Mittwoch, 22. Juli 2009

When shall we three meet again?

Das Sterben bei den Dayak

Das Sterben beginnt bei den Ngadju-Dayak bereits vor dem Tod. Einige Zeit vor seinem tatsächlichen Tod bekommt jeder Mensch ein Zeichen seines baldigen Endes: Eine völlige Wandlung seines Charakters setzt ein. Wer gutherzig und freundlich war, wird nun hartherzig, der Tapfere wird zum Feigling und umgekehrt. Sobald die Angehörigen eine derartige Charakterveränderung bemerken, opfern sie dem mächtigsten sangiang, Tempon Te/on, um das Geschick abzuwenden. In aller Stille trifft man jedoch Vorkehrungen für den Todesfall, um nicht davon überrascht zu werden. Hier zeigt sich m. E. klar, daß das Sterben nicht ein plötzliches Ereignis darstellt, sondern als ein Prozeß aufgefaßt wird, dessen Vorzeichen bereits vor dem eigentlichen Tod sichtbar werden.

Die Tatsache, daß sich bei dem Todeskandidaten eine totale Umkehrung seines Charakters vollzieht, ist bemerkenswert. Sie steht in enger Beziehung zu den Jenseitsvorstellungen der Dayak: die Toten machen nämlich alles anders als die Lebenden. In der Charakterveränderung des noch lebenden Menschen zeigt sich schon sein langsamer Übergang in eine andere Seinsweise.

Maria Susana Cipolletti: Langsamer Abschied. Tod und Jenseits im Kulturvergleich. Roter Faden zur Ausstellung, Museum für Völkerkunde Frankfurt am Main 1989, S. 80f.

Weibliche Phantasien

Lange habe ich dem Ammenmärchen Glauben geschenkt, Frauen hätten nur in den seltensten (und dann schon als krankhaft einzustufenden) Fällen konkrete sexuelle Phantasien, wenn sie einen Mann sehen. Inzwischen ist mir so oft das Gegenteil bestätigt worden (von Frauen sehr verschiedenen Typs), dass ich mir bei einer solchen Szene denke: Da wird dem Mann im Geist schon die Hose ausgezogen von einigen der Betrachterinnen. Size matters - das ist wohl doch nicht nur pornographische Phantasie... Und auch die Frage, in welcher Richtung das Geschlechtsorgan in der Hose abgelegt ist, scheint mitunter von Bedeutung zu sein. So sagte mir eine Bekannte einmal, sie lasse sich grundsätzlich nur mit "Linksauslegern" ein. Und da ging es nicht um Politik.

Sommer

(...) und Postkarten trudeln
ins Haus, ganz wesentliche Motive, ein Blatt
in die alte Maschine zu spannen, die Sätze
zu suchen, die im Netz der Nichtigkeiten
hängengeblieben sind...

Jürgen Becker

Praterstern



Deutschland, geh voran

Nordrhein-Westfalens Arbeitsminister Laumann hat Überlegungen der Bundesbank zur Erhöhung des Renteneintrittsalters kritisiert. Wer jetzt für die Rente mit 69 eintrete, erntferne sich von der Lebenswirklichkeit der Rentner, sagte Laumann der "Westdeutschen Zeitung". Es müsse zunächst darum gehen, altergerechte Arbeitsplätze für die Rente mit 67 zu schaffen, meinte der CDU-Politiker. Die Menschen dürften nicht verunsichert werden. - Die Bundesbank stellte klar, dass es sich um eine Modellrechnung und nicht um eine Forderung gehandelt habe.

DLF-Nachrichten 22.07.2009, 6 Uhr


Die Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre ist in Deutschland schon seit ein paar Jahren beschlossene Sache. Es steht nicht zu erwarten, dass eine nennenswerte Zahl von sozialversichungspflichtig Tätuigen bis zu diesem Zeitpunkt arbeitet, das faktische Renteneintrittsalter wird auch in Zukunft darunter liegen, ja, die Schere zwischen Theorie und Lebenswirklichkeit wird sich weiter öffnen. Aber die Abschläge auf theoretisch erzielbare Renten und Pensionen werden zunehmen und so zur Rettung des Systems beitragen. Nach neueren Rechnungen reicht auch 67 dazu noch lange nicht aus...
In Österreich wird eine solche Diskussion bislang nicht geführt, aber auch das österreichische Pensionskassenwesen wird über kurz oder lang ohne eine Erhöhung der realen oder fiktiven Lebensarbeitszeit zusammenbrechen.
In diesem Zusammenhang fällt mir immer wieder die deutsche Hochschulreform der 70er Jahre ein: Nach der damals in Kraft getretenen Novellierung des Dienstrechts durften Universitätsprofessoren nicht mehr bis 68 (oder länger) im aktiven Dienst bleiben, sondern wurden pflichtmäßig mit 65 in Pension geschickt, was oft und lautstark bejammert wurde. Das ist begreiflich, denn Wissenschaftler und akademische Lehrer erreichen ja oft erst weit jenseits der 50 das Maximum ihrer Leistungskraft und wirklich gut dotierte Stellen und können ihre Tätigkeit zweifellos länger ausüben als die meisten anderen Erwerbstätigen. Für Pfarrer gilt das übrigens auch. Der Gedanke, in gut dreizehn Jahren in den Ruhestand zu gehen (bzw. gehen zu müssen), mutet mich ziemlich absurd an. Bei diesem Thema alle über einen Kamm scheren zu wollen, ist nicht angemessen.

Nicht nur Asphalt

Hic et nunc