Vom Regen in die Traufe
Für die Einwohner des netten Fantasy-Reiches Faeryanis geht es derzeit vom Regen in die Traufe: Eben erst gelang es der gütigen und warmherzigen Königin Gwendolyn ihren despotischen Vorgänger, den grantigen Tyrannen Ceville, aus dem Amt zu kegeln, da braut sich neues Unheil zusammen: Ihr hinterhältiger Berater Basilus schmiedet hinter Gwendolyns Rücken gemeine Ränke, um an die Macht zu kommen und das Land mit seiner heraufbeschworenen Armee der Finsternis zu unterwerfen.
Gefangen in dieser Zwickmühle mit der Wahl zwischen Pest und Cholera verbleibt den Bürgern von Faeryanis als letzte Hoffnung ihr einstiger Peiniger Ceville, der in seiner Zelle vor sich hin grummelt und dabei Pläne für seine „Wiedereinstellung“ als Staatsoberhaupt ausheckt. Und dessen Rolle ihr im gleichnamigen Spiel übernehmt…
Trio im Quadrat
Dass in dem kleinen roten Wicht Ceville ein fieser Tyrann steckt, mag man angesichts seiner äußeren Erscheinung zunächst gar nicht vermuten. Doch scheint er während seiner Amtszeit gar schlimm gewütet zu haben, wurde er doch von den Rebellen zu Beginn des Spiels in den Kerker und damit in sichere Gewahrung gesteckt.
Hier trifft er auf die kleine Lilly, die nicht nur ein süßer Fratz, sondern offenbar auch ziemlich naiv ist, glaubt sie doch mit Ceville das kleinere Übel im Vergleich zum bösen Basilus ausgemacht zu haben. Aus diesem Grund hilft sie Ceville bei seiner Flucht aus dem Gefängnis im festen Glauben, das Königreich dadurch zu retten.
Im weiteren Spielverlauf übernehmt ihr daher nicht nur die Rolle von Ceville, sondern immer wieder auch die von Lilly. In manchen Szenen kann der Spieler zwischen den Charakteren wechseln, in anderen wiederum trabt der Kompanion ähnlich wie Max seinem Hunde-Herrchen Sam hinterher und lässt sich für bestimmte Rätsel „benutzen“.
Später stößt zu diesem ungleichen Duo noch der selbstverliebte Ritter Ambrosius hinzu. Der aufrechte und stets auf seine Fönfrisur bedachte Held hatte ursprünglich den Auftrag, Ceville in seiner Zelle zu bewachen. Nachdem ihm dies aber gehörig vermasselt wurde, begibt sich Ambrosius auf die Jagd nach dem Möchtegern-Tyrannen – und schließt sich schlussendlich dessen Sache an.
Humor wie bei den Simpsons
„In Sachen Humor orientieren wir uns ein wenig an den Simpsons“, verraten uns die Münchner Entwickler von Boxed Dream auf der Games Convention. „D.h. wir streuen überall kleine Anspielungen auf Filme, Bücher oder andere Computerspiele ein.“ Wer die Anspielungen versteht, hat noch mal eine Extraportion Spaß, wer die Originale nicht kennt, wird aber trotzdem was zu lachen haben.
An vorderster Front der Humorattacke stehen dabei genrebedingt natürlich die gängigen Fantasy- und Rollenspielklischees. Die Elfen in Ceville sind beispielsweise ein esoterisch angehauchtes Hippie-Völkchen auf Öko-Trip, die das Motto von „unserem Freund: dem Baum“ bis zum Erbrechen predigen. Die Zwerge hingegen sind nach all den Jahren in ihren Goldminen zu dermaßen viel Reichtum gelangt, dass sie nurmehr als geldgierige Manager und Verwalter ihrer Ersparnisse in Erscheinung treten.
Doch auch Klassiker der Spielegeschichte bekommen bei Ceville ihr Fett weg: In einer Selbsthilfegruppe für einstige Erzbösewichte versucht eine gute Fee die ehemaligen Fieslinge zu anständigen Gutmenschen umzumodeln. Neben dem Horny aus Dungeon Keeper und einem schwarzen Ritter, der zu ähnlich asthmatischen Kettenraucher-Symptomen neigt wie seinerzeit Darth Vader, findet sich dort außerdem ein Zombiepirat, der frappierend an seinen Verwandten Le Chuck aus Monkey Island erinnert – mit dem Unterschied, dass er statt eines edlen Holzbeins nur einen Wischmob trägt und der piratentypische Papagei ihm nicht auf der Schulter sitzt, sondern im Auge. Statt Augenklappe.
Auch sonst ist nicht alles in Ceville so, wie man es von bunten Märchenwelten gewohnt ist: Der Flaschengeist verweigert das Erfüllen von Wünschen, seit er der Gewerkschaft beigetreten ist, und Affen fungieren nicht nur als Barkeeper im Strandcafe, sondern helfen auch beim Betrügen im Kartenspiel.
Wen nicht nur die abgedrehte Ideenflut, sondern auch der Grafikstil an die Adventure aus dem Hause Deck 13 erinnert, ist bereits auf dem richtigen Dampfer: Auch bei Ceville kommt die Ogre Engine zum Einsatz, die bereits Assils ägyptischer Suche nach dem Ankh Leben einhauchte. Und wie es sich für das Genre gehört, kommen auch hier prominente Stimmen zum Einsatz: Neben dem deutschen Sprecher von Hollywood-Star Joe Pesci (Goodfellas, Lethal Weapon) ist auch Ian Holm, Fantasy-Fans spätestens seit seinem Auftritt als Bilbo Beutlin in den „Herr der Ringe“-Filmen ein Begriff, mit an Bord. (...)
Aus einer Spielkritik auf gamona.de
Selbst ein solcher Text lässt ahnen, wie weit in fremde Welten man sich durch das Spielen von Computerspielen hineinziehen lassen kann, man braucht noch nie auch nur auf einen entsprechenden Bildschirm geschaut zu haben, um zu ahnen, was sich da für Paralleluniversen auftun...
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