Freitag, 29. August 2008

Wirklichkeit

Mark Tansey: Doubting Thomas

The question of boundaries, of possible shifts or displacements along them, and the question of what is being bounded (or unbounded) are preeminent ones. If we are indeed in a liminal period, then the border is not out there somewhere at the edge of the frame but rather it is here, at zero degree, where the x and y coordinates meet. It is a site of encounter, a point of transition. The marginal is all around.

Lyn Hejinian, The Language of Inquiry

Donnerstag, 28. August 2008

Hinterhof



Blick aus dem Stiegenhaus im Gebäude des Plasmazentrums der Fa. Baxter in der Kirchengasse.

Mittwoch, 27. August 2008

Ein Jahr


Heute vor einem Jahr bin ich da in Wien eingezogen. Rasch ist die Zeit vergangen. Es war ein gutes Jahr, ein sehr gutes. So schön, wieder Gemeindepfarrer zu sein.

So schön
























Am Friedhof Ottakring.

Irdische Gerechtigkeit

die nichts mehr
brauchen
nehmen denen
die nichts
mehr haben
jede chance
etwas haben
zu können

Helmut Seethaler
© Helmut Seethaler Wasnergasse 43/8 A-1200 Wien

Dienstag, 26. August 2008

Jene andere Welt

Posted by Picasa

Menschen in der U-Bahnstation

Posted by Picasa

Wahlkampf turbulent

Gut vier Wochen vor der Nationalratswahl wird der Wahlkampf turbulent. Die SPÖ kündigt an, noch vor der Wahl verschiedene Reformpunkte beschließen zu lassen, gegebenenfalls mit wechselnden Mehrheiten, darunter die Abschaffung der Studiengebühren (die die SPÖ schon bei der letzten Wahl versprochen hatte), die Halbierung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel und die Auszahlung einer 13. Familienbeihilfe (die die ÖVP gerade im Wahlkampf propagiert). Die beiden Parteien der Großen Koalition hatten eigentlich ein Stillhalteabkommen vereinbart, das der neue SPÖ-Spitzenkandidat Faymann nun forsch gebrochen hat. Politik und insbesondere der Wahlkampf gleichen in Österreich doch eher einem fröhlichen Kinderspiel im Sandkasten, Sachfragen stehen deutlich im Hintergrund - und auf der Jagd nach den Stimmen der teuerungsgeplagten Wähler ist jedes Mittel recht.

Lass dir dein Leben von Wolken erzählen

Posted by Picasa

Repertoire der Unterhaltung

Explodierende Autos, brennende Menschen: das gehört zum Repertoire.

Nein, das ist keine Kolumne gegen Gewalt im Film. Gewalt im Film finde ich eh in Ordnung, das heißt: nicht in Ordnung, aber ich habe mich damit abgefunden. Explodierende Autos, brennende Menschen, in Todesangst kreischende Frauen – all das gehört offenbar einfach zum Repertoire gepflegter Unterhaltung.

Ich muss zugeben, ich war nicht immer so abgeklärt. Nicht vor jenem Abend in der WG meines damaligen Freundes, als im Fernsehen ein Horror-Schocker mit massig Blut und jeder Menge Mordwerkzeug lief. Und was sah ich? Während ich auf dem Sofa herumwepste und hektisch an meinen Haaren kaute, tauchte auf den Gesichtern der WG-Bewohner ein entspanntes Lächeln auf. Entspannt! Lächeln! Ich ging aufs Klo und dachte mir: Das werden doch nicht alles Psychopathen sein?

Nachdem ich am nächsten Morgen lebendig erwachte, habe ich mich beruhigt und mittlerweile erkläre ich mir das so: Gewalt im Film scheint auf manche Leute eine ähnliche Wirkung zu haben wie auf mich möglichst komplikationsreiche Operationen in einschlägigen Fernsehserien. Das finden viele auch abstoßend.

Neulich bin ich ins Kino gegangen, um „The Dark Knight“ anzuschauen, dabei leider dem skeptischen „Presse“-Kritiker weniger Glauben schenkend als jenem Pariser Filmprofessor, der für „Die Zeit“ eine Hymne verfasst hatte: Von vergrübeltem Pessimismus war die Rede, von mephistophelischer Faszination, von der Welt nach dem 11. September und darüber, dass der Film die Frage nach der „Natur der Gewalt an sich“ aufwirft.

Tatsache ist: Es wird eine Menge geprügelt und in die Luft gejagt, da explodiert ein Handy im Bauch eines Häftlings, einem Staatsanwalt wird die Hälfte seines Gesichts verkohlt, und am Ende kommt auch noch ein kleiner Bub (fast) ums Leben: Immer, wenn es besonders grausam sein soll, muss ein Kind dran glauben. Das ist Film-Gesetz.

Wie gesagt: Ich finde Gewalt im Film eh in Ordnung. Aber tut doch nicht so, als gäbe es dahinter eine Botschaft. Als könnte uns das Ausdenken und Bebildern möglichst raffinierter Gemeinheiten etwas über die Abgründe der menschlichen Natur verraten.

Denn das ist Heuchelei.

Bettina Steiner: Die Axt im Schädel, Die Presse 26.08.2008

Montag, 25. August 2008

Klare Linien

Posted by Picasa

Damals und heute

Einst zerschlug mich die Einsamkeit

Einst zerschlug mich die Einsamkeit wie dumm Holz Scheit um Scheit,
Unter deiner Hand wurden die Wunden ein Traum,
Im gesunden Baum singen mit jungem Flaum deine Vögel.

Dein Herz hat das Wort "Weh" sterben gemacht,
Du hast warme Ähren auf die Felder gestellt,
Du wirst süße Trauben bescheren
Und endlich den Schnee, der den Winter erhellt.
Das Jahr wächst freundlich aus deinem Schoß,
Ich sehe staunend zu, wie reich du bist,
Und wie dein Reichtum nie ruht.

Max Dauthendey

Wo sich Himmel und Erde berühren

Posted by Picasa

Hüte deine Augen

Geh einfach einmal mit offenen Augen in der Stadt umher, wage es dann sogar, entgegenkommende Menschen fröhlich und direkt anzublicken - schon sind sie peinich berührt, fühlen sich angegriffen, beleidigt, provoziert, schauen irritiert weg.
Der schöne erste Satz von Martin Walsers Roman "Ehen in Philippsburg" lautet: "In einem überfüllten Aufzug schauen alle Leute aneinander vorbei." Über fünfzig Jahre alt ist dieser Satz, und er hat nichts von seiner Gültigkeit verloren. Öffentliche Verkehrsmittel, aber zunehmend die ganze Großstadt gleichen so einem überfüllten Aufzug.
Die Privatsphäre des Auges will gewahrt sein: Kein Fremder schaue mir hinein, blicke mich an. Gesenkten Blickes geht der Großstadtmensch durch die Straßen. Erst vor den Auslagen, vor Fahrplänen oder Sehenswürdigkeiten ist das Heben des Blickes legitim und akzeptiert.

Sonntag, 24. August 2008

Sonniger Tag



Posted by Picasa

Ernährungs-Wunderwaffe

Zynische Realitätsverweigerung ist ein untrügliches Zeichen für politische Inkompetenz, oft auch für bevorstehenden Untergang. Das insofern verräterischste Zitat wird Marie Antoinette zugeschrieben, der später geköpften Königin Frankreichs: Die Bauern sollten doch Kuchen essen, wenn sie denn kein Brot hätten.

In diese Tradition politischer Realitätsverweigerer reiht sich nun auch die Führung im steinzeitstalinistischen Nordkorea ein. Denn über sein in Japan erscheinendes internationale Sprachrohr, die Zeitung „Choson Sinbo“, hat Staatschef Kim Jong-il eine historische Innovation verkünden lassen: Wissenschaftler des Landes haben es geschafft eine spezielle Nudel zu entwickeln, die das Aufkommen eines Hungergefühls „signifikant verschiebt“.

Bei den meisten Nordkoreanern dürfte diese Nachricht, so sie überhaupt davon erfahren, nur Kopfschütteln auslösen: Tatsächlich sind nach Angaben des Welternährungsprogramms mindestens sechs Millionen der rund 22 Millionen Untertanen des „Großen Führers“ akut unterernährt, benötigen also dringend Nahrungshilfe. Jeder zweite Nordkoreaner beschäftigt sich permanent damit, für sich und seine Familie Lebensmittel zu beschaffen.

WELT-online 24.08.2008

Samstag, 23. August 2008

Vorräte














Bedrohlicher Frosch

Ein gekreuzigter Frosch beschäftigt seit Monaten die Südtiroler Politik. Das Werk mit dem Titel Zuerst die Füße von Martin Kippenberger sorgt seit der der Eröffnung des Bozener Museums für Moderne Kunst (Museion) für Aufregung. Nun protestiert ein Landtagsabgeordneter mit einem Hungerstreik gegen die "Pervertierung des christlichen Kreuzes".

Während in Wien Kippenberger im Rahmen der Ausstellung Bad Painters gewürdigt wird, erregt ein Werk des 1997 verstorbenen Künstlers Die Politiker Südtirols. Der gekreuzigte Frosch mit heraushängender Zunge und einem Bierkrug in der rechten Hand regte schon bei der Eröffnung des Museums den Bozner Bürgermeister Luigi Spagnolli auf. "Ich weiß natürlich, dass Kunst provozieren muss, aber das geht meiner Meinung nach doch zu weit. Die Religion und der Respekt vor ihr sollten wichtiger sein als die Kunst", stellte der Politiker fest.

Dem Landtagsabgeordneten Franz Pahl von der SVP waren Worte nicht genug. Er hat sich vor dem Museum postiert und ist in den Hungerstreik getreten, um gegen das Werk zu protestieren. Kippenbergers gekreuzigten Frosch bezeichnet er als "Persiflage einer zentralen Aussage des Christentums", die die christliche Gemeinschaft Südtirols beleidige. Mit den Landtagswahlen im Herbst habe seine Aktion nichts zu tun, sagte Pahl.

Eben das bezweifelt sein Kollege Andreas Pöder (Union für Südtirol). Er bezeichnete Pahls Hungerstreik als "scheinheilig". Noch vor zwei Monaten habe Pahl wörtlich gesagt, dass ihn der Frosch überhaupt nicht störe. Jetzt mache er damit Wahlkampf.

Die Union für Südtirol kritisiert die Präsentation des Kunstwerks ebenso wie Landeshauptmann Luis Durnwalder, die Südtiroler Freiheitlichen und Vertreter der Kirche.

Zu den wenigen Verteidigern des Frosches gehören die Südtiroler Grünen sowie der Leiter der Landeskulturabteilung, Armin Gatterer, der gegenüber der Zeitung Dolomiten erklärte: "Er wirft nur Fragen auf, und es hängt nur von der Standfestigkeit eines politischen Systems und kirchlicher Befindlichkeit ab, ob sie Platz haben für ein solches Kunstwerk oder sich davon bedroht fühlen".

Gerald Jatzek: Hungerstreik gegen gekreuzigten Frosch, Wiener Zeitung online 23.08.2008

Freitag, 22. August 2008

Herein!

Posted by Picasa

Erstaunlich

"Die christlich-fundamentalistische Religionsgruppe der Amish in den USA expandiert rapide. Die Zahl der Amish habe sich in den vergangenen 16 Jahren fast verdoppelt, hieß es in einer am Donnerstag veröffentlichten Studie des Elizabethtowen College in Pennsylvania. Die Gemeinschaft zähle inzwischen etwa 231.000 Mitglieder. Am bekanntesten sind die Amish dafür, dass sie die meisten Aspekte modernen Lebens ablehnen: Sie leben ohne Elektrizität und bewegen sich allenfalls auf Pferdewagen fort. Viele sprechen noch einen Dialekt, der seinen Ursprung im Deutschen hat. Der Studie zufolge konnte die Religionsgemeinschaft ihr Siedlungsgebiet in den USA, das zunächst auf Pennsylvania, Ohio und Indiana begrenzt war, inzwischen auf 28 Bundesstaaten ausweiten. In Virginia etwa habe sich ihre Anzahl seit 1992 vervierfacht, in Kentucky habe sie sich verdoppelt. Studienautor Donald Kraybill führte die Expansion vor allem auf die großen Familien zurück. Im Durchschnitt habe eine Amish-Familie fünf Kinder.
Zudem gelinge es der Gemeinschaft, die meisten jungen Leute an sich zu binden, heißt es in der Studie. Nur ein Fünftel der Kinder mache von der Möglichkeit Gebrauch, im Alter von 18 Jahren aus der Gemeinschaft auszuscheiden."

Gefunden auf focus.de

Ist das möglich - oder ein Statistikfehler? Haben die Amish früher etwa weniger Kinder gehabt? Oder ist die Kindersterblichkeit so rapide zurückgegangen? Und haben die jungen Leute sich mit 18 früher häufiger von ihrer Gemeinschaft getrennt?

Wie auch immer: Fruchtbarkeit ist sicher ein wesentlicher Faktor bei der Erhaltung einer Gemeinschaft - und genau daran mangelt es bekanntlich bei den Evangelischen - in Österreich nicht anders als in Deutschland.

Westwärts geschaut

Posted by Picasa

Nichts für Klaustrophobe

Gehe in dich, das ist leicht gesagt. Doch es zu tun, ist schon deshalb schwerer, weil da wenig Auslauf ist.

Ernst Bloch

Handelskai

Posted by Picasa

O, wie gehässig

So quer wie Andrea Kdolsky in die Politik eingestiegen ist, so quer steigt sie auch aus – allerdings unfreiwillig: Nach ihrem Fettnäpfchen-Marathon muss die erfolglose Gesundheitsministerin den Hut nehmen. Dass sie kürzlich vollmundig ankündigte, als Ministerin weiterarbeiten zu wollen, hat ihren Abgang deutlich beschleunigt.

Andrea Kdolsky wird der Öffentlichkeit noch lange in Erinnerung bleiben – allerdings mit Auftritten jenseits jeder politischen Ernsthaftigkeit. Immerhin konnte Kdolsky in den knapp eineinhalb Jahren ihrer Amtszeit ein Schweinsbraten-Buch schreiben, fröhlich Czardas tanzen, den Zwergerlgarten und eine begehbare Prostata eröffnen sowie sich öffentlich von ihrem Lebensgefährten trennen und neu verlieben. Doch das war zu wenig – den Parteifreunden reicht es. Kdolsky zog daraus die Konsequenzen, verlässt die Politik – und hinterlässt jede Menge Baustellen.

Zu lesen in der kostenlosen Tageszeitung "Heute" am 22.08.2008

Es rollen die Köpfe, schon vor der Wahl melden sich viele der jetzigen Minister ab. Zugleich ist der kleine Text ein Beispiel für den ausgesprochen gehässigen Ton des österreichischen Boulevard-Journalismus.

Abriss




Posted by Picasa

Donnerstag, 21. August 2008

Schwerwiegende Pflichtverletzung

Ein kirchliches Pflegeheim darf eine Mitarbeiterin entlassen, wenn sie aus der Kirche austritt. Das rheinland-pfälzische Landesarbeitsgericht wies die Berufung einer Altenpflegerin aus der Pfalz gegen ihre Kündigung zurück, sagte ein Gerichtssprecher dem epd am Donnerstag. Eine Revision gegen das Urteil wurde nicht zugelassen.
(AZ: 7 Sa 250/08)

Die Klägerin arbeitete seit Ende 2001 als Pflegekraft in einer Einrichtung des Caritas-Verbandes. Im September 2007 trat sie aus der Kirche aus, worauf ihr das Pflegeheim kündigte. In ihrer Klage hatte sich die Mutter dreier Kinder auf das Grundrecht der Religionsfreiheit berufen und geltend gemacht, dass sie keine pastorale oder leitende Tätigkeit ausgeführt habe. Auch habe sie die Kirche nicht aktiv bekämpft.

Die Mainzer Richter bestätigten indes das Urteil das Arbeitsgerichts Kaiserslautern. Demnach wiegt das kirchliche Selbstbestimmungsrecht in dem vorliegenden Fall schwerer als das Recht auf freie Religionsausübung. «Der Kirchenaustritt gehört nach Kirchenrecht zu den schwersten Vergehen gegen den Glauben und die Einheit der Kirche», heißt es in dem Urteil. Die Kirche habe das Recht, von ihren Mitarbeitern ein loyales Verhalten zu fordern. Der Austritt sei somit als schwerwiegende Pflichtverletzung zu werten.

epd 21.02.2008

Wer bei der Kirche beschäftigt ist, verzichtet also auf ein bestimmtes Grundrecht, nämlich ausgerechnet das der Religionsfreiheit. Zudem zahlt die Kirche auch noch schlechter.

Vom Schwarzen und vom Weißen

Batman's Amerika - Die Sendung mit der Fledermaus

Der dunkle Ritter ist wieder da. Heute kommt der Film "The dark Knight" in die deutschen Kinos, ein neuer Batman-Film, der in den USA den erfolgreichsten Kinostart aller Zeiten hingelegt hat. Das Merkwürdige daran: Dieser Batman ist ein gebrochener Held, und sein Widersacher Joker scheint das Publikum mehr zu faszinieren als der Held selbst. Das könnte eine schöne Metapher für die Gefühlslage der amerikanischen Nation sein. Die am Ende der Bush-Ära von Selbstzweifeln geprägt ist; die nicht weiß, ob der Weg mit Obama oder McCain weitergehen soll; die von Finanzkrisen und schwindendem internationalen Erfolg gebeutelt wird.

Newsletter-Ankündigung der heutigen Sendung von DER TAG auf hr2-kultur

Lutherkirche, Detail

Aus dem ungebauten Wien

Ein Kuriosum stand (...) rund um die Eröffnung des Zentralfriedhofs im Jahr 1874 ernsthaft zur Debatte: Der Transport Verstorbener von der Einsegnung in der Innenstadt zum Friedhof am Rande der Stadt sollte per Rohrpost für Leichen abgewickelt werden. Kostenpunkt für den Plan: 1 Million Gulden. Letztlich lehnte die Stadtverwaltung den Plan aber ab – aus Pietätsgründen, aber auch wegen technischer Schwierigkeiten. Auch die „Wiener Zentralfriedhofs-Bahn“, eine mit Dampf betriebene Lokomotive, die im Anhängewagen Sarg und Trauergäste zum Friedhof bringen sollte, wurde nie verwirklicht.

Aus dem Presse-Artikel von Adreas Wetz: Großprojekte, zu groß für Wien vom 18.08.2008

Am Montag (17.08.2008) waren die Zeitungen voll von angeblichen Plänen zum Aufbau des Nordturms am Stephansdom. Nachträglich erwies sie dieser Schmäh als ein PR-Gag für eine ORF-Kultzursendung, die "Presse" nahm dieses Sommertheaterzwischenspiel zum Anlass für einen Artikel über Pläne, die in Wien dann doch nicht verwirklicht wurden.

Landschaft, flüchtig

Allerliebste Liebesgedichte (2)

Liebeslied

Helle Länder sind deine Augen,
Vögelchen sind deine Blicke,
Zierliche Winke aus Tüchern beim Abschied.

In deinem Lächeln ruh ich wie in spielenden Booten,
Deine kleinen Geschichten sind aus Seide.

Ich muß dich immer ansehen.

Alfred Lichtenstein

Mittwoch, 20. August 2008

Heiligenstadt



Posted by Picasa

Männer - das problematische Geschlecht

In Locarno stellt Michel Houellebecq sein Regie-Debüt, die Eigenromanverfilmung "Die Möglichkeit einer Insel" vor. Barbara Gärtner hat ihn zum Gespräch getroffen, in dem er wenig, aber immerhin erklärt, warum es keinen expliziten Sex gibt in dem Film: "Wenn man Sex zeigt, gibt es immer ein Problem mit den Männern; die männlichen Genitalien sind einfach nicht schön. Ich habe schon einmal einen erotischen Kurzfilm gemacht, darin waren aber nur Frauen beim Sex zu sehen. Doch bei einem längeren Film nur vögelnde Frauen zu zeigen, ist ja langweilig. Sex lässt sich nicht verfilmen, darüber kann man höchstens schreiben."


perlentaucher.de über das Feuilleton der Süddeutschen Zeitung vom 18.08.2008


Immer diese Männer - sie sind doch das eigentlich problematische Geschlecht, das weiß die Kriminalitätsstatistik ebenso wie die Schulpolitik... Und nicht einmal schön sind sie, eigentlich müsste man als Mann doch fast verzweifeln - und staunen, was Frauen nur an Männern finden.

Blauer Blick

Posted by Picasa

Alles hat auch sein Gutes

Der große Zeitmangel unter den Studenten ist aber nicht nur nachteilig. Er lässt ins Abseits geratene Literaturgattungen neu beleben. Neben dem Aphorismus, der Kurzgeschichte und - in Ausnahmefällen - der Novelle profitiert vor allem die Lyrik von den neuen Verhältnissen. Gedichte stellen per definitionem "Fragen" - die im Seminar ohne große Vorkenntnisse diskutiert werden können. Aus einer Sitzung mit viel Lyrik geht man immer beschwingt, da sich zum einen so wunderbar viele Teilnehmer zu Wort gemeldet haben, sie es zum anderen oft mit exzellenten Beobachtungen getan haben und außerdem endlich die Literatur im Mittelpunkt stand.

Dennoch sollte man keine Seminare anbieten, die Lyrik zu direkt adressieren. Themen wie "Die Diskussion des Hexameters in der Goethezeit" oder "Brechts Elegien" wirken abschreckend. Lieber das Seminarthema so wählen, dass die Lyrik gleichsam organisch darin vorkommt. Intuitiv richtig handelte ich, als ich das Thema "Stimmung" für ein Seminar wählte; es versteht sich von selbst, dass Stimmung einen intimen Bezug zur Lyrik hat. Aber auch als es in einem weiteren Seminar um die 68er-Bewegung und ihren Zweifel am Nutzen der Literatur ging, konnten drei Zeilen Bachmann gefühlte eintausend "Kursbuch"-Lektüre ersetzen - "Soll ich / einen Gedanken gefangen nehmen / abführen in eine erleuchtete Satzzelle?"

Aus einem Artikel über die heutigen Bedingungen germanistischer Lehre (Michael Angele: Literatur für Leute, die zufällig studieren, FAZ 19.08.2008)

Neulich nachts bei vollem Mond

Posted by Picasa

Klassisch unmöglich

Timm: Die Briefe waren ja der Motor in einer Liebesbeziehung. Persönlichen Kontakt gab es während all der vielen Jahre selten. Und wenn, dann endete das schnell im Desaster. Lebten da, Frau Stoll, zwei Menschen ihr Paralleluniversum in der Schrift?

Stoll:
Ein Stück weit kann man das sicher so sagen. Es ist ein klassisch unmögliches Liebespaar, nicht mit dir und nicht ohne dich. Das könnte man auch als Motto über diese Beziehung stellen. Es ist so, dass diese Liebesbeziehung ja verschiedene Phasen hat. Es gibt diese Leichtigkeit der ersten Begegnung, dann sehr schnell die Erkenntnis, dass das Täter-Kind, Ingeborg Bachmann als Tochter eines NS-Offiziers, eines österreichischen, er als Sohn eines Elternpaares, das in einem deutschen Konzentrationslager umkam, dass dieser Hintergrund das Leben, das Sprechen der beiden doch enorm belastet. Es gab dann das Gefühl von Ingeborg Bachmann, so sehr sie sich auch einfühlen will in seine Vernichtungserfahrung, in seine Trauer, in seine Auffassung von Dichtung als Grabschrift, dass er das nicht anerkennt. Sie hat sich irgendwann von ihm verworfen gefühlt und hatte das Gefühl, sie kann machen, was sie will, sie kann ihm in seinem Anspruch so nicht gerecht werden und wird von ihm auch nicht anerkannt, weil sie diese Erfahrung nicht teilen kann. Und dann folgt in der Tat eine Phase des Schweigens nach einem desaströsen Aufenthalt in Paris 1950, wo sie versucht haben, miteinander zu leben. Und Ingeborg Bachmann danach ihrem Wiener Freund, Hans Weigel, gesteht, dass dieser Versuch Strindbergsch wurde. Man habe sich gegenseitig die Luft weggenommen.

Aus einem Deutschlandradio-Interview mit Andrea Stoll, der Herausgeberin des Briefwechsels zwischen Ingeborg Bachmann und Paul Celan