eine Frau stolz. Ein Lächeln hat Shirley MacLaine auch auf den Lippen, als nach einer knappen Stunde alle Bücher signiert sind. Unter dem Applaus ihrer Fans verlässt die Schauspiellegende die Buchhandlung und lässt sich zurück ins Hotel Vier Jahreszeiten chauffieren.

Abends erscheint sie dann im Glitzerkostüm im Kleinen Saal der Laeiszhalle. Den Besuchern werden Verschwörungstheorien geboten: Medien würden die Berichterstattung über Spiritualität unterdrücken. "Dahinter stehen die Interessen von Regierungen. Die wollen, dass die Bevölkerung in Angst lebt, damit man sie besser manipulieren kann", verkündet MacLaine kühn.

"Bei den Nachrichten im Fernsehen nimmt man nur wahr, was man wahrnehmen will", erklärte sie und spielte auch auf die Zuhörer an. Viele Besucherinnen wünschten sich von der Filmlegende ("Irma la Douce") Anekdoten. Aber es war unmissverständlich angekündigt worden, dass die Diva über die Notwendigkeit der Spiritualität zur Rettung der Welt sprechen würde. Sie sprach über Ufos und Sternenwesen, über Körperchakren und die nahende Zeitenwende. Die Außerirdischen kann sie ziemlich genau beschreiben: "Die von den Plejaden sind menschenähnlich. Und die vom Orion sind die Grauen - so wie Spielberg sie in seinen Filmen zeigt." Wiederum andere seien unsichtbar.

Auch über das Jahr 2012 als Energieschwelle, auf die man sich meditativ vorbereiten sollte, fabulierte MacLaine. Verärgert brachen einige Besucher ungeniert auf - was die Laune des Stars nicht gerade hob.

Als geschickt vorgetragene Mischung aus Esoterik, psychologischen Allgemeinplätzen und gewöhnungsbedürftigen Thesen wie denen von den Sternenwesen, die Menschen entführten und ihnen DNS-verändernde Chips einpflanzten, stellen sich die Botschaften von MacLaine auf den Außenstehenden dar.

Auch in religiöser Hinsicht wagte sich Shirley MacLaine weit vor: Die Kirchen hätten ausgedient, antwortet die überzeugte Esoterikerin auf die Frage, ob Gott in uns oder außerhalb von uns sei. "Jeder sollte sich besser auf das eigene Innenleben konzentrieren, um den Sinn des Lebens zu verstehen", riet MacLaine dem Publikum. Außerdem hatte sie noch eine Weisheit parat: "Wer sich mit Esoterik beschäftigt, sollte auch Humor zeigen. Sonst kriegt man 'ne Meise."

Hamburger Abendblatt 15.09.2008

Traum und Wirklichkeit



Ein Blick in fremde Welten

Vom Regen in die Traufe
Für die Einwohner des netten Fantasy-Reiches Faeryanis geht es derzeit vom Regen in die Traufe: Eben erst gelang es der gütigen und warmherzigen Königin Gwendolyn ihren despotischen Vorgänger, den grantigen Tyrannen Ceville, aus dem Amt zu kegeln, da braut sich neues Unheil zusammen: Ihr hinterhältiger Berater Basilus schmiedet hinter Gwendolyns Rücken gemeine Ränke, um an die Macht zu kommen und das Land mit seiner heraufbeschworenen Armee der Finsternis zu unterwerfen.

Ceville: Bild 1
Der kleine Giftzwerg Ceville ist Held und Bösewicht zugleich.

Gefangen in dieser Zwickmühle mit der Wahl zwischen Pest und Cholera verbleibt den Bürgern von Faeryanis als letzte Hoffnung ihr einstiger Peiniger Ceville, der in seiner Zelle vor sich hin grummelt und dabei Pläne für seine „Wiedereinstellung“ als Staatsoberhaupt ausheckt. Und dessen Rolle ihr im gleichnamigen Spiel übernehmt…

Trio im Quadrat
Dass in dem kleinen roten Wicht Ceville ein fieser Tyrann steckt, mag man angesichts seiner äußeren Erscheinung zunächst gar nicht vermuten. Doch scheint er während seiner Amtszeit gar schlimm gewütet zu haben, wurde er doch von den Rebellen zu Beginn des Spiels in den Kerker und damit in sichere Gewahrung gesteckt.

Ceville: Bild 1
Charakterköpfe: Das Spiel fährt jede Menge abgedrehter Typen auf.

Hier trifft er auf die kleine Lilly, die nicht nur ein süßer Fratz, sondern offenbar auch ziemlich naiv ist, glaubt sie doch mit Ceville das kleinere Übel im Vergleich zum bösen Basilus ausgemacht zu haben. Aus diesem Grund hilft sie Ceville bei seiner Flucht aus dem Gefängnis im festen Glauben, das Königreich dadurch zu retten.

Im weiteren Spielverlauf übernehmt ihr daher nicht nur die Rolle von Ceville, sondern immer wieder auch die von Lilly. In manchen Szenen kann der Spieler zwischen den Charakteren wechseln, in anderen wiederum trabt der Kompanion ähnlich wie Max seinem Hunde-Herrchen Sam hinterher und lässt sich für bestimmte Rätsel „benutzen“.

Ceville: Bild 2
Der eingebildete Ambrosius ist mehr an seiner Frisur als an Heldentaten interessiert.

Später stößt zu diesem ungleichen Duo noch der selbstverliebte Ritter Ambrosius hinzu. Der aufrechte und stets auf seine Fönfrisur bedachte Held hatte ursprünglich den Auftrag, Ceville in seiner Zelle zu bewachen. Nachdem ihm dies aber gehörig vermasselt wurde, begibt sich Ambrosius auf die Jagd nach dem Möchtegern-Tyrannen – und schließt sich schlussendlich dessen Sache an.

Humor wie bei den Simpsons
„In Sachen Humor orientieren wir uns ein wenig an den Simpsons“, verraten uns die Münchner Entwickler von Boxed Dream auf der Games Convention. „D.h. wir streuen überall kleine Anspielungen auf Filme, Bücher oder andere Computerspiele ein.“ Wer die Anspielungen versteht, hat noch mal eine Extraportion Spaß, wer die Originale nicht kennt, wird aber trotzdem was zu lachen haben.

Ceville: Bild 1Selbst der Horny aus Dungeon Keeper erhält einen Auftritt.

An vorderster Front der Humorattacke stehen dabei genrebedingt natürlich die gängigen Fantasy- und Rollenspielklischees. Die Elfen in Ceville sind beispielsweise ein esoterisch angehauchtes Hippie-Völkchen auf Öko-Trip, die das Motto von „unserem Freund: dem Baum“ bis zum Erbrechen predigen. Die Zwerge hingegen sind nach all den Jahren in ihren Goldminen zu dermaßen viel Reichtum gelangt, dass sie nurmehr als geldgierige Manager und Verwalter ihrer Ersparnisse in Erscheinung treten.

Doch auch Klassiker der Spielegeschichte bekommen bei Ceville ihr Fett weg: In einer Selbsthilfegruppe für einstige Erzbösewichte versucht eine gute Fee die ehemaligen Fieslinge zu anständigen Gutmenschen umzumodeln. Neben dem Horny aus Dungeon Keeper und einem schwarzen Ritter, der zu ähnlich asthmatischen Kettenraucher-Symptomen neigt wie seinerzeit Darth Vader, findet sich dort außerdem ein Zombiepirat, der frappierend an seinen Verwandten Le Chuck aus Monkey Island erinnert – mit dem Unterschied, dass er statt eines edlen Holzbeins nur einen Wischmob trägt und der piratentypische Papagei ihm nicht auf der Schulter sitzt, sondern im Auge. Statt Augenklappe.

Ceville: Bild 2
In Ceville kommt offensichtlich dieselbe Engine wie in Ankh zum Einsatz.

Auch sonst ist nicht alles in Ceville so, wie man es von bunten Märchenwelten gewohnt ist: Der Flaschengeist verweigert das Erfüllen von Wünschen, seit er der Gewerkschaft beigetreten ist, und Affen fungieren nicht nur als Barkeeper im Strandcafe, sondern helfen auch beim Betrügen im Kartenspiel.

Wen nicht nur die abgedrehte Ideenflut, sondern auch der Grafikstil an die Adventure aus dem Hause Deck 13 erinnert, ist bereits auf dem richtigen Dampfer: Auch bei Ceville kommt die Ogre Engine zum Einsatz, die bereits Assils ägyptischer Suche nach dem Ankh Leben einhauchte. Und wie es sich für das Genre gehört, kommen auch hier prominente Stimmen zum Einsatz: Neben dem deutschen Sprecher von Hollywood-Star Joe Pesci (Goodfellas, Lethal Weapon) ist auch Ian Holm, Fantasy-Fans spätestens seit seinem Auftritt als Bilbo Beutlin in den „Herr der Ringe“-Filmen ein Begriff, mit an Bord. (...)

Aus einer Spielkritik auf gamona.de

Selbst ein solcher Text lässt ahnen, wie weit in fremde Welten man sich durch das Spielen von Computerspielen hineinziehen lassen kann, man braucht noch nie auch nur auf einen entsprechenden Bildschirm geschaut zu haben, um zu ahnen, was sich da für Paralleluniversen auftun...

Sollte man es sich so vorstellen?


Posted by Picasa

Schleichende Unterwanderung durch Esoterik

Immer mehr Esoteriker und Lichtarbeiter suchen - mehr oder weniger erfolgreich - den Zugang zu freizeitorientierten Entspannungszentren, um dort Menschen zu sensibilisieren für New Age, Energiearbeit, das neue Zeitalter und sonstige Themen aus diesem Wirkungsbereich. Das Erfolgsrezept, mit dem aus marketingtechnischer Sicht vorgegangen wird, ist relativ einfach: fernöstliche Ritualpraktiken, Klangschalen, Gong und Mantren, kombiniert mit mitteleuropäischer Klassikmusik und christlichen Gesängen. Auf diese Art und Weise verschaffen sich die „Künstler“ Vertrauen und einen breiten Zugang zur Massenanwendung.

Der nichts ahnende Bade- und Wellnessgast befindet sich nach einer solchen Klangreise oder Klangaufguss im sogenannten Alphazustand, einem tiefen Entspannungszustand zwischen Wachen und Schlafen. Während diesem tranceähnlichem Bewusstseinszustand werden die Probanden empfänglich für suggestive Botschaften, die oftmals im Rahmen einer Traumreise übermittelt werden und offen für den esoterischen Psychomarkt machen. Das Prinzip ist von den sogenannten „Mindmachines“ her bekannt. Robert Monroe hat das von ihm entwickelte „Hemi-Sync“ Verfahren in einem eigens konstruierten Apparat eingesetzt. HemiSync steht für Hemisphären-Synchronisation. Dabei sollen beide Gehirnhälften synchronisiert werden, also gleichzeitig aktiv sein. Üblicherweise ist die linke Gehirnhälfte im Wachzustand aktiver, während die rechte nachts dominiert. Auf der HemiSync Seite heisst es dazu:

„Es handelt sich um eine sanfte Klangtherapie, die er (Robert Monroe – Anm.d.Verf.) aufgrund des Wirkprinzips Hemi-Sync nannte. Am Beginn des neuen Jahrtausends ermöglicht Hemi-Sync uns eine spürbare Schwingungserhöhung. Unsere optimierte neuronale Effizienz bringt uns eine neue Dimension bewusster Lebensgestaltung in einer sich dramatisch verändernden Welt.“ (Quelle: Hemi-sync.de)

Hier wird also das Newage Gedankengut, welches hinter diesen Techniken steht, deutlich. Verbunden wird das mit einem Anschein von Wissenschaftlichkeit. Ähnlich wird es in der heutigen esoterischen Szene mit der Klangschalentherapie gemacht. „Planetenklangschalen“ sind für den normalen Badegast ja zunächst sehr ungewöhnlich. Esoteriker gehen daher dazu über, das Ungewöhnliche mit Bekanntem zu kombinieren. So werden beispielsweise bekannte christliche Gesänge (z.B. „Ave Maria“) zusammen mit den Klängen serviert. Der Zuhörer erkennt das bekannte Lied und ordnet die Gesamtprozedur, also einschließlich der Klänge und Klangmandalas, in einen ihm bekannten Kontext ein. Zu gut Deutsch: Er denkt sich nichts mehr dabei. Die ihm bekannten Lieder überdecken das eigentlich ungewöhnliche. Er wird also manipuliert.

Wenn sich der Badegast in diesem eingelullten Zustand befindet, ist er empfänglicher für Affirmationen jeglicher Art. Affirmationen sind Selbstsuggestionen oder Suggestionen durch andere. Oft werden Mantren monoton wiederholt. Oder aber es werden Elemente des positiven Denkens eingesetzt, wie es z.B. von Joseph Murphy bekannt ist ("Die Macht Ihres Unterbewußtseins"). Esoteriker verwenden beispielsweise Suggestionssätze wie „du gehst jetzt durch einen Tunnel, dort betrittst du einen heiligen Raum, der nur für dich da ist, nun lasse alles los…“)

In Verbindung mit den Klangschalen tritt innerhalb kurzer Zeit der Alphazustand ein. Ein Anwender berichtet: „In diesem Zustand schwebte ich plötzlich über mir. Ich konnte alle Töne wahrnehmen, jeden für sich, aber irgendwann wurde es alles so monoton, ich vernahm nur noch ein unausgegorenes Klängewirrwarr“. Solche Aussagen sind typisch. Sie zeigen, dass die Suggestionen durchaus etwas bewirken können. Der Proband fühlt sich in vielen Fällen sogar entspannter und ausgeruhter nach einer Klangschalentherapie. Dieser Zustand ist jedoch von sehr flüchtiger Natur. Zu Hause angekommen, ist meist alles schon wieder vorbei (ganz abgesehen einmal von der Gefahr im Alphazustand noch Auto zu fahren). Im normalen Alltag haben sich durch die Klangschalen oder Klangmandalas die alltäglichen Probleme um keinen Deut gebessert. Der Anwender tendiert daher dazu, am nächsten Wochenende erneut die Sauna oder Wellness-Anlage aufzusuchen, um sich wieder und immer wieder berieseln zu lassen. Es entsteht eine richtiggehende Abhängigkeit. Bekannt geworden ist dies beim Reiki, wo Menschen auch berichten, regelrecht süchtig geworden zu sein nach Reiki-Behandlungen. Auch hier war der Effekt meist vorübergehend.

Wenn Kinder mit ins Spiel kommen, lauert eine weitere Gefahr. Auch an Schulen und Kindergärten werden verstärkt Phantasiereisen oder Klangmeditationen mit den Kindern durchgeführt. Wenn nun ein Kind seinen Eltern davon berichtet, so sind viele Eltern oftmals bereits kritiklos geworden, weil sie selber am letzten Wochenende eine Klangmassage miterlebt haben. Noch vor wenigen Jahren, hätte es einen handfesten Skandal ausgelöst, wenn Kinder solchen Klangtherapien der spirituell-esoterischen Art ausgesetzt worden wären. Wir müssen als Eltern wieder dorthin, dass diese Praktiken kritisch hinterfragt werden.

Das Unterbewusstein ist zweifellos ein mächtiges Werkzeug. Aber es kann auch manipuliert werden. Nicht umsonst warnt der Autor Reinhard Franzke vor der „Hypnosegesellschaft“. Schleichend sollen sich nach dem Willen mancher Esoteriker okkulte Praktiken immer mehr in unserem Alltagsleben etablieren. Hier ist also höchste Vorsicht angebracht. Der Psychomarkt muss dringend stärker kontrolliert und beobachtet werden.

André Sepeur und Eckart Haase in: Umweltjournal

Sonntag, 21. September 2008

Empor? Hinab?


Stammheim

Der Trakt in der Justizvollzugsanstalt Stuttgart-Stammheim, in dem in den 70er Jahren die RAF-Terroristen untergebracht waren, wird einem Zeitungbericht zufolge abgerissen. Im siebten Stock des Gebäudes hatten Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe am 18. Oktober 1977 Selbstmord begangen.

Das Hochhaus soll durch Neubauten ersetzt werden. Dies sei nach Berechnungen des Finanzministeriums billiger als eine Sanierung des maroden Gebäudes, zitiert die "Stuttgarter Zeitung" (Montagsausgabe) den Sprecher des Justizministeriums, Stefan Wirz.

Das Justizministerium will dem Bericht zufolge schon lange das Gebäude, das als Wahrzeichen der blutigen Terrorjahre gilt, durch neue Gefangenenbauten ersetzen. Nun ist der Abriss für 2012 geplant. Zuvor sollen als Ersatz für die in dem Hochhaus untergebrachten 580 Gefangenenplätze drei Neubauten auf dem Gelände entstehen. An der Stelle des Hochhauses ist eine psychiatrische Klinik mit 200 Betten geplant. Der rund 70 Millionen teure Bau soll das Justizvollzugskrankenhaus auf dem Hohenasperg entlasten.

tagesschau.de

Am Zentralfriedhof (Tor 2)

Posted by Picasa

Wahrscheinlichkeiten

Das Erbmolekül besteht aus Milliarden von Kettengliedern, die aus den vier Basenpaaren zusammengesetzt sind. Die Basenpaare müssen in ganz bestimmter Reihenfolge angeordnet sein.

Die Evolutionsideologie ist gezwungen anzunehmen, daß sie sich zufällig durch eine unfaßbar große Zahl chemischer Polykondensationen gebildet haben. Doch eine solche Annahme ist absurd.

Der Lehrstuhlinhaber für Makromolekulare Chemie, Professor Bruno Vollmert von der Technischen Universität Karlsruhe hat das in seinem Buch „Das Molekül und das Leben…“ aus dem Jahr 1985 eindrucksvoll dargestellt.

Wenn der Eingliederung eines neuen passenden Gens die Wahrscheinlichkeit von 1: 50.000 – höchstens 1: 10.000 zukommt –, dann ist die Wahrscheinlichkeit, daß sich dasselbe Ereignis zwanzigmal wiederholt 1:10.000 hoch 20 = 10 hoch minus 80.

Photo von Charles Darwin
Photo von Charles Darwin
Die Wahrscheinlichkeit, daß alle Zigtausende Gene per Zufall passend eingegliedert werden, ist dann in der Größenordnung kleiner als 1:10 hoch 1.000 – eine unvorstellbar kleine Wahrscheinlichkeit.

Zum Vergleich: Die Zahl der Atome im Weltall wird auf 10 hoch 83 Atome geschätzt.

Zu wenig Zeit
Das Weltall soll nach der materialistischen Urknalltheorie vor 14 Milliarden Jahren – 4 x 10 hoch 17 Sekunden – entstanden sein.

Selbst wenn es schon vom Urknall an ein Urlebewesen gegeben hätte und jede Sekunde eine Mutation stattgefunden hätte, hätte man auch nicht annähernd genügend Zeit für genügend Zufallsereignisse, um ein einziges Gen zu treffen.

Wer die Potenzrechnung begreift, versteht, daß innerhalb dieses Rahmens eine Bildung der DNS-Doppelhelixkette durch Zufallsereignisse statistisch praktisch unmöglich ist.

Dazu kommt noch das weitere Problem, daß ja jeder Wurf unter ungefähr 10 hoch 1.000 Würfen noch getestet werden müßte, ob er im sogenannten „Kampf ums Dasein“ ein Erfolg wäre. (...)

kreuz.net

Zeichen an der Wand
























Graffito in der U-Bahn
Posted by Picasa

Nationalratswahl

Auch ein Kommentar zur Wahl. Gesehen am Anton-Baumann-Park in Währing.

Blick von der Mariahilfer Straße in eine Seitengasse


In der Entscheidung

Ich bin der ich bin

Ich stehe an der Barriere. Ich kann nur zurückblicken.
Oder den Propheten spielen.
Schließlich halte ich mich an der Gegenwart,
Einem Geländer, das abbricht.
Je länger ich mit mir umgehe, um so weniger kenne ich mich.
Gleich wird die Sonne untergehen.
Die Nacht beginnt, die nie mehr endet.
Es ist eine Finsternis, an die man sich nicht gewöhnt.
Das Haus, das einstürzt. Schnee, der schmilzt.
Eine Stimme, die aufhört.
Ich hatte hundert Freunde. Tausende kannte ich beim Namen.
Die Erde deckt sie.
Ich sollte zweimal leben. Hatte ich andere Absichten?
Verfehlte ich meine Träume?
Bin ich abgestürzt und merkte es nicht?
Jemand spricht öffentlich von meinem Alter.
Wer hieß ihn meine Jahre zählen?
Ich habe also weniger Haare und Zähne?
Ich bin der ich bin.
Einer der mit Schatten spielt.
Ein Erfinder von Figuren,
Erzähler absurder Geschichten aus deinem und meinem Leben.
Ich amüsiere mich über die komischen Repetitionen
Meinesgleichen.
Sie sehn wie Götter aus, die schon im Anfang aufhören.
In einer Welt, die ein Hiatus ist,
Ein Vexierrätsel, das keinen vexiert.
Ich gehe und blicke mich um.
Ruft er mich schon?

Hermann Kesten

Hinauf! Zum Licht!

Posted by Picasa

Samstag, 20. September 2008

Erkenntnis aus Erfahrung

Es gibt nur etwas, das teurer ist als eine Frau - nämlich eine Exfrau.

Jack Nicholson

Mittwoch, 17. September 2008

Landstraße


























































Eine Station, an der sich zwei U-Bahn-Linien und die S-Bahn kreuzen, im laufenden Betrieb komplett zu renovieren, in diesem Zusammenhang das (recht große) Stationsgebäude abzureißen und ein neues zu bauen, das ist schon ein Kunststück, das natürlich dem Kunden mancherlei Beschwernisse bringt: Der Bahnhof Wien-Mitte. Parallel geschieht ähnliches auch am Westbahnhof. In dieser Stadt wird immer gebaut. Aber auch das ist ein Zeichen von Lebendigkeit.

Wie arm...

Arbeit war der Inhalt seines ganzen Strebens.

Gelesen auf einem Grabstein am Friedhof Dornbach

Wahlkampf per Cartoon












Der Wahlkampf in Österreich wird mit einer ungeheuren Vehemenz geführt, da sind alle Mittel (und Medien) recht.